{"id":380,"date":"2023-07-20T11:01:05","date_gmt":"2023-07-20T09:01:05","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=380"},"modified":"2023-07-20T11:03:04","modified_gmt":"2023-07-20T09:03:04","slug":"where-are-you-from","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/2023\/07\/20\/where-are-you-from\/","title":{"rendered":"\u00a0Where Are You From?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Inwieweit hinter dieser Frage Rassismus steckt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">JeongA Hwang (WiSe 2022\/23)<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. <strong>\u201eWhere are you from?\u201d<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><em>&#8211; <strong>Wie sind meine Erfahrungen mit dieser Frage?<\/strong><\/em><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">In den 4 Jahren, die ich in Deutschland lebe, bin ich dieser Frage unz\u00e4hlige Male begegnet. In meiner Erinnerung waren die Menschen, die nach meiner Herkunft gefragt haben, meist Wei\u00df. Sie stellten mir unerwartet auf der Stra\u00dfe, in einem Restaurant, in einem Wartezimmer, irgendwo, solche Fragen, ohne dass wir davor ein Gespr\u00e4ch f\u00fchrten. Wenn jemand Deutsch spricht, fragte diese Person mich nicht auf Deutsch \u201eWoher kommst du?\u201c, sondern erstmal immer auf Englisch: \u201e<em>Where are you from?<\/em>\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Male habe ich diese Situation so empfunden, als wolle diese Person mit mir Smalltalk f\u00fchren. Als dies allerdings immer wieder passierte, f\u00fchlte ich mich sehr unwohl. Daher m\u00f6chte ich in diesem Essay erstens meine Reflexion mit dieser Frage beschreiben und folglich darauf eingehen, warum \u201e<em>Where are you from?<\/em>\u201c-Frage eine rassistische Frage ist, wie meine ethnische Identit\u00e4t als asiatisch bestimmt wird und welche Konsequenzen <em>racial microaggression<\/em> im Zusammenhang mit der Fremdzuschreibung mit sich bringen kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8211; <strong><em>Reflexion<\/em><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Ich wurde zuletzt vor zwei Wochen (Mitte April 2023) gefragt, wo ich herkomme. Ich hatte mich in einer Bar mit meinen Freundinnen getroffen. Wir alle kommen aus S\u00fcdkorea, leben seit einigen Jahren in Deutschland und k\u00f6nnen Deutsch sprechen. W\u00e4hrend wir uns in unsere Sprache unterhielten, kam eine Gruppe von etwa 8-9 gut gekleideten wei\u00dfen Menschen und nahmen den Platz neben uns ein. Sie schienen unter Kolleginnen und Kollegen zu sein. Ich bemerkte, dass sie sich auf Deutsch unterhielten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als eine von uns zum Rauchen kurz weg war, nahm eine Person von ihnen pl\u00f6tzlich einen unserer St\u00fchle weg, obwohl noch viele \u00fcbrige danebenstanden. Daraufhin sprach eine meiner Freundinnen diese Person an: \u201eDer Stuhl ist besetzt. Sie k\u00f6nnen daneben einen anderen nehmen.\u201c Diese reagierte daraufhin l\u00e4stig und antwortete auf Englisch \u201eI know, I know. I will give it back to her soon.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wir f\u00fchlten uns gekr\u00e4nkt, taten aber so, als w\u00fcrde es uns nicht st\u00f6ren, weil wir unser gutes Treffen nicht zerst\u00f6ren wollten. In der darauffolgenden Stunde starrte jedoch eine andere Person von ihnen uns an, w\u00e4hrend wir uns unterhielten, und kam schlie\u00dflich mit einem entschlossenen Gesicht zu uns und fragte:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eHey, Where are you from?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eine von uns hatte auf Deutsch darauf geantwortet, weil sie schon wusste, dass jene Person Deutsch sprechen kann:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAus Berlin.