The State of American Democracy

Research-based Analysis and Commentary by the Department of Politics at the John-F.-Kennedy Institute

Schwarzer Humor im Weißen Haus

Comic-Reporter Joe Sacco verbindet mit „BUMF“ den Biss seines Frühwerks mit analytischem Tiefgang. Politikwissenschaftler Thomas Greven hat den Comic analysiert

Barack Obama hat sein letztes Jahr als amerikanischer Präsident begonnen; der Wahlkampf über seine Nachfolge dominiert bereits die Medien. Es beginnt damit auch die Zeit der vorläufigen Bewertungen seiner Präsidentschaft, der historischen Vergleiche, der Einordnung. Ein besonderer Platz in den Geschichtsbüchern ist Obama als erstem afro-amerikanischen Präsidenten sicher, aber war seine Präsidentschaft ein Erfolg, war sie besonders, war sie jenseits seiner Hautfarbe gar „historisch“?

In seinem 2015 in den USA erschienenen und jetzt auf Deutsch vorliegenden Comic „BUMF“ zeigt Joe Sacco Präsident Obama als Wiedergänger Richard Nixons und in Kontinuität zu anderen Kriegspräsidenten, insbesondere zu George W. Bush.

DEN GANZEN BEITRAG BEIM TAGESSPIEGEL LESEN

War es das? Oder gibt es im amerikanischen Wahlkampf noch Überraschungen?

Beitrag von Thomas Greven im IPG-Journal. 

Yes, he (still) can! Was Barack Obama in seinem letzten Jahr noch erreichen kann.

Ein Beitrag von Thomas Greven im IPG-Journal.

er emotionale Einstieg in sein letztes Amtsjahr hat Barack Obama viel Applaus eingebracht: Angesichts der vielen Toten durch Schusswaffen in den USA müsse er handeln, auch wenn die Republikaner im Kongress jegliche gesetzliche Verschärfung des Waffenrechts ablehnten. Ändern konnte der amerikanische Präsident freilich nur einige Verwaltungsvorschriften, und die Waffennarren reagierten nicht nur wie gewohnt scharf ablehnend, sondern wie immer auch mit gesteigerten Waffenkäufen. Die Waffenlobby hat es nämlich geschafft, dass bereits die Diskussion kleinster Restriktionen als erster Schritt zum Verbot sämtlicher Waffen wahrgenommen wird, und so profitieren die Waffenhändler von der Empörungs- und Resignationsspirale nach jedem größeren Amoklauf. Nüchtern wird man sagen müssen, dass es nicht allein die Republikanische Blockade ist, welche bisher eine wirksame Waffenkontrolle verhindert hat. Wären die Demokraten in der Frage der Regulierung des Waffenbesitzes geschlossener, hätten sie zu Beginn von Obamas Amtszeit handeln können – und dieser hätte die aktuellen Änderungen übrigens auch schon vor Jahren veranlassen können. Tatsächlich fürchten viele Demokraten die Reaktion der Wahlbürger (zu Recht; 1994 verloren sie die Kongressmehrheit auch wegen des zeitweiligen Verbots halbautomatischer Waffen) und Obamas Entscheidung hat durchaus für innerparteilichen Unmut gesorgt.

 

Weiterlesen bei IPGiJournal.de 

„The Donald“ – eine amerikanische Tradition

Sein Kapital: die Angst der weißen, armen Männer.

von Thomas Greven

Die Welt schaut gebannt auf Donald Trump, der den amerikanischen Vorwahlkampf mit seinen Provokationen beherrscht. Was wäre, wenn der selbsterklärte Milliardär tatsächlich ins Weiße Haus einziehen könnte? Würde Muslimen die Einreise in die USA schlicht verwehrt, wie er großspurig ankündigt? Noch ist selbstverständlich nichts entschieden; vielleicht findet sich unter den immer noch zahlreichen Republikanischen Kandidaten noch ein „Anti-Trump“, der die Unterstützer der anderen auf sich vereinigen kann. Oder das Partei-Establishment fasst auf dem Parteitag in die Verfahrenstrickkiste. Und ohnehin: Den Demokraten werden größere Chancen auf den Gewinn der Präsidentschaft vorhergesagt.

Tatsächlich ist Trump ohnehin nur die gegenwärtige – wenn auch besonders besorgniserregende – Form eines Phänomens, das die USA schon seit langer Zeit prägt. Warum gibt es in den USA keinen Sozialismus, war eine klassische Frage der Amerikanistik. Und 2004 fragte der Publizist Thomas Frank in seinem Bestseller „What’s the matter with Kansas?“, warum insbesondere weiße Amerikaner ohne College-Abschluss beziehungsweise solche mit geringen Einkommen so oft gegen ihre eigenen ökonomischen Interessen abstimmen. Die klassischen Antworten wie die vom amerikanischen Traum des individuellen Aufstiegs entbehren heute zunehmend ihrer materiellen Grundlage oder sind unterkomplex wie Franks Verweis auf „falsches Bewusstsein“. Doch die massenhafte Zustimmung für Donald Trump – zumindest an der Republikanischen Basis (41 Prozent gegenüber 14 Prozent für seinen nächsten Verfolger, Ted Cruz) – scheint der klassischen Konstellation zu entsprechen: Was haben die fast ausschließlich weißen, überwiegend nicht wohlhabenden Republikaner von einem egozentrischen Geschäftsmann und TV-Star zu erwarten, welcher sich vor allem durch drastische verbale Schüsse aus der Hüfte auszeichnet?

