Nederlands

Beobachtungen zur niederländischen Sprache

Parteigeschrei und eine bunte Kuh

verkiezingDen niederländischen Parlamentswahlen am 15.3.2017 widmen wir eine kleine Serie.

Die Liste der Parteien, die bei den Tweede Kamerverkiezingen antreten wollen, ist mit den fünf größten längst nicht abgearbeitet. Uns stehen noch einige Kuriositäten bevor.

Democraten 66

Eigentlich nur unter der Abkürzung D66 bekannt. Die Linksliberale Partei verrät in ihrem Namen reichlich wenig über ihre politische Ausrichtung. Dass sie demokratisch ist, kann man wohl als Binsenweisheit bezeichnen. Der offizielle Name, der in der Öffentlichkeit nie auftaucht, ist nicht weniger banal: Politieke Partij Democraten 66. Nur damit klar ist, dass es um eine politische Partei geht und nicht um einen Fußballclub oder eine Zahnarztpraxis. Die Zahl gibt das Gründungsjahr 1966 an, ähnlich wie beim deutschen Bündnis 90, das die Grünen aus Tradition und Respekt vor der ostdeutschen Bürgerrechtsbewegung weiter mit sich herumtragen.

Parteiprogramm aus dem Gründungsjahr der D66. (PD)

ChristenUnie & GroenLinks

Inhaltlich haben die beiden Parteien praktisch keine Gemeinsamkeiten. Die ChristenUnie versteht sich als christsoziale Partei, arbeitet im Europäischen Parlament aber zusammen mit der deutschen AfD, der belgischen N-VA oder der Dänischen Volkspartei. GroenLinks ist dagegen, wie der Name sagt, linksökologisch und gehört zur Parteienfamilie der Grünen.

Gemeinsam haben die beiden Parteien aber die Binnenmajuskel. Das soll vielleicht modern und besonders wirken, oder auch die Lesbarkeit erhöhen, nutzt sich aber langsam ab. Unter den neuen Parteien in diesem Jahr sind nämlich unter anderem auch die Partei GeenPeil, außerdem NieuwMidden2015 (Binnenmajuskel plus Jahreszahl!) oder auch die OndernemersPartij.

Staatkundig Gereformeerde Partij

Die SGP ist ein Kuriosum der niederländischen Politik und wäre in Deutschland wohl unvorstellbar. Man muss die Partei wohl schlichtweg als evangelikale Fundamentalisten bezeichnen. Ihr Ziel ist die Errichtung einer christlichen Theokratie, sie möchte die Todesstrafe wieder einführen und die gleichgeschlechtliche Ehe abschaffen. Noch immer gilt es für die meisten Mitglieder als undenkbar, dass Frauen politische Mandate einnehmen dürfen. Wie das Reformatorisch Dagblad sperrt auch die SGP sonntags den Zugang zu ihrer Internetseite. Warum die Partei gereformeerd und nicht hervormd heißt, erklärt Johanna Ridderbeekx hier in ihrem ersten Postscriptum.

Partij voor de Dieren

Die Partei für die Tiere ähnelt in ihrer Programmatik der deutschen Tierschutzpartei, ist aber deutlich erfolgreicher. In der noch amtierenden Tweede Kamer ist sie mit zwei Abgeordneten vertreten. Das entspricht bei der letzten Wahl einem Stimmenanteil von 1,93%, in Deutschland würde die Partei damit unter die ‚Sonstigen‘ fallen.

Die Partij voor de Dieren kürzt sich PvdD ab. Damit ist sie in bester Gesellschaft mit PvdA und PvdT – der Splittergruppe Partij van de Toekomst.

50PLUS

Noch etwas schwächer als die Tierpartei schnitt bei den letzten Wahlen die Seniorenpartei ab. Aber auch sie hat es 2012 gerade so ins Parlament geschafft. Die Zwei-Mann-Fraktion brachte es fertig, sich in der Legislaturperiode auch noch zu spalten.

Den Senioren ist es vielleicht noch nicht aufgefallen, dass die Internetgeneration heutzutage allergisch auf Schreibweisen reagiert, die durchgehend Großbuchstaben verwendet. Das stört offenbar auch nicht den jüngeren Gegenentwurf, die Partij 18PLUS. Der Eindruck von lautem Geschrei hält ebenso wenig die neu antretenden Parteien NIEUWE WEGEN, JEZUS LEEFT, REFERENDAPARTIJ NL, PLATFORM VRIJE POLITIEK, POKER, STERK und DENK von einem Capslock-Namen ab. DENK ist eine Abspaltung der PvdA, getragen vor allem von zwei türkischstämmigen Abgeordneten, die in ihrem Programm ein besseres multikulturelles Zusammenleben eintreten, aber wegen ihrer unkritischen Haltung zur aktuellen Politik der Türkei auch umstritten sind.

Obwohl der Name DENK als Imperativ zu verstehen ist, hat die Partei auf ein Ausrufezeichen verzichtet. Die benachbarten Grünen in Flandern waren als Groen! lange Zeit weniger bescheiden, haben sich aber inzwischen auch vom Ausrufezeichen verabschiedet. Erlaubt sind Satzzeichen durchaus, und in den Niederlanden taucht nun zum ersten Mal ein Hashtag auf (zu allem Überfluss in Kombination mit Großbuchstaben): BETER VOOR NEDERLAND #NEXIT.

Unter den vielen weiteren neuen Parteien scheint gerade ein besonderes Bedürfnis für abstrakte Werte und Tugenden zu bestehen. Es treten an: die Partei Het Gezonde Verstand (HGV) – nicht zu verwechseln mit der Partij van de Rede – , die Integriteitspartij, eine Partei namens Respect und auch die Partei Verantwoordelijk Bestuur. Hinzu kommen außerdem die Parteien Daadkrachtig Nederland und Vrede en Recht.

