Nederlands

Beobachtungen zur niederländischen Sprache

Deutsche Umlaute im Afrikaans?

von Henning Radke

Einen sprachlichen Standard festzulegen, kann herausfordernd sein. Dies zeigt ein Beschluss der Taalkommissie über die offizielle Rechtschreibung des Afrikaans. Auslöser war u.a. das unscheinbare Wort Brötchen, das über die deutschsprachige Minderheit Namibias schon vor längerer Zeit seinen Weg in die regionale Umgangssprache des Afrikaans gefunden hatte. Diesem Umstand sollte nun Rechnung getragen werden, indem das Wort als Namibiese Standaardafrikaans anerkannt und sogleich orthographisch integriert wurde: Aus brötchen wurde bretsjen; getreu dem Motto ons skryf soos ons praat: Wir schreiben, wie wir sprechen! Ihrer Ankündigung in sozialen Medien fügte die Taalkommissie zwei Artikel aus Namibias größter, afrikaanssprachiger Tageszeitung Republikein bei.

Bäckerei in Swakopmund: Im Vergleich zum vetkoek sind brötchens ein Schnäppchen. (Foto: H. Radke)

In shakespear’scher Manier fragt dort einer der Autoren, „om te umlaut of om nie te umlaut nie“ und überlegt, ob das im Afrikaans so untypische [ö] bei Brötchen vielleicht besser doch erhalten bleiben sollte. Am Ende seiner Überlegungen kauft sich der Autor zur Mittagszeit nicht etwa ein bretsjen sondern ein Brötchen. Der andere Artikel steht der neuen Orthographie wohlwollender gegenüber und zitiert Stimmen, die die Anpassung begrüßen.

Ein Café in Gobabis, 200km östlich von Windhoek: Diese Speisekarte muss nicht neu gedruckt werden, denn brötchen ist nun offizielle Rechtschreibung im Afrikaans. (Foto: M. Nock)

Beide Meinungen sollten einen Vorgeschmack auf die kontroverse Diskussion bieten, die das orthographisch integrierte Brötchen sogleich auslöste. Die Reaktionen in sozialen Medien reichten von Akzeptanz („Wonderlik. Niks so lekker soos ’n bretsjen nie“) über Zweifel („Kon die kommissie nie maar die Duits behou het nie?“) bis hin zu Sarkasmus („As ’n woord so erken word, kry hy ’n sertifikaat of iets?“) und offener Ablehnung. Diese Debatte ist bemerkenswert für eine Sprachgemeinschaft, die selbst Wörter wie Chips (Afr. tjips) und Box (Afr. boks) orthographisch integriert hat.

Wer nun meint, die Reaktionen würden mit der Zeit nachlassen, der irrt. Vier Monate später erschien ein neuerlicher Artikel unter der Überschrift Taalkommissie kom voel polsslag van Afrikaans – Taalkommissie, fühl den Pulsschlag von Afrikaans. Darin die Botschaft, dass das laaste woord in der Debatte noch nicht gesprochen sei. Auch die Taalkommissie selbst äußerte sich zu ihrem Selbstverständnis: „Ons oogmerk is om norme vir die taal te stel, maar tog te verseker dat ons nie besluite neem eensydig van die taalgemeenskap wat Afrikaans praat nie. Ons moet kennis neem van wat aangaan.“

Das Motto also: Standardisierung ja, aber nur in Übereinstimmung mit der Sprachgemeinschaft, der taalgemeenskap. Den Worten folgten Taten: 11 Monate nach der Einführung von bretsjen wurde dieses von der Taalkommissie durch brötchen ersetzt.
Die taalgemeenskap hatte es nicht anders gewollt.

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Der Beitrag wurde am Samstag, den 13. Januar 2018 um 12:00 Uhr von Philipp Krämer veröffentlicht und wurde unter Afrika, Afrikaans, Aussprache, Rechtschreibung abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

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