{"id":212,"date":"2024-07-19T12:15:00","date_gmt":"2024-07-19T10:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/?p=212"},"modified":"2024-07-22T10:43:07","modified_gmt":"2024-07-22T08:43:07","slug":"1001-nacht-zu-kaisers-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/2024\/07\/19\/1001-nacht-zu-kaisers-zeiten\/","title":{"rendered":"1001 Nacht zu Kaisers Zeiten?"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"485\" height=\"579\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/Bild1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-213\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/Bild1.jpg 485w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/Bild1-251x300.jpg 251w\" sizes=\"auto, (max-width: 485px) 85vw, 485px\" \/><figcaption>Aufnahme in traditionellem Gewand, Hamburg ca. 1868<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die vermeintliche Prinzessin, um die es sich handelt, ist unter dem Namen Emily Ruete bekannt. Sie wurde am 30. August 1844 in Sansibar als omanische Prinzessin Sayyida Salme bint Said geboren und starb am 29. Februar 1924 in Jena, Deutschland. Sie wuchs in Sansibar im Palast ihres Vaters auf. Ihr Vater war der Sultan Omans und Sansibars. Er heiratete eine seiner Sklavinnen aus dem Kaukasus, Emily Ruetes Mutter. Emily Ruete heiratete schlie\u00dflich den deutschen Kaufmann Rudolph Heinrich Ruete und lie\u00df sich auf den Namen Emily taufen und zog mit ihm nach Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Arabische Prinzessin, mittellose Witwe, deutsche Schriftstellerin<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Ihr Mann, Rudolph Heinrich Ruete verungl\u00fcckte im Jahr 1870 in einem Unfall und starb kurz darauf. Nach dem Ableben ihres Mannes folgten schwere Zeiten f\u00fcr die Prinzessin und ihre Kinder. Die Beh\u00f6rden verweigerten ihr das Erbe ihres verstorbenen Mannes. Sie fiel in ein tiefes Loch, nun hatte sie nichts, um ihr Leben und das ihrer Kinder zu finanzieren. In dieser schweren Zeit ver\u00f6ffentlichte sie ihr Buch \u201eMemoiren einer arabischen Prinzessin\u201c. Eine unerwartete Wendung ins Positive war die Folge. Emily konnte ihren Lebensunterhalt aufgrund des Erfolges mit dem Buch finanzieren und wurde Lehrerin.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Die Ver\u00f6ffentlichung ihres ersten Buches \u201eMemoiren einer arabischen Prinzessin\u201c gilt weithin als fr\u00fchste ver\u00f6ffentlichte Autobiografie einer arabischen Frau. Sie wurde 1886 im Berliner Verlag H. Rosenberg ver\u00f6ffentlicht und ging in die Literaturgeschichte ein. Folglich wurde ihr Buch allein im Erscheinungsjahr viermal nachgedruckt. Der Erfolg sprach f\u00fcr sich, denn ihr Buch war in aller Munde und wurde beispielsweise in der Morgenpost erw\u00e4hnt. Zum Werk \u201eMemoiren einer arabischen Prinzessin\u201c wurden zwei B\u00e4nde aufgelegt. Ihr Buch erschien sp\u00e4ter im Verlag von Friedrich Luckhardt, 1886. Im zweiten Jahr seit Erscheinung des Buches gab es bereits erste \u00dcbersetzungen ins Englische.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"312\" height=\"461\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/Memoiren.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-215\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/Memoiren.jpg 312w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/Memoiren-203x300.jpg 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 312px) 85vw, 312px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Die Ver\u00f6ffentlichung ihres ersten Buches \u201eMemoiren einer arabischen Prinzessin\u201c gilt weithin als fr\u00fchste ver\u00f6ffentlichte Autobiografie einer arabischen Frau. Sie wurde 1886 im Berliner Verlag H. Rosenberg ver\u00f6ffentlicht und ging in die Literaturgeschichte ein. Folglich wurde ihr Buch allein im Erscheinungsjahr viermal nachgedruckt. Der Erfolg sprach f\u00fcr sich, denn ihr Buch war in aller Munde und wurde beispielsweise in der Morgenpost erw\u00e4hnt. Zum Werk \u201eMemoiren einer arabischen Prinzessin\u201c wurden zwei B\u00e4nde aufgelegt. Ihr Buch erschien sp\u00e4ter im Verlag von Friedrich Luckhardt, 1886. Im zweiten Jahr seit Erscheinung des Buches gab es bereits erste \u00dcbersetzungen ins Englische.