In den Niederlanden wie in Deutschland gilt bei der Auswahl an Parteien jedenfalls ein gemeinsames Prinzip: Je weiter man auf der Liste nach unten kommt, um so kurioser werden die Namen und Ideen. Bestens repräsentiert wird das Prinzip von der Partij Bonte Koe.

Poëziegeneraal?

Afgelopen donderdag begon de Poëzieweek in Nederland en Vlaanderen en die staat in het teken van de humor en duurt nog t/m 1 februari. De auteur van het poëziegeschenk is Jules Deelder. Die hebben we al eens eerder leren kennen als de nachtburgemeester van Rotterdam (Rotjeknor). Welnu op de site van de poëzieweek wordt hij de poëziegeneraal van Nederland genoemd.

De poëziegeneraal van Nederland is natuurlijk niemand minder dan Jules Deelder. De daddy of all Nederlandse dichters heeft zijn ongenadig eigen stijl, zowel gesproken als op schrift. En wij willen jullie beste imitaties van Jules zien!

Het poëziegeschenk met de titel Rotterdamse kost („Haagse bluf“ noemt Coen Peppelenbos het) krijgt cadeau wie voor €12,50 aan poëzie koopt – voor wat, hoort wat (eine Hand wäscht die andere) – maar je kunt dus ook een exemplaar winnen door een ode aan deze Rotterdamse bard te brengen.

Lees een gedicht uit het poëziegeschenk Rotterdamse kost (of een ander gedicht) van Jules Deelder voor op z’n (à la) Jules. Laat die Rotterdamse tongval klinken en leuk het op met onmiskenbare Jules items zoals bril, zwarte nagellak en hoed. Deel jouw versie met #odeaanDeelder op Twitter en Facebook. De mooiste voordracht van Deelder wint eeuwige roem plus een gesigneerd exemplaar van Rotterdamse kost, het poëziegeschenk  van de Poëzieweek.

http://www.poezieweek.com/jules-deelder-schrijft-het-poeziegeschenk-2017/

De aftrap (den Anfang) voor deze voordrachtwedstrijd werd verricht door niemand minder dan Lee (nee, niet Trump) Towers. Miljoenen kliks had dit filmpje waarin Lee zo’n week geleden zijn rentree maakte: terug van weggeweest!

Het Deelder-gedicht dat Lee Towers ten gehore brengt is Rotown magic.

P von der A und P von der Z

verkiezingDen niederländischen Parlamentswahlen am 15. 3. 2017 widmen wir eine kleine Serie.

Im März finden die Tweede Kamerverkiezingen in den Niederlanden statt. Das sind, trotz der etwas verwirrenden Getrennt- und Zusammenschreibung, nicht etwa die zweiten Kammerwahlen (als hätte es eine erste Runde gegeben, wie beispielsweise in Frankreich), sondern es sind die Wahlen zur Zweiten Kammer.

Es haben sich ganze 81 Parteien zur Wahl angemeldet, davon 18 neue, die noch nie vorher teilgenommen haben. Die Zahl der tatsächlich teilnehmenden Parteien wird wegen verschiedener Formalitäten wahrscheinlich noch zurückgehen.

Bei den Namen der Parteien gibt es einiges zu entdecken. Schauen wir uns einmal an, wie sie heißen und was die Namen zu bedeuten haben. Die wichtigsten der Reihe nach, entsprechend dem Stimmanteil bei den letzten Wahlen, und einige interessante kleinere oder neue Parteien:

Volkspartij voor Vrijheid en Democratie

Die liberale VVD stellt mit Mark Rutte bisher den Ministerpräsidenten. In Deutschland debattieren wir in den letzten Jahren über die schwindende Bedeutung der sogenannten „Volksparteien“, für die früher große Teile der Bevölkerung stimmten. Die VVD war bei der letzten Wahl mit nur 26,58% der Stimmen stärkste Partei. Solche Werte würden, wie auch bei der SPD, hierzulande wohl Spott und Zweifel angesichts der Eigenbezeichnung als Volkspartei provozieren.

Partij van de Arbeid

Wahlplakat der PvdA aus dem Jahr 1946 (PvdA, CC-BY-SA 2.0)

Die Sozialdemokraten, mit einem sehr klassischen Namen, der die ursprüngliche Klientel ansprechen soll. Nicht unbedingt einzigartig, wenn man die Namen mancher Schwesterparteien anschaut wie z.B. Labour in Großbritannien, die Lëtzebuerger Sozialistesch Aarbechterpartei (LSAP) in Luxemburg oder Arbeiderpartiet (AP) in Norwegen. Den Namensbestandteil Arbeit beanspruchen aber gerne auch Parteien für sich, die noch weiter links stehen als die Sozialdemokraten. Das gilt beispielsweise für die gleichnamige Partij van de Arbeid van België / Parti du travail de Belgique, die in letzter Zeit in den Umfragen stark im Aufwind ist. Die belgische Arbeiterpartei ist eine der wenigen, die gesamtbelgisch arbeiten, also nicht in eine flämische und eine frankophone Partei gespalten sind.

Interessant ist bei der PvdA die Abkürzung. In Deutschland ist es ungewöhnlich, dass Parteien Kleinbuchstaben in ihrer Abkürzung nutzen (die AfD ist eine der wenigen Ausnahmen). In der gesprochenen Sprache verkürzt man die niederländischen Sozialdemokraten oft auf kuriose Weise zu P van de A: Von den Substantiven bleiben nur die Anfangsbuchstaben, Präposition und Artikel bleiben.

Die PvdA stellt mit Jet Bussemaker momentan übrigens die Ministerin für Bildung, Kultur und Wissenschaft, die für die Niederlande Mitglied des Ministerkomitees der Taalunie ist.

