{"id":434,"date":"2024-01-23T13:38:52","date_gmt":"2024-01-23T12:38:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=434"},"modified":"2024-01-23T13:39:00","modified_gmt":"2024-01-23T12:39:00","slug":"global-mediale-verantwortung-und-aufarbeitung-rassistischer-darstellungen-in-disney-klassikern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/2024\/01\/23\/global-mediale-verantwortung-und-aufarbeitung-rassistischer-darstellungen-in-disney-klassikern\/","title":{"rendered":"Global-mediale Verantwortung und Aufarbeitung rassistischer Darstellungen in Disney-Klassikern"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tilde Funk (SoSe 2023) <\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. <strong>Einleitung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Als Kind bin ich mit einigen Disneyklassikern aufgewachsen, besonders gerne haben meine Geschwister und ich Das Dschungelbuch (Wolfgang Reitherman, USA 1967) und Aristocats (Wolfgang Reitherman, USA 1970) gesehen \u2013 so h\u00e4ufig, bis wir alle Lieder auswendig mitsingen konnten. Mittlerweile studiere ich im 7. Semester Filmwissenschaft an der FU und habe mich im Rahmen meines Studiums mit weiteren Disneyklassikern auseinandergesetzt, die ich in meiner Kindheit nicht gesehen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Das im letzten Sommersemester angebotene ABV-Modul zu \u201eGender und Diversity: Decolonize! Intersektionale Perspektiven auf lokale und globale Machtverh\u00e4ltnisse\u201c hat mich einerseits st\u00e4rker bez\u00fcglich kolonialer Geschichte und Kontinuit\u00e4t sensibilisiert, als auch Selbstreflektion angeregt. Von meinem jetzigen Standpunkt aus ergibt sich eine reflektiertere Sichtweise auf die filmischen Darstellungen in Disneyklassikern, die es im Folgenden zu analysieren gilt. Nachdem ich die global-mediale Verantwortung des Konzerns Disney umrahme, wird es um eine Auseinandersetzung mit stereotypen Darstellungsformen rassistischer Art anhand von ausgew\u00e4hlten Beispielen gehen, welche auf den filmischen Umgang mit Kolonialismus \u00fcberleiten. Vor einem abschlie\u00dfenden Ausblick ist es f\u00fcr ein umfassendes Fazit wichtig, sich mit Strategien zur Aufarbeitung rund um das Thema auseinanderzusetzen und zu kl\u00e4ren, inwiefern Disney seine eigenen Filme selbstreflektiv in einen problembewussten Kontext stellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor Beginn meiner Analyse m\u00f6chte ich eine Triggerwarnung aussprechen, da ich mehrere rassistische und sexistische Inhalte, die in den Filmen Disney\u2019s verankert sind, benennen werde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. <strong>Global-mediale Verantwortung des Konzerns Disney<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>\u00bbWhen you take on a Disney animated feature, you know you\u2019re going to be affecting entire generations of human minds.\u00ab<\/em><a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Zitat der Drehbuchautorin Linda Woolverton, welche f\u00fcr <em>The Walt Disney Company<\/em> arbeitete, verdeutliche die gesellschaftliche Verantwortung und einflussreiche Position des Unternehmens auf globaler Ebene<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, dessen Einnahmen 2022 \u00fcber 80 Milliarden US-Dollar betrug<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a>. Hervorzuheben ist der seit 2019 angebotene Streaming-Dienst Disney+, der \u00fcber 100 Millionen User:innen verzeichnen kann und in den n\u00e4chsten Jahren wohl zum gr\u00f6\u00dften globalen Streaming-Anbieter heranwachsen mag<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a>. Durch eine solche Position auf dem Weltmarkt ergibt sich meiner Auffassung nach eine gewisse mediale Verantwortung, beispielsweise bezogen darauf, welche Inhalte welchem Zielpublikum gezeigt werden. Mir ist es wichtig zu betonen, dass ein Unternehmen dieser Art sich stets selbst reflektieren und dar\u00fcber hinaus eigenes Fehlverhalten aufarbeiten sollte. Als einige Faktoren f\u00fcr die global-mediale Verantwortung Disneys fasse ich