{"id":303,"date":"2022-11-07T16:44:04","date_gmt":"2022-11-07T15:44:04","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=303"},"modified":"2022-11-22T14:33:26","modified_gmt":"2022-11-22T13:33:26","slug":"geschlechtssensible-medizin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/2022\/11\/07\/geschlechtssensible-medizin\/","title":{"rendered":"Geschlechtssensible Medizin"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hintergrund und Notwendigkeit am Beispiel der Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivit\u00e4ts-St\u00f6rung (ADHS)<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Lara Alexandra Bellu (SoSe 2022)<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. <strong>Begriffskl\u00e4rungen und Hintergr\u00fcnde<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Unter <em>sex<\/em> wird das biologische Geschlecht einer Person verstanden (Muehlenhard &amp; Peterson, 2011). Damit zusammenh\u00e4ngend sind Geschlechtschromosomen, Keimanlagen, prim\u00e4re und sekund\u00e4re Geschlechtsorgane (Muehlenhard &amp; Peterson, 2011). Menschen, die sich der Binarit\u00e4t von weiblich\/m\u00e4nnlich zuordnen, werden als <em>endogeschlechtlich<\/em> bezeichnet (Debus &amp; Laumann, 2020). Kann keine bin\u00e4re Geschlechterzuordnung erfolgen, spricht man von <em>Intergeschlechtlichkeit <\/em>(Debus &amp; Laumann, 2020). Dabei handelt es sich eigentlich um eine nat\u00fcrliche Variation (Hechler &amp; Baar, 2020). Allerdings erleben intergeschlechtliche Menschen dennoch Diskriminierung, weil gesellschaftlich \u2013 entgegen des nat\u00fcrlichen biologischen Vorkommens \u2013 eine bin\u00e4re Unterteilung in biologische M\u00e4nner und Frauen konstruiert wurde (Hechler &amp; Baar, 2020).<\/p>\n\n\n\n<p>Als <em>gender<\/em> wird das soziale Geschlecht und die Geschlechtsidentit\u00e4t bezeichnet (Debus &amp; Laumann, 2020). Das Konzept gender beinhaltet typische Merkmale, Verhaltensweisen und Erwartungen, die der bin\u00e4ren Geschlechterkonstruktion von Frauen und M\u00e4nnern zugeschrieben werden (Pryzgoda &amp; Chrisler, 2000). Das Konzept gender geht also davon aus, dass diese Unterschiede sozial konstruiert sind (Pryzgoda &amp; Chrisler, 2000). Menschen, deren Geschlechtsidentit\u00e4t nicht mit dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht (meist interpretiert aufgrund der Geschlechtsorgane) \u00fcbereinstimmt, bezeichnen sich als <em>trans*<\/em>, <em>transgeschlechtlich<\/em>, <em>transgender<\/em> oder <em>transident<\/em> (Debus &amp; Laumann, 2020). Menschen, bei denen die Geschlechtsidentit\u00e4t mit dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht \u00fcbereinstimmt, werden als <em>cis-geschlechtlich<\/em> bezeichnet (Debus &amp; Laumann, 2020). Menschen, die sich nicht den bin\u00e4ren Geschlechterrollen von M\u00e4nnern oder Frauen zuordnen, verstehen sich als <em>non-binary<\/em>, <em>nicht-bin\u00e4r<\/em>, <em>genderqueer<\/em>, <em>agender<\/em> oder auch <em>trans<\/em>* (Debus &amp; Laumann, 2020).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Begriff <em>Heteronormativit\u00e4t<\/em> meint eine Kultur und Struktur, die Endogeschlechtlichkeit, eine bin\u00e4re Geschlechtsidentit\u00e4t, cis-Geschlechtlichkeit und heterosexuelle Beziehungen als Norm begreift (Debus &amp; Laumann, 2020). Menschen, die also nicht in dieses Schema passen, erleben in einer heteronormativen Gesellschaft Nachteile und Diskriminierung (Debus &amp; Laumann, 2020).<\/p>\n\n\n\n<p>Die <em>geschlechtssensible Medizin (GSM)<\/em> besch\u00e4ftigt sich mit dem Einfluss von sex und gender auf das Gesundheitsbewusstsein, Krankheitssymptomatik und Therapie (Regitz-Zagrosek, 2018). Ziel ist es, die bestm\u00f6gliche Diagnose und Therapie unter Ber\u00fccksichtigung des Geschlechts zu finden (Latz &amp; Welzel, 2021). Wichtig ist anzumerken, dass im Rahmen der GSM h\u00e4ufig der Begriff gender genutzt wird, obwohl eigentlich sex gemeint ist (Oertelt-Prigione &amp; Hiltner, 2019). Zus\u00e4tzlich besch\u00e4ftigt sich die GSM aktuell lediglich mit den Unterschieden zwischen Frauen und M\u00e4nnern, Abweichungen der Heteronormativit\u00e4t werden also nicht ber\u00fccksichtigt (Oertelt-Prigione &amp; Hiltner, 2019).<\/p>\n\n\n\n<p>Die GSM hat ihren Ursprung in der internationalen Frauenrechtsbewegung in den 1960er und 70er Jahren, die sich auf die k\u00f6rperliche und sexuelle Freiheit von Frauen konzentriert hat (Oertelt-Prigione &amp; Hiltner, 2019). Anfang der 1980er Jahre wurde erstmals genauer beobachtet, dass Herzinfarkte sich bei Frauen und M\u00e4nnern mit unterschiedlichen Symptomen \u00e4u\u00dfern \u2013 jedoch wurden standardm\u00e4\u00dfig nur die \u201em\u00e4nnlichen\u201c Symptome gelehrt (Latz &amp; Welzel, 2021). 