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie verstarb 1924 im Alter von 80 Jahren und wurde in Hamburg auf dem Friedhof Ohlsdorf begraben. Ruetes Werk ist von sozial-historischem Wert und begeisterte zu ihren Lebzeiten das Publikum. Ihre Geschichte sprach sich rum und bewegte viele Zuh\u00f6rer. Zeit daran anzukn\u00fcpfen\u2026<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Spuren in Deutschland?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Es gibt nicht nur B\u00fccher und Online-Berichte, welche \u00fcber Ruete berichten, sondern auch Gedenkorte, die an die Prinzessin erinnern. Eines ihrer Andenken befindet sich im Palastmuseum der Stadt Sansibar. Das andere Andenken sollte urspr\u00fcnglich eine Platzbenennung in Hamburg sein. Im Jahr 2019 beschloss die Hansestadt mehr Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze nach Frauen zu benennen. Nun kam es zur Debatte, ob der Bezirk Hamburg-Nord im Stadtteil Uhlen-Horst Emily Ruete einen Platz weiht oder nicht. Zuerst wurde der Platz nach ihr benannt, sp\u00e4ter entschied der Hamburger Senat jedoch die Platzbenennung von Emily Ruete auf Teressa-Platz zu \u00e4ndern. (Teressa Scria war das Kind einer polnischen Zwangsarbeiterin. Sie starb zwei Tage nach ihrer Geburt. Ihr Name soll an die Vergangenheit der NS- Zeit erinnern.)<\/p>\n\n\n\n<p>Grund f\u00fcr Emily Ruetes Abwahl sei demnach ihre abwertende Art gegen\u00fcber Sklavinnen ihres Vaters und im Allgemeinen ihre Einstellung zu Sklaven. In ihrem Buch schrieb sie, es sei anzuordnen den \u201eN-Wort\u201c zuerst das Denken und Arbeiten beizubringen, bevor man die Sklaverei verbieten k\u00f6nne. Kritiker bewerten ihre \u00c4u\u00dferungen zur Sklaverei als unkritisch und verharmlosend. Obwohl ihre Schriften mit Verweisen auf ihr eingeschr\u00e4nktes Weltbild und ihre einseitige Lebensweise versehen wurden, entschied sich der Senat 2022 dazu ihren Namen zu ersetzen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"813\" height=\"623\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/Grab.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-214\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/Grab.jpg 813w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/Grab-300x230.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2024\/07\/Grab-768x589.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption>Ehrengrab Emily Ruetes alias Sayyida Salme bint Said in Hamburg-Ohlsdorf<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend:<\/strong> Online-Ausstellung der Staatsbibliothek zu Berlin &#8222;<a href=\"https:\/\/staatsbibliothek-berlin.de\/recherche\/fachgebiete\/germanistik\/emily-ruete\/galerie\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Von Sansibar nach Berlin und weiter \u2013 125 Jahre Emily Ruetes &#8218;Memoiren einer arabischen Prinzessin&#8216;<\/a>&#8222;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eNeun Jahre ist es her, da\u00df ich den Gedanken fa\u00dfte, aus meinem Leben Einiges f\u00fcr meine Kinder niederzuschreiben, welche bis dahin von meiner Herkunft weiter nichts wu\u00dften, als da\u00df ich eine Araberin sei und aus Zanzibar stamme\u201c \u2013 mit diesen Worten leitet Emily Ruete 1886 ihre \u201eMemoiren einer arabischen Prinzessin\u201c ein. Die wom\u00f6glich fr\u00fcheste ver\u00f6ffentlichte Autobiografie einer arabischen Frau.<\/p>\n<p>Von Ranaa Khalaf<\/p>\n","protected":false},"author":3536,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[588938],"tags":[524,594271,592782,594417],"class_list":["post-212","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sose-2024","tag-frauen","tag-kunstkultur","tag-vor-1918","tag-wirtschafthandel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/212","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3536"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=212"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/212\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":266,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/212\/revisions\/266"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=212"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=212"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=212"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}