Online-Enzyklopädien in der Praxis II

Monatsspecial „Online-Enzyklopädien“ – Nächste Schritte

Das Projekt Open Encyclopedia System Startseite_1418

Im zweiten Teil dieses Monatsspecials haben wir Ihnen die Online-Enzyklopädie 1914-1918-online vorgestellt. Bei dieser Enzyklopädie zum Ersten Weltkrieg wurden bereits sehr weit entwickelte Verfahren und Werkzeuge implementiert, um ein weltweites Netzwerk von Historikern zu koordinieren und ein Online-Nachschlagewerk mit den höchsten wissenschaftlichen Standards und modernen Zugängen der Öffentlichkeit frei zur Verfügung zu stellen.

Wie die technologischen Entwicklungen stetig voranschreiten, steigen auch die technisch-konzeptionellen Anforderungen an Softwaresysteme, die der Umsetzung elektronischer Publikationen im Open Access dienen. Das Center für Digitale Systeme (CeDiS) hat deshalb gemeinsam mit dem Friedrich-Meinecke-Institut (FMI), dem Centrum Modernes Griechenland (CeMoG) und der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) im März diesen Jahres ein neues Projekt angestoßen: Open Encyclopedia System, kurz OES. OES ist eine standardisierte Plattform zur Erstellung von Online-Enzyklopädien und zu deren Betrieb. Das Projektkonsortium wird bei diesem Projekt gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Ziele und Visionen bei Open Encyclopedia System

Das Ziel des Projektes besteht darin, technologische Weiterentwicklungen zu eruieren und zu induzieren sowie das bestehende System, das hinter einer Online-Enzyklopädie wie z. B. bei „1914-1918-online“ steht, mit zeitgemäßen neuen Möglichkeiten und Verfahren zu optimieren.

Schwerpunkt des funktionalen Ausbaus ist die Entwicklung von einer reinen Publikationsumgebung hin zu einer interaktiven Arbeits- und Publikationsumgebung. Dabei werden modellhaft insbesondere Funktionalitäten für die kollaborative Bearbeitung und Pflege elektronischer Publikationen und für Formen des Community Engagements sowie verschiedene Verfahren der Qualitätssicherung erprobt und entwickelt.

Die Online-Enzyklopädie 1914-1918-online bildet aufgrund des großen Umfangs und der inhaltlichen Vielfältigkeit sowie des breiten Spektrums an Projektbeteiligten einen optimalen Anwendungsfall, um einige der neuen interaktiven Funktionalitäten einzusetzen und auf ihre Eignung zu testen. Das erste Projekt, das mit dem neuen OES umgesetzt wird, ist 1914-1918-online, bei dem die bestehenden Inhalte mit den neu entwickelten Verfahren und Werkzeugen in das neue System OES migriert werden. In einem weiteren Projekt wird mit OES eine CeMoG-Enzyklopädie über den deutsch-griechischen Wissens- und Kulturtransfer erstellt.

Neben dem  funktionalen Ausbau und der Entwicklung einer interaktiven Arbeits- und Publikationsumgebung besteht ein weiteres Ziel des Projektes in der Entwicklung einer standardisierten Open-Source-Plattform. Diese soll vorrangig für die Erstellung und den Betrieb von geistes- und sozialwissenschaftlichen Online-Enzyklopädien erstellt werden. Online-Nachschlagewerke, die auf Basis von OES umgesetzt werden, sollen im Open Access verfügbar gemacht und können von der Bayerischen Staatsbibliothek langzeitarchiviert werden.

Von wesentlicher Bedeutung für die architektonischen Ziele des OES sind:

  • Modularität
    Die Erstellung und Pflege von Online-Enzyklopädien sollen konfigurierbar sein, d.h. einzelne Komponenten sollen an- und abwählbar sein sowie die Kombination verschiedene Module soll nach eigenen Wünschen gestaltbar sein.
  • Offenheit
    Bezogen auf die Nutzung, Kombination und Bereitstellung von Open-Source-Software soll ein Freiraum geschaffen werden, der die Anpassungsfähigkeit eines Systems an die Anforderungen eines darin zu implementierenden Projekts erhöht.
  • Datenintegrität
    Eine saubere Trennung und Validierung der Daten bei der Erfassung und Prozessierung sowie klare Datenbankschemata sollen eine integere Datenstruktur sicherstellen.
  • Interkonnektivität
    Mit projektspezifischen sowie projektübergreifenden Datenschnittstellen sollen die interne als auch externe Anbindung an bibliotheks- und informationstechnischen Ressourcen gewährleistet werden. OES reiht sich zudem in die Standards des Semantic Web ein, indem u.a. die Möglichkeit des Imports und Exports von Linked Open Data bereitgestellt wird.

Bei der Umsetzung der Ziele für OES werden u. a. Projektmanagement-Tools, Community Features wie beispielsweise Blogs, Kommentarfunktion, Foren und Funktionalitäten der Personalisierung, des Nutzer- und Rechtemanagements, des Einbindens multimedialer Inhalte sowie innovativer Suche und Navigation eingeplant. Ein geeignetes Redaktionssystem als weitere wesentliche Komponente wird darüber hinaus verschiedene Verfahren des wissenschaftlichen Reviews beinhalten. Unterstützt wird eine Online-Enzyklopädie im Rahmen von OES nicht zuletzt mit verschiedenen Angeboten des Print Processing, der Versionierung von Inhalten und einer Suchmaschinenoptimierung.

Workshop zu Open Encyclopedia System

In der anfänglichen Phase des Projekts ist es notwendig, eine Analyse des bisherigen Projekts 1914-1914-online sowie der Anforderungen der CeMoG-Enzyklopädie sowie der generellen Anforderungen zur Erstellung von Online-Enzyklopädien durchzuführen und zu evaluieren. Hierfür veranstalten die Projektpartner des OES am 20. Mai 2016 den ersten Workshop zur „Anforderungsanalyse an ein Open Encyclopedia System“. Der Zweck des Workshops besteht darin, gemeinsam Anforderungen und Funktionalitäten für die Entwicklung von Online-Enzyklopädien zu erarbeiten. Themen bei dem Workshop sind technologische Aspekte, Softwarearchitektur für konfigurierbare Online-Enzyklopädien sowie Fragen des Community Engagements.

In Teil IV des Monatsspecials zum Thema Online-Enzyklopädien, der Starterhilfe erfahren Sie wie Sie die Online-Enzyklopädie für Ihre Zwecke nutzen können und welche Vorteile Sie daraus ziehen können.

Teil I und II des Monatsspecials „Online-Enzyklopädien“

 Teil I des Monatsspecials: Online-Enzyklopädien im Überblick
► Teil II des Monatsspecials: Online-Enzyklopädien – Ein Praxisbeispiel

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