2001 ver\u00f6ffentlichte das US-amerikanische Institute of Medicine einen Report, der erstmals Geschlechterunterschiede in der Medizin beleuchtete (Oertelt-Prigione &amp; Hiltner, 2019). Erst dadurch kam die GSM tats\u00e4chlich ins Rollen (Oertelt-Prigione &amp; Hiltner, 2019). Allerdings ist sogar heute \u2013 20 Jahre sp\u00e4ter \u2013 die Lehre der GSM keine Verpflichtung an den Universit\u00e4ten (Oertelt-Prigione &amp; Hiltner, 2019). Zus\u00e4tzlich fehlt die Implementierung in Forschung und Praxis, weil die Arbeit und Anerkennung in den entsprechenden Gremien (Fachgesellschaften, \u00c4rztekammern, Forschungsgremien etc.) nur schleppend l\u00e4uft (Oertelt-Prigione &amp; Hiltner, 2019).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. <strong>Zusammenhang zwischen gender, sex und Gesundheit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Relevanz der GSM wird deutlich, wenn biologische, psychosoziale und epigenetische Einflussfaktoren auf Gesundheit betrachtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf biologischer Ebene betrachtet tragen X-Chromosomen mehr als 1500 Gene mit regenerativen Funktionen, Y-Chromosomen hingegen nur ca. 100 Gene (Regitz-Zagrosek, 2018). Bei Menschen mit XX-Chromosomensatz ist das zweite X-Chromosom nur zum Teil inaktiv. Deshalb haben diese Menschen etwa Vorteile bei x-chromosomal vererbten Erkrankungen (Regitz-Zagrosek, 2018). Zus\u00e4tzlich beeinflusst der Geschlechtschromosomensatz die Aussch\u00fcttung von Geschlechtshormonen (Testosteron, \u00d6strogen und Gestagen; Regitz-Zagrosek (2018)). Geschlechtshormone haben wiederum einen Einfluss auf das Immunsystem, die K\u00f6rperzusammensetzung, das Herz-Kreislauf-System und andere Stoffwechselprozesse (Regitz-Zagrosek, 2018). Zus\u00e4tzlich ist inzwischen bekannt, dass sich die Organe von M\u00e4nnern und Frauen in ihrer Feinbauweise und Zellaktivit\u00e4t unterscheiden (Regitz-Zagrosek, 2018). Daraus wird klar, dass sich sowohl Krankheitssymptome als auch die Wirkung von Medikamenten geschlechtsspezifisch unterscheiden m\u00fcssen. Therapien und Krankheitsverl\u00e4ufe des prototypischen 75kg schweren cis-Manns k\u00f6nnen also nicht f\u00fcr Menschen, die auf biologischer Ebene von dieser Norm abweichen, einfach \u00fcbernommen werden (Weyrerer, 2021). &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die sozial konstruierten Geschlechterrollen (gender) haben Einfluss auf Krankheit, Gesundheitsverhalten und Vorsorge. So ist zum Beispiel die Suizidrate bei M\u00e4nnern h\u00f6her als bei Frauen (Brandt, 2019). Gleichzeitig nehmen M\u00e4nner weniger Psychotherapie in Anspruch (Sonnenmoser, 2011). Insgesamt zeigen M\u00e4nner h\u00e4ufiger sch\u00e4dliches Gesundheitsverhalten wie Rauchen, ungesunde Ern\u00e4hrung und weniger Bewegung (Regitz-Zagrosek, 2018). Bei ihnen ist die Lebenserwartung auch geringer als bei Frauen (Luy, 2011). Gleichzeitig sind Frauen dadurch bei Krankenhauseinweisungen im Durchschnitt \u00e4lter als M\u00e4nner und erhalten weniger h\u00e4ufig Rehabilitationsma\u00dfnahmen (Regitz-Zagrosek, 2018). Deshalb haben sie eine h\u00f6here Gefahr chronisch in ihrer Lebensqualit\u00e4t beeintr\u00e4chtigt zu werden und eine Pflegebelastung f\u00fcr ihr Umfeld zu werden (Regitz-Zagrosek, 2018). Zus\u00e4tzlich unterscheidet sich die Stressbelastung bei M\u00e4nnern und Frauen. So handelt es sich bei M\u00e4nnern vor allem um chronischen arbeitsbedingten Stress, der zum Feierabend abf\u00e4llt (Kautzky-Willer, 2014). Bei Frauen hingegen steigt dieser aufgrund der h\u00e4ufigen Doppelbelastung von Beruf und famili\u00e4ren Verpflichtungen (z.B.: Pflege von Angeh\u00f6rigen) nach Feierabend noch weiter an (Kautzky-Willer, 2014). Chronischer Stress ist wiederum mit einer Reihe von Erkrankungen wie depressiven St\u00f6rungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Typ 2 assoziiert (Kautzky-Willer, 2014). Dieses Ph\u00e4nomen nennt sich Lebenserwartungs-Lebensqualit\u00e4ts-Geschlechter-Paradoxon: Frauen leben zwar l\u00e4nger als M\u00e4nner, haben aber weniger gesunde Jahre und empfinden ihre Lebensqualit\u00e4t als subjektiv geringer (Kautzky-Willer, 2014). Wird dabei um die psychosozialen Faktoren korrigiert, ist dieser Unterschied deutlich geringer (Kautzky-Willer, 2014). &nbsp;Fernab dieser bin\u00e4ren Betrachtung ist zu betonen, dass etwa inter* oder trans* Menschen aufgrund ihres depriviligierten Status und der damit einhergehenden Diskriminierung zus\u00e4tzliche gesundheitliche Risiken haben, zum Beispiel ein deutlich erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr psychische Erkrankungen (P\u00f6ge et al., 2020).