Beobachtungen zu weiblich gelesenem Schmerz am Beispiel Endometriose im Gesundheitswesen

Sophie Tannenberg (WiSe 2025-26)

1. Einleitung

„Das ist doch nichts weiter“, „nimm einfach eine Ibu und dann geht das schon“ oder „so schlimm ist es doch nicht“ sind Ausdrücke, die sich viele Personen mit Gebärmutter mindestens ein Mal in ihrem Leben anhören müssen. Gemeint sind hierbei natürlich die Menstruationsschmerzen, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark auftreten. Häufig wird versucht, einfach „die Zähne zusammenzubeißen“ und den Alltag weiter zu bestreiten, dann aber unter einem hohen Leidensdruck, den viele jedoch gut zu kaschieren wissen, denn: es wird nicht, und vor allem nicht gerne, darüber gesprochen. Früher habe ich mich immer geschämt, wenn ich eine Binde aus meinem Schulrucksack nehmen musste. Ich habe sie schnell wie eine illegale Droge in meiner Hosentasche versteckt, damit niemand sieht, dass ich meine Periode habe, das Wort „Periode“ wurde allerhöchstens flüsternd kommuniziert. Dieser weiblich gelesene Schmerz wird also oft versteckt und tabuisiert. Allerdings gibt es nicht den „einen“ Schmerz, sondern verschiedene Ausprägungen und Stärken. Damit kann sogar mehr verbunden sein als nur die Menstruation. Laut Prof. Dr. Sylvia Mechsner erkranken jedes Jahr circa 52.000 weibliche gelesene Personen neu an Endometriose.[1] Damit ist jede zehnte Person mit Gebärmutter betroffen.[2] Diese chronische Krankheit ist noch weitgehend unbekannt. Ich selbst erfuhr erst vor ein bis zwei Jahren davon, als eine Freundin begann, sehr stark darunter zu leiden. Müdigkeit, Kopfschmerz, ungewöhnlich heftige Unterleibschmerzen, Schwächung der Gliedmaßen und Schwindel, um nur ein paar ihrer Symptome zu nennen. Jedoch kann sie nicht behaupten, damit diagnostiziert worden zu sein, denn dies ist ein langwieriger und komplexer Prozess, dem sich nicht alle Betroffenen stellen. Somit kann von einer relativ großen Dunkelziffer ausgegangen werden, da viele Menschen, so wie auch ich, gar nicht von der Krankheit in Kenntnis gesetzt sind und somit womöglich gar nicht wissen, dass sie darunter leiden. Zusätzlich ist ein Gang zum*zur Gynäkolog*in mit weiteren Hürden verbunden, denen sich Patient*innen stellen müssen – vorausgesetzt, sie nehmen diese Behandlungen auf sich. So musste meine Freundin, die regelmäßig gezwungen ist, Ärzt*innen aufzusuchen, schon zahlreiche schlechte Erfahrungen über sich ergehen lassen: von unsensiblen Frauenärzt*innen bis hin zu fragwürdigen Schlussfolgerungen, woraufhin sie die Pille verschrieben bekam, da Hormone ihr als einzige Möglichkeit dargestellt wurden, die Krankheit zu therapieren. Allerdings ist sie auch auf viele verständnisvolle Ärzt*innen gestoßen, die sie beraten und in mögliche Behandlungsoptionen eingeführt haben.

Mit dieser Hausarbeit setze ich mir das Ziel, die These: „eine Normalisierung von weiblich gelesenem Schmerz zeigt sich in der medizinischen Behandlung von Betroffenen mit Endometriose“ näher auszuleuchten. Dabei werde ich auf vorhandene Studien, Stimmen von Betroffenen sowie von medizinischem Personal eingehen. Es werden dabei Hürden von Betroffenen dieser Krankheit offengelegt, aber auch Schwierigkeiten, die seitens des Gesundheitssystems herrschen, wenn es um die Diagnose und Behandlung von Endometriose geht.

Anmerkung: Zum Unterstreichen des Genderaspekts nutze ich hauptsächlich die Bezeichnungen „weiblich oder männlich gelesen“ beziehungsweise „Menschen mit oder ohne Gebärmutter“. Aus Gründen des Umfangs ist es mir nicht möglich, alle weiteren Geschlechter und Geschlechtsausprägungen hinsichtlich jeglicher Aspekte zu betrachten. Jedoch ist wohl offensichtlich, dass beispielsweise Trans- oder Intermenschen zusätzlich Diskriminierung und Pathologisierung im Gesundheitswesen erfahren müssen.

