{"id":157,"date":"2024-07-07T10:15:00","date_gmt":"2024-07-07T08:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/?p=157"},"modified":"2024-09-02T12:22:27","modified_gmt":"2024-09-02T10:22:27","slug":"exkursion-nach-wuensdorf-etwas-schoengeistiges-in-der-pampa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/2024\/07\/07\/exkursion-nach-wuensdorf-etwas-schoengeistiges-in-der-pampa\/","title":{"rendered":"Exkursion nach W\u00fcnsdorf \u2013 \u201eEtwas Sch\u00f6ngeistiges in der Pampa\u201c"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die erste Moschee Deutschlands liegt etwa 40 Kilometer vor der Berliner Stadtgrenze. Hier in W\u00fcnsdorf, einem beschaulichen Ortsteil der brandenburgischen Stadt Zossen mit etwa 7.000 Einwohner*innen, stand einst die aus Holz gefertigte Mosche, die allerdings bereits seit 1930 nicht mehr existiert. Vor meinem inneren Auge erwarte ich ein weites Feld mit einem Hinweisschild auf diese vergangene Geschichte, deren sichtbare Spuren l\u00e4ngst verschwunden sind. Doch weit gefehlt\u2026 <\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Regionalexpress geht es vom Berliner S\u00fcdkreuz 50 Minuten nach W\u00fcnsdorf-Waldstadt. Am Bahnhof werden wir von Mike und seinem Team des Garnisionsmuseum W\u00fcnsdorf abgeholt, die uns heute begleiten und mit der internationalen Ortsgeschichte des vergangenen Jahrhunderts vertraut machen. Urspr\u00fcnglich war ein Fu\u00dfmarsch zur ehemaligen Moschee geplant \u2013 knapp zwei Kilometer sind es auf dem direkten Weg \u2013, aber wegen einer Verletzung im Team werden wir mit Autos dorthin chauffiert.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Durch Milit\u00e4rzonen zur Moschee &#8230;<\/h1>\n\n\n\n<p>Kaum eingestiegen, geht die Zeitreise durch W\u00fcnsdorf schon los: Es geht vorbei an der sogenannten \u201everbotenen Stadt\u201c, die so hei\u00dft, weil sie w\u00e4hrend der Zeit des Kalten Krieges eine streng abgeschirmte Milit\u00e4rzone war. Dort befand sich das Hauptquartier der sowjetischen Streitkr\u00e4fte in Deutschland, der Zutritt war f\u00fcr Zivilist*innen verboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Keine Minute sp\u00e4ter biegen wir schon in die Moscheestra\u00dfe ein \u2013 wir sind am ersten Ziel des Tages angekommen. Meine Vorstellungen des Ortes erweisen sich als falsch. Denn dort, wo einst die erste Moschee Deutschlands stand, stehen nun trostlose Container- und Flachbauten, umgeben von einem hohen Zaun und einem massiven, elektrischen Eisentor, das nur f\u00fcr Befugte ge\u00f6ffnet wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"378\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00054-1024x378.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-158\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00054-1024x378.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00054-300x111.jpeg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00054-768x283.jpeg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00054-1536x566.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00054-2048x755.jpeg 2048w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00054-1200x442.jpeg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>Blick auf den Ort der fr\u00fcheren Moschee in der heutigen Moscheestra\u00dfe<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich d\u00fcrfte es hier vor 110 Jahren ausgesehen haben. Die Moschee war Teil des Halbmondlagers W\u00fcnsdorf, eines von zwei Umerziehungslagern meist muslimischer Kriegsgefangener, um diese f\u00fcr das Deutsche Reich zu gewinnen. Sie sollten dabei nicht im Glauben \u00fcberzeugt werden, sondern von der kaiserlichen Kolonialpolitik. Deshalb durften sie auch sch\u00e4chten, hatten eine eigene W\u00e4hrung und bekamen eine Moschee ins Lager gebaut. All diese Annehmlichkeiten waren Teil des deutschen Plans in der Gunst der Kriegsgefangenen \u2013 vorrangig muslimische Kriegsgefangene aus franz\u00f6sischen, belgischen und britischen Kolonien \u2013 zu steigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Schlie\u00dfung des Lagers wurde die Moschee noch eine Weile von Berliner Muslimen genutzt. Mit der Er\u00f6ffnung der Moschee in Berlin-Wilmersdorf im Jahr 1928 nahm jedoch niemand mehr den weiten Weg nach W\u00fcnsdorf auf sich. Weil die Winter in Brandenburg hart waren und obendrein Holz knapp war, begannen die umliegenden Bauern nach und nach die h\u00f6lzerne Moschee abzubauen und das Holz in ihren \u00d6fen zu verfeuern bis nichts mehr \u00fcbrig war.