Zur Entstehung dieses Blogs

Als im Januar 2020 die ersten Nachrichten über ein neues Virus aus China nach Europa kamen, ahnten viele Chinawissenschaftler früher als andere, was auf uns zukommen könnte, lange bevor Politik und Öffentlichkeit in Europa den Mut fanden, darauf zu reagieren und diese Krankheit nicht – wie so vieles andere auch – als eine uns nicht tangierende chinesische Seltsamkeit abzutun. Auch das Coronavirus hat nun dazu beigetragen, dass bestimmte Interessensgruppen versuchen, ein Feindbild von China in unserer Gesellschaft aufzubauen, das durch Verallgemeinerungen, Stereotypisierungen und vor allem von Unkenntnis dieses Kulturraums geprägt ist, der mehr Einwohner als Europa hat und – ungeachtet einer Ein-Parteien-Diktatur – entsprechend vielfältig ist.

Da ich es als eine meiner Aufgaben betrachte, mehr Wissen über China und insbesondere die chinesische Sprachkultur in unsere Gesellschaft zu tragen, beschloss ich am 23.März, ein „Etymographisches Schriftzeichen-Tagebuch“ auf Twitter und Facebook zu beginnen.

Denn wie über China sind auch über die chinesische Schrift zahlreiche Halbwahrheiten im Umlauf. Fest steht jedoch: Um chinesische Texte lesen zu können, sind Kenntnisse von weit über 1000 Schriftzeichen erforderlich: Für eine dem Niveau B1 des Europäischen Referenzrahmnes für Fremdsprachen entsprechende Lesefertigkeit (Wortschatz von mindestens 2000 Wörtern) werden leider ca. 1500 Schriftzeichen benötigt. Danach steigt die Zahl der benötigten Schriftzeichen langsamer an, und für einen Wortschatz der wichtigsten 8000 Wörter/Lexeme (Niveau C1) reichen etwa 3000 Schriftzeichen aus.

Der Mensch lernt über Vernetzung: Unbekanntes muss mit bereits Bekanntem oder mit erlebten Situationen verknüpft werden, um sich optimal in unserem Gedächtnis abspeichern zu lassen. Auch die Fremdsprachenforschung zeigt, dass uns als Erwachsenen das Lernen neuer Vokabeln in europäischen Fremdsprachen um so leichter fällt, je mehr vertraute Morpheme und Elemente wir in den zu lernenden Wörtern vorfinden.

Dies gilt ebenso für Schriftzeichen, die ich gerne als „dritte Dimension“ des Chinesischlernens bezeichne (Sprachliche und kulturelle Phänomene sind die ersten beiden Dimensionen.): Wenn ich einem zunächst arbiträr erscheinenden graphischen Element wie 攵 oder 止 eine Bedeutung oder Funktion zuweisen kann, fällt es mir leichter, es zu memorieren und in anderen Schriftzeichen wiederzuerkennen.
Aus diesem Wissen entstand dieser Blog, der auf Basis einer Frequenzuntersuchung schriftlicher chinesischer Texte (also nicht der gesprochenen Sprache!) jeden Tag ein chinesisches Schriftzeichen in der Kürze eines Tweets erläutert und etymographische (also schriftzeichengeschichtliche) Querverbindungen zwischen den Zeichen herstellt.

Mein Ziel ist dabei nicht die Darstellung des gesammelten Wissens zu den einzelnen Zeichen (dafür gibt es weltweit, insbesondere im chinesischen Sprachraum selbst, zahlreiche Experten und Forschungsprojekte), sondern im besten didaktischen Sinne nützliche, reduzierte Informationen zu liefern. Diese sollen jedoch keine frei erfundenen Eselsbrücken darstellen (auch diese haben durchaus ihre Berechtigungen), sondern unserem Forschungsstand entsprechen.

Kommentare sind willkommen!

Andreas Guder

Schriftzeichen-Etymographien (wird ständig erweitert, derzeit ca. 600 Zeichen)

täglich auf Twitter seit 23.3.2020 https://twitter.com/guder_andreas
auf der Basis der Frequenzliste
http://hanzidb.org/character-list/by-frequency

Mein Beitrag in #Coronazeiten und zur Verständigung mit #China: Jeden Tag Hintergrundinfos zu einem chinesischen #Schriftzeichen, beginnend mit den häufigsten (und damit eher grammatische Funktion tragenden) Schriftzeichen: #Chinesisch

Eine alphabetische Sortierung ist geplant; einstweilen empfehle ich, die Suchfunktion zu benutzen.

Nr.1 的 /de/ historisch /di/ urspr.“leuchtendes Weiß“, dann „Ziel“. Daher links 白 (/bái/) „weiß“ als semantische Komponente. Rechts 勺 /sháo/ („Schöpfkelle“) als phon. Komponente. Heute vor allem Verbindungswort zwischen Attributen und Nomina.

Nr.2 一 /yī/ „eins“, das simpelste und zweithäufigste aller chinesischen Schriftzeichen. Vgl. unsere römische I : Beide stehen quer zur Schreibrichtung. Wie das Deutsche „ein“ auch verwendet in „einige“ 一些, „ein bisschen“ 一点, „einmal“ 一次 usw.

Nr.3 是 /shì/ „sein“ („to be“), klassisch auch Demonstrativum „dies“. Urspr. Bedeutung unklar, wohl Zusammensetzung aus 早“morgens“ und 止 „Fuß“, jetzt eher 日 „Sonne“ und 正 „aufrecht, korrekt“. Meine Eselsbrücke: Der Mund 曰 sagt, was korrekt 正 ist: „sein, existieren“.

Nr.4 不 /bù/ „nein, nicht“, häufigstes Negationswort, schon auf Orakelknochen in dieser Funktion. Zum Ursprung gibt es viele Theorien (Pflanze, Personenname u.a.) Am schönsten (aber nicht belegbar) finde ich die Interpretation „Wurzel unter dem Boden (一), die man NICHT sieht“.

Nr.5 了 /liǎo/ /le/ „beenden“ „begreifen“, v.a. Aspektpartikel der Vollendung. In chin. Antike (bis Han) wohl nicht existent. Im SWJZ als Kind 子 ohne Arme bezeichnet, Bedeutung 尥, „nach hinten austreten (Pferd, Rind)“…Vielleicht ist das heutige 了 ein tangzeitl. Kurzzeichen?

Nr.6 在 /zài/ „existieren“, „sich an einem Ort befinden“. Rechts unten 土 (/tǔ/) „Erde“ als semantische Komponente (tatsächlich urspr. wohl phon. 士 /shì/ „ausgebildete Person“, aber das hilft Lernern nicht.) Links oben 才 /cái/ („Talent“) als phonetische Komponente!

Nr.7 人 /rén/ „Mensch“ (auf zwei Beinen). Als semantische Komponente in anderen Zeichen links stehend: 亻 (in 信 但 作 etc.) Nicht zu verwechseln mir 入 /rù/ „hinein“ (Nr.210). Vgl. 人口 rénkǒu „Bevölkerung“ vs. 入口 /rùkǒu/ „Eingang“.

Nr.8 有 /yǒu/ „haben, besitzen“. Links oben Komponente „Hand“ /yòu/ in sem. und phon. Funktion (wie in 友 /yǒu/, 右 /yòu/). In der Hand 肉 /ròu/ „Fleisch“ (in der „Mond-artigen“ Kurzform 月) – eine wunderbar archaische Form von „Besitz“.

Nr.9 我 /wǒ/ „ich, mir, mein, unser“. Ursprünglich eine sägeartige Waffe gleichen Namens, verwandt mit 戈 „Hiebaxt“ (/gē/), evtl. auch mit 𠄒 „herabhängen“/“töten“(!) oder 勿 „abschneiden“. Schon in der chin. Antike phonetisch entlehnt für „ich“.

Nr.10 他 /tā/ „er“ „ihn“ „sein“, ursprünglich „andere“. In der Antike nicht belegt, wohl erst in der Tangzeit in Gebrauch. Links 亻“Person“, rechts 也 /yě/ „auch“ in semantischer und wohl auch phonetischer Funktion. FunFact: 他 war bis ins 20. Jh. geschlechtsneutral.

Nr.11 这 (trad. 這) /zhè/ „dies/e/r/s, hier“. Häufigstes Deiktikon im Chin., erst ab Tangzeit. Signifikum 辶“Fortbewegung“. 言 war wohl ursprünglich das komplexere Phonetikum 啇 /dī/, sagt Qiu Xigui. Eselsbrücke: „Sprache“ (言) “bewegt sich“ (辶) auf ein Objekt hin: „dies hier“.

Nr.12 个 (trad. 個)/gè//ge/ häufigstes Zähleinheitswort („Stück“, „Person“ etc.), „einzeln“. Im trad. Langzeichen links Signifikum 亻“Person“ (arch. auch 竹 „Bambus“), rechts Phonetikum 固 /gǔ/ (innen 古 /gù/). Auch das Kurzzeichen 个 kann schon f.d. Han-Zeit nachgewiesen werden.

Nr.13 们 (trad. 們) /men/ Pluralsuffix für Personalpronomina („wir / ihr / sie“) und Personen. Typisches S+P-Zeichen: Links Signifikum 亻“Person“, rechts Phonetikum 门 門 /men/ (Tür, Tor). Erst seit der Tangzeit belegt.

Nr.14 中 /zhōng/ „Mitte“, „Zentrum“, „China“ als das Land/die Länder „in der Mitte“. Ursprünglich wohl ein Windmessgerät an einer Stange, über und unter dem Wimpel flatterten, die die Windrichtung anzeigten.

Nr.15 来 (trad. 來) /lái/ „kommen, sich z. Sprecher bewegen“. Ursprüngl. eine Getreidesorte (wie 禾, 米); für „kommen“ wurde Signifikum „Fuß“ hinzugefügt. Heute sind die Bedeutungen vertauscht: Getreide „/mài/“ wird mit „Fuß“ geschrieben: 麥(麦); „kommen“ /lái/ wie ein Getreide.

Nr.16 上 /shàng/ „oben, hinauf, vorhergehend, einsteigen, beginnen“. Nach oben verweisendes Graphem. Antonym (auch grafisch) 下 /xià/ (Nr.42). Schrift und Zeit fließen traditionell von oben nach unten.

Nr.17 大 /dà/ „groß, umfangreich“. Ein Mensch 人 mit ausgebreiteten Armen.

Nr.18 为 (trad. 爲為) /wéi/ „handeln, dienen als“ /wèi/ „wegen, für“. Sowohl das Kurzzeichen als auch seine Bedeutung sind heute sehr abstrakt. Im ersten trad. Zeichen ist noch eine Hand oben zu erkennen, darunter ein vierbeiniges Tier: laut Shuowen ein Affe, nach Meinung heutiger Fachleute ein Elefant.

Nr.19 和 /hé/ „vermitteln“, dann „ausgewogen, Harmonie“, später grammatikalisiert zu „und, mit“. Das Signifikum 口 „Mund“ steht in antiken Schriftzeichen wie hier rechts, erst später links. 禾 /hé/ „Getreide“ ist nur Phonetikum.

Nr.20 国 (trad. 國) /guó/ „Land, Staat“. Schon 或 /huò/ zeigt ein Territorium 口, das mit Waffen 戈verteidigt wird (vgl 域 /yù/ „Region“), später mit 囗 noch einmal als Territorium gekennzeichnet. Das Kurzzeichen 国 findet sich bereits auf Münzen der Taiping (um 1860).

Nr.21 地 /dì/ /de/ „Erde, Boden“, im modernen Chinesisch auch Partikel zwischen adverbial verwendeten Adjektiven und Verben. Signifikum 土 „Erde“ mit Phonetikum 也 /yě/.

Nr.22 到 /dào/ „ankommen“, „bis“ (zeitl. u. räuml.). In der Schriftsprache wird seit jeher 至 /zhì/ alleine in gleicher Bedeutung verwendet: ein auf dem Kopf stehender Pfeil 矢„erreicht“ den Boden 土. Schon früh ergänzt durch 刂(刀 /dāo/ „Messer“), das nur in diesem Zeichen als Phonetikum fungiert.

Nr.23 以 /yǐ/ „mittels, als, um…zu“. Was wie ein Kurzzeichen aussieht, ist bereits vor über 2000 Jahren belegt. Ursprünglich ein Gegenstand 㠯 bzw. 厶 /yǐ/, der von einem Menschen 人 (rechts) getragen wird: „mit sich führen“.

Nr.24 说 (trad. 說/説) /shuō/ (selten /shuì/ /yuè/) „sagen, sprechen, ermahnen, erläutern“. Links Signifikum „Sprache“ 訁/讠, rechts phon. und sem. 兑 (heute /duì/), das ebenfalls die Grundbedeutung „sprechen, sich freuen“ trug (ein geöffneter Mund auf zwei Beinen, vgl. auch 悦 /yuè/ „sich freuen“).

Nr.25 时 (trad. 時) /shí/ „Zeit“. Links die Sonne 日 als Signifikum für Zeit, rechts im trad. Zeichen 寺 /sì/ „Tempel“ (früher /chí/ „festhalten“, vgl. 持;) als Phonetikum, das in der Kurzzeichenreform auf das nun funktionslose 寸 /cun/ „festhaltende Hand“ reduziert wurde.

Nr.26 要 /yào/ /yāo/ „werden, wollen“, auch „wichtig, zentral“. Ursprünglich „Taille, Hüfte“ (heute 腰 /yāo/), oben zwei Hände, die etwas ergreifen (wie 𦥑), unten Frau 女 (archaisch auch 大 bzw. Versionen, in denen die Hände seitlich die Taille eines Menschen greifen).

Nr.27 就 /jiù/ ursprünglich „sich nähern“, heute gramm. Partikel „entsprechend, schon, dann“ u.v.a.. Lt. Quellen semantisch zusammengesetzt aus 京 „hohes Gebäude“ und 尤 „besonders“, es existieren aber (heute) auch phonetische Bezüge:  京 /jīng/ + 尤 /yóu/ = 就 /jiù/.

Nr.28 出 /chū/ „hinausgehen, (einen Ort) verlassen“. Ursprünglich ein Fuß 屮 (heute 止), der eine Höhle 凵 verlässt.

Nr.29 会 (trad. 會) /huì/ „Zusammenkunft, Treffen“ (heute auch „werden, können“). Ursprünglich aus einer Variante von 合 (phon. und sem. /hé/ „verbinden“) entstanden, mit 小 in 囗 (/huì/) als Phonetikum dazwischen. Kurzzeichen rein grafisch (kein Bezug zu 云 /yún/“Wolke“).

Nr.30 可 /kě/ „können, möglich, machbar sein“. „Mund“ 口 als Signifikum. Zur ursprünglichen Bedeutung gibt es verschiedene Theorien: „Gesang“ (歌 /gē/), „schimpfen“ (訶 /hē/) oder „schreien“ (号 /hào/) zeigen alle grafische, semantische und phonetische Bezüge zu 可.

Nr.31 也 /yě/ „auch“ (im klass. Chinesisch Satzfinalpartikel). Weder „Schlange“ noch die vom SWJZ vor 2000 Jahren behauptete „Vagina“ erscheinen schlüssig; angesichts antiker Belege inhaltlich eher nachvollziehbar ist ein „Mund, aus dem Luft entweicht“.

Nr.32 你 /nǐ/ „du“, 2.Pers.Sg., erst ab Tangzeit belegt. Links Signifikum 亻“Mensch“, rechts 尔(爾) /ěr/, das in der chin. Antike im Sinne von „du“ verwendet wurde und damit phon. und sem. Funktion hat. (Es gibt weitere Beispiele, die die phonetische Nähe der scheinbar grundverschiedenen Silben /ni/ und /er/ belegen: 倪 /ní/ 迩 /ěr/). In Taiwan existiert auch ein gendergerechtes 妳.

Nr.33 对 (trad. 對) /duì/ „zuordnen → gegenüber, antworten, richtig“. Ursprünglich wohl eine Hand 寸, die mit einem Meißel丵 den Boden 土 bearbeitet – kein offensichtlicher Bezug zum heutigen Bedeutungsfeld. Die kurze Form 对 lässt sich schon für die Mingzeit nachweisen.

Nr.34 生 /shēng/ „hervorbringen, gebären, wachsen, roh (von Gemüse), fremd“, Suffix für Personen. Ein Pflanzenkeim 屮, der aus dem Boden 土wächst.

Nr.35 能 /néng/ „können, möglich sein“. Ursprünglich Darstellung eines Bären: Aus dem Kopf mit Maul wurde 月, aus dem Körper 厶, und aus den Beinen zwei匕. Für die Grundbedeutung entstand  später eine neue Variante mit vier „Beinen“: 熊 /xióng/ „Bär“.

Nr.36 而 /ér/ „und, auch, aber“, Adverbialpartikel, vor allem schriftsprachlich. Darstellung eines Vollbartes (später 耏), phonetisch entlehnt für die konjunktionale Bedeutung.  

Nr.37 子 /zǐ/ /-zi/  “Sohn, Kind”, Suffix für diverse Substantive. Abstrahierte Abbildung eines Säuglings mit ausgestreckten Armen, dessen Beine eingewickelt sind.

Nr.38 那 /nà/ „jene/r/s“, Deiktikon, erst ab Tangzeit, Antonym zu Nr.11 这  /zhè/ „diese/r/s“. Links Variante des heute ansonsten obsoleten Phonetikums 冄 = 冉 /rǎn/. Wie viele Zeichen mit rechts stehendem  阝(邑 /yì/ “Region, Stadt”) ursprünglich Name einer Region (auch 𨙻 /nuó/).

Nr.39 得 /dé/ /de/ /děi/ „erhalten“; Strukturpartikel für Komplemente; „müssen“ (mdl. Chinesisch). Der rechte Teil alleine zeigt bereits eine Hand 寸, die eine Muschel 貝 (verkürzt zu 旦) ergreift: „erhalten“. Mit dem Signifikum für „Weg“ 彳 ursprünglich „Muschelgeld auf dem Weg finden“ = „reich werden“.

Nr.40 于 (trad. 於) /yú/ Präposition „in, bei, von“, beide Formen seit der Antike belegt. Langzeichen 於angeblich Variante von 烏 /wū/ „Rabenvogel“, kein Bezug zu 族 etc. Kurzzeichen Darstellung eines antiken Blasinstruments (heute 竽 /yú/).

Nr. 41 着 (trad. 著) /zhe/zháo/zhuó/ (Durativ-Aspektpartikel) / „berühren, erfolgreich anwenden“ u.v.a.. In der Antike wohl mit „Bambus“ geschrieben: 箸, heute /zhù/) heute aus dem Signifikum „Gras“ 艹 und dem Phonetikum 者 (heute /zhě/) zusammengesetzt. Die Form 着 (羊+目) ist eine Fehlschreibung, die zum Standard in der VR geworden ist.

Nr.42 下 /xià/ „unten, hinunter, folgend, aussteigen, beenden“. Nach unten verweisendes Graphem. Antonym (auch grafisch) 上 /shàng/ (Nr.16). Schrift und Zeit fließen traditionell von oben nach unten.

Nr.43 自 /zì/ „selbst, von…her, seit“. Ursprünglich die Darstellung einer Nase; vgl. „Nase“ 鼻 bí:自mit Phonetikum 畀 /bì/, oder „atmen“息 /xī/, dann erweitert zum Origo-Begriff „selbst“. (Auch im Sanskrit sind „Atem“ und „Selbst“ ein Wort: /atman/.)

Nr.44 之 /zhī/ schriftsprachliche Attributivpartikel, im klass. Chinesisch auch Objektpronomen. Ursprünglich (wie 出 Nr.28) ein einen Ort verlassender Fuß 止 /zhǐ/, der in dieser grammatikalisierten Funktion bereits in antiker Zeit zu einem schnell schreibbaren Kurzzeichen wurde.

Nr.45 年 /nián/ „Jahr“. Ursprünglich Darstellung eines Menschen 人 /rén/ (später auch an 壬 /rén/ oder 千 /qiān/ erinnernde Graphien – alle mit phonetischem Bezug), der die Ernte 禾 schultert, bedeutungserweitert zum Symbol für den Jahresablauf.

Nr.46 过 (trad. 過) /guò/ „durchlaufen, überqueren, verbringen, übermäßig“, (Erfahrungs-Aspektpartikel). Signifikum „Fortbewegung“ 辶 mit Phonetikum 咼 /guō/ („Knochen“). Phonetikum im Kurzzeichen zu funktionslosem Graphem 寸 vereinfacht.

Nr.47 发 (trad. 發 / 髮) /fā//fà/ „aussenden, hervorbringen, entwickeln“ / „Haare“. 發 /fā/ “einen Bogen schießen“ aus 弓 „Bogen“,殳 „eine Waffe halten“ und phon. 癶 /bō/. 髮 /fà/ “Haare“ aus 髟 “langes Haar“ und phon. 犮/bá/. Die zwei in Semantik und Graphie vollkommen unterschiedlichen Zeichen wurden in der VR in ein Kurzzeichen zusammengeführt.

Nr.48 后 (trad. 後 / 后) /hòu/ „hinter, nach, später“ / „Königin“. Div. Interpretationen für后: a) Frau 女, die Kind gebiert (Kopf 口nach unten), b) „Befehlsgeber“ (wie spiegelverkehrt 司 /sī/). 後 ursprünglich aus 夊 „gehen“ und phon. 幺 /āo/, später wurde 彳 „Weg“ hinzugefügt. Beide Bedeutungskonzepte schon in der Antike als 后.

Nr.49 作 /zuò/ „tun, machen, fungieren als“. Möglicherweise ursprünglich „einen Baum fällen“: Ein Mensch 亻arbeitet mit einer Axt 乍 /zhà/ (auch phonetisch).

Nr.50 里 /lǐ/ „kleines Dorf“, Längenmaß; „Innenseite“ (trad. 裡/裏). Ein Ort mit Erde 土 und Feldern 田. Bei beiden trad. Formen für die häufigste Verwendung „innen“ 裡/裏 wird 里 durch zwei verschiedene Varianten des Signifikums 衣 /yī/ „Kleidung“ ergänzt.

Nr.51 用 /yòng/ „verwenden, brauchen“. Darstellung eines Holzeimers (auch mit Griff: 甬 /yǒng/, /tǒng/) („Eimer“ heute 桶 /tǒng/). Schon auf Orakelknochen (13.-11.Jh. v.u.Z.) für die heutige, verbale Verwendung phonetisch entlehnt.

Nr.52 道 /dào/ „Weg, Grundsatz“, zentraler Begriff des Dao-/Taoismus. Signifikum 辶 „Fortbewegung“ (彳+止; 辵) mit Phonetikum 首 /shǒu/ „Kopf“. In Bronzezeichen meist 首in der Mitte von 行 „gehen“ (Nr.53).

Nr.53 行 /xíng/ /háng/ „gehen, durchführen, Verhalten“, „Branche“. Ursprünglich die Abbildung einer Wegkreuzung ╬. Als Signifikum „Weg“ graphisch umgebend (in街,衡,術), meist aber gekürzt zu 彳.

Nr.54 所 /suǒ/ Ort, Stelle (auch ZEW), (Passivierungspartikel). Links Variante eines Türflügels 户 /hù/, rechts eine Axt 斤 /jīn/. Das „Shuowen“ behauptet, es handle sich um das Zischen einer Axt (mit 户/hù/ als Phonetikum). Ich finde Prof. Hong Po Mans Erklärung „ein von Waffen beschütztes Haus“ wesentlich plausibler.

Nr.55 然 /rán/ „richtig, so sein“ (Morphem in zahlr. Adverbien). Phonetisch entlehnt; ursprünglich 犬 „Hund, Wolf“ + 肉 „Fleisch“ (肰 /rán/, auch phonetisch) über Feuer 灬 (火): „braten, brennen“. Für diese Grundbedeutung wurde später noch einmal „Feuer“ hinzugefügt: 燃 /rán/ „brennen“.

Nr.56 家 /jiā/ „Haushalt, Familie“, später auch „Spezialist“ u.a.. Ein Schwein 豕unter einem Dach 宀.  Ein antikes Wort für Schwein war 豭 /jiā/, das hier – gekürzt – Phonetikum sein könnte. Laut anderer Interpretation musste man Schweine nicht auf die Weide führen, sondern hielt sie, wo sich der „Haushalt“ befand.

Nr.57 种 (trad. 種) /zhǒng//zhòng/ „Art, Sorte“ (auch ZEW) / „pflanzen, anbauen“. Signifikum „Getreide“ 禾 mit Phonetikum 重 /zhòng/ (in VR gekürzt zu 中 /zhōng/). Beide Bedeutungen entstammen dem gleichen Wortfeld „Getreidesorte“.

Nr.58 事 /shì/ „Angelegenheit, Sache“. Wie 吏 /lì/ und 使 /shǐ/ Diversifizierung von 史 /shǐ/ („historische Aufzeichnungen“) – in allen greift eine Hand von rechts nach einem (Schreib-?)Gegenstand; alle vier Zeichen bezeichnen ursprünglich Beamten- und Verwaltungstätigkeiten.

Nr.59 成 /chéng/ „vollenden, verändern, zu etwas werden“. Ursprünglich „befestigte Stadt“ (heute 城 /chéng/). Eine Streitaxt (戊 /wù/, 戌 /xū/) als Signifikum, mit einem unklaren zweiten Bestandteil (Signifikum 土 „Erde“ oder Phonetikum 丁 /dīng/).

Nr.60 方 /fāng/ „Quadrat, Richtung, Seite, Rezept“. In Orakelknochenzeichen und Bronzezeichen als Messer 刀 mit Hervorhebung der Klinge erkennbar. Entlehnungsprozess unklar.

Nr.61 多 /duō/ „viele“. In Orakelknochen zwei Stück Fleisch 肉 (vgl. links oben in Nr.55 然 /rán/), in bronzeschriftlichen Texten ist jedoch bereits die verfremdete Schreibung als „zwei Monde“ 月 erkennbar (vgl. 夕 /xī/ „Abend“).

Nr.62 经 (trad. 經) /jīng/ „durchlaufen, konstant“. Der rechte Teil 巠 /jīng/ stellt einen Webstuhl mit den „durchlaufenden“ Seidenfäden dar. Später wurde noch einmal das Signifikum „Seide“ 糸hinzugefügt.