2. Begriffserklärungen

Eng verknüpft ist die Bezeichnung des weiblich gelesenen Schmerzes mit dem des Gender Pain Gaps, welcher ein Phänomen in der medizinischen Behandlung darstellt, bei welchem Ungleichheiten bei eben dieser medizinischen Versorgung zwischen männlich und weiblich gelesenen Personen herrschen. Zugrunde liegt hier unter anderem ein systematisches Unterschätzen weiblich gelesener Menschen und deren Schmerzen.[3] Somit ist das Konzept des Gender Pain Gaps zentral für das Diskutieren der vorliegenden Problematik.

Eine geschlechterdifferenzierte Betrachtung ruft den Begriff der Female Specific Pains hervor. Laut der National Library of Medicine versteht man darunter genauer Gebärmuttermyome, Menstruationsschmerzen im Allgemeinen, Schmerzen während der Schwangerschaft und der Geburt, Menopause und natürlich Endometriose. Häufig fallen darunter aber auch mehr „alltägliche“ Schmerzen, die auf den ersten Blick keine geschlechterspezifische Veranlagung haben, etwa Kopfschmerzen, Migräne oder Muskelschmerzen.[4]

Verbunden sind diese Begrifflichkeiten mit dem des Gender Exaggeration Bias, welcher sich auf die stereotypische Annahme bezieht, dass biologische Unterschiede von männlich und weiblich gelesenen Personen eine Unterscheidung in ihrer Gefühlswahrnehmung zulassen. Somit wird oftmals angenommen, weiblich gelesene Menschen würden ihren Schmerz dramatisieren und eigentlich weniger empfinden, als sie aussagen.[5]

Besonderes Augenmerk wird in dieser Ausarbeitung auf die Thematik der Endometriose gelegt. Diese ist eine chronische Erkrankung der Gebärmutter, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt und auch Endometrium genannt wird, außerhalb der Gebärmutter wächst. Zysten und Entzündungen können sich beispielsweise an den Eierstöcken, im Bauch- und Beckenraum, aber auch an der Lunge bilden. Theoretisch kann das Endometrium überall im gesamten Körper wachsen, das häufigste Vorkommen ist allerdings im Bauchraum. Wichtig ist hierbei die Unterscheidung zum Menstruationszyklus. Dabei wird die Gebärmutterschleimhaut auf- und wieder abgebaut. So passiert das auch bei dem Endometrium, bei diesem kann aber die Blutung im Gegensatz zur Menstruation den Körper nicht verlassen, woraufhin sich erst so genannte Endometrioseherde und schließlich Endmoetriosezysten bilden. Die genauen Entstehungsursachen für Endometriose sind allerdings noch unbekannt. Die Symptome sind unterschiedlich und individuell, können lokal oder im gesamten Körper auftreten – oder sich gar nicht äußern. Häufig sind jedoch starke Unterleibschmerzen während und unabhängig von der Menstruation gegeben, außerdem Rücken- und Gliederschmerzen während der Periode, starke oder unregelmäßige Monatsblutung, Schmerzen während und nach dem Geschlechtsverkehr und Unfruchtbarkeit, um nur ein paar zu nennen. Damit einhergehend sind psychische Belastungen wie Depressionen, aber auch physische Lasten wie Müdigkeitserscheinungen oder eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte während der Menstruation.[6]