inhaltliche Sorgfalt in Bezug auf gesellschaftliche Strukturen, Selbstreflektion und Aufarbeitung zusammen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. <strong>Stereotype Darstellungsformen rassistischer Art<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Im Seminar haben wir zum antiasiatischen Rassismus in Deutschland einen Artikel von Kimiko Suda, Sabrina J. Mayer und Christoph Nguyen besprochen und diskutiert, der in der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung ver\u00f6ffentlicht wurde. Insbesondere wurde betont, dass jene Form von Rassismus kaum historisch aufgearbeitet ist<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[5]<\/a>. Bei der Sichtung einiger Disney-Klassiker sind mir mehrfach antiasiatisch-rassistische Darstellungen aufgefallen, die in ihrer filmischen Umsetzung von stereotypen Diskriminierungsmustern gepr\u00e4gt sind. Bei Susi &amp; Strolch (Clyde Geronimi, Wilfred Jackson, Hamilton Luske, USA 1955) zeichnen sich zwei Siamkatzen durch ihr hinterh\u00e4ltiges und manipulatives Verhalten aus. Diese negative Konnotation wird auf sprachlicher Ebene durch ein von ihnen gesungenes Lied verst\u00e4rkt und mit ihrer kulturellen Identit\u00e4t in Verbindung gebracht, um ein rassistisches Bild zu kreieren: \u201eWir sind Siamesen und zwar echte, wir behandeln andere wie Knechte.\u201c. Diese Formulierung l\u00e4sst sich nur in der deutschen Synchronfassung, nicht in der US-amerikanischen Originalversion finden, jedoch zieht sich in letzterer eine lispelnde Betonung in Kombination mit Grammatikfehlern als rassistisches Stereotyp durch die Performance. Zu diesem Stereotyp l\u00e4sst sich das identische Aussehen der Katzen, sowie die geschlitzte Form der Augen, gro\u00dfe Schneidez\u00e4hne und gelbes Fell hinzuf\u00fcgen<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\">[6]<\/a>. Auf mich wirken die Katzen in ihren synchronen Bewegungen und Blicken unheimlich, sowohl beim ersten Sehen des Filmes in meiner Kindheit, als auch bei einer erneuten, aktuellen Sichtung. Auch in Aristocats&nbsp; l\u00e4sst sich eine \u00e4hnliche antiasiatisch-rassistische Darstellung finden. Die audiovisuelle Portraitierung der Figur wirkt wie eine Karikatur; sie gibt, mit stark geschlitzten Augen, Hasenz\u00e4hnen und einer heraush\u00e4ngenden Zunge versehen, unverst\u00e4ndliche und zusammenhangslose Laute von sich, w\u00e4hrend die anderen Figuren um sie herum im Kollektiv ein Lied singen. Dazu spielt sie mit Essst\u00e4bchen auf einer Klaviatur. Die dem Aussehen einer Siamkatze entsprechende Figur wird als <em>Chinese Cat<\/em> vorgestellt; nebenbei ist zu erw\u00e4hnen, dass die Siamkatze ihren Ursprung urspr\u00fcnglich im heutigen Thailand hat. In Aristocats handelt es sich bei der einzigen als asiatisch portraitierten Figur um eine rassistische, vermutlich zu humoristischen Zwecken, ins L\u00e4cherliche gezogene Darstellung.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben diesen genannten antiasiatisch-rassistischen filmischen Darstellungen lassen sich in den Disneyklassikern zahlreiche andere Formen rassistischer Kennzeichnungen finden. Auch Jahrzehnte sp\u00e4ter, in den 1990er-Jahren, vermittelt beispielsweise Aladdin (John Musker, Ron Clements, USA 1992) insbesondere durch zahlreiche brutale Figuren eine unsensible und unauthentische Darstellung der arabischen Kultur, die rassistische Vorurteile festige<a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\">[7]<\/a>. Wie ich zu Beginn erl\u00e4uterte, war Das Dschungelbuch fr\u00fcher einer meiner Lieblingsfilme. Dass er von rassistischen Strukturen durchzogen ist, habe ich erst nach der aktuellen Sichtung f\u00fcr dieses Essay erkannt, nachdem ich erg\u00e4nzend recherchiert habe. Im politischen Kontext des Entstehungszeitraumes Ende der 1960er-Jahre in den USA kann die Darstellung der Affenfiguren im Film als eine ins L\u00e4cherliche gezogene Karikatur der afroamerikanischen B\u00fcrgerrechtsbewegung aufgefasst werden<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\">[8]<\/a>. Speziell das Oberhaupt der