{"id":281,"date":"2022-10-27T16:41:10","date_gmt":"2022-10-27T14:41:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=281"},"modified":"2022-11-22T14:34:06","modified_gmt":"2022-11-22T13:34:06","slug":"stereotype-threat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/2022\/10\/27\/stereotype-threat\/","title":{"rendered":"Stereotype Threat"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Beeinflussung der akademischen Identit\u00e4t durch Stereotype und ihre Auswirkungen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Alina Wusits (SoSe 2022)<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p>Bevor ich auf das eigentliche Hausarbeitsthema zu sprechen komme, m\u00f6chte ich ein paar Worte zu dem Gebrauch von meiner Schrift und Sprache verlieren. Ich habe mich bewusst daf\u00fcr entschieden den englischen Ausdruck People of Color (Abk\u00fcrzung: PoC) zu verwenden, da es sich hierbei um eine internationale Selbstbezeichnung von Menschen handelt, welche Rassismus erfahren. Der Begriff ist emanzipatorisch, solidarisch und verdeutlicht eine politisch gesellschaftliche Position. Au\u00dferdem stellt sich die Bezeichnung gegen diskriminierende Fremdbezeichnungen durch die <em>wei\u00dfe<\/em> Mehrheitsgesellschaft (<em>Antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit<\/em>, (o. D.)). Dar\u00fcber hinaus verwende ich genderneutrale Sprache, da es mir sehr wichtig ist, dass sich alle Menschen, die diesen Text lesen, angesprchen f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe mich f\u00fcr das Thema Stereotype Threat entschieden, weil ich die Einteilung von Menschen in Kategorien und die Konsequenzen davon im Allgemeinen sehr spannend finde. Mit der Gruppierung von Menschen und der Zuschreibung von Erwartungen und Eigenschaften entstehen Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung. Der Stereotype Threat Effekt ist eine von vielen Folgen und kann weitreichende Konsequenzen f\u00fcr das Leben einer Person haben. Das Wissen dar\u00fcber, dass es diesen Effekt gibt, regt zum Nachdenken an und erm\u00f6glicht es, diesem Ph\u00e4nomen, zusammen mit anderen Interventionsma\u00dfnahmen, entgegenzuwirken.<\/p>\n\n\n\n<p>In meiner Hausarbeit gehe ich vor allem auf eine Studie von Shelvin et al. (2014) ein, die sich mit Stereotype Threat von PoC Kindern besch\u00e4ftigt. Die Auswirkungen dieses Ph\u00e4nomens haben beginnend im Kindesalter weitreichende Folgen auf das Leben einer Person of Color. Im Allgemeinen kann man den Effekt aber in ganz unterschiedlichen Gruppen und Situationen beobachten. Beispielsweise gibt es zahlreiche Studien, die sich mit den Auswirkungen des Effekts bei Sch\u00fclerinnen<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, homosexuellen Menschen oder \u00e4lteren Personen besch\u00e4ftigen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Definitionen<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Definition Stereotyp<\/h3>\n\n\n\n<p>Menschen werden im Alltag st\u00e4ndig aufgrund bestimmter Merkmale und Eigenschaften zu sozialen Kategorien und Gruppen zusammengefasst, da Kategorisierungen dabei helfen die Realit\u00e4t zu ordnen, zu strukturieren und zu vereinfachen. Jede Person ist Teil mehrerer sozialer Kategorien, ganz unabh\u00e4ngig davon, ob dies gewollt oder ungewollt, beziehungsweise bewusst oder unbewusst geschieht. Abh\u00e4ngig von der jeweiligen Kategorie hat die Gesellschaft unterschiedliche Erwartungen an die Mitglieder einer Gruppe. Jedoch trifft meist nur ein kleiner Anteil der erwarteten Merkmale wie Verhaltensweisen, Vorlieben, Einstellungen etc. zu