3. Analyse & Argumentation

Allgemeine Beobachtungen lassen erkennen, dass aufgrund von jahrhundertealten Ansichten innerhalb der medizinischen Forschung der männlich gelesene Körper als „Goldstandard“ betrachtet wurde und teilweise immer noch wird. Alles von dieser besagten Norm Abweichende galt als „atypisch“ oder „anormal“.[7] Für die heutige Zeit bedeutet das, dass klinische Studien laut der Ärztekammer Berlin weitestgehend an männlich gelesenen Probant*innen durchgeführt werden. Als Grund können dafür die hormonellen Unterschiede zu weiblich gelesenen Personen angeführt werden, da diese anders auf Medikamente reagieren können. Zwar erfolgte im Jahr 2003 die Gründung des Instituts für Geschlechterforschung in der Medizin an der Charité Berlin und geschlechterspezifische Lehrinhalte sind Teil des Studiums an der Charité, jedoch kommen Geschlechterverschiedenheiten, zum Beispiel bei Krankheiten und Behandlungsweisen, nur in 70,4% aller Medizinischen Fakultäten in Deutschland vor.[8] Andersherum bedeutet dies natürlich aber auch eine deutliche Benachteiligung männlich gelesener Menschen, die wiederum erst spät mit stereotypisch „weiblichen“ Krankheiten diagnostiziert werden, darunter zählen zum Beispiel unter anderem Depression, Brustkrebs oder Osteoporose.[9] Aufgrund dieser langen Fokussierung auf den männlich gelesenen Körper ist es somit nicht verwunderlich, dass der weiblich gelesene Körper und somit auch Female Specific Pains nicht ausreichend erforscht sein können. Der zentrale Begriff hierfür ist der sogenannte Gender-Data-Gap.[10] Ein Fortschritt dieser Problematik zeigt sich jedoch in der sogenannten Gendermedizin, welche bemüht ist, Gender sowie Sex (Geschlecht) in der medizinischen Versorgung zu berücksichtigen.[11]

Nichtsdestotrotz wird weiblich gelesener Schmerz oftmals als emotionales Konstrukt betrachtet. Gestützt wird diese doch noch recht häufige Annahme durch das Vorurteil, Frauen seien hysterisch und emotional, würden übertreiben und somit über ihre Schmerzen in gewisser Weise lügen.[12] Aus diesen Annahmen über die „irrationale“ Gefühlswelt von weiblich gelesenen Personen ergab sich eine Studie, die zeigte, dass Teilnehmer*innen von männlich gelesenen Personen erwarten, weniger Schmerz zu artikulieren als sie tatsächlich fühlen und von weiblich gelesenen Personen, dass diese mehr Schmerz artikulieren als sie fühlen.[13] Somit kann hier der sogenannte Gender-Pain Exaggeration Bias belegt werden. Dieser wiederum kann als Argument dafür dienen, dass weiblich gelesene Personen mit Schmerzen, die auf Endometriose hindeuten, vom Personal im Gesundheitssystem weniger Beachtung finden.

Aus dem oben genannten Argument und dem Gender-Pain Exaggeration Bias ergibt sich zwangsläufig eine Verharmlosung weiblich gelesenen Schmerzes durch medizinisches Personal. Wie eingangs bereits erwähnt, wird der Schmerz weiblich gelesener Personen im Gesundheitssystem häufig unterschätzt oder gar belächelt.[14] Die Folge daraus kann eine Fehldiagnose oder ein falsches oder unzureichendes Rezept sein, was bei den Patient*innen wiederum Frustration oder eine Akzeptanz ihrer Schmerzen auslöst, welche schnell gefährlich werden kann. Ein allgemeineres Beispiel für die offensichtliche Unterscheidung und Benachteiligung weiblich gelesener Menschen im Gesundheitswesen ist die 29% längere Wartezeit, die weiblich gelesene Patient*innen im Gegensatz zu männlich gelesenen Patient*innen in der Notaufnahme mit Brustschmerzen haben. Die Behandlung dieser Personen fiel deutlich unzureichender aus.[15] Speziell für von Endometriose Betroffene bedeutet dieses weniger ernst genommen werden, starke Unterleibschmerzen oftmals der Menstruation zugeschrieben zu bekommen. Eine britische Studie aus dem Jahr 2021 fand heraus, dass sich 84% der Teilnehmenden beziehungsweise Menschen aus ihrem Umfeld vom Personal des Gesundheitswesens nicht gesehen oder in ihren Anliegen gehört gefühlt haben. Das Augenmerk lag hier nicht spezifisch auf Endometriose, sondern ist eine allgemeine Feststellung. Jedoch wird in dieser Studie ein*e Teilnehmer*in zitiert, welche von einer Verharmlosung ihrer Schmerzen spricht, welche als „normale Periodenschmerzen“ abgetan werden, sie würde übertreiben und sich das Ausmaß der Schmerzen lediglich einbilden. Schlussendlich litt die Betroffene unter Endometriose.[16] Hier liegt also eindeutig wieder der Gender Pain Exaggeration Bias vor, da unter anderem angenommen wird, weiblich gelesene Menschen würden ihre Schmerzen „überdramatisieren“. Eine weitere, gezielt auf Endometriose konzentrierte Umfrage zum Diagnoseverfahren aus Großbritannien, berichtet von 78% der Endometriosebetroffenen, welche von einem oder mehreren Vorfällen berichten können, bei denen ihnen Ärzt*innen sagten, sie würden „viel Lärm um nichts“ machen oder ähnliches. Diese Prozentzahl hat sich seit 2020 erhöht, damals waren es 69%.[17] Zu den körperlichen Belastungen kommen häufig psychische Beschwerden, unter denen Betroffene von Endometriose leiden. Diese können verschiedene Ursprünge haben, so beispielsweise alltägliche Einschränkungen durch die körperlichen Schmerzen, durch welche sich die allgemeine Lebensqualität hinsichtlich Beruf, Privatleben und sozialer Teilhaber zusehends verschlechtern kann.[18]