Partij voor de Vrijheid

Die extremrechte PVV dürfte auch im Ausland wahrscheinlich momentan die bekannteste Partei sein. Sie teilt sich mit den Liberalen das Schlagwort Vrijheid, überlässt diesen aber (vielleicht zu Recht?) die Demokratie im Namen. Der Bezug auf die Freiheit ist nicht einzigartig bei den Rechtspopulisten – auch andere Parteien mit solchen Ausrichtungen in Europa sind aus ursprünglich liberalen Bewegungen hervorgegangen, etwa die FPÖ in Österreich. Der großspurige Name verschleiert, dass die Freiheit nach Überzeugung der Partei eher selektiv ist und für viele Bürger (Journalisten, Muslime, Künstler) nicht uneingeschränkt gelten sollen.

Anders als die PvdA lässt die PVV in ihrer Abkürzung den Artikel ganz unter den Tisch fallen und schreibt dafür den Buchstaben der Präposition groß.

Socialistische Partij

Wie man mit dem Begriff sozialistisch umgeht, ist von Land zu Land sehr verschieden. Mancherorts nennen sich die Mitte-Links-Parteien so, beispielsweise in Flandern (Socialistische Partij Anders, sp.a) und Wallonien (Parti Socialiste, PS). In Frankreich ist es innerhalb des Parti Socialiste sogar ein Risiko, sich als sozialdemokratisch zu bezeichnen, weil man dann schon als verdächtig rechts gilt. In den Niederlanden positioniert sich die SP links der Sozialdemokratie und hat ihre Wurzeln in maoistischen Prinzipien. Bis in die 70er Jahre schrieb sich die Partei Socialistiese Partij, in einer alternativen Orthographie, die besonders im linken Milieu beliebt war. Damit lag man näher an der tatsächlichen Aussprache als mit der Schreibung <-isch>. Allerdings wählte man ausgerechnet dieselbe Schreibweise wie das Afrikaans, das damals als Sprache der Apartheid und des Kolonialismus galt.

Christen-Democratisch Appèl

Die Schwesterpartei der deutschen CDU war einst sehr stark und stellte bis 2010 mit Jan-Peter Balkenende noch den Ministerpräsidenten. Bei den letzten Wahlen sackte sie auf nur noch 8,51% ab. Vorsicht für Deutschsprachige: appèl ist Neutrum, man spricht also von het CDA. Unter allen niederländischen Parteien ist der/das CDA die einzige mit einem Akzent im Namen, der die Betonung auf der Endsilbe anzeigt. Mit der Schreibweise von appel ging es immer wieder hin und her, nach den aktuellen Rechtschreibregeln ist der Akzent nicht nötig. Beim CDA hält man vielleicht aus Tradition daran fest, oder um nicht als christdemokratischer Apfel verspottet zu werden (der allerdings ein de-Wort ist und kein het-Wort).

Im nächsten Beitrag geht es weiter mit brüllenden Senioren, hehren Tugenden und einer Partei, die sonntags offline ist.

Wählen oder stimmen? Keine Peilung!

verkiezingDen niederländischen Parlamentswahlen am 15. 3. 2017 widmen wir eine kleine Serie.

Nach wichtigen Wahlen ist oft die Rede von der Partei der Nichtwähler. Damit wird der Anteil der Wahlberechtigten bezeichnet, die nicht abgestimmt haben. Man zieht von 100 Prozent den Wert der Wahlbeteiligung (nl. opkomst) ab und erhält den „Stimmenwert“ der Nichtwählerpartei. In letzter Zeit sind deren Prozentwerte oft größer als die der stärksten Partei. Das gilt in Deutschland wie in den Niederlanden, seit dort vor fast 50 Jahren die Wahlpflicht abgeschafft wurde (in Belgien und Luxemburg gibt es sie noch). Die Motive und Einstellungen dieser Menschen sind natürlich weit gestreut, so dass es Unsinn ist, sie als eine einheitliche Partei zu bezeichnen.

Außer in den Niederlanden. Dort tritt dieses Jahr tatsächlich erstmals die Partij voor de Niet-stemmers zur Parlamentswahl an. Ganz zum Ärger der Konkurrenz, dem Club van Niet-kiezers, der auch auf dem Wahlzettel stehen will. Inzwischen wurde entschieden, dass die Namensähnlichkeit nicht so groß ist, dass Verwechslungsgefahr besteht, und dass die Parteien beide mit ihrem gewählten Namen antreten dürfen. Auch in ihrer Politik haben sie unterschiedliche Absichten: Die Nietstemmers versprechen, auf ihr Mandat zu verzichten, falls sie gewählt werden. Die Nietkiezers wollen dagegen durchaus am parlamentarischen Betrieb teilnehmen, um auf eine zukünftige Berücksichtigung des Nichtwähleranteils im Wahlrecht hinzuwirken. Dass eine der beiden Parteien tatsächlich ins Parlament kommt, ist nicht völlig ausgeschlossen. Das niederländische Wahlsystem kennt keinen kiesdrempel wie die 5-Prozent-Hürde in Deutschland, so dass auch Parteien mit relativ kleinem Stimmanteil schon Sitze erreichen können.