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"751\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00052-751x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-159\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00052-751x1024.jpeg 751w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00052-220x300.jpeg 220w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00052-768x1048.jpeg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00052-1126x1536.jpeg 1126w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00052-1501x2048.jpeg 1501w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00052-1200x1637.jpeg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00052-scaled.jpeg 1877w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption>Stra\u00dfenschild zur &#8222;Moscheestra\u00dfe&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Heute gibt es an ihrem ehemaligen Standort mit Ausnahme des Stra\u00dfennamens keinerlei Hinweise und Erinnerungen an die Moschee oder das Kriegsgefangenenlager. Stattdessen weisen unz\u00e4hlige Schilder darauf hin, dass der gesamte Bereich video\u00fcberwacht wird. Denn wo einst eines von zwei Umerziehungslager f\u00fcr Kriegsgefangene war, steht heute, ebenfalls eingez\u00e4unt, eine von zwei Erstaufnahmeeinrichtungen Brandenburgs f\u00fcr Gefl\u00fcchtete. Damals wie heute leben die Menschen nicht freiwillig an diesem Ort, eine Moschee gibt es f\u00fcr sie nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Bitte weiterbl\u00e4ttern&#8230;<\/em><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">&#8230; zum<strong> Ehrenfriedhof<\/strong> &#8230;<\/h1>\n\n\n\n<p>Von der Moschee geht es weiter zum Ehrenfriedhof der Kolonialsoldaten der damaligen Alliierten aus dem Ersten Weltkrieg. Auf dem Weg dorthin passieren wir eine Bushaltestellte aus DDR-Zeit. Die drei kleinen, aneinandergereihten H\u00e4uschen mit spitzen D\u00e4chern und eingebauten \u00d6fen f\u00fcr die Winterzeit markieren das einstige sowjetische Grenzgebiet, das eingez\u00e4unt und mit einer Schranke versehen war. Die Haltestelle nutzten deutsche Arbeiter, die hier abgesetzt wurden und darauf warteten auf das Gel\u00e4nde gelassen zu werden. Obwohl die Bushaltestelle von Grund auf renoviert wurde, wird sie heute nicht mehr angefahren. <\/p>\n\n\n\n<p>Der muslimische Ehrenfriedhof, einst der Ortsfriedhof von Zehrensdorf, ist ein Ort voller Geschichte und liegt beschaulich an einem Waldrand abseits vom Ortskern. Es ist sehr ruhig und sehr gr\u00fcn. Neben den Gr\u00e4bern der ehemaligen Dorfbewohner*innen liegen hier die Ruhest\u00e4tten der Kriegsgefangenen aus dem \u201eHalbmondlager\u201c W\u00fcnsdorf, aber auch aus dem dort integrierten \u201eInderlager\u201c und dem \u201eWeinberglager\u201c f\u00fcr Russen, Tataren, Georgier und Angeh\u00f6rige anderer Nationalit\u00e4ten, die unter russischer Flagge k\u00e4mpften, sowie das Truppenlager der Garnison W\u00fcnsdorf.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">In Stein gemei\u00dfelte Erinnerungen<\/h4>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Auf dem Weg zu den Gr\u00e4bern kommen wir an einem wei\u00dfen, rechteckigen Stein mit vier vergoldeten Turbanen vorbei, dem sogenannten Tatarenstein. Er wurde einst von Kaiser Wilhelm zum Gedenken an jene Tataren gestiftet, die in einem Massengrab beerdigt wurden. Darauf folgen die Gr\u00e4ber der indischen Muslime, Sikhs und Hindus, die f\u00fcr die Briten gek\u00e4mpft hatten. Die franz\u00f6sischen Kriegsgefangenen, darunter Soldaten aus Nordafrika, wurden bereits 1926 nach Frankreich \u00fcberf\u00fchrt. Trotzdem gibt es noch viele Gr\u00e4ber, denn obwohl die Lagerinsassen relativ gut versorgt wurden, blieben sie Kriegsgefangene, die auf engem Raum extremer Witterung ausgesetzt waren. Krankheiten verbreiteten sich schnell und f\u00fchrten zu zahlreichen Todesf\u00e4llen. Um die Lebenden f\u00fcr sich zu gewinnen, erhielten die Verstorbenen eine w\u00fcrdige Bestattung auf diesem Friedhof.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00045-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-160\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00045-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00045-225x300.jpeg 225w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00045-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00045-1536x2048.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00045-1200x1600.jpeg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00045-scaled.