Über den Duft von Büchern

Der slowenische Chemiker Matija Strlič forscht seit Jahren am University College London (UCL) über den Geruch von Büchern und versucht diese so vor dem Verfall zu retten. Nachdem wir letzten November einen kurzen Hinweis auf ihn im Biblioblog gegeben hatten, erschien kurz vor Weihnachten auch ein ausführlicher Artikel von Jessica Braun unter dem Titel „Das Parfum der Bücher“ in der Zeit (20. Dezember 2017, Nr. 53, S. 37). Die kostenfreie Online-Version zum Nachlesen ist hier vorrätig 😉 …

Hinter den Kulissen von Wikipedia

Um Weihnachten erschien in der Sonntagsbeilage des Tagesspiegels ein Artikel, der hinter die Kulissen der Online-Enzyklopädie Wikipedia blickt. Der Artikel mit dem doch sehr aufmerksamkeitsheischenden Titel „Krieg der Schlauberger – Inside Wikipedia“ von Sebastian Leber ist mittlerweile kostenfrei online abrufbar. Der Autor besuchte den Dachverband Wikimedia Deutschland und porträtiert mehrere Autoren, die sich ehrenamtlich am Mitmach-Lexikon beteiligen. Unter diesen befindet sich auch der frühere FU-Student Martin Rulsch. Mit ihm hatten wir zum zehnten Geburtstag der Wikipedia im Jahr 2011 für Biblioblog ein kurzes Interview geführt. Die Tipps, die er damals zum Artikelschreiben gab, haben übrigens auch nach sieben Jahren nichts an ihrer Gültigkeit verloren 😉 …

Online-Material zu Literaturnobelpreisträgern García Márquez und Ishiguro

Gabriel García Márquez (2009)
Gabriel García Márquez (2009)

Kurz nach der Ehrung der diesjährigen Nobelpreisträger am Sonntag hat das Harry Ransom Center an der Universität von Texas in Austin die Gabriel García Márquez Collection kostenfrei online veröffentlicht.

Die Sammlung bietet Zugriff auf zahlreiche digitalisierte Objekte aus dem Nachlass des kolumbianischen Schriftstellers und Journalisten (1927-2014). Enthalten sind u. a. Manuskripte zu veröffentlichten und unveröffentlichten Werken, Forschungsmaterial, Fotografien, Sammelalben, Briefwechsel, Zeitungsausschnitte, Notizbücher, Drehbücher, Druckmaterialien, Ephemera sowie eine Tonbandaufnahme von García Márquez‘ Nobelpreisrede aus dem Jahr 1982. Nicht enthalten sind die zehn Entwürfe zu seinem letzten, nicht fertiggestellten Roman En agosto nos vemos (engl.: We’ll See Each Other in August), dessen erstes Kapitel 2014 von der spanischen Zeitung La Vanguardia veröffentlicht wurde.

Der Nachlass des Autors war im Jahr 2014 für 2,2 Mio. US-Dollar durch das Harry Ransom Center angekauft worden. Es wird eine englische und spanischsprachige Nutzer-Oberfläche angeboten. Insgesamt verbrachten Bibliothekare, Archivare, Studenten und Techniker rund 18 Monate, um das Material im Volltext in den beiden Sprachen durchsuchbar zu machen (vgl. INFOdocket.com). Laut Anbieter ist gegenwärtig die Hälfte des Archivguts online abrufbar.

Eine Inspiration war García Márquez scheinbar auch für den diesjährigen Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro, wenn man dessen Nobelpreisvorlesung studiert. Im auch in deutscher Übersetzung vorliegenden Text  Mein napoleonischer Abend – und andere kleine Offenbarungen nimmt uns der Brite japanischer Herkunft mit auf eine Reise in den Herbst 1979 und die entscheidenden Momente, die ihn zum Schriftsteller werden ließen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Bob Dylan nahm Ishiguro am Sonntag die Auszeichnung persönlich in Stockholm entgegen. Sein  überschaubares Œuvres aus sieben Romanen sowie einem Kurzgeschichtenband ist gerade frisch von der Universitätsbibliothek eingekauft worden (Ausgaben des Heyne-Verlags, 2016) und über das Bibliotheksportal Primo vorbestellbar:

Bild: Festival Internacional de Cine en Guadalajara (CC-BY-2.0, via Wikimedia Commons)

Alles online, oder was?

In einer nicht repräsentativen Stichprobe haben KollegInnen der Zentralbibliothek Zürich zufällig drei Bücherregale mit fast 700 gedruckten Titeln (Bücher in modernen Sprachen, außer Deutsch, Erscheinungsjahre: 1983-2011) ausgewählt, um das Verhältnis von analogen und digitalen Angeboten zu untersuchen. Weitere Details und die Auflösung, wie viele Bücher davon tatsächlich online verfügbar sind, bietet der digithek blog.

Detail des UB-Magazinturms am Morgen (Collage, Bildquelle: Marc Spieseke)
Detail des UB-Magazinturms am Morgen (Collage, Bildquelle: Marc Spieseke)

Passend zum Thema weist das Blog Archivalia auf eine im Sommer 2017 gestartete Umfrage bei ca. 1000 europäischen Museen, Bibliothek, Archiven hin („ENUMERATE-Report“). Demnach sind 42 Prozent des europäischen Kulturerbes nicht digital zugänglich.