Nr.63 么 (trad. 麽, 麼) /me//mo/ (Suffix vor allem in Fragewörtern). Entstanden aus Signifikum 幺 /āo//yāo/ „Seidenfäden“ mit dem Phonetikum 麻 /má/ („Hanf“): „fein, klein (Fäden)“, heute nur noch in der grammatikalisierten Verwendung. Im Kurzzeichen ohne Phonetikum.

Nr.64 去 /qù/ „(sich) entfernen, hingehen, an einen Ort gehen“. Ursprünglich ein Mensch 大, der eine Höhle 口verlässt. In meinem Zeichensatz existiert auch eine „alte“ Variante厺 (大 über 厶).

Nr.65 法 /fǎ/ “Regel, Gesetz”, Sanskrit „Dharma“, phon. auch „französisch“, ursprünglich „Naturgesetz, Strafe“: Vor der Han-Zeit meist als 灋, mit dem mythischen Einhorn /zhì/, das zwischen Gut und Böse unterscheiden konnte(!). Heute gerne einfach interpretiert als „Naturgesetz“: Lauf 去 des Wassers 氵.

Nr.66 学 (trad. 學) /xué/ „lernen, Schule“. Signifikum „Kind“ 子 unter einem – möglicherweise phonetischen – Subgraphem (vgl. 觉 覺 /jué/), das aus zwei Händen besteht, die sich offenbar mit etwas (爻 /yáo/?, evtl. hier Zahlzeichen?) beschäftigen.

Nr.67 如 rú „folgen, wie (vergleichend), gemäß, falls”. Ein schon früh grammatikalisiertes Funktionswort, was daran zu erkennen ist, dass der „Mund“ 口 als Signifikum hier auf der rechten Seite steht. „Frau“ 女 /nǚ/ ist hier phonetisch erklärbar (vgl. 汝/rǔ/), manche sehen hier aber auch ein patriarchalisches Erbe: Die Frau tut, „wie“ man(n) ihr befiehlt.

Nr.68 都 /dū/ /dōu/  “Hauptstadt, Metropole”, Bedeutung im mündl. Chinesisch erweitert zu “alle, sämtliche”. 者 /zhӗ/ ist hier phonetisch, Signifikum 邑 /⻏ „Stadt“.

Nr.69 同 /tóng/ „gemeinsam, mit, gleich“. Vermutlich Signifikum 口 „Mund“. Das zweite Subgraphem 𠔼 (auch 冃) ähnelt in Orakel- und Bronzezeichen einem H mit doppeltem Querstrich und sieht damit aus wie ein Bambusabschnitt (vgl. 筒 /tǒng/ „Bambusrohr“!).

Nr.70 现 (trad. 現) /xiàn/ „erscheinen, sichtbar werden“. In antiken Texten nicht nachgewiesen. Offensichtlich eine semantische Ableitung von 见 (見) /jiàn/ „sehen, wahrnehmen“ unter Hinzufügung des Subgraphems „Jade“ 玉 (vielleicht in der Bedeutung „glänzen“?).

Nr.71 当 (trad. 當) /dāng//dàng/ „entsprechen(d), sollen, tätig sein als“ etc.. Offenbar ursprünglich ein landwirtschaftlicher Begriff, entstanden aus Signifikum „Feld“ 田 und Phonetikum 尚 /shàng/.

Nr.72没 (trad. 沒) /mò/ /méi/ ursprünglich „versinken“, grammatikalisiert zur Negationspartikel. Links „Wasser“ 氵, rechts eine Hand 又, die in strudelndes Wasser 回 greift (im Shuowen 囘 bzw. 𠬸). Dieses Graphem wurde bald zu einer Variante von „Messer“ 刀 gekürzt, im Kurzzeichen dann zu „Lanze“ 殳.

Nr.73 动 (trad. 動) /dòng/ „(sich) bewegen“. Rechts Signifikum „Kraft“ 力, links als Phonetikum 重 /zhòng/ („schwer“), das in der Kurzzeichenreform durch das wesentlich einfachere, aber hier sinnfreie 云 /yún/ („Wolken“) ersetzt wurde.

Nr.74 面 /miàn/ „Gesicht, Fläche“, seit der Kurzzeichenreform auch „Mehl, Nudeln“ (trad. mit 麥 „Getreide“: 麵): Ein Auge 目 in einem Gesicht 囗 (vgl. auch 首 /shǒu/ „Kopf“).

Nr.75 起 /qǐ/ „aufstehen, beginnen“. Typisches Signifikum-Phonetikum-Zeichen (S+P-Sinographem, 形声字 xíngshēngzì, ca. 90% der heutigen chin. #Schriftzeichen): Links das Signifikum „Fortbewegung“ 走 (/zǒu/), rechts als Phonetikum 己 /jǐ/.

Nr.76 看 /kàn/ “(an)sehen, beobachten, lesen”. Typischer Fall eines nur aus semantisch fungierenden Graphemen zusammengesetzten Schriftzeichens ohne Phonetikum (S+S-Sinographem, 会意字 huìyìzì, weniger als 5% aller Zeichen): Eine Hand 手 über einem Auge 目.

Nr.77 定 /dìng/ „stabil, festlegen, bestimmt“. Ein Dach 宀 als Signifikum, eine Variante von 正 /zhèng/ („gerade, aufrecht“) als Phonetikum. Ursprüngliche Bedeutung „friedlich, sicher“ (ähnlich wie 安 /ān/).

Nr.78 天 /tiān/ “Himmel, Tag”. Ursprünglich „Kopf“: Ein Mensch mit ausgebreiteten Armen 大 (Nr.17) und zu einem Strich reduziertem Kopf. In Bronzezeichen bereits in der spirituellen Bedeutung „Himmel“, manchmal mit einem zweiten waagerechten Strich darüber.
P.S.: Shaughnessy („The beginnings of writing in China“) vermutet aufgrund der phonetischen Ähnlichkeit auch eine enge Verwandtschaft zu 颠 /diān/ „Scheitel, Spitze“.)

Nr.79 分 /fēn/ “teilen, trennen, (Bruch-)Teil”. Ein Messer 刀 teilt einen Gegenstand 八.

Nr.80 还 (trad. 還) /huán//hái/ „zurückkehren, zurückgeben“, heute v.a. „noch, sogar, außerdem“. Signifikum 辶 “Fortbewegung“. Das in der VR grafisch zu 不 gekürzte Phonetikum 睘 /huán/ bedeutet „Ring, rund“ (vgl.環 /huán/ „Ring“!), kann also hier auch semantisch gedeutet werden.

Nr.81 进 (trad. 進) /jìn/ „voranschreiten, betreten, eintreten“. Signifikum 辶 “Fortbewegung“. Das ursprüngliche zweite Signifikum 隹 (/zhuī/) „Vogel“ (Vögel können nicht rückwärts laufen!) wurde in der VR gegen das Phonetikum 井 /jǐng/ („Brunnen“) ausgetauscht.

Nr.82 好 /hào/ /hǎo/ “gern haben”, “gut”. Männer mögen es als „gut“ interpretieren, Frau 女 und Kind 子 zu haben. Viel wahrscheinlicher beschreibt das Zeichen jedoch die Zuneigung der Mutter zum Kind, dessen Bedeutung sich später zu „gut“ erweitert hat.

Nr.83 小 /xiǎo/ “klein”. Vermutlich ursprünglich die Abbildung von Krümeln oder Sandkörnern. Vgl. das eng verwandte 少 /shǎo//shào/ „wenige“ und 沙 / 砂 /shā/ „Sand“.

Nr.84 部 /bù/ “Region, Teil, Abteilung, Ministerium“. Links Phonetikum咅 /pǒu/ (Variante von 否 /fǒu/), rechts Signifium  阝(邑 /yì/) “Region, Stadt”. Die Bedeutung „Teil“ verweist semantisch auch auf 剖 /pōu/ „aufschneiden“.

Nr.85 其 /qí/ schriftsprachlich „sein, ihr, ihm, ihn, sie“. Zwei Hände halten eine geflochtene Worfschaufel zur Trennung von Spreu und Getreide (heute mit „Bambus“ 箕 /jī/). Phonetisch früh entlehnt für Personalpronomonina.  

Nr.86 些 /xiē/ “einige” (ZEW für kleine, unbestimmte Mengen). Das Deiktikon 此 /cǐ/ „hier, dies“ (wo der Mensch 匕 mit seinem Fuß 止 steht) verweist auf eine demonstrative Verwendung, das Zeichen für „zwei“ 二 darauf, dass es sich um ein pluralisches (Zähleinheits-)Wort handelt.

Nr.87 主 /zhǔ/ „Gastgeber, haupt-(sächlich)”. Hier stochern wir im Trüben: Möglicherweise ein Altar oder Schrein mit einer Flamme (丶 /zhǔ/!). In der kleinen Siegelschrift noch häufig mit „Dach“ geschrieben: 宔. Viele Autoren sehen eine grafische Verbindung zu den religiösen Zeichen 示 bzw. 宗 „darbieten, Altar, Zeremonie“.

Nr.88 样 (trad. 樣/様) /yàng/ „Aussehen, Muster, Art“. Urbedeutung „Eichel“, früh abstrahiert zum heutigen Bedeutungsfeld. Links Signifikum „Holz“ 木, rechts Phonetikum 羊 /yáng/ („Schaf“). Im trad. Zeichen komplexeres Phonetikum 羕 /yàng/ („ewig fließendes Wasser“).

Nr.89 理 /lǐ/ “(ordnendes) Prinzip, Vernunft, regulieren”. Zentraler Begriff der Neokonfuzianer (12.Jh.). Links Signifikum „Jade“ 玉, rechts Phonetikum 里 /lǐ/.  Ursprünglich die Maserung von Jade, dann auch die der Maserung entsprechende Bearbeitung bezeichnend.

Nr.90 心 /xīn/ “Herz, Gefühl, Zentrum”. Abbildung eines Herzens mit Kammern. Signifikum vor allem in mit Emotionen verbundenen Schriftzeichen, häufig links stehend als 忄, unten stehend neben 心 (wie in 想) auch  (wie in 恭).

Nr.91 她 /tā/ „sie” (3.Pers.Sg.). Vermutlich das jüngste aller häufigen Zeichen: Aufgekommen erst unter dem Eindruck westlicher, zwischen maskulin und feminin unterscheidender Sprachen in der Sprachreformbewegung zu Beginn des 20.Jh.s, gebildet in Analogie zu 他 /tā/ (heute nur noch „er“, Nr.10). Angeblich von Liu Bannong zum ersten Mal 1920 in einem Liebesgedicht verwendet.

Nr.92 本 /běn/ “Wurzel, Basis, dieses, mein, unser”, ZEW für Bücher, 日本 /rìběn/ „Japan“. Ein Baum 木, dessen Wurzeln durch einen Querstrich besonders hervorgehoben sind.

Nr.93 前 /qián/ “vor, vorne, früher, vorher“. Ursprünglich 歬, „vorwärts“: ein Boot舟 (oder ein Schuh), davor ein Fuß bzw. Schritt 止. Beide Grapheme sind heute verfremdet. Mit „Messer“刂 eigentlich „schneiden“, quasi rück-entlehnt für „vorne“. („Schneiden“ heute 剪 /jiǎn/ mit doppeltem „Messer“.)

Nr.94 开 (trad. 開) /kāi/ „öffnen, beginnen“. Zwei Hände 廾schieben den Riegel 一eines Tors 門nach oben, um es zu öffnen. In der Kurzzeichenreform wurde auf das Tor verzichtet (vgl. Nr.127 关/關 /guān/ „schließen“).

Nr.95 但 /dàn/ “aber, sondern, nur”. Ursprünglich „mit nacktem Oberkörper” (heute 袒 /tǎn/): Links Signifikum 亻 „Mensch“, rechts Phonetikum 旦 /dàn/.  

Nr.96 因 /yīn/ “Grund, weil, wegen”. Phonetisch für grammatische Bedeutung entlehnt, ursprünglich eine in Kleidung gehüllte Person 大 (später 裀 /yīn/, verwandt auch mit 茵 /yīn/ „Matte“).

Nr.97 只 (trad. auch 祗) /zhǐ/ „nur“; (trad. 隻) /zhī/ „einzeln“, (ZEW für Tiere, Hände u.a.). 隻 ursprünglich „mit der Hand 又einen Vogel 隹fangen“. Das heute für beide Konzepte verwendete Kurzzeichen ist schon in der Hanzeit als Interjektionszeichen (ein rufender Mund) und in der Tangzeit in der Verwendung „nur“ belegt.

Nr.98 从 (trad. 從) /cóng/ „folgen“, Bedeutung erweitert zu „von…her, seit“. Das ursprüngliche Signifikum彳+止 ist eine Variante des heutigen Signifikums 辵 / 辶 „Fortbewegung“. Im Kurzzeichen wieder sinnhaft reduziert auf das Basiszeichen: ein Mensch 人, der einem anderen 人 „folgt“. 

Nr.99 想 /xiǎng/ “denken, planen, wünschen”. Signifikum „Herz“ (Emotion) 心, Phonetikum 相 /xiāng//xiàng/ (木 „Baum“ und 目„Auge“, ursprünglich „beobachten“, heute „gegenseitig“).

Nr.100 实 (trad. 實) /shí/ „solide, echt, ernsthaft“.  Ursprünglich eine Reichtum symbolisierende Schatzkammer: Muscheln 貝 und Geldschnüre 毌 unter einem Dach 宀 (ähnlich 富 /fù/ „reich“). Im Kurzzeichen wurde das komplexe 貫 wie andere ähnliche Grapheme durch 头 /tóu/ „Kopf“ ersetzt.

Nr.101日 /rì/ “Sonne, Tag” (sowie in 日本 /rìběn/ „Japan“: Land der aufgehenden Sonne). Ursprünglich runde Sonne, durch Ritzung und Pinselschreibung heute eckig. 日 ist selbst Signifikum in vielen Zeichen, die mit Licht und Zeit konnotiert werden.

Nr.102 军 (trad. 軍) /jūn/ „Militär, Armee“. Ein (Streit-)Wagen 車 /车unter einem dachartigen Graphem 冖, das ursprünglich das Phonetikum 匀 /yún/ (Gewichtseinheit) bzw. 勹 darstellte.

Nr.103 者 /zhӗ/ Schon in Bronzeinschriften wie heute vor allem als Nominalisierungssuffix verwendet. Entstehungsgeschichte unklar: Antike Formen verweisen auf Pflanzen und ähneln häufig 杏 oder 春, es besteht also trotz graphischer Ähnlichkeit kein historischer Zusammenhang zu 老 /lǎo/ (Nr.179),考/kǎo/ oder 孝 /xiào/.

Nr. 104 意 /yì/ “Gedanken, Idee, Meinung”. In der Antike auch in der Variante 𠶷. Aus zwei semantischen Graphemen zusammengesetzt: „Sagen 音 (Variante von 言, Worte aus einem geöffneten Mund), was das Herz 心 denkt“.

Nr.105 无 (trad. 無) /wú/ „nicht, nicht haben“ (schriftsprachlich). Das Graphem 無 stellt einen tanzenden Menschen dar, mit Schmuck an den Armen, darunter zwei Hölzer 𣞤 (vgl. 蕪/wú/ „Gestrüpp, Unkraut“, 舞 /wǔ/ „tanzen“).  Aber auch das vermeintlich moderne Kurzzeichen 无 ist schon in alten Texten als Negationswort belegt.

Nr.106 力 /lì/ “Kraft, Fähigkeit”. Ursprünglich Darstellung eines Pfluges. Vgl. auch “Feld” 田 + “Pflug” 力 = 男 /nán/ “männlich”. Signifikum in einigen weiteren Zeichen.

Nr.107 它 (trad. 牠) /tā/ „es“ (3. Pers. Sg.) Ursprünglich eine Schlange (heute 蛇 /shé/, vgl. auch Nr.31 也 /yӗ/), schon früh Allograph zu 他 /tā/. Im 20. Jh. dann zunächst als 牠 (mit „Rind“ 牛), in der VR als 它 in strenger „sächlicher“ Verwendung für Tiere und Abstrakta (vgl. Nr.91 她 /tā/).

Nr.108 与 (trad. 與) /yǔ/ “geben, unterstützen, und, mit”. Zwei Hände 廾geben einen Zahn (与 ist Variante von 牙 /yá/) in zwei andere Hände. (Zähne waren rituelle Gaben.) Vgl. auch phonetisch und semantisch舁 /yú/ „gemeinsam hochheben“.

Nr.109 长 (trad. 長) /cháng/ /zhǎng/ „lang, andauernd“ „wachsen“. Eine Gestalt am Stock mit langen, wehenden Haaren; graphisch verwandt mit 老 /lǎo/ „alt“: Ursprünglich sowohl „alt geworden“ als auch „lange Haare“, Bedeutungsfeld erweitert zu „lang“ und „wachsen“. („Haare“ als Signifikum heute noch 髟 /biāo/ mit der Variante 镸).

Nr.110 把 /bǎ/ “festhalten, Griff”, Syntaxpartikel zum „Ergreifen“ eines Objekts. Signifikum „Hand“ 扌(手) mit Phonetikum 巴 /bā/ (“Riesenschlange”).

Nr.111 机 (trad. 機) /jī/ „Gerät, Maschine, kritischer Punkt, Gelegenheit“. Signifikum „Holz“ 木 mit Phonetikum 几 /jī/ („Tischchen“) bzw. 幾 /jǐ/ (“einige”, 𢆶 + 戍, Nr.211).

Nr.112 十 /shí/ “zehn”. In der Frühzeit der chinesischen Schrift eine senkrechte Linie: 丨 (vgl. waagerechte Linie: 一 /yī/ „eins“, Nr.2). Ein oft hinzugefügter, dicker Punkt in der Mitte entwickelte sich zur Zeit der Streitenden Reiche (5.-3. Jh. v.u.Z.) zu einem zusätzlichen waagerechten Strich.

Nr.113 民 /mín/ “Volk, Bürger”. Ursprünglich „Sklaven“, denen mit einer Stichwaffe 戈 ein Auge 目 ausgestochen wurde. Schon in der Antike jedoch zu „Bevölkerung“ erweitert, und die grausame Urbedeutung des heute abstrakten Zeichens verschwand aus dem kollektiven Bewusstsein.

Nr.114 第 /dì/ Präfix für Ordinalzahlen, “der/die/das X-te“, ursprünglich „Reihenfolge“. 第 / 弟 war einst ein mit Bambusblättern umwickelter Holzgriff (später 柲 /bì/), früh entlehnt für „Reihenfolge“ (der Bambusblätter?) und „jüngerer Bruder“.

Nr.115 公 /gōng/ “öffentlich, allgemein“. Die Bedeutung „männlich“ (als Ehrenbezeichnung und für Tiere) ist wohl phonetisch entlehnt. Eine Art Amphore mit zwei Henkeln (später 瓮 /wèng/) – oder eine graphische Variante von Nr.79 分 /fēn/ “teilen“; vgl. auch das Antonym 厶 bzw.私 /sī/ „privat“.

Nr.116 此/cǐ/ schriftsprachliches Demonstrativum „dies(es), hier“ – wo der Mensch 匕 mit seinem Fuß 止 steht. Vgl. Nr.86 些 /xiē/ “einige”.         

Nr.117 已 /yǐ/ “schon, bereits”. Ursprünglich „Schlange“ 巳 /sì/ (Sechstes Tier im chin. Tierkreis, Zahl 6 im Zyklus der 12 Erdzweige 地支 /dìzhī/), für die abstrakte Bedeutung graphisch leicht verändert: Das Viereck ist links halb geöffnet (mit kompletter Öffnung: 己 /jǐ/ „selbst“).

Nr.118 工 /gōng/ “Arbeit”. Ein Gerät, dessen Funktion nicht geklärt ist: In Bronzezeichen oft auch mit runder Unterseite; Spekulationen gehen daher in Richtung Stößel, Schneidegerät oder auch Winkelmaß.

Nr.119 使 /shǐ/ “senden, Bote, Botschaft(er/in), veranlassen, bewirken”. Einst 吏 /lì/ „niedriger Beamter“ mit Signifikum 彳“Weg“, später verkürzt zu 亻“Mensch“. Phonetisch und graphisch verwandt mit史 /shǐ/ „historische Aufzeichnungen“, vgl. auch Nr.58 事 /shì/ „Angelegenheit“.

Nr.120 情 /qíng/ “Gefühl, Emotion, Zuneigung, Situation“. Links Signifikum 心 “Herz, Gefühl“ (/xīn/) in der Variante 忄 (vgl. Nr. 90), rechts Phonetikum 青 /qīng/ („dunkelgrün /-blau“).

Nr.121 明 /míng/ “leuchtend, klar, offensichtlich”, Zeichen der Ming-Dynastie (14.-17. Jh.). Eines der eher seltenen aus zwei Graphemen mit ausschließlich semantischer Funktion zusammengesetzten Schriftzeichen:  Sonne 日 (/rì/) und Mond 月 (/yuè/) „leuchten“ in einem Zeichen.

Nr.122 性 /xìng/ “Charakter, Temperament, Geschlecht, Sexualität“: Die dem Menschen von Geburt an zugeschriebenen Eigenschaften. 生 /shēng/„Geburt“ (Nr.34) hat hier sowohl semantische als auch phonetische Funktion, ergänzt durch das Signifikum心 “Herz, Gefühl“ (/xīn/) in der Variante 忄.

Nr.123 知 /zhī/ “wissen, verstehen”. Wie bei Nr. 67 如 /rú/ steht hier der Mund 口 als Signifikum auf der rechten Seite. Links das Phonetikum 矢 /shǐ/ („Pfeil“), das auch semantisch interpretiert werden könnte: “Wissen“ fliegt wie ein Pfeil von einem zum anderen?

Nr.124 全 /quán/ “gesamt, komplett”. In antiken Materialien oben 入 /rù/ „hinein“ (manchmal mit waagerechtem Strich darunter (𠓛) , unten 玉 /yú/ „Jade“ oder 工 (仝). Grundbedeutung „perfekter, reiner Jade“, zum Bedeutungswandel vgl. im Deutschen “vollkommen”.

Nr.125 三 /sān/ “drei”. Das 2000 Jahre alte Wörterbuch Shuowen 説文解字verleiht diesem Zeichen noch eine metaphysische Bedeutung: „三。天地人之道也。“:  „Drei – Die Wege von Himmel, Erde und Mensch“.       

Nr.126 又 /yòu/, heute nur noch in der Bedeutung „wieder, noch”. Ursprünglich eine rechte Hand (heute „rechts“ 右 /yòu/), als Signifikum „Hand“ in Zeichen wie 隻驭支. Bei der Kurzzeichenreform außerdem häufig als funktionsloses, rein graphisches Subgraphem verwendet: 汉对权 statt 漢對權.

Nr.127 关 (trad. 關関) /guān/ “schließen, Grenzstation, verbinden, Beziehung”. Ein Tor 門 wird durch zwei(?) Balken geschlossen. In historischen Varianten finden sich im „Tor“ 門Grapheme wie 卝𢇅串关. Letzteres wurde zum heutigen Kurzzeichen. (Vgl. Nr.94 开開 /kāi/ „öffēnen, beginnen“)

Nr.128 点 (trad. 點) /diǎn/ „Punkt, einen Punkt setzen, bestellen, Strich 丶, ein bisschen“. Signifikum 黑 „schwarz” (mit „Feuer“ , Phonetikum 占 /zhān/ (“weissagen”), in Kurzzeichenreform zusammengeführt. Gelegentlich auch 奌.

Nr.129 正 /zhèng/ “richtig, aufrecht, korrekt, positiv“. Bedeutungserweiterung, ursprünglich „eine Reise / Expedition machen (heute 征 /zhēng/). Ein Fuß 止 geht zu einem Ziel (einst ein Quadrat, später 丁 /dīng/ „viereckiger Nagel“ (auch phonetisch), gekürzt zu 一.

Nr.130 业 (trad. 業) /yè/ “Beruf, Branche, Unternehmen”. In der Kurzzeichenreform von 13 auf die ersten 5 Striche gekürzt. Herkunft unklar: Das Shuowen nennt 業ein großes Rammholz für Klangsteine. Am ehesten Bezug zu 凿 /záo/ „Meißel“ und 木 „Holz“. 

Nr.131 外 /wài/ “außen, außerhalb, ausländisch“. Das Zeichen  卜 /bù/ „wahrsagen“ (das Aufbrechen der Tierknochen) bedeutete auch schon früh „außerhalb“. Später wurde als Phonetikum月/yuè/ („Mond“) in seiner graphischen Variante 夕 (heute /xī/) hinzugefügt.

Nr.132 将 (trad. 將) /jiāng/ /jiàng/ „bringen, unterstützen, (schriftsprachlich: Markierung von Zukunft sowie Äquivalent zur Partikel 把 /bǎ/ (Nr.110))“ / „General“. Ursprünglich „nehmen“: Eine Hand 寸 ergreift ein Stück Fleisch 肉 (gekürzt zu 月). 爿 bzw.丬/qiáng/ („Holzscheit“) ist Phonetikum.

Nr.133 两 (trad.兩) /liǎng/ Ursprünglich eine Gewichtseinheit, heute vor allem „zwei (+ZEW)“. Ursprünglich möglicherweise zwei Joche 㒳 für Rinder oder Pferde, die den Wagen zogen. Vgl. 丙 /bǐng/ („Joch“?), 内 /nèi/ („innen“) und 入 /rù/ („hinein“).

Nr.134 高 /gāo/ „hoch, groß“. Abbildung eines zweistöckigen Hauses oder einer Pagode. Vgl. 亭 /tíng/ „Pavillon, kleine Pagode“.

Nr.135 间 (trad. 間) /jiān/ „Raum, Zwischenraum, Zeitraum“. Ein Türspalt: Eine Sonne 日scheint durch eine Tür 門 / 门. Vgl. auch 闲 (閑) /xián/ „leerstehend, Freizeit“. Für beide Konzepte lässt sich über die Jahrtausende häufiger die (heute ungebräuchliche) Schreibung mit „Mond“ finden: 閒.