Eine Normalisierung weiblich gelesenen Schmerzes zeigt sich in der medizinischen Behandlung besonders im langwierigen Diagnoseverfahren von Endometriose. Eine Diagnose zur Endometriose beträgt nicht selten sechs bis zehn Jahre.[19] Oft löst dieses lange Warten auf einen Termin oder ein Ergebnis psychischen Stress aus, der zu einer zusätzlichen mentalen Belastung führt.[20] Dieser lange Weg zu einer finalen Diagnose hat allerdings vielfältige Gründe, die nicht alle auf ein exklusives Gesundheitssystem zurückzuführen sind. So zeichnet sich Endometriose durch ein uneindeutiges Krankheitsbild ab, welches viele verschiedenartige Symptome beinhaltet, welche bereits oben erwähnt wurden. Dieses breite Spektrum an Symptomen lässt keine schnelle und eindeutige Entscheidung zu, es müssen mehrere verschiedenen Verfahren zum Tragen kommen, zum Beispiel Anamnesegespräche, Tastuntersuchungen, Ultraschall oder eine Darmspiegelung. Daraus ergeben sich die jahrelangen Gänge zu Ärzt*innen, die Betroffene unternehmen müssen. Um eine vollständige Diagnose zu erhalten, braucht es jedoch einen operativen Eingriff.[21] Durch diesen können zentrale Endometrioseherde gezielt entfernt werden.[22] Eine eindeutige Diagnose ist von großer Bedeutung, da aufgrund dieser eine Therapie angepasst werden kann. Oftmals wird Endometriose durch Linderung der Symptome therapiert, am häufigsten sind hierbei Operationen und Hormonbehandlungen.[23]

Prof. Dr. med. Sylvia Mechsner, Professorin für Endometrioseforschung an der Charité Berlin, legte in einem Interview offen, dass Frauenärzt*innen keine spezielle Schulung in Bezug auf Schmerz-Anamnesen haben. Das bedeutet, dass Gynäkolog*innen gezwungen sein können, eine schnelle Lösung zu finden, welche, wie bereits erwähnt, häufig aus einer Hormontherapie besteht.[24] Hier können allerdings weitere psychische Belastungen als Nebenwirkungen, beispielsweise durch das Einnehmen der Pille, entstehen und depressive Verstimmungen auslösen.[25] Um eine differenzierte Entscheidung zu fällen, welche Menstruationsschmerzen tatsächlich normal sind und welche nicht, muss ein ausführliches Anamnesegespräch stattfinden, auf welches Frauenärzt*innen nicht ausreichend trainiert sind, da diese Schmerzen auch weiterhin ein nebensächliches Thema selbst in der Ausbildung von medizinischem Personal zu sein scheinen.[26]

Eine zusätzliche Schwierigkeit stellen ökonomische Mängel beziehungsweise Vorbehalte dar. Laut der Endometriose-Vereinigung wurde am 28.05.2025 eine Erhöhung der Forschungsgelder von 8,5 Millionen Euro verkündet.[27] Bis 2023 wurden nur 500 000 Euro in die Erforschung dieser Krankheit gesteckt, ab 2023 waren es dann 5 Millionen Euro.[28] Diese Entwicklungen zeigen, dass sich die Thematik allmählich Gehör verschafft und Anklang auch in der Politik findet, allerdings wird dadurch ebenfalls deutlich, dass die Krankheit eben unter anderem aus finanziellen Gründen bislang großflächig unerforscht blieb beziehungsweise nicht genügend untersucht wurde. Die nötigen finanziellen Mittel waren einfach nicht ausreichend gegeben.

Die langwierigen Therapien erzwingen außerdem hohe Kosten für das Gesundheitssystem.[29] So betragen die direkten sowie indirekten Kosten der Behandlung von Endometriose 4.137.992 Euro,[30] wobei sich die direkten Kosten auf ambulante und stationäre ärztliche Pflege sowie den Medikamentenverbrauch beziehen. Bei diesen direkten Kosten ergibt sich der Großteil, nämlich 31%, aus der stationären Behandlung (zumindest im Jahr 2017, aus welchem diese Arbeit und somit die Quelle stammt). Am eindrücklichsten stechen hier die Zahlen der indirekten Kosten heraus, in denen Arbeitsausfall, Erwerbsminderung und Arbeitszeitreduzierung die Unterteilungen bilden. Der Arbeitsausfall mit 2.766 Euro stellt dabei den größten Anteil dar. Dieses Beispiel demonstriert einmal mehr die alltäglichen und sozialen Einschränkungen, denen sich Betroffene mit Endometriose ausgesetzt sehen. Diese können bis hin zu einer temporären Unfähigkeit, den eigenen Beruf auszuüben, reichen.

4. Fazit und Ausblick

Abschließend lässt sich festhalten, dass weiblich gelesener Schmerz immer weiter ins Licht der Beachtung der Gesellschaft rückt, diese Entwicklung allerdings immer noch sehr langsam vonstatten geht. Die Recherche und Erstellung dieser Arbeit haben deutlich gemacht, dass die These „eine Normalisierung von weiblich gelesenem Schmerz zeigt sich in der medizinischen Behandlung von Betroffenen mit Endometriose“ kein Schwarz-Weiß-Denken erlaubt, da diese Problemstellung sehr vielschichtig ist und dieser viele Argumente zugrunde liegen. Allen voran der Gender Pain Gap, der als grundlegendes Problem anzuerkennen ist. Viele Studien zeigen klar, dass weiblich gelesener Schmerz in der Gesellschaft und somit auch im medizinischen Bereich oftmals nicht ernst genommen oder gar verharmlost wird. Jedoch wird der Gender Pain Gap bereits teilweise bekämpft. So zum Beispiel durch schrittweises Aufbrechen bisheriger Muster und Anschauungen. Der gendermedizinische Ansatz findet zwar immer noch einen recht kleinen Platz im Medizinstudium, allerdings fordern beispielsweise die Ärztekammer Berlin eine feste Verankerung von Gendermedizin im Studium. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der nicht unterschätzt werden sollte, ist die Finanzierung von Forschungen. Hier wird seit einigen Jahren die Endometrioseforschung durch erhöhte Forschungsinvestitionen, aktuell in Höhe von 8,5 Millionen Euro[31], vorangetrieben. Doch zeigen die bisherigen Erkenntnisse, vor allem was die Entstehung und zielführende Bekämpfung der Krankheit angeht, dass diese noch unzureichend erforscht ist und der Behandlung hohe Kosten zugrunde liegen. Prof. Dr. Mechsner des Endometriosezentrums der Charité Berlin plädiert für mehr Gründungen solcher Zentren als spezielle Orte, an denen Patient*innen ohne Vorurteile behandelt werden können und eine Tabuisierung der Thematik ausgeschlossen ist. Dies könnte zu einer erhöhten Sichtbarkeit und mehr Respekt bezüglich weiblich gelesenen Schmerzes führen. Dass die Krankheit ernster genommen werden muss, hat sich während der Recherche immer wieder ergeben. Besonders das medizinische Personal sollte dahingehend ausführlicher geschult werden, das Gesundheitssystem durch eine bessere Finanzierung versuchen, größere Kapazitäten für Gynäkolog*innen einzuräumen, um Betroffenen einen langen und kraftzehrenden Leidensweg zu ersparen oder diesen zumindest zu vereinfachen. Im Hinblick auf meine anfangs herrschende Unwissenheit wäre ein sinnvoller Schritt, die Krankheit Endometriose in der Gesellschaft sichtbarer zu machen und über die Thematik aufzuklären. Es sollte die Möglichkeit geben, sich darüber zu informieren und zu ermutigen, sich der Tabuisierung und den Vorurteilen entgegenzustellen.

