{"id":437,"date":"2026-04-02T13:45:42","date_gmt":"2026-04-02T11:45:42","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/?p=437"},"modified":"2026-09-17T11:26:17","modified_gmt":"2026-09-17T09:26:17","slug":"el-arabiya-die-vereinigung-arabischer-studierender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/2026\/04\/02\/el-arabiya-die-vereinigung-arabischer-studierender\/","title":{"rendered":"El Arabiya &#8211; Vereinigung Arabischer Studierender"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-medium-gray-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-37adfec12b049d4842df8368fda1dda2\">Zum Titelbild: Die Er\u00f6ffnungsfeier des Islam-Instituts im Jahr 1927 mit Studierenden der El Arabiya, ihren Vorsitzenden Muhammed Nafi Tschelebi (rechts), dem libanesischen Politiker Shakib Arslan (mittig) und dem deutschen Orientwissenschaftler Georg Kampffmeyer (links)<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<p>Dieser Beitrag erschien zuerst im Jahr 2024 auf <em><a href=\"https:\/\/dekoloniale.de\/de\/map\/stories\/el-arabiya?view=map\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dekoloniale. Erinnerungskultur in der Stadt<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Weimarer Republik und der \u201eOrient\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p>Als erste Anlaufstelle f\u00fcr arabische Studierende in Berlin diente der&nbsp;<em>Orient-Klub<\/em>&nbsp;in der Kalckreuthstra\u00dfe 11 unter der Leitung Shakib Arslans. Nach dem Ersten Weltkrieg traf hier ein breites politisches Spektrum von nationalistischen bis panarabischen Antikolonialist*innen zusammen. Weitere Treffpunkte waren das&nbsp;<em>Humboldt-Haus&nbsp;<\/em>f\u00fcr ausl\u00e4ndische Studierende in der Fasanenstra\u00dfe 23 und die Wohnungen der Aktivist*innen, vor allem in Friedenau und Charlottenburg. Durch diese gemeinsamen Begegnungsr\u00e4ume entstand im Berliner Westen ein dichtes studentisches, arabisches Akteur*innen-Ensemble, das ab 1923 als&nbsp;<em>El Arabiya<\/em>&nbsp;auftrat.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass sich Berlin zu einem zentralen Aufenthaltsort f\u00fcr arabische Studierende entwickelte, lag vor allem daran, dass hier gr\u00f6\u00dfere Spielr\u00e4ume hinsichtlich der Ausbildung und der politischen Arbeit existierten als in autokratisch regierten Kolonien und Mandatsgebieten. Dies motivierte zahlreiche junge, gut situierte Menschen aus dem \u201eOrient\u201c in die europ\u00e4ischen Metropolen zu ziehen. Ab 1918 verlagerten, angesichts der wachsenden staatlichen Repressionen in Paris und London und der Entt\u00e4uschung \u00fcber die Versailler Nachkriegsordnung viele Aktivist*innen ihre Arbeit nach Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Weimarer Republik besa\u00df trotz anhaltender Kolonialbestrebungen zumindest formal keine Kolonien mehr. Auch die Kommunistische Internationale baute ihre westeurop\u00e4ische Zentrale f\u00fcr Antiimperialismus daher in der Friedrichstra\u00dfe auf. Im Berlin der 1920er Jahre hielten sich so j\u00e4hrlich vermutlich 100 bis 400 arabische Studierende auf. Das Ausw\u00e4rtige Amt stellte im August 1925 in einem vertraulichen Bericht an das preu\u00dfische Innenministerium fest:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Die politischen Umtriebe hiesiger orientalischer Kreise, insbesondere der in Berlin lebenden \u00e4gyptischen Studenten, hat sich allm\u00e4hlich zu einem Mi\u00dfstand entwickelt, der den au\u00dfenpolitischen Interessen des Reichs geradezu abtr\u00e4glich ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-dark-gray-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-b19b2d42e103a5ce9878994df75fec19\">&#8211; <em>Politisches Archiv Ausw\u00e4rtiges Amt, RZ 207\/77669, Politische Beziehungen \u00c4gyptens zu Deutschland, 1925\u20131931.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Muhammed Kamil Ayyad (1900\u20131986) und Muhammed Nafi Tschelebi (1901\u20131933)<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1925 wurde Muhammed Kamil Ayyad (-&gt; siehe Artikel <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/2024\/09\/02\/ibn-khaldun-in-berlin\/\">&#8222;Ibn Khaldun in Berlin&#8220;<\/a>) zwei Jahre nach der Gr\u00fcndung Vorsitzender der&nbsp;<em>El Arabiya<\/em>. Ayyad wuchs in Libyen auf, das seine Familie nach der italienischen Besetzung im Jahr 1912 verlie\u00df und nach Aleppo zog. Nach seinem Schulabschluss 1920 reiste er \u00fcber Libyen nach Berlin. Im Mai 1922 immatrikulierte er sich an der Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t, studierte Soziologie und zog in die Lef\u00e8vrestra\u00dfe 6.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Nachfolger von Muhammed Kamil Ayyad wurde 1928 Muhammed Nafi Tschelebi aus Aleppo, der in Berlin an der Technischen Hochschule Maschinenbau studierte. Ab 1923 in Zehlendorf wohnhaft, hatte er sich schon vorher an den Protestaktionen der&nbsp;<em>El Arabiya&nbsp;<\/em>beteiligt. In Reaktion auf den syrischen Aufstand gegen die gewaltvolle Unterdr\u00fcckung durch die franz\u00f6sische Mandatsherrschaft 1925\u20131927 verteilte Tschelebi Flugbl\u00e4tter \u00fcber \u201edie barbarischen Schandtaten der Franzosen in Syrien.\u201c Zus\u00e4tzlich gr\u00fcndete Tschelebi drei Zeitschriften, darunter das&nbsp;<em>Islam Echo<\/em>, welches w\u00f6chentliche Nachrichten \u201e\u00fcber Politik, Wirtschaft und Kulturfragen in den gesamten L\u00e4ndern des Islams\u201c ver\u00f6ffentlichte. \u00dcber den Aufstand hei\u00dft es dort:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Syrien steht heute vor einem Wendepunkt. Trotz Verstummens der Meldungen ist der Kampf nicht erloschen; die Flamme des Freiheitskampfs lodert, um sich auf das gesamte Gebiet auszubreiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-dark-gray-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-3574dc58ab874d4d51ea33b72550b0ed\">&#8211; Islam Echo<em>, 1 (1927) 1, S. 7.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Tschelebis Publikationen entstanden in Zusammenarbeit mit der&nbsp;<em>Kommunistischen Internationalen<\/em>&nbsp;und anderen kolonialmigrantischen Gruppen Berlins, beispielsweise dem&nbsp;<em>Verein der Inder in Zentral-Europa<\/em>. Obgleich aus Tschelebis Antikolonialismus die Konfrontation mit Europa als politischer Macht und als Gesellschaftsform stets hervorging, passte er seine Agitation und seine Ideologie an die Bedingungen der deutschen Gesellschaft an. Damit schuf er neue intellektuelle R\u00e4ume, die nicht ausschlie\u00dflich an bestimmte Kulturen, Religionen oder Ethnien gebunden waren. So war er auch an dem Aufbau eines Archivs der&nbsp;<em>El Arabiya<\/em>&nbsp;beteiligt, das Informationen zu den Herkunftsl\u00e4ndern der Studierenden, aber auch zu ihrer Arbeit in Berlin sammelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Muhammed Nafi Tschelebi starb 1933 unter ungekl\u00e4rten Umst\u00e4nden. Es ist bezeichnend, dass der Bestattungsort des aktivsten arabischen Antikolonialisten in Berlin bis heute im Dunkeln liegt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"538\" height=\"604\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2026\/04\/Ausschnitt-Der-Islamische-Student.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-450\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2026\/04\/Ausschnitt-Der-Islamische-Student.jpg 538w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/files\/2026\/04\/Ausschnitt-Der-Islamische-Student-267x300.jpg 267w\" sizes=\"auto, (max-width: 538px) 85vw, 538px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Mitglieder der <em>El Arabiya<\/em> demonstrierten gegen den europ\u00e4ischen Imperialismus und unterst\u00fctzten von Berlin aus die Unabh\u00e4ngigkeitsbewegungen in ihren Herkunftsregionen. Zeitgleich partizipierten sie in Vorlesungen und Seminaren an kolonialwissenschaftlichen Diskursen und gr\u00fcndeten akademische Institutionen wie die <em><strong>Islamia <\/strong><\/em>im Jahr 1924 oder das <strong>Islam-Institut<\/strong> im Jahr 1927.<br>Quelle: <a href=\"https:\/\/cms.dekoloniale.de\/assets\/documents\/1.2.-Der-Islamische-Student.png\">Die Titelseite der studentischen Zeitschrift der El Arabiya mit einem Bild des Humboldt-Haus (Staatsbibliothek zu Berlin \u2013 Preu\u00dfischer Kulturbesitz, Signatur: Um 2379\/388;Beil).<\/a><br><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Lesen Sie auf der n\u00e4chsten Seite weiter \u00fcber <em>Antikolonialismus jenseits von Grenzen<\/em>, <em>Begegnungen in den &#8222;Orientwissenschaften&#8220;<\/em> sowie <em>Arabische Studierende nach 1933<\/em><\/h3>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Antikolonialismus jenseits von Grenzen<\/h3>\n\n\n\n<p>Mitte der 1920er Jahre kam es in mehreren Kolonien zu Aufst\u00e4nden gegen die europ\u00e4ische Herrschaft, woraufhin sich europaweit solidarische Massenproteste entfalteten. Zwei Beispiele f\u00fcr die transnationalen Mobilisierungen in Berlin, an denen sich die&nbsp;<em>El Arabiya<\/em>&nbsp;im Sommer 1925 beteiligte, waren der Kongress \u201eH\u00e4nde weg von China\u201c im Berliner Herrenhaus mit hunderten Delegierten und die Gr\u00fcndung eines Aktionskomitees \u201eGegen die Kolonialgreuel in Syrien\u201c \u2013 mit prominenter Unterst\u00fctzung von Clara Zetkin und Erich M\u00fchsam.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgehend von diesen chinesischen und syrischen Komitees gr\u00fcndete Willi M\u00fcnzenberg, kommunistischer Abgeordneter und Vorsitzender der&nbsp;<em>Internationalen Arbeiterhilfe<\/em>, im Februar 1926 unter Mitwirkung&nbsp;<em>El Arabiyas<\/em>, dem&nbsp;<em>Hauptverband der chinesischen Studierenden<\/em>, dem&nbsp;<em>Verein der Kameruner<\/em>&nbsp;und weiteren migrantischen Organisationen die&nbsp;<em>Liga gegen Kolonialgreuel und Unterdr\u00fcckung<\/em>. Die Liga war der erste internationale Verband, um gemeinsam die globalen antikolonialen K\u00e4mpfe aufzubauen und diese zu popularisieren. Die erste Rede beim Gr\u00fcndungstreffen hielt der syrische Chemiestudent Jahia Haschmi, ihm folgten zwei seiner Kommilitonen aus China und Persien. Fortan ver\u00f6ffentlichte die Liga in ihrem Mitteilungsblatt&nbsp;<em>Der koloniale Freiheitskampf<\/em>, stets gerahmt durch kommunistische Analysen, die Berichte syrischer, chinesischer und marokkanischer Antikolonialist*innen und informierte \u00fcber die Vorbereitungen eines gro\u00dfen antikolonialen Kongresses.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sich im Februar 1927 im Palais d\u2019Egmont insgesamt 174 Delegierte aus 31 verschiedenen Staaten und Kolonien auf Einladung der Liga zum ersten \u201eInternationalen Kongress gegen koloniale Unterdr\u00fcckung und Imperialismus\u201c versammelten, nahmen auch zwei arabische Studenten aus Berlin teil. Der syrische Student und Vorsitzende&nbsp;<em>El Arabiyas<\/em>&nbsp;an der Technischen Hochschule, Ihsan al-Djabri, wendete sich an den Kongress und klagte die franz\u00f6sische Politik in Syrien an:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Erlauben Sie mir, Sie kurz \u00fcber die tragische Situation in meinem Land zu informieren, indem ich einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber die Geschichte der Aufstandsbewegung gebe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele von Ihnen kaum wissen, worauf das syrische Problem beruht, das seit sechs Jahren die Sph\u00e4ren des V\u00f6lkerbundes und die der Regierungen von Frankreich und England besch\u00e4ftigt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-dark-gray-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-79e336a1c207fe3feadc66dc6943c68e\"><em>&#8211; Kampffmeyer, Georg: &#8222;Ihsan Bey el-Dschabri an den Br\u00fcsseler Kongress, La voix de la Syrie&#8220;, in: <\/em>Nachrichten der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Islamkunde<em> 2 (1927) 10, S. 25.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Begegnungen in den \u201eOrientwissenschaften\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Pr\u00e4senz arabischer Studierender an der Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t bedeutete f\u00fcr deutsche Orientalisten eine unmittelbare N\u00e4he zu Wissenstr\u00e4ger*innen. Umgekehrt konnte beispielsweise Tschelebi nur durch die Kontakte, das Renommee und die finanzielle Unterst\u00fctzung der Orientalisten die Zeitschrift&nbsp;<em>Islam Echo&nbsp;<\/em>publizieren, welches der&nbsp;<em>El Arabiya<\/em>&nbsp;im Nachgang des Br\u00fcsseler Kongresses zur Verbreitung ihrer antikolonialen Forderungen diente. Georg Kampffmeyer, ein