Bei der Verhandlung über den Konflikt zwischen Nietkiezers und Nietstemmers fragte der Vorsitzende des Kiesraad: „Wat ga ik nu doen in maart: kiezen of stemmen?“

Eine interessante Frage. Ist wählen und (ab)stimmen dasselbe? Zunächst einmal verhalten sich die zwei Verben im Satz unterschiedlich. Man kann op iemand stemmen (für jemanden stimmen, jemanden wählen) oder voor iemand kiezen (sich für jemanden entscheiden). Man könnte zwischen beiden auch in der Bedeutung einen Unterschied gezielt herstellen. Nichtwähler gehen gar nicht erst zum Wahllokal, nehmen also an der Wahl nicht teil. Nichtstimmer dagegen können Wahlberechtigte sein, die sich entweder enthalten (d.h. einen leeren Stimmzettel abgeben) oder sonstigen Schabernack mit dem Stimmzettel treiben, um absichtlich ungültig zu stimmen. Diesen Unterschied aber macht der alltägliche Sprachgebrauch nicht, und auch nicht die zwei Vereinigungen. Sie wollen beide diejenigen repräsentieren, die gar nicht zur Wahl hingehen. Denn ungültige Stimmen und Enthaltungen werden üblicherweise immerhin gezählt und in der Statistik sichtbar, auch wenn sie bei der Sitzverteilung im Parlament keine Rolle spielen.

Wahlbeteiligung beim Referendum 2016. Landesweit: 32,2%. (Furfur, CC-BY-SA 4.0)

Unsichtbar bleiben sowohl Nichtwähler als auch Nichtstimmer dagegen in den Umfragen vor der Wahl. Die heißen auf Niederländisch peilingen – etymologisch steckt dahinter dasselbe wie dt. peilen, also eine Orientierung auf der Basis von Messpunkten zu geben. Das Wort gibt einer weiteren neuen Partei den Namen: GeenPeil. Das könnte man etymologisch korrekt, aber inhaltlich etwas unfreundlich mit keine Peilung übersetzen. Es bezieht sich aber auf eine Aktion bei den letzten Europawahlen 2014. Die Niederlande wählten donnerstags, während die meisten EU-Staaten erst am darauffolgenden Wochenende abstimmten. Deshalb durften die Resultate aus den Niederlanden nicht sofort bekanntgegeben werden, um die Wahl in den anderen Ländern nicht zu beeinflussen. Aktivisten dokumentierten deshalb die öffentliche Verkündung der Stimmen in allen niederländischen Wahllokalen und erstellten so trotzdem ein schnelles Meinungsbild nach der Wahl. Die Aktivisten waren verbunden mit dem ziemlich hyperaktiven Webmagazin GeenStijl, das die Kampagne begleitete. Aus demselben Kreis ging auch die Initiative für das niederländische Referendum über das Abkommen zwischen der EU und der Ukraine im April 2016 hervor. Die Namensgebung GeenPeil ist natürlich wegen des Reims mit GeenStijl gewählt. Die Schreibweisen <ei> und <ij> sind in der niederländischen Orthographie einer der wenigen Fälle, in denen dieselbe Lautfolge mit unterschiedlichen Graphemen ausgedrückt wird. Ansonsten zeichnet sich die niederländische Rechtschreibung etwa gegenüber dem Englischen oder Französischen sehr dadurch aus, dass die Zuordnung von Aussprache und Schreibung relativ konsequent und arm an Ausnahmen ist.

Ziel von GeenPeil ist es jedenfalls, tatsächlich keine Peilung zu haben. Die Partei stellt sich nämlich ganz ohne Programm zur Wahl und will später die Parteimitglieder per App bei jeder Parlamentsabstimmung vorher befragen, wie die Abgeordneten stimmen sollen. Der Ansatz ähnelt denen der Piratenparteien in verschiedenen Ländern oder des Movimento Cinque Stelle in Italien – alles Beispiele, die eher skeptisch stimmen. Aber vielleicht werden die Bürgerinnen und Bürger in den Niederlanden im März ja nicht skeptisch stimmen, sondern optimistisch wählen.

Mark und Youssef

verkiezingDen niederländischen Parlamentswahlen am 15. 3. 2017 widmen wir eine kleine Serie.

Der Wahlkampf in den Niederlanden nimmt langsam Fahrt auf und die ‚etablierten‘ Parteien überlegen, wie sie dem drohenden Wahlsieg von Geert Wilders Partij voor de Vrijheid (PVV) etwas entgegensetzen können. Wilders treibt die Koalition von rechtsliberaler VVD und Sozialdemokraten (PvdA) seit Jahren vor sich her, und die versuchen jetzt unter anderem, junge Wähler/innen zu erreichen. Und wo findet man die? Klar – auf YouTube. Angela Merkel hatte sich daher 2015 schon von LeFloid interviewen lassen, und der niederländische Premier Mark Rutte hat sich jetzt auch einen bekannten YouTuber gesucht: Youssef Koukouh, 21, geboren im Schilderswijk, einem Stadtteil von Den Haag mit hohem Migrantenanteil, der oft als Problembezirk galt und gilt. Koukouh, ein lustiger junger Mann mit marokkanischen Wurzeln, erzählt in seinem Video-Tagbuch, was er so treibt, er singt, macht kleine Sketche, er macht Reklame für einen neuen Friseur oder verschenkt auch mal Laptops eines Sponsors. Damit hat der Vlogger es auf über 200.000 YouTube-Follower gebracht, was für niederländische Verhältnisse sehr viel ist. YousToub nennt er sich, und er ist natürlich auch auf anderen Social Media unterwegs, z.B. auf Instagram, wo er zur Zeit ca. 145.000 Abonnenten hat.