Affenbande, King Louie, welcher das Lied \u201eIch w\u00e4re so gern wie du\u201c singst, wird hervorgehoben. Inhaltlich sind die Versionen der Liedtexte im Englischen und Deutschen fast identisch. King Louie wird gegen\u00fcber Mogli, dem menschlichen Protagonisten, herabgestuft und scheint sich gleichzeitig zu w\u00fcnschen, jenem ebenb\u00fcrtig zu sein. Im Englischen hat seine Synchronstimme einen afroamerikanischen Akzent \u2013 an dieser Stelle der Hinweis, dass der Synchronsprecher Louis Prima nicht afroamerikanischer Herkunft war. Disney l\u00e4sst auf diese Art und Weise der audiovisuellen Darbietung, die durch Gesten primitiv erscheinenden Affen mit afroamerikanischen Menschen assoziieren. King Louie betont im sich schnell in einen Ohrwurm entwickelnden Lied mehrfach den Wunsch, zivilisierter zu sein und best\u00e4rkt somit das rassistische Stereotyp einmal mehr, unzivilisiertes Verhalten und fehlende Kompetenz mit schwarzen Menschen zu verkn\u00fcpfen. In Dumbo (Ben Sharpsteen, USA 1941) hingegen singen schwarze Arbeiter \u201eWenn andere ins Bett gehen, schuften wir uns ab, bis wir sterben\u201c, jedoch nicht etwa sich \u00fcber die Umst\u00e4nde beschwerend, sondern in einem fr\u00f6hlichen Tonfall mit heiterer Melodie, was als eindeutige Verharmlosung von Sklavenarbeit verstanden werden kann und auf koloniale Strukturen verweist. Interessant ist an dieser Stelle, dass die deutsche Synchronisation inhaltlich dramatischer erscheint; im Englischen hei\u00dft es hingegen: &#8222;When we get our pay, we throw our money all away.&#8220; &#8211; hier wird den arbeitenden schwarzen Menschen ein kompetenter Umgang mit Geld abgesprochen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. <strong>Umgang mit Kolonialismus<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ebenfalls zeigt sich ein filmisches Aufgreifen von Kolonialismus zum Beispiel in Pocahontas (Mike Gabriel, Eric Goldberg, USA 1995) und Peter Pan (Hamilton Luske, Clyde Geronimi, Wilfred Jackson, USA 1953). W\u00e4hrend in Pocahontas die Synchronstimmen von Native Americans im Original gesprochen wurden, wurde hingegen der Inhalt der Erz\u00e4hlung in historischer Sicht faktisch falsch wiedergegeben und idealisiert, was f\u00fcr Kritik sorgte und zum Vorwurf der Geschichtsverf\u00e4lschung f\u00fchrte<a href=\"#_ftn9\" id=\"_ftnref9\">[9]<\/a>. Die Konfliktparteien, kolonialistisches Gedankengut durchzusetzen versuchende Engl\u00e4nder und amerikanische Ureinwohner, werden deutlich gegen\u00fcbergestellt und bek\u00e4mpfen sich innerhalb der Handlung gegenseitig, sodass das Konzept des Kolonialismus negativ konnotiert wird. Meiner Auffassung nach tritt jedoch die idealisierte Liebeserz\u00e4hlung von Pocahontas und John Smith zu sehr in den Vordergrund, sodass die koloniale Geschichte Amerikas heruntergebrochen wird. Ein stereotypes rassistisches Klischee der Ureinwohner wird visuell aufgegriffen, indem ihre Haut r\u00f6tlich animiert ist. Auff\u00e4llig und ebenfalls problematisch ist, dass die Protagonistin Pocahontas in etwas hellerer Haut dargestellt wird und wie viele weibliche Disney-Figuren sexualisiert wird. In Peter Pan werden in der Handlung ebenfalls Indigene durch eine rote Hautfarbe und die Bezeichnung als \u201eRoth\u00e4ute\u201c rassifiziert. Ein weiteres Beispiel f\u00fcr die koloniale Darstellung einer Figur l\u00e4sst sich in Tarzan (Kevin Lima, Chris Buck, USA 1999) finden. Der Kolonialismus findet sich in der Inszenierung der menschlichen Figur Tarzans insofern wieder, als dass jener am Ende der Erz\u00e4hlung Anf\u00fchrer der Affengruppe wird, die ihn gro\u00dfgezogen hat. Er hat von ihnen profitiert und sie dennoch in Gefahr gebracht, da er den Forscher Mr. Porter, seine Tochter, sp\u00e4tere Geliebte Tarzans, Jane und den J\u00e4ger Clayton zu den Affen gef\u00fchrt hat, wobei bei letzterem das kolonialistische Gedankengut am deutlichsten wird und in einem Kampf mit den Affen m\u00fcndet. Offensichtlich durch die Tatsache, dass es sich um britische Figuren handelt, und wenn wir die Affen \u00e4hnlich wie schon im