{"id":210,"date":"2022-05-30T11:29:51","date_gmt":"2022-05-30T09:29:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=210"},"modified":"2022-06-08T12:13:28","modified_gmt":"2022-06-08T10:13:28","slug":"frauenhass-und-antifeminismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/2022\/05\/30\/frauenhass-und-antifeminismus\/","title":{"rendered":"Frauenhass und Antifeminismus"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Misogynie als erwartete Normalit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nadine Schicke (WiSe 2021-2022) <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Frauenfeindlichen Aussagen zu begegnen oder sexistischen Situationen ausgeliefert zu sein, ist f\u00fcr die meisten Frauen ein allt\u00e4gliches Unterfangen. So allt\u00e4glich sogar, dass es oft nicht mal mehr auff\u00e4llt, wenn beispielsweise eine unangemessene Bemerkung in einem professionellen Setting fallen gelassen wird. Aus eigener Erfahrung erinnere ich mich an mehrere Momente, die ich in der Situation als einen lustig gemeinten Witz aufgefasst habe. Doch erst Stunden sp\u00e4ter fiel mir auf, dass solch ein Kommentar niemals gegen\u00fcber einen meiner m\u00e4nnlichen Mitmenschen ge\u00e4u\u00dfert worden w\u00e4re und die Aussage allein aufgrund meines biologischen Geschlechts gemacht worden ist. Da ich glaube, dass sich viele Frauen mit dieser Erfahrung identifizieren k\u00f6nnen, m\u00f6chte ich mich in diesem Essay mit der Frage besch\u00e4ftigen, ob Misogynie in unserer modernen Gesellschaft immer noch ein fester und akzeptierter Bestandteil des allt\u00e4glichen Lebens ist. An verschiedenen Beispielen aus unterschiedlichen Lebensbereichen m\u00f6chte ich dabei aufzeigen, wie Frauenfeindlichkeit sich in allen Ecken unserer Gesellschaft versteckt, als Normalzustand aufgefasst wird und sogar gerechtfertigt wird. Diese Rechtfertigungen kommen besonders aus antifeministischen Lagern, die es im Zeitalter des Internets immer einfacher haben, neue Anh\u00e4nger*innen f\u00fcr ihre fragw\u00fcrdigen bis geradezu gef\u00e4hrliche Ideologien zu rekrutieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die offensichtlichste Form des Frauenhasses und Sexismus findet man, wie bereits angesprochen, im Internet und auf sozialen Netzwerken. Die Kommentarspalte unter Videos oder Fotos, in denen weibliche Personen abgebildet sind, ist zumeist gef\u00fcllt mit hasserf\u00fcllten, gewaltverherrlichenden oder pornographischen Aussagen. Digitaler Alltagssexismus ist somit ein fester Bestandteil des Lebens von Frauen und M\u00e4dchen. Die Organisation \u201ePlan International\u201c hat zu diesem Thema 14,000 weibliche Teilnehmerinnen aus aller Welt befragt und kam zu dem Ergebnis, dass 58 Prozent aller Frauen und M\u00e4dchen im Internet schon einmal bel\u00e4stigt worden sind. In Deutschland ist die Zahl sogar noch h\u00f6her, denn hier erleben etwa 70 Prozent aller Frauen digitale Gewalt.