Arabist am Seminar f\u00fcr Orientalische Sprachen, publizierte in der Fachzeitschrift&nbsp;<em>Die Welt des Islams<\/em>&nbsp;zur Erforschung des zeitgen\u00f6ssischen \u201eOrients\u201c einen Sachindex aller Artikel im&nbsp;<em>Islam Echo<\/em>. Dieses Zweckb\u00fcndnis bedeutete auf der einen Seite, dass Kampffmeyer die Forschungsobjekte und -inhalte kontrollierte. Auf der anderen Seite erhielten die Studierenden eine M\u00f6glichkeit, ihre antikolonialen Positionen zu artikulieren \u2013 mussten diese aber stets in Balance mit dem deutschen Orientalismus halten. Dass solche Beziehungen keineswegs widerspruchslos verliefen, verdeutlichten Tschelebis und Kampffmeyers Differenzen \u00fcber die&nbsp;<em>Liga gegen Imperialismus<\/em>. Kampffmeyer kritisierte im Juni 1927 die&nbsp;<em>El Arabiya<\/em>&nbsp;f\u00fcr ihre Kooperationen mit kommunistischen Gruppen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>Er bef\u00fcrwortete zwar einen<\/em><strong> \u201eKongre\u00df, der sich gegen die koloniale Unterdr\u00fcckung wendet.\u201c <\/strong><em>Allerdings sollte dieser nicht<\/em><strong> \u201ewieder einmal das deutsche Volk [\u2026] beschmutzen\u201c<\/strong><em>, sondern zeigen,<\/em><strong> \u201eda\u00df, voran die Belgier und Franzosen, dann Engl\u00e4nder und Russen fr\u00fcher und heute in freventlicher Weise die Kolonialv\u00f6lker vergewaltigt haben und noch unterdr\u00fccken.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-dark-gray-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-399c810bc52f1ac5992fbd7d6d20befc\"><em>&#8211; Kampffmeyer, Georg: &#8222;Der Kongre\u00df gegen Kolonialunterdr\u00fcckung und Imperialismus in Br\u00fcssel 1927&#8220;, in: <\/em>Nachrichten der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Islamkunde<em> 2 (1927) 10, S. 17\u201318.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Arabische Studierende nach 1933<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach Tschelebis Tod erlebte die&nbsp;<em>El Arabiya<\/em>&nbsp;ebenso wie die&nbsp;<em>Islamia<\/em>, das Islam-Institut und die Islamische Gemeinde Berlins einen signifikanten R\u00fcckgang ihrer Aktivit\u00e4ten. Die nationalsozialistische Macht\u00fcbernahme erschwerte den Alltag rassifizierter Studierender in Deutschland und schr\u00e4nkte ihre Handlungsspielr\u00e4ume ein. Im Verlauf der 1930er Jahre studierten wenige Araber*innen in Berlin und ihre politischen Bet\u00e4tigungen sind bisher kaum untersucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die&nbsp;<em>El Arabiya<\/em>&nbsp;war weitgehend in Vergessenheit geraten, bis es im Jahr 1936 zu einer kurzweiligen Wiederbelebung durch Jahia Haschmi kam, der nach seinem Chemiestudium als Lektor am Seminar f\u00fcr Orientalische Sprachen lehrte. Anlass daf\u00fcr waren die Olympischen Spiele, zu denen auch ehemalige Studierende nach Berlin reisten. Auf einer Generalversammlung im Oktober 1936 wurden die&nbsp;<em>El Arabiya<\/em>&nbsp;und weitere arabische Studierendenclubs zur&nbsp;<em>Vereinigung Arabischer Studierender<\/em>&nbsp;<em>in Berlin<\/em>&nbsp;(VAS) gleichgeschaltet. Die VAS, auch \u201eArabischer Klub\u201c genannt, hatte ungef\u00e4hr 35 Mitglieder und ihren Sitz am Kurf\u00fcrstendamm 48\/49.<\/p>\n\n\n\n<p>Das erkl\u00e4rte Ziel der VAS war die \u201eZusammenfassung aller arabischen Studenten in Deutschland und ihre k\u00f6rperliche, geistige und seelische Ert\u00fcchtigung als Angeh\u00f6rige des einigen arabischen Volkes.\u201c Diese nationalistisch-v\u00f6lkische Ausrichtung spiegelte sich auch in einer <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/2024\/06\/24\/die-akte-palaestinakonflikt-und-berlin\/\">Petition an Adolf Hitler im Jahr 1938 <\/a>wider, mit der die VAS Unterst\u00fctzung im Pal\u00e4stinakonflikt gewinnen wollte. Derartige Kooperationsanfragen rechtsnationalistischer arabischer Studierender lehnte die NS-F\u00fchrung jedoch ab. Vielmehr \u00fcberwachte die Gestapo die geringf\u00fcgigen politischen, zumeist NS-konformen T\u00e4tigkeiten der Studierenden eingehend. Am Beispiel der&nbsp;<em>El Arabiya&nbsp;<\/em>verdeutlicht sich, dass sowohl die Kollaboration als auch die Verfolgung und der Widerstand arabischer Personen im Nationalsozialismus in den Blick genommen werden m\u00fcssen, wenn ein ausgewogenes Bild von der Zeit nach 1933 gezeichnet werden soll.