Nr.136 由 /yóu/ „Grund, Ursache, von…ausgehend”. Ursprung unklar: Früheste Darstellungen erinnern an eine Kerze, einen Helm oder ein Gefäß. Heutige Bedeutung durch phonetische Entlehnung entstanden.

Nr.137 问 (trad. 問) /wèn/ „fragen“. Ein Mund 口 als Signifikum in der Tür 門 / 门 /mén/, die hier als phonetisches Element fungiert.

Nr.138 很 /hěn/ “sehr”, häufig vor Adjektivprädikaten. Ursprünglich „nicht gehorchen, seinen eigenen Weg 彳 gehen“. (verwandt mit 狠 /hěn/ “wild, grausam, energisch“). Phonetikum 艮 /gèn/ („zurück blicken“). Früh grammatikalisiert zu Bekräftigungspartikel (vgl. Deutsch “irre gut“, „außerordentlich gut“ etc.).

Nr.139 最 /zuì/ „äußerst“, Partikel des Superlativs/Elativs. Ursprünglich „rauben“, früh grammatikalisiert. Signifikum 取 /qŭ/ „nehmen“ (wohl auch phonetisch). Der obere Teil ist weder Sonne 日noch geöffneter Mund 曰, sondern 冃 /mào/ „Kopfbedeckung“ (heute 帽 /mào/ „Kopfbedeckung, Mütze“).

Nr.140 重 /zhòng//chóng/ “schwer, wichtig” / “wiederholt“. Eine Person 亻auf der Erde 土 (𡈼 /tǐng/ „aufrecht stehen“) trägt ein schweres Bündel 東 (/dōng/, auch Phonetikum, später entlehnt für „Osten“) auf dem Rücken.

Nr.141 并 (trad. 並, auch 幷, früheste Form 竝) /bìng/ „verbinden, gemeinsam, außerdem“, (Bekräftigungspartikel für Negationen). Zwei nebeneinander stehende Menschen 立.  

Nr.142 物 /wù/ “Gegenstand, Ding, Tier”. Ursprünglich „geflecktes Rind“.  Signifikum牛 „Rind“ mit Phonetikum 勿 /wù/ (eine Art Messer).

Nr.143 手 /shǒu/ „Hand“, auch Suffix für „Experten“. Abbildung einer menschlichen Hand. In der chinesischen Schrift existieren zahlreiche weitere Formen der Hand wie 扌又爪 bzw. der obere Teil in 妥.

Nr.144 应 (trad. 應) /yīng/ /yìng/ „bewilligen, anpassen, sollen“. Signifikum „Herz“ 心mit Phonetikum 𨿳 /yīng/ „Greifvogel“ (heute 鹰, vgl. auch 雁 /yàn/ „Wildgans“). In der Kurzzeichenreform grafisch gekürzt zu应, als japanisches Kanji zu 応. 

Nr.145 战 (trad. 戰) /zhàn/ „Krieg, kämpfen“. Rechts stehendes Signifikum 戈 „Lanze“ (/gē/) mit Phonetikum 單 /chán//dān//shàn/ („Wurfbola“), in Kurzzeichen ersetzt durch das einfachere占 /zhān//zhàn/.

Nr.146 向 /xiàng/ “Richtung, tendieren, in Richtung von“. Ursprünglich „Schall, Echo“: Ein Mund 口 unter einem Dach 宀 (in einer ungewöhnlichen Variante). Früh phonetisch entlehnt für jetzige Bedeutung. „Schall“ /xiǎng/ schreibt man inzwischen 響 / 响.

Nr.147 头 (trad. 頭) /tóu/ „Kopf, Chef, erste/s“. Im traditionellen Zeichen regelhaft mit dem rechts stehenden Signifikum „Kopf“ 頁 und dem Phonetikum 豆 /dòu/ („Bohne“). Das Kurzzeichen 头ist aus einer extremen Kursivform des Zeichens abgeleitet.

Nr.148 文 /wén/ “Schrift, Literatur, Sprache, Kultur“. Ursprünglich Darstellung einer Person (wie 大 /dà/ „groß“) mit Ornamenten oder Tattoos auf dem Körper. Diese Ornamente sind früh verschwunden.

Nr.149 体 (trad. 體) /tǐ/ “Körper, Einheit, Stil, System”. Ursprünglich der menschliche Körper (auch 軆, 𦡊). Im trad. Zeichen links Signifikum 骨 „Knochen“, rechts 豊lǐ, ein rituelles Gefäß. Im bereits in der Songzeit auftauchenden Kurzzeichen (auch im Japanischen) alternativ aus 亻 „Mensch“ und 本 “Wurzel” gebildet.         

Nr.150  政 /zhèng/ „politisch, Regierung“. Einst „einen Staat angreifen“ (heute mit 征 /zhēng/), Bedeutungserweiterung von 正 /zhèng/, ursprünglich „eine Reise / Expedition machen“ (vgl. auch Nr.129). mit hinzugefügter „schlagender Hand“ 攴/攵.

Nr.151 美 /měi/ “schön”. Eine Gestalt 大 trägt ein Schafsfell (mit Hörnern) 羊auf dem Kopf. Derartige Tierattribute wurden in vielen schamanischen Gesellschaften aus religiösen Gründen oder zur Dekoration getragen.

Nr.152 相 /xiāng//xiàng/  “einander, gegenseitig” / “Aussehen, Abbild“.  Grundbedeutung „beobachten“: Ein Auge 目beobachtet einen Baum 木. Wie es zu dem Bedeutungskonzept „gegenseitig“ kommt, kann bisher niemand erklären. Aber 目 /mù/ und 木 /mù/ haben in fast allen Regionalsprachen die gleiche Aussprache. Zufall?

Nr.153 见 (trad. 見)  /jiàn/ „sehen, erblicken, wahrnehmen“. Ein Auge 目auf zwei Beinen 儿. 见 kann als Komponente in anderen  #Schriftzeichen nur rechts oder unten stehen, sowohl als #Signifikum (观视觉) als auch als #Phonetikum (现舰).

Nr.154 被 /bèi/ „(Stoff-)Decke“, grammatikalisiert zur Passivpartikel vor Verben und Substantiven. Links Signifikum „Kleidung“ 衣 in der links stehenden Variante 衤, rechts Phonetikum  皮 /pí/ („Leder, Haut“).

Nr.155 利 /lì/ “Gewinn, Profit, Verdienst”. Ein aus zwei semantischen Bestandteilen (Signifika) zusammengesetztes 会意huìyì-Zeichen: Getreide 禾wird mit einem Messer 刂 (刀) geerntet: Gewinn.

Nr.156 什 /shén/ (trad. 甚) “etwas” (im Fragewort 什么 /shénme/ „was?”) bzw. /shí/ “zehn, gemischt“ (Variante von Nr.12 十 mit „Mensch“ 亻). Der obere Teil des grammatikalisierten, trad. Langzeichens 甚 ist wohl der geöffnete Mund 甘 /gān/, Bedeutung des unteren Teils unklar.

Nr.157 二 /èr/ “zwei”. Vgl. unsere römische II. Auch ist 二 Bestandteil des Zeichens für das  Verhältniss zwischen (zwei) Menschen 仁 /rén/, das zu einem konfuzianischen Grundprinzip wurde und meist als „Mitmenschlichkeit“ oder „Humanität“ übersetzt wird.

Nr.158 等 /děng/ „Kategorie, Klasse, klassifizieren, gleichrangig, warten, usw.“. Ursprünglich das Sortieren und Ordnen von Schriftstücken, daher das Signifikum 竹/ „Bambus, schreiben“. Die Komponente 寺 /chí//sì/ scheint als Phonetikum wenig plausibel, möglicherweise Signifikum „festhalten“ (heute持 /chí/). 

Nr.159 产 (trad. 產産) /chǎn/ „gebären, produzieren“. Im Langzeichen ist das bedeutungstragende Graphem 生 /shēng/ „Geburt“ (Nr.34) noch enthalten. Das heutige Kurzzeichen (Phonetikum?) enthält ursprünglich 文/wén/ (Nr.148) und ist auch noch in 彦 /yàn/ „kultivierter Mensch“ enthalten.

Nr.160 或 /huò/ “oder, möglicherweise“. Ursprünglich ein Gebiet 口, das mit einer Lanze 戈 zu verteidigen war (heute mit 土 “Erde“: 域 /yù/ „Gebiet“), später phonetisch entlehnt für grammatische Funktion.

Nr.161 新 /xīn/ “neu”. Ursprünglich „Brennholz“ (heute 薪/xīn/). Phonetikum ursprünglich 辛 /xīn/, das mit „Holz“ 木zu 亲 verschmolzen ist. Signifikum ist eine (Holz 木schlagende) Axt 斤. (Vgl. auch 析/xī/ „zerteilen, analysieren“).

Nr.162 己 /jǐ/ “selbst”, 6. Himmelsstamm im chinesischen Zeitzyklus. Möglicherweise ein Strick oder Seidenfaden, später 纪 /jì/ (auch “Chronik”), phonetisch entlehnt für “selbst”. Nicht zu verwechseln mit Nr.117 已 /yǐ/ “schon, bereits”.

Nr.163 制 /zhì/ “herstellen, ausarbeiten, herrschen, System”. Wieder ein Zeichen, das ursprünglich aus der Holzverarbeitung kommt: Ein Messer 刂 (刀) bearbeitet eine (in keinem anderen Zeichen auftretende) Variante von „Holz“ (木/未/生). Einst eng verwandt mit 折 /zhé/ „zerbrechen, verbiegen, falten“.

Nr.164 身 /shēn/ “Körper, Rumpf”. Darstellung eines Menschen mit Hervorhebung des Bauches.

Nr.165 果 /guǒ/ “Frucht, Obst, Ergebnis, Resultat“. Ein Baum oder Strauch 木 mit einer großen Frucht (in 3000 Jahre alten Inschriften auch mehrere Früchte), die nur zufällig grafisch dem Zeichen für „Feld“ 田 entspricht.

Nr.166 加 /jiā/ “hinzufügen, erweitern”, ursprünglich auch „verleumden, übertreiben“. Ein Pflug 力(„Kraft“ /lì/)  und ein Mund 口 (/kǒu/, möglicherweise auch Phonetikum). Entstehung unklar; manche vermuten „Stöhnen bei harter Arbeit“ als Grundbedeutung.

Nr.167 西 /xī/  Der „Westen“ ist offenbar diejenige Himmelsrichtung, über die am häufigsten geschrieben wird. Darstellung eines Nests (mit Vogel darin, heute 栖 /qī/), phonetisch entlehnt.

Nr.168 斯 /sī/ „s“. Das häufigste rein phonetische Zeichen; findet fast nur als phonetische Transkription für S-Laute in fremdsprachigen Eigennamen Verwendung: Thoma-s, Mo-s-kau, Engel-s, S-tanford etc. Grundbedeutung schon wieder „Holz fällen“, mit Axt 斤 und Phonetikum 其 /qī/.

Nr.169 月 /yuè/ “Mond, Monat”. Abbildung des sichelförmigen Mondes. Als semantische Komponente heute nur noch durch die Position im Schriftzeichen von „Fleisch, Körperteil“ 月 (肉 /ròu/) unterscheidbar: Nur rechts stehendes 月 verweist auf das Konzept „Mond, Zeitraum“ (明期朝朗).

Nr.170 话 (trad. 話) /huà/ “Rede, Sprache”. (Frühere Varianten auch譮 oder 䛡) Links Signifikum „sprechen“ 訁/讠, rechts 舌, meist als Signifikum „Zunge“ (/shé/) interpretiert, tatsächlich Kurzform eines verloren gegangenen Phonetikums: 氏 über 口 /guó/ „im Mund halten“ (wie in 刮 /guā/ und 活 /huó/).

Nr.171 合 /hé/ “verbinden, vereinigen, schließen, passen”. Ein Deckel 𠓛 wird auf ein Gefäß 口gesetzt. Vgl. auch Nr.29 会 (trad. 會) /huì/.

Nr.172 回 (trad. auch 囘迴) /huí/ “zurück(gehen), zurückkehren, antworten”. Ursprünglich „wirbeln, sich drehen“: Darstellung eines Wasserstrudels (später 洄 /huí).

Nr.173 特 /tè/ “speziell, besonders”, phonetische Transkription für T-Laute. Ursprünglich „Stier“. Links Signifikum 牛 „Rind“, rechts Phonetikum 寺 /chí/ (heute /sì/ „Tempel“, früher „festhalten“ → heute 持 /chí/).

Nr.174 代 /dài/ “ersetzen, repräsentieren“ sowie „Ära, Zeitalter, Generation”. Links Signifikum 亻“Mensch“, 弋 /yì/ (Pfeil an einer Schnur) wird als Phonetikum interpretiert. (vgl. phonetisch das seltene 忒 /tè/ „Fehler“)

Nr.175 内 (trad. 內) /nèi/ „innen“. Zusammengesetzt aus einem Gebäude / Dach 冂 (vgl. 宀) und dem Zeichen 入 /rù/ „hineingehen, betreten“.

Nr.176 信 /xìn/ “vertrauen, glauben, Brief“. Links Signifikum 亻“Mensch“ (/rén/, wird von manchen auch als Phonetikum gedeutet), rechts Signifikum 言 „sprechen“. Eselsbrücke: “Ein Mann, ein Wort“. Seltenere, aber sehr sinnhafte Schreibung mit Phonetikum 心 /xīn/ „Herz“: 訫.

Nr.177 表 /biǎo/ “zeigen, zum Ausdruck bringen”, auch “Armbanduhr” (dann trad. 錶). Ursprünglich ein Fellmantel, zusammengesetzt aus 毛 /máo/ „Fell“ im Innern von 衣 /yī/ „Kleidungsstück“, grafisch verkürzt. Vgl. Nr.50 里 /lǐ/ „innen“ (trad. 裏).

Nr.178 化 /huà/ “verändern, wechseln“, dann „chemisch” und Suffix der Veränderung „-isieren, -isierung“. Ursprünglich zwei voneinander abgewandte 亻 Menschen, der rechte hat die Position „verändert“ und ist um 180 Grad gedreht.

Nr.179 老 /lǎo/ „alt, ehrwürdig”. Stark veränderte Abbildung einer Gestalt 人 mit Haaren 毛, gestützt auf einen Stock. Die Gestalt wurde zu 耂, der Stock zu 匕. B.Karlgren hingegen meinte, in 老 sei die farbliche „Veränderung“ (匕, vgl. Nr.178化 /huà/) der Haare 毛 dargestellt.

Nr.180 给 (trad. 給) /gěi/ /jǐ/ „geben, zur Verfügung stellen, für“. Grundbedeutung „unterstützen, bereichern“, in antiken Texten sehr selten. Links Signifikum „Seide“ 纟 (糸), rechts Phonetikum 合 /hé/ (Nr.171).

Nr.181 世 /shì/ “Generation, Welt, Ära”. Es gibt drei Erklärungsmuster: a) Variante von 止/zhǐ/ „Fuß“. b) Ursprünglich „Blätter“ (vgl. trad. 枼, Var.枽 /yè/, „Kräuter“ 卉/huì/), phonetisch entlehnt. c) abgeleitet von 卅 /sà/ „dreißig“ Jahre = eine Generation.

Nr.182 位 /wèi/ “Position, Status”, honorifizierendes ZEW für Personen. Ursprünglich Variante von 立 /lì/ „stehen“ (eine Person steht auf dem Boden) mit Hinzufügung des Signifikums „Mensch“ 亻.

Nr.183 次 /cì/ “Reihenfolge, -mal, sekundär”. Ursprünglich „konsultieren, beraten“ (heute 咨/zī/). Rechts der geöffnete Mund欠 /qiàn/, und bei den links stehenden “zwei Tropfen Wasser“ 冫handelt es sich tatsächlich um Spucke. (Für die Bedeutung „sekundär, zweitrangig“ könnte冫aber auch eine Variation von 二 „zwei“ sein.)

Nr.184 度 /dù/ “messen, Maß, Grad“ auch „Zeit verbringen“. Eine Hand 又hält einen Stein 石 (/shí//dàn/, evtl. auch phonetisch). Zur ungewöhnlichen Graphie von石 „Stein“:  Analog wurde 𤇈 („Stein im Feuer erhitzen“) zum heutigen 庶 /shù/.

Nr.185 门 (trad. 門) /mén/ „Tür, Tor, Eingang“. Im traditionellen Zeichen sind die Türflügel noch sichtbar. Eines der wenigen Basiszeichen, das in komplexeren Zeichen etwa gleich häufig als Signifikum (闭/bì/ 阔/kuò/ 阅yuè/ 闪/shǎn/) wie als Phonetikum (问/wèn/ 闻/wén/ 闷/mēn/ 们/men/) Verwendung findet.

Nr.186 任 /rèn/ “halten, innehaben, ein Amt bekleiden, Aufgabe, irgend(-wer, – was)”. Signifikum „Mensch“ 亻mit Phonetikum 壬 /rén/ (der neunte Himmelsstamm, Entstehung unbekannt).

Nr.187 常 /cháng/ “üblich, regulär, häufig”. Ursprünglich ein rockartiges Kleidungsstück (später裳 /cháng//shang/), das phonetisch entlehnt wurde. Daher unten Signifikum „Stoff“ 巾 mit oben Phonetikum 尚 /shàng/.

Nr.188 先 /xiān/ “erste(r), früher”. Ursprünglich 止 „Fuß, Schritt“ über 儿 Person: „vorausgehen“.

Nr.189 海 /hǎi/ „Meer“ (auch in 上海 Shànghǎi). Signifikum Wasser 氵 . Starke phonetische Veränderung vom Basisphonetikum 母 /mŭ/ (Mutter, Frau) zum Phonetikum 每 /měi/ (Frau mit Haarschmuck) in 海 /hǎi/.

Nr.190 通 /tōng/ „durchlaufen, erreichen, kommunizieren, allgemein“. Signifikum 辶 “Fortbewegung“ mit Phonetikum 甬 /yǒng//tǒng/ („Eimer“, vgl. Nr.51 用 /yòng/).

Nr.191 教 /jiào/ „lehren, unterrichten“. Zwei Signifika: 子 „Kind“ + 攴 (=攵) „mit einem Stock schlagen“. Oben links Phonetikum 爻 /yáo/, das auch in 學 /xué/ „lernen“ enthalten ist. Beide Zeichen bedeuten ursprünglich „unterweisen, lernen“, und es gab auch eine Mischform 斅/敩 (der heute die Aussprache /xiào/ zugewiesen wird (= evtl. 校).

Nr.192 儿 (trad. 兒) /ér/ /-r/ “Sohn, Kind”, (Nominalisierungssuffix im Pekinger Dialekt). Der obere Teil des traditionellen Zeichens ist nach Meinung vieler eine Darstellung der noch offenen Schädelfontanelle eines Neugeborenen, nach anderer Deutung eine Kinderfrisur.

Nr.193 原 /yuán/ “Quelle, Ursprung, Herkunft”. Ein Felsabhang 厂, aus dem klares, „weißes“ 白Wasser (水→ 小) sprudelt. Vgl. auch 泉 /quán/ „Quelle“.

Nr.194 东 (trad. 東) /dōng/ „Osten“. Volksetymologisch und im „Shuowen“ als Sonne 日hinter einem Baum 木beschrieben. Tatsächlich Darstellung eines geschnürten Bündels, phonetisch entlehnt, vgl. 束 /shù/ „Bündel“ (Signifikum in verschiedenen „Bündeln“: 橐 /tuó/ 㯱 /biăo/ 㯻/gŭn/).

Nr.195 声 (trad.聲) /shēng/ „Klang, Ton, Stimme“. Ein “Klangstein” (Variante von 石 „Stein“), der an einer Schnur (糸 → 士) hängt. Im trad. Zeichen erkennt man noch das Schlagen des Steins mit einem Klöppel (殳) und das ergänzende Signifikum 耳 „Ohr“, die beide im Kurzzeichen gestrichen wurden. (Vgl. „Klangstein“ 殸 bzw. 磬 /qìng/)

Nr.196 提 /tí/ “aufnehmen, in der Hand halten, (Thema) ansprechen“  Links Radikal „Hand“ 手 in der gekürzten Form 扌, rechts 是 /shì/ als Phonetikum (wie in 题 /tí/).

Nr.197 立 /lì/ „aufrecht stehen, aufstellen, etablieren“. Ursprungsform 𡗓:  Ein aufrecht auf dem Boden 一 stehender Mensch 大. Eng verwandt mit Nr. 182 位 /wèi/ “Position, Status”.

Nr.198 及 /jí/ „einfangen, reichen (bis zu), gleichkommen, und“. Ursprungsform ähnlich 仅: Eine Hand 又ergreift eine Person人. Historische Variante auch mit „Wegstrecke“: 彶.  

Nr.199 比 /bǐ/ “vergleichen”: Zwei Personen stehen nebeneinander. Im Unterschied zur archaischen Form von 从 /cóng/ „folgen“ blickten die Personen hier nach rechts. Auch eine Form 夶 ist belegt. Vgl. auch das einst ebenfalls Menschen bezeichnende匕 /bǐ/ und Nr.178 化 /huà/.

Nr.200 员 (trad. 員) /yuán/ „Person“. Ursprünglich „rund“, heute 圆 /yuán/. Tatsächlich zeigt 口 die runde Öffnung eines großen Bronzekessels 鼎 dǐng, der grafisch gekürzt wurde, d.h. es besteht keine etymographische Beziehung zu „Muschel“ 贝貝 oder der scheinbar „menschlichen“ Gestalt.

Nr. 201 解 /jiě/ “lösen, erklären”. Ein seltener Fall von drei semantischen Bestandteilen: Einem Rind 牛 wird mit einem Messer 刀 das Horn 角 (/jiǎo/, auch phonetisch) abgeschnitten.

Nr. 202 水 /shuǐ/ “Wasser, Flüssigkeit”. Darstellung fließenden Wassers, als links stehendes Signifikum zu 氵 („Drei-Punkte-Wasser“ 三点水/sāndiǎnshuǐ/) gekürzt. Vgl. auch 永 /y ng/ „ewig“, 川 „Fluß“.

Nr. 203 名 /míng/ “Name, Titel”. 夕/xī/ ist eine Variante von 月 /yuè/ “Mond”, kombiniert mit 口 “Mund”: „In der Dunkelheit (seinen Namen) rufen“. Manche Autoren sind allerdings der Ansicht, die phonetische Ähnlichkeit von 名 /míng/ und明 /míng/ (Nr.121) könne kein Zufall sein, und der „Mond“ sei ein heute verloren gegangenes Phonetikum /ming/.

Nr. 204 真 (Var. 眞) /zhēn/ “wahr, echt”. Entstehung unklar: Der Hauptteil sieht in Bronzeinschriften wie 貝 “Muschel“, in Orakelzeichen eher wie 鼎 “Bronzegefäß Ding“ aus, darüber Löffel 匕 oder ein Mensch 人. Trotz Ähnlichkeit keine Verwandtschaft mit 直 /zhí/ „gerade“ (Nr.255).

Nr. 205 论 (trad. 論) /lùn/ „debattieren, erörtern“. In der Kurzzeichenreform gemäß üblicher Schnellschreibungen von 15 auf 6 Striche gekürzt: Links Signifikum „Sprache“ 言 bzw. 讠, rechts Phonetikum 侖 bzw. 仑 /lún/ („geordnete Schriftstücke“).

Nr. 206 处 (trad. auch 處) /chǔ/ „Ort“, vor allem schriftsprachlich. Schon vor über 2000 Jahren in der Form 処 „Ruheplatz“: Gestalt oder Beine 夂, die sich auf einen Hocker几 setzen. Offensichtlich spätere Vermengung mit Phonetikum 虍 /hū/ bzw. 虎 /hǔ/ „Tiger“, das ebenfalls几 bzw. 儿 als „Beine“ enthält.

Nr. 207 走 /zǒu/ “gehen, fortgehen”. Ursprünglich eine rennende Person (Variante von大) über einem „Fuß“ 止 (vgl. auch 奔 /bēn/ „rennen“ über Gräser). Als Signifikum in anderen Zeichen links und unten (wie 起, 趟). Eng verwandt mit 彳+止 (wie in 從), 辵 und 辶 /chuò/), die alle Varianten des gleichen Konzeptes sind.

Nr. 208 义 (trad. 義) /yì/ ursprünglich „Aussehen, Erscheinung“, heute „gerecht, rechtschaffen“ und „Bedeutung, Sinn“ (semantische Überlappung mit 意 /yì/). Signifikum „Schaf“ 羊 (vgl. 美 /měi/ „schön“) mit Phonetikum 我 (heute /wǒ/), das stark vereinfachte Kurzzeichen ist angelehnt an 乂 /yì/ („regulieren“).

Nr. 209 各 /gè/ “jede/r/s einzelne, alle”. Ursprünglich „betreten“ (Antonym zu Nr.28 出 /chū/ „hinausgehen“): ein Fuß 止/夂, der eine Höhle 凵 betritt (in 客 /kè/ „Gast“ noch vorhanden). Heutige Bedeutung durch phonetische Entlehnung bereits in der Zhanguo-Zeit (5.-3.Jh.v.Chr.) belegt.

Nr. 210 入 /rù/ “eintreten, betreten”. Im Unterschied zu Nr.7 人 (rén/ „Mensch“) war dieses Zeichen ursprünglich symmetrisch (Λ) und ist eng verwandt mit Nr.175内 (trad. 內) /nèi/ „innen“.

Nr.211 几 (trad. 幾) /jǐ/ “wie viele, einige”. Ursprünglich Seidenfäden 幺幺 /yōu/ und 戍 /shù/ „mit Lanze 戈 verteidigen“, Bedeutung möglicherweise „gefährliche Situation“, heutige Verwendung phonetisch entlehnt. Als Kurzzeichen dann ersetzt durch 几 /jī/ „Schemel, Tischchen“.

Nr.212 口 /kǒu/ “Mund, Öffnung”. Signifikum in vielen Zeichen, die orale Handlungen oder Partikeln  ausdrücken, meist links stehend (吗, 吧, 吸), in manchen alten Zeichen auch rechts (如, 知, 和). Phonetisch in 扣 /kòu/ „knöpfen, verschließen“.  