Videos von der Aufnahme des Podcasts in einem Beitrag des Algemeen Dagblad

Damit erreicht er eine interessante Zielgruppe, die ansonsten für Politiker wie Mark Rutte kaum erreichbar ist. Darum hat der sich jetzt mit Koukouh/YousToub zu einem Interview getroffen. Anders als Angela Merkel lässt er sich aber nicht interviewen, sondern er interviewt Youssef Koukouh. Rutte gibt sich jovial; die beiden duzen sich gleich. Das erscheint irgendwie unpassend, obwohl es im niederländischen Kontext viel weniger auffällig ist als in einem deutschen. Es verstärkt den Eindruck, der sich schon nach wenigen Momenten einstellt: die joviale Attitüde wird zur Anbiederung und das Interesse an Koukouh wirkt – zumindest auf mich – doch recht gewollt und künstlich. 200.000 Abonnenten? Rutte: „Daar zouden Geert Wilders en ik een moord voor doen“. Rutte fragt dann gleich mal danach, ob sich die Videos denn auch finanziell überhaupt lohnen und ob man davon denn auch leben kann (für einen aufrechten Rechts- oder Neoliberalen natürlich das zentrale Kriterium) und er lässt sich erklären, wie bekannte YouTuber von Google/YouTube be- und entlohnt werden. Er lässt sich auch von Koukouh zeigen, wie der seine Videos aufnimmt und spielt mit dessen Kamera herum. Alles ganz einfach, sagt Koukouh, und Rutte scheint angetan. Das will er in Zukunft auch mal ausprobieren, sagt (oder droht) er.

Ab und zu bekommt das ‚Interview‘ leicht paternalistische Züge. Rutte erklärt, wie wichtig es ist, dass die Migranten-Jungs sich integrieren. Koukouh wird dann zum Vorzeige-Migranten stilisiert und eingenordet, um den Kollegen, die nicht so nett sind wie er, mal wieder zu sagen, dass sie sich gefälligst zu benehmen und zu integrieren haben. Das richtet sich u.a. gegen die treitervloggers (aus treiteren ’nerven, triezen‘ und vlogger ‚Video-Blogger‘), die im vergangenen Jahr für Furore sorgten, weil sie in Zaandam Leute belästigt haben und Videos dieser Aktionen online gestellt haben. Damals hatte Rutte einen dieser Vlogger, Ismail Ilgün, als tuig van de richel bezeichnet (Van Dale übersetzt das als ‚lichtscheues Gesindel‘). Entschuldigen wollte er sich dafür nicht, aber Ilgün wird das egal sein: der umstrittene 19-Jährige hat aufgrund der ganzen Publizität immerhin einen Vertrag mit dem Plattenlabel TopNotch bekommen…

Rutte erwähnt immer wieder gerne, dass er nah dran ist am Leben der jungen Niederländer/innen aus migrantisch geprägten Milieus, da er ja schließlich ab und zu ehrenamtlich an einer Schule im Schilderswijk in Den Haag unterrichte und auch ‚marokkanische Freunde‘ hat. Das erzählt er auch in dem Interview mit YousToub, wo sich aber auch zeigt, wie wenig er tatsächlich über deren Leben weiß. In dem Gespräch geht es um den Ramadan und Rutte zeigt sich erstaunt, dass im Fastenmonat der Muslime zwischen Sonnenauf- und untergang nicht nur nicht gegessen, sondern auch nicht getrunken werden darf („Echt? Auch kein Wasser?“). Integration als Einbahnstraße: wir müssen uns nicht für euch interessieren; ihr müsst euch einfach an uns anpassen. Hauptsache, ihr macht keinen Ärger. An sich ist es natürlich gut, dass der Ministerpräsident auch mit jungen Leuten spricht. Aber hier entsteht dann letztlich – bei mir – doch das Bild eines Wahlkämpfers auf Stimmenfang und einer als Toleranz verkleideten Gleichgültigkeit. Ob man so die Probleme der multikulturellen Gesellschaft in den Griff bekommt? Und ob man sich so von Geert Wilders und der PVV abgrenzen kann?
(Nachtrag am 22.1.: Nachdem ich diesen Text geschrieben hatte, hat Rutte eine Zusammenarbeit mit der PVV nahezu ausgeschlossen. Es bleibt abzuwarten, ob es nach den Wahlen dabei bleibt.)

Das ganze Interview dauert 45 Minuten (= zu lange); es ist der erste Teil eines Spotify-Podcasts, in dem Rutte sich mit den Ansichten und Problemen der Niederländer/innen auseinandersetzen will. Man darf gespannt sein.

Aus der deutschen Perspektive ist es übrigens auch ganz interessant, das Interview von Rutte mit YousToub mit dem von Merkel und LeFloid zu vergleichen. Wenn man mehr wissen will über die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden, dann kann dieser Vergleich recht instruktiv sein…

Hier die Links:

Laat staan!

Gummetje (Stefan-Xp, CC-BY-SA-3.0-migrated)

NEE!
Niet uitgummen (wegradieren): laat dat staan!
Stop dat gummetje (Radiergummi) weer in je etui, in je tas.

Wil je de tafel afruimen?
Oké! Maar laat de glazen nog maar even staan: we drinken nog een slok! We nemen nog een afzakkertje (Absacker).

Laat staan heeft nog een andere betekenis: geschweige denn!

Dat is niet correct, laat staan fraai geformuleerd.
Hoe ze [oorlogsfoto’s] in het Verzetsmuseum zijn gekomen, is niet meer te achterhalen, laat staan dat bekend is wie de schenker of de fotograaf kan zijn geweest.

In veel andere gevallen is het Nederlandse laten identiek met het Duitse lassen.
Maar behalve (außer) een wind (Furz) laten Nederlandstaligen ook een boer (rülpsen) en een traantje (eine Träne vergießen). Dat traantje pinken ze dan weg.

Naast laat staan kent de Nederlander – als hij in een vrijgevige (großzügige) bui is – laat maar zitten! (ist gut so!) Dan geeft hij een fooitje (Trinkgeld).

Om van te watertanden

Het was een ‘finale om van te watertanden’ schreven ze bij de NOS in een voorbeschouwing van de ‘droomfinale’ van het WK darts begin van dit jaar. De finale is trouwens gewonnen door Michael van Gerwen, de nummer 1 van de wereldranglijst.