und die zus\u00e4tzlichen Erwartungen werden der Gruppe f\u00e4lschlicherweise zugeschrieben. Auf diesem Wege entstehen stereotype Muster, welche automatisch aktiviert werden, wenn wir mit Mitgliedern einer bestimmten Kategorie interagieren. Stereotype sind eine Kategorisierung, die den weiteren Wahrnehmungen und Informationen eine Richtung geben soll. Ein Stereotyp ist zusammenfassend gesagt eine verallgemeinernde Beurteilung, die mit bestimmten Erwartungen und Informationen einhergeht. Der Prozess der Stereotypaktivierung erfolgt meist automatisch und hilft dabei, die Beobachtungen der Realit\u00e4t einzusch\u00e4tzen (Garms-Homolov\u00e1, 2021).<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Menschen haben das Gef\u00fchl zu wissen, was Stereotype sind. Hinton (2019) bringt die Aussagen von verschiedenen Definitionen sowohl in W\u00f6rterb\u00fcchern als auch in akademischen Quellen auf den Punkt. Zusammenfassend werden Stereotype als eine fixierte, stark vereinfachte und \u00fcbergeneralisierte Vorstellung \u00fcber eine Person oder Personengruppe beschrieben, welche oft im Zusammenhang mit Vorurteilen und Diskriminierung stehen. Wichtig zu erw\u00e4hnen ist au\u00dferdem, dass Stereotype in einer Kultur entstehen und weitergegeben werden und es sich nicht um die Vorstellungen nur eines Individuums handelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bedeutung des Begriffs Stereotyp wird nochmal klarer, wenn man sich mit seinem sprachlichen Ursprung auseinandersetzt. Das griechische Wort stereos bedeutet starr, hart und fest; typos hei\u00dft soviel wie Entwurf, feste Norm und charakteristisches Gepr\u00e4ge (Petersen &amp; Six, 2008).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Definition Stereotype Threat<\/h3>\n\n\n\n<p>Steele (1997) definiert Stereotype Threat als eine sozialpsychologische Bedrohung, die entsteht, wenn sich eine Person in einer Situation befindet oder etwas Bestimmtes tut und es ein negatives Stereotyp gegen\u00fcber der eigenen Gruppe gibt. Es handelt sich hierbei, um einen generellen situationsabh\u00e4ngigen Druck, der von jeder Gruppe erlebt werden kann, wenn das Wissen eines negativen Stereotyps der eigenen Gruppe in der Gesellschaft weit verbreitet ist. Zu betonen ist hier, dass die betroffene Person selbst das Stereotyp nicht glauben muss. Ausschlaggebend ist, dass der betroffenen Person bewusst ist, dass andere Menschen dieses bestimmte Stereotyp \u00fcber eine Kategorie von Menschen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Steele and Aronson (1995) nehmen an, dass Menschen Bedrohung versp\u00fcren, wenn sie in einer bestimmten Situation die Bef\u00fcrchtung haben, auf der Grundlage von negativen Stereotypen beurteilt zu werden. Folglich wird versucht, durch das eigene Handeln diese negativen Stereotype der Eigengruppe nicht willentlich zu best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schmader et al. (2008) gehen davon aus, dass die Bedingung der Stereotype Threat die Leistung \u00fcber drei verschiedene und miteinander verbundene Mechanismen st\u00f6rt. Zum einen beeintr\u00e4chtigt eine physiologische Stressreaktion die pr\u00e4frontale Verarbeitung und zum anderen haben Menschen die Tendenz ihre Leistung aktiv zu \u00fcberwachen. Als dritter Punkt kommen die Bem\u00fchungen, negative Gedanken und Emotionen als Selbstregulation zu unterdr\u00fccken, hinzu. Diese drei Mechanismen verbrauchen alle exekutive Ressourcen, welche jedoch f\u00fcr eine gute Leistung bei kognitiven, aber auch bei sozialen Aufgaben gebraucht werden. Dar\u00fcber hinaus st\u00f6rt die