Dschungelbuch als \u201ecolonized natives\u201c<a href=\"#_ftn10\" id=\"_ftnref10\">[10]<\/a> verstehen, ergibt sich der koloniale Kontext. Dadurch, dass Jane, ihr Vater und Tarzan bei den Affen bleiben und insbesondere letzterer zum Anf\u00fchrer der Gruppe wird, ergibt sich eine koloniale Kontinuit\u00e4t im vermeintlichen Happy End, da der inszenierte B\u00f6sewicht Clayton gestorben ist. Jene Kontinuit\u00e4t ergibt sich im Ausblick auch dadurch, dass m\u00f6gliche Kinder von Tarzan und Jane die F\u00fchrungsposition innerhalb der Affengruppe mit gr\u00f6\u00dfter Wahrscheinlichkeit einnehmen w\u00fcrden. Dadurch, dass die Erz\u00e4hlung lokal-geographisch und temporal nicht genau umrahmt wird<a href=\"#_ftn11\" id=\"_ftnref11\">[11]<\/a>, sich jedoch eindeutig aus einer westlichen Perspektive heraus entwickelt &#8211; und im bekannten Stil Disneys zum wiederholten Male mit Tierfiguren statt menschlichen, verschiedenen Kulturen zugeh\u00f6rigen, Figuren gearbeitet wird, mag der Vorwurf dieser kolonialen Darstellung entkr\u00e4ftigt werden, obgleich er so offensichtlich scheint.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. <strong>Aufarbeitung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Nach einer analytischen Umrahmung der verschiedenen rassistischen Darstellungsformen von Figuren, die Stereotype bekr\u00e4ftigen und dahingehend zur Verfestigung von rassistischen Vorurteilen f\u00fchren k\u00f6nnen, stellt sich die Frage, inwiefern jene zutiefst falsche und diskriminierende Formen vom Konzern Disney aufarbeitet werden. Wenn Menschen mit rassistischem filmischem Material aufgewachsen sind, sollten sie dar\u00fcber informiert werden, denn als Kinder werden wir von den uns emotional affizierenden Filmen auf eine gewisse Art und Weise gepr\u00e4gt und k\u00f6nnen Informationen \u00fcber beispielsweise Weltanschauungen diesen Formaten entnehmen, was insbesondere dann gef\u00e4hrlich ist, wenn unbewusst rassistische Bilder verinnerlicht werden und somit theoretisch weiter projiziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2019 wird auf der Streaming-Plattform Disney+ vor bestimmten Filmen, wie unter anderem Aristocats, Das Dschungelbuch, Dumbo und Peter Pan, ein warnender Hinweis vor Beginn des Vorspanns eingeblendet, der auf rassistische Darstellungen verweist und jene als falsch einstuft. Im Englischen lautet dieser:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eThis programme includes negative depictions and\/or mistreatment of people or cultures. These stereotypes were wrong then and are wrong now. Rather than remove this content, we want to acknowledge its harmful impact, learn from it and spark conversation to create a more inclusive future together. Disney is committed to creating stories with inspirational and aspirational themes that reflect the rich diversity of the human experience around the globe. To learn more about how stories have impacted society visit: www.Disney.com\/StoriesMatter\u201d.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Seit Januar 2021 haben Kinderprofile, f\u00fcr alle User:innen unter 12 Jahren, keinen Zugriff mehr auf all die Filme, die mit einer solchen Warnung ausgestattet sind. Es l\u00e4sst sich diskutieren, ob die Filme komplett aus dem Sortiment genommen werden oder nur mit warnenden Hinweisen versehen werden sollten. Meiner Auffassung nach war die Entscheidung, jene Filme f\u00fcr Kinderprofile zu sperren, vern\u00fcnftig und notwendig. Kinder werden so davor gesch\u00fctzt, rassistische Darstellungen und diskriminierende Werte unbewusst aufzunehmen und anschlie\u00dfend selbst zu reproduzieren. Zus\u00e4tzlich werden sie davor gesch\u00fctzt, selbst Diskriminierungserfahrungen beim Sichten der Filme zu durchleben. Die Filme mit Warnungen zu versehen und f\u00fcr Jugendliche und Erwachsene weiterhin zur Verf\u00fcgung zu stellen empfinde ich als richtig und \u00e4u\u00dferst wichtig, um die historische Aufarbeitung weiter in Gang zu setzen, Fehler klar zu benennen und den Zuschauer:innen eine Selbstreflektion im Sehprozess zu