Nr.213 认 (trad. 認) /rèn/ „kennen, anerkennen“. In der Kurzzeichenreform von 14 auf 4 Striche gekürzt: Links Signifikum „Sprache“ 言 bzw. 讠, rechts Phonetikum 忍 /rěn/ „ertragen“, ersetzt durch 人 /rén/ „Mensch“.

Nr.214 条 (trad. 條) /tiáo/ v.a. ZEW „Zweig, Streifen, Paragraph“. Unten Signifikum „Holz“ 木, oben Phonetikum 攸 /yōu/ (mit „schlagender Hand“ 攵: Urform des heutigen 修 /xiū/ „reparieren, verzieren, kultivieren“ (vgl. auch 悠 /yōu/). Im Kurzzeichen wurde das Phonetikum zerschlagen und ist nun als 夂funktionslos.

Nr.215平 /píng/ “eben, flach, friedlich, ausgewogen”. Entstehungstheorien sehr divers und strittig, es wird Verwandtschaft mit 釆 /biàn/ 分 /fēn/, 八 /bā/ und 亏 /kuī/ vermutet und viel von Luft- bzw. Qi-strömen gesprochen. Ich finde vor allem die konzeptuelle Nähe zu 秤 /chèng/ „Waage“ einleuchtend.

Nr.216 系 /jì/ „festschnallen, befestigen“ bzw. /xì/ (trad. auch 係 繫) “Verbindung, System, Fakultät”. Eine Hand 爪 (schon früh zum oberen, fast waagerechten 丿piě-Strich verkürzt) ergreift Seidenfäden / Schnüre 糸 /mì/ (als Signifikum 糹bzw. 纟).

Nr.217 气 (trad. 氣, jap. 気) /qì/ “Luft, Dampf”, Lebensenergie #Qi/ #Ch’i. Ursprünglich „Wolken am Himmel“. „Reis“ 米 bzw. „Wasser“ 氵(heute 汽 /qì/ „Dampf“) wurde später zur Unterscheidung von 三 /sān/ „drei“ hinzugefügt. Einst auch oft für 乞 /qǐ/ „betteln“ verwendet.

Nr.218 题 (trad. 題) /tí/ einst „Stirn“, heute „Thema, Titel“. Rechts Signifikum „Kopf“ 页/頁, links 是 /shì/ als Phonetikum (ähnlich Nr.196 提 /tí/).

Nr.219 活 /huó/ “leben, lebendig”. Ursprünglich das Plätschern von Wasser. Links Wasser 氵,rechts 舌, meist als Signifikum „Zunge“ (/shé/) interpretiert, tatsächlich Kurzform eines Phonetikums 氏 über 口: /guó/ „im Mund halten“ (wie in 刮 /guā/ und Nr.170 话 /huà/).

Nr.220 尔 (trad. 爾) /ěr/ Ursprünglich u.a. „du“ (vgl. Nr.32 你 /nǐ/). Findet v.a. in fremdsprachigen Eigennamen für „l“- und „r“-Laute Verwendung, so dass sein Auftreten mit der Globalisierung enorm zugenommen hat (vgl. Nr.168 斯 /sī/). Graphisch sind 尔 und 尒 frühe Kurzfassungen des oberen Teils von 爾 (Darstellung einer Art Seidenspindel mit drei Beinen), das für das Personalpronomen der 2. Person phon. entlehnt wurde.

Nr.221 更 /gèng/ “verändern, mehr”, Komparativpartikel. Verschmelzung des Jochs丙 /bǐng/ (auch phonetisch) mit der (eine Peitsche?) schlagenden Hand 攴 / 攵. Solche Verschmelzungen von Subgraphemen ergaben sich vor allem durch den Wechsel des Schreibgeräts vom Ritzen/Gravieren zum Pinsel vor 2500-2000 Jahren, genannt 隶变 Lìbiàn (Veränderungen der „Kanzleischrift“).

Nr.222 别 (hist. auch 別) /bié/ „trennen, andere, Unterschied“, mündlich auch Kontraktion von 不要 /bú yào/. Kein Zusammenhang zu 力 /lì/ oder 口 /kǒu/, sondern „Fleisch mit dem Messer 刂vom Knochen (另, ursprünglich 冎) trennen“. (Graph.-sem. auch verwandt mit 另 /lìng/ „andere, gesondert“.)

Nr.223 打 /dǎ/ „schlagen, treffen”, häufiges Funktionsverb.  丁 /dīng/ „Nagel“ (vermutlich auch phonetisch), für die Tätigkeit erweitert um das Signifikum „Hand“ 扌(手).

Nr.224  女 /nǚ/ „Frau, weiblich”. In antiken Dokumenten häufig als knieende Figur dargestellt. Häufiges Signifikum, u.a. für Verwandtschaftsbezeichungen und Frauen zugeschriebenen Eigenschaften. Graphisch eng verwandt mit 母 /mǔ/ „Mutter“.

Nr.225变 (trad. 變) /biàn/ „ändern, verändern“. Oberer Teil phon. und sem. 䜌 /luán/ „(Fäden) durcheinanderbringen“ (vgl. 乱乿亂 /luàn/ „Chaos“), in Kurzzeichen regelhaft gekürzt. Unten hinzugefügt die „schlagende Hand“ 攴/攵.

Nr.226 四 /sì/ „vier”. Ursprünglich vier parallele (waagerechte) Striche 亖. Die heutige Form ist wohl eine phonetische Entlehnung eines lautmalerischen Wortes/Zeichens für „ausatmen“ (vgl. das seltene 呬 /xì/ „ausatmen, ausruhen“).

Nr.227 神 /shén/ „Geist (i.S.v. „spirit“), übernatürliches Wesen”. Links Signifikum 礻(Variante von 示 /shì/ „Altar”, verwendet für zahlreiche spirituelle Konzepte und Rituale), rechts 申 /shēn/, phonetisch und semantisch, Variante von Nr.230 „Blitz“ 电 /diàn/.

Nr.228 总 (trad. 縂, 總) /zǒng/ „bündeln, gesamt, leitend, jederzeit“. Links Signifikum „Seide“ 纟 (糸), rechts Phonetikum /cōng/ 悤 (kurz 总, ursprünglich „klug“, heute聪 /cōng/). 囱 /cōng/ = „Maueröffnung, Kamin, Fenster“.

Nr.229 何 /hé/ “was, warum, wie” (schriftsprachlich). Ursprünglich „über der Schulter tragen“ (heute 荷 /hè/). Mensch 亻, der einen Gegenstand 可 (/kě/, sem. und phon. Bezug Bezug zu 戈 /gē/ „Hiebaxt“) auf der Schulter trägt, phonetisch entlehnt.

Nr.230 电 (trad. 電) /diàn/ „Blitz, Elektrizität, elektronisch“. Oben Signifikum „Regen“ 雨, unten (und Kurzzeichen) abstrahierte Darstellung eines Blitzes. Vgl. Nr.227 神 /shén/.

Nr.231 数 (trad. 數) /shù//shŭ/ „Zahl“ / „zählen, rechnen“.  Die „schlagende Hand“ 攵, die möglicherweise etwas durchzählt, ist Signifikum. Links娄 (trad. 婁) /lóu/ „schwächlich“ wird trotz heute großer phon. Abweichung als Phonetikum gedeutet.

Nr.232 安 /ān/ „friedlich, still, sicher“. Eine Frau unter einem Dach. Manche bezweifeln, dass die Bedeutung „Frau“ hier ausschlaggebend ist, denn ursprünglich war dies nur eine knieende (weibliche) Person, die vielleicht allein durch ihre Sitzhaltung „Entspanntheit“ zum Ausdruck brachte?

Nr.233 少 /shǎo/ “wenig(e)” /shào/ „jung“. Graphisch (und phonetisch) Variante von Nr.83 小 /xiǎo/“klein”, durch Hinzufügung eines Striches semantisch differenziert.

Nr.234 报 (trad. 報) /bào/ „berichten, Mitteilung, Zeitung“. Rechts „unterwerfen“ /fú/ (Hand 又hält Gefangenen fest), links 幸 war ursprünglich 㚔 /niè/, die Abbildung einer Art Handschellen. Eng verwandt mit 执 (執) /zhí/ „festhalten“ in ähnlicher Bedeutung. Heutige Bedeutung scheint übertragen zu sein.

Nr.235 才 (trad. auch 材, 纔) /cái/ „Talent“ / „gerade, eben erst“. Entstehung unklar: Während das Shuowen behauptet, es handle sich um eine Pflanze, scheinen Orakelknochen- und Bronzeformen eher auf ein Gerät zu verweisen. 才 /cái/ ist Phonetikum links in Nr.6 在 /zài/ “sich befinden”!

Nr.236 结 (trad. 結) /jié/ „verknüpfen, knoten, verbinden“. Links Signifikum „Seide“ 纟 (糸), rechts Phonetikum 吉 /jí/ („Glück“).

Nr.237 反 /fǎn/ „umdrehen, entgegnen, kontern, rebellieren”. Ursprünglich evtl. „klettern“ (vgl.  扳/攀 /pān/ „klettern“): Eine Hand 又an einer Felswand 厂 (allerdings läuft die Strichrichtung in 反 heute von rechts nach links!). Heutige Bedeutung möglicherweise als Kurzform von 扳 /bān/ „umdrehen, umschalten”.

Nr.238 受 /shòu/ „erhalten, annehmen, ertragen”. Eine Hand 爪 gibt von oben einen Gegenstand (in Bronze- und Orakelknochenzeichen des 2. Jt. v.u.Z. ein Boot 舟) in eine andere Hand 又.

Nr.239 目 /mù/ (klassisch:) „Auge”, heute Morphem in „Programm”, „Ziel, Zweck”, „Projekt“ u.a.. Darstellung eines Auges. Vgl. auch 眉 /méi/ „Augenbrauen“. („Auge“ heute: 眼 /yǎn/)

Nr.240 太 /tài/ „sehr, äußerst“. Variante von Nr.17 大 /dà/ „groß, umfangreich”, durch Hinzufügung eines Punktstriches von diesem semantisch abgegrenzt. (vgl. auch Nr.233 少 /shǎo/ „wenig” vs. Nr.83 小 /xiǎo/ „klein“)

Nr.241 量 /liàng//liáng/ „Maß, Menge, Umfang, schätzen, messen“. Kein etymographischer Bezug zu Nr.50 里, sondern der untere Teil (einschließlich des einzelnen horizontalen Striches) ist eng verwandt mit Nr.194東 „Bündel“ bzw. Nr. 140重 „schwer“. Als oberer Teil findet sich in frühesten Formen ein Viereck 口 (Variante 𨤦), eine Sonne 日oder ein Feld 田.

Nr.242 再 /zài/ „wieder, noch einmal“. Etymographie umstritten, frühe Formen sehr divers. In manchen ist oben eine 一 „eins“ und unten eine 二 „zwei“ zu erkennen, manche Versionen ähnelten aber auch 鱼 „Fisch“ oder 因 „Matte“.

Nr.243 感 /gǎn/ „fühlen, empfinden, Emotion”. Oben als Phonetikum 咸 /xián/ (heute „salzig“, früher „töten“, dann „vollkommen, ganz“, mit der Waffe 戌 /xū/). Unten das „emotionale“ Signifikum Nr.90 心 /xīn/ „Herz“.

Nr.244 建 /jiàn/ „erbauen, gründen, errichten“. Links das nur in drei Zeichen vorkommende Signifikum 廴 (einst  ∟), das für befestigte Bauwerke steht. Dazu 聿, eine Hand, die einen Pfahl in den Boden setzt.

Nr.245 务 (trad. 務) /wù/ „Angelegenheiten, Verpflichtungen, müssen“. Mit einer Lanze 矛 /máo/ schlagen 攴 / 攵 = 敄 /wù/ (in einigen anderen Zeichen als Phonetikum erhalten). Später wurde 力 „Kraft“ hinzugefügt, und die „schlagende Hand“ zu 夂 gekürzt (wie in Nr.214 条 /tiáo/).

Nr.246 做 /zuò/ „machen, herstellen”. Sehr späte, aber heute verbreitete Variante von Nr.49 作 /zuò/ mit hinzugefügter schlagender Hand 攴 / 攵 mit gleicher Bedeutung. 古 war eigentlich 乍. 作 wird v.a. für Komposita verwendet, 做 als Einzelverb. (Erstaunlich, dass dieses sinnlose Zeichen nicht mit der Kurzzeichenreform aufgegeben wurde.)

Nr.247 接 /jiē/ „empfangen, abholen, verbinden”. Links Signifikum „Hand“ 手 in der gekürzten Form 扌, rechts 妾 /qiè/ („Nebenfrau“) als Phonetikum.

Nr.248 必 /bì/ „müssen, sicherlich”. Trotz Ähnlichkeit kein etymographischer Zusammenhang zu Nr.90 心 /xīn/ „Herz“, sondern eine Waffe , die einen Gegenstand in zwei Teile spaltet (丿丶, von manchen auch interpretiert als Phonetikum 八 bā), für heutige Bedeutung phonetisch entlehnt.

Nr.249 场 (trad. 場) /chǎng/ „Ort, weiter Platz, Marktplatz, Sportplatz“. Signifikum 土 (/tǔ/) „Erde“ und Phonetikum 昜 /yáng/, eine strahlende Sonne.

Nr.250 件 /jiàn/ #Zähleinheitswort (ZEW) für Angelegenheiten und Kleidungsstücke, Morphem in „Einzelteil“, „Bedingung“, „Anforderung“. Ein Mensch 亻, ein Rind 牛: Ursprünglich „Teil, teilen“. #Chinesisch #Hanzi

Nr.251 计 (trad. 計) /jì/ „rechnen, planen, Schema, Strategem“. Links Signifikum „sprechen“ 言 bzw. 讠, rechts Signifikum 十 (/shí/) „zehn“.

Nr.252 管 /guǎn/ „Röhre, Leitung, leiten, verwalten, sich kümmern“. Ursprünglich ein Bambusrohr („Wasser-Leitung“!) bzw. eine Bambusflöte: Signifikum 竹/ „Bambus“ mit Phonetikum 官 /guān/ (ursprünglich „öffentliches Gebäude“, dann „Beamter“).

Nr.253 期 /qī/ „Zeitraum, Periode”. Rechts Signifikum 月 “Mond” als Symbol für die Zeit, links Phonetikum其 /qí/ („Worfschaufel“, s. Nr.85).

Nr.254 市 /shì/ „Markt, Stadt (als Verwaltungseinheit)”. In antiken Formen erinnert der untere Teil an丁, 兮 oder auch an ein zweigeteiltes Tor. Oben Phonetikum 之 /zhī/ 止 /zhǐ/ („Fuß“, vgl. Nr.44). Ein Fuß, der durch ein Tor tritt? (Ahistorische) Eselsbrücke: „Tuch“ 巾 unter einem Dach 亠.

Nr.255 直 /zhí/ „gerade, senkrecht, geradeaus, aufrecht”. Ein Auge 目 blickt geradeaus auf ein Ziel. Evtl. Phonetikum 十 /shí/. Die unterste Linie, die im jap. Kanji und div. trad. Formen einen Winkel ∟ bildet, verweist m.E. auf das Wortfeld „bauen“ (vgl. 廴 in Nr.244 建 /jiàn/).

Nr.256 德 /dé/ „Tugend, Moral“, seit dem 19.Jh. auch „deutsch“.  Das „geradeaus“ blickende Auge直 /zhí/ (Nr.255), 彳 „Weg“ und 心 „Herz“: Tugendhaft ist, wer den geraden Weg des Herzens beschreitet – immer noch eines der schönsten Schriftzeichen.

Nr.257 资 (trad. 資) /zī/ „Eigentum, Ressourcen, Kapital“. Signifikum „Muschel / Geld“ 贝/貝, darüber Phonetikum 次 /cì/ (Nr.183).

Nr.258 命 /mìng/ „Leben, Schicksal” und “Befehl”. Zusammengesetzt aus Signifikum „Mund“ 口 und einer Variante von 令 /lǐng/ „Befehl“, das seinerseits einen von oben sprechenden Mund über einer knieenden Gestalt 卩 darstellt.

Nr.259 山 /shān/ „Berg, Gebirge”. Abstrahierte Abbildung einer Bergkette. Signifikum in Gebirgsnamen und Wörtern für Landschaftsformen.

Nr.260 金 /jīn/ „Metall, Gold, Geld“. Signifikum 钅(trad. 釒) vor allem in Zeichen für Metalle. Ursprünglich „Kupfer“, Darstellung von zwei (in vielen alten Zeichen auch vier) Kupferstücken und einem Schmelz- oder Bergbau-Gerät. Oben Phonetikum 今 /jīn/ (Nr.336).

Nr.261 指 /zhǐ/ „Finger, Hinweis, zeigen”. Signifikum „Hand“ 扌(手) mit Phonetikum 旨 /zhǐ/ (“Zweck, Dekret”, ursprünglich “wohlschmeckend”: Löffel 匕 über Mund 口, evtl. verwandt mit 舌 /shé/ „Zunge“).       

Nr.262 克 /kè/ „überwältigen, (sich) überwinden”, heute auch “Gramm” sowie phonetische Transkription für K-Laute in fremdsprachigen Eigennamen. Ursprünglich „schultern“, Etymographie unklar; möglicherweise 古 /gŭ/ als Phonetikum, aber in antiken Formen nie mit zwei „Beinen“.

 Nr.263 许 (trad. 許) /xǔ/ „zustimmen, erlauben, zulassen“, Morphem in „vielleicht“ 也许/yĕxǔ/ und „viele“ 许多 /xǔduō/. Links Signifikum „Sprache“ 言 / 讠, rechts Phonetikum 午 /wǔ/ („Stößel“, heute vor allem „Mittagszeit“).

Nr.264 统 (trad. 統) /tǒng/ „komplexes System, zusammenfassen, gesamt“. Ursprünglich „zentraler Fadenstrang“: Links Signifikum „Seide“ 纟 (糸), rechts Phonetikum 充 /chōng/ („anfüllen, ausreichend“)

Nr.265 区 (trad. 區) /qū/ (als Familienname Ōu) Ursprünglich „verbergen“ (Güter 品 in einem Behälter 匸), heute „einteilen“ und „Zone, Distrikt, Bezirk“.

Nr.266 保 /bǎo/ „beschützen, verteidigen, absichern“. Ein Mensch 亻trägt ein Kind (sonst 子, hier mit Tragetuch 呆) auf dem Rücken. (Kein Bezug zum erst ab der Yuan-Zeit nachgewiesenen 呆 /dāi/ „bleiben, erstarren, dumm“.)

Nr.267 至 /zhì/ „ankommen, bis (zu)“. Ein auf dem Kopf stehender Pfeil 矢 „erreicht“ den Boden 土. Vgl. das weniger schriftsprachliche Nr.22 到 /dào/ mit fast gleicher Bedeutung.

Nr.268 队 (trad. 隊) /duì/ „Team(reihe), Mannschaft“. Einst „herabhängen, hinunterfallen“ (heute 坠墜 /zhuì/): Zusammengesetzt aus dem Signifikum „Hügelkette“ 阜 und Phonetikum 㒸 /suì/ („folgen“ eines Tieres), das in der Kurzzeichenreform sinnfällig durch das Signifikum 人 „Mensch“ ersetzt wurde.

Nr.269 形 /xíng/ „(Erscheinungs-)Form, Aussehen“. Rechts Signifikum 彡 „Schatten“, links Variante des Phonetikums 井 /jǐng/ „Brunnen“. Kein etymographischer Bezug zu Nr.94 开 (開) kāi „öffnen“.

Nr.270 社 /shè/ „Gesellschaft, Gemeinschaft, Organisation“. Ursprünglich „Gott des Erdbodens”, daher Zusammensetzung aus den Signifika für „Ritual“ 示und „Erde“ 土.

Nr.271 便 /biàn/ „praktisch, angenehm“, schriftsprachl. Konsekutivpartikel „dann, daraufhin“ /pián/ in „billig“. Zusammengesetzt aus Nr.221更 /gèng/ “verändern, mehr” (nicht phonetisch, s.d.) und dem Signifikum 亻„Mensch“.

Nr.272 空 /kōng//kòng/ „Leere, nichtig, vergeblich”. Oben Signifikum „Höhle“ 穴 (/xué/), unten Phonetikum 工 /gōng/ (Nr.118).

Nr.273 决 (trad. 決) /jué/ „entscheiden”. Ursprünglich „Wasser ableiten“: Links Signifikum 氵 „Wasser“ (wohl wegen des heute fehlenden semantischen Bezugs zu Wasser zu 冫„Eis” gekürzt), rechts semantisch und phonetisch das Grundzeichen 夬 (auch 叏) /guài/ „entscheiden“.

Nr.274 治 /zhì/ „regulieren“ sowohl eines Staates – „regieren, verwalten” – wie des menschlichen Körpers – „behandeln“. Links Signifikum 氵 „Wasser“, rechts das (nicht mehr offensichtliche) Phonetikum 台 /tái/. 

Nr.275 展 /zhǎn/ „ausrollen, ausdehnen, entwickeln, öffnen“ (auch 辗 bzw. 輾). Ursprünglich „einen menschlichen Körper umdrehen“. Signifikum ist ein menschlicher Körper 尸, das gekürzte Phonetikum war ursprünglich 𧝑 (vier 工 innerhalb von 衣).

Nr.276 马 (trad. 馬) /mǎ/ „Pferd”. Im traditionellen Zeichen sind Beine und Mähne deutlich besser zu erkennen. Es ist allerdings anzunehmen, dass /mǎ/ vor allem wegen „(Karl) Marx” (马克思) so häufig im heutigen Schrifttum der VR China zu finden ist…

Nr.277 科 /kē/ „Abteilung, wissenschaftliche Disziplin“. Ursprünglich „messen, kategorisieren“: Das Wiegen von Getreide 禾 (/hé/) mit einem Messbehälter 斗 (/dǒu/).

Nr.278 司 /sī/ „kontrollieren, leiten” (z.B. in 公司 „Firma“ oder 司机 „Chauffeur“). Manche sehen ein spiegelverkehrtes Nr.48 后 /hòu/ „Königin“ – angesichts des Wortfelds halte ich die Interpretation „Hand über dem (einen Befehl gebenden) Mund“ für die überzeugendere.

Nr.279 五 /wǔ/ „fünf”: Archaische Formen ähnelten einer Römischen X, eingefasst in zwei waagerechte Linien – offensichtlich eine schnelle Schreibung von fünf waagerechten Strichen.

Nr.280 基 /jī/ „Basis, Fundament, grundlegend”. Unten „Erde“ 土 (/tǔ/) als Signifikum, darüber die  Worfschaufel 其 /qí/ (Nr.85) als Phonetikum.

Nr.281 眼 /yǎn/ „Auge, Blick”. Signifikum Nr.239 目 /mù/ „Auge”, kombiniert mit Phonetikum 艮 /gèn/ („zurück blicken“), das wiederum mit dem „laufenden Auge“ Nr.153 见 (trad. 見) /jiàn/ verwandt ist.

Nr.282 书 (trad. 書) /shū/ „Geschriebenes, Dokument, Buch“. Das traditionelle Zeichen zeigt eine Hand, die ein Schreibgerät hält 聿, darunter einen sprechenden Mund 曰. In der Kurzzeichenreform wurde die Kursivform 书 zum Standard erhoben.

Nr.283 非 /fēi/ „entgegengesetzt, nicht, a-” (Negationspräfix für Substantive), außerdem phonetisch für „afrikanisch“. Manche vermuten eine phonetische Entlehnung von „zwei Vogelflügeln” (vgl. phon. 飞 飛 /fēi/ „fliegen“), andere zwei Rücken an Rücken stehende Menschen oder Gegenstände (vgl. Nr.315 北 /běi/).

Nr.284 则 (trad. 則) /zé/ „Regel, Prinzip, befolgen“ „dann, andererseits“. Bei 贝 handelt es sich etymographisch um keine „Muschel“, sondern um eine Kurzform des Bronzekessels 鼎 /dǐng/ (wie schon in Nr.200 员 /yuán/), in den mit einem Messer 刂 (刀 /dāo/) „Regeln“ eingraviert wurden. 祝大家新年愉快!

Nr.285 听 (trad. 聽) /tīng/ „hören, zuhören, gehorchen”. Einst 耳 „Ohr“ und 口 „Mund“ (noch erhalten in 聖 /shèng/, dort auch, wie in 聽, Phonetikum 壬 /tǐng/!). Die Form mit der rechten Komponente wie in 德 /dé/ ist relativ jung. Heute mit 口 „Mund“ und graphisch falschem Phonetikum 斤 /jīn/ (richtig wäre 厅 /tīng/).        

Nr.286 白 /bái/ „weiß, hell, umsonst”. Volksetymologisch eine Sonne 日 mit einem zusätzlichen Lichtstrahl – die archaischen Formen laufen allerdings oben spitz zu, widersprechen also dieser Interpretation: Dort neben „weiß“ auch als „Daumen“, „Ältester“ (伯 bǎi/bó) und „hundert“ (百 bǎi) verwendet.

Nr.287 却 (trad. 卻) /què/ „sich zurückziehen, aber“. Eine knieende oder sich duckende Gestalt卩 (auch in Nr.258命 /mìng/ „befehlen“) mit dem Phonetikum /jué/ (einst zwei 人über 口, später identisch wie 谷 /gŭ/ geschrieben), das auch schon früher durch das vertrautere 去 /qù/ „weggehen“ ersetzt wurde.

Nr.288 界 /jiè/ „Grenze, Bereich, Welt”. Bereits 介 /jiè/ alleine bedeutet „zwischen etwas stehen/sein“ und zeigte ursprünglich einen Menschen zwischen zwei Linien. Bedeutungsverengung auf „Bereich“ durch die Hinzufügung des Signifikums 田 (/tián/) „Feld”.

Nr.289 达 (trad. 達) /dá/ „ankommen, erreichen“. Signifikum „Fortbewegung“ 辶 mit Phonetikum 大 /dà/, in der Kurzzeichenform schon auf Orakelzeichen zu finden. Die irritierende, leicht mit 幸/xìng/ verwechselbare Komponente des Langzeichens ist eine Verfremdung des Phonetikums 羍 /dá/ „Lamm“.