aktive \u00dcberwachung der Leistung die Ausf\u00fchrung von sensomotorischen Aufgaben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ausgew\u00e4hlte Studie zu Stereotype Threat<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Stereotype threat in African American children: The role of Black identity and stereotype awareness<\/h3>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kristal Hines Shelvin, Roc\u00edo Rivadeneyra, Corinne Zimmerman (2014)<\/h3>\n\n\n\n<p>Shelvin et al. (2014) gehen davon aus, dass f\u00fcr das Auftreten der stereotypen Bedrohung entscheidend ist, dass die Teilnehmenden wissen, dass ihre Leistung bewertet wird. PoC Kinder sind sich sehr bewusst, dass ihre F\u00e4higkeiten und Leistungen im Schulkontext kontinuierlich bewertet werden. Aus diesem Grund hat jeder Schultag das Potenzial, eine stereotype Bedrohungssituation mit sich zu bringen und es ist zu erwarten, dass PoC Kinder schlechter bei einer akademischen Aufgabe mit stereotyper Bedrohung abschneiden, verglichen mit einer Kontrollbedingung ohne stereotyper Bedrohung. Nach Schmader et al. (2008) wird die stereotype Bedrohung durch eine Diskrepanz zwischen dem Selbstkonzept einer Person, der Gruppe, zu der sich die Person zugeh\u00f6rig f\u00fchlt, und ihren F\u00e4higkeiten ausgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie von Shelvin et al. (2014) untersucht die Auswirkungen von stereotypen Bedrohungen auf die schulischen Leistungen von 186 PoC Kindern im Alter von 10 bis 12 Jahren. Die Autor*innen gehen davon aus, dass die Kinder in diesem Alter schulischen Erfolg wertsch\u00e4tzen sollten und sich ausreichend in der Schule engagieren. Dar\u00fcber hinaus wurde auch das Wissen spezifischer rassistischer Stereotype und die Identit\u00e4tsprofile von den Teilnehmenden untersucht, welche das Potenzial haben, die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr das Gef\u00fchl einer Bedrohung durch Stereotype zu mildern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die teilnehmenden Kinder haben den <em>Multidimensional Inventory of Black Identity-Teen<\/em> Test ausgef\u00fcllt, der Aspekte der <em>Black racial identity<\/em> misst. Die Fragen beziehen sich auf Gef\u00fchle zu PoC als eine Gruppe, Ansichten \u00fcber die gesellschaftliche Meinung zu PoC, die Wichtigkeit der Hautfarbe f\u00fcr das Selbstkonzept und den Umgang mit Problemen, die PoC haben. Die Teilnehmenden haben verschiedene Aussagen, wie zum Beispiel \u201eI am proud to be Black\u201c auf einer Likert Skala von 1 (really disagree) bist 5 (really agree) bewertet. <\/p>\n\n\n\n<p>Im <em>Stereotype Awareness Task<\/em> sollten die teilnehmenden Kinder alle Stereotype, die sie \u00fcber PoC wissen, auflisten. Die Teilnehmenden haben durchschnittlich 5,1 Stereotype aufgelistet, wobei sieben Kategorien besonders oft vorgekommen sind: \u201cBlacks are less intelligent than Whites\u201d, \u201cBlacks are worthless\u201d, \u201cBlacks are poor\u201d, \u201cBlacks are unattractive\u201d, \u201cBlacks are criminals\u201d, \u201cBlacks are violent\u201d, \u201cBlacks are good athletes\u201d. Das Stereotyp \u201cBlacks are less intelligent than Whites\u201d war mit 44% das am meist genannte Stereotyp und ist dar\u00fcber hinaus das relevanteste in Bezug auf die Stereotype Threat Aktivierung bei der Absolvierung akademischer Aufgaben. Dies zeigt sehr gut, dass viele Kinder bereits im Alter von 10 Jahren, das in der Gesellschaft verbreitete Wissen von Stereotype \u00fcber ihre ethnische Gruppe besitzen. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die akademische Aufgabe wurde der Subtest Lesen \/ Vokabular, welcher 30 Items umfasst, des <em>Test of Adolescent Langugae<\/em> TOAL verwendet. Der Auftrag bestand darin, aus einer Zielwortliste mit f\u00fcnf W\u00f6rtern, jene zwei W\u00f6rter auszuw\u00e4hlen, die am ehesten zu dem durch die Zielwortliste repr\u00e4sentierten Konzept passen. Beispielsweise enth\u00e4lt die Zielwortliste die Begriffe Blau, Gr\u00fcn, Orange und Braun und die Kinder mussten aus der folgenden Liste (z.B. Fuchs, Auto, Rot, Computer, Schwarz) die passenden W\u00f6rter ausw\u00e4hlen. In diesem Bespiel w\u00e4re die richtige Antwort Rot und Schwarz, da in der Zielwortliste verschiedene Farben aufgez\u00e4hlt werden. Die Schwierigkeit der Items steigt mit der Testl\u00e4nge. Eigentlich ist der Test f\u00fcr Kinder von 12 bis 18,5 Jahren konzipiert. Er wurde dennoch ausgew\u00e4hlt, weil das Ziel der Studie darin bestand, eine Aufgabe zu haben, welche gleichzeitig herausfordernd und akademisch ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Es durften nur jene Kinder an der Studie teilnehmen, welche eine schriftliche Zustimmung der Eltern erhalten und ihre eigene Zustimmung gegeben haben. Im ersten Abschnitt der Studie f\u00fcllten die Kinder den <em>Stereotype Awareness Task, <\/em>den <em>Multidimensional Inventory of Black Identity-Teen<\/em> Test und ein demografisches Formular aus. Der zweite Abschnitt fand ein bis zwei Wochen sp\u00e4ter statt. Die Teilnehmenden wurden per Zufall einer stereotypen Bedrohungsbedingung oder einer Kontrollgruppe zugeordnet. Daraufhin absolvierten die Kinder in beiden Gruppen den <em>Test of Adolescent Langugae TOAL<\/em>. Der Stereotype Threat Gruppe wurde gesagt, dass der Test die Intelligenz misst und die Ergebnisse von PoC und <em>wei\u00dfen<\/em> Kindern verglichen werden. Der Kontrollgruppe wurde gesagt, dass einzelne Fragen getestet werden, um zu entscheiden, ob sie auch in zuk\u00fcnftigen Tests verwendet werden sollten. Abschlie\u00dfend wurde allen Kindern mitgeteilt, dass sie ihr Bestes geben sollten. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Ergebnisse des <em>Test of Adolescent Language TOAL <\/em>wurden einer 2 (Stereotype Threat: threat vs. neutral) x 2 (Intelligence Stereotype Awareness: stereotype listed vs. stereotype not listed) ANCOVA unterzogen. Man hat einen Haupteffekt der Stereotype Threat gefunden. Kindern in der Threat Bedingung haben niedrigere Ergebnisse im TOAL, im Vergleich zur neutralen Bedingung, erzielt. Eine Analyse des Einzeleffekts hat gezeigt, dass der Stereotype Threat Effekt nur dann eine Wirkung hatte, wenn das Intelligenzstereotyp salient war. <\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend kann man sagen, dass Stereotype Threat ein Faktor im akademischen Alltag von PoC Kindern spielt. Jene Kinder, die in der klassischen Stereotype Threat Bedingung waren, erzielten schlechtere Ergebnisse in akademischen Aufgaben verglichen mit jenen Kindern, die einer neutralen Bedingung ausgesetzt waren. Au\u00dferdem wurde gefunden, dass individuelle Differenzen, wie das Bewusstsein von Stereotypen und das Identit\u00e4tsgef\u00fchl mit der Gruppe von PoC den Effekt der Stereotype Threat moderieren. Wie Steele (1997) in seiner Definition schon gezeigt hat, muss den Individuen das Stereotyp bez\u00fcglich der Gruppe, der sie sich zugeh\u00f6rig f\u00fchlen, bewusst sein, damit es zu einem Stereotype Threat Effekt kommt. Dies wurde auch in der Studie gezeigt, denn nur jene Kinder, die spontan das Stereotyp \u201cBlacks are less intelligent than Whites\u201c aufgelistet haben, haben die