<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Diese Zahlen sprechen nat\u00fcrlich f\u00fcr sich, denn es zeigt auf, dass die Mehrheit an Frauen sowohl im internationalen als auch im lokalen Raum eigene Erfahrungen im Internet gemacht haben, die einen sexistischen Hintergrund zu haben scheinen. Hate speech ist nat\u00fcrlich trotzdem kein Ph\u00e4nomen, das nur Frauen betrifft. Allerdings ist anzumerken, dass grundlose und diskriminierende Hasskommentare \u00f6fter Personen treffen, die nicht dem wei\u00dfen, cis-m\u00e4nnlichen, gesunden und heterosexuellen Standard entsprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedoch m\u00f6chte ich mich viel mehr mit der Seite des Internets besch\u00e4ftigen, die im Gegensatz zu vereinzelten Kommentaren in sozialen Netzwerken, gezielt und organisiert Antifeminismus und Frauenhass verbreitet. In Deutschland von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung sind dabei Vereine und Foren, wie Agens, MANNdat und wgvdl.com. Im Fokus dieser Gruppierungen steht in vielen F\u00e4llen die Ideologie einer biologistischen Geschlechterkonstruktion auf Grundlage von meist sehr konservativen und oftmals auch christlichen Vorstellungen.<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> Mitglieder solcher Vereine sehen zumeist das Konzept der traditionalen Werte und die m\u00e4nnliche Vorherrschaftsstellung in historisch rein m\u00e4nnlichen R\u00e4umen, wie in der Politik, Wirtschaft und auch innerhalb der Familie, durch die feministische Bewegung bedroht.<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> Um f\u00fcr die Aufrechterhaltung der alten Werte zu k\u00e4mpfen, wird oftmals zu sehr abwegigen Argumenten gegriffen, die sich auf die Viktimisierung des m\u00e4nnlichen Geschlechtes st\u00fctzen.<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> Gemeint ist damit, dass die Anh\u00e4nger*innen dieser antifeministischen Bewegungen der Auffassung sind, dass die feministischen Leitideen schon so tief in der Politik, Justiz und in den Medien verankert sind, dass nun die M\u00e4nner in der benachteiligten Position sind.<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> Dabei fallen oft Begriffe, wie \u201eFemiNazis\u201c, \u201eFemografie\u201c oder auch \u201eFemi-Faschismus\u201c, um den Feminismus als ein m\u00e4nnerhassendes und totalit\u00e4res Weltbild zu beschreiben.<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a> Nach dieser Theorie wird also davon ausgegangen, dass der feministische Gedanke der geschlechtlichen Gleichberechtigung und Gleichheit nicht nur schon erreicht worden ist, sondern auch \u00fcber das eigentliche Ziel hinausgeschossen worden sei. Frauendiskriminierung wird geleugnet und heutzutage seien es die M\u00e4nner, die unterdr\u00fcckt werden w\u00fcrden.<a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a> Wie im vorherigen Abschnitt bereits angesprochen, musste sich die Mehrzahl der Frauen und M\u00e4dchen mit digitaler Gewalt, die sich allein auf ihr biologisches Geschlecht zur\u00fcckf\u00fchren lie\u00df, schon oft befassen. Aufgrund dessen sind solche antifeministischen Aussagen als sehr problematisch einzustufen, da sie die gewaltt\u00e4tige und gef\u00e4hrliche Realit\u00e4t von Frauen leugnet und dadurch gleichzeitig versucht wird weiblichen Opfern die Stimme und\/oder die Glaubw\u00fcrdigkeit zu nehmen. Wirklich gef\u00e4hrlich wird es au\u00dferdem, wenn sich die Anh\u00e4nger*innen solcher Ideologien auf diesen Foren so sehr radikalisieren, dass sich der digitale Frauenhass zu aktiver Gewalt umwandelt. Ein Beispiel f\u00fcr einen solchen Vorfall war die Preisgabe von Adresslisten und der Aufruf zum Vandalismus von anonymen Frauenh\u00e4usern. Bei den T\u00e4ter*innen handelte es sich um Einzelpersonen, die sich auf den Foren, wie wgvdl.com organisiert haben.