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Naar aanleiding van het stukje van de NOS heb ik met collega’s nagedacht over dat watertanden. Een gek woord is dat. Dat vonden ze kennelijk ook bij Onze Taal en ze hebben er een Taaladvies over gemaakt. Het woord heeft vooral betrekking op eten en drinken en drukt uit, dat iets ‘bijzonder smakelijk lijkt’. Dat zal ook wel het motief achter de naamgeving van Theeschenkerij Watertanden in Jaarsveld zijn.

Het overdrachtelijke gebruik van water voor speeksel kennen we in het Duits ook: das Essen machte ihm den Mund wässrig of ook das Wasser lief ihm im Mund zusammen (beim Anblick des Essens). We kunnen het ook voor andere dingen dan eten gebruiken: “jemandem den Mund wässrig machen (umgangssprachlich: durch enthusiastische Schilderungen jemandes Verlangen nach etwas erregen)” (Duden). Een vergelijkbare betekenis vinden we ook bij watertanden, bijvoorbeeld in die NOS-kop over de darts-finale. Volgens Onze Taal kun je het woord gebruiken om aan te geven dat ‘iets je heel mooi, goed of gunstig lijkt’.

Het Woordenboek der Nederlandsche Taal (WNT) brengt watertanden in verband met andere ‘op gelijkaardige wijze gevormde samenstellingen’, waarmee ze bedoelen: samenstellingen van een werkwoordstam gevolgd door een zelfstandig naamwoord dat een lichaamsdeel aanduidt. Voorbeelden zijn klappertanden, knipogen, kwispelstaarten, schuimbekken, schuddebuiken, stampvoeten, traanogen. Het eerste element van watertanden is in deze interpretatie dus niet het zelfstandig naamwoord water, maar het werkwoord wateren. En de letterlijke parafrase is dan ‘de tanden wateren’, vergelijkbaar met ‘(met) de tanden klapperen/knarsen’ → klappertanden, knarsetanden. Enigszins geformaliseerd ziet de structuur er dus zo uit: [V + N]V

Werkwoorden als plukharen (‘vechten’) of schuumbekken vinden we al in het Middelnederlands. En in zijn treurspel Lucifer uit 1654 laat Vondel Belzebub zeggen: “Wie zou niet watertanden naar aertsche leckerny?” Het gaat dus om een oud woordvormingspatroon en bovendien om een patroon dat we alleen in het Nederlands vinden. Jacoba van Lessen heeft daar in haar proefschrift over ‘Samengestelde naamwoorden in het Nederlandsch’ (1928) al op gewezen. Ze merkt op dat dit ‘een eigenaardig soort van samengestelde verba’ is dat in andere Indogermaanse talen niet voorkomt (p. 108).

Je kunt je afvragen hoe je de structuur en de vorming ervan moet verantwoorden. Immers, net als in de andere Germaanse talen wordt in Nederlandse samenstellingen de woordsoort en het geslacht over het algemeen bepaald door het tweede element, het woord dat rechts staat (de waterleiding, het leidingwater). Dat geldt ook voor verbale samenstellingen: stofzuigen of beeldhouwen zijn werkwoorden, omdat het rechterlid een werkwoord is (zuigen, houwen). Stofzuigen is een soort van zuigen en het zelfstandig naamwoord bepaalt die activiteit nader.

Bij watertanden, knarsetanden enz. lijkt het eerder andersom. Een werkwoord tanden bestaat niet (althans niet in een relevante betekenis); die woorden kunnen dus geen ‘normale’ samenstellingen zijn. Gaat het dan misschien om de impliciete transpositie (conversie) van een mogelijke, maar niet bestaande samenstelling watertand (of knarsetand) naar een werkwoord? Nominale V+N-samenstellingen zijn immers vrij gewoon (kookpot, koopavond). Alleen: een watertand of een knarsetand die de basis zou kunnen vormen, bestaat niet. Voor andere woorden lijkt zo’n interpretatie wat makkelijker: voor schuimbekken of knipogen kunnen we misschien wel een nominale samenstelling schuimbek of knipoog als basis aannemen die dan door impliciete transpositie ook al werkwoord gebruikt kan worden.

Hoe dan ook – het is een bijzonder woordvormingspatroon, waarvoor we in het Duits geen direct equivalent hebben. Ik geef een paar voorbeelden met mogelijke vertalingen ter illustratie:

knarsetanden – mit den Zähnen knirschen
klappertanden – mit den Zähnen klappern
knipogen – blinzeln, zwinkern
de hond kwispelstaartte van vreugde – der Hund wedelte vor Freude mit dem Schwanz
zij schuimbekt van woede – sie schäumt vor Wut
hij stampvoette van woede – er stampfte vor Wut mit den Füßen (auf)
schuddebuiken van het lachen – sich vor lachen den Bauch halten
zij zit te traanogen – ihr tränen die Augen
naar iets reikhalzen – etwas sehnsüchtig herbeisehnen

Wel heeft het Duits een paar deelwoorden die als adjectief gebruikt worden en die op het eerste gezicht lijken op de Nederlandse samenstellingen, zoals augenzwinkerndknipogend of zähneknirschendknarsetandend, maar hier staat het zelfstandig naamwoord vóór het werkwoord, precies andersom dus dan in het Nederlands. Dat is dan weer wel de structuur die ook in het Nederlands de gewone is voor dergelijke deelwoorden: adembenemend, afschuwwekkend etc. En daarom zijn er soms ook twee mogelijkheden: knarsetandend en tandenknarsend of ook halsreikend naast het oudere reikhalzend.

Ten slotte nog een keer die finale om van te watertanden; die blijft lastig om te vertalen. ‘Ein Finale, das einem den Mund wässrig macht’? Mooi is het niet. Daarom misschien toch beter zoiets: ‘ein sehnsüchtig erwartetes Finale’ of ‘ein Finale, das begeistert’.