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Daraufhin dachte diese einen Moment nach:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAh, Ihr k\u00f6nnt Deutsch. Ich meinte, wo eure Sprache herkommt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich fragte mich, warum diese Person uns so was fragte. Aber wir versuchten nett zu bleiben:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist Koreanisch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem sie unsere Antwort h\u00f6rte, hat sie mit einem fr\u00f6hlichen Gesicht zu uns gesagt:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAchso, Ich habe \u00e4hnliche Sprache geh\u00f6rt, als ich in Singapur war!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Unterhaltung mit dieser Person hatte ich unerkl\u00e4rlich schlechte Laune bekommen und unser angenehmer Abend war ruiniert. Ich kann nicht anders als zu wiederholen, warum sie uns gefragt hat, woher wir kommen, warum wir ihr das sagen m\u00fcssen, und was f\u00fcr ein Zusammenhang zwischen Korea und Singapur f\u00fcr diese Person besteht, dass sie uns das ohne \u00dcberlegung fragen kann. Nach kurzem Nachdenken kam ich zum Ergebnis, dass solche Haltung gegen\u00fcber uns eindeutig rassistisch ist und dass diese Person uns aufgrund unseres Aussehens als asiatisch betrachtet hat. Jedoch meinte eine von uns, dass wir nicht beleidigt sein sollten und dass diese Person uns nicht mit schlechten Absichten gefragt hat. Daher musste ich mich nochmal fragen, ob mein schlechtes Gef\u00fchl richtig war. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. <strong>Was st\u00f6rt mich an dieser Frage?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8211; <strong><em>Racial Microaggression<\/em><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Rassismus ist eine Form von Diskriminierung. Rassismus richtet sich vorwiegend gegen BIPoC (Der Begriff bezieht sich auf Schwarze, Indigene und People of Color.) um diese aufgrund ihrer Herkunft, Farbe, Haare, Namen, Sprache, usw. zu entwerten, abzugrenzen und zu diskriminieren, ohne die individuellen Eigenschaften von betroffenen Menschen zu ber\u00fccksichtigen.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Rassistische Handlungen k\u00f6nnen nicht nur K\u00f6rperverletzung, verbale Herabsetzung und feindselige Darstellungen, sondern auch Komplimente und Gef\u00e4lligkeiten sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Begriff Mikroaggressionen verwendete Harvard Professor Dr. Chester M. Pierce zum ersten Mal im Jahr 1970, um die Angriffe auf die W\u00fcrde schwarzer Menschen bei Begegnungen zwischen wei\u00dfen und schwarzen Menschen im US-Kontext zu bezeichnen und darzustellen. Laut Pierce sind Mikroaggression \u00c4u\u00dferungen in der allt\u00e4glichen Kommunikation, die als \u00fcbergriffig wahrgenommen werden und die der andere Person bewusst oder unbewusst abwertende Botschaften \u00fcbermitteln, welche sich auf deren Gruppenzugeh\u00f6rigkeit beziehen.<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a> In seinem Artikel <em>An Experiment In Racism TV Commercials (1977) <\/em>beschrieb er,<em>\u201cthe chief vehicle for proracist behaviors is microaggression<\/em>\u201d (1977: 65).