<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt ist die Ebene der Epigenetik zu betrachten. Epigenetik bezieht sich auf die Beeinflussung oder Besch\u00e4digung bei der Verpackung von Genen durch Umwelteinfl\u00fcsse, wie beispielsweise Ern\u00e4hrung, Rauchen, Stress und Umwelttoxine (Regitz-Zagrosek, 2018). Auch hierbei spielen sex und gender eine unterschiedliche Rolle (Kautzky-Willer, 2014). So zeigen beispielsweise bereits die Plazenten von Embryonen aufgrund unterschiedlicher Geschlechtshormone unterschiedliche Bew\u00e4ltigungsstrategien und Wachstumsmechanismen auf Unter- oder \u00dcberern\u00e4hrung (Kautzky-Willer, 2014). Weiterf\u00fchrend werden diese Strategien mit Immunit\u00e4t, Transplant-Wirt-Reaktionen und Entz\u00fcndungen assoziiert (Kautzky-Willer, 2014). Gender bzw. die Geschlechterrolle hingehen bedingt zum Beispiel die Exposition mit Umwelttoxinen und Stress. So k\u00f6nnte die h\u00f6here Inzidenz von depressiven St\u00f6rungen bei Frauen auf den erh\u00f6hten m\u00fctterlichen \u00dcberschuss von Glukokortikoiden (z.B.: das Stresshormon Cortisol) zur\u00fcckzuf\u00fchren sein (Kautzky-Willer, 2014). Dieser beeinflusst n\u00e4mlich insbesondere bei den weiblichen Nachkommen die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse und die dazugeh\u00f6rige Neurotransmitteraussch\u00fcttung, welche sowohl mit Stimmung als auch mit Stressregulation assoziiert ist (Kautzky-Willer, 2014).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>3. Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivit\u00e4ts-St\u00f6rung (ADHS)<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>3.1&nbsp;Symptomatik<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Kernsymptome der ADHS sind (1)<em> Aufmerksamkeitsst\u00f6rungen<\/em> (insbesondere vorzeitiges Abbrechen von fremdbestimmten Aufgaben, hohe Ablenkbarkeit, Nichtbeenden von T\u00e4tigkeiten), (2)<em> Impulsivit\u00e4t<\/em> auf emotionaler, kognitiver und motivationaler Ebene (z.B.: \u00fcbereilte Entscheidungen, geringe Frustrationstoleranz, Unterbrechen von anderen) und (3)<em> Hyperaktivit\u00e4t<\/em> (mangelhaft regulierte, \u00fcberschie\u00dfende motorische Aktivit\u00e4t und Ruhelosigkeit; Petermann and Ruhl (2011)). Allerdings unterscheiden sich das ICD-10 und DSM-IV in ihrer Kombination von Symptomen zu verschiedenen Subtypen. So wird nach ICD-10 eine <em>einfache Aktivit\u00e4ts- und Aufmerksamkeitsst\u00f6rung<\/em> (F 90.0) diagnostiziert, wenn die Symptome der Aufmerksamkeitsst\u00f6rungen, Impulsivit\u00e4t und Hyperaktivit\u00e4t vorliegen (Petermann &amp; Ruhl, 2011). Eine <em>Hyperkinetische St\u00f6rung des Sozialverhaltens <\/em>(F 90.1) wird diagnostiziert, wenn zus\u00e4tzlich noch St\u00f6rungen des Sozialverhaltens vorliegen (Petermann &amp; Ruhl, 2011). Das DSM-IV hingegen differenziert zwischen drei verschiedenen Typen (Petermann &amp; Ruhl, 2011). Bei der (a) <em>Aufmerksamkeitsdefizit\/-Hyperaktivit\u00e4tsst\u00f6rung vom Mischtyp<\/em> liegen sowohl die Aufmerksamkeitsst\u00f6rung als auch Impulsivit\u00e4t und Hyperaktivit\u00e4t vor. Bei dem (b) <em>vorwiegend unaufmerksamen Typ<\/em> liegt die Aufmerksamkeitsst\u00f6rung im Vergleich zur Hyperaktivit\u00e4t und Impulsivit\u00e4t deutlich im Vordergrund. Die Symptomatik des (c) <em>vorwiegend hyperaktiven Typs<\/em> ist hingegen vorwiegend durch Hyperaktivit\u00e4t und Impulsivit\u00e4t gekennzeichnet, Aufmerksamkeitsst\u00f6rungen sind eher im Hintergrund (Petermann &amp; Ruhl, 2011).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"844\" height=\"505\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/files\/2022\/11\/bild.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-304\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/files\/2022\/11\/bild.png 844w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/files\/2022\/11\/bild-300x180.png 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/files\/2022\/11\/bild-768x460.