Bibliotheksdoku konkurriert beim Filmfestival von Venedig

Heute wurden in Rom die Wettbewerbsfilme für die vom 30. August bis 9. September stattfindenden 74. Internationalen Filmfestspiele von Venedig bekanntgegeben. Unter den Anwärtern auf den Goldenen Löwen, den Hauptpreis des Filmfestivals, befinden sich so bekannte Autorenfilmer und Hollywood-Größen wie die bereits vielfach prämierten Alexander Payne (Downsizing), Darren Aronofsky (mother!), George Clooney (Suburbicon), Guillermo del Toro (The Shape Of Water), Abdellatif Kechiche (Mektoub, My Love: Canto Uno) oder auch der chinesische Künstler und Menschenrechtler Ai Weiwei (Human Flow). Aber auch ein „kleiner“ Dokumentarfilm über das Bibliothekswesen darf sich Hoffnungen auf eine Auszeichnung der Wettbewerbsjury unter Leitung der US-amerikanischen Schauspielerin Annette Bening machen – Ex Libris – New York Public Library von Frederick Wiseman erhielt ebenfalls eine Einladung (vgl. Artikel bei screendaily.com).

Frederick Wiseman im Jahr 2005 (Bild: Charles Haynes / CC-BY-SA-2.0)
Frederick Wiseman im Jahr 2005

Wiseman, geboren 1930 in Boston, zählt zu den wichtigsten amerikanischen Vertretern des sogenannten „Direct Cinema“, einer Form des Dokumentarfilms, die Anfang der 1960er-Jahre in den USA entstand. Seit 1967 hat der letztjährige Ehrenoscar-Preisträger über 40 Filme gedreht. Als unabhängiger Filmemacher hat er sich nie für den Markt interessiert. Seine zum Teil sozialkritischen Dokumentarfilme die u. a. um Nervenheilanstalten, High Schools, das American Ballet Theatre oder zuletzt um die National Gallery in London kreisten, vergleicht er selbst mit Theaterstücken, Romanen oder Gedichten (vgl. Biografie bei Munzinger Online). Was liegt da näher, als seinen neuesten Dokumentarfilm in der Bibliothekslandschaft spielen zu lassen?  Auf der Webseite von Wisemans Filmgesellschaft Zipporah Films, ist nachzulesen, dass er bei Ex Libris – New York Public Library einen Blick hinter die Kulissen des öffentlichen Bibliothekssystems in New York wagt. „Die NYPL ist gesegnet mit gleichmäßig leidenschaftlichen Mitarbeitern und zutiefst hingebungsvollen, dankbaren Bibliophilen und Nutznießern in ihren 92 Zweigstellen. Der Film zeigt einen ehrwürdigen Ort des Willkommens, kulturellen Austausches und der intellektuellen Kreativität.“, so die offizielle Beschreibung. Laut einem älteren Artikel des Branchendiensts Indiewire soll auch der Spagat zwischen der Aufrechterhaltung traditioneller bibliothekarischer Dienstleistungen auf der einen und die Anpassung an den digitalen Wandel auf der anderen Seite thematisiert werden.

Bild: Charles Haynes / CC-BY-SA-2.0

Wie auch immer das Abenteuer in Venedig für Frederick Wiseman ausgeht, wir dürfen auf Ex Libris – New York Public Library gespannt sein – und auf einen deutschen Kinostart hoffen. Mit einer angekündigten Länge von 197 Minuten (der längste Film im Wettbewerb!) dürfte das für die hiesigen Verleiher eine große Herausforderung darstellen 😉.

Podiumsdiskussion „Welche Zukunft für Berlins Bibliotheken?“ am 12. September

Sechs Tage vor der Abgeordnetenhauswahl in Berlin findet am Montag, den 12. September 2011, um 18 Uhr im Berlin-Saal der Berliner Stadtbibliothek (Breite Str. 30-36 in Berlin-Mitte) eine Podiumsdiskussion zur Zukunft der Berliner Bibliotheken statt. Anwesend sein werden Vertreter der CDU, SPD, Grünen, FDP und Linken sowie Stefan Rogge, geschäftsführender Vorsitzender des Landesverbandes Berlin im Deutschen Bibliotheksverband e. V. (dbv).

Der Landesverband Berlin und die Landesgruppe Berlin des Berufsverbands Information Bibliothek (BIB) haben bereits in diesem Frühjahr vier sogenannte „Wahlprüfsteine“ an die Fraktionsvorsitzenden in Berliner Abgeordnetenhaus verschickt, um deren Positionen zur Entwicklung der Berliner Bibliotheken zu erfahren. Diese werden Grundlage für die Diskussion sein. Die schriftlichen Antworten der Parteien findet man auf der Webseite des dbv.

Schon seit Jahren wird sich in Berlin wie auch in anderen deutschen Bundesländern u. a. für ein Bibliotheksgesetz engagiert (in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Hessen war man bereits erfolgreich). Dieses soll Bibliotheken als Kultur- und Bildungseinrichtungen stärken und zur Pflichtaufgabe der Politik machen. Auf diese Weise erhofft man sich ein Ende der Bibliotheksschließungen und der Verschlechterung des Medienangebots vor allem an Öffentlichen Bibliotheken.

Gesehen im IBI-Weblog der HU