Nach meinem Abschluss an der FU wusste ich nicht so recht, ob ich gerne weiterhin wissenschaftlich arbeiten möchte oder in die Industrie einsteige. Da ich allerdings gerne im akademischen Umfeld bin, beschloss ich, nicht direkt mit einem PhD anzufangen, sondern in einem Praktikum an einer Uni der Frage weiter auf den Grund zu gehen. Die Förderung über Erasmus+ für kürzlich Graduierte half mir dabei, dieses Vorhaben anzugehen und ich hatte tatsächlich Erfolg. Norwegen war für mich das auserkorene Ziel, da ich die Geologie dort sehr spannend finde und das Land äußerst schätze. Einer der Professoren aus dem Geologiedepartment der Universität Stavanger bot mir an, das neu angeschaffte REM (Rasterelektronenmikroskop) zu nutzen und die MLA (Mineral Liberation Analysis) kennenzulernen. Da ich gerne am REM arbeite und schon Erfahrungen hatte, war das das optimale Angebot. Für ein halbes Jahr konnte ich damit ein eigenes kleines Forschungsprojekt verfolgen.
Die Organisation zu Hause lief sehr gut und flüssig ab und auch von der Universitet in Stavanger wurde mir immer schnell geholfen. Die ersten Probleme tauchten eher auf, als ich mich nach Wohnungen vor Ort erkundigte. Stavanger ist ein Hotspot der Ölindustrie und ausgerechnet zum Beginn meines Praktikums fand dort die ONS statt, eine internationale große Konferenz zu diesem Industriezweig.
Dadurch waren viele Wohnungen und auch Airbnbs und Hotels belegt. Bis zur Anreise löste sich dieses Problem auch nicht und ich kam vorerst in einem der letzten Unterkünfte die ich noch finden konnte für die ersten 10 Tage unter. Danach hatte ich das Glück, dass in der Uni jemand bei dem Büro für Unterkünfte für Forschungsgäste für mich nachgefragt hatte und es tatsächlich ein Zimmer gab. Dort zog ich dann ein. Es war nicht nur ein Zimmer, sondern ein kleines Häuschen auf dem Campus und im Gegensatz zu den sonst sehr üppigen Mieten in Stavanger ein äußerst rentabler Wohnort.
Der Einstieg in die Arbeit vor Ort war zu Beginn etwas holprig und schleppend. Am 1. August arbeiteten kaum Leute an der Universität, da dort bis Mitte August Sommerpause ist. Damit gestaltete sich die anfängliche Organisation wie zum Beispiel Schlüsselkarten oder Sicherheitsunterweisungen etwas schwer und ich begann erst einmal mit Literaturarbeit um mich auf das Thema vorzubereiten. Auch wenn es etwas holprig anlief, waren die Leute stets sehr hilfreich und freundlich! Nachdem ich schlussendlich Zugang zu den Laboren bekommen hatte, wurde sogar ein Büroplatz für mich frei. Dort konnte ich dann alle Schreibarbeit erledigen.
Meine Kollegen waren sehr nett. Sie haben mir am Anfang alles in Ruhe erklärt und mich schnell mit eingebunden. Nach einiger Zeit konnte ich sogar anderen Leute die Arbeitsweisen zum Beispiel im Labor erklären und konnte damit meinem Professor in der stressigen Klausurenphase auch gut unter die Arme greifen. Generell hatte ich das große Glück, dass er mir sehr viel Spielraum ließ, was genau ich erforschte oder was ich untersuchen wollte. Das war sehr von Vorteil für mich, denn so konnte ich mich gut mit den anderen Laboranten für Messzeiten und ähnlichem abstimmen und habe gelernt komplett selbstständig eine Forschungsarbeit zu planen und umzusetzen. Leider ist mir dabei auch aufgefallen wie langwierig Laborarbeit sein kann und das Messfehler einen zeitlichen Rückschlag bedeuten können, sodass von meinen beziehungsweise unseren zahlreichen Ideen und Vorhaben nur wenige stattfinden und beendet werden konnten. Aber auch das sehe ich als große Bereicherung an, da neben den hard skills wie Laborarbeit ich auch soft skills wie zum Beispiel eine Resilienz gegenüber Rückschlägen und Enttäuschungen entwickelt habe.
Generell hat das Praktikum genau das bezweckt was ich mir gewünscht habe. Ich habe das akademische Umfeld kennengelernt außerhalb des Studiums, sondern als wissenschaftliche Mitarbeiterin und durfte bereits Einblicke gewinnen was eine Promotion mit sich bringen kann und wird. Der Aufenthalt hat mich bestärkt, dass ich gut in meinem Fachgebiet aufgehoben bin. Zusätzlich hat er final bestätigt, dass ich die akademische Laufbahn einschlagen werde. Ich bin mir sicher, dass das Praktikum hier auch einen Vorteil bringt, da ich in meinem Lebenslauf weitere skills, die ich im Studium nicht gelernt habe, aufzählen kann und mit den Leuten vor Ort mein persönliches Netzwerk stark ausgebaut habe. Neben diesen Aspekten durfte ich Norwegen und vor allem die Region um Stavanger noch mehr kennenlernen und könnte mir sogar vorstellen dort zu promovieren oder zu leben.
Tipps für andere Praktikant:innen
Vorbereitung
Beginne frühzeitig dich nach Wohnungen in Stavanger zu erkundigen! Falls du an der Uni dort bist frage nach einer Unterkunft über das EMC!
Praktikumssuche
Ich habe verschiedene Unis angeschrieben, bzw. den dort jeweils verantwortlichen Koordinator. Leider habe ich nur eine Rückmeldung bekommen, aber dort war ich dann und fand es super.
Wohnungssuche
Wie geschrieben, kann sehr schwer sein, aber die Uni ist sehr hilfreich!
Versicherung
Ich habe die Dreifach-Versicherung über den DAAD genommen.