Nr.290 光 /guāng/ „leuchtend, brillant, leer, nur”. Ursprünglich eine knieende („erleuchtete“?) Gestalt (卩 oder 女, heute 儿) mit Feuer 火 oder einer Fackel auf dem Kopf. Eselsbrücke: 光头 /guāngtóu/ „Glatzkopf“.

Nr.291 放 /fàng/ „loslassen, freilassen, abstellen, ablegen“. Als Funktionsverb ähnlich wie Englisch „to put“. Signifikum „schlagende Hand“ 攴/攵 mit Phonetikum 方 /fāng/.

Nr.292 强 (trad. 強) /qiáng/ „stark, kräftig, mit Gewalt“. Ursprünglich „Reiskornkäfer“, Signifikum ist also rechts unten 虫 „Insekt“, Phonetikum 弘 /hóng/ („groß, erweitern“). Der „Bogen“ 弓 /gōng/ ist vermutlich phonetisch; es besteht keinerlei semantischer oder phonetischer Bezug zu 虽 /suī/.

Nr.293 即 /jí/ „sofort, unmittelbar, das bedeutet“. Eine knieende Gestalt 卩 (vgl. Nr.287 却 /què/) an einer Kochstelle (皀, vgl. Signifikum 食 / 饣 „essen“), heute nur noch in abstrakter Funktion. Sowohl 皀 /jí/ als auch卩 /jié/ lassen sich auch als Phonetikum interpretieren.

Nr.294 像 /xiàng/ „Abbild, ähneln, wie”. Ein Mensch 亻, ein Elefant 象 /xiàng/ als Phonetikum. 1964 zugunsten von 象abgeschafft, wurde 像1986 auch in der VR wieder eingeführt. Bis heute bestehen jedoch Unsicherheiten, in welchen Wörtern 像, in welchen nur 象 (Nr.300) geschrieben werden muss.

Nr.295 难 (trad. 難) /nán/ „schwierig“ /nàn/ „Katastrophe“. Volksetymologie: Es ist schwierig, mit der Hand 又einen Vogel 隹 zu fangen. Ursprünglich Name eines Vogels, mit der links stehenden Komponente /jiān/, die manche für einen gefesselten Gefangenen halten (Analoge Kürzung von漢zu 汉 /hàn/ und im eng verwandten 艱艰/jiān/ „schwierig“.

Nr.296 且 /qiě/ „auch, außerdem, darüberhinaus”. Rein grammatische Partikel, ursprünglich Darstellung einer Stele oder eines (phallischen?) Objekts der Ahnenverehrung (vgl. 祖 /zŭ/ „Vorfahre“, 俎 /zŭ/ „Opferaltar“).

Nr.297 权 (trad. 權) /quán/ „Macht, Recht, Autorität“. Ursprünglich ein Holzgewicht für Waagen. Links Signifikum „Holz“ 木, das (rechts stehende) Phonetikum 雚 /guàn/ („Reiher“) wurde in der Kurzzeichenreform generell zu 又 gekürzt.

Nr.298 思 /sī/ „denken, überlegen, Gedanken“. Unten das Herz 心 als Kennzeichen von emotionalen Vorgängen, oben das „Gehirn“ 囟 /xìn/ (vgl. heute 脑 /nǎo/ „Gehirn“), das sich hier schon früh – vermutlich aus Gründen der Schreibbequemlichkeit – in „Feld“ 田 gewandelt hat.

Nr.299 王 /wáng/ „König“, Familienname Wang/Wong. Einst eine Axt mit gerundetem Boden, später homograph mit /yù/ „Jade“, weshalb „Jade“ ein Punkt hinzugefügt wurde: 玉. Steht das Graphem 王 links in einem Zeichen (玩理现 etc.), handelt es sich etymographisch um das Signifikum „Jade“.

Nr.300 象 /xiàng/ „Elefant“ (ganz oben der Rüssel, die Beine nach links wie bei vielen Tiere darstellenden Zeichen), außerdem entlehnt für „Figur, Abbild“ wie in 对象 /duìxiàng/ „Partner, Gegenüber“ oder 印象 /yìnxiàng/ „Eindruck“. Vgl. Nr.294 像 /xiàng/.

Nr.301 /wán/ „komplett, beenden, fertigstellen“. Ein Gebäude mit Dach 宀 als Signifikum, darunter das phonetische Element 元 /yuán/.

Nr.302 设 (trad. 設) /shè/ „errichten, ausarbeiten, aufstellen“. Historisch „anordnen“: Links Signifikum „sprechen“ 訁/讠, rechts eine Hand mit einem Gerät 殳 (wie 没, trad. 沒 /méi/, das aber eine andere Etymographie hat, vgl. Nr.72).

Nr.303 式 /shì/ „Stil, Art und Weise, Formel, Methode”. 工 /gōng/ „Arbeit“ (Nr.118) als Signifikum,  弋 (heute /yì/, „Stock mit Schnur“) als Phonetikum.

Nr.304 色 /sè/ „Farbe, Schattierung, Aussehen”. Etymographie dubios: Die meisten Quellen stellen enge, heute nicht mehr sichtbare Zusammenhänge zu 印 /yìn/ „Abdruck, Eindruck“ und 抑 /yì/ „unterdrücken, klein halten“ her, in denen eine Person eine knieende (巴 =卩 㔾 /jié/, Phonetikum?) zu Boden drückt, und postulieren als Urbedeutung „wütender (erröteter?) Gesichtsausdruck“.

Nr.305 路 /lù/ „Weg, Straße”. Links stehende Variante des Signifikums „Fuß“ 足, aber auch das rechte Element 各 /gè/ (Nr.209), ein Fuß 夊, der eine Höhle 口 betritt, könnte semantisch sein. Da mehrere Zeichen mit 各 aber /lu/ oder /luo/ lauten, ist auch phonetische Funktion denkbar.

Nr.306 记 /jì/ „sich merken, protokollieren, notieren”.  Links Signifikum „Sprache“ 言 bzw. 讠, rechts Phonetikum 己 /jǐ/ (heute „selbst“, Nr.162).

Nr.307 南 /nán/ „Süden“. Schon im 2. Jahrtausend v.u.Z. verwendet für die Himmelsrichtung „Süden“. Ursprünglich wohl Darstellung eines Schlag-Musikinstruments, das dem Autor des Wörterbuchs „Shuowen“ (100 n.Chr.) bereits unbekannt war.

Nr.308 品 /pǐn/ „Produkte, Artikel, Sorte, Rang, Qualität“ und „probieren”. Zu letzterem passt auch die Bedeutung „Mund“ für 口, die ursprüngliche Bedeutung von 品 ist jedoch „Vielfalt“; es stellt eine Anhäufung von verschiedenen Opfergaben oder Gegenständen dar.

Nr.309 住 /zhù/ „stehen bleiben, innehalten, wohnen, bewohnen”. Links Signifikum 亻 „Mensch“, rechts Phonetikum 主 /zhǔ/ (Nr.87).

Nr.310  告 /gào/ „mitteilen, informieren“. Heute oft als Mund 口 plus „Rind“ 牛 (/niú/) beschrieben. Älteste Formen zeigen jedoch deutlich eine enge Verwandtschaft zu „Zunge“ 舌 /shé/ und „sprechen“ 言 /yán/, was auch etymographisch plausibler scheint. 

Nr.311 类 (trad. 類) /lèi/ „Art, Sorte, Kategorie”. Historisch ursprünglich 頪 (Reissorten?), später durch „Hund“ 犬 (auf Tierarten?) erweitert. Der „Kopf“ 頁 wurde in der Kurzzeichenreform gestrichen, der „Hund“ 犬 zu 大 gekürzt, so dass nur der Reis 米 bis heute erhalten geblieben ist.
(vgl. auch 颣 /lèi/ „Knoten, unentwirrbar“)

Nr.312  求 /qiú/ „bitten, sich bemühen, verlangen“. Das Shuowen vermutete hier einen Pelzmantel (später 裘 /qiú/); tatsächlich handelt es sich um die Abbildung eines Tausendfüßlers (später 蛷 /qiú/, heute meist 蜈蚣 /wúgong/), phonetisch entlehnt für die heutige Bedeutung.

Nr.313  据 (trad. 據) /jù/ „besetzen, gemäß, Beweis”. Einst „sich (auf einen Stock) stützen“: Signifikum „Hand“ 扌(手) mit Phonetikum 豦 /qú/ („Wildschwein“) bzw. 居 /jū/ („bewohnen“).  

Nr.314  程 /chéng/ „Regel, Programm, Strecke”. Ursprünglich eine (kleine) Längenmaßeinheit. Links Signifikum 禾 „Getreide“, rechts Phonetikum 呈 /chéng/ („präsentieren“, mit unten 壬 /tǐng/, auch in Nr.285 聽 /tīng/, heute 听).

Nr.315  北 /běi/ „Norden”. Ursprünglich „Rücken“: Zwei Gestalten wenden einander den Rücken zu. Bedeutung erweitert auf die Himmelsrichtung, in die man blickt, wenn der Rücken zur Sonne zeigt. Für „Rücken“ bürgerte sich eine Form 背 /bèi/ (mit „Fleisch“ 肉/月) ein.

Nr.316  边 (trad. 邊) /biān/ „Seite, Kante, Grenze“. Signifikum 辵 / 辶 „Fortbewegung“. Die komplizierte phonetische Komponente 臱 /mián//biān/ 自 + 穴 (bzw. 丙) +方 wurde im Kurzzeichen durch ein graphisch simples 力 (/lì/ „Kraft“) ersetzt.

Nr.317 死 /sǐ/ „sterben, Tod“. Zwei Signifika: 歹 /dăi/ „Knochen, Gerippe“ (heute „schlecht, böse“) und ein daneben stehender (trauernder?) „Mensch“ in der Form 匕 (vgl. Nr.199 比 /bǐ/, Nr. 315 北 /běi/). Eng verwandt mit 屍 尸 /shī/ „Leiche“.

Nr.318  张 (trad. 張) /zhāng/ „spannen, Spanne (ZEW), vergrößern“, Familienname Zhang/Chang. Ursprünglich das Spannen eines Bogens弓 (/gōng/); 长長 /cháng//zhǎng/ („lang“) ist Phonetikum, kann hier aber auch semantisch interpretiert werden.

Nr.319  该 (trad. 該) /gāi/ „sollen, müssen, jene/s/r“. Links Signifikum „Sprache“ 言 bzw. 讠, rechts Phonetikum 亥 /hài/, dessen Etymographie bis heute unklar ist (manche vermuten „Wurzeln“, manche eine Variante von 豕 „Schwein“).

Nr.320 交 /jiāo/ „austauschen, kommunizieren, vermischen“. Bedeutungserweiterung von ursprünglich „überkreuzen“: Darstellung eines Menschen 大 mit übereinandergeschlagenen Beinen.

Nr.321 规 (trad. 規) /guī/ „Regel, Brauch, ungeschriebenes Gesetz“. Heute ein Mann 夫 und ein Auge 見 见, das die Einhaltung der Regeln zu überwachen scheint. Manche archaischen Formen zeigen statt 夫 eine Hand 彐, die einen spitzen Gegenstand (Pfeil 矢 oder Zirkel) hält.

Nr.322 万 (trad. 萬) /wàn/ „zehntausend“. Phonetische Entlehnung aus einem alten Zeichen für „Skorpion“ 萬/ 蠆. Auch das Kurzzeichen 万, das eine andere Herkunft hat, ist in dieser Bedeutung schon vor 2000 Jahren belegt. Evtl. Zusammenhang zur buddhistischen Swastika 卍, die ebenfalls /wàn/ gelesen wird.

Nr.323 取 /qǔ/ „nehmen, mitnehmen“. Erstaunlich, dass dieses martialische Zeichen bis heute so erhalten blieb: Eine Hand 又greift nach einem Ohr 耳 – es war einst Usus, dem getöteten Feind das linke Ohr abzuschneiden und mitzunehmen: 獲者取左耳 (周禮 „Riten der Zhou“).

Nr.324 拉 /lā/ „ziehen, befördern, verlängern”. Ursprünglich „brechen, zerstören“. Signifikum „Hand“ 扌(手) mit Phonetikum 立 /lì/ („aufrecht stehen“).

Nr.325  格 /gé/ „(Karo-)Muster, Einteilung, Standard“. Ursprünglich wohl eine Bezeichnung für langes #Holz 木, mit Phonetikum 各 /gè/ (Nr. 209, vgl. auch Nr. 305 路 /lù/.)

Nr.326  望 /wàng/ „erwarten, betrachten, hoffen”. Einst ein Auge 臣, ein Mond 月und ein 壬 /tǐng/ (Bedeutung unklar). Vermutlich war eine Kombination von Bequemlichkeit und Phonetizität dafür verantwortlich, dass sich 臣 bald zu 亡 /wáng/ und 壬 zu 王 /wáng/ vereinfachte, so dass dieses Zeichen heute tatsächlich (als einziges?) zwei Phonetika besitzt.

Nr.327 觉 (trad. 覺) /jué//jiào/ „spüren, wahrnehmen, Bewusstsein“. Signifikum „laufendes Auge“ 见見 (Nr.153), darüber das gleiche Subgraphem wie in Nr.66 学 (trad. 學) /xué/ „lernen“, zu dem eine enge graphische, semantische und phonetische Verwandtschaft besteht.

Nr.328 术 (trad. 術) /shù/ „Kunstfertigkeit, #Technik“. Kein Zusammenhang zu „Holz“ 木; 术 stellte die Sorghumhirse dar (heute 秫 /shú/); 術 mit Signifikum 行 „Wegkreuzung“ bezeichnete einst städtische Straßenkreuzungen, Bedeutung später zu „Weg, Verfahren, Technik“ abstrahiert.

Nr.329 领 (trad. 領) /lǐng/ „Hals, Führung, anführen, veranlassen“. Rechts stehendes Signifikum „Kopf“ 页頁 mit Phonetikum 令 /lìng/ „befehlen“ (Nr.378), das sich hier auch semantisch interpretieren lässt.

Nr.330 共 /gòng/ „gemeinsam, geteilt“. Zwei von unten kommende Hände (in anderen Zeichen 廾 /gǒng/, auch phonetisch) greifen nach einem „gemeinsamen“ Gegenstand (艹oder 廿). U.a. Morphem in 共产 /gòngchăn/ „kommunistisch“.

Nr.331 确 (trad. 確) /què/ „sicher, wahr, tatsächlich“. Ursprünglich „fest, stabil“. Signifikum „Stein“ 石 mit Phonetikum 隺 /hè/ („Reiher“) bzw. im Kurzzeichen das phonetisch nähere 角 /jiǎo//jué/ („Horn“).

Nr.332 传 (trad. 傳) /chuán/ „weitergeben, überliefern, verbreiten“ /zhuàn/ „schriftlicher Kommentar, Überlieferung“. Links Signifikum 亻“Person“, rechts Phonetikum 專 (gekürzt 专) /zhuān/ (eine Hand 寸lässt ein Spinnrad „rotieren“, vgl. Nr. 376 转轉 /zhuǎn//zhuàn/).

Nr.333 师 (trad. 師) /shī/ „Meister, #Lehrer“. Links ein Erdhügel 𠂤 (verwandt mit / 阝„Erdhügel“), der schon in archaischer Zeit gewissermaßen „erhöhend“ als Synonym für „Meister“ verwendet wurde. Dazu das ungewöhnliche Phonetikum 帀 (heute wie 匝 /zā/).

Nr.334 观 (trad. 觀) /guān/ „beobachten, Blick“. Rechts Signifikum 见 見 „erblicken“ (Nr.153, /jiàn/, das „Auge auf Beinen“); das (links stehende) Phonetikum 雚 /guàn/ („Reiher“) wurde in der Kurzzeichenreform generell zu 又 gekürzt, vgl. Nr.297 权 權 /quán/.

Nr.335 清 /qīng/ „klar, rein, verständlich”, Name der letzten (mandschurischen) Kaiserdynastie Qing (17.-20.Jh.). Links Signifikum „Wasser“ 水 in der links stehenden Form 氵, rechts Phonetikum 青 /qīng/ („dunkelgrün /-blau“).

Nr.336 今 /jīn/ „heute, heutzutage”. Von oben sprechender Mund (wie in Nr.378令 /lìng/ „befehlen“ oder 食 /shí/ essen), einst möglicherweise „singen“, „seufzen“ oder „schreien“ (heute 吟 /yín/), heute nur noch in seiner entlehnten Bedeutung.

Nr.337 切 /qiē/ „schneiden, ritzen” (Grundbedeutung) /qiè/ „entsprechen, dringend”; 一切 /yíqiè/ „alles“. Phonetikum 七 /qī/ („sieben“) in eckiger, weil links stehender Form (vgl. dazu auch Nr.199 比), und rechts Signifikum „Messer” 刀 (zu erwarten wäre in dieser Position eigentlich 刂).

Nr.338 院 /yuàn/ „umgebende Mauer, Gebäude mit Innenhof”, heute meist „Institut(ion)”. Links Signifikum 阝( „Erdhügel“), rechts Nr.301 /wán/ („fertigstellen“), das heute meist als Phonetikum interpretiert wird, möglicherweise aber die Urform des hier beschriebenen Konzepts darstellte.

Nr.339 让 (trad. 讓) /ràng/ „veranlassen, lassen, nachgeben, erlauben“. In der Kurzzeichenreform von 24 auf 5 Striche reduziert. Links Signifikum „sprechen“ 言 bzw. 讠, rechts Phonetikum 襄 /xiāng/ („Arme entblößen“ / „helfen“?) bzw. 上 /shàng/.

Nr.340 识 (trad. 識) /shí/ „wissen, kennen“. Links Signifikum „sprechen“ 言 bzw. 讠, rechts Phonetikum 戠 /zhí/ bzw. 只 /zhǐ/.

Nr.341 候 /hòu/ „warten, erwarten, Zeitdauer, grüßen“. Ursprünglich „beobachten“. Ein Mensch 亻als Signifikum, als Phonetikum ein einen Pfeil 矢 schießender „Fürst“ 侯 (auch 矦) /hóu/, dessen 亻seinerseits in 候 zu einem senkrechten Strich geschrumpft ist.

Nr.342 带 (trad. 帶) /dài/ „Gürtel, Zone, mit sich tragen“. Im Langzeichen sind die „Gürtelschlaufen“ noch besser zu erkennen, darunter 巾 „Stoff“. Dies ist der “Belt” aus der kaum übersetzbaren “Belt and Road Initiative” 一带一路 /yīdài-yīlù/, gemeint sind große Regionen bzw. „Gürtel“ der Erde. #beltandroad

Nr.343 导 (trad. 導) /dǎo/ „leiten, führen“. Signifikum „Hand“ 寸 mit道 /dào/ „Weg“ (Nr. 52), das damit phonetische und semantische („einen Weg zeigen“) Funktion hat. im Kurzzeichen durch das rein grafische 巳 (/sì/) ersetzt.

Nr.344 争 (trad. 爭) /zhēng/ „kämpfen, streiten, konkurrieren, streben nach“. Zwei Hände (爫 und 彐) greifen nach einem Gegenstand 亅 (vgl. auch Nr.58 事 /shì/).

Nr.345 运 (trad. 運) /yùn/ „bewegen, transportieren, Schicksal“. Signifikum 辵 / 辶 „Fortbewegung“. Das Phonetikum 軍 /jūn/ („Militär“) wurde im Kurzzeichen durch 云 /yún/ („Wolke“) ersetzt.

Nr.346 笑 /xiào/ „lachen, lächeln”. Signifikum 竹/ „Bambus“ mit Phonetikum 夭 /yāo/ (nicht 天 /tiān/). Herkunft obskur: Angeblich einst Gras 艹über Hund 犬, was nichts erklärt. Viel schöner finde ich folgende Herleitung: „sich vor Lachen wie Bambus im Wind krümmen“.

Nr.347 飞 (trad. 飛) /fēi/ „fliegen“. Darstellung von Vogelflügeln mit Federn. Verwandt mit Nr.283 非 /fēi/, meiner Ansicht nach auch mit 升 /shēng/ in der Bedeutung „aufsteigen“ (leider keinen Beleg gefunden).

Nr.348 风 (trad. 風) /fēng/ „Wind“, dann „Benehmen, Stimmung“. Ungewöhnliche Struktur: Ein (in der Luft fliegendes) Insekt 虫, umgeben vom Phonetikum 凡 /fán/ („Trage, gewöhnlich“).

Nr.349 步 /bù/ “Schritt(e)”. Darstellung von zwei Fußabdrücken 止 übereinander, von denen der untere, spiegelverkehrte nicht mehr als solcher erkennbar ist. (Diese beiden „Schritte“ 步 sind etymographisch auch Bestandteil des Langzeichens 歳 (岁) /suì/.)

Nr.350 改 /gǎi/ „ändern, verbessern“. Signifikum „schlagende Hand“ 攴/ 攵 mit links Phonetikum 己 /jǐ/.

Nr.351 收 /shōu/ „erhalten, einsammeln, ernten“. Signifikum „schlagende Hand“ 攴 / 攵 mit Phonetikum 丩 /jiū/.

Nr.352 根 /gēn/ „Wurzel, Basis“. Signifikum 木 „Holz” mit Phonetikum 艮 /gèn/ („zurück blicken“).

Nr.353 干 /gān/ ursprünglich “Schild, verteidigen“ (später mit „Hand“: 捍, 攼 /hàn/); als Kurzzeichen außerdem /gān/ „trocken“ (trad. 乾) sowie /gàn/ „Stamm, Rumpf, machen“ (trad. 幹; beide mit Phonetikum 倝 /gàn//hán/ „Sonnenaufgang“: 早+㫃 /yăn/).

Nr.354 造 /zào/ „konstruieren, bilden“, ursprünglich „ankommen“. Signifikum 辵 / 辶 „Fortbewegung“, Phonetikum einst 屮 /căo/ (Var. von 艸 艹/căo/) über 口, früh verändert zum (phonologisch irregulären) 告 /gào/ (Nr.310: „mitteilen, informieren“).

Nr.355 言 /yán/ „Worte, Rede, Sprache, sprechen“. Abbildung eines Mundes 口, aus dem Worte fließen (ähnlich 音 /yīn/ „Schall“). 言 /yán/ ist Signifikum 訁(in Kurzzeichen 讠) in zahlreichen Zeichen, die mit „Sprechen“ in Zusammenhang stehen.

Nr.356 联 (trad. 聯) /lián/ „verbinden, zusammenfügen“ (eng verwandt mit Nr.399 连 /lián/). Einst ein Ohrschmuck, daher Signifika „Ohr“ 耳 und „Faden“ 糸/絲/幺幺; phon. Bezug zu 䜌 /luán/. Hinzufügung von 丱/guàn/ obskur, evtl. Vermischung mit Nr.127 關 关 /guān/ „verbinden“.   

Nr.357 持 /chí/ „festhalten”. Ursprünglich nur 寺 (Signifikum 寸 „Hand“ mit Phonetikum 士 /shì/). Zur Unterscheidung des Verbs von der erweiterten Bedeutung „Amtssitz, Tempel“ /sì/ wurde noch einmal ein Signifikum „Hand“ 扌 hinzugefügt. Vgl. Nr.25 時 /shí/ und Nr.158 等 /děng/.

Nr.358 组 (trad. 組) /zǔ/ „zusammenstellen, verknüpfen, Gruppe, Abteilung“. Ursprünglich „breites Seidenband“. Links Signifikum „Seide“ 纟 (糸), rechts Phonetikum 且 /zǔ/ (s. Nr.296 且 /qiě/).

Nr.359 每 /měi/ „jede/r/s”. Ursprünglich eine erwachsene Frau 母 (heute /mǔ/ „Mutter“ mit Kopfschmuck, phonetisch entlehnt.     

Nr.360 济 /jì/ „einen Fluß überqueren“, dann „helfen“; heute vor allem in 经济/jīngjì/ „Wirtschaft“, wie viele moderne Konzepte ein ursprünglich im Japanischen gebildeter Begriff.    Links Signifikum „Wasser“ 氵, rechts Phonetikum 齐 /qí/ („ordentlich“).

Nr.361 车 (trad. 車) /chē/ „Fahrzeug, Wagen“. Ursprünglich kompliziertere Darstellung eines zweirädrigen Wagens (der von Pferden oder Rindern gezogen wurde). Auch Signifikum in einigen Zeichen.   

Nr.362 亲 (trad. 親) /qīn/ „Verwandte, vertraut, persönlich“, ursprünglich „selbst“. Ursprüngliches Signifikum „sehen” 見/见. Phonetikum/Kurzzeichen einst „Haselnussbaum” (Amalgamierung aus „Holz“ 木mit Phonetikum 辛 /xīn/).

Nr.363 极 (trad. 極) /jí/ „extrem, äußerst“. Signifikum „Holz“ 木 mit Phonetikum亟/jí/ (gleiche Bedeutung, ein Mensch zwischen Himmel und Erde) bzw. Nr.198及 /jí/ „einfangen, reichen (bis zu)“.

Nr.364 林 /lín/ „Wald, Gehölz”, Familienname Lin. Zwei Bäume 木. (Und dieser Thread geht in sein zweites Jahr.)

Nr.365 服 /fú/ „nachgeben, gehorchen” und „Kleidung“. Grundbedeutung von 𠬝 /fú/ „(sich) unterwerfen“: eine Hand 又hält einen Gefangenen fest. Später links凡 „Trage“, 舟 „Boot“ und zuletzt 月 „Körperteil“ hinzugefügt.

Nr.366 快 /kuài/ „schnell, bald”. Links Signifikum 心 “Herz, Gefühl“ in der Variante 忄 (vgl. Nr.90), rechts Phonetikum 夬 /guài/ („entscheiden“).

Nr.367 办 (trad. 辦) /bàn/ „erledigen, verwalten, umgehen mit“. Signifikum 力 „Kraft“ zwischen Phonetikum 辡 /biàn/ (zwei Meißel?), im Kurzzeichen stark vereinfacht.

Nr.368 议 (trad. 議) /yì/ „Meinung, diskutieren“. Links Signifikum „Sprache“ 言 bzw. 讠, rechts Phonetikum 義 bzw. 义 /yì/ (vgl. Nr.208). 