<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Jahre wurde dieser Begriff und diese Form von Rassismus weiter erforscht. Nach Solorzano, Ceja und Yosso wurde rassistische Mikroaggression wie folgt definiert: \u201c<em>subtle insults (verbal, non-verbal, and\/or visual) directed toward people of color, often automatically or unconsciously<\/em>\u201d (2000: 60). Derald W. Sue teilt mit seinen Kolleginnen und Kollegen interpersonelle rassistische Mikroaggression in drei Ebenen ein: Erstens bezeichnen Mikroangriffe (<em>microassaults<\/em>) vors\u00e4tzliche diskriminierende Angriffe, die den Angegriffenen verbal oder nonverbal herabsetzen oder verletzen. Dies gleicht dem klassischen und offenen Rassismus, weshalb sie in der Forschung zur Mikroaggression selten erw\u00e4hnt werden. Zweitens sind Mikrobeleidigungen (<em>microinsults<\/em>) unh\u00f6fliche oder unsensible, instinktlose \u00c4u\u00dferungen, die die Herkunft oder Identit\u00e4t des Angegriffenen betreffen. Sie sind unterschwellig und deuten an, dass die Angegriffenen weniger wert sind. Schlie\u00dflich beziehen sich Mikroentwertungen (<em>microinvalidations<\/em>) auf Aussagen, die die rassistischen Erfahrungen von BIPoC ignorieren oder entkr\u00e4ften. Wenn die Angegriffenen dies verwerfen, k\u00f6nnen die Angreifer diese unter dem Deckmantel des \u201eKompliments\u201c (z.B. Du kannst gut Deutsch!), des \u201egut gemeinte\u201c Widerstandes (z.B. Ich sehe keine Farben) oder der Zurechtweisung (z.B. sei nicht so sensibel!) zur\u00fcckschlagen. Die Frage \u201eWoher kommst du?\u201c\/ <em>\u201eWhere are you from?\u201c <\/em>geh\u00f6rt dazu.<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Rassistische Mikroaggressionen treten in den einzelnen Interaktionen zwischen den T\u00e4ter:innen und den Opfern auf, weshalb sie als \u201amikro\u201c bezeichnet werden. Dar\u00fcber hinaus kann es passieren, dass weder die T\u00e4ter:innen noch die Opfer sie als eine Form von Aggressionen bemerken, da die T\u00e4ter:innen sich scheinbar unabsichtlich rassistisch \u00e4u\u00dfern. Williams demonstrierte jedoch, dass rassistische Mikroaggression tats\u00e4chlich beleidigend und aggressiv genug sei, weil die Opfer vorher bereits Mikroaggression erlebt h\u00e4tten, unabh\u00e4ngig davon, ob die T\u00e4ter:innen absichtlich oder unabsichtlich agieren. In der psychologischen Forschung wurde festgestellt, dass Mikroaggressionen auch einen ebenso gro\u00dfen psychologischen Einfluss auf die Opfer haben, wie andere Formen von Aggressionen. Neben den Auswirkungen auf die Opfer spielen rassistische Mikroaggressionen unter Interaktionen zwischen Wei\u00dfen und BIPoC eine gro\u00dfe Rolle, da die wei\u00dfe Vorherrschaft unbewusst gest\u00fctzt und best\u00e4rkt wird. Die T\u00e4ter:innen dem\u00fctigen oft unbeabsichtigt, weshalb die Opfer in einem Dilemma stecken und sich fragen, ob ihnen wirklich Rassismus widerfahren ist. Ein wichtiger Punkt zum Erkennen der rassistischen Mikroaggression ist es, dass sie aus der Perspektive des Opfers betrachtet werden muss.<a id=\"_ftnref4\" href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> Dementsprechend sind rassistische Mikroaggressionen Aussagen von T\u00e4ter:innen, die absichtlich oder unabsichtlich erfolgen, wobei sie die Opfer abwerten und deren Identit\u00e4ten, Erfahrungen und Wissen unsichtbar machen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. <strong>Was hei\u00dft eigentlich, Asiat:innen zu sein?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8211; <strong><em>Asiatische Identit\u00e4t<\/em><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Seitdem ich in Deutschland lebe, habe ich durch solche oben erw\u00e4hnten Erfahrungen bemerkt, dass ich hier sowohl als Fremde, Ausl\u00e4nderin oder auch als Asiatin angesehen werde. Ich muss mich immer wieder fragen, warum ich nicht als eine Koreanerin, sondern als eine Asiatin wahrgenommen werde und was eigentlich asiatisch bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Asiatische Identit\u00e4t ist eine ethnische Identit\u00e4t, die aufgrund verschiedener Aspekte wie z.B. Herkunft, Kultur, Geschichte und Religion als asiatisch selbst bezeichnet wird, oder vor allem aufgrund des Aussehens von