{"id":1341,"date":"2024-08-22T07:00:30","date_gmt":"2024-08-22T05:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/?p=1341"},"modified":"2025-09-01T13:05:48","modified_gmt":"2025-09-01T11:05:48","slug":"praktikum-bei-einer-gemeinnuetzigen-organisation-in-lissabon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/2024\/08\/22\/praktikum-bei-einer-gemeinnuetzigen-organisation-in-lissabon\/","title":{"rendered":"Praktikum bei einer gemeinn\u00fctzigen Organisation in Lissabon"},"content":{"rendered":"<p>Meine 6 Monate bei der Livraria das Insurgentes waren definitiv herausfordernd, nervenaufreibend aber zur gleichen Zeit sehr bereichernd und eine gro\u00dfartige Erfahrung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Leben in Lissabon: Im Vergleich zu St\u00e4dten wie Berlin wirkt Lissabon sehr \u00fcberschaubar, was ich jedoch sehr genoss. Kleine Stra\u00dfen und alles sehr fu\u00dfl\u00e4ufig trotz des vielen Auf und Abs. Die Stadt zeichnet sich besonders durch die vielen kleinen Parks und den sogenannten Miradouros (Aussichtspunkten) aus, von welchen man immer einen sch\u00f6nen Blick auf die Stadt und des Flusses Tejos hat. Fast alle meine Freund*innen wohnten auch nur 10-15 Minuten zu Fu\u00df von mir entfernt, was spontanere Treffen definitiv einfacher machen. Besonders im Sommer ist Lissabon eine Stadt, in der man viel drau\u00dfen unternimmt. Eine der Lissabonner Besonderheiten f\u00fcr mich sind auch die kulturellen Organisationen, in denen man f\u00fcr 2-3 Euro Mitglied werden kann und so w\u00f6chentlich neben K\u00fcfas (gemeinschaftlichem Kochen) auch Konzerten oder Kunstausstellungen besuchen kann.<\/p>\n<p>Ich habe mein 6-monatiges Praktikum bei der Livraria das Insurgentes in Lissabon absolviert. Es handelt sich hier nicht um eine gew\u00f6hnliche Buchhandlung, da es dar\u00fcber hinaus eine gemeinn\u00fctzige Organisation ist, welche neