{"id":226,"date":"2022-06-27T11:43:13","date_gmt":"2022-06-27T09:43:13","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=226"},"modified":"2022-08-31T13:58:29","modified_gmt":"2022-08-31T11:58:29","slug":"die-post-koloniale-zeuginnenschaft-der-afro-deutschen-community","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/2022\/06\/27\/die-post-koloniale-zeuginnenschaft-der-afro-deutschen-community\/","title":{"rendered":"Die post-koloniale Zeug*innenschaft der afro-deutschen Community \u2013"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sichtbarmachung von Rassismus als Form der kolonialen Kontinuit\u00e4t in Deutschland<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Lotta Klister (WiSe 2021-22)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Dieser Essay steht im Kontext eines Seminars zu Theorien und Praktiken der Dekolonialisierung. W\u00e4hrend des Seminars arbeitete ich zeitweise mit einer Gruppe zusammen, in der wir uns dem Thema des anti-kolonialen Widerstandes in Berlin n\u00e4herten und unter anderem das May-Ayim-Ufer besuchten, das ein Zeichen f\u00fcr die fehlende Thematisierung kolonialer Kontinuit\u00e4ten in Deutschland setzt. Ausgangspunkt meines Essays ist eine kritische Haltung gegen\u00fcber meiner eigenen Aneignung von Wissen, in der ich als wei\u00dfe Person nur eine begrenzte epistemische Einsicht in koloniale Kontinuit\u00e4ten wie bspw. die Erfahrung von Rassismus habe. In meinem Reflexionsprozess fragte ich mich daher, ob sich eine koloniale Kontinuit\u00e4t auch \u00fcber Analyse- und Erz\u00e4hlpraktiken auf Basis von Archiven des Wissens erstrecken kann: Inwiefern birgt der Versuch des Sammelns, Selektierens und Aneignens von Wissen zu kolonialer Geschichte selbst das Risiko, eine koloniale Kontinuit\u00e4t zu werden \u2013 gerade, wenn der Versuch von Personen wie mir praktiziert wird, die nur eine begrenzte Einsicht haben in die akute Bedeutung der Aufarbeitung von kolonialer Geschichte f\u00fcr das von allt\u00e4glicher Diskriminierung und Marginalisierung gepr\u00e4gte Leben in Deutschland? Die Wahrscheinlichkeit, blinde Flecken nicht nur zu \u00fcbersehen, sondern niemals aufl\u00f6sen zu k\u00f6nnen, wurde mir in meiner Auseinandersetzung immer klarer. Die einzige M\u00f6glichkeit f\u00fcr mich, diesen Essay zu schreiben, ist, diese blinden Flecken permanent mitzudenken und sprachlich zu reflektieren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1.&nbsp; Hinf\u00fchrung<\/h2>\n\n\n\n<p>Im ersten Teil des Essays werde ich mich der Frage n\u00e4hern, inwiefern die Wissensl\u00fccken \u201aoffizieller\u2018 Archive durch eine post-koloniale Zeug*innenschaft aufgezeigt und dadurch alternative Wissenssysteme konstituiert werden k\u00f6nnen. Beginnen werde ich diese \u00dcberlegungen mit Arbeiten von May Ayim, die als Zeugin allt\u00e4glich erfahrenen Rassismus als Form der kolonialen Kontinuit\u00e4t versuchte, auf die geschichtlichen Hintergr\u00fcnde dieser Kontinuit\u00e4ten zu verweisen. May Ayims Zeug*innenschaft stand und steht im Kontext der Bildung einer afro-deutschen Community in Deutschland, die sich an der Bildung einer transnationalen afrikanischen Diaspora orientiert(e). Eine fundamentale Kritik an den tief verankerten Rassismen europ\u00e4ischer Wissenssysteme ist konstitutiver Bestandteil jener Formulierung einer diasporischen Gemeinschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Teil meines Essays werde ich thematisieren, wie die koloniale Vergangenheit Deutschlands und die post-kolonialen Bedingungen in Deutschland die Debatten um Rassismus und um koloniale Kontinuit\u00e4ten beeinflussen. Diese komplexen Bedingungen haben laut Monika Albrecht auch Auswirkungen auf die M\u00f6glichkeiten anti-kolonialen Widerstands. Als Beispiel wendet sich Albrecht der als anti-koloniale Widerstandspraktik zu verstehende Umbenennung des in Berlin Kreuzberg verorteten Gr\u00f6ben-Ufers in May-Ayim-Ufer zu, die ihrer Meinung nach eine kompetitive Erinnerungskultur in Deutschland widerspiegelt und deshalb zu kritisieren ist. Ich werde mir daran anschlie\u00dfend die Frage stellen, inwiefern die Kritik an eben dieser anti-kolonialen Widerstandspraktik deren tats\u00e4chliche subversiven M\u00f6glichkeiten verfehlen k\u00f6nnte. Schlie\u00dfen werde ich den Essay mit einer poetischen Form der post-kolonialen Zeug*innenschaft, indem ich auf ein Gedicht May Ayims verweise, das Rassismus als Form der intersektionalen, kolonialen Kontinuit\u00e4t poetisch reflektiert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2.&nbsp; Post-koloniale Zeug*innenschaft der afro-deutschen Community<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2.1.&nbsp; Durchbrechen offizieller Archive durch kollektivierende Zeug*innenschaft<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Vorwort von <em>Farbe bekennen<\/em> schreiben die Herausgeberinnen May Ayim, Katharina &nbsp;Oguntoye und Dagmar Schultz \u00fcber den Prozess, ihre \u201esubjektiven Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam weiterzudenken, andere Afro-Deutsche anzusprechen und in diesen Prozess einzubeziehen\u201c, sowie \u00fcber den Prozess, sich auf Nachforschungen ihrer \u201eGeschichte zu begeben und schlie\u00dflich \u2013 was mit diesem Buch geschieht \u2013 an die \u00d6ffentlichkeit zu gehen.\u201c (Ayim et al. 2020, 19). Die kollektivierende Auseinandersetzung mit subjektiven Erfahrungen ist in <em>Farbe bekennen<\/em> direkt mit einer Hinwendung zu \u00f6ffentlichen Diskursen sowie deren gezielter Herstellung und Ver\u00e4nderung verbunden: \u201eMit diesem Buch wollen wir in Verbindung mit pers\u00f6nlichen Erfahrungen gesellschaftliche Zusammenh\u00e4nge von Rassismus offenlegen\u201c (Ebd., 19). Diese Zusammenh\u00e4nge betreffen die koloniale und nationalsozialistische Geschichte Deutschlands sowie deren Folgen, die laut der Herausgeberinnen zu wenig aufgearbeitet wurde und noch immer verdr\u00e4ngt wird \u2013 ansonsten f\u00e4nden afro-deutsche Menschen sowie deren Lebenshintergr\u00fcnde gegenw\u00e4rtig mehr Beachtung (Vgl. ebd., 20). Die Ver\u00e4nderung \u201eder mit Unwissenheit und Vorurteilen durchdrungenen \u00d6ffentlichkeit\u201c (ebd.) setzt also voraus, dass offizielle Archive sich f\u00fcr die gegenw\u00e4rtigen subjektiven Erfahrungen afro-deutscher Personen \u00f6ffnen und das geschichtliche Wissen, auf das diese Erfahrungen hinweisen, auch als genuines Wissen anerkennen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kritik an fehlenden \u00f6ffentlichen Auseinandersetzungen mit Rassismus ber\u00fchrt auch die Frage, inwiefern dekoloniale bzw. post-koloniale Zeug*innenschaften das Potenzial haben, hegemoniale Strukturen der offiziellen Wissensarchive und der Wissensarchivierung zu durchbrechen. Solche Ordnungen offizieller Archive lassen sich auch mit Hito Steyerls Begriff der \u201ePolitik des Archivs\u201c fassen:<\/p>\n\n\n\n<p>Das offizielle Archiv erkennt die individuelle Geschichte nicht an, es demonstriert seine archontische, patriarchale Macht. Das Archiv sammelt nicht nur Zeichen und h\u00e4lt sie unter Kontrolle, sondern es erzeugt auch den Eindruck nahtloser Kontinuit\u00e4t, einer nat\u00fcrlichen, selbstverst\u00e4ndlichen und transparenten Ordnung. Es stellt ein Korpus dar, dessen Elemente in idealer Konfiguration organisiert sind und eine auf den ersten Blick glatte und kontinuierliche Oberfl\u00e4che bilden: Effekte einer Politik des Archivs. (Steyerl 2015, 33f.)<\/p>\n\n\n\n<p>Steyerl beschreibt in ihren Ausf\u00fchrungen zur Zeug*innenschaft, wie die Integration der epistemischen Standpunkte von sprechenden Zeug*innen die offiziellen Archive durchkreuzen und nicht nur neues Wissen pr\u00e4sentieren, sondern auch die offizielle Konzeption des Wissens in Frage stellen kann. Darauf werde ich in 2.3. n\u00e4her eingehen. Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich darauf verweisen, dass der Versuch, die \u00f6ffentlichen Diskurse f\u00fcr die geteilten Erfahrungen marginalisierter Communities zu \u00f6ffnen, voraussetzt, dass diese Communities <em>als<\/em> <em>solche<\/em> sichtbar werden. So wird die Bildung der Community performativ in der Hinwendung zur \u00d6ffentlichkeit vollzogen. Audre Lorde beschreibt diese Gleichzeitigkeit am Anfang von <em>Farbe bekennen<\/em> wie folgt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Dieses Buch ist als Aufforderung der hier schreibenden Frauen an alle B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger ihres Landes gedacht, sich einem neuen Aspekt des deutschen Bewusstseins zuzuwenden, \u00fcber den die meisten wei\u00dfen Deutschen noch nicht nachgedacht haben. Ihre Worte dokumentieren ihre Weigerung, die Verzweiflung lediglich mit Blindheit oder Stillschweigen abzuwehren. <\/p><cite>Lorde 1986, 25<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Weigerung, die individuell erfahrene Verzweiflung auf der subjektiven Ebene zu belassen und sie stattdessen kollektivierend zu thematisieren, dokumentiert gleichzeitig die Hinwendung zur deutschen \u00d6ffentlichkeit und damit zur \u00d6ffnung offizieller Wissensbest\u00e4nde, die das deutsche Bewusstsein bisher beschr\u00e4nkten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch <em>Farbe bekennen<\/em> beinhaltet verschiedene Essays, die individuelle Erfahrungen in den Kontext dieser Community-Bildung setzen. May Ayim schreibt von ihrem Gro\u00dfwerden als Pflegekind in einer Familie, die krampfhaft versuchte, gegen rassistische Vorurteile vorzugehen:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Meine Eltern haben mich aus Liebe, Verantwortung und Unwissenheit besonders streng erzogen, geschlagen und gefangengehalten. Im Wissen um die Vorurteile, die in der wei\u00dfen deutschen Gesellschaft bestehen, passten sie ihre Erziehung unbeabsichtigt diesen Vorurteilen an. Ich wuchs in dem Gef\u00fchl auf, das in ihnen steckte: beweisen zu m\u00fcssen, dass ein \u201aMischling\u2018, ein \u201aN****\u2018, ein \u201aHeimkind\u2018, ein vollwertiger Mensch ist. <\/p><cite>Ayim 2020, 266<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Erst in der Konstituierung der afro-deutschen Community, die auch mithilfe von <em>Farbe bekennen<\/em> erm\u00f6glicht wurde, kann diese individuell erfahrene Gewalt in den Kontext rassistischer Kontinuit\u00e4ten in Deutschland gesetzt werden. Die auf Ayim von ihren Pflegeeltern projizierte Notwendigkeit, als Einzelperson gegen Vorurteile zu k\u00e4mpfen, indem das \u201aNormalsein bewiesen\u2018 wird, ist ebenso eine Form des Rassismus. Diese Form des Rassismus wird im Kontext der afro-deutschen Community als solche aufgedeckt, indem deren Erfahrbarkeit der individuellen Position entrissen wird und stattdessen auf die Sozialisierung in einer wei\u00dfen deutschen Gesellschaft r\u00fcckgef\u00fchrt wird. Dies m\u00f6chte ich im n\u00e4chsten Kapitel vertiefen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2.2.&nbsp; Bildung einer afro-deutschen Community mit post-kolonialem Hintergrund<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Begriff \u201aafro-deutsch\u2018 kennzeichnet die Gemeinsamkeit der Erfahrung, als afro-deutsche Person in einer wei\u00dfen deutschen Gesellschaft sozialisiert zu werden, also in einer Gesellschaft, die Andersheit aufgrund von Hautfarbe markiert (Vgl. Ayim et al. 2020, 20). In dem von Dagmar Schultz gedrehten Film \u00fcber Audre Lordes Berliner Jahre \u00e4u\u00dfert sich Lorde \u00fcber den<\/p>\n\n\n\n<p>Entstehungskontext des Begriffs \u201aafro-deutsch\u2018. Dabei erz\u00e4hlt sie davon, dass es in der Selbstbezeichnung und im Selbstbewusstsein durch das Anerkennen der eigenen Sozialisierung in einer wei\u00dfen deutschen Gesellschaft auch um die Notwendigkeit geht, \u00fcberhaupt erst eine afro-deutsche Community zu bilden. Im Film sprechen Bekannte von Audre Lorde davon, dass sich die Lebensrealit\u00e4t durch die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Community radikal ver\u00e4ndern kann, da eigene Erfahrungen dort Resonanz finden und geteilt werden (Vgl. Schultz 2012). In <em>Farbe bekennen<\/em> schreibt Lorde \u00fcber dieses Bilden einer Community:<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Erhebung kann eine wachsende Macht zur Herbeif\u00fchrung einer nationalen Ver\u00e4nderung im Verein mit anderen, ehemals schweigenden Afro-Deutschen, m\u00e4nnlichen wie weiblichen, alten wie jungen, darstellen. Eine wachsende Macht zur Herbeif\u00fchrung einer internationalen Ver\u00e4nderung im Verein mit anderen AfroEurop\u00e4ern, Afro-Asiaten, Afro-Amerikanern, allen \u201aBindestrich-Menschen\u2018, die ihre Identit\u00e4t bestimmt haben, ist kein schamhaftes Geheimnis mehr, sondern die Machterkl\u00e4rung einer wachsenden vereinigten Front, von der die Welt noch nichts geh\u00f6rt hat. (Lorde 1986, 24)<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Arina Rotaru war und ist es nur bedingt m\u00f6glich, die Bildung einer afro-amerikanischen Diaspora als direkten Referenzrahmen f\u00fcr die Bildung einer afro-deutschen Diaspora zu definieren (Vgl. Rotaru 2017, 87). Orientierungspunkt war lange Zeit trotzdem der von Theoretikern wie Stuart Hall und Paul Gilroy gepr\u00e4gte Referenzrahmen der afroamerikanischen Identit\u00e4t, der besonders W.E.B. DuBois Modell der \u201edouble consciousness\u201c (zitiert in ebd.) Folge leistete. In diesem Modell wird die Dissoziation hervorgehoben, die der Lebenssituation afro-amerikanischer Personen entspringt: Das Bewusstsein von der eigenen afrikanischen Teilidentit\u00e4t wird stets von der Umgebung einer rassistischen, wei\u00dfen Gesellschaft gepr\u00e4gt, was die Anerkennung der gleichwertigen amerikanischen Identit\u00e4t verunm\u00f6glicht. Zudem beschreibt der Begriff in diasporischen Kontexten das Vorhandensein einer kulturellen Dopplung, in der kaum repr\u00e4sentiertes afrikanisches Kulturerbe dem hegemonialen europ\u00e4ischen Kulturerbe erst entgegengesetzt werden muss. Im afroamerikanischen Kontext, aber auch im Versuch, afro-amerikanische Kontexte mit afroeurop\u00e4ischen Kontexten zusammenzubringen \u2013 wie z.B. in Gilroys Begriff \u201eblack Atlantic\u201c (zitiert in Rotaru 2017, 87) \u2013 ist es dabei vor allem die Erfahrung von Sklaverei, die als identit\u00e4tsstiftende, geschichtliche Realit\u00e4t den gemeinsamen Referenzrahmen bildet (Vgl. ebd.). Laut Rotaru wird das jedoch nicht ganz der afro-deutschen Diaspora gerecht. Daran anschlie\u00dfend fragt Rotaru: \u201eCan the African American Anglophone paradigm as the referential counterpart to an Afro-German experience be rethought along with other significant historical discrepancies such as the black German subject\u2019s postcolonial status?\u201c (Ebd., 89)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schwierigkeit, auf Basis einer post-kolonialen Diaspora eine afrikanische Diaspora in Deutschland zu festigen, ist in unterschiedlichen geschichtlichen Voraussetzungen begr\u00fcndet. Rotaru f\u00fchrt auf, dass die fr\u00fcher eingel\u00e4utete post-koloniale \u00c4ra Deutschlands 1919 und die daran anschlie\u00dfende Umverteilung kolonialer Strukturen an andere Kolonialm\u00e4chte dazu f\u00fchrte, dass post-koloniale Perspektiven in Deutschland sich gegen kein klar definiertes Machtzentrum positionieren k\u00f6nnen (Vgl. ebd.). Rotaru schl\u00e4gt vor, die Rolle post-kolonialer afro-deutscher Perspektiven stattdessen in der Bildung diasporischer Allianzen zu suchen: \u201eI propose imagining the postcolonial black German subject not in the key of writing back to a center but rather as forging diasporic alliances\u201c (Ebd.). Es ist diese Allianzbildung, die sich im Buch <em>Farbe bekennen<\/em> vollzieht. Rotaru hebt dabei die dialogische Dimension hervor, die Post-<\/p>\n\n\n\n<p>Kolonialit\u00e4t in Deutschland aus einer \u201ecross-historical and cross-cultural perspective\u201c betrachtet und \u201ea reconsideration of diasporic memory as more than just a process of generational transmission\u201c (Ebd.) erm\u00f6glicht. Diesen Fokus auf die allianzbildende Dialogizit\u00e4t werde ich im n\u00e4chsten Kapitel im Kontext einer Kritik an Wissenssystemen thematisieren. Die Kritik stellt sich gegen jede Form der Unsichtbarkeit und Marginalisierung als Formen kolonialer Kontinuit\u00e4ten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2.3.&nbsp; Kritik an Wissenssystemen<\/h3>\n\n\n\n<p>Kritische post-koloniale und dekoloniale Dokumentationen kolonialer Geschichte und kolonialer Kontinuit\u00e4ten in Deutschland werden gerade von jenen Perspektiven erm\u00f6glicht, die in normativen Geschichtsschreibungen kaum Raum und in der Gesellschaft kaum Sichtbarkeit finden. Der Versuch, koloniale Geschichten und Kontinuit\u00e4ten aus unterdr\u00fcckten Perspektiven \u00f6ffentlich Sichtbarkeit zu verleihen, entspricht der Schwierigkeit, anerkannter, hegemonialer, strukturell tief verankerter Wissensger\u00fcste den Boden zu entrei\u00dfen. Speziell am deutschen Kontext ist laut Rotaru, dass der im deutschen Idealismus verankerte Rassismus zum g\u00e4nzlichen Ausschluss einer konstruierten Andersheit f\u00fchrte: \u201ethe Afro-German subject as an \u201aOther-from-without,\u2018 a model indebted to G. W. F. Hegel\u2019s thematization of the Black Other as located outside the Western paradigm\u201c (Rotaru 2017, 90). Mit dem Hintergrund des f\u00fcr die Unsichtbarkeit konstitutiven Ausschlusses scheint es zun\u00e4chst schwieriger, die Verbindungen zwischen deutsch-europ\u00e4ischer und afrikanischer Geschichte sichtbar zu machen und Gegendiskurse zu bilden, die die hergestellte und sich strukturell reproduzierende Andersheit dekonstruieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie tief dieser unsichtbarmachende Ausschluss in den westlichen und deutschen Wissenssystemen verankert ist, wird auch von Gayatri Chakravorty Spivaks Begriff des <em>native informant<\/em> verdeutlicht. Laut Patricia Purtschert l\u00e4sst sich der Begriff als Kritik an der europ\u00e4ischen Philosophie verstehen, die ihre Subjektvorstellungen in einer eurozentristischen, rassistischen Perspektive konstruierte: Europ\u00e4ische Vorstellungen \u201ades Subjekts\u2018 bzw. \u201ades Menschen\u2018 implizieren den Ausschluss vermeintlich \u201aunzivilisierter\u2018 Subjekt-Vorstellungen, die in eine Arbeitsposition gezw\u00e4ngt werden, die europ\u00e4ische Freiheits- und Lebensmodelle durch materielle Grundlagen erst erm\u00f6glicht (Vgl. Purtschert 2011, 348). Hier geht es jedoch nicht nur um Subjekt-Vorstellungen, sondern um die tats\u00e4chliche Abh\u00e4ngigkeit \u201ades europ\u00e4ischen Menschen\u2018 von Ressourcen aus kolonialisierten L\u00e4ndern, die ein vermeintlich \u201amenschliches Leben\u2018 erst denkbar bzw. es als solches erst konstruierbar machen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich mich auf einige Lernerfahrungen aus dem Seminar beziehen. So wurde mir klar, dass es in Deutschland nicht nur eine schwierige Aufgabe ist, die deutsche koloniale Vergangenheit als solche zu erkennen, sie als solche anzuerkennen, sondern auch, die kolonialen Kontinuit\u00e4ten zu thematisieren. Eine solche Kontinuit\u00e4ten ist, wie bereits oben beschrieben, nicht nur der Rassismus selbst, sondern auch die Leugnung von tief verankerten Rassismen in den europ\u00e4ischen Wissenssystemen, die wiederum der Leugnung der kolonialen Vergangenheit entspringt. Ich habe mich deshalb gefragt: Wie kam es zu dieser komplexen Situation der Leugnung kolonialer Vergangenheiten und der damit verbundenen Stabilisierung kolonialer Kontinuit\u00e4ten, die ebenfalls geleugnet werden?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3.&nbsp; Sichtbarmachung kolonialer Vergangenheiten und Kontinuit\u00e4ten in Deutschland<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.1.&nbsp; Post-koloniale Bedingungen Deutschlands<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Schwierigkeit, in Deutschland post-koloniale Zeug*innen sprechen zu lassen und damit die Bildung post-kolonialer Narrative jenen Positionen zu \u00fcberlassen, die sich mit epistemischen Recht gegen die Leugnung kolonialer Vergangenheiten und Kontinuit\u00e4ten in offiziellen Archiven und Diskursen stellen, hat verschiedene komplexe Hintergr\u00fcnde. In diesem Kontext pl\u00e4diert Monika Albrecht daf\u00fcr, die spezifische post-koloniale Situation in Deutschland anzuerkennen. Diese unterscheidet sich bspw. von der post-kolonialen Situation in Frankreich, wenngleich es laut Albrecht gegenw\u00e4rtig \u00c4hnlichkeiten zwischen den post-kolonialen Diskursen beider L\u00e4nder gibt (Albrecht 2017, 204). Der Versuch, eine \u201eGerman colonial memory culture and politics\u201c (ebd.) zu konstituieren, muss sich jedoch an der spezifischen kolonialen Vergangenheit orientieren: \u201eIt therefore must be taken into consideration that different spatial and temporal colonial realities may bring about different post-colonial conditions\u201c (Ebd., 205). Das bedeutet im deutschen Kontext das Miteinbeziehen der (k\u00fcrzeren) Dauer aktiver kolonialer Expansion (ca. 30 Jahre) im Vergleich zu anderen Kolonialm\u00e4chten sowie die spezifischen \u201egeographic spread and size of overseas possessions\u201c (ebd.). Zudem gab es laut Albrecht im deutschen kolonialen Kontext keine \u201eextended period of decolonization\u201c (ebd.), was die post-koloniale Situation und das Ausbilden einer Erinnerungspolitik ebenfalls beeinflusst. Sowohl der selbst-herbeigef\u00fchrte Verkauf deutscher Kolonien an die Niederlande als auch die fremdbestimmte Abgabe von Kolonien an die Allianzen nach dem ersten Weltkrieg bestimmen die Art, wie post-koloniale Diskurse in Deutschland gef\u00fchrt werden (Vgl. ebd.).<\/p>\n\n\n\n<p>In der Erinnerungskultur Deutschlands haben laut Albrecht die Ereignisse des zweiten Weltkriegs die koloniale Vergangenheit und den Eintritt der post-kolonialen Situation weitestgehend abgel\u00f6st (Vgl. ebd., 205f.). \u00dcberhaupt gibt es im gesamteurop\u00e4ischen Diskurs Albrecht zufolge das Problem, dass die vier Blocks der Erinnerung (zweiter Weltkrieg, Holocaust, Kommunismus und Kolonialismus) hierarchisiert werden, obwohl sie alle miteinander verbunden sind. Die daraus entstehende \u201ememory competition\u201c (ebd., 206) tr\u00e4gt dazu bei, dass die tats\u00e4chliche Komplexit\u00e4t historischer Ereignisse in den aktiven Praktiken der Erinnerung, die bestimmte Ereignisse voranstellen, reduziert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Albrechts Perspektive wird die post-koloniale Situation in Deutschland weiterhin davon beeinflusst, dass es in der deutschen Gesellschaft eine Unsichtbarkeit von R\u00fcckkehrer*innen aus ehemaligen deutschen Kolonien gibt, zumindest im Vergleich zu der Anwesenheit postkolonialer Subjekte in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern mit kolonialer Vergangenheit (Vgl. Albrecht 2017, 206). Die \u201eabsence of \u201aliving reminders\u2018 of Germany\u2019s colonial history\u201c (ebd.), das hei\u00dft das Fehlen post-kolonialer Subjekte, sowie der starke Fokus auf einen scheinbaren deutschen Multikulturalismus ohne koloniale Verbindungen, machen es schwierig, einen spezifischen post-kolonialen Diskurs in Deutschland zu etablieren, der sich nicht nur an anderen europ\u00e4ischen Diskursen orientiert. Obwohl die gegenw\u00e4rtigen multikulturellen Gesellschaften in Europa unterschiedlich sind und deshalb auf unterschiedliche Art und Weise an post-koloniale Vergangenheiten erinnern, kann das laut Albrecht nicht hei\u00dfen, dass sich das scheinbare Fehlen gegenw\u00e4rtiger post-kolonialer Communities in Deutschland der post-koloniale Diskurs nur an Diskursen orientiert, die von post-kolonialen Communities in anderen europ\u00e4ischen Gesellschaften gef\u00fchrt werden. Die tats\u00e4chliche Aufarbeitung kolonialer Vergangenheit (und Kontinuit\u00e4t) in Deutschland wird dadurch laut Albrecht \u00fcbergangen (Vgl. ebd., 207).<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund der genannten Punkte spielt Kolonialismus in der deutschen Erinnerungskultur und Erinnerungspolitik eine untergeordnete Rolle: \u201ethe idea of any continuity between Germany\u2019s imperial history and the present as a source of memory politics does not play a major role in Germany\u201c (ebd). Ein Grundproblem der post-kolonialen Erinnerungsdiskurse ist dabei die \u201epotential incompatibility of memories\u201c (ebd.), in der unterschiedliche Communities die Vergangenheit unterschiedlich erinnern. Laut Albrecht ist die Grundfrage deshalb: \u201ehow to deal with eras or events of the past which possess different meanings for different communities\u201c (ebd.). Albrecht zufolge stehen in der gegenw\u00e4rtigen Aufarbeitung der Vergangenheit stets die Opfer unterschiedlicher geschichtlicher Ereignisse im Vordergrund. In der realen Umsetzung von Erinnerungspolitik und -kultur bedeutet das aber, dass \u201eexisting hierarchies of suffering\u201c aufrechterhalten werden und eine \u201ecompetition between victim groups\u201c (ebd., 208) gef\u00f6rdert wird. Im n\u00e4chsten Kapitel werde ich mich auf eine solch komplexe Erinnerungssituation im Kontext anti-kolonialen Widerstands konzentrieren und anhand dieses Beispiels meine bisherigen Gedanken zur post-kolonialen Zeug*innenschaft mit den Praktiken anti-kolonialen Widerstands zusammenf\u00fchren. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.2.&nbsp; Praktiken anti-kolonialen Widerstands: Stra\u00dfen-Umbenennung<\/h3>\n\n\n\n<p>Eine kompetitive Erinnerungssituation in Deutschland war laut Albrecht die Stra\u00dfenumbenennung des ehemaligen Groeben-Ufers in May-Ayim-Ufer. Albrecht zufolge kam es in dieser Situation zur Missachtung der vielf\u00e4ltigen Geschichte des Ufers, an dem in der DDR drei Kinder im Wasser ertrunken sind, weil DDR-Offiziere es nicht zulie\u00dfen, dass West-Berliner ihnen zur Hilfe kommen durften (Vgl. Albrecht 2017, 212). Mit der Umbenennung in May-Ayim-Ufer fand laut Albrecht eine \u00dcberschreibung des Ortes statt, die Ausdruck einer potenziell kompetitiven Situation zwischen Opfergruppen sein k\u00f6nnte. Albrecht kritisiert die aufgeladenen politischen Debatten zwischen Minderheiten daf\u00fcr, einen solchen Wettbewerb zu f\u00f6rdern und die tats\u00e4chliche Erfassung der historischen Hintergr\u00fcnde zu verunm\u00f6glichen (Vgl. ebd.). Albrecht konkludiert deshalb, dass der Versuch, die gegenw\u00e4rtige Situation von Minderheiten \u2013 wie die der afro-deutschen Community \u2013 mit dem deutschen Kolonialismus zu verbinden, daran gescheitert ist, eine bewusstere post-koloniale Bedingung in Deutschland zu schaffen: \u201e[C]onnecting German minority issues with German colonialism does not provide the potential for increased historical awareness of the colonial past or the generation of new insights into the post-colonial condition.\u201c (Ebd., 213)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst erinnert mich Albrechts Argument, dass es im Wettbewerb der Erinnerungen zu Komplexit\u00e4tsreduktion kommen kann, an Chimamanda Adichies Vortrag \u201eThe Danger of a Single Story\u201c<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>: Die Gefahr, dass einzelne Erinnerungspole fokussiert werden, entspricht auch der Gefahr, dass die Intersektionen zwischen historischen Ereignissen von der Analysefl\u00e4che verschwinden. Gleichzeitig scheint Albrechts Kritik an der Umbenennung auf einen spezifischen politischen Kontext zu zielen, der die Erinnerungskultur und -politik prim\u00e4r im Rahmen demokratischer Debatten und Diskussionen rund um koloniale Vergangenheiten verortet, was es so scheinen l\u00e4sst, als k\u00f6nnten allein diese die post-koloniale Situation in Deutschland gestalten. Was im Fokus auf die Erinnerung weniger zur Sprache kommt, sind die kolonialen Kontinuit\u00e4ten, wie die des Rassismus. Mir scheint also, als w\u00fcrde Albrecht nicht ganz den Rahmen treffen, in dem die Umbenennung des May-Ayim-Ufers vollzogen wurde. Joshua Kwesi Aikin aus der ISD ruft bei der Er\u00f6ffnung der Gedenktafel am May-Ayim-Ufer dazu auf: \u201eLasst uns gemeinsam daf\u00fcr sorgen, dass dieser Tafel viele weitere folgen. Lasst uns daran arbeiten, dass dieser Ort zu einem umfassenderen Perspektivwechsel beitr\u00e4gt: Weg von dem, wof\u00fcr Gr\u00f6ben stand, hin zu dem wof\u00fcr May Ayim stand, steht und stehen wird.\u201c<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Bisher wurden die dekolonialen Projekte, die der Umbenennung folgen sollten, so noch nicht weitergef\u00fchrt. Eine Welle der Umbenennung, die zu einem \u201eumfassenderen Perspektivenwechsel beitr\u00e4gt\u201c, ist noch nicht eingetreten. Es fehlt an einer radikalen Sichtbarkeit, die Kontroversen erm\u00f6glicht, in denen die Erinnerungen an Deutschlands koloniale Vergangenheit auch in die Thematisierung der kolonialen Kontinuit\u00e4ten \u00fcberf\u00fchrt wird. Eine intersektionale Perspektive einzunehmen hei\u00dft hier auch, dass diese Kontinuit\u00e4ten mit anderen historischen Ereignissen direkt verbunden und thematisiert werden. Eben dies ist es aber, wof\u00fcr May Ayim und die afro-deutsche Community steht: Die Bildung von Allianzen zwischen unterschiedlichen Communities. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das setzt jedoch voraus, dass post-koloniale Zeug*innenschaft eine Stimme in den \u201aoffiziellen\u2018 Archiven erh\u00e4lt und die Erinnerungspolitik und -kultur in die Gegenwart \u00fcberf\u00fchrt. Gerade die Umbenennung kann als ein Durchbrechen der patriarchalen \u201ePolitik des Archivs\u201c gedeutet werden: Durch Umbenennung wird ein neues Archiv ge\u00f6ffnet, das Zeug*innen sprechen l\u00e4sst, die das Fehlen der Erinnerung an koloniale Geschichte aus ihrer heutigen Perspektive auf gegenw\u00e4rtige soziale Verh\u00e4ltnisse dokumentieren. Die eigentliche Leistung der Umbenennung ist dabei auch, die L\u00fccken des Erinnerns aufzuzeigen: Indem auf das heutige Bestehen des Rassismus verwiesen und gezeigt wird, dass dieser noch immer geleugnet wird, kann abgeleitet werden, dass die Aufarbeitung kolonialer Hintergr\u00fcnde als einer der wesentlichen Entstehungskontexte von Rassismus noch immer zu wenig Folge geleistet wird. W\u00fcrde die koloniale Vergangenheit Deutschlands n\u00e4mlich deutlicher thematisiert werden, w\u00e4re die Frage nach gegenw\u00e4rtigen rassistischen Strukturen wom\u00f6glich pr\u00e4senter. Zudem w\u00e4re dadurch bspw. die Verbindung zwischen kolonialen Anf\u00e4ngen, auf Rassismus beruhendem deutschem Nationalismus und der Entstehung nationalsozialistischer Ideologie sowie Eugenik klarer (Vgl. Ayim et al. 2020).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kontext, in dem May Ayims Schaffen verortet werden kann, ist also nicht nur die Bildung einer afrikanischen Diaspora im geteilten Deutschland der 80er Jahre, sondern auch die Thematisierung der problematischen offiziellen Erinnerungskultur, geleitet von einer Politik der Archive, die der afro-deutschen Community kein grunds\u00e4tzliches epistemisches Recht \u201ain Sachen\u2018 Kolonialismus, Nationalsozialismus und Rassismus erm\u00f6glicht. So m\u00f6chte ich diesen Essay mit dem Anfang von May Ayims Gedichts \u201egegen leberwurstgrau \u2013 f\u00fcr eine bunte Republik\u201c (Ayim 2021, 70) beenden, das eben diese problematische Archiv-Politik beschreibt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>zu besonderen anl\u00e4ssen und bei besonderen ereignissen aber besonders kurz vor und kurz nach den wahlen sind wir wieder gefragt werden wir wieder wahrgenommen werden wir pl\u00f6tzlich angesprochen werden wir endlich einbezogen sind wir auf einmal unentbehrlich werden wir sogar eingeflogen auf eure einladung versteht sich als \u00bbliebe ausl\u00e4ndische mitb\u00fcrgerInnen\u00ab ohne b\u00fcrgerrechte nat\u00fcrlich als migrantinnen aus aller herren l\u00e4nder als experten in Sachen rassismus als \u00bbbetroffene\u00ab&nbsp;<\/p><p>zusammen mit aktivistInnen und politikerInnen mit prominenten und engagierten diskutieren analysieren debattieren wir \u00fcber forderungen protestaktionen appellationen in diskussionen hearings talkshows<\/p><p>auf dem podium im forum oder plenum<\/p><p>und dann \u2013 was dann<\/p><p>die forderungen werden sauber aufgelistet<\/p><p>die listen werden sauber abgeheftet und sicherlich und zuverl\u00e4ssig an die entsprechenden stellen mit den wirklich zust\u00e4ndigen leuten<\/p><p>weitergeleitet<\/p><p>und dann \u2013 was dann<\/p><p>die show ist aus<\/p><p>wir gehen nach haus<\/p><p>die engagierten f\u00fchlen sich erleichtert \u2013 zum teil die betroffenen f\u00fchlen sich verarscht \u2013 total<\/p><p>[\u2026]<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Literaturverzeichnis<\/h2>\n\n\n\n<p>Albrecht, Monika. 2017. \u201eNegotiating Memories of German Colonialism: Reflections on Current Forms of Non-Governmental Memory Politics\u201c. <em>Journal of European Studies<\/em> 47 (2): 203\u201318.<\/p>\n\n\n\n<p>Ayim, May. 2020. \u201eAufbruch\u201c. <em>Farbe bekennen: afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte<\/em>, herausgegeben von May Ayim, Katharina Oguntoye und Dagmar Schultz. 2. Aufl., 261\u2013270. Berlin: Orlanda.<\/p>\n\n\n\n<p>Ayim, May. 2021. <em>blues in schwarz weiss \/ nachtgesang<\/em>. M\u00fcnster: Unrast.<\/p>\n\n\n\n<p>Ayim, May; Oguntoye, Katharina; Schultz, Dagmar, Hrsg. 2020. <em>Farbe bekennen: afrodeutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte<\/em>. 2. Aufl. Berlin: Orlanda.<\/p>\n\n\n\n<p>Lorde, Audre. 1986. \u201e\u203aGef\u00e4hrtinnen, ich gr\u00fc\u00dfe euch\u2039\u201c. <em>Farbe bekennen: afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte<\/em>, herausgegeben von May Ayim, Katharina Oguntoye und Dagmar Schultz. 2020. 2. Aufl., 23\u201325. Berlin: Orlanda.<\/p>\n\n\n\n<p>Purtschert, Patricia. 2011. \u201ePostkoloniale Philosophie. Die westliche Denkgeschichte gegen den Strich lesen\u201c. <em>Schl\u00fcsselwerke der Postcolonial Studies<\/em>, herausgegeben von Julia<\/p>\n\n\n\n<p>Reuter und Alexandra Karentzos, 1. Aufl., 343\u201355. Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften (GWV).<\/p>\n\n\n\n<p>Rotaru, Arina. 2017. \u201eMay Ayim and Diasporic Poetics\u201c. <em>The Germanic Review<\/em> 92 (1): 86\u2013 107.<\/p>\n\n\n\n<p>Schultz, Dagmar, Reg. 2012. <em>Audre Lorde \u2013 Die Berliner Jahre 1984 bis 1992<\/em>. Deutschland, New York: Third World Newsreel. 2012. DVD.<\/p>\n\n\n\n<p>Steyerl, Hito. 2015. <em>Die Farbe der Wahrheit: Dokumentarismen im Kunstfeld<\/em>. Nachdruck. Wien, Berlin: Verlag Turia + Kant.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=D9Ihs241zeg\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=D9Ihs241zeg<\/a>, zuletzt aufgerufen am 11.05.2022.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn2\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> <a href=\"https:\/\/isdonline.de\/rede-may-ayim-ufer-von-joshua-kwesi-aikins\/\">https:\/\/isdonline.de\/rede-may-ayim-ufer-von-joshua-kwesi-aikins\/<\/a>, zuletzt aufgerufen am 11.05.2022.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p>Quelle: Lotta Klister, <em>Die post-koloniale Zeug*innenschaft der afro-deutschen Community \u2013 Sichtbarmachung von Rassismus als Form der kolonialen Kontinuit\u00e4t in Deutschland<\/em>, in: Blog ABV Gender- und Diversitykompetenz FU Berlin, 27.06.2022,<a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=226\"> https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=226<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sichtbarmachung von Rassismus als Form der kolonialen Kontinuit\u00e4t in Deutschland Lotta Klister (WiSe 2021-22) Dieser Essay steht im Kontext eines Seminars zu Theorien und Praktiken der Dekolonialisierung. W\u00e4hrend des Seminars arbeitete ich zeitweise mit einer Gruppe zusammen, in der wir uns dem Thema des anti-kolonialen Widerstandes in Berlin n\u00e4herten und unter anderem das May-Ayim-Ufer besuchten, &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/2022\/06\/27\/die-post-koloniale-zeuginnenschaft-der-afro-deutschen-community\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDie post-koloniale Zeug*innenschaft der afro-deutschen Community \u2013\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2643,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[327720],"tags":[2744,449576,2740],"class_list":["post-226","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-essay","tag-kolonialismus","tag-post-kolonialismus","tag-rassismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/226","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2643"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=226"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/226\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":235,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/226\/revisions\/235"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=226"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=226"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=226"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}