erm\u00f6glichen. Au\u00dferdem ist es wichtig, eine Art der Triggerwarnung zu geben, damit von Diskriminierungsmustern betroffene Personen selbst entscheiden k\u00f6nnen, ob sie das Material sichten wollen oder sich bewusst vor einer Konfrontation sch\u00fctzen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meinem Eindruck nach bem\u00fcht sich Disney, rassistische Darstellungen als falsch zu benennen und genau zu erkl\u00e4ren, beispielsweise wird auf der verlinkten Internetseite genaueres zu Peter Pan verfasst:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u00ad\u201eThe film portrays Native people in a stereotypical manner that reflects neither the diversity of Native peoples nor their authentic cultural traditions. It shows them speaking in an unintelligible language and repeatedly refers to them as &#8222;redskins,&#8220; an offensive term. Peter and the Lost Boys engage in dancing, wearing headdresses and other exaggerated tropes, a form of mockery and appropriation of Native peoples&#8216; culture and imagery\u201d.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das Unternehmen Disney sensibilisiert f\u00fcr sein eigenes Fehlverhalten, indem es selbstreflektierend seine Diskriminierungsmechanismen aufarbeitet und inhaltlich transparent in den neuen Produktionen darauf achtet, diversen Repr\u00e4sentationen von Minderheiten Raum zu geben, die strukturell nicht der wei\u00dfen Mehrheitsgesellschaft entsprechen und ein Identifikationspotenzial mit sich tragen. Zwei recht aktuelle Animationsfilmbeispiele, die ich positiv hervorheben m\u00f6chte sind Vaiana (Ron Clements, John Musker, USA 2016), welcher 2017 f\u00fcr den Oscar als bester Animationsfilm nominiert wurde, und Raya und der letzte Drache (Don Hall, Carlos L\u00f3pez Estrada, USA 2021). In beiden Filmen steht eine weibliche, Protagonistin of Colour im Vordergrund, die selbstbewusst Abendteuer erlebt, ohne auf m\u00e4nnliche Nebenfiguren angewiesen zu sein. Das gro\u00dfer Wert auf Diversit\u00e4t gelegt wird, zeigt sich nicht nur in den animierten Figuren, sondern auch in der Besetzung der Sprechrollen. So spricht beispielsweise die geb\u00fcrtige Hawaiianerin Auli\u02bbi Cravalho die Figur der Vaiana. Der nach ihrer Figur benannte Film wurde auch auf Tahitianisch, einer polynesischen Sprache, synchronisiert, da der filmische Handlungsort auf einer polynesischen Insel lokalisiert ist. Die Regisseure haben in der Vorproduktion kulturell, historisch und mythologisch direkt vor Ort intensiv recherchiert, um einen authentischen Film zu produzieren<a href=\"#_ftn12\" id=\"_ftnref12\">[12]<\/a>; im Gegensatz zu ihrer Arbeit f\u00fcr Aladdin, haben sie ihren Horizont umfassend erweitert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. <strong>Fazit und Ausblick<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass das Unternehmen Disney seit seiner Entstehung zahlreiche Filme ver\u00f6ffentlicht hat, die rassistische Stereotype audiovisuell darstellen. Viele aus dem vergangenen Jahrhundert stammende Klassiker beinhalten solche Formen der Diskriminierung bestimmter Gruppen, genauer gesagt, Minderheiten in einer wei\u00df-positionierten Mehrheitsgesellschaft. Die technischen M\u00f6glichkeiten der Animationen bieten einerseits Chancen als auch Probleme: aktuelle Projekte zeigen die detaillierte Repr\u00e4sentation von Minderheiten mit Identifikationspotenzial f\u00fcr das Publikum, andererseits wurden in der Vergangenheit vorwiegend Tierfiguren zu rassistischen Zwecken instrumentalisiert, um beispielsweise bestimmte Bev\u00f6lkerungsgruppen, bestimmte Kulturen, deutlich voneinander abzugrenzen und kolonialen Strukturen Raum zu geben. Fr\u00fcher habe ich nie verstanden, warum in Das Dschungelbuch Mogli am Ende nicht mit seinen tierischen&nbsp; Freunden aus dem Dschungel sein Leben verbringen kann, sondern ins Menschendorf zieht. Heute verstehe ich, dass aufgrund der sich durch den gesamten Film so deutlich durchziehenden rassistischen Strukturen von den Produzierenden des Konzerns genau das gewollt zu sein scheint &#8211; n\u00e4mlich klare