anderem Individuum und andere ethnischen Gruppe als asiatisch zugeschrieben und abgegrenzt wird. Eine asiatisch gelesene Person kann deshalb von anderen als Mitglied einer asiatischen Gruppe behandelt werden, ohne mit dieser wirklich verbunden zu sein oder sich selbst dieser verbunden zu f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedoch ist Asien der gr\u00f6\u00dfte Kontinent unserer Erde. Er vereint verschiedenen Nationen, Kulturen, Geschichten und Religionen und kann deshalb nicht einfach einheitlich angesehen werden. Nun kommt die n\u00e4chste Frage: Welche Personen sind gemeint, wenn \u00fcber \u201eAsiatinnen und Asiaten\u201c gesprochen wird?<\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland werden Menschen aus Westasien in gro\u00dfem Zusammenhang mit der Religion eher als muslimisch wahrgenommen, obwohl der Islam nicht bei allen westasiatischen L\u00e4ndern als offizielle Religion gilt. Au\u00dferdem werden Menschen aus Zentralasien eher mit der ehemaligen Sowjetunion verbunden wahrgenommen. Welche menschliche Gruppe mit dem Asiatischen verkn\u00fcpft sind, wurde von einer Befragung erforscht. Zusammengefasst resultiertet daraus, dass der Gro\u00dfteil der deutschen Bev\u00f6lkerung vor allem Menschen aus China, Japan, S\u00fcdkorea, Thailand, Indien und Vietnam mit Asien verkn\u00fcpft.<a id=\"_ftnref5\" href=\"#_ftn5\">[5]<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8211; <strong><em>Asiant:innen sind Forever Foreigners<\/em><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich mich damit befassen, wie asiatisch wahrgenommene Menschen in der wei\u00dfen Dominanzgesellschaft stereotypisiert und dargestellt werden, welche Bedeutung dahintersteckt und welche Konsequenz dies mit sich bringt, beispielsweise f\u00fcr die Corona-Pandemie.<\/p>\n\n\n\n<p>Asiatisch gelesene Menschen in Deutschland oder in anderen wei\u00dfen Dominanzgesellschaften werden in widerspr\u00fcchlichen Dimensionen sowohl positiv als auch negativ wahrgenommen. Einerseits werden sie als &#8222;Vorzeigemigrant*innen&#8220; beschrieben und mit anderen (post-)migrantischen Gruppen verglichen, egal ob sie das wollen oder nicht. Andererseits werden sie als \u201eG**** Gefahr\u201c<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\">[6]<\/a> dargestellt, einer homogene Masse, welche die wei\u00dfe Bev\u00f6lkerungen gesundheitlich, \u00f6konomisch, usw. gef\u00e4hrden.<a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Geschlechtsspezifisch werden asiatisch weiblich gelesene Menschen hypersexualisiert und ihnen Eigenschaften wie \u201egehorsam\u201c und \u201eunterw\u00fcrfig\u201c zugeordnet, w\u00e4hrend asiatische m\u00e4nnlich gelesene Menschen, je nach Narrativ, eher als de-sexualisiert dargestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wei\u00dfe Menschen glauben, dass asiatisch gelesene Menschen sich in ihre Gesellschaft integrieren wollen. Aufgrund des existierenden Rufes der asiatisch gelesenen Menschen sind wei\u00dfe Menschen nicht dagegen, sie in ihre Gruppen aufzunehmen. Dadurch scheinen asiatisch gelesene Menschen leichter der wei\u00dfen Dominantgesellschaft anzugeh\u00f6ren als andere BIPoC. Tats\u00e4chlich werden sie in dieser Gesellschaft jedoch als \u201e<em>forever foreigners<\/em>\u201c angesehen und erfahren verschiedene Formen von Marginalisierung und Ausgrenzung.<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die stereotypisierten Darstellungen, die Asien aus westlichem Blick zugeschrieben werden, stehen im Zusammenhang mit dem Konzept des \u201eOrientalismus\u201c von Said. Ihm zufolge definiert der Westen sich selbst als \u00fcberlegene Zivilisation, den Osten dagegen als \u201eexotische\u201c und \u201eminderwertige, unterlegende\u201c Zivilisation und den Osten als \u201eAndere\u201c, die \u201eUns\u201c st\u00e4ndig bedrohen. Mit diesen in westlichen Gesellschaften tief verwurzelten orientalistischen Ideen sind die asiatisch gelesenen Menschen den Wei\u00dfen unterlegene und dauerhaft bedrohliche Ausl\u00e4nder:innen, unabh\u00e4ngig davon, wie lange sie in Deutschland leben, ob sie in Deutschland geboren sind, oder wie gut sie Deutsch k\u00f6nnen und wie gut sie in die deutsche Gesellschaft integriert sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Wissenschaftler:innen behaupten, dass die positive Zuschreibung (asiatisch gelesene Menschen als \u201eVorzeigemigrant:innen\u201c) auch wie ein \u201e<em>camouflaged Orientalism<\/em>\u201c wirkt. Dies liegt daran, dass Druck auf asiatisch gelesene Menschen ausge\u00fcbt wird, sich \u201evorbildlich\u201c zu verhalten und sich an die wei\u00dfe Dominantgesellschaft anzupassen. \u201eG**** Gefahr\u201c hingegen ist ein negativerer und deutlich rassistischerer Ausdruck und spiegelt sehr direkt den Orientalismus wider. Hierbei werden asiatisch gelesene Menschen erniedrigt, da sie kulturell und politisch den Wei\u00dfen unterlegen und dabei bedrohlich f\u00fcr Wei\u00dfe seien.<a href=\"#_ftn9\" id=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Diese beiden Narrative markieren asiatisch gelesenen Menschen als permanente \u201eAusl\u00e4nder:innen\u201c oder \u201eAndere\u201c, die sich nie in Wei\u00dfe dominierende Gesellschaft integrieren. Dieser Blick auf Asiatinnen und Asiaten kommt im Alltag in Form von rassistischer Mikroaggression zum Ausdruck, in einer nationalen Krise tritt er jedoch in einer kollektiveren und gewaltt\u00e4tigeren Form auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel hierf\u00fcr ist die Covid-19-Pandemie. W\u00e4hrend der Pandemie verbreiteten sich in den deutschen Medien negative Verschw\u00f6rungstheorien \u00fcber China, was zu einem Anstieg der Antichina- und Antiasien-Stimmung f\u00fchrte. Infolgedessen sind nicht nur Chinesinnen und Chinesen, sondern auch alle asiatische wahrgenommenen Menschen von Gewalt und Diskriminierung betroffen, weil sie \u201ewie Chinesinnen und Chinesen aussehen&#8220; oder weil die falsche Vorstellung besteht, dass alle Asiatinnen und Asiaten aus China kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Antiasiatischer Rassismus geschieht aus solchen falschen Darstellungen in sehr umfangreichen Formen, z.B. verbalen Mikroaggressionen, struktureller Diskriminierung und k\u00f6rperlichen Angriffen, oder im schlimmsten Fall sogar Mord. In diesem Kontext fand eine Rassifizierung und Kulturalisierung eines biologischen Ph\u00e4nomens statt. Der Virus wurde asiatisch gelesenen K\u00f6rpern zugeschrieben und asiatisch gelesenen Menschen wurde die Schuld f\u00fcr die vermeintliche Verbreitung des Virus zugewiesen. Asiatinnen und Asiaten erleben in Krisenzeiten \u201eOthering&#8220; von anderen ethnischen Gruppen. Durch \u201eOthering&#8220; werden sie f\u00fcr ihre Lebensweise und ihre kulturellen Merkmale verurteilt, stigmatisiert und f\u00fcr das Verursachen und Verbreiten der Krise verantwortlich gemacht. Dies impliziert, dass Asiatinnen und Asiaten nicht als Mitglieder:innen der deutschen Gesellschaft anerkannt werden, sondern Andere sind, die jederzeit ausgeschlossen werden k\u00f6nnen, wenn die Dominanzgesellschaft sie nicht mehr will.