…wat dat dat „dat“ daar doet

Weihnachten ist eine Zeit des Sammelns. Wir sammeln Erinnerungen, Energie für das neue Jahr oder sogar Geschenke. Und Dialektdaten. Nur selten hat man eine so gute Gelegenheit, mehrere Generationen gleichzeitig um Beispiele, Urteile oder Einfälle bitten zu können. Glücklicherweise ist meine Familie immer mit Begeisterung dabei. (Ich weiß: Familie als Datenquelle ist eine schlechte Idee. Aber es geht ja nicht um eine systematische Erhebung, sondern um Anekdoten und Kuriositäten. Darin ist meine Familie unschlagbar.)

In diesem Jahr lieferte die Familie sogar unaufgefordert Daten. Schon seit einiger Zeit grüble ich nach über Konstruktionen wie diese:

Tante: Oma, wieviel Kuche willsche dann metnemme?
Oma: Kommt druff aan, wieviel dass de hasch.

In Belgien kann man den Dialog ohne Änderungen ins Niederländische übertragen:

Hoeveel koek wil jij meenemen?
Hangt ervan af hoeveel dat je hebt.

Das eingeschobene dass bzw. dat ist weder im Deutschen noch im Niederländischen Standard. In den südniederländischen Dialekten oder in tussentaal, aber auch im Saarland und angrenzenden Dialektgebieten ist es sehr produktiv bei indirekten Fragen. Bei Nebensätzen, die mit wie/hoe + Ergänzung eingeleitet werden, kann man jede Menge Varianten bilden:

Kommt druff aan, wie oft dass de kommsch.
Hangt ervan af hoe vaak dat je komt.

Kommt druff aan, wie lang dass de willsch bleiwe.
Hangt ervan af hoe lang dat je wil blijven.

Neben dieser besonderen Konstruktion können auch weitere ähnliche Formulierungen mit W-Nebensätzen mit diesem zusätzlichen dass/dat gebildet werden. Hier ist allerdings das Niederländische in Belgien großzügiger, während das Saarländische einige Formen nicht zulässt:

Ist das „dass“ überflüssig wie ein Kropf? Oder hat es eine Funktion? (A. Schwarzkopf, CC-BY-SA 3.0)

Ik weet wie dat ik moet bellen.
Ich wääs wenne dass ich muss anrufe.

Ik weet niet wanneer dat ik moet komen.
Ich wääs net wann dass ich muss komme.

Ik weet waarom dat hij dit zegt.
Ich wääs fawas dass er das saat.

Ik weet wat dat ik moet doen.
*Ich wääs was dass ich muss mache.

Ik weet waar dat ik moet zoeken.
*Ich wääs wo dass ich muss suche.

Ik wist niet of dat hij nog ging komen.
*Ich han net gewisst ob dass der noch gängt komme.

Kan dat „dat“ gemist worden als kiespijn? Of heeft het een eigen functie? (CDSG, CC-BY-SA 3.0)

Ik weet hoe dat ik dat moet doen.
*Ich wääs wie dass ich das muss mache.

Noch weiter vom Standard entfernt sind in Belgien die Formen, bei denen das dat noch lautlich oder morphologisch verändert bzw. ergänzt wird:

Ik weet wanneer da-k-ik moet komen.

Ik weet wanneer dat-e gij moet komen

Ähnlich wie in den Dialekten im Saarland findet man auch für das Luxemburgische Belege, etwa aus dem Luxemburgischen Wörterbuch:

Géi wouhinner (d)atts de wëlls!
Geh wohin dass du willst!

Im nördlichen niederländischen Sprachgebiet gibt es eine ähnliche Konstruktion, die anstelle von dat mit of gebildet wird. Eine Studentin aus Nordholland sagte ein meinem Seminar spontan in einer lebhaften Diskussion:

Ik weet niet in hoeverre of dat een probleem is.

Was genau bedeuten nun diese Konstruktionen mit einem overtollig ‚dat‘ in bijzinnen, wie es beim Taaltelefoon als Negativbeispiel von tussentaal genannt wird? Und wie kann man die Unterschiede zwischen Flandern und Saarland erklären?

Eine sehr simple Erklärung wäre die Annahme, dass man mit solchen Sätzen deutlicher macht, dass der folgende Satzteil ein Nebensatz ist und keine echte Frage, so dass auch keine Antwort verlangt wird. Allerdings wird dies auch ohne zusätzliches dat/dass unmissverständlich, weil sofort nach dem Fragewort die typische Verbreihenfolge des Nebensatzes anschließt:

Ik weet niet waarom (dat) hij zoiets zegt.
Ich wääs net fawas (dass) er so ebbes saat.

*Ik weet niet waarom zegt hij zoiets?
*Ich wääs net fawas saat er so ebbes?

Für die These, dass die Frage in einen Aussagesatz übergeleitet werden soll, spricht aber vielleicht die Variante mit of. Das of wird gerade bei Fragenebensätzen verwendet, hat also genau dafür eine spezifische Funktion – und zwar in der Regel für ja-nein-Fragen. Doppeltes of klingt seltsam:

*Weet jij of of Jan vandaag wil komen?

Das of leitet vielleicht über von einer offenen zu einer geschlossenen Frage. Damit bekommt der entsprechende Nebensatz nur noch die Möglichkeit einer Entscheidung zwischen ja/nein, also praktisch die Alternative zwischen Wahr und Falsch, die Aussagesätze in der Regel prägt.

