Nederlands

Beobachtungen zur niederländischen Sprache

Waar parkeer jij?

Selbstparkende Autos sind längst Realität. Wer Schwierigkeiten hat, den Wagen elegant in die Lücke zu bringen, kann das neuerdings von automatischen Sensoren und Instrumenten erledigen lassen. Nur wenige Autos können das bisher. Deutsche Hersteller haben sich in letzter Zeit mehr damit beschäftigt, mit schlauer Software die Abgaswerte schönzurechnen als weitere Modelle mit bequemen Hilfsmittel auszustatten.

Der parkt hier schon länger. (Ohikulkija, CC-BY-SA 3.0)

Trotzdem können alle deutschen Autos – genauer: alle deutschsprachigen Autos – selbst parken. Nicht technisch, aber zumindest grammatikalisch. „Widerrechtlich parkende Fahrzeuge werden kostenpflichtig abgeschleppt“ liest man manchmal auf Warnschildern. Subjekt des Satzes sind die Fahrzeuge selbst, sie parken dort. Nicht so auf Niederländisch. Egal ob das Nummernschild gelb ist oder rote Schrift hat – das Auto kann nicht selbst parken. Das Warnschild droht, das Auto werde abgeschleppt, wenn es falsch geparkeerd ist: Passiv.

Parken bzw. parkeren (und in der Schweiz gerne auch parkieren) ist auf Deutsch ein Verb, das eine Bewegung ausdrücken kann, aber auch etwas Statisches ähnlich wie liegen oder stehen. Auf Niederländisch dagegen fehlt diese statische Komponente.

Die Frage „Waar parkeer jij?“ dürfte Verwirrung auslösen, wenn man sie nicht an eine Person richtet, die im selben Moment im Auto sitzt und die Absicht hat, es demnächst irgendwo abzustellen. „Wo parkst du?“ kann dagegen einfach heißen: „Wo hast du dein Auto abgestellt?“ Deutschsprachige können stundenlang irgendwo parken, während sie etwas ganz anderes tun. Wenn Niederländischsprachige urenlang parkeren, dann verzweifeln sie an einer engen Lücke und sollten vielleicht über die Anschaffung eines selbstparkenden Fahrzeugs nachdenken. Ansonsten müssten sie urenlang geparkeerd staan.

Schilder lesen sollte man vorher in jedem Fall. Man findet hier und da die lapidare niederländische Warnung auf Schildern, oft mit Piktogramm: „U wordt weggesleept.“ Als hinge nicht das Auto am Haken sondern dessen Fahrer*in. In einem sind sich die beiden Sprachen also völlig einig: Der Symbiose zwischen Mensch und Fahrzeug. Ich parke dort oder hij wordt weggesleept, offenbar sind wir alle inzwischen eins geworden mit einem Stück Blech auf vier Rädern.

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Der Beitrag wurde am Sonntag, den 12. November 2017 um 10:16 Uhr von Philipp Krämer veröffentlicht und wurde unter Grammatik, Sprachvergleich, Syntax abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Eine Reaktion zu “Waar parkeer jij?”

  1. JanZ

    Einen Schritt weiter geht die Symbiose im Deutschen dann mit der schönen Frage „Wo stehst du?“, womit in diesem Fall natürlich auch das Auto des Angesprochenen gemeint ist.

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