Nr.369 往 /wǎng/ „gehen, nach, in Richtung“. Signifikum ursprünglich 彳+止 (Variante von 辵 und 辶 „Fortbewegung“ (vgl. Nr.98 從 /cóng/), allerdings wurde der Fuß 止 hier früh zu einem Punkt 丶gekürzt. Im Unterschied zum leicht verwechselbaren住 /zhù/ (Nr. 309) ist hier 王 /wáng/ Phonetikum.

Nr.370 元 /yuán/ „erster, Kopf, Yuan-Dynastie” (verwandt mit 原 /yuán/ „Ursprung“), auch verwendet für fast alle Währungseinheiten (Yuan, Yen, Dollar, Euro, hier gleichbedeutend mit 圓圆 /yuán/ „rund“, vgl. Nr.200 员 /yuán/). Darstellung eines Menschen 兀 mit Hinweis auf den Kopf (vgl. Nr.290 光 /guāng/).

Nr.371 英 /yīng/ „Blüte”, früh erweitert zu „Held“, phonetisch entlehnt für „englisch“. Signifikum 艸 / 艹 „Gras, Pflanze“, Phonetikum 央 /yāng/ (Gefangener in einem Joch, heute „zentral“).

Nr.372 士 /shì/ „Soldat“, heute Suffix für diverse Berufstätigkeiten. Vermutlich Darstellung einer Waffe und verwandt mit 王 /wáng/ „König“. Nicht zu verwechseln mit 土 /tǔ/ „Erde“.

Nr.373 证 (trad. 證, seltener証) /zhèng/ „beweisen, bestätigen, Ausweis“. Links Signifikum „Sprache“ 言 bzw. 讠, rechts Phonetikum 登 /dēng/ bzw. auch schon früh正 /zhèng/ (wegen dessen Bedeutung „korrekt“ etymographisch auch Signifikum, Nr.129).

Nr.374 近 /jìn/ „nah, Nähe, ähnlich“. Signifikum 辵 / 辶 “Fortbewegung“, Phonetikum 斤 /jīn/ („Axt“).

Nr.375 失 /shī/ „verlieren, verloren gehen, einen Fehler machen“. Etymographie dubios: Angeblich eine Hand 手 mit dem Phonetikum 乙 /yì/.  Nicht zu verwechseln mit 矢 /shǐ/ „Pfeil”.

Nr.376 转 (trad. 轉) /zhuǎn/ „sich umdrehen, weitergeben“ /zhuàn/ „sich drehen“. Links Signifikum 车 車 “Fahrzeug“, rechts phonetisch und semantisch專 /zhuān/ –  eine Hand 寸, die ein Spinnrad rotieren lässt.

Nr.377 夫 /fū/ „erwachsener Mann, Ehemann“. Das einen aufrecht stehenden Menschen darstellende Zeichen 大 /dà/ (heute „groß”), ergänzt durch einen Haarknoten, der im antiken China Kennzeichen eines erwachsenen Mannes war.

Nr.378 令 /lìng/ „Befehl, veranlassen“. Ein von oben sprechender oder befehlender Mund über einer knieenden Gestalt 龴/卩 . Als Variante mit 卩 auch Komponente in Nr. 258 命 /mìng/ „Leben, Schicksal” und ebenfalls “Befehl”.

Nr.379 准 (trad. 準) /zhǔn/ „genehmigen, gemäß, Standard, exakt, quasi“. Ursprünglich „flach“ wie der Wasserspiegel, daher ursprüngliches Signifikum „Wasser“ 氵, Phonetikum 隼 /sǔn/ „Falke“. Seit der Kurzzeichenreform mit 冫 „Eis“ und 隹 /zhuī/ („Vogel“), wodurch diese Struktur verloren ging.

Nr.380 布 /bù/ „Stoff, Tuchwaren, Textilien, verbreiten, arrangieren”. Signifikum „Tuch“ 巾. Das Subgraphem oben links war hier ursprünglich das Phonetikum 父 /fù/.

Nr.381 始 /shǐ/ „beginnen, anfangen”. Hier finde ich die Erklärung „Geburt“ des Shuowen sehr plausibel (auch wegen 胎 /tāi/ „Embryo“!), sie wird aber von heutigen Fachleuten kaum übernommen: Signifikum 女 „Frau“, Phonetikum 台 /tái/ (Nr. 388, vgl. auch Nr.274 治 /zhì/).

Nr.382 怎 /zěn/ „wie”. Sehr spät aufkommendes, ursprünglich umgangssprachliches Zeichen. Signifikum心 „Herz“, Phonetikum 乍 /zhà/. (Vgl. Nr.49 作 /zuò/).

Nr.383 呢 /ne/ Frage- oder Modalpartikel. Signifikum „Mund“ 口 (häufig verwendet für Satzendpartikeln des gesprochenen Chinesisch) mit Phonetikum 尼 /ní/ (darin Phonetikum 匕 /bǐ/).

Nr.384 存 /cún/ „existieren, aufbewahren, abliefern“. Ursprünglich „trösten“, daher Signifikum 子 „Kind“. Angeblich ist die links und oben stehende Variation von 才 /cái/ (Nr.235) auch hier Phonetikum (wie in Nr.6 在 /zài/).

Nr.385 未 /wèi/ “nicht, nicht mehr” (schriftsprachlich, bezogen auf vergangene Ereignisse). Ursprünglich der Wipfel eines Baumes 木, phonetisch entlehnt.   

Nr.386 远 /yuăn/ „weit entfernt”. Signifikum 辵 / 辶 “Fortbewegung“, Phonetikum 元 /yuán/ („Kopf“, Nr. 370).

Nr.387 叫 /jiào/ „rufen, grüßen, heißen”. Signifikum „Mund“ 口 mit Phonetikum 丩/jiū/ (auch in Nr.351 收 /shōu/). Hübsch auch die archaische Version mit vier Mündern: 嘂.

Nr.388 台 /tái/ (hist. auch /yí/) trad. Anredeform, „Plattform, Stufe, Tisch” (letztere trad. auch 臺 檯 枱), „Taiwan“ (trad. 臺), „Taifun“ (trad. 颱). Signifikum „Mund” 口 mit Phonetikum 厶 (㠯) /yǐ/ (= heutiges Zeichen Nr.23 以 /yǐ/).

Nr.389 单 (trad. 單) /dān/ „einzeln, nur, mono-, ungerade (Zahlen)“, Familienname /Shàn/. Phonetische Entlehnung. Ursprünglich ein archaisches Wurfgerät zum Tierfang, mit zwei oder drei Kugeln an Schnüren, das unter Bola (spanisch) oder Suruchin スルチン (#Japanisch) gegoogelt werden kann.

Nr.390 影 /yǐng/ „Schatten, reflektieren, Film“. Signifikum „Schatten“ / „Haare“ 彡 und Phonetikum 景 /jǐng/ („Landschaft“), das ursprünglich „Sonnenlicht“ bedeuten konnte und daher auch semantisch interpretiert werden kann.

Nr.391 具 /jù/ „Gebrauchsgegenstand, Werkzeug, besitzen“. Amalgamierung aus dem Kessel 鼎 /dǐng/ (auch semantische Basis für Nr.200 員, Nr.204 真, Nr.284 則) und zwei Händen 廾 .

Nr.392 罗 (trad. 羅) /luó/ „Netz, einsammeln“, findet vor allem als phonetische Transkription für L- und R-Laute in fremdsprachigen Eigennamen Verwendung: Ein Vogel 隹 wird mit einem Netz 网/罓 (aus Seide 糸) gefangen. Das Subgraphem 夕 ist eine rein graphische Kürzung.

Nr.393 字 /zì/ „Schriftzeichen”. Einst „gebären, großziehen”, das Kind 子 /zǐ/ unter dem Dach 宀 ist also phonetisch und semantisch. Als 字 /zì/ wurden einst nur die komplexeren Schriftzeichen bezeichnet, „Kinder“ einfacher Schriftzeichen (Nr.148 文 /wén/). Das hanzeitliche Wörterbuch 说文解字 Shuōwénjiězì „spricht über die /wén/ und erklärt die /zì/“.

Nr.394 爱 (trad.愛) /ài/ „mögen, lieben“. Einst 㤅 – das Ur-Signifikum ist also „Herz“ 心, ab Qin-Zeit mit „Fuß“ 夊. Als grafische Variante von 旡/jì/ setzte sich爫(„greifende Hand“) durch. Kurzzeichen ohne Herz, stattdessen mit 友 „Freundschaft“.

Nr.395 击 (trad. 擊) /jī/ „(mit Gerät oder Hand) schlagen, treffen, angreifen“. Dem Zeichen 毄𣪠 „treffen“ („einen Nagel einschlagen“? 车 Wagen +口 + 殳 „ein Gerät halten“) wurde noch eine Hand 手 hinzugefügt. Für das Kurzzeichen wurde nur der obere linke Teil verwendet und grafisch stark reduziert.

Nr.396 流 /liú/ „fließen, Strömung“. Links Wasser 氵, rechts ein Kind 子 (mit dem Kopf nach unten) und strömendes (Frucht-)Wasser 㐬: Darstellung einer Sturzgeburt. Vgl. auch 育 /yù/ und vor allem 毓 /yù/, beide „gebären“.

Nr.397 备 (trad. 備, selten俻) /bèi/ „vorbereiten, ausrüsten, allseits“. 𤰈 stellte einen Köcher mit Pfeilen dar (verwandt mit Nr.51 用 /yòng/). Im trad. Zeichen ergänzt durch 亻 „Mensch“. Die Form 备ist eine frühe, rein grafische Vereinfachung dieses Köchers und hat weder mit „Fuß“ 夂 noch „Feld“ 田 zu tun.

Nr.398 兵 /bīng/ „Soldaten, Truppen“. Eine Waffe (vgl. 斤 jīn „Axt“), die mit zwei Händen (historisch 廾) gehalten wird.

Nr.399 连 (trad. 連) /lián/ „verbinden, folgend, einschließlich, sogar“. Bildliche Zusammensetzung aus den zwei Signifika 辵 / 辶 „Fortbewegung“ und 车 (車) /chē/ „Fahrzeug“: Eine von einem Menschen gezogene Rikscha.

Nr.400 调 (trad. 調) /diào/ „versetzen, Tonart, Melodie“ /tiáo/ „vermischen, aufeinander abstimmen, vermitteln“. Links Signifikum „Sprache“ 訁/讠, rechts Phonetikum 周 /zhōu/: „Vermitteln“ war wohl die Urbedeutung.

Nr.401 深 /shēn/ „tief, eingehend, sehr”. Links Wasser 氵, rechts 穼 /shēn/ (ohne den ersten Strich, phonetisch und semantisch) „eine (tiefe) Höhle 穴untersuchen“, vgl. 探 /tàn/ „erkunden, nach vorn strecken“.

Nr.402 商 /shāng/ „Handel, Business”. Herkunft obskur: Verbindungen zu 辛, 丙 oder 章 /zhāng/ werden vermutet, alle wenig einleuchtend. Auffällig aber: Beide großen antiken Dynastien 商 Shāng und 周 Zhōu zeigen ein (möglicherweise zur Distinktion eingefügtes) 口.

Nr.403 算 /suàn/ „rechnen, planen” (früher auch 筭 oder 祘). Variante von 具 /jù/ (Nr.391), ein Gerät (oder Rechenstäbe?), das von zwei Händen 廾 bedient wird, 目oft als (erst später aufkommender) Abakus interpretiert. Das Signifikum „Bambus“ 竹 steht auch häufig für Schreibtätigkeiten.

Nr.404 质 (trad. 質) /zhì/ „Eigenschaft, Qualität, Material“. Ursprünglich „verpfänden“, daher unten Signifikum „Muschel / Geld“ 贝/貝. Die zwei Äxte 斦 /yín/ (Längenmaß) können mit der Aussprache /zhì/ auch „Amboss“ bedeuten = Phonetikum?

Nr.405 团 (trad. 團) /tuán/ „rund, Kugel, sich zusammenschließen, Einheit“. Eine Umrahmung 囗wie in 圆 /yuán/ „rund“, darin als Phonetikum Nr.485 專 /zhuān/, im Kurzzeichen graphisch verkürzt zu Nr.235才 /cái/ (statt dem erwartbareren 专 oder 寸).

Nr.406 集 /jí/ „sich versammeln, sammeln“. In archaischen Zeiten viel sinnfälliger: Damals waren es noch drei Vögel 隹, die sich auf einem Baum 木 „versammelten“: 雧.

Nr.407 百 /bǎi/ „hundert”. Phonetische Entlehnung aus 白 /bái/ (Nr.286, „weiß“), später fügte man zur Unterscheidung des Zahlworts „hundert“ eine „Eins“ 一 hinzu, was (in senkrechter Schreibung) zum Zeichen 百 führte.

Nr.408 需 /xū/ „benötigen, brauchen, müssen“. Einst eine Person 天/立 (heute 而 „Schnurrbart“), die den Regen 雨 abwartet, phonetisch entlehnt. Aus der früheren Variante 𩓣 ist auch das homophone 須 /xū/ (Nr.444) mit ähnlicher Bedeutung hervorgegangen.

Nr.409 价 (trad. 價) /jià/ „Preis, Wert”. Links Signifikum 亻 „Mensch“, rechts Signifikum und Phonetikum 賈 /jiǎ/ „Kaufmann, verkaufen“: Eine Schachtel 襾 (heute 匣 /xiá/) mit Geld 貝, heutige Lautung /gǔ/). Im Kurzzeichen zu 介 /jiè/ geändert.

Nr.410 花 /huā/ „Blume, blühen, bunt, (Geld) ausgeben“. Signifikum „Gras, Pflanze“ 艸/ 艹 mit Phonetikum 化 /huà/ (Nr.178): Eine frühe Kurzzeichenvariante von Nr. 412 蕐 → 華 → 华 /huá/. Historisch auch gelegentlich als 芲.

Nr.411 党 (trad. 黨) /dǎng/ heute „Partei“. Einst „düster, matt” (daher Signifikum 黑 „schwarz“) und „Verwandtschaft, Clique“ (daraus die heutige Verwendung). Phonetikum 尚 /shàng/, in der Volksrepublik nun ergänzt um 儿 statt 黑 „schwarz“.

Nr.412 华 (trad. 華) /huá/ /huà/ „blühend“, dann „großartig“ und „chinesisch“. Frühform 蕐: ein blühender Busch. Daraus abgeleitet das jüngere Zeichen Nr.410 花 /huā/ „Blüte“, dessen Phonetikum 化 auch in das Kurzzeichen 华 Eingang gefunden hat.

Nr.413 城 /chéng/ „Festung, Stadt“. Signifikum 土 „Erde“ mit Phonetikum 成 /chéng/, das ursprünglich bereits „Festung“ bedeutete (Nr.59): Eine Streitaxt (戊 /wù/, 戌 /xū/) mit einem unklaren zweiten Bestandteil (Signifikum 土 „Erde“ oder Phonetikum 丁 /dīng/).

Nr.414 石 /shí/ „Stein, Mineral“ /dàn/ (Hohlmaß). Ursprünglich Darstellung eines Klangsteins, auch 厂 (heute 磬 /qìng/), zur Visualisierung wurde 口 hinzugefügt. Signifikum in mehreren Schriftzeichen für steinerne Materialien und Mineralien.

Nr.415 级 (trad. 級) /jí/ „Level, Grad, Stufe, Klasse“. Signifikum „Seide“ 糸 / 纟mit Phonetikum 及 /jí/ (Nr.198 „einfangen, heranreichen“). Ursprünglich wohl ein Wort zum Ausdruck unterschiedlicher Qualitätsgrade von Tuch/Seide.

Nr.416 整 /zhěng/ „ordentlich, vollständig, gesamt“.  Ein Bündel 束und eine schlagende Hand攵/攴 ergeben 敕 /chì/ („kaiserliches Edikt“). Unten 正 /zhèng/ “richtig, aufrecht, korrekt“ (Nr.129) zeigt aber nicht nur phonetischen, sondern auch semantischen Bezug.

Nr.417 府 /fǔ/ „Residenz, Regierung“. Ein Gebäude 广 mit dem phonetischen Element 付 /fù/ („übergeben, bezahlen“).

Nr.418 离 (trad. 離) /lí/ „verlassen, trennen, entfernt sein“. Das Langzeichen mit 隹 „Vogel“ war einst auch Bezeichnung für eine Vogelart. Der linke Teil bzw. das Kurzzeichen 离 zeigt wohl ein Fangnetz (vgl. 网 /wǎng/ „Netz“) – dem oben ein Vogel „entkommt“? Vgl. 禽 /qín/ „Vögel“.

Nr.419 况 (trad. 況) /kuàng/ „Bedingung, Situation“. Ursprünglich „kaltes Wasser“, daher links „Wasser“ 氵 (im Kurzzeichen zu „Eis“ 冫reduziert), rechts Phonetikum 兄 /xiōng/.        

Nr.420 亚 (trad. 亞, historisch auch 亜) /yà/ „zweit-, unterlegen“, aber vor allem „Asien“ (phonetisch, basierend auf der kantonesischen Aussprache /a/).  Auf Bronzezeichen in reiner Kreuzform, möglicherweise ursprünglich die Darstellung eines Gebäudes oder einer Grabkammer.

Nr.421 请 (trad. 請) /qǐng/ „bitten, einladen“. Links Signifikum „sprechen“ 訁/ 讠 , rechts Phonetikum 青 /qīng/ („dunkelgrün /-blau“, Nr. 497).

Nr.422 技 /jì/ „Fähigkeit, Geschicklichkeit, Technologie“. Signifikum „Hand“ 扌(手) mit Phonetikum 支 /zhī/ („Zweig“).

Nr.423 际 (trad. 際) /jì/ „Grenze, Zeit, zwischen, anläßlich“ (国际 /guójì/ „international“). Links Signifikum 阝(阜 „Erdhügel“), rechts Phonetikum 祭 /jì/ („opfern, gedenken“), graphisch gekürzt zu 示 /shì/ (Nr.425).

Nr.424 约 (trad. 約) /yuē/ „verabreden, vereinbaren, ungefähr“, /yāo/ „wiegen“. Ursprünglich „bündeln, wickeln“. Signifikum „Seide“ 纟 /糸 mit Phonetikum 勺 sháo („Löffel“).

Nr.425 示 /shì/ „zeigen, darbieten“, ursprünglich „Altar“. Als Signifikum für rituelle Handlungen oder Feierlichkeiten in vielen Zeichen links in der graphischen Variante 礻 (4 Striche, nicht zu verwechseln mit 衤 „Kleidung“, 5 Striche, abgeleitet aus 衣 /yī/).

Nr.426 复 /fù/ „zurückkehren, wiederholen, antworten, wiederherstellen“ (trad. 復, 覆 oder 复 ), „komplex, mehrfach, Plural“ (trad. 複) Ursprünglich Phonetikum 畐 /fú/ (früh gekürzt) über einem Fuß 夊, mit verschiedenen Signifika, alle durch die Kurzzeichenreform zusammengeführt.

Nr.427 病 /bìng/ „Krankheit, Defekt“. Signifikum „Krankheit“ 疒 (ursprünglich ein Mensch 亻auf einem Bett 爿→丬), später Hinzufügung des Phonetikums 丙 /bǐng/. Historische Variante auch 寎.

Nr.428 息 /xī/ „atmen, sich ausruhen, beenden”. Ursprünglich zwei oder vier Punkte (Atemluft) unter einer 自 „Nase“, die später zu „Herz“ 心 wurden.

Nr.429 究 /jiū/ „überprüfen, untersuchen, erforschen“, ursprünglich wohl „ans Ende kommen, auf den Grund gehen“, daher Signifikum „Höhle“ 穴 mit Phonetikum 九 /jiǔ/ („neun“).

Nr.430 线 (trad. 線, später auch 綫) /xiàn/ „Linie, Faden, Kabel (在线 /zàixiàn/ „online“)“. Signifikum „Seide“ 纟 /糸 mit Phonetikum 戔 (戋) /jiān/ bzw. 泉 /quán/.

Nr.431 似 /shì//sì/ „ähnlich sein, es scheint”. Links Signifikum 亻“Mensch“, rechts Phonetikum 以 /yǐ/ (ursprünglich 㠯, siehe Nr.23).

Nr.432 官 /guān/ „Beamter“ und (im Sinne der traditionellen Wahrnehmung des menschlichen Körpers als Staat:) „Organ“. In manchen Zeichen gilt 𠂤 (hier nicht ) als Hügel (vgl. 阜 / 阝), in anderen als menschlicher Hintern, der hier unter einem Dach 宀 sitzt: Ursprünglich „öffentliches Gebäude“ (heute 馆 /guǎn/).

Nr.433 火 /huǒ/ „Feuer, Flamme, brennen, Wut“. Auch häufig als links oder unten stehendes Signifikum in der Bedeutung „Feuer, kochen“ verwendet, unten stehend meist in der 4-Punkte-Form 灬 .

Nr.434 断 (trad. 斷) /duàn/ „(ab)brechen, knicken, unterbrechen, unterlassen“. Eine Axt 斤 zerschneidet fortlaufende Seidenballen 㡭, deren komplizierte Schreibung im Kurzzeichen durch Reis 米 ersetzt wurde (vgl. auch graphisch und semantisch 繼 → 继 /jì/ „fortsetzen“).

Nr.435 精 /jīng/ „Samen, Geist, Essenz“. Offensichtlich ursprünglich ein Konzept aus der Agrarwirtschaft: Links Signifikum „Reis” 米, rechts Phonetikum 青 /qīng/ (Nr. 497).

Nr.436 满 (trad. 滿) /mǎn/ „voll, komplett, zufrieden“. Links „Wasser“ 氵, rechts Phonetikum 㒼 /mán/ (etwa „ausgewogen“, heute nicht mehr verwendet, offenbar verwandt mit Nr.133 兩bzw. 两 /liǎng/).

Nr.437 支 /zhī/ „Zweig, ausstrecken, anweisen, unterstützen“. Eine Hand 又 hält einen (Bambus?-)Zweig oder Stock. Nicht zu verwechseln mit dem auch semantisch ähnlichen Signifikum 攴 攵 /pū/ „schlagen, klopfen“.

Nr.438 视 (trad. 視) /shì/ „anschauen, beobachten“. Entgegen der Erwartung fungiert 礻/shì/ (Variante von 示 „Altar”) nur in diesem Zeichen ausnahmsweise als Phonetikum, und das (immer) rechts stehende 見 / 见 „sehen“ (/jiàn/) als Signifikum.

Nr.439 消 /xiāo/ „verschwinden, entfernen, sich zerstreuen, konsumieren“. Ursprünglich „tauen“, daher links Signifikum „Wasser“ 氵, rechts phonetisch und semantisch 肖 /xiào/, das den kleiner 小 (/xiǎo/, auch phonetisch!) werdenden Mond 月 darstellt (vgl. 宵 /xiāo/ „Nacht“). Als semantisches Etymon steht 肖 auch in anderen Zeichen für „Verkleinerung“: 销, 稍, 削, 屑.

Nr.440 越 /yuè/ „überschreiten, je…desto…” sowie „Viet“ in 越南Vietnam.  Signifikum 走 „laufen” (eng verwandt mit 辶) und Phonetikum戉 /yuè/ (eine Axt, heute 钺)

Nr.441 器 /qì/ „Gebrauchsgegenstand, Gerät“. Entstehung unklar: Möglicherweise eine Erweiterung von 哭 /kù/ „weinen“ unter Hinzufügung zweier weiterer 口 (hier Gegenstände? vgl. Nr.308 品 /pǐn/ „Gegenstand“).

Nr.442 容 /róng/ „enthalten, tolerieren“ und „Gesichtsausdruck“. Urform 㝐: 宀 „Dach“ oder 穴 „Höhle“ über Phonetikum 公 /gōng/, Nr.115). Kein etymographischer Bezug zu 谷 /gǔ/ „Tal“.

Nr.443 照 /zhào/ „(be)leuchten, reflektieren, fotografieren“. Signifikum „Feuer“ 灬 (火) unter Phonetikum 昭 /zhāo/ (darin wiederum Phonetikum 召 /zhào/, und darin als „Basis-Phonetikum“ dritter Ordnung 刀 /dāo/).

Nr.444 须 (trad. 須, 鬚) /xū/ Grundbedeutung „Bart“: Haare 彡 am Kopf 頁页. Früh phonetisch entlehnt für „müssen“, woraufhin für die Bedeutung „Bart“ das Signifikum 髟 „lange Haare“ hinzugefügt wurde: 鬚. Seit der Kurzzeichenreform schreibt man für beide Bedeutungen wieder 须.

Nr.445 九 /jiǔ/ „neun”. Es handelt sich wohl ursprünglich um die Darstellung eines Ellenbogengelenks (bis heute phonetisch ähnlich: 肘 /zhǒu/ „Ellenbogen“).

Nr.446 增 /zēng/ „hinzufügen, verstärken”. 曾 stellt einen bronzenen, aufsetzbaren Kochtopf mit Henkeln sowie das Stövchen 曰darunter dar (später 甑 /zèng/), als Verb „aufeinanderstapeln“ (vgl. auch 層 /céng/ „Stockwerk“), dem später das Signifikum 土 „Erde“ hinzugefügt wurde.

Nr.447 研 /yán/ „mahlen, zerreiben, studieren”. Signifikum 石 „Stein“ mit Phonetikum开 /qiān/, ursprünglich 6 Striche: 幵 (= 干干 „eben, gleich hoch“), kein Bezug zu 开 /kāi/.

Nr.448 写 (trad. 寫) /xiě/ „schreiben, verfassen“. Wie bei 字 „Schriftzeichen“ verweist ein Dach 宀 bzw. 冖als Signifikum auf häusliche Tätigkeit. Das komplexe Phonetikum 舄 /xì/ („Elster“, später auch „Schuh“), wurde nach rein grafischen Gesichtspunkten zu 与 (/yǔ/) gekürzt.

Nr.449 称 (trad. 稱) /chēng/ „wiegen“, „bezeichnen“ /chèn/ „zusammenpassen“. 爯: eine Hand 爫, die einen Fisch 鱼 hochhält. Später wurde für „wiegen“ das heute für alle Bedeutungsfelder obligatorische „Getreide“ 禾 hinzugefügt. Das (auch jap.) Kurzzeichen 称 lässt sich aus der seltenen Variante 穪 ableiten (爾→尔).

