Nederlands

Beobachtungen zur niederländischen Sprache

Zittergeld und Wandervergütung

Wer Belgien in aller Kürze beschreiben will, greift zu den drei F: frietjes, files, federalisme. Über Pommes und Politik haben wir hier schon genug geschrieben. Über Staus noch nicht.

Das Wort file hat so viele historische Hintergründe, dass man nicht mehr so recht weiß, ob es ein Latinismus oder ein Gallizismus im Niederländischen sein soll. Jedenfalls stehen heute nur noch friedliche Autos in einer Reihe und nicht mehr Soldaten oder Kampfwagen, wie das ursprünglich bei dem Wort der Fall war.

Seine fietsvergoeding war etwas höher als die des gewöhnlichen Arbeitnehmers in Belgien. (Nationaal Archief NL)

Besonders betroffen von der belgischen filofilie sind die forenzen (Singular: forens). Auch die können sich auf ein lateinisches Erbe berufen: forenses sind Marktleute, also diejenigen Menschen, die vom Land kommend regelmäßig in die Stadt hineinfahren, um dort ihre Produkte zu verkaufen. Die standen früher wohl mit ihren Ochsenkarren im Stau und heute mit dem Lieferwagen (BN: camionette, südlich der Sprachgrenze mit einem weiteren n als camionnette). Inzwischen sind forenzen alle, die regelmäßig aus dem Umland in die Stadt einpendeln, egal ob sie Gemüse mitbringen oder ihren Laptop.

Während die camionette vom Van Dale als Belgizismus der „spreektaal“ markiert wird, gilt der navetteur nur als „niet algemeen“ – was im Van-Dale-Jargon meist auch nichts anderes bedeutet als Belgizismus. Der navetteur kommt natürlich genauso aus dem Französischen und er fährt, bildlich gesprochen, auf einem Schiffchen, einer navette. Das kann eine kleine Fähre auf einem Fluss sein oder auch das Schiffchen an einem Webstuhl. Die Bewegung geht immer hin und her, daher die übertragene Bezeichnung für den Berufspendler. Man kann natürlich auch einfach pendelaar sagen.

Glücklicherweise haben es nicht alle so weit, dass sie mit dem Auto fahren müssen. Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt, kann dafür in Belgien vom Arbeitgeber entweder Ausrüstung wie eine Sicherheitsweste oder einen Helm bekommen, oder aber eine zusätzliche fietsvergoeding. Sozusagen eine Pendlerpauschale speziell fürs Radfahren. Und weil zu Fuß gehen nach Meinung der Regierung dem Gesetz entsprechend ein „ander vervoermiddel“ ist, das ebenfalls unter diese Regelung fällt, kann jetzt steuerlich auch eine wandelvergoeding geltend gemacht werden.

Wenn man sich den Verkehr besonders in Brüssel anschaut, könnte man diese Zuschläge fast unter den Begriff bibbergeld zählen.

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Der Beitrag wurde am Samstag, den 15. April 2017 um 09:55 Uhr von Philipp Krämer veröffentlicht und wurde unter Belgien, Etymologie, Wortschatz abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

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