{"id":205,"date":"2024-07-17T10:54:00","date_gmt":"2024-07-17T08:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/?p=205"},"modified":"2024-07-16T14:54:20","modified_gmt":"2024-07-16T12:54:20","slug":"mustafa-al-sherbini-pionier-der-berliner-jazz-und-swing-szene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/2024\/07\/17\/mustafa-al-sherbini-pionier-der-berliner-jazz-und-swing-szene\/","title":{"rendered":"Pioniere der Berliner Jazz- und Swing-Szene"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Gemeinsam mit seiner Frau Ivonne F\u00fcrstner betrieb al-Sherbini ab 1934 eine Bar in der Uhlandstra\u00dfe, die bis zu ihrer Schlie\u00dfung 1938 den Namen \u201eSherbini-Bar\u201c trug. Diese Bar wurde schnell zu einem exklusiven Treffpunkt der Berliner Boheme und Schickeria. Hier versammelten sich die \u201ebesseren Kreise\u201c der Gesellschaft, um bei Jazzmusik und in einer Atmosph\u00e4re internationaler Eleganz zu entspannen. Neben der Sherbini-Bar gab es die Ciro-Bar in der Rankentra\u00dfe, betrieben von al-Sherbinis ebenfalls \u00e4gyptischem, Freund Ahmad Mustafa, in der ein \u00e4hnliches Flair geherrscht haben soll.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Hotspot der Berliner Boh\u00e8me<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Sherbini-Bar war bekannt f\u00fcr ihren gelegentlichen Dresscode der damals \u201eFrackzwang\u201c genannt wurde und ihre luxuri\u00f6se Ausstattung, die sie zu einem einzigartigen Ort in einer Zeit machte, die zunehmend von den strengen Regeln des Nationalsozialismus gepr\u00e4gt war. Ein Artikel des \u201eBerliner Herold\u201c aus dem Jahr 1935 beschreibt die Bar als einen Ort, an dem die Zeit stehen geblieben schien. Hier konnte man noch die Gesichter und Profile sehen, die in den glanzvollen Jahren vor 1933 den Kurf\u00fcrstendamm belebten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"580\" height=\"371\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/Postkarte-Berlin-Charlottenburg-Ciro-Bar-Restaurant-Rankestrasse-um-1936.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-208\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/Postkarte-Berlin-Charlottenburg-Ciro-Bar-Restaurant-Rankestrasse-um-1936.jpg 580w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/Postkarte-Berlin-Charlottenburg-Ciro-Bar-Restaurant-Rankestrasse-um-1936-300x192.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 85vw, 580px\" \/><figcaption>Blick in die Ciro Bar von Sherbinis Freund Ahmed Mustafa, Berlin Charlottenburg, Rankestra\u00dfe, Postkarte um 1936<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p>Unter der Leitung von Mustafa al-Sherbini wurde die Bar zu einem musikalischen Zentrum, das einige der besten Jazzmusiker der Zeit anzog. Eine der Hauptattraktionen war der amerikanische Jazzposaunist Herb Flemming, der eigentlich Niccolaiih El-Michelle hie\u00df und tunesische sowie \u00e4gyptische Wurzeln hatte. Flemming brachte eine internationale Note in die Berliner Musikszene und war durch seine Auftritte in der Sherbini-Bar ma\u00dfgeblich daran beteiligt, Jazz und Swing in Berlin popul\u00e4r zu machen. Neben Flemming umfasste die Band der Sherbini-Bar namhafte Musiker wie Rudi Dumont (Trompete), Franz Than (Klarinette und Saxophon), Fritz Schulz (Piano), Max Gursch (Gitarre) und E. Wilkens (Bass). Mustafa al-Scherbini selbst spielte Schlagzeug und trug so aktiv zur musikalischen Atmosph\u00e4re bei.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ende einer \u00c4ra<\/h4>\n\n\n\n<p>Trotz der zeitweise weltoffenen Stimmung in Berlin, besonders w\u00e4hrend und nach den Olympischen Spielen 1936, begann der Druck des NS-Regimes auf die Jazzszene zu wachsen. Ende 1936 kam es zu Umbesetzungen in der Band, und die \u201aReichsmusikkammer\u2018 begann, die \u201eallzu jazzige\u201c Musik zu kritisieren. Schlie\u00dflich erhielt der damals als \u201ehalb-arisch\u201c bezeichnete Eugen Henkel ein Spielverbot, was die Band und die Bar schwer traf. Herb Flemming verlie\u00df Deutschland im Sommer 1937, und die Sherbini-Bar musste kurz darauf schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sherbini, Flemming und Mustafa zeugen mit ihren Errungenschaften von ihrem Eigensinn, da sie sich trotz der zunehmenden \u201eArisierung\u201c von Kunst und Kultur, immer wieder dagegenstellten und f\u00fcr eine weltoffene Atmosph\u00e4re in ihren Etablissements sorgten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"405\" height=\"282\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/Bild2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-207\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/Bild2.png 405w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/Bild2-300x209.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 405px) 85vw, 405px\" \/><figcaption>Zweiter von rechts (im dunklen Anzug) Mustafa al-Sherbini<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><strong>Quellen<\/strong>: Aischa Ahmed: <em>Arabische Pr\u00e4senzen in Deutschland um 1900. Biografische Interventionen in die deutsche Geschichte<\/em>. Bielefeld: transcript 2020. <br>F. Gesemann\/G. H\u00f6pp: \u201eAraber in Berlin (bis 1945).\u201c In: F. Gesemann\/G. H\u00f6pp\/H. Sweis (Hrsg.): <em>Araber in Berlin.<\/em> Berlin 1998, S. 7\u201346.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inmitten der turbulenten 1930er Jahre in Berlin, unter aufsteigender nationalsozialistischer Repression, schaffte es ein \u00c4gypter, eine kulturelle Oase zu schaffen, die nicht nur Jazz- und Swingliebhaber begeisterte, sondern auch die Elite der Gesellschaft anzog. Diese interessante Pers\u00f6nlichkeit war Mustafa al-Sherbini. Sein Engagement und seine Leidenschaft f\u00fcr Musik und Gastfreundschaft machten ihn zu einem bedeutenden Teil der Berliner Jazzgeschichte.<\/p>\n<p>Von Melis Karca<\/p>\n","protected":false},"author":3536,"featured_media":206,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[588938],"tags":[590342,594271],"class_list":["post-205","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-sose-2024","tag-1933-45","tag-kunstkultur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/205","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3536"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=205"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/205\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":235,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/205\/revisions\/235"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/media\/206"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=205"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=205"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=205"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}