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><strong>Von der Autorin ist erschienen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hertz, Selma: <em>El Arabiya. Die transnationale Organisierung arabischer Studierender im Berlin der 1920er Jahre<\/em>, 2025. Abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.18452\/35459\">https:\/\/doi.org\/10.18452\/35459<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">References:<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ahmed, Aischa: <em>Arabische Pr\u00e4senzen in Deutschland um 1900. Biografische Interventionen in die deutsche Geschichte<\/em>, 2020.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Dinkel, J\u00fcrgen: \u201cMecca of Oriental patriots.\u201d Antikolonialismus in Deutschland 1900 bis 1960, in: van Laak, Dirk et al. (Hrsg.): <em>Weimar und die Welt. Globale Verflechtungen der ersten deutschen Republik<\/em>, 2021, S. 53\u201388.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">H\u00f6pp, Gerhard \/ Gesemann, Frank \/ Sweis, Haroun: <em>Araber in Berlin<\/em>, 1998.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">H\u00f6pp, Gerhard: <em>Texte aus der Fremde. Arabische politische Publizistik in Deutschland, 1896\u20131945. Eine Bibliographie<\/em>, 2000.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Kuck, Nathanael: &#8222;Anti-colonialism in a Post-Imperial Environment \u2013 The Case of Berlin, 1914\u201333&#8220;, in: <em>Journal of Contemporary History<\/em>, 49 (2014) 1, pp. 134\u2013159.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Nordbruch, Goetz: &#8222;Arab Students in Weimar Germany \u2013 Politics and Thought Beyond Borders&#8220;, in: <em>Journal of Contemporary History<\/em>, 49 (2014) 2, pp. 275\u2013295.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Die Stationen <a href=\"https:\/\/dekoloniale.de\/de\/map\/stories\/el-arabiya?view=gallery\">auf der interaktiven <em>Dekoloniale<\/em>-Stadtkarte<\/a> im \u00dcberblick<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Die Weimarer Republik und der \u201eOrient\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Muhammed Kamil Ayyad [1900\u20131986]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Muhammed Nafi Tschelebi [1901\u20131933]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Antikolonialismus jenseits von Grenzen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Begegnungen in den \u201eOrientwissenschaften\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Arabische Studierende nach 1933<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Berlin der Zwischenkriegszeit begegneten sich an den Universit\u00e4ten \u00e4gyptische, syrische, pal\u00e4stinensische und viele weitere arabische Studierende aus unterschiedlichen Kolonien und Mandatsgebieten. Ab 1923 organisierten sie sich gemeinsam in der El Arabiya, der ersten arabischen Studierendenvereinigung im Deutschen Reich.<\/p>\n<p>Ein Gastbeitrag von Selma Hertz, Dekoloniale<\/p>\n","protected":false},"author":3536,"featured_media":439,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[71795,594418],"tags":[591797,590342,79,116,509],"class_list":["post-437","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gastbeitrag","category-sose-2026","tag-1918-1933","tag-1933-45","tag-berlin","tag-politik","tag-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/437","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3536"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=437"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/437\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":459,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/437\/revisions\/459"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/media\/439"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=437"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=437"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/arabischespuren\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=437"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}