<a id=\"_ftnref10\" href=\"#_ftn10\">[10]<\/a> Covid-19 deutet in verschiedenen Formen von Othering und Rassismus an, dass Asiatinnen und Asiaten in Deutschland immer noch als permanente Ausl\u00e4nder:innen gelten und dabei ihre eigene Erfahrungen ignoriert wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. <strong>Ausblick<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Rassistische Mikroaggressiontritt normalerweise in interpersoneller Kommunikation auf. Dabei wird sie m\u00f6glicherweise nicht als rassistische Haltung wahrgenommen und ihre Auswirkung auf die Betroffenen wird untersch\u00e4tzt. Allerdings kann sich daraus eine kollektive, gewaltt\u00e4tige und strukturelle Form von Rassismus ergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem mit rassistischer Mikroaggression und antiasiatischem Rassismus besteht darin, dass sie weniger im Vergleich zu Rassismus gegen andere BIPoC erforscht und erkannt wird. Aufgrund des Blicks, dass Asiatinnen und Asiaten vorbildlich sein sollen, wird ihr Leben in der deutschen Gesellschaft unsichtbar. Dadurch bleibt die antiasiatische Diskriminierung, sowie ausgrenzende Situationen gegen\u00fcber Asiatinnen und Asiaten, unsichtbar. Das l\u00e4sst sich unter anderem auf den Mangel an inhaltlicher und personeller Diversit\u00e4t in verschiedenen Bereichen zur\u00fcckf\u00fchren. Insbesondere werden Asiatinnen und Asiaten in Deutschland in der Wissenschaft, in Bildungsinstitutionen, in den Medien und in der Kultur immer noch zu wenig repr\u00e4sentiert. Sie sind z.B. in den meisten Medien abwesend oder erscheinen in einer Art, in der bestimmte Stereotypen verst\u00e4rkt werden, wie beispielsweise als \u201e<em>token asian<\/em>\u201c. Es ist sehr wichtig zu repr\u00e4sentieren und darzustellen, dass Asiatinnen und Asiaten an vielf\u00e4ltigen und vielseitigen Orten auf verschiedene Weise existieren. Dadurch k\u00f6nnen ihre Existenz und ihr Leben in der Gesellschaft sichtbar werden und die \u00d6ffentlichkeit wird gegen\u00fcber antiasiatischem Rassismus sensibilisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit dem Beginn der Pandemie hat antiasiatischer Rassismus in Deutschland bewirkt, dass sich bundesweit Aktivistinnen und Aktivisten aus der Asiatisch-Deutschen Community vernetzen und sich gemeinsam gegen Rassismus engagieren.<a id=\"_ftnref11\" href=\"#_ftn11\">[11]<\/a> Die Selbstbezeichnung \u201eAsiatische Deutsche\u201c wird verwendet, damit viele asiatisch wahrgenommenen Menschen sich politisch gemeinsam positionieren und solidarisieren, um gegen Rassismus zu k\u00e4mpfen.<a id=\"_ftnref12\" href=\"#_ftn12\">[12]<\/a> Sich \u00a0als Asiatinnen und Asiaten zu identifizieren kann einerseits dazu f\u00fchren, sich durch ethno-national-kultureller Kategorisierung von anderen Gruppen abzugrenzen, anderseits mit dieser gemeinsamen Bezeichnung ein Zugeh\u00f6rigkeits- und Gemeinschaftsgef\u00fchl hervorbringen.<a id=\"_ftnref13\" href=\"#_ftn13\">[13]<\/a> Dahingehend k\u00f6nnen Asiatinnen und Asiaten sich zusammenfinden und gegenseitig unterst\u00fctzen, indem sie gemeinsam \u00f6ffentlich ihre Erfahrungen teilen und andere Erfahrungen h\u00f6ren. Dadurch k\u00f6nnen sie stolz darauf bleiben, dass sie Asiatinnen und Asiaten sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Administrator: ASIATISCHE DEUTSCHE &#8211; Migrationsgeschichten, in: Migrationsgeschichten, 15.08.2022, [online] <a href=\"https:\/\/migrations-geschichten.de\/asiatische-deutsche\/.\">https:\/\/migrations-geschichten.de\/asiatische-deutsche\/.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Bildung, Bundeszentrale F\u00fcr Politische: Rassismus, in: bpb.de, 30.11.2022, [online] <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/lexika\/lexikon-in-einfacher-sprache\/322448\/rassismus\/.\">https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/lexika\/lexikon-in-einfacher-sprache\/322448\/rassismus\/.