Nr.450 企 /qǐ/ „auf Zehenspitzen stehen, sich recken“, dann „ersehnen, projektieren”. Ein Mensch 人 steht auf einem Fuß 止. Heute vor allem in 企业 /qǐyè/ „Unternehmen“ zu finden; die Grundbedeutung findet sich noch in 企鹅 /qǐ‘é/ „Pinguin“.

Nr.451 八 /bā/ „acht”. Die Herleitungen weisen zumeist in eine phonetische Entlehnung des dargestellten Konzepts „trennen, separat“: Vgl. Nr.79 分/fēn/ „trennen“ (mit Messer 刀), phonetisch auch Nr.222 别 /bié/ „trennen“.

Nr.452 功 /gōng/ „Leistung, Können, Verdienst”. Eine Verbindung der Signifika „Kraft” 力 und „Arbeit“ 工 /gōng/ (auch phonetisch).

Nr.453 吗 (trad. 嗎) /ma/ (Fragepartikel). Signifikum „Mund“ 口 (häufig verwendet für Satzendpartikeln des gesprochenen Chinesisch) mit Phonetikum 馬 马 /mǎ/ („Pferd“). Erst seit wenigen Jahrhunderten schriftlich belegt.

Nr.454 包 /bāo/ „Bündel, Päckchen, einpacken“. Einst die Darstellung eines Fötus 巳 und der umgebenden Plazenta勹.

Nr.455 片 /piàn/ „Scheibe, Platte, Teil“. Ein von einem Baum 木 abgeschlagenes Stück Holz (ebenso 爿 bzw. 丬 /qiáng/).

Nr.456 史 /shǐ/ „Schreiber, Geschichte (i.S.v. ‚history‘), Annalen“. Eng verwandt mit 吏 /lì/ „Beamter“, 事 /shì/ („Angelegenheit“, Nr.58) und 使 /shǐ/ („Bote“, Nr.119): Eine Hand hält ein Kästchen (möglicherweise mit Schreibutensilien) nach oben.

 Nr.457 委 /wěi/ „gekrümmt, indirekt, beauftragen, weitergeben“, Morphem in „Kommittee“. Bedeutung „gekrümmt“ urspünglich in 𠃊 oder 匸 „gebündeltes“ 禾 Getreide; ab 4. Jh. v.u.Z. dann mit 女 „Frau”: Wurden Frauen „beauftragt“, die 禾 Ernte einzubringen? Meine Quellen schweigen dazu…

Nr.458 乎/hū/ (klass. Frage- und Ausrufepartikel; Präposition, ähnlich 于 /yú/), heute in 似乎 /sìhu/ „es scheint“ und 几乎 /jīhū/ „fast“. Manche behaupten, es sei Windesrauschen zwischen Ästen dargestellt (Vgl. 呼 /hū//xū/ „ausatmen“). Mögl. Verwandtschaft zu /qiǎo/ („ausatmen“) u.d. klass. Ausrufepartikel 兮 /xī/.

Nr.459 查 /chá/ „überprüfen, untersuchen“. Phonetisch und graphisch entlehnte Form des Zeichens für „Weißdorn” (heute 楂 /zhā/), früher auch : Signifikum „Holz“ 木 mit Phonetikum 且 /qiě/, das – wohl mangels phonetischer Ähnlichkeit – früh zu 旦 (/dàn/) entstellt wurde.

Nr.460 轻 (trad. 輕) /qīng/ „leicht (von Gewicht)“, dann „einfach, unbedeutend“. Links Signifikum 車 车 „Fahrzeug“, rechts Phonetikum 巠 /jīng/. Im südchinesischen Chu gab es auch eine sprechendere Variante mit dem oben stehenden Signifikum 羽 „Vogelflügel“.

Nr.461 易 /yì/ „wechseln, austauschen, einfach (easy)“, Namensgeber des ältesten aller chin. Klassiker, des 易经 Yìjīng „Buch der Wandlungen“. Das Shuowenjiezi (2.Jh.) sah in 易 eine Art Eidechse. Heute geht man vom Ursprungszeichen 賜/赐 aus (heute noch /cì/ „schenken“): Eine Flüssigkeit 彡(氵)→勿 wurde von einem Gefäß 皿→貝 in ein anderes 皿→曰 gegossen.

Nr.462 早 /zǎo/ „früh, morgens” Die Sonne 日 über 十, einem schon vor Jahrtausenden gekürzten 甲 /jiǎ/, dem den Anfang symbolisiererenden ersten Zeichen des Himmelszyklus. In manchen Bronzeinschriften sieht man auch als Phonetikum 棗 /zǎo/ („Datteln“) unter 日.

Nr.463 曾 /céng/ „früher einmal, einst”. Phonetisch entlehnt, einst ein bronzener, aufsetzbarer Kochtopf mit Henkeln sowie das Stövchen 曰 darunter (später 甑 /zèng/, vgl. auch 層 /céng/ „Stockwerk“).

Nr.464 除 /chú/ „entfernen, außer”. Ursprünglich „Palaststufen“: Signifikum 阜 / 阝 „Hügelkette“ mit Phonetikum 余 /yú/ („übrig bleiben“); 余 evtl. Vermischung mit 舍 /shè/ „aufgeben, loswerden“, was auch semantisch passen würde.

Nr.465 农 (trad. 農) /nóng/ „Ackerbau, Bauer, Landwirtschaft“. Unten ein Pflug 辰 /chén/, darüber in frühesten Formen 田 „Feld“ (oder 囟) zwischen zwei Bäumen 林 oder zwei Händen 𦥑 (z.B. 䢉). Das mit dem entstandenen Amalgam 曲 /qū/ („gekrümmt“) wenig schlüssige Zeichen wurde in der Volksrepublik noch einmal gekürzt.

Nr.466 找 /zhǎo/ „suchen”. Eine Hand扌(手) mit dem Phonetikum 戈 /gē/ („Streitaxt“). Die ursprüngliche Lautung von 戈und 找 war wohl /huá/ (vgl. 划 /huá/ „paddeln“). Nicht zu verwechseln mit Nr.9 我 /wǒ/ „ich“.

Nr.467 装 (trad. 裝) /zhuāng/ „Kleidung, sich verkleiden, installieren, so tun als ob“. Unten als Signifikum „Kleidung“ 衣, darüber Phonetikum 壯 壮 /zhuàng/ („robust, großartig“: 士 „ausgebildete Person“ + Phonetikum 爿 bzw. 丬 /qiáng/).

Nr.468 广 (trad. 廣) /guǎng/ „weit, breit“. Kurzzeichen ist nur noch das Signifikum 广 „Gebäude”, das ursprüngliche Phonetikum 黄 /huáng/ („gelb“) wurde gestrichen.         

Nr.469 显 (trad. 顯 顕) /xiǎn/ „sich manifestieren, zeigen, offensichtlich”. Ein Kopf 頁 sieht Fäden 絲, die (bzw. wenn sie) von der Sonne 日 beleuchtet werden. In Varianten auch ohne Kopf 頁 bzw. die Fäden 絲 graphisch gekürzt zu 业.

Nr.470 吧 /ba/ Ausrufe- und Aufforderungspartikel am Satzende. Signifikum „Mund“ 口 (häufig verwendet für Satzendpartikeln des gesprochenen Chinesisch) mit Phonetikum 巴 /bā/.        Wie die meisten auf die Umgangssprache referierenden Schriftzeichen erst in der Moderne belegt.

Nr.471 阿 /a/ Namenszusatz und Anredeform sowie phonetische Transkription für A-Laute in allen Fremdsprachen (Arabien, Alpen, Amitabha etc.). Ursprünglich „großer Hügel“: Signifikum 阜 / 阝 „Hügelkette“ mit Phonetikum 可 /kě/.

Nr.472 李 /lǐ/ „Pflaume“, Familienname Li / Lee. Signifikum 子 „Kind” steht für die Frucht, der obere Teil 木 /mù/ „Holz, Baum“ war ursprünglich das Phonetikum 來 /lái/ (vgl. Nr. 15 来 /lái/).

Nr.473 标 (trad. 標) /biāo/ „Markierung, Zeichen“. Ursprünglich das Ende eines Zweiges: Signifikum 木 „Holz, Baum“ mit Phonetikum 票 /piào/, im Kurzzeichen unter Verlust der phonetischen Funktion graphisch sinngebend gekürzt zu 示 /shì/ „zeigen, darbieten“ (Nr.425).

Nr.474 谈 (trad. 談) /tán/ „sich unterhalten, besprechen“. Links Signifikum „Sprache“ 言 bzw. 讠, rechts Phonetikum 炎 /yán/ (doppeltes Feuer = „Hitze“).

Nr.475 吃 /chī/ „essen, hinunterschlucken“, auch „ertragen“. Bis ins 20. Jahrhundert häufig in der Schreibweise 喫 (Phonetikum 契 /qì//qiè//xiè/), 吃 /chī/ bedeutete ursprünglich „stottern“: Links Signifikum 口 „Mund“, rechts einst 气 /qì/, später 乞 /qǐ/ als Phonetikum.

Nr.476 图 (trad. 圖) /tú/ „Landkarte, Abbildung, Grafik“. Die meisten Erklärungsversuche besagen, bei 啚 bzw. 鄙 /bǐ/ handle es sich um (außerhalb eines Ortes befindliche) Lagerhäuser für Getreide oder Waren. Diese 啚 wurden auf einem 圖 /tú/ verzeichnet. Im Kurzzeichen mit Phonetikum 冬 /dōng/ „Winter“, im Japanischen 図.

Nr.477 念 /niàn/ „Gedanken, an etwas denken, laut lesen (trad. auch 唸), eine Schule besuchen”. Oben ein geöffneter Mund 𠓛 (heute wegen der Graphie 今 Nr.336 trotz ähnlicher Bedeutung oft als Phonetikum /jīn/ interpretiert), der gewissermaßen zum eigenen Herzen 心 spricht.

Nr.478 六 /liù/ (auch /lù/) „sechs“. Entstehung unklar. In frühen Formen sind Ähnlichkeiten mit „Höhle“ 穴 bzw. einer Überdachung (ähnlich 介) zu erkennen. Andere vermuten eine graphische und phonetische Ableitung von 入 /rù/ „hineingehen“.

Nr.479 引 /yǐn/ „leiten, anlocken, veranlassen, zitieren“. Ursprünglich „den Bogen 弓 anspannen“. Vgl. Nr.318 张 (trad. 張) /zhāng/ mit ähnlicher Grundbedeutung.

Nr.480 历 /lì/ „durchlaufen, Erfahrung, Geschichte (history)“ (trad. mit „Fuß“ 止: 歷), „Kalender“ (trad. mit „Sonne“ 日: 曆). Phonetikum 厤 bzw. 秝 /lì/. Beide im Kurzzeichen mit Phonetikum 力 /lì/ stark gekürzt.

Nr.481 首 /shǒu/ „Kopf“ (vgl. 首都 /shǒudū/ „Haupt(!)stadt“), dann „erste(r), Führer“ und ZEW für Gedichte. Ein Kopf mit Auge 目 und Haaren. Einst auch in der Form 𦣻.

Nr.482 医 (trad. 醫) /yī/ „Medizin, Heilkunst, Arzt, heilen“. Ein spitzer Pfeil 矢 in einem Kästchen 匚, eine Hand mit Speer 殳 und eine Amphore 酉, die für alkoholische Lösungen steht – im Grunde ein antiker Erste-Hilfe-Koffer. In der Kurzzeichenreform zum Pfeil im Kästchen 医 vereinfacht.

Nr.483 局 /jú/ „Amt“, auch „Situation, (Spiel-)Partie“. Ursprünglich „gekrümmt, beengt”, daher erklärbar als eine (traditionsgemäß hockende) Leiche 尸, mit Phonetikum 句 /jù/ verschmolzen. Bei etymographischer Betrachtung eher das Längenmaß 尺 /chǐ/ (ca. 20-30 cm, ein Knochen?) mit 口.

Nr.484 突 /tū/ „hervorstürmen, plötzlich, unerwartet“. Eindeutig ein rein semantisch motiviertes Zeichen: Ein wilder Hund 犬 kommt aus einer Höhle 穴.

Nr.485 专 (trad. 專) /zhuān/ „besonders, speziell, fachkundig”. Eine Hand 寸an einem sich drehenden Spinnrad 叀 /zhuān/ (vgl. Nr.376 转 (trad. 轉) /zhuǎn/ „sich drehen“), im Kurzzeichen stark vereinfacht.

Nr.486 费 (trad. 費) /fèi/ „Kosten, Gebühren, Ausgaben“. Signifikum Muschel / Geld 贝 貝, darüber Phonetikum 弗 /fú/, das uns westliche Lerner passenderweise an ein spiegelverkehrtes Dollarzeichen $ erinnert. 

Nr.487 号 (trad. 號) /hào/ Ursprünglich „schreien, rufen“, heute vor allem „Bezeichnung, Markierung, Nummer“. Ein Mund口 kombiniert mit 丂 /kǎo//qiǎo/ „ausatmen“, das auch phonetisch fungiert. In traditionellen Zeichen meist ergänzt durch 虎 /hǔ/ „Tiger“, der wohl das Brüllen unterstreichen sollte.

Nr.488 尽 (trad. 盡) /jìn/ „äußerst, beenden“; (trad. 儘) /jǐn/ „äußerst, möglichst, bevorzugen“. Grundbedeutung „Asche, verbraucht“ (heute 燼 烬 /jìn/): Eine Hand kehrt 聿 Asche 灬 („Feuer“) aus einem Gefäß 皿. (Vgl. auch phonetisch 津 /jìn/.) Im Kurzzeichen rein graphisch massiv gekürzt.

Nr.489 另 /lìng/ „andere, separat“. Relativ junges Zeichen, wohl graphisch abgeleitet von Nr.222 别 /bié/ „trennen“: 另 ist eine Variation von 冎 Knochen (von dem Fleisch mit dem Messer 刂abgetrennt wurde).

Nr.490 周 (trad. teilweise 週) /zhōu/ „Umkreis, kreisen, Woche, gesamt“, Einheit Hertz, Familien- und Dynastiename Zhou/Chou. Zwei Entwicklungslinien lassen sich feststellen: Zum einen aus 田 /tián/ „Feld“, zum anderen aus 用 /yòng/ „Holzeimer“ (Nr.51), jeweils mit einem zur Distinktion eingefügten 口.

Nr.491 较 (trad. 較) /jiào/ „vergleichen, relativ“. Einst wohl Haken oder Balken an Streitwagen: Signifikum 车 (車) /chē/ „Fahrzeug“ mit Phonetikum 交 /jiāo/ (Nr.320) „austauschen“.

Nr.492 注 /zhù/ „eingießen“, dann „konzentrieren, achten auf“. Links Signifikum 氵 „Wasser“, rechts Phonetikum 主 /zhǔ/ (Nr.87).

Nr.493 语 (trad. 語) /yǔ/ „Sprache, Ausdruck“. Links Signifikum „Sprache“ 訁/讠, rechts Phonetikum 吾 /wú/ („ich“, 口 + 五 /wǔ/).

Nr.494 仅 (trad. 僅) /jǐn/ „nur, kaum“ (schriftsprachlich). Ein Mensch 亻als Signifikum, Phonetikum 堇 /jǐn/ ursprünglich „gefesselter Gefangener“ (hier über „Feuer“!), das wie in Nr.295 難 难 /nán/ oder Nr.711 漢 汉 /hàn/ zu 又 gekürzt wurde.

Nr.495 考 /kǎo/ heute: „prüfen, untersuchen“. Entstanden wohl als Modifikation von 老 /lǎo/ (Nr.179) „ältere Generation“ durch Hinzufügung des Phonetikums 丂 /kǎo//qiǎo/ (vgl. Nr.487 号 /hào/).
Im 1900 Jahre alten Wörterbuch 说文解字Shuowenjiezi sind 考 /kǎo/ und 老 /lǎo/ DIE Beispielzeichen für die bis heute umstrittene Zeichenkategorie 转注 /zhuǎnzhù/, die eine (nicht klar definierte) Relation zwischen zwei Zeichen zum Ausdruck bringen soll.

Nr.496 落 /luò/ (auch /lào//là/) „fallen, untergehen, zurücklassen”, ursprünglich das Herabfallen von Blättern, daher Signifikum 艸 / 艹 „Gras, Pflanze“; Phonetikum 洛 /luò/ (der Luo-Fluß in 洛阳Luòyáng). Vgl. auch Nr.305 路 /lù/.

Nr.497 青 /qīng/ Ein Farbspektrum von dunkelgrün bis blauschwarz, „jung”. Ursprünglich eine junge (grüne) Pflanze (ähnlich 生 /shēng/, Nr.34) an einem Brunnen 丹 (heute /dān/) oder井 (/jǐng/), der zu einem vermeintlichen Mond/Fleisch-Signifikum 月 korrumpiert wurde.

Nr.498 随 (trad. 隨) /suí/ „folgen, befolgen, nebenbei, nach Belieben“. Das Signifikum辵 / 辶 „Fortbewegung“ ist hier zwischen die Bestandteile des Phonetikums 隋 /suí/ (nur als Dynastie- und Familienname belegt) eingefügt. In der Kurzzeichenreform wurde das sinnfreie 工 (einst 土) entfernt.

Nr.499 选 (trad. 選) /xuǎn/ „auswählen, Wahl“, ursprünglich „entsenden“. Signifikum 辵 / 辶 „Fortbewegung“ mit Phonetikum 巽 /xùn/ („demütig, bescheiden“; Varianten 㢲 顨), in der Kurzzeichenreform ersetzt durch Phonetikum 先 /xiān/.

Nr.500 列 /liè/ „Reihe, Linie, anordnen, Liste, Tabellenspalte (im Gegensatz zu 行 /háng/ „Zeile“)“. Ursprünglich „aufschneiden, zerlegen“: Links Signifikum 歹 (einst 歺) „Knochen, Gerippe“, rechts ein Messer刂 (刀).

Nr.501 武 /wǔ/ „Kampfkunst, militärisch“ (traditionelles Antonym zu 文 /wén/ „Kultur, Literatur“, Nr. 148): Ein Fuß 止 schreitet mit einer Waffe (in alten Zeichen meist 戈) voran.

Nr.502 红 (trad. 紅) /hóng/ „rot, erröten“. Einst nur zartes Rot (in alten Texten war Rot 赤 /chì/ (Mensch 大über Feuer 火), heute die Grundfarbe Rot, die auch Glück (und die KP) symbolisiert. Links Signifikum „Seide“ 纟 (糸), rechts Phonetikum 工 /gōng/.

Nr.503 响 (trad. 響) /xiǎng/ „Klang erzeugen, erklingen, Geräusch“. Im traditionellen Zeichen Signifikum „Schall“ 音 mit Phonetikum 鄉 /xiāng/ (20 Striche), im vollkommen anders aufgebauten Kurzzeichen hingegen Signifikum „Mund“ 口 mit Phonetikum 向 /xiàng/ (9 Striche).

Nr.504 虽 (trad. 雖) /suī/ „zwar, obwohl“. Ursprünglich eine Eidechsenart, phonetisch für Konjunktion entlehnt. Signifikum „Kleintier“ 虫 mit Phonetikum 唯 /wéi/, dessen 口 nach oben verschoben wurde und daher (insbesondere im Kurzzeichen) meist unerkannt bleibt.

Nr.505 推 /tuī/ „schieben, voranbringen, fördern, verschieben“, an Türen „push“. Links Signifikum „Hand“ 手 in der gekürzten Form 扌, rechts 隹 /zhuī/ („Vogel“) als Phonetikum.

Nr.506 势 (trad. 勢) /shì/ „Macht, Lage, Tendenz, Geste“. Ursprüngliches Zeichen 埶 /shì/ mit gleicher Bedeutung, das Signifikum „Kraft“ 力 wurde erst später hinzugefügt. 丸 war hier einst 丮 „in den Händen halten“, 坴 ein Erdklumpen. Im Kurzzeichen wurde 埶 wie 執 /zhí/ grafisch zu 执 vereinfacht.

Nr.507 参 (trad. 參) /cān/ „teilnehmen, konsultieren“; /shēn/ „Ginseng“. Phonetische Entlehnungen. Einst unser Sternbild Orion: Drei Sterne 晶 über 光 „leuchten“, darunter 三 „drei“ (/sān/, auch phonetisch). Vgl. auch 叄叁 /sān/, die fälschungssichere Zahl Drei.

Nr.508 希 /xī/ „selten“, heute vor allem „hoffen, ersehnen“; Grundbedeutung „fein, selten“ heute meist 稀 /xī/. Signifikum 巾 „Stoff“ mit 爻 /yáo/, das von manchen phonetisch, von anderen semantisch als „feine Stickerei, überkreuzte Linien“ interpretiert wird.

Nr.509 古 /gǔ/ „alt, antik”. Die beliebte Eselsbrücke „über zehn 十 Generationen überliefert 口“ besitzt keinerlei etymographische Grundlage. Einst Darstellung eines (stabilen) Schilds 盾 mit 口 zur Differenzierung der Bedeutung „fest, stabil“ (heute 固 /gù/), dann phonetisch entlehnt.

Nr.510  众 (trad. 眾 衆) /zhòng/ „Menge, (Menschen-)Massen“.  Ein (in der Kurzzeichnreform gestrichenes) Auge 目 (in frühen Zeichen auch eine Sonne 日) überblickt drei Menschen 人亻人 (die gelegentlich auch als 乑 geschrieben werden).

Nr.511 构 (trad. 構) /gòu/ „zusammensetzen, Struktur, Konstruktion”. Signifikum „Holz“ 木 mit Phonetikum 冓 /gòu/ (zwei sich treffende Fische 鱼, vgl. 遘 /gòu/ „sich treffen“) bzw. 勾 /gòu/ („Haken“).

Nr.512 房 /fáng/ „Haus, Gebäude, Raum”. Signifikum „Türflügel“ 户 (戶) mit Phonetikum 方 /fāng/.

Nr.513 半 /bàn/ „halb, Hälfte“. Ursprünglich ein in zwei Hälften 八 geteiltes Rind 牛. Phonetisch, semantisch und grafisch eng verwandt mit Nr.719 判 /pàn/ „trennen, unterscheiden, entscheiden“ (mit „Messer“刂).

Nr.514 节 (trad. 節) /jié/ „Segment, Knoten, Verknüpfungspunkt“, „sparen“ und „Fest(tag)“. Ursprünglich die Verbindungsmaserung von Bambussegmenten, daher Signifikum „Bambus“ 竹/, heute gekürzt zu „Gras 艸/艹. Phonetikum 即 /jí/ (Nr. 293) bzw.卩 /jié/.

Nr.515 土 /tǔ/  „Erde, Boden“. In frühen Zeichenformen ein linsen- oder zypressenförmiger Gegenstand auf einem Boden. Häufiges Signifikum in Schriftzeichen, die mit Boden, Orten oder Bauwerken zu tun haben. Nicht zu verwechseln mit Nr.372 士 /shì/ „Soldat, ausgebildete Person“.

Nr.516 投 /tóu/ „werfen, (sich) einbringen, eine Wahl treffen”. Eine Hand 扌(手) wirft eine Lanze 殳 /shū/ (von manchen Autoren auch phonetisch interpretiert).

Nr.517 某 /mǒu/ Indefinitpronomen, vergleichbar mit dt. „irgend, gewisse/r“. Phonetische Entlehnung des ursprünglichen Zeichens für „Essigpflaume” (heute 梅 /méi/): Eine geschmackvolle Frucht 甘 (/gān/ einst „im Mund halten“, heute „süß“) an einem Baum 木.

Nr.518 案 /àn/ „Rechtsfall, Akte, Dokumente, Entwurf”. Ursprünglich ein Holztisch, dessen Bedeutung sich allmählich erweiterte: Signifikum „Holz“ 木 mit Phonetium 安 /ān/.

Nr.519 黑 /hēi/ „schwarz, dunkel, böse“. Unten offensichtlich Signifikum Feuer 灬 (火), was zu zwei Interpretationen des oberen Teils führt: Die eine (des Shuowen) sieht einen stilisierten Kamin/Rauchabzug. Heutige Fachleute sehen in 黑 eine Person, die ein Brandmal als Strafe erhält (graphisch ähnlich dem „Gefangenen“ 堇 /jǐn/, vgl. Nr.494 仅).

Nr.520 维 (trad. 維) /wéi/ „zusammenbinden, bewahren, denken“, heute auch „Dimension“ und phonetisches Zeichen für fremdsprachige Wi-/Vi-Laute.  Ursprünglich eine Art Packschnur: Links Signifikum „Seide“ 纟 (糸), rechts Phonetikum 隹 /zhuī/ („Vogel“).

Nr.521 革 /gé/ „Leder, verändern, transformieren”. Das Abbild einer abgezogenen Tierhaut wurde zum Symbol für „Veränderung“ in Konzepten wie „Reform“ 改革 /gǎigé/ und „Revolution“ 革命 /gémìng/. 革 wird auch als Signifikum „Leder“ verwendet.  

Nr.522 划 (trad. 劃) /huá/ „kratzen, paddeln” /huà/ „abgrenzen, planen, markieren”. Signifikum „Messer“刂 (刀) mit Phonetikum 畫 /huà/ („malen”), im Kurzzeichen mit dem wesentlich unlogischeren 戈 /gē/ („Hiebaxt“).

Nr.523 敌 (trad. 敵) /dí/ „Feind, bekämpfen“. Signifikum „schlagende Hand“ 攴/攵 mit dem Phonetikum 啇 /dī/ (Amalgamierung aus 啻: 口 unter 帝 /dì/).  Die vermeintliche „Zunge“ 舌 (/shé/) auf der linken Seite ist hier eine rein grafische Kürzung von 啇 /dī/.

Nr.524 致 zhì „senden, übermitteln, verursachen“; „fein“ (trad. 緻). Erweiterung von Nr.267 至 /zhì/ „ankommen“. Als rechtes Signifikum (heute „schlagende Hand“ 攵) lassen sich in frühen Formen 丮 „in den Händen halten“, 亻 „Mensch“ und 夊 „Fuß“ finden.