Auch die Prosodie könnte eine Rolle spielen. Ein dat/dass fügt eine zusätzliche unbetonte Silbe in den Satz ein, so dass sich der Rhythmus verändert. Allerdings lässt sich auch hier in beiden Sprachen keine Regelmäßigkeit feststellen, denn in Belgien kann das dat sowohl nach ein- als auch nach zweisilbigen W-Wörtern stehen. Im saarländischen Dialekt findet man aus beiden Kategorien akzeptable und nicht-akzeptable Sätze. Und das darauffolgende Wort kann je nach Satzbedeutung mehr oder weniger Betonung haben, so dass mit dem zusätzlichen dass/dat jedenfalls keine regelmäßige und feste rhythmische Struktur entsteht.
Es bleibt also vorerst noch ein Geheimnis, warum dass das dass da auftaucht.

Ga zo voort mijn zoon…

Ga zo voort mijn zoon en gij zult Spinoza heten!

Dit is een PS’je bij doorgaan: doorgaan is voortgaan (weitermachen).

Welk kind heeft niet meteen aan bladgroente gedacht toen het voor het eerst de naam Spinoza hoorde?

En wat heeft de wijsgeer Spinoza met de bladgroente spinazie (Spinat) te maken?

Baruch de Spinoza (Bemoeial, PD Old)

Welk kind heeft niet meteen aan bladgroente gedacht toen het voor het eerst de naam Spinoza hoorde? Met genoegen las ik in de nieuwe Spinoza-biografie dat de wijsgeer door de kinderen van zijn Amsterdamse vriend en huisbaas Frans van den Enden plagenderwijs ‚meneer Spinazie‘ werd genoemd. Bron

Kom je als kind van Portugees-Joodse vluchtelingen (pogroms in Portugal) in Amsterdam als Baruch de Spinoza (Portugees: de Espinoza) ter wereld (1632), wordt meteen je naam verbasterd (entstellt, verballhornt).

Wat lezen we anno 2017 in de Dikke?

ga zo voort mijn zoon en gij zult spi­na­zie eten: schert­sen­de aan­moe­di­ging (pa­ro­die op: ‘… en gij zult Spi­no­za heten’)

Baruch had het ook in zijn eigen Joodse gemeenschap niet makkelijk: in 1665 werd hij vanwege zijn verlichte (aufgeklärte) ideeën uit de Joodse gemeenschap verbannen.

In 2004 zetten de spinazie-eters hem op plaats 21 van de „grootste Nederlanders“ – niet slecht voor een allochtoon, pardon! … voor een inwoner met een migratieachtergrond.

En op de keper beschouwd (wenn man ganz genau hinschaut) komt meneer Spinazie eigenlijk direct na Willem van Oranje (geboren in Dillenburg, Hessen) en Anne Frank (geboren in Frankfurt, Hessen – pogroms in Duitsland).
Wo Hessen und Holländer verderben, wer wollte da Nahrung erwerben?


In de serie portretten Wie is wie? is Spinoza de tweede van links in de derde rij.

Binsen und Kühe und das Paradies

Im Deutschen kennen wir das schöne Wort Binsenwahrheit (oder Binsenweisheit) für etwas, das allgemein bekannt ist, für einen Gemeinplatz also. Auf Niederländisch sagen wir dann Dat is een waarheid als een koe. Wie eine Kuh? Warum „wie eine Kuh“?? Ich weiß es nicht, und Frederik van Eeden hat sich Ende des 19. Jahrhunderts anscheinend auch schon darüber gewundert als er schrieb: „Mijn bedoeling is niets anders dan bekende waarheden te herinneren. Waarheden als koeien, of als varkens, of als leeuwen“ (vgl. WNT).

Auch bei der Binsenwahrheit kann man sich fragen: warum Binsen? Die etymologischen Wörterbücher sind sich nicht ganz sicher; es wird u.a. an einen lateinischen Ausdruck als Quelle gedacht (vgl. u.a. Pfeifers Etymologisches Wörterbuch).

Schöner ist aber, wie so oft, eine Erklärung, die sich an der griechischen Mythologie orientiert, und zwar an einer Geschichte über König Midas, dem Eselsohren gewachsen waren. Ein Geheimnis, das nur sein Barbier kannte. Der musste es aber unbedingt irgendwie loswerden, und er grub daher am Flussufer ein Loch, in das er hineinrief „König Midas hat Eselsohren“.

Van Mander, Het Schilder-Boeck (1604)

Das Loch schüttete er wieder zu, aber die Gräser (Binsen), die dort standen, verbreiteten diese Nachricht mit dem Rauschen des Windes an andere Binsen und über die ganze Welt, so dass schließlich jeder Bescheid wusste.

Warum erzähle ich Ihnen das? Nun, wegen Karel van Mander. Das war ein berühmter Maler, der aber heute vor allem als Autor des Schilder-Boeck (‚Maler-Buch‘, 1604), einer frühen kunsttheoretischen Schrift, bekannt ist. Und in diesem Buch findet sich ein Kapitel zu König Midas und seinen Eselsohren.

Van Mander hat aber nicht nur über Midas geschrieben, sondern er hat die Szene auch in einem Gemälde verewigt. Es geht um die Landschaft mit dem Urteil des Midas, die er zusammen mit Gillis van Coninxloo im Jahr 1598 gemalt hat. Und dieses Bild hängt zur Zeit in der Kunsthalle im Lipsiusbau in Dresden, als einer der Höhepunkte der Ausstellung Das Paradies auf Erden. Diese schöne Ausstellung zur flämischen Landschaftsmalerei („von Bruegel bis Rubens“) haben wir im Dezember mit Niederlandistik-Student*innen besucht.

Das Bild von Van Mander und Van Coninxloo ist für die Ausstellung aufwändig restauriert worden, und der Restaurator erläutert in einem anderen YouTube-Video auch die Geschichte mit den Eselsohren und ihre Darstellung auf dem Gemälde.

Dieses Gemälde und andere Exponate kann man auch in einem Beitrag des Art Magazin zur Paradies-Ausstellung bewundern. Die Ausstellung in Dresden läuft noch bis zum 15. Januar 2017. Es lohnt sich.