erwarteten Leistungsunterschiede in der akademischen Aufgabe gezeigt. Auch wenn es Unterschiede in der Leistung gab, ist die Studie von noch st\u00e4rkeren Diskrepanzen, auf Basis von \u00e4lteren Studien, ausgegangen. <\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Stereotype Threat Effekt kommt es auch dazu, dass PoC es vermeiden, Vorlieben f\u00fcr stereotype Aktivit\u00e4ten, wie zum Beispiel das M\u00f6gen von Jazz, Hip Hop und Basketball, zu \u00e4u\u00dfern. Diese Vermeidung zeigt den Wunsch auf, nicht durch den Blickwinkel von rassistischen Stereotypen gesehen werden zu wollen (Steele &amp; Aronson, 1995). <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Folgen von Stereotype Threat <\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vulnerable Faktoren <\/h3>\n\n\n\n<p>Situationsbedingte Hinweisreize k\u00f6nnen sowohl die Aktivierung von Stereotypen der eigenen sozialen Identit\u00e4t beeinflussen, als auch die Wahrscheinlichkeit von schlechteren Leistungen als Folge des Stereotype Threat Effekts (Fuligni, 2007). Sowohl akademische Stereotype als auch akademische Selbstkonzepte beeinflussen und formen die akademischen Identit\u00e4ten von Kindern (Bowe et al., 2017). Wenn eine Person of Colour als Minderheit in einer Gruppe versucht, sich den Text einer verbalen Pr\u00e4sentation zu merken, gelingt dies nicht so gut. Im Vergleich dazu l\u00e4sst sich dieser Effekt nicht beobachten, wenn die Mehrheit der Teilnehmenden auch PoC sind (Sekaquaptewa &amp; Thompson, 2002). <\/p>\n\n\n\n<p>Die alleinige Angabe des Geschlechts oder der ethnischen Herkunft vor der Durchf\u00fchrung eines Tests kann zu geringerer Leistung f\u00fchren, da dadurch die soziale Identit\u00e4t der Gruppe salient gemacht wird. (Fuligni, 2007)<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Protektive Faktoren <\/h3>\n\n\n\n<p>Das Auffinden von protektiven Faktoren ist der Schl\u00fcssel zum Durchbrechen von Stereotype Threat, der Nichtidentifikation mit akademischen Leistungen und somit der Weg, die L\u00fccke von Leistungsunterschieden zu schlie\u00dfen (Shelvin et al., 2014). <\/p>\n\n\n\n<p>Aronson et al. (2002) haben in einer Feldstudie gezeigt, dass PoC Studierende der Stanford Universit\u00e4t signifikant h\u00f6here Noten in dem Semester hatten, in dem ihnen gelehrt wurde, dass Intelligenz verformbar ist. Dar\u00fcber hinaus ist der Aspekt interessant, dass die Personen nicht weniger Stereotype aus ihrer Umwelt berichten. Das bedeutet, dass die Interventionsma\u00dfnahme nicht die Wahrnehmung der stereotypen Umwelt ver\u00e4ndert hat, sondern die Vulnerabilit\u00e4t gegen\u00fcber Stereotype. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere m\u00f6gliche Interventionsma\u00dfnahme k\u00f6nnte dar\u00fcber hinaus noch die F\u00f6rderung der wahrgenommenen \u00c4hnlichkeit zwischen den Gruppen sein. Rosenthal and Crisp (2006) haben in drei Experimenten die Hypothese untersucht, dass das Verwischen von Intergruppen-Grenzen den Stereotype Threat Effekt verringern wird. Die erste Studie hat ergeben, dass Frauen<a id=\"_ftnref2\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a>, die Charakteristiken, die von beiden Geschlechtern geteilt werden, aufgelistet haben, weniger Pr\u00e4ferenzen f\u00fcr stereotyp weibliche Berufskarrieren haben, als Teilnehmende der Kontrollbedingung. Im zweiten Experiment wurde offenbart, dass Versuchspersonen, die \u00fcber gemeinsame Charakteristiken nachgedacht haben, mehr richtige mathematische Fragen beantwortet haben. Im dritten Experiment wurde eine spezifische Bedrohungsmanipulation