Nr.525 陈 (trad. 陳) /chén/ „ausstellen, darlegen“, Familienname Chen. Eng verwandt mit 阵 (陣) /zhèn/ „Kampfstellung, Zeitspanne“: Links Signifikum „Hügelkette“ 阜 / 阝; 東 ist hier eine Amalgamierung von 車 „Streitwagen“ und 土 „Erde“; kein Bezug zu Nr.194 东 (東) /dōng/ „Osten“.

Nr.526 律 /lǜ/ „Gesetze, Regeln, disziplinieren“. Semantisches und phonetisches Basiszeichen ist 聿 /yù/, die Hand, die ein Schreibgerät hält, ergänzt durch das Signifikum 彳 „Weg“.

Nr.527 足 /zú/ „Fuß“, durch die Jahrtausende grammatikalisiert zu „ausreichend, genug“. In alten Texten graphisch ähnlich Nr.129 正 /zhèng/, das Viereck in 足stellt aber der Oberschenkel bzw. die Hüfte über dem eigentlichen Fuß 止 dar. Als links stehendes Signifikum ⻊ geschrieben.

Nr.528 态 (trad. 態) /tài/ „Erscheinungsform, Zustand, Verhalten“. Die offenbar semantische Komposition aus „Bär“ 能 (heute 熊) und „Herz“ 心 (selten auch „Mensch“ 亻: 㑷) scheint heute niemand mehr begründen zu können; von daher scheint das simple Phonetikum 太 /tài/ im Kurzzeichen einleuchtend.

Nr.529 护 (trad. 護) /hù/ „schützen, bewachen, pflegen“. Links Signifikum „Sprache“ 訁, rechts Phonetikum 蒦 /huò/. Kurzzeichen komplett anders und deutlich sinnfälliger mit geeignetem Signifikum „Hand“ 扌(手) und Phonetikum 户 /hù/.

Nr.530 七 /qī/ „sieben (7)“. In Bronzezeichen oft ähnlich 十. Eine recht plausible von vielen Vermutungen: Eine waagerechte Linie wurde in der Mitte „durchgeschnitten“; 七 /qī/ wäre dann eine phonetische Entlehnung von „schneiden“ (heute mit Messer: Nr.337 切 /qiē/).

Nr.531 兴 (trad. 興) /xīng/ „anheben, aufblühen, beleben“ /xìng/ „Lust, Interesse“ (einst auch 嬹!).  Vier Hände 舁 heben ein Bambusrohr 同 (Nr.69 /tóng/) hoch. Kurzzeichen grafisch extrem vereinfacht.

Nr.532 派 /pài/ „Strömung, Denkrichtung, Sektion, Fraktion“. Der rechte Teil ist ein spiegelverkehrtes 永 /yǒng/ „ewig“ (der Lauf des Wassers), das so eine Verzweigung des Wasserstroms darstellt. Nachträglich wurde noch einmal Wasser 氵(水) hinzugefügt.

Nr.533 孩 hái „Kind“. Links Signifikum 子 „Kind“, rechts als Phonetikum 亥 /hài/, dessen Etymographie bis heute unklar ist (manche vermuten „Wurzeln“, manche eine Variante von 豕 „Schwein“).

Nr.534 验 (trad. 驗) /yàn/ „inspizieren, überprüfen“. Signifikum „Pferd“ 馬 (马), Phonetikum (佥) /qiān/ (mehrere Menschen 从rufen口口, „gemeinsam“). Ursprünglich wohl ein bestimmter Typ Pferd, heutige Bedeutung entlehnt oder erweitert; die Eselsbrücke „Pferde am Gebiß überprüfen“ bietet sich an.

Nr.535 责 (trad. 責) /zé/ „Pflicht, Verantwortung, verlangen, tadeln, strafen“. Ursprünglich „Steuern erheben“, daher das Signifikum „Muschel“ / „Geld“ 貝 (贝); im Unterschied zu 青 /qīng/ (Nr.497) ist das obere Subgraphem hier eine verkürzte Form des Phonetikums 朿 /cì/.

Nr.536 营 (trad. 營) /yíng/ „Lager, Kaserne, verwalten, innehaben, streben nach“. Ursprünglich „sich ansiedeln“: Signifikum ursprünglich / 宫„Palast“ (/gōng/); das Phonetikum (oberer Teil von 熒 /yíng/) wurde regelhaft gekürzt (kein Bezug zu 艹 „Gras“). Japanisches Kanji 営.

Nr.537 星 /xīng/ „Stern(e)”, in der Neuzeit auch „Star“ sowie Morphem in „Woche” (星期 /xīngqī/) und den Wochentagen. Ursprünglich drei kleine „Sonnen” 晶 über dem Phonetikum 生 /shēng/, früh gekürzt zu einer „Sonne“ 日.

Nr.538 够 (trad. 夠) /gòu/ „genug, angemessen“. Urbedeutung „viele“, wie 多 /duō/ (Nr.61), das hier als Signifikum fungiert. Phonetikum 句 /jù/ (einst auch Aussprache /gōu/: Phonetikum 口 /kǒu/!). Langzeichen gespiegelt. Außerdem ein guter Beleg dafür, dass Signifikum 多 und Radikal 夕 nicht identisch sein müssen.

Nr.539 章 /zhāng/ „Kapitel, Paragraph“. Etymographie vollkommen unklar, am ehesten von einem spitzen Gerät 䇂 oder 辛 abgeleitet. Im Chinesischen heisst das Zeichen heute 立早章 /lìzǎozhāng/. Das Shuowen konstruiert hingegen eine Herleitung über „Musik“ 音 („Schall“) plus 十 („zehn“), auch dies ist wie die Erklärung über 立 („stehen“) und 早 („früh“) nicht belegbar.

Nr.540 音 /yīn/ „Schall, Ton“. Eng verwandt mit Nr.355 言 /yán/ „sprechen“ (讠): Aus einem geöffneten Mund 曰 /yuē/ kommen Schallwellen (hier zu 立verschmolzen). 音 ist in wenigen Zeichen (Nr. 503響, 韵) Signifikum.

Nr.541 跟 /gēn/ Grundbedeutung „Ferse”, dann „folgen, mitgehen, begleiten, mit, und”.  Signifikum „Fuß” 足 / ⻊ mit Phonetikum 艮 /gèn/ („zurück blicken“), das wiederum mit dem „laufenden Auge“ 见 見 /jiàn/ (Nr.153) eng verwandt ist.

Nr.542 志 zhì „Wille, Ziel, Aufzeichnungen, Kennzeichen“.  Signifikum心 „Herz, Gefühl“ (/xīn/, Nr.90) mit Phonetikum 士 /shì/ („ausgebildete Person“, Nr.372).

Nr.543 底 /dǐ/ „Boden, Unterseite, Ende“. Basiszeichen zunächst 氐 /dǐ/ „Boden, Grundlage“ (evtl. markiert durch den Punkt 丶im hier obskuren Zeichen 氏 /shì/). Später Bedeutungsdifferenzierung durch Hinzufügung von Signifika, hier 广 in der Bedeutung „Kliff, Felsen“ (厂) vs. 低 /dī/ „tief, niedrig“. 

Nr.544 站 /zhàn/ „aufstehen, Stand, Station, Haltestelle”. Signifikum 立 „aufrecht stehen“ (/lì/, Nr.197) mit Phonetikum 占 /zhàn/ („weissagen“).

Nr.545 严 (trad. 嚴) /yán/ „strikt, streng, dicht“. Oberer Teil angeblich Signifikum 喦 (/niè/) „vielstimmig“, unten Phonetikum 敢 /gǎn/ (Nr.795). Naheliegender finde ich allerdings die grafischen, semantischen und phonetischen Verbindungen zu 嵒 bzw. 岩 /yán/ „Felsen, Kliff“ (auch 巖/礹/巗/碞/厂/嵓!).

Nr.546 巴 /bā/ „hoffen, sich nähern“, Suffix ohne eig. Bedeutung, vor allem aber phonetisches Zeichen für fremdsprachige Silben ba/pa (wie in Brasilien, Palästina, Obama u.v.a.). Die diversen heutigen Verwendungen von 巴sind phonetische Entlehnungen des Zeichens, das wohl ursprünglich eine (Boa-)Schlange darstellt.

Nr.547 例 /lì/ „Regel, Fall, Beispiel“. Links Signifikum 亻 „Mensch“, rechts Phonetikum 列 /liè/ (vgl. Nr. 500).

Nr.548 防 /fáng/ „Deich, Damm“, daraus abgeleitet „vorbeugen, schützen“. Links Signifikum „Erdhügel“ 阜 / 阝, rechts Phonetikum 方 /fāng/.

Nr.549 族 /zú/ „(Volks-)Stamm, Nationalität, Gruppe“. Im Grunde ein kriegerisches Zeichen, das sich aus den beiden Signifika (yǎn) „Banner, Flagge” und 矢 (shǐ) „Pfeil“ zusammensetzt.

Nr.550 供 /gōng/ „anbieten, zur Verfügung stellen, liefern“. Abgeleitet aus semantisch und phonetisch 共 /gòng/ „gemeinsam, geteilt“ (Nr.330: zwei von unten kommende Hände 廾 /gǒng/ greifen gemeinsam nach einem  Gegenstand), ergänzt durch Signifikum „Mensch“ 亻.

Nr.551 效 /xiào/ „Ergebnis, Effekt“. Signifikum „schlagende Hand“ 攴/攵, hier mit der Bedeutung „antreiben“; Phonetikum 交 /jiāo/ („überkreuzen“, Nr.320).

Nr.552 续 (trad. 續) /xù/ „fortsetzen, hinzufügen, kontinuierlich“. Links Signifikum „Seide“ 纟 (糸), rechts scheinbar 卖 (賣) /mài/ („verkaufen“), tatsächlich die Vereinfachung eines schon früh verloren gegangenen, grafisch ähnlichen Phonetikums 𧸇 /yù/.

Nr.553 施 /shī/ „durchführen, ausüben, verwenden“, Familienname Shi. Ursprünglich „eine Flagge wehen lassen“: Signifikum 㫃 (yǎn) „Banner, Flagge” mit wenig offensichtlichem Phonetikum 也 /yĕ/.

Nr.554 留 /liú/ „bleiben, aufbewahren, hinterlassen“. Signifikum „Feld“ 田 mit wohl ursprünglich 丣 als Phonetikum (Äquivalent zu 酉 /yǒu/), das aber schon früh grafisch nicht mehr von (heute 卯 /mǎo/) unterschieden wurde, so dass heute zwei Lautungen /liu/ und /mao/ für das Graphem 卯 existieren (vgl. 贸 /mào/).

Nr.555 讲 (trad. 講) /jiǎng/ „reden, erläutern“, ursprünglich „versöhnen“. Links Signifikum „Sprache“ 言 bzw. 讠, rechts Phonetikum 冓 /gòu/ (zwei aufeinander zu schwimmende Fische 鱼, vgl. 遘 /gòu/ „sich treffen“), das über die kantonesische Aussprache von 講 /gòng/ verständlicher wird. Im Kurzzeichen mit Phonetikum 井 /jǐng/ („Brunnen“).

Nr.556 型 /xíng/ „Form, Typ, Art”. Ursprünglich eine Gußform aus Lehm, daher Signifikum „Erde”, oben Phonetikum 刑 /xíng/ (hist. ) „strafen“. Große graphische und semantische Nähe zum gleich lautenden, jüngeren形 /xíng/ „(Erscheinungs-)Form, Aussehen“ (Nr.269).

Nr.557 料 /liào/ Grundbedeutung „bemessen“, daraus abgeleitet „Materialien, Zutaten“ und „bedenken, erwarten”. Zwei semantische Subgrapheme: 斗 /dǒu/ ist ein altes Gefäß oder Hohlmaß (wie etwa „Scheffel“ im Deutschen), gefüllt mit Reis 米 (/mǐ/).

Nr.558 终 (trad. 終) /zhōng/ „Ende, schließlich“. Dies ist die Grundbedeutung des Zeichens 冬 (/dōng/, heute „Winter“), das zwei Enden einer Schnur zeigt. Zur Unterscheidung von der entlehnten Bedeutung „Winter“ wurde der Grundbedeutung später das Signifikum „Seide“ 糸 / 纟 hinzugefügt.

Nr.559 答 /dá//dā/ „antworten, entgegnen“. Relativ junges Zeichen, eng verwandt und wohl abgeleitet aus Nr. 171 合 /hé/ (hier: den Mund) „schließen”.  Zur Abgrenzung wurde das Signifikum „Bambus“ 竹 hinzugefügt.

Nr.560 紧 (trad. 緊) /jǐn/ „straff, eng, dicht“. Signifikum „Seide“ 糸 mit Phonetikum 臤 /jiān/ („stabil“, mit Phonetikum 臣 /chén/, das in solchen Strukturen schon vor vielen Jahrhunderten in der auf zwei senkrechte Striche reduzierten Form des heutigen Kurzzeichens gefunden werden kann).

Nr.561 黄 /huáng/ „gelb“, Familienname Huang. Etymographie unklar: Zusammenhänge zu einem Phonetikum 炗 (光) /guāng/, zum Signifikum 田 „Feld“ werden vermutet, manche sehen in Frühformen auch die Darstellung einer Person mit dickem Bauch und Verbindung zum Bedeutungskonzept von /wāng/ „krank, lahm“.

Nr.562 绝 (trad. 絕) /jué/ „abschneiden, unterbrechen, verbraucht sein, extrem, absolut“. Ursprünglich Seide 糸 / 纟mit einem Messer 刀 abschneiden. Eine Alternativschreibung war der rechte Teil von 躖 (vgl.㡭 in Nr.434 断 斷 /duàn/). Das später hinzugefügte 巴 ist ähnlich wie in Nr.304 色 /sè/ eine Variante der knieenden Person卩 bzw. 㔾 /jié/ und hier vermutlich Phonetikum.

Nr.563 奇 /qí/ „seltsam, erstaunlich“. Oben Signifikum 大 „Mensch“ (heute „groß“, Nr.17), unten Phonetikum 可 /kĕ/ (Nr.30).

Nr.564 察 /chá/ „untersuchen, genau prüfen“, Morphem in 警察 /jǐngchá/ „Polizei“. Ursprünglich „überdachen“, daher Signifikum 宀 „Dach“, mit Phonetikum 祭 /jì/ („opfern“: eine Hand 又legt Fleisch 月auf einen Altar 示).

Nr.565 母 /mǔ/ „Mutter“, Morphem in 字母 /zìmǔ/ „Buchstabe(n)“. Ursprünglich eine Variante von „Frau“ (heute 女 /nǚ/) mit Hervorhebung der Brüste durch zwei Punkte.

Nr.566 京 /jīng/ „Hauptstadt“, Morphem in 北京 #Beijing, 南京 #Nanjing und 東京 / 东京 #Tokyo. Darstellung eines hohen Turms oder einer Pagode, vgl. 高 /gāo/ „hoch“ (Nr.134) und 亭 /tíng/ „Pavillon“.

Nr.567 段 /duàn/ „Teil, Abschnitt, Passage“. Ursprünglich „Wetzstein“ (heute 碫 /duán/).  Der obskure linke Teil war ursprüngliche eine Variante von 石 /shí/ „Stein“ (ähnlich in 叚 /jiǎ/), rechts eine Hand 又, die einen hammerartigen Gegenstand hält殳.

Nr.568 依 /yī/ „abhängig sein von, gemäß, entsprechend“. Links Signifikum 亻(人) “Mensch“, rechts Phonetikum 衣 /yī/ („Kleidungsstück“).

Nr.569 批 /pī/ ursprünglich „schlagen“, heute „anmerken, kritisieren“ und „große Menge, Gruppe“ (auch ZEW). Links Signifikum „Hand“ 手 in der gekürzten Form 扌, rechts 比 /bǐ/ („vergleichen“, Nr.199) als Phonetikum.

Nr.570 群 /qún/ (trad. auch 羣) „Gruppe, Menge, Herde“ (auch ZEW). Rechts Signifikum „Schaf“ 羊 mit Phonetikum 君 /jūn/. Ursprünglich für Tiere, heute auch für Menschen verwendbar.

Nr.571 项 (trad. 項) /xiàng/ Ursprünglich „Genick, Nacken“, heute ZEW und Substantiv für abstrakte, zählbare Items wie Summen oder Projekte. Signifikum „Kopf“ 頁 页 mit links stehendem Phonetikum 工 /gōng/ (Nr.118, “Arbeit”).

Nr.572 故 /gù/ Ursprünglich „verursachen“ und „ehemalig“, heute vor allem „Ereignis, Ursache, absichtlich, deshalb“. Signifikum „schlagende Hand“ 攴/攵 mit links stehendem Phonetikum 古 /gǔ/ „alt“ (Nr.509), das in manchen Zusammenhängen auch als zweites Signifikum betrachtet werden kann.

Nr.573 按 /àn/ „drücken, zurückhalten, gemäß, entsprechend”. Signifikum „Hand“ 扌(手) mit Phonetikum 安 /ān/ (Nr.232).

Nr.574 河 /hé/ „Fluss“, vor allem im „Gelben Fluss“ (黄河 Huánghé) und den Provinzen 河南 Hénán und 河北 Hébĕi. Links Signifikum „Wasser“ 氵(水), rechts Phonetikum 可 /kĕ/ (Nr.30).

Nr.575 米 /mǐ/ „Reis“, phonetisch entlehnt für die Einheit “Meter”. In Orakelknochenzeichen eine Rispe (waagerecht) mit sechs Reiskörnern. Signifikum in mehreren Schriftzeichen, die mit (eher süßen) Speisen, Essenzen, Körnern oder auch Klebrigkeit zu tun haben.

Nr.576 围 (trad. 圍) /wéi/ „umkreisen, umgeben, beschützen, ringsherum“. Bereits 韋 /wéi/ zeigt zwei Füße 止, die um etwas 口 (eine Festung?) herumgehen (im Kurzzeichen gekürzt zu 韦). Schon vor 3000 Jahren wurde zur Verdeutlichung des Konzepts noch einmal 囗 (ebenfalls /wéi/) hinzugefügt.

Nr.577 江 /jiāng/ „Fluss“, vor allem im „Langen Fluss“ (长江 Chángjiāng, dt. auch Jangtsekiang), der Provinz 江苏 Jiāngsū u.a. Regionalbezeichnungen, auch Familienname. Links Signifikum „Wasser“ 氵(水), rechts Phonetikum 工 /gōng/ (Nr.118, “Arbeit”).

Nr.578 织 (trad. 織) /zhī/ Ursprünglich „weben“, heute „organisieren“. Links Signifikum „Seide“ 纟 (糸), rechts Phonetikum 戠 /zhí/, im Kurzzeichen regelhaft gekürzt zu 只 /zhǐ/ (wie bei Nr.340 識 识) /shí/).

Nr.579 害 /hài/ „verletzen, zerstören“. Etymographie unbekannt; alte Formen des Zeichens verweisen nicht auf das heutige „Dach“ 宀 und auch nicht auf 丯 /jiè/, der untere Teil ähnelt in Bronzeschriften eher 古 /gǔ/. Möglicherweise phonetische Entlehnung eines lange verloren gegangenen Zeichens.

Nr.580 斗 (trad. 鬥 鬦 鬭 鬪) /dòu/ „kämpfen, sich messen“, im trad. Zeichen zwei streitende Hände, heute stattdessen 斗 geschrieben. Das alte Hohlmaß 斗 /dǒu/ (heute „Deziliter“) stellte ursprünglich zehn 十 Schöpflöffel 勺 dar.

Nr.581 双 (trad. 雙) /shuāng/ „Paar, beide“, ZEW für Paare: Eine Hand 又, die zwei Vögel 隹隹 hält, heute gekürzt zu zwei Händen. Vgl. Nr.97 隻 (Kurzzeichen 只) /zhī/ „einzeln“, ZEW für Tiere, Hände etc., in dem die Hand 又 nur einen Vogel 隹 hält.

 Nr.582 境 /jìng/ „Grenze, Gebiet, Zustand“, vor allem in 环境 /huánjìng/ „Umwelt“. Signifikum 土 „Erde“ mit Phonetikum 竟 /jìng/, das sich einst aus 辛 und 儿 zusammensetzte und erst seit der Schriftreform unter den Qin (3.Jh. v.u.Z.) 音 /yīn/ zu enthalten scheint.

Nr.583 客 /kè/ „Gast, Kunde, objektiv“. Signifikum „Dach“ 宀; das vermeintliche Phonetikum 各 /gè/ (Nr. 209) bedeutete ursprünglich „betreten, ankommen“ und kann daher auch semantisch interpretiert werden.

Nr.584 纪 (trad. 紀) /jì/ „Disziplin, Aufzeichnungen, Annalen“, Morphem in 世纪 /shìjì/ „Jahrhundert“. Ursprünglich ein („diszipliniertes“?) Bündel von Fäden, daher Signifikum „Seide“ 纟(糸), rechts 己 /jǐ/, das seinerseits ein Faden gewesen sein könnte (Nr.162). Eng verwandt auch mit Nr.306 记 /jì/ „notieren“.

Nr.585 采 /cǎi/ „einsammeln, pflücken, ergreifen“. Eine Hand 爪 → 爫 pflückt Blätter oder Früchte von einem Busch oder Baum 木.

Nr.586 举 (trad. 舉, auch 擧 挙) /jǔ/ „(an)heben, empfehlen, Aktion“.  Eine Hand 扌手 scheint von unten das Phonetikum 與 /yǔ/ „anzuheben“, das später zu 兴 gekürzt wurde. (Das Kurzzeichen 兴 /xìng/ seinerseits basiert allerdings auf trad. 興, nicht 與; vgl. Nr.531)

Nr.587 杀 (trad. 殺) /shā/ „töten, schwächen, bremsen“. Im trad. Zeichen die Hand mit der Lanze 殳/shū/ als rechts stehendes Signifikum. Das im Kurzzeichen verbliebene杀kann in frühen Formen teilweise als Tier (auch Insekt), teilweise als menschliche Gestalt interpretiert werden (kein Bezug zu „Holz“ 木).

Nr.588 攻 /gōng/ „angreifen, bezichtigen, sich spezialisieren auf“.  Signifikum „schlagende Hand“ 攴/攵 mit links stehendem Phonetikum 工 /gōng/.

Nr.589 父 fù „Vater“. Einst eine Hand 又 mit einem Werkzeug 丨, vermutlich einer (Stein-)Axt (heute 斧 /fǔ/), dann Bedeutungsverschiebung zum Zeichen für (väterliche) Autorität. Vergleiche das ähnliche攴 (攵) /pū/ „schlagen“.

Nr.590 苏 (trad. 蘇) /sū/ ursprünglich Name einer Pflanze (Perilla, Shiso), heute vor allem geographische Verwendung in 江苏 Jiāngsū bzw. 苏州 Sūzhōu. Ursprünglich auch 稣 /sū/ ohne Signifikum „Gras“ 艸 → 艹. Im Kurzzeichen wurde 稣 wie Nr.367 辦 /bàn/ zu 办 gekürzt.

Nr.591 密 /mì/ „dicht, eng, vertraut, sorgfältig, geheim“.  Ursprünglich offenbar eine Bezeichnung für ein Gebirge oder einen Ort: Signifikum 山 „Berg“ unter Phonetikum 宓 /mì/ („ruhig, friedlich“, wie Nr. 232 安 /ān/, vgl. auch Nr.248 必 /bì/).

Nr.592 低 /dī/ „niedrig, tief, senken”.  Das vermeintliche Phonetikum 氐 /dī/ (einst 氏über 一) ist auch semantisch als „Boden“ deutbar: Während 底 /dǐ/ „Boden“ eher substantivisch verwendet wird, wird 低 /dī/ mit Signifikum „Mensch“ 人 bzw. 亻eher adjektivisch und verbal gebraucht (Antonym zu Nr.134 高 /gāo/ „hoch, groß“).

Nr.593 朝 /cháo/ „Dynastie“ sowie Kurzform für Nordkorea (北朝鲜). Ursprünglich /zhāo/ „früher Morgen“, wozu das Signifikum „Mond“ 月 passt. Links scheint die Morgensonne 日 (durch Gräser 艹 廾?): grafisch und phonetisch verwandt mit Nr.462 早 /zǎo/ „früh, morgens”.

Nr.594 友 /yǒu/ „Freund, Freundschaft“. Zwei Hände nebeneinander, einst wie双, heute eine „linke“ 𠂇 und eine „rechte“ 又 Hand.

Nr.595 诉 (trad. 訴, früher auch 愬) /sù/ „mitteilen, beschuldigen, anklagen“ . Links Signifikum „Sprache“ 訁/讠, rechts ursprünglich 厈, früh aus schreibökonomischen Gründen zu 斥 /chì/ gekürzt.

Nr.596 止 /zhǐ/ „stehenbleiben, anhalten, stoppen, bis zu, nur“. Abbildung eines Fußabdrucks (ähnlich 足 /zú/ „Fuß“, gegenläufiger Fuß: 夊). Subgraphem in diversen Zeichen wie 步 此 正 是 u.v.a.

Nr.597 细 (trad. 細) /xì/ „dünn, fein, sorgfältig“.  Links Signifikum „Seide“ 纟 (糸), rechts ursprünglich Phonetikum 囟 /xìn/ („Kopf, Fontanelle“), das in der Han-Zeit zu 田 /tián/ „Feld“ vereinfacht wurde und damit seinen phonetischen Charakter verloren hat (wie auch Nr.298 思 /sī/ „denken“).

Nr.598 愿 /yuàn/ „Wunsch, Hoffnung, bereit sein zu“. Signifikum „Herz“ 心 unter Phonetikum 原 /yuán/ (Nr.193, „Quelle“).

Nr.599 千 /qiān/ „tausend“. Nicht etwa abgeleitet von 十 „zehn“, sondern ein waagerechter Strich 一 kreuzt 亻 „Mensch“ (/rén/, evtl. auch phonetisch). In Bronzezeichen auch mit 二 三 亖 etc. für zwei-, drei-, viertausend. Es scheint plausibel, dass Menschen das erste waren, was in diesen Mengen sorgfältig gezählt wurde.

Nr.600 值 /zhí/ „Wert, wert sein, genau, Dienst haben“.  Links Signifikum 亻„Mensch“, rechts直 /zhí/ („gerade, geradeaus“, Nr.255) als Phonetikum.