Grenzen zwischen aufgrund ihrer kulturellen Identit\u00e4t als verschieden angesehenen Individuen zu ziehen. Derartige Darstellungen zu vermitteln ist f\u00fcr eine Gesellschaft mit allen ihren Mitglieder:innen \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrlich und im Nachhinein schockiert es mich, dass ich durch das Singen von Liedern aus diesem Film unbewusst rassistische Inhalte reproduziert habe. Meinen eigenen Kindern werde ich diese Filme mit rassistischem Inhalt nicht zeigen, f\u00fcr eine historische Einordnung sind sie jedoch f\u00fcr Erwachsene wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche mir, dass Disney noch umfassender kontinuierlich an der Aufarbeitung derartiger Inhalte arbeitet und weiterhin neue Erz\u00e4hlungen produziert, die viel Wert auf Diversit\u00e4t legen \u2013 gerade weil die Filme global einen solchen Erfolg verzeichnen, ist es wichtig, sich als mediales Unternehmen bewusst zu sein und immer wieder daran zu erinnern, in welcher Verantwortung man selbst steht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">7. <strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Anon (2001). The Return of the Empire: Representations of Race, Ethnicity and Culture in\u00a0Disney\u2019s Tarzan and The Jungle Book, and in the Burroughs and Kipling.<\/p>\n\n\n\n<p>Byrne, Eleanor &amp; McQuillan, Martin (1999). Deconstructing Disney. London: Pluto Press.<\/p>\n\n\n\n<p>Cu\u00dfler, Jonas (2018). Disney und Rassismus-Vorw\u00fcrfe. TELEVIZION.<\/p>\n\n\n\n<p>Giroux, Henry &amp; Pollock, Grace (2010). The mouse that roared. Disney and the end of&nbsp; innocence. Lanham: Rowman &amp; Littlefield.<\/p>\n\n\n\n<p>Kilpatrick, Jacquelyn (1999). Celluloid Indians. Native Americans and film. Lincoln: University of Nebraska Press.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Internetquellen<\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.statista.com\/topics\/1824\/disney\/#topicOverview\">https:\/\/www.statista.com\/topics\/1824\/disney\/#topicOverview<\/a>. (Letzter Zugriff am 2.12.2023).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/antirassismus-2020\/316771\/antiasiatischer\u00a0\u00a0 rassismus-in-deutschland\">https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/antirassismus-2020\/316771\/antiasiatischer\u00a0\u00a0 rassismus-in-deutschland<\/a>\/. (Letzter Zugriff am 2.12.2023).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/storiesmatter.thewaltdisneycompany.com\">https:\/\/storiesmatter.thewaltdisneycompany.com<\/a>. (Letzter Zugriff am 3.12.2023).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/disney-animationsfilm-vaiana-die-prinzessin-die-diewelt-100.html\">https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/disney-animationsfilm-vaiana-die-prinzessin-die-diewelt-100.html<\/a>. (Letzter Zugriff am 3.12.2023).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Filmographie<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Aladdin (John Musker, Ron Clements, USA 1992).<\/p>\n\n\n\n<p>Aristocats (Wolfgang Reitherman, USA 1970).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Dschungelbuch (Wolfgang Reitherman, USA 1967).<\/p>\n\n\n\n<p>Dumbo (Ben Sharpsteen, USA 1941).<\/p>\n\n\n\n<p>Peter Pan (Hamilton Luske, Clyde Geronimi, Wilfred Jackson, USA 1953).<\/p>\n\n\n\n<p>Pocahontas (Mike Gabriel, Eric Goldberg, USA 1995).<\/p>\n\n\n\n<p>Raya und der letzte Drache (Don Hall, Carlos L\u00f3pez Estrada, USA 2021).<\/p>\n\n\n\n<p>Susi &amp; Strolch (Clyde Geronimi, Wilfred Jackson, Hamilton Luske, USA 1955).<\/p>\n\n\n\n<p>Tarzan (Kevin Lima, Chris Buck, USA 1999).<\/p>\n\n\n\n<p>Vaiana (Ron Clements, John Musker, USA 2016).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Kilpatrick, Jacquelyn (1999). Celluloid Indians. Native Americans and film. Lincoln: University of Nebraska Press. S. 154.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl.: Cu\u00dfler, Jonas (2018). Disney und Rassismus-Vorw\u00fcrfe. TELEVIZION. S.31.