5. Literaturverzeichnis

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[1] Serbent, Ulrike. Endometriose: Die unsichtbare Krankheit. AOK, Presse und Politik.

[2] The LanCet. Endometriosis: Addressing the Roots of slow Progress.

[3] Gender Pain Gap: Warum weibliche und männliche Schmerzen nicht gleichbehandelt werden. Medi-Karriere.

[4] Laughey et al. In: Pain in women: bridging the gender pain gap. National Center for Biotechnology Information.

[5] Paganini et al. Women exaggerate, men downplay.

[6] Basiswissen Endometriose. Hg. Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V.

[7] Marts, Sherry a. u. Keitt, Sarah (2004). „Principles of Sex-based Differences in Physiology“.

[8] Ärztekammer Berlin. (06. März, 2025). Gendermedizin im Medizinstudium verankern! [Pressemeldung].

[9]ebd.

[10] Oertelt-Prigione, Sabine. „Die Entstehung der geschlechtersensiblen Medizin – von der Frauengesundheitsbewegung zum Gender-Data-Gap“. Bundesstiftung Gleichstellung.

[11] Oertelt-Prigione, Sabine. „Definitionen – geschlechtersensible Medizin, Gendermedizin, Frauengesundheit oder doch etwas anderes?“ Bundesstiftung Gleichstellung.

[12]Lloyd et al. Women exaggerate, men downplay. Hg. Department Of Health & Human Sercives USA.

[13]Paganini et al. „Study 1: Discussion“. In: Women exaggerate, men downplay. Hg. Department Of Health & Human Sercives USA.

[14]Pronina, I., 6 Rule, N.O. (2014). Including bias modulates sensitivity to nonverbal cues of other’s pain. European Journal of Pain.

[15] Sex and Race Differences in the Evaluation and Treatment of Young Adults Presenting to the Emergency Department With Chest Pain. In: Journal of the American Heart Assosiation.

[16]Department for Health and Social Care: Call for evidence outcome: results oft he ‚women’s Health – Let’s talk about it‘ survey.

[17] „Dismisses, ignored and belittled“ in: The long road to endometriosois diagnosis in the UK.

[18]von Korff, M. & Simon, G. The relationship between pain and depression. British Journal of Psychiatry.

[19] Meier zu Biesen, Caroline: Endo-Werden und -Nicht-Werden Eine geschlechtersensible Perspektive auf das Leben mit Endometriose. in: Curare Gender und Medizin.

[20]Wischmann, T. Psychologische Aspekte bei Endometriose und Kinderwunsch – einige kritische Anmerkungen.

[21] Basiswissen Endometriose. Hg. Endemetriose-Vereinigung Deutschland e.V. 2024.

[22] Erbas, Deniz. Operative Therapie. in: Dissertation: Die ambulante Behandlung von Endometriosepatientinnen unter klinischen und gesundheitsökonomischen Aspekten in einer Einzelpraxis für Gynäkologie und Geburtshilfe.

[23] Serbent, Ulrike in: Endometriose: Die unsichtbare Krankheit. AOK Presse und Politik.

[24] Priess, Sabine. Das kommt schon an Geburtsschmerzen heran. rbb24.

[25]Schäfer, S. D. & Kiesel, L. Diagnostik und Therapie der Endometriose nach der S2k-Leitlinie. Der Gynäkologe.

[26] Priess, Sabine. Das kommt schon an Geburtsschmerzen heran.

[27]Endometriose-Forschung. Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V.

[28]5 Millionen für Endometriose-Forschung. Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V.

[29] Gao X et al. Economic burden of endometriosis. Fertil Steril.

[30]Erbas, Deniz. Volkswirtschaftliche Bedeutung. in: Dissertation: Die ambulante Behandlung von Endometriosepatientinnen unter klinischen und gesundheitsökonomischen Aspekten in einer Einzelpraxis für Gynäkologie und Geburtshilfe.

[31] Endometriose-Forschung. Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V.


Quelle: Sophie Tannenberg, Beobachtungen zu weiblich gelesenem Schmerz am Beispiel Endometriose im Gesundheitswesen, in: Blog ABV Gender- und Diversitykompetenz FU Berlin, 01.07.2026, https://blogs.fu-berlin.de/abv-gender-diversity/?p=566

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