„We lived in a barrack. The barrack was right in the city. During my entire time in Germany, nothing was worse than living and eating in the barrack.“
Sinaida Iwanowna B., Ukrainische Zwangsarbeiterin, Berlin Neukölln, 1942.
Das System
In vier der 13 Baracken kann man die Ausstellung über die Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter, ihr Leben und ihre Schicksale verfolgen. Die Menschen wurden zwischen den Jahren 1938–1945 in den Baracken untergebracht und zur Zwangsarbeit verpflichtet.
Wie man in der Ausstellung erfährt, gingen Deutschland durch den Krieg und die vielen Verluste an Männern die Arbeiter aus. Man begann Menschen aus besetzten Ländern anzuwerben und nach Deutschland zu bringen. Ursprünglich wurde ihnen eine Art Arbeitsverhältnis versprochen, einmal in den Lagern angekommen wurden sie aber versklavt. Die Zwangsarbeiter*innen wurden in allen Bereichen des Lebens eingesetzt und je nach Herkunft unterschiedlich behandelt.
Sinti und Roma, sowie polnische und ukrainische Menschen standen ganz unten auf der Hierarchieleiter. Die Ideologie der Nationalsozialisten stand allerdings ihrem eigenen System im Weg, da beispielsweise jüdische Zwangsarbeiter*innen aussortiert und in Vernichtungslager deportiert wurden.
Die Ausstellung
Die Ausstellung befasst sich zusätzlich mit der Rückführung und der Entschädigung der Insass*innen, welche bis heute nicht vollständig aufgearbeitet ist. Sie versucht in Zahlen zu erfassen, welche Gräueltaten an diesen Orten geschehen sind und wie viele Menschen dort ihr Leben oder ihre Gesundheit verloren haben.
Die verwendeten Darstellungsmittel der Ausstellung variieren stark und erklären die Thematik gut und verständlich. Von Audioguides, oft in Verbindung mit Beamern, bis zu Artefakten aus jener Zeit, hatte die Dauerausstellung alle gängigen Medien, die in Museen üblich sind, bereitgestellt. Auch zu erwähnen ist, dass durch die noch vorhandenen Baracken die Inhalte zusätzlich erlebbarer gemacht werden.
Das ganze Gelände erstreckt sich über ein großes Areal, wobei viele der ursprünglichen Gebäude nun anderweitig genutzt werden, z.B. in Form eines Blumenladens oder einer Kindertagesstätte.
Es wäre interessant gewesen, eine Baracke von innen zu sehen, die dem Originalzustand der damaligen Zeit nahe kommt, doch leider war das nicht möglich.
Arabische Insassen?
Die Dauerausstellung nimmt ausschließlich Bezug auf Europa. Arabische Zwangsarbeiter*innen und Gefangene werden schlichtweg ausgelassen. Als wir zu Beginn des Besuches einen Mitarbeiter des Museums dazu befragten, war er zunächst über unsere Frage erstaunt.
Er erklärte uns, dass es seinem Wissen nach keine arabischen Spuren im Dokumentationszentrum gäbe. Er meinte, dass die Aufarbeitung von arabischen Zwangsarbeiter*innen in Berlin kaum vorhanden ist. Denn es gab nur eine sehr geringe Zahl arabischer Menschen in Berlin in dieser Zeit, weshalb diese für die Ausstellung ignoriert worden seien. Er verwies uns anstelle dessen auf die Aufarbeitung in Frankreich in Bezug auf arabische
Menschen, welche ausführlicher dokumentiert wurde.
Denkanstoß
Das zeigt, dass arabisches Leben noch keine wirkliche Rolle im Geschichtsbewusstsein der Deutschen spielt. Auch wenn Araber*innen damals eher eine kleinere Minderheit bildeten, sind sie heute doch Teil der deutschen Gesellschaft. Ein konkretes Beispiel für einen möglichen Denkanstoß wären die arabischen Zwangsarbeiter*innen, welche aus den französischen Kolonien Nordafrikas stammten. Frankreich rekrutierte während des zweiten Weltkriegs Kolonialsoldaten und Arbeitskräfte, von denen einige zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert wurden.
Wir fanden es etwas befremdlich, dass einige Baracken zu alltäglichen Zwecke genutzt werden, doch wenn ihre historische Vergangenheit dadurch im Gedächtnis bleibt, hat es dennoch etwas Gutes.
Die Ausstellung war insgesamt sehr informativ und ist definitiv einen Besuch wert.
Das Dokumentationszentrum NS Zwangsarbeit befindet sich Nahe des S-Bahnhofes Berlin Schöneweide.


Ein sehr gelungener Kommentar wie ich finde. Vielen Dank für den informativen Zugang arabischer Spuren in Berlin!