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn3\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Vgl.: <a href=\"https:\/\/www.statista.com\/topics\/1824\/disney\/#topicOverview\">https:\/\/www.statista.com\/topics\/1824\/disney\/#topicOverview<\/a>. (Letzter Zugriff am 2.12.2023).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl.: ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn5\" href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Vgl.: <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/antirassismus-2020\/316771\/antiasiatischer-rassismus-in-deutschland\/\">https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/antirassismus-2020\/316771\/antiasiatischer-rassismus-in-deutschland\/<\/a>. (Letzter Zugriff am 2.12.2023).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl.: Byrne, Eleanor &amp; McQuillan, Martin (1999). Deconstructing Disney. London: Pluto Press.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl.: Cu\u00dfler, Jonas (2018). Disney und Rassismus-Vorw\u00fcrfe. TELEVIZION. S.32.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl.: ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl.: ebd. \/ Vgl.: Giroux, Henry &amp; Pollock, Grace (2010). The mouse that roared. Disney and the end of innocence. Lanham: Rowman &amp; Littlefield.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\" id=\"_ftn10\">[10]<\/a> Anon (2001). The Return of the Empire: Representations of Race, Ethnicity and Culture in Disney\u2019s Tarzan and The Jungle Book, and in the Burroughs and Kipling, S, 7.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\" id=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl.: ebd., S.12.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn12\" href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a> Vgl.: <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/disney-animationsfilm-vaiana-die-prinzessin-die-die-welt-100.html\">https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/disney-animationsfilm-vaiana-die-prinzessin-die-die-welt-100.html<\/a>. (Letzter Zugriff am 3.12.2023).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p>Quelle: Tilde Funk, <em>Global-mediale Verantwortung und Aufarbeitung rassistischer Darstellungen in Disney-Klassikern<\/em>, in: Blog ABV Gender- und Diversitykompetenz FU Berlin, 23.01.2024, <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=434\">https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/?p=434<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tilde Funk (SoSe 2023) 1. Einleitung Als Kind bin ich mit einigen Disneyklassikern aufgewachsen, besonders gerne haben meine Geschwister und ich Das Dschungelbuch (Wolfgang Reitherman, USA 1967) und Aristocats (Wolfgang Reitherman, USA 1970) gesehen \u2013 so h\u00e4ufig, bis wir alle Lieder auswendig mitsingen konnten. Mittlerweile studiere ich im 7. Semester Filmwissenschaft an der FU und &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/2024\/01\/23\/global-mediale-verantwortung-und-aufarbeitung-rassistischer-darstellungen-in-disney-klassikern\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eGlobal-mediale Verantwortung und Aufarbeitung rassistischer Darstellungen in Disney-Klassikern\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2643,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[327720],"tags":[449560,2744,2740],"class_list":["post-434","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-essay","tag-filmindustrie","tag-kolonialismus","tag-rassismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/434","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2643"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=434"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/434\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":435,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/434\/revisions\/435"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=434"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=434"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/abv-gender-diversity\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=434"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}