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Abbildung 1: Klassifikation der ADHS in ICD-10 und DSM-IV <\/em><em>(Petermann &amp; Ruhl, 2011, S. 679)<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich m\u00fcssen nach ICD-10 und DSM-IV folgende Kriterien erf\u00fcllt sein: \u201eDie Symptome m\u00fcssen mindestens 6 Monate lang vorliegen, in einem mit dem Entwicklungsstand nicht zu vereinbarenden und unangemessenen Ausma\u00df, vor dem Alter von 7 Jahren auftreten und zu Beeintr\u00e4chtigungen in zwei oder mehr Lebensbereichen f\u00fchren. Es bestehen deutliche Hinweise auf klinisch bedeutsame Beeintr\u00e4chtigungen in sozialen, schulischen oder beruflichen Funktionsbereichen. Andere psychische St\u00f6rungen, geistige Behinderung oder psychosoziale Problemen, die die Verhaltenssymptome besser erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, sind ausgeschlossen\u201c (Petermann &amp; Ruhl, 2011, S. 678).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>3.2&nbsp;&nbsp;Diagnostik<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Diagnostik der ADHS l\u00e4uft multimodal ab, was insbesondere aufgrund der unterschiedlichen Symptomauspr\u00e4gungen notwendig ist (Petermann &amp; Ruhl, 2011). Die Diagnostik l\u00e4sst sich in drei Stufen einteilen: Erstes Screening, orientierende und weiterf\u00fchrende Diagnostik (Petermann &amp; Ruhl, 2011). Wichtig ist zu betonen, dass im Zuge des ersten Screenings nicht nur Testverfahren mit den potenziell Betroffenen selbst, sondern \u00fcblicherweise auch Beurteilungen von Eltern und Lehrkr\u00e4ften miteingeschlossen werden. Oftmals sind sogar Hinweise der Lehrkr\u00e4fte der erste Schritt, um \u00fcberhaupt das Screening einzuleiten (Petermann &amp; Ruhl, 2011). Zeigen sich im Rahmen des ersten Screenings Hinweise auf eine ADHS, so wird weiterfolgend eine orientierende und weiterf\u00fchrende Diagnostik durchgef\u00fchrt (Petermann &amp; Ruhl, 2011). Dabei werden \u00fcblicherweise diagnostische Interviews und Tests (z.B.: Intelligenz- und Aufmerksamkeitstests) mit den Betroffenen selbst und den Eltern durchgef\u00fchrt. Au\u00dferdem kommen auch hier Verhaltensbeobachtungen im Klassenraum, in der diagnostischen Situation und zu Hause zum Einsatz (Petermann &amp; Ruhl, 2011).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>4. Zusammenhang zwischen ADHS-Diagnostik, sex und gender<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>&nbsp;Die Pr\u00e4valenz der ADHS bel\u00e4uft sich auf zwischen 2 und 7%, je nach verwendeten Diagnosekriterien und Altersgruppe (Bruchm\u00fcller et al., 2012; N\u00f8vik et al., 2006). Auff\u00e4llig dabei ist, dass das Geschlechterverh\u00e4ltnis teils stark unausgeglichen ist. So liegt es bei nicht klinischen Populationen bei 3:1 (Jungen vs. M\u00e4dchen), bei klinischen Populationen sogar bei zwischen 6 und 16:1 (Bruchm\u00fcller et al., 2012; N\u00f8vik et al., 2006; Young et al., 2020). Daraus l\u00e4sst sich also schlie\u00dfen, dass deutlich mehr Jungen als M\u00e4dchen \u00fcberhaupt in den diagnostischen und therapeutischen Prozess der ADHS eingebunden werden (Bruchm\u00fcller et al., 2012). Hier stellt sich nun die Frage: Kommt die ADHS tats\u00e4chlich h\u00e4ufiger bei Jungen vor oder wird es bei M\u00e4dchen schlichtweg weniger erkannt? Und falls ja, woran liegt das?<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;M\u00f6glicherweise kann der Geschlechterunterschied in der ADHS-Pr\u00e4valenz neurophysiologisch und endokrinologisch erkl\u00e4rt werden (Davies, 2014; Gawrilow, 2020). So wurden teilweise in Untersuchungen geringere Aktivierungen bei Jungen vs. M\u00e4dchen mit ADHS in frontalen, parietalen und cerebralen Hirnregionen gefunden (Davies, 2014). Diese werden unter anderem mit Exekutivfunktionen (z.B.: Inhibitionskontrolle) assoziiert, welche wiederum bei einer ADHS eingeschr\u00e4nkt sind (Gawrilow et al., 2011). Dar\u00fcber hinaus spielt auch m\u00f6glicherweise eine geringere Dopamin-Rezeptoren-Dichte bei Jungen eine Rolle (Gawrilow, 2020). Weiterf\u00fchrend wird auch diskutiert, ob das h\u00f6here Testosteronlevel durch einen XY-Chromosomensatz zu neurobiologischen Entwicklungen f\u00fchrt, welche die Entstehung einer ADHS beg\u00fcnstigen (Davies, 2014). Allerdings konnte bisher zu keinem Ansatz ein ausreichender wissenschaftlicher Konsens erreicht werden (Davies, 2014; Gawrilow, 2020).