<a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Das n\u00e4chste \u00f6ffentliche Setting, welchem ich mich widmen m\u00f6chte, ist der Arbeitsplatz oder auch der generelle Arbeitsmarkt. Die schiere Brandbreite an Filmen, B\u00fcchern, Seminaren und Brosch\u00fcren, die sich mit genau diesem Thema auseinandersetzten, sollte Hinweis genug sein, wie gro\u00df das Problem zu sein scheint. Doch wird hier nur eine bestimmte Seite der vielen verschiedenen frauenfeindlichen Realit\u00e4ten von arbeitenden Frauen und M\u00fcttern beleuchtet, n\u00e4mlich die sexuelle Bel\u00e4stigung am Arbeitsplatz. Dass das Problem \u00fcber dieses bereits sehr ernste Thema hinausgeht, ist allerdings die traurige Wahrheit. Besonders debattiert wurden dabei in den letzten Jahren die Entlohnung und die Verteilung von F\u00fchrungspositionen an Frauen im Vergleich zu M\u00e4nnern. Im Jahr 2021 verdienten Frauen im Durchschnitt 12 Prozent weniger als M\u00e4nner.<a href=\"#_ftn9\">[9]<\/a> Zwar hat sich die Gender Pay Gap somit in den letzten Jahren etwas verringert, allerdings ist hier immer noch ein bemerkenswert gro\u00dfer Unterschied zwischen der Bezahlung von M\u00e4nnern und Frauen vorzufinden. In F\u00fchrungspositionen spezifisch ist der Gehaltsunterschied noch deutlicher zu erkennen, da M\u00e4nner durchschnittlich mindestens 21 Prozent mehr verdienen als Frauen.<a href=\"#_ftn10\">[10]<\/a> Aber auch der Einsatz dieser weiblichen Aufsichts- oder F\u00fchrungspersonen f\u00e4llt mit 27 Prozent sehr gering aus.<a href=\"#_ftn11\">[11]<\/a> Diese Unterrepr\u00e4sentation ist \u00e4u\u00dferst fraglich, wenn gleichzeitig knapp die H\u00e4lfte aller Besch\u00e4ftigten mit akademischen Abschl\u00fcssen weiblich sind.<a href=\"#_ftn12\">[12]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Doch auch zu der ungleichen Behandlung von Frauen und M\u00e4nnern auf dem Arbeitsmarkt haben antifeministische M\u00e4nnerrechtsbewegungen ihre Argumente, die eine ganz andere Sicht auf diese Problematiken offenlegen. Die unabh\u00e4ngige, \u00fcberparteiliche Interessenvertretung f\u00fcr m\u00e4nnliche B\u00fcrger \u201eMANNdat\u201c argumentiert beispielsweise nicht nur gegen das Existieren der Gender Pay Gap, sondern kehrt dessen Bedeutung komplett um, da nach ihren Aussagen M\u00e4nner auf den Arbeitsmarkt benachteiligt seien. Dabei werden die h\u00f6heren Steuerabgaben der M\u00e4nner angeprangert, da sie die arbeitenden Mehrverdiener seien. Gleichzeitig w\u00fcrden die M\u00e4nner sehr viel mehr Ausgaben haben als ihre weiblichen Mitarbeiterinnen, weil sie zus\u00e4tzlich dazu gezwungen sein w\u00fcrden den Unterhalt ihrer geschiedenen Frauen bezahlen zu m\u00fcssen und das allt\u00e4gliche Leben ihrer Ehefrauen mitzufinanzieren haben.<a href=\"#_ftn13\">[13]<\/a> Die Gender Pay Gap k\u00e4me dabei aus dem alleinigen Grund zustande, da sich die Frauen die bequemeren Entscheidungen hinsichtlich ihrer Karrierelaufbahn aussuchen w\u00fcrden und die Folge daraus w\u00e4re, dass ihre Berufsauswahl in einer geringeren Bezahlung resultieren w\u00fcrde.<a href=\"#_ftn14\">[14]<\/a> Bei dieser Argumentation f\u00e4llt wieder die offensichtliche und konstruierte Opferhaltung der Vertreter*innen dieser Initiative auf. Gleichzeitig widersprechen sich viele der Argumente mit den Leitideen solcher antifeministischen Gruppierungen. Einerseits werden arbeitende Frauen problematisiert, da sie nicht dem konservativen Familienbild einer h\u00e4uslichen Ehefrau entsprechen. Anderseits kann man an den Erkl\u00e4rungen des MANNdat sehen, dass zur gleichen Zeit auch das traditionelle Bild des m\u00e4nnlichen Alleinverdieners kritisiert wird. Zus\u00e4tzlich wird das berufliche Scheitern von M\u00e4nnern vornehmlich als ein strukturelles Problem betrachtet, doch die weibliche Arbeitslosigkeit auf biologische oder individuelle Ursachen zur\u00fcckgef\u00fchrt.<a href=\"#_ftn15\">[15]<\/a> Im Gegensatz zum Bild des Mannes hat sich die Frauenrolle in den letzten Jahrzehnten sehr viel schneller weiterentwickelt. Die \u00f6konomischen Ver\u00e4nderungen und die geschlechtlichen Rollenverh\u00e4ltnisse sind dabei sehr eng miteinander verstrickt. Das Resultat dieser Verstrickung ist die m\u00e4nnliche Furcht vor einem Verlust ihrer bislang von M\u00e4nnern dominierten gesellschaftlichen Ressourcen und R\u00e4ume. Durch die Emanzipationsbewegungen der letzten Jahrzehnte f\u00fchlen sich besonders konservative M\u00e4nner in eine v\u00f6llig neue Situation gedr\u00e4ngt, in der sie dazu gezwungen sind, ihre bis jetzt nicht umk\u00e4mpfte und ohne Nachdenken akzeptierte Machtposition in der Gesellschaft verteidigen zu m\u00fcssen.<a href=\"#_ftn16\">[16]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Schlussendlich m\u00f6chte ich noch einen Einblick auf den Sexismus innerhalb der deutschen Politik geben. Obwohl Frauen die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung ausmachen, wird diese Zahl nicht in der Regierung repr\u00e4sentiert. In den letzten Jahren befand sich die Anzahl der weiblichen Abgeordneten immer stetig bei circa einem Drittel. Die Personen an der Macht, die \u00fcber die aktuellen Gesetze auch in Sachen Frauenpolitik, Frauenmedizin und Frauenrechte entscheiden, sind somit m\u00e4nnlich. Diese Tatsache erschwert es den deutschen Frauen deutlich ihre Interessen und Bed\u00fcrfnisse ordnungsgem\u00e4\u00df zu vertreten und durchzusetzen. Ganz abgesehen von dem Umstand, dass nicht nur Frauen unterrepr\u00e4sentiert sind, sondern eine jede Person, die nicht in die Kategorie alter, wei\u00dfer, gesunder, christlicher, heterosexueller und finanziell abgesicherter Cis-Mann f\u00e4llt. Doch erst in das offensichtlich frauenfeindliche Lager bewegt sich die deutsche Politik, wenn wir uns bestimmte Aussagen und Vorstellungen von ausgew\u00e4hlten Parteien und Politiker*innen anschauen. Besonders negativ f\u00e4llt dabei die AfD auf, die am offenkundigsten frauendiskriminierende Inhalte unter ihren Anh\u00e4nger*innen verbreitet. Das Grundsatzprogramm der AfD zur Familienpolitik macht sehr deutlich, dass die Partei die traditionelle Familie als Leitidee f\u00fcr die deutsche Familienplanung sieht. Durch die explizite Verwendung von Begriffen, wie \u201eVollzeitm\u00fctter\u201c, \u201eKinderfrauen\u201c und \u201eTagesm\u00fctter\u201c, macht die AfD au\u00dferdem unterschwellig sehr deutlich, dass die F\u00fcrsorge und Pflege der Kinder somit immer noch dem weiblichen Geschlecht zufallen sollte. Der letzte Punkt zur Familienpolitik der Partei weist zudem darauf hin, dass Schwangerschaftsabbr\u00fcche unter allen Umst\u00e4nden zu vermeiden sind.<a href=\"#_ftn17\">[17]<\/a> Doch auch ganz von dem Fakt abgesehen, dass Frauen und Minderheiten in der Politik deutlich unterrepr\u00e4sentiert sind und die Ziele gewisser Parteien diskriminierende und veraltete Z\u00fcge zu haben scheinen, muss man feststellen, dass der Bundestag ein generelles Sexismus-Problem hat. Ganze 61 Prozent der weiblichen Abgeordneten, die freiwillig an einer Umfrage teilnahmen, gaben an, dass die aktuellen Entwicklungen sowohl im Bundestag als auch innerhalb der Gesellschaft einen gro\u00dfen R\u00fcckschritt f\u00fcr die Gleichberechtigung der Frauen bedeuten k\u00f6nnten.<a href=\"#_ftn18\">[18]<\/a> Innerhalb des Parlaments g\u00e4be es nach Angaben der Befragten eine sehr frauenfeindliche Grundstimmung, die zwar weitestgehend von der AfD auszugehen scheint, allerdings auch \u00fcberparteilich ein gro\u00dfes Problem ist. Das frauenverachtende Verhalten \u00e4u\u00dfere sich in Form von Herrenwitzen, sexistischen oder herablassenden Kommentaren zur Kleidung der weiblichen Abgeordneten oder auch im offenkundig respektlosen Verhalten w\u00e4hrend eine Frau das Wort am Podium ergreift.<a href=\"#_ftn19\">[19]<\/a> \u00dcberraschend erscheint die frauenfeindlich aufgeladene Atmosph\u00e4re im Bundestag nicht, wenn man bedenkt, dass die deutliche Mehrheit der Abgeordneten \u00e4ltere M\u00e4nner sind, die aus einer Zeit stammen, wo Frauen noch die traditionelle Rolle der liebenden und folgsamen Hausfrau und Mutter \u00fcbernehmen mussten und unsichtbar in den Augen der gesellschaftlichen \u00d6ffentlichkeit waren. Aus diesem Grund muss sich die jetzige politische Repr\u00e4sentation des deutschen Volkes deutlich ver\u00e4ndern. Nicht nur muss sie j\u00fcnger werden, sondern auch weiblicher, inklusiver und diverser. Zum jetzigen Zeitpunkt wird nur eine Interessengruppe der deutschen Bev\u00f6lkerung vertreten und diese f\u00e4llt Entscheidungen f\u00fcr Menschen, mit denen sie sich nicht identifizieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz der so klar ersichtlichen Diskriminierung gegen\u00fcber dem weiblichen Geschlecht in der Politik, gibt es auch hier Versuche die Beweislage herumzudrehen. Antifeminist*innen versuchen auch zu diesem Thema die m\u00e4nnliche Benachteiligung innerhalb der deutschen Politik hervorzuheben oder gar zu konstruieren. Ihre Argumente stehen dabei im kompletten Widerspruch zur eigentlichen Realit\u00e4t. Obwohl circa nur ein Drittel aller Bundestagsabgeordneten Frauen sind, wird davon ausgegangen, dass Frauenbewegungen die Politik und die Medien schon lange infiltriert und f\u00fcr sich beansprucht haben.<a href=\"#_ftn20\">[20]<\/a> Durch sich immer mehr verbreitende Konzepte, wie dem \u201eGendern\u201c und der \u201epolitical correctness\u201c f\u00fchlen sich M\u00e4nnerrechtsbewegungen in ihren Verschw\u00f6rungstheorien best\u00e4tigt. Anh\u00e4nger*innen antifeministischer Gruppierungen bef\u00fcrchten, dass durch diese gesellschaftlichen Entwicklungen der Stellenwert der traditionellen Familie und das heteronormative Weltbild in Gefahr geraten. Auch der Einsatz des Gender Mainstreamings wird als negativ gewertet, obwohl politische Akteure mit diesem Konzept eine gleichberechtigte und faire Geschlechterpolitik f\u00fcr Frauen, aber auch M\u00e4nner erm\u00f6glichen wollen.<a href=\"#_ftn21\">[21]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass Frauenhass eine allt\u00e4gliche Erfahrung f\u00fcr fast alle Frauen zu sein scheint. Misogynie und Antifeminismus erstreckt sich allerdings noch deutlich \u00fcber die von mir vorgestellten Settings hinaus. Genauso wie jegliche anderen Formen von Diskriminierung ist der Frauenhass tief in den Strukturen unserer Gesellschaft verwurzelt und l\u00e4sst bis zum Anfang unserer Menschheitsgeschichte hin zur\u00fcckverfolgen. Nicht nur in der Politik oder im Internet begegnen Frauen (sexueller) Gewalt, Formen von Benachteiligungen oder unterschwelligen Sexismus. Frauendiskriminierung findet im Sport statt, innerhalb der Familie und ist durch gesellschaftliche Rollenzw\u00e4nge ein durch und durch strukturelles Problem. Ich musste feststellen, dass auch die Medien sehr zur Instandhaltung und Verbreitung der stereotypischen Rollenbilder beitragen und der ausschlaggebende Grund f\u00fcr die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Sexualisierung des weiblichen K\u00f6rpers sind, da nach dem Marketing-Prinzip \u201esex sells\u201c gehandelt wird. Dass die st\u00e4ndige Darstellung von Frauen als Sexobjekte die unrealistische Erwartungshaltung von M\u00e4nnern zu steigern scheint, ist dabei die gef\u00e4hrliche Realit\u00e4t. Zus\u00e4tzlich kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass die Abbildung der \u201eperfekten Weiblichkeit\u201c in den Medien zu einer St\u00f6rung des eigenen Selbstbildes bei Frauen f\u00fchren kann. Die Sch\u00f6nheitsideale und -erwartungen f\u00fcr Frauen sind f\u00fcr eine Normalperson fast nicht zu erreichen und k\u00f6nnen somit sehr starke Komplexe und Selbstzweifel ausl\u00f6sen. Trotz der offensichtlichen Tatsache, dass die volle Emanzipation und Gleichberechtigung der Frauen noch lange nicht erreicht ist, gibt es sehr viele Stimmen, die sich vehement gegen diesen Fakt stellen. Mit Verschw\u00f6rungstheorien und fragw\u00fcrdigen Argumenten wird sich gegen die Gleichbehandlung von Frauen ausgesprochen oder die Benachteiligung ganz und gar geleugnet. Aus diesem Grund muss ich meine Frage, ob Misogynie in unserer modernen Gesellschaft immer noch ein fester und akzeptierter Bestandteil ist, leider sehr deutlich bejahen. Nicht nur findet Sexismus und Frauenfeindlichkeit in versteckten R\u00e4umen statt, sondern wird immer noch in aller \u00d6ffentlichkeit zur Schau getragen und mit abstrusen Argumenten gerechtfertigt. Dabei werden die Opfer dieser \u00dcbergriffe \u00e4u\u00dferst selten ernst genommen und m\u00fcssen mit den m\u00f6glichen negativen Auswirkungen und Folgen auf ihre Psyche und ihren K\u00f6rper selbst zurechtkommen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Vgl. HateAid.org 2020<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Vgl. Rosenbrock 2012, S. 11<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Vgl. Claus 2014, S. 28<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Vgl. Rosenbrock 2012, S. 13<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Vgl. Ebd. S. 14<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Vgl. Claus 2014, S. 55<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> Vgl. Ebd. S. 52<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> Vgl. Rosenbrock 2012, S. 15<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a> Vgl. Bundesagentur f\u00fcr Arbeit 2021, S. 14<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a> Vgl. Ebd. S. 14<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a> Vgl. Ebd. S. 15<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a> Vgl. Ebd. S. 15<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\">[13]<\/a> Vgl. Claus 2014, S. 39<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\">[14]<\/a> Vgl. Ebd. S. 40<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\">[15]<\/a> Vgl. Ebd. S. 41<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref16\">[16]<\/a> Vgl. Ebd. S. 14<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref17\">[17]<\/a> Vgl. Alternative f\u00fcr Deutschland 2016<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref18\">[18]<\/a> Vgl. Der Tagesspiegel 2021<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref19\">[19]<\/a> Vgl. Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref20\">[20]<\/a> Vgl. Rosenbrock 2012, S. 14<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref21\">[21]<\/a> Vgl. Ebd. S. 15<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Alternative f\u00fcr Deutschland (Hrsg.) (2016): Grundsatzprogramm f\u00fcr Deutschland. URL: <a href=\"https:\/\/www.afd.de\/grundsatzprogramm\/\">https:\/\/www.afd.de\/grundsatzprogramm\/<\/a>, Abruf: 09.03.2022.<\/p>\n\n\n\n<p>Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (Hrsg.) (2021): Die Arbeitsmarktsituation von Frauen und M\u00e4nnern 2020. URL: <a href=\"https:\/\/statistik.arbeitsagentur.de\/DE\/Statischer-Content\/Statistiken\/Themen-im-Fokus\/Frauen-und-Maenner\/generische-Publikationen\/Frauen-Maenner-Arbeitsmarkt.pdf?__blob=publicationFile\">https:\/\/statistik.arbeitsagentur.de\/DE\/Statischer-Content\/Statistiken\/Themen-im-Fokus\/Frauen-und-Maenner\/generische-Publikationen\/Frauen-Maenner-Arbeitsmarkt.pdf?__blob=publicationFile<\/a>, Abruf: 09.03.2022.<\/p>\n\n\n\n<p>Claus, Robert (2014): Maskulismus. Antifeminismus zwischen vermeintlicher Salonf\u00e4higkeit und unverhohlenem Frauenhass. Bonn: Brandt GmbH.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Tagesspiegel (Hrsg.) (2021): Hass, Sexismus, Drohungen \u2013 Alltag f\u00fcr Frauen im Bundestag. URL: <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/abgeordnete-machen-afd-verantwortlich-hass-sexismus-drohungen-alltag-fuer-frauen-im-bundestag\/26910516.html\">https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/abgeordnete-machen-afd-verantwortlich-hass-sexismus-drohungen-alltag-fuer-frauen-im-bundestag\/26910516.html<\/a>, Abruf: 09.03.2022.<\/p>\n\n\n\n<p>HateAid.org (Hrsg.) (2020): Sexistische digitale Gewalt: #NoSpaceForHate. URL: <a href=\"https:\/\/hateaid.org\/sexistische-digitale-gewalt\/\">https:\/\/hateaid.org\/sexistische-digitale-gewalt\/<\/a>, Abruf: 06.03.2022.<\/p>\n\n\n\n<p>Rosenbrock, Hinrich (2012): Die antifeministische M\u00e4nnerrechtsbewegung. Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung. 2. Auflage. Berlin: agit-druck.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\" \/>\n\n\n\n<p>Quelle: Nadine Schicke, Frauenhass und Antifeminismus &#8211; Misogynie als erwartete Normalit\u00e4t, in: Blog ABV Gender- und Diversitykompetenz FU Berlin, 30.05.2022, <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=210\">https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=210<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Misogynie als erwartete Normalit\u00e4t Nadine Schicke (WiSe 2021-2022) Frauenfeindlichen Aussagen zu begegnen oder sexistischen Situationen ausgeliefert zu sein, ist f\u00fcr die meisten Frauen ein allt\u00e4gliches Unterfangen. So allt\u00e4glich sogar, dass es oft nicht mal mehr auff\u00e4llt, wenn beispielsweise eine unangemessene Bemerkung in einem professionellen Setting fallen gelassen wird. 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