Noch 20 Türchen …

Traditionsgemäß präsentiert das Blog Bibliothekarisch.de wie in den vergangenen Jahren auch eine Linkliste mit Online-Adventskalendern von Bibliotheken, Verlagen, Hochschulen usw. (teilweise auch mit kommerziellem Hintergrund). Wer meint, aus dem Alter der klassischen Schokoladen-Weihnachtskalender herausgewachsen zu sein, findet dort in der Zeit von Christstollen, Glühwein, Spekulatius & Co. mit Sicherheit eine passende kalorienärmere Variante 😉 …

Von chinesischen Büchertapeten und Stolperfallen

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Dieses Sprichwort ist recht zutreffend für die neu eröffnete  Tianjin Binhai Library in der Volksrepublik China, über die wir hier im Blog auch vor ein paar Wochen berichteten. Wie das Schweizer Nachrichtenportal „watson“ vor einigten Tagen mitteilte, ist das futuristisch anmutende Atrium nur auf dem ersten Blick bis zur Decke mit Büchern gefüllt – tatsächlich handelt es sich größtenteils „nur“ um Fotowände mit Einbandmotiven. Die wenigen Bücher, die bislang dort untergebracht waren, würden nun in andere Bereiche verlegt. Viele Smartphone-affine Besucher hätten zudem Probleme mit den runden Formen der Treppenstufen,  die zum Stolpern einladen würden. Das hindert dennoch Interessierte nicht daran, die Bibliothek in der Nähe von Peking zu besuchen – pro Wochenende werden ca. 15.000 Besucher gezählt!

Gesehen via Vöbblog

Phantom-Fachartikel fast 400 Mal zitiert

„If something looks fishy, it probably IS fishy!” (dt. „Wenn etwas faul aussieht, ist es wahrscheinlich faul!“), resümiert die Wissenschaftlerin Anne-Wil Harzing (Middlesex University) in ihrem im Oktober erschienenen Blog-Artikel „The mystery of the phantom reference“. Nur durch Zufall kam ein Kollege von ihr einem nie geschriebenen Fachartikel auf die Spur, der allerdings laut dem Web of Science 398 Mal zitiert worden war:

Van der Geer, J., Hanraads, J.A.J., Lupton, R.A., 2000. The art of writing a scientific article. J Sci. Commun. 163 (2) 51-59. [The journal name can also be found with its full title Journal of Science Communications]

Der Standard fasst die Ergebnisse in einem Artikel auch nochmal auf Deutsch zusammen.
Du bist dir selbst unsicher bei der Recherche nach qualitativ hochwertigen Quellen? Dann sichere dir einen Platz in unserem Kurs Qualitätskriterien für die Literaturauswahl (Donnerstag, 18. Januar 2018, 10-11:30 Uhr) in der Universitätsbibliothek!

Der Duft der Bücher

Im Zeitalter des E-Books ist nicht nur die Haptik gewöhnungsbedürftig, auch der entsprechende Duft, den neue oder alte Bücher bisweilen verströmen, kann ein Lesegerät nicht nachahmen. Abhilfe bei diesem Problem schafft da diese Woche ein Podcast von radioeins. Unter dem Titel „Stimmt’s, dass man den Geruch alter Bücher kaufen kann?“ wird in 1:45 Minuten auf das Aroma von neuen und alten Büchern eingegangen und wie es zustande kommt. Bei der angesprochenen wissenschaftlichen Studie handelt es sich vermutlich um „Material Degradomics: On the Smell of Old Books“, 2009 erschienen in der Fachzeitschrift Analytical Chemistry (81 (20), pp 8617–8622) und im FU-Campusnetz frei abrufbar. Mitautor Matija Strlic, Chemiker am University College London, stand im selben Jahr auch in einem Artikel vom Telegraph („The smell of old books analysed by scientists“, 12. November 2009) Rede und Antwort.

Das Auge von Tianjin

Unter dem Titel „Das Leseraumschiff“ hat Spiegel Online diese Woche einen Artikel über die neu errichtete, sehr futuristisch anmutende Tianjin Binhai Library in der chinesischen Hafenstadt Tianjin veröffentlicht. Das gläserne, illuminierte Atrium mit Kugel in der Mitte erinnert von außen an ein überdimensionales menschliches Auge.

Für den Bibliotheksneubau war das niederländische Architekturbüro MVRDV zuständig, das im Jahr 2000 auch den niederländischen Pavillon auf der Expo entwarf. Weitere beeindruckende Fotos und Informationen auf Englisch lassen sich der Website von MVRDV bzw. der Architekturseite ArchDaily entnehmen.

Nie zu Ende gelesene Romane …

Bei der ein oder anderen Romanlektüre kommt es schon mal vor – man verliert die Lust und das Buch verstaubt, nie zu Ende gelesen, in einer Ecke des Bücherregals. Der französische Radiosender France Culture hat seine Hörer in den sozialen Netzwerken nach solchen Titeln gefragt. Aus den über 3000 Antworten wurde im letzten Monat eine Top-10-Liste veröffentlicht:

  1. Ulysses von James Joyce (1922)
  2. Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell (2006)
  3. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit von Marcel Proust (1913-1927)
  4. Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien (1954/55)
  5. Die Schöne des Herrn von Albert Cohen (1968)
  6. Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil (1930-1943, unvollendet)
  7. Rot und Schwarz von Stendhal (1830)
  8. Madame Bovary von Gustave Flaubert (1856/57)
  9. Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez (1967)
  10. Reise ans Ende der Nacht von Louis-Ferdinand Céline (1932)

Ist die französische Liste auch auf deutsche Lesegewohnheiten zu übertragen? Oder welche Titel liegen bei euch nie beendet im Bücherregal?

(Gesehen im schneeschmelze-Blog)