 

(Weiterlesen bei IPG-Journal.de)

Als Joe Sacco den Kaiser fertigmachte

Eine Reihe aktueller Veröffentlichungen illustriert die Wechselbeziehung von Kunst, Populärkultur und Politik im Comic. Der Politikwissenschaftler Thomas Greven hat sie analysiert.

(Den Beitrag hier lesen.)

IPG Beitrag: Thomas Greven über Bernie Sanders

Der ehrenwerte Mr. Sanders

Und was Hillary Clinton von ihm lernen sollte.

Wer hätte gedacht, dass dies möglich ist? Vielleicht zum ersten Mal in der amerikanischen Fernsehgeschichte wurde zur besten Sendezeit von Spitzenpolitikern über „demokratischen Sozialismus” diskutiert, ohne dass krude antikommunistische Parolen jedes inhaltliche Argument gleich zerstörten. Es ging plötzlich nicht um die Sowjetunion oder Nordkorea, sondern um Dänemark und Schweden.

Selbstverständlich wollte die in den Umfragen führende Hillary Clinton die inhaltliche Diskussion nicht zu weit treiben; schließlich würde dies auf eine fundamentale Kritik ihrer größten Förderer in der amerikanischen Wirtschafts- und Finanzwelt hinauslaufen. „Ich liebe Dänemark” sagte sie, „aber wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika”. Das Publikum jubelte erwartungsgemäß. Warum dies aber bedeuten muss, dass Amerikaner mit einem schwachen Wohlfahrtsstaat, stark eingeschränkten Rechten von Arbeitnehmern und ihren Organisationen und einer massiven sozialen Einkommens- und Vermögensungleichheit leben müssen, kam nicht zur Sprache.

Bernie Sanders, Senator aus Vermont und selbsterklärter „demokratischer Sozialist” bohrte nicht nach. Auch an anderer Stelle ließ er Hillary Clinton vom Haken, indem er deren leidige Email-Affäre zu einer parteipolitischen Sache machte: Die Amerikaner hätten die Debatte satt – was ziemlich sicher nicht für die Republikaner unten ihnen gilt. Dies war ehrenwert und brachte ihm von Clinton ein dankbares Lächeln ein. Sanders’ Verdienste um die inhaltliche Qualität der Debatte der Demokratischen Partei – auch wenn Fox News sie für langweilig hielt, weil sich doch alle einig seien – sind eindeutig, vergleicht man Fernsehdebatte und sonstigen Wahlkampf der Demokraten mit dem Schmierentheater um Donald Trump auf der republikanischen Seite.

Doch wie viel wird davon bleiben, wenn Clinton am Ende die Kandidatin wird und danach ziemlich sicher auch die Präsidentin?

Weiterlesen bei IPG-journal.de

25 Jahre nach Ende des Ost-West-Konflikts – gelernte Lektionen und neue Herausforderungen

Gemeinsame Ringvorlesung der Zentralinstitute Osteuropa-Institut und John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien beginnt am 15. Oktober 2015

Nr. 304/2015 vom 12.10.2015 (via FU Pressestelle)

Das Ende des Ost-West-Konflikts vor 25 Jahren, die damit verbundenen Erfahrungen und Herausforderungen stehen im Mittelpunkt einer Ringvorlesung ab dem 15. Oktober an der Freien Universität Berlin. Zum Auftakt der in englischer und deutscher Sprache gehaltenen Reihe spricht Prof. Dr. Klaus Segbers vom Osteuropa-Institut der Freien Universität über das Thema „Why the East-West Conflict is (not) relevant today“ [W der Ost-West-Konflikt heute (nicht) relevant ist]. Die Vortragsreihe „25 Years after the End of the East-West Conflict – Lessons Learned and New Challenges“ bietet eine Bestandsaufnahme der wichtigsten Entwicklungen seit dem Ende des Kalten Krieges aus der Sichtweise unterschiedlicher Disziplinen. Neben zahlreichen Forschern konnten für die Vortragsreihe der US-Botschafter a. D. John Kornblum und der kanadische Botschafter a. D. Paul Dubois als Gastredner gewonnen werden. Die Veranstaltungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei.

Die Vortragenden befassen sich mit grundlegenden Fragen zum Charakter des Ost-West-Konflikts und erklären Entwicklungen seit Beginn der 1990er Jahre. Dabei stellen sie verschiedene Erklärungen für den Zusammenbruch der politischen Ordnung im östlichen Europa vor und nehmen unter anderem Bezug auf die aktuelle Konfliktsituation in der Ukraine. Dieser Höhepunkt der Spannungen dient als Ausgangspunkt um die kontroverse Frage nach einem “neuen Kalten Krieg“ zu diskutieren.

Weitere Informationen

Das Programm der Ringvorlesung im Detail

www.oei.fu-berlin.de/media/Veranstaltungen/Plakat-ringvorlesungWS1516.pdf