<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr erforscht und viel wahrscheinlicher ist dagegen, dass M\u00e4dchen andere Symptome und Komorbidit\u00e4ten zeigen und weniger h\u00e4ufig bzw. falsch diagnostiziert werden (Fraticelli et al., 2022). Beispielsweise fassen Young et al. (2020) und Fraticelli et al. (2022) zusammen, dass M\u00e4dchen mit ADHS zwar auch hyperaktiv-impulsive Symptome aufweisen, jedoch stehen die Symptome der Unaufmerksamkeit und Desorganisation im Vordergrund. Bei M\u00e4dchen scheint also der unaufmerksame Typ h\u00e4ufiger vorzukommen, welcher oftmals als depressive oder Angstst\u00f6rung interpretiert wird (Fraticelli et al., 2022). Zus\u00e4tzlich ist eine komorbide Angst- oder depressive St\u00f6rung tats\u00e4chlich h\u00e4ufig bei M\u00e4dchen (Fraticelli et al., 2022; Young et al., 2020). Das resultiert in eine noch st\u00e4rker internalisierte Symptomatik, wodurch die ADHS leicht \u00fcbersehen wird (Fraticelli et al., 2022). M\u00e4dchen zeigen also weniger offensichtliche oder sozial st\u00f6rende Verhaltensweisen. Daf\u00fcr haben sie deutlichere Aufmerksamkeitsdefizite, sowie Probleme bei der Selbst- und Emotionsregulation (Fraticelli et al., 2022; Young et al., 2020).<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem scheint es eine Verzerrung bei den Diagnostizierenden selbst zu geben, die M\u00e4dchen grunds\u00e4tzlich weniger h\u00e4ufig als Jungen diagnostizieren (Quinn &amp; Madhoo, 2014). Hinweise darauf liefern eine Vielzahl an Studien (z.B.: Bruchm\u00fcller et al., 2012; Groenewald et al., 2009; Ohan &amp; Visser, 2009; Sciutto et al., 2004). In einer Untersuchung von Bruchm\u00fcller et al. (2012) wurden insgesamt 1000 Psychiater*innen, Sozialarbeiter*innen und Psycholog*innen dazu aufgefordert, eine diagnostische Einsch\u00e4tzung f\u00fcr hypothetische Fallbeispiele abzugeben. Dabei erhielt der identische Fall h\u00e4ufiger eine ADHS-Diagnose, wenn dieser mit einem typischen Jungen-, statt M\u00e4dchennamen benannt wurde. \u00c4hnliche Ergebnisse fanden auch Sciutto et al. (2004) mit einer Stichprobe von 199 Grundschullehrkr\u00e4ften, die ebenfalls hypothetische F\u00e4lle von Kindern mit ADHS vorgelegt bekamen. Dabei wurde bei den F\u00e4llen mit Jungennamen h\u00e4ufiger zu einem ersten ADHS-Screening geraten als bei den mit M\u00e4dchennamen. Insgesamt wurden die F\u00e4lle mit Symptomen des hyperaktiv-impulsiven Typs h\u00e4ufiger als auff\u00e4llig eingestuft. Jedoch zeigte sich auch hier ein geschlechtsspezifischer Effekt: Bei den F\u00e4llen des hyperaktiv-impulsiven Typs mit Jungennamen wurde 1.5-mal h\u00e4ufiger zu einem ersten Screening geraten als bei den M\u00e4dchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt betrachtet sind M\u00e4dchen also gar nicht per se weniger h\u00e4ufig von der ADHS betroffen. Es scheint eher so, dass M\u00e4dchen insgesamt unauff\u00e4lliger sind, weil sie sich besser anpassen und ihre Symptome weniger externalisiert sind (Fraticelli et al., 2022; Young et al., 2020). Zus\u00e4tzlich scheint ein Bias bei Diagnostizierenden, sowie Lehrkr\u00e4ften und Eltern zu bestehen (Quinn &amp; Madhoo, 2014). Das \u201etypische AHDS-Kind\u201c ist demnach ein unruhiger, zappeliger Junge und weniger ein vertr\u00e4umtes, unaufmerksames M\u00e4dchen. In Anbetracht der Sozialisation und Geschlechterrollen von Jungen vs. M\u00e4dchen ist das allerdings nicht \u00fcberraschend. So wird von M\u00e4dchen gesellschaftlich eher erwartet, sich freundlich, zuvorkommend und zur\u00fcckhaltend zu verhalten (Godsil et al., 2016). Die daraus resultierende Anpassung, internalisierten Symptome und verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Unauff\u00e4lligkeit von M\u00e4dchen mit ADHS erscheinen entsprechend wie logische Konsequenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Problematisch dabei ist, dass M\u00e4dchen, die unter das diagnostische Radar fallen, keine oder nur unpassende Therapien erhalten (Young et al., 2020). Gleichzeitig ist die Auspr\u00e4gung von ADHS Symptomen negativ mit der Lebensqualit\u00e4t in Adoleszenz und Erwachsenenalter assoziiert (Tischler et al., 2010). Zus\u00e4tzlich haben Menschen mit ADHS ohnehin ein h\u00f6heres Risiko, andere psychische oder somatische Erkrankungen zu entwickeln (Fraticelli et al., 2022; Tischler et al., 2010). Au\u00dferdem leiden sie h\u00e4ufiger unter einem negativen Selbstkonzept und Selbstwert (Young et al., 2020). Deshalb stellt eine ADHS-Diagnose f\u00fcr insbesondere erwachsene Betroffene eine Erleichterung dar, weil somit die lebenslangen Schwierigkeiten, Einschr\u00e4nkungen und Defizite erkl\u00e4rt werden k\u00f6nnen (von der Brelie, 2021). Nicht diagnostizierte M\u00e4dchen mit ADHS haben also ein h\u00f6heres Risiko f\u00fcr vermeidbare gesundheitliche Einschr\u00e4nkungen und sp\u00e4tere Schwierigkeiten in essenziellen Lebensbereichen (z.B.: Ausbildung und Arbeit; Young et al. (2020)), welche durch eine ad\u00e4quate Therapie zumindest gelindert werden k\u00f6nnten (Petermann &amp; Ruhl, 2011). Insgesamt betrachtet braucht es also dringend mehr gendersensible Forschung im Bereich der ADHS, sowie die Implementierung der Erkenntnisse in die diagnostische Praxis. &nbsp;Abschlie\u00dfend ist zu betonen, dass sich die Gendersensibilit\u00e4t in diesem Bereich ausschlie\u00dflich auf die Binarit\u00e4t von Frauen vs. M\u00e4nnern (sowohl bei sex als auch gender) bezieht. W\u00fcnschenswert w\u00e4re also auch hier, dass die psychologische Forschung beginnt, au\u00dferhalb der Heteronormativit\u00e4t zu denken.