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ha, Kien Nghi: Asiatische Deutsche: Vietnamesische Diaspora and Beyond, 15.01.2021. S. 212-215<\/p>\n\n\n\n<p>Li, Yao\/Harvey L. Nicholson: When \u201cmodel minorities\u201d become \u201cyellow peril\u201d\u2014Othering and the racialization of Asian Americans in the COVID\u201019 pandemic, in: Sociology Compass, Wiley-Blackwell, Bd. 15, Nr. 2, 01.02.2021, [online] doi:10.1111\/soc4.12849, S. 1-13<\/p>\n\n\n\n<p>Nguyen, Kimiko Suda |\u00a0 Sabrina J. Mayer |, Christoph: Antiasiatischer Rassismus in Deutschland, in: bpb.de, 07.12.2021, [online] <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/antirassismus-2020\/316771\/antiasiatischer-rassismus-in-deutschland\/.\">https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/antirassismus-2020\/316771\/antiasiatischer-rassismus-in-deutschland\/.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Pierce, Chester M.\/Jean V. Carew\/Diane Pierce-Gonzalez\/Deborah Wills: An Experiment in Racism, in: Education and Urban Society, SAGE Publishing, Bd. 10, Nr. 1, 01.11.1977, [online] doi:10.1177\/001312457701000105, S. 61\u201387.<\/p>\n\n\n\n<p>Spanierman, Lisa B.\/D Anthony Clark: Racial Microaggressions: Empirical Research that Documents Targets\u2019 Experiences, in: Gesellschaft der Unterschiede, Transcript Verlag, 06.02.2023, [online] doi:10.14361\/9783839461501-008, S. 231\u2013250. <\/p>\n\n\n\n<p>Sue, Stanley\/Christina M. Capodilupo\/Gina C. Torino\/Jennifer Bucceri\/Aisha M. B. Holder\/Kevin L. Nadal\/Marta Esquilin: Racial microaggressions in everyday life: Implications for clinical practice., in: American Psychologist, American Psychological Association, Bd. 62, Nr. 4, 01.05.2007, [online] doi:10.1037\/0003-066x.62.4.271,  S. 271\u2013286.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. Bildung, 2022.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. Spanierman\/Clark, 2023. S. 231<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. Sue et al., 2007. S. 274f<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> <a>Vgl. Spanierman\/Clark, 2023. <\/a>S. 232f<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> <a>vgl. Nguyen, 2021.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> Der Begriff \u201eG**** Gefahr\u201c ist ein Pejorativum aus der Kolonialzeit gegen (s\u00fcd-)ostasiatische V\u00f6lker und eine diskriminierende Bezeichnung f\u00fcr die Betroffenen, deshalb m\u00f6chte ich in diesem Essay nicht direkt verwenden.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> vgl. Nguyen, 2021.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. Li\/Nicholson, 2021. S. 2<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> vgl. Li\/Nicholson, 2021. S. 3f<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\" id=\"_ftn10\">[10]<\/a> vgl. Li\/Nicholson, 2021. 4ff<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\" id=\"_ftn11\">[11]<\/a> vgl. Nguyen, 2021.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\" id=\"_ftn12\">[12]<\/a> Vgl. Administrator, 2022.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn13\" href=\"#_ftnref13\">[13]<\/a> vgl. Ha, 2021. S. 213<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p>Quelle: JeongA Hwang,<strong><em> <\/em><\/strong><em>Where Are You From? Inwieweit hinter dieser Frage Rassismus steckt<\/em>, in: Blog ABV Gender- und Diversitykompetenz FU Berlin, 20.07.2023, <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=380\">https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=380<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inwieweit hinter dieser Frage Rassismus steckt JeongA Hwang (WiSe 2022\/23) 1. \u201eWhere are you from?\u201d &#8211; Wie sind meine Erfahrungen mit dieser Frage? In den 4 Jahren, die ich in Deutschland lebe, bin ich dieser Frage unz\u00e4hlige Male begegnet. In meiner Erinnerung waren die Menschen, die nach meiner Herkunft gefragt haben, meist Wei\u00df. 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