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption>Der sogenannte Tatarenstein<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Ein gro\u00dfer wei\u00dfer Stein, deutlich gr\u00f6\u00dfer noch als der Tatarenstein, thront seitlich bei den Gr\u00e4bern der indischen Soldaten. Es ist ein Nachguss des Steins, den die englische K\u00f6nigin Victoria zu Ehren \u201eihrer\u201c gefallenen Soldaten stiftete. (Das Original \u2013 der wei\u00dfe Sandstein ist empfindlich \u2013 steht im Garnisionsmuseum vor Vandalismus gesch\u00fctzt.) Die wei\u00dfen Grabsteine der Inder strahlen in Reih und Glied aufgereiht daneben in der Sonne. Auch diese sind Nachbauten, in die meisten sind der Name und das Sterbedatum eingraviert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"162\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00035-1024x768.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-162\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00035-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00035-300x225.jpeg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00035-768x576.jpeg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00035-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00035-2048x1536.jpeg 2048w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00035-1200x900.jpeg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"404\" data-id=\"163\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00042-1024x404.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-163\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00042-1024x404.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00042-300x118.jpeg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00042-768x303.jpeg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00042-1536x605.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00042-2048x807.jpeg 2048w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00042-1200x473.jpeg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption\">Die britische Kriegsgr\u00e4berst\u00e4tte<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong><em>Bitte weiterbl\u00e4ttern&#8230;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">&#8230; ins Garnisonsmuseum<\/h1>\n\n\n\n<p>Vom Friedhof geht es mit den Autos weiter zum Garnisionsmuseum. Der Weg f\u00fchrt uns durch Truppen\u00fcbungsgel\u00e4nde und vorbei an der ehemaligen Panzertruppenschule aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die ehemaligen Panzergaragen wurden von der Wehrmacht gebaut und sp\u00e4ter von den Sowjets \u00fcbernommen und vergr\u00f6\u00dfert. Vereinzelt sehen wir die Autos von Pilzsammler*innen am Wegesrand stehen, obwohl \u00fcberall Schilder vor aktuellen Gefahren aus der Vergangenheit warnen: Im Boden befinden sich noch Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg. Es ist eine allgegenw\u00e4rtige Gefahr, die bis heute die Region belastet. Wir kommen auch an einem gro\u00dfen Sportstadion vorbei, das einst von den kaiserlichen Truppen, dann von der Wehrmacht und schlie\u00dflich von den Sowjets genutzt wurde und heute verf\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Garnisionsmuseum erstrahlt hingegen in voller Pracht. Es ist in einem ehemaligen Pferdestall aus der Kaiserzeit untergebracht und besch\u00e4ftigt sich mit der Zeit von 1910 bis 1945. Direkt daneben, auch in einem Pferdestall, ist das Museum \u201eRoter Stern\u201c, das die Geschichte von 1945 bis 1994 weitererz\u00e4hlt. Gegen\u00fcber ist ein Spitzbunker zu bestaunen. Insgesamt f\u00fcnf ehemalige Pferdest\u00e4lle, darunter einer randvoll gef\u00fcllt mit B\u00fcchern, zeigen die eindrucksvolle Transformation von Milit\u00e4r zu Kultur in der offiziellen B\u00fccher- und Bunkerstadt W\u00fcnsdorf. Es ist &#8222;etwas Sch\u00f6ngeistiges in der Pampa&#8220;, bringt unser Guide Mike es auf den Punkt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"545\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00026-scaled-e1720177666817-1024x545.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-165\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00026-scaled-e1720177666817-1024x545.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00026-scaled-e1720177666817-300x160.jpeg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00026-scaled-e1720177666817-768x409.jpeg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00026-scaled-e1720177666817-1536x818.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00026-scaled-e1720177666817-2048x1090.jpeg 2048w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00026-scaled-e1720177666817-1200x639.jpeg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>Garnisonsmuseum W\u00fcnsdorf<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Bunker, B\u00fccher und eine Schatzkammer<\/h4>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Das Museum ist eine Schatzkammer der Geschichte mit Originalreliquien vergangener Zeiten. Wir sehen einen Originalgrabstein vom Ehrenfriedhof, eine Skizze der Halbmondlagerplanung, Fotos aus dem Lagerleben und einen verkleinerten, aber ma\u00dfstabsgetreuen Nachbau der Moschee \u2013 wie das einstige Original aus Holz. Wir d\u00fcrfen sogar einen Blick ins Archiv in den hinteren R\u00e4umen werfen, die normalerweise nicht f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit bestimmt sind, gro\u00dfe \u00dcberredungskunst war daf\u00fcr nicht erforderlich. Wir st\u00f6bern in alten Feldpostkarten, Telegrammen und Zeitungsberichten.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00020-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-166\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00020-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00020-225x300.jpeg 225w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00020-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00020-1536x2048.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00020-1200x1600.jpeg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/image00020-scaled.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption>Holzmodell der W\u00fcnsdorfer Moschee, Erste Moschee Deutschlands<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Nach knapp drei Stunden treten wir die R\u00fcckfahrt zum Bahnhof an. Es geht vorbei an ehemaligen Kasernen aus der Kaiserzeit. Gesprengte und mittlerweile begr\u00fcnte Bunker s\u00e4umen unseren Weg und w\u00fcrden vielen Ortsunkundigen wie mir wohl unentdeckt bleiben, h\u00e4tte unser Fahrer Werner vom Garnisionsmuseum uns nicht auf all die sichtbaren und unsichtbaren Zeitzeugnisse am Stra\u00dfenrand aufmerksam gemacht. Es ist erstaunlich wieviel Geschichte in ein 7.000-Seelen-\u00d6rtchen passt. W\u00fcnsdorf ist zumindest proppevoll und einen Ausflug in die letzten 100 Jahre wert.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p>Hier geht es zur Webseite des <em><a href=\"https:\/\/garnisonsmuseumwuensdorf.de\/Startseite\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">F\u00f6rdervereins Garnisonsmuseum W\u00fcnsdorf e.V.<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wir danken der <a href=\"https:\/\/www.fu-berlin.de\/sites\/erg\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ernst-Reuter-Gesellschaft<\/a> f\u00fcr die gro\u00dfz\u00fcgige F\u00f6rderung dieser Exkursion!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"246\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/ERG-logo-1024x246.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-170\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/ERG-logo-1024x246.png 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/ERG-logo-300x72.png 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/ERG-logo-768x185.png 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/ERG-logo.png 1181w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>Mit freundlicher Unterst\u00fctzung<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die einen lebten hier gegen ihren Willen, den anderen wurde der Zugang verwehrt: In W\u00fcnsdorf verschmilzt die Geschichte von der Kaiserzeit bis zum Kalten Krieg. Wer kommt, um die erste Moschee Deutschlands zu sehen, wird \u00fcberrascht.<\/p>\n<p>Von Svenja Borgschulte<\/p>\n","protected":false},"author":3536,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[588938],"tags":[591797,10025,49739,592132,593783,592782,593456],"class_list":["post-157","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sose-2024","tag-1918-1933","tag-erster-weltkrieg","tag-exkursion","tag-kolonialsoldaten","tag-moschee","tag-vor-1918","tag-wuensdorf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/157","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3536"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=157"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/157\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":173,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/157\/revisions\/173"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=157"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=157"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=157"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}