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Brandt, M. (2019). M\u00e4nner begehen deutlich h\u00e4ufiger Suizid. <em>Statista<\/em>, <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/infografik\/15389\/suizidraten-ausgewaehlter-laender\">https:\/\/de.statista.com\/infografik\/15389\/suizidraten-ausgewaehlter-laender<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Bruchm\u00fcller, K., Margraf, J., &amp; Schneider, S. (2012). Is ADHD diagnosed in accord with diagnostic criteria? Overdiagnosis and influence of client gender on diagnosis. <em>Journal of consulting and clinical psychology<\/em>,<em> 80<\/em>(1), 128-138. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1037\/a0026582\">https:\/\/doi.org\/10.1037\/a0026582 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Davies, W. (2014). Sex differences in Attention Deficit Hyperactivity Disorder: Candidate genetic and endocrine mechanisms. <em>Frontiers in Neuroendocrinology<\/em>,<em> 35<\/em>(3), 331-346. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.yfrne.2014.03.003\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.yfrne.2014.03.003 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Debus, K., &amp; Laumann, V. (2020). Glossar zu Begriffen geschlechtlicher und sexueller Vielfalt. <em>Dissens \u2013 Institut f\u00fcr Bildung und Forschung e.V.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Fraticelli, S., Caratelli, G., De Berardis, D., Ducci, G., Pettorruso, M., Martinotti, G., Di Giannantonio, M. (2022). Gender differences in attention deficit hyperactivity disorder: an update of the current evidence. <em>Rivista di psichiatria<\/em>,<em> 57<\/em>(4), 159-164. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1708\/3855.38380\">https:\/\/doi.org\/10.1708\/3855.38380 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Gawrilow, C. (2020). Was sind Ursachen der ADHS? In C. Gawrilow (Ed.), <em>ADHS<\/em> (pp. 19-25). Ernst Reinhardt Verlag. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.36198\/9783838532899-19-25\">https:\/\/doi.org\/10.36198\/9783838532899-19-25 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Gawrilow, C., Schmitt, K., &amp; Rauch, W. (2011). Kognitive Kontrolle und Selbstregulation bei Kindern mit ADHS. <em>Kindheit und Entwicklung<\/em>,<em> 20<\/em>(1), 41-48. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1026\/0942-5403\/a000039\">https:\/\/doi.org\/10.1026\/0942-5403\/a000039 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Godsil, R. D., Tropp, L. R., Goff, P. A., Powell, J., &amp; MacFarlane, J. (2016). The effects of gender roles, implicit bias, and stereotype threat on the lives of women and girls. <em>The Science of Equality<\/em>,<em> 2<\/em>(1), 25-47.<\/p>\n\n\n\n<p>Groenewald, C., Emond, A., &amp; Sayal, K. (2009). Recognition and referral of girls with Attention Deficit Hyperactivity Disorder: case vignette study. <em>Child: Care, Health and Development<\/em>,<em> 35<\/em>(6), 767-772. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/j.1365-2214.2009.00984.x\">https:\/\/doi.org\/10.1111\/j.1365-2214.2009.00984.x <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Hechler, A., &amp; Baar, R. (2020). Mehr als zwei. <em>Die Grundschulzeitschrift<\/em>,<em> 34<\/em>(321), 40-43. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.25595\/2193\">https:\/\/doi.org\/10.25595\/2193 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Kautzky-Willer, A. (2014). Gendermedizin: Geschlechtsspezifische Aspekte in der klinischen Medizin. <em>Bundesgesundheitsblatt &#8211; Gesundheitsforschung &#8211; Gesundheitsschutz<\/em>,<em> 57<\/em>(9), 1022-1030. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s00103-014-2011-7\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/s00103-014-2011-7 <span><a href=\"\"><\/a><\/span><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Latz, M., &amp; Welzel, S. (2021). Gender Medizin \u2013 eine gerechte Medizin f\u00fcr alle. <em>NDR<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/Gender-Medizin-eine-gerechte-Medizin-fuer-alle,gendermedizin102.html\">https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/Gender-Medizin-eine-gerechte-Medizin-fuer-alle,gendermedizin102.html<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Luy, M. (2011). Ursachen der Geschlechterdifferenz in der Lebenserwartung. <em>Swiss Medical Forum<\/em>,<em> 11<\/em>(35), 580-583. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.4414\/smf.2011.07594\">https:\/\/doi.org\/10.4414\/smf.2011.07594 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Muehlenhard, C. L., &amp; Peterson, Z. D. (2011). Distinguishing Between Sex and Gender: History, Current Conceptualizations, and Implications. <em>Sex Roles<\/em>,<em> 64<\/em>(11), 791-803. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s11199-011-9932-5\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/s11199-011-9932-5 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>N\u00f8vik, T. S., Hervas, A., Dalsgaard, S., Rodrigues Pereira, R., Lorenzo, M. J. J. E. c., &amp; psychiatry, a. (2006). Influence of gender on attention-deficit\/hyperactivity disorder in Europe. <em>European child &amp; adolescent psychiatry<\/em>,<em> 15<\/em>(1), i15-i24. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s00787-006-1003-z\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/s00787-006-1003-z <span><a href=\"\"><\/a><\/span><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Oertelt-Prigione, S., &amp; Hiltner, S. (2019). Medizin: Gendermedizin im Spannungsfeld zwischen Zukunft und Tradition. In B. Kortendiek, B. Riegraf, &amp; K. Sabisch (Eds.), <em>Handbuch Interdisziplin\u00e4re Geschlechterforschung<\/em> (pp. 741-750). Springer VS <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-658-12496-0_139\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-658-12496-0_139 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ohan, J. L., &amp; Visser, T. A. W. (2009). Why Is There a Gender Gap in Children Presenting for Attention Deficit\/Hyperactivity Disorder Services? <em>Journal of Clinical Child &amp; Adolescent Psychology<\/em>,<em> 38<\/em>(5), 650-660. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/15374410903103627\">https:\/\/doi.org\/10.1080\/15374410903103627 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Petermann, F., &amp; Ruhl, U. (2011). Aufmerksamkeitsdefizit-\/Hyperaktivit\u00e4tsst\u00f6rungen (ADHS). In H.-U. Wittchen &amp; J. Hoyer (Eds.), <em>Klinische Psychologie &amp; Psychotherapie<\/em> (pp. 673-695). Springer Berlin Heidelberg. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-642-13018-2_32\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-642-13018-2_32 <span><a href=\"\"><\/a><\/span><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>P\u00f6ge, K., Dennert, G., Koppe, U., G\u00fcldenring, A., Matthigack, E. B., &amp; Rommel, A. (2020). The health of lesbian, gay, bisexual, transgender and intersex people. <em>J Health Monit<\/em>,<em> 5<\/em>(1), 2-27. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.25646\/6449\">https:\/\/doi.org\/10.25646\/6449 <span><a href=\"\"><\/a><\/span><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Pryzgoda, J., &amp; Chrisler, J. C. (2000). Definitions of Gender and Sex: The Subtleties of Meaning. <em>Sex Roles<\/em>,<em> 43<\/em>(7), 553-569. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1023\/A:1007123617636\">https:\/\/doi.org\/10.1023\/A:1007123617636 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Quinn, P. O., &amp; Madhoo, M. (2014). A review of attention-deficit\/hyperactivity disorder in women and girls: uncovering this hidden diagnosis. <em>Prim Care Companion CNS Disord<\/em>,<em> 16<\/em>(3). <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.4088\/PCC.13r01596\">https:\/\/doi.org\/10.4088\/PCC.13r01596 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Regitz-Zagrosek, V. (2018). Gesundheit, Krankheit und Geschlecht. <em>Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/270310\/gesundheit-krankheit-und-geschlecht\/\">https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/270310\/gesundheit-krankheit-und-geschlecht\/<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Sciutto, M. J., Nolfi, C. J., &amp; Bluhm, C. (2004). Effects of Child Gender and Symptom Type on Referrals for ADHD by Elementary School Teachers. <em>Journal of Emotional and Behavioural Disorders<\/em>,<em> 12<\/em>(4), 247-253. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/10634266040120040501\">https:\/\/doi.org\/10.1177\/10634266040120040501 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Sonnenmoser, M. (2011). Psychotherapie mit M\u00e4nnern: Was sie wirklich wollen. <em>Deutsches \u00c4rzteblatt<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Tischler, L., Schmidt, S., Petermann, F., &amp; Koglin, U. (2010). ADHS im Jugendalter: Symptomwandel und Konsequenzen f\u00fcr Forschung und klinische Praxis. <em>Zeitschrift f\u00fcr Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie<\/em>,<em> 58<\/em>(1), 23-34. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1024\/1661-4747.a000003\">https:\/\/doi.org\/10.1024\/1661-4747.a000003 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>von der Brelie, K. (2021). \u201eAlles, was ich angefasst habe, war ein Fehler\u201c: Wie es ist, mit Ende 30 eine ADHS-Diagnose zu erhalten. <em>RedaktionsNetzwerk Deutschland<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/wissen\/adhs-diagnose-mit-ende-30-alles-was-ich-angefasst-habe-war-ein-fehler-35JPW32JVLTRBEJHBKSS34MJOLPJQ.html\">https:\/\/www.rnd.de\/wissen\/adhs-diagnose-mit-ende-30-alles-was-ich-angefasst-habe-war-ein-fehler-35JPW32JVLTRBEJHBKSS34MJOLPJQ.html<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Weyrerer, M. (2021). Medikamente, Crash-Dummys, Fu\u00dfballschuhe \u2013 M\u00e4nner als Ma\u00df der Dinge. <em>Augsburger Allgemeine<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/Journal\/Interview-Medikamente-Crash-Dummys-Fussballschuhe-Maenner-als-Mass-der-Dinge-id59618921.html\">https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/Journal\/Interview-Medikamente-Crash-Dummys-Fussballschuhe-Maenner-als-Mass-der-Dinge-id59618921.html<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Young, S., Adamo, N., \u00c1sgeirsd\u00f3ttir, B. B., Branney, P., Beckett, M., Colley, W., Woodhouse, E. (2020). Females with ADHD: An expert consensus statement taking a lifespan approach providing guidance for the identification and treatment of attention-deficit\/ hyperactivity disorder in girls and women. <em>BMC Psychiatry<\/em>,<em> 20<\/em>(1), 404. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1186\/s12888-020-02707-9\">https:\/\/doi.org\/10.1186\/s12888-020-02707-9 <\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p>Quelle: Lara Alexandra Bellu, <em>Geschlechtssensible Medizin: Hintergrund und Notwendigkeit am Beispiel der Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivit\u00e4ts-St\u00f6rung (ADHS)<\/em>, in: Blog ABV Gender- und Diversitykompetenz FU Berlin, 07.11.2022, <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=303\">https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=303<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hintergrund und Notwendigkeit am Beispiel der Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivit\u00e4ts-St\u00f6rung (ADHS) Lara Alexandra Bellu (SoSe 2022) 1. Begriffskl\u00e4rungen und Hintergr\u00fcnde Unter sex wird das biologische Geschlecht einer Person verstanden (Muehlenhard &amp; Peterson, 2011). Damit zusammenh\u00e4ngend sind Geschlechtschromosomen, Keimanlagen, prim\u00e4re und sekund\u00e4re Geschlechtsorgane (Muehlenhard &amp; Peterson, 2011). Menschen, die sich der Binarit\u00e4t von weiblich\/m\u00e4nnlich zuordnen, werden als endogeschlechtlich bezeichnet &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/2022\/11\/07\/geschlechtssensible-medizin\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eGeschlechtssensible Medizin\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2643,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[327720],"tags":[449588,62750],"class_list":["post-303","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-essay","tag-geschlechtssensible-medizin","tag-gesundheit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/303","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2643"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=303"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/303\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":319,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/303\/revisions\/319"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=303"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=303"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=303"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}