hinzugef\u00fcgt. Teilnehmende, die die Aufgabe zu geteilten Charakteristiken vor der Stereotype Threat Bedingung durchgef\u00fchrt haben, haben signifikant mehr mathematische Fragen richtig beantwortet als in der Kontrollbedingung und der ausschlie\u00dflichen Threat Bedingung. All diese Ergebnisse unterst\u00fctzen die Idee, dass Interventionsma\u00dfnahmen zur Reduzierung von Intergruppenvoreingenommenheit erfolgreich zur Reduktion des Stereotype Threat Effekts eigesetzt werden k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Konsequenzen von Stereotype Threat<\/h3>\n\n\n\n<p>Eine sehr weitreichende und langfristige Konsequenz von Stereotype Threat f\u00fcr die soziale Identit\u00e4t kann sein, dass sich Personen in einer akademischen Gemeinschaft unwohl oder sogar fehl am Platz f\u00fchlen. Stereotype k\u00f6nnen in Individuen ausreichend negative Gef\u00fchle erzeugen, dass diese ihre professionellen Identit\u00e4ten \u00e4ndern. Dies kann zur Folge haben, dass sich professionelle und berufliche Karrieren \u00e4ndern und neue Karrierewege in einem anderen Feld gesucht werden. Wenn das Gebiet jedoch so fundamental, wie beispielsweise Mathematik ist, schlie\u00dft diese Vermeidung viele T\u00fcren f\u00fcr potenziell lukrative Karrieren, beispielsweise im Bereich der Wissenschaft oder Technik. Eine kurzfristige psychologische Anpassungsfunktion an Stereotype Threat w\u00e4re die Strategie des Disengagements<a id=\"_ftnref3\" href=\"#_ftn3\">[3]<\/a>. Bei dieser Strategie wird das Selbstwertgef\u00fchl psychologisch von den Bereichen gel\u00f6st, in denen Personen das Ziel von negativen Stereotypen, Vorurteilen und Benachteiligung sind. Diese defensive Distanzierung des Selbstwertgef\u00fchls von Erlebnissen in einem bestimmten Bereich f\u00fchrt dazu, dass das Selbstwertgef\u00fchl nicht von Erfolgen oder Misserfolgen in diesem bestimmten Bereich abh\u00e4ngt (Major et al., 1998). Hier wird die Abh\u00e4ngigkeit der eigenen Selbstansichten auf die eigene Leistung abgeschw\u00e4cht (Fuligni, 2007). Die Strategie des Disengagements wird vor allem in Situationen angewendet, in denen eine relativ schlechte Leistung erwartet wird. Dar\u00fcber hinaus kann die Abgrenzung des Selbstwertgef\u00fchls vom Feedback ebenfalls in Situationen auftreten, in denen das gegebene Feedback als voreingenommen gegen die stigmatisierte Gruppe wahrgenommen wird. In manchen F\u00e4llen kann dieser Mechanismus auch einen protektiven Faktor darstellen. Beispielsweise waren PoC nicht von negativem Feedback nach einem Intelligenztest betroffen, nachdem sie auf die M\u00f6glichkeit einer rassistischen Voreingenommenheit des Tests geprimed wurden. In unserer Gesellschaf sind PoC von Vorurteilen und Diskriminierung betroffen und die Folgen von sich wiederholenden Erfahrungen mit rassistischer Voreingenommenheit und Diskriminierung kann dazu f\u00fchren, dass sich das Selbstwertgef\u00fchl chronisch von der Leistung in intellektuellen Bereichen l\u00f6st (Major et al., 1998). Dennoch glauben Major et al. (1998), dass es m\u00f6glich ist, das Selbstwertgef\u00fchl von der eigenen Leistung bei beispielsweise einem Intelligenztest zu l\u00f6sen, gleichzeitig aber Intelligenz zu sch\u00e4tzen und das Gef\u00fchl zu haben, dass Intelligenz ein zentraler und wichtiger Teil des Selbstkonzeptes ist. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Literaturverzeichnis<\/h2>\n\n\n\n<p><em>Antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit<\/em>. (o. D.). Amadeu Antonio Stiftung. <a href=\"https:\/\/www.amadeu-antonio-stiftung.de\/w\/files\/pdfs\/juan-faecher.pdf\">https:\/\/www.amadeu-antonio-stiftung.de\/w\/files\/pdfs\/juan-faecher.pdf<\/a> [Abruf am 6.8.2022]<\/p>\n\n\n\n<p>Aronson, J., Fried, C. B., &amp; Good, C. (2002). Reducing the Effects of Stereotype Threat on African American College Students by Shaping Theories of Intelligence. <em>Journal of Experimental Social Psychology<\/em>,<em> 38<\/em>(2), 113-125. <a href=\"https:\/\/doi.org\/https:\/doi.org\/10.1006\/jesp.2001.1491\">https:\/\/doi.org\/https:\/\/doi.org\/10.1006\/jesp.2001.1491 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Bowe, A. G., Desjardins, C. D., Covington Clarkson, L. M., &amp; Lawrenz, F. (2017). Urban Elementary Singel-Sex Math Classroom: Mitigating Stereotype Threat for African American Girls. <em>Urban Education<\/em>,<em> 52<\/em>(3), 370-398. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/0042085915574521\">https:\/\/doi.org\/10.1177\/0042085915574521 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Fuligni, A. J. (2007). <em>Contesting Stereotypes and Creating Identities: Social Categories, Social Identities, and Educational Participation<\/em>. Russell Sage Foundation.<\/p>\n\n\n\n<p>Garms-Homolov\u00e1, V. (2021). <em>Sozialpsychologie der Informationsverarbeitung \u00fcber das Selbst und die Mitmenschen: Selbstkonzept, Attributionstheorien, Stereotype &amp; Vorurteile<\/em>. Springer Berlin Heidelberg. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-662-62922-2_4\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-662-62922-2_4 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Hinton, P. R. (2019). <em>Stereotypes and the Construction of the Social World<\/em> (1 ed.). Routledge. <a href=\"https:\/\/doi.org\/https:\/doi-org.uaccess.univie.ac.at\/10.4324\/9781315205533\">https:\/\/doi.org\/https:\/\/doi-org.uaccess.univie.ac.at\/10.4324\/9781315205533 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Major, B., Spencer, S., Schmader, T., Wolfe, C., &amp; Crocker, J. (1998). Coping With Negative Stereotypes About Intellectual Performance: The Role of Psychological Disengagement [Article]. <em>Personality &amp; Social Psychology Bulletin<\/em>,<em> 24<\/em>(1). <a href=\"https:\/\/link.gale.com\/apps\/doc\/A76020698\/ITOF?u=43wien&amp;sid=bookmark-ITOF&amp;xid=85022606\">https:\/\/link.gale.com\/apps\/doc\/A76020698\/ITOF?u=43wien&amp;sid=bookmark-ITOF&amp;xid=85022606<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Petersen, L.-E., &amp; Six, B. (2008). <em>Stereotype, Vorurteile und soziale Diskriminierung: Theorien, Befunde und Interventionen<\/em>. Beltz Verlag. .<\/p>\n\n\n\n<p>Rosenthal, H. E. S., &amp; Crisp, R. J. (2006). Reducing Stereotype Threat by Blurring Intergroup Boundaries. <em>Personality and Social Psychology Bulletin<\/em>,<em> 32<\/em>(4), 501-511. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/0146167205281009\">https:\/\/doi.org\/10.1177\/0146167205281009<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Schmader, T., Johns, M., &amp; Forbes, C. (2008). An Integrated Process Model of Stereotype Threat Effects on Performance. <em>Psychological Review<\/em>,<em> 115<\/em>(2), 336-356. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1037\/0033-295X.115.2.336\">https:\/\/doi.org\/10.1037\/0033-295X.115.2.336  <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Sekaquaptewa, D., &amp; Thompson, M. (2002). The Differential Effects of Solo Status on Members of High- and Low-Status Groups. <em>Society for Personality and Social Psychology<\/em>,<em> 28<\/em>(5), 694-707. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/0146167202288013\">https:\/\/doi.org\/10.1177\/0146167202288013 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Shelvin, K. H., Rivadeneyra, R., &amp; Zimmerman, C. (2014). Stereotype threat in African American children: The role of Black identity and stereotype awareness. <em>Revue internationale de psychologie sociale<\/em>,<em> 27<\/em>(3), 175-204.<\/p>\n\n\n\n<p>Steele, C. M. (1997). A Threat in the Air: How Stereotypes Shape Intellectual Identity and Performance. <em>The American psychologist<\/em>,<em> 52<\/em>(6), 613-629. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1037\/0003-066X.52.6.613\">https:\/\/doi.org\/10.1037\/0003-066X.52.6.613  <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Steele, C. M., &amp; Aronson, J. (1995). Stereotype Threat and the Intellectual Test Performance of African Americans. <em>Journal of personality and social psychology<\/em>,<em> 69<\/em>(5), 797-811. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1037\/0022-3514.69.5.797\">https:\/\/doi.org\/10.1037\/0022-3514.69.5.797 <\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Ich habe hier bewusst nicht die genderneutrale Ausdrucksform gew\u00e4hlt, da die Studien meist von einer bin\u00e4ren Geschlechtseinteilung ausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ich verwende hier die bin\u00e4re Einteilung in M\u00e4nner und Frauen absichtlich, da die Autor*innen in ihren Studien ebenfalls von einem bin\u00e4ren Geschlechtssystem ausgegangen sind.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn3\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Ich habe mich hier absichtlich f\u00fcr den englischen Begriff entschieden, da ich der Meinung bin, dass die deutsche \u00dcbersetzung nicht vollkommen treffend ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p>Quelle: Alina Wusits, <em>Stereotype Threat: Beeinflussung der akademischen Identit\u00e4t durch Stereotype und ihre Auswirkungen<\/em>,  in: Blog ABV Gender- und Diversitykompetenz FU Berlin, 27.10.2022, <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=281\">https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=281<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beeinflussung der akademischen Identit\u00e4t durch Stereotype und ihre Auswirkungen Alina Wusits (SoSe 2022) Einleitung Bevor ich auf das eigentliche Hausarbeitsthema zu sprechen komme, m\u00f6chte ich ein paar Worte zu dem Gebrauch von meiner Schrift und Sprache verlieren. Ich habe mich bewusst daf\u00fcr entschieden den englischen Ausdruck People of Color (Abk\u00fcrzung: PoC) zu verwenden, da es &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/2022\/10\/27\/stereotype-threat\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eStereotype Threat\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2643,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[327720],"tags":[418149,2740,449581],"class_list":["post-281","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-essay","tag-pocs","tag-rassismus","tag-stereotype"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/281","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2643"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=281"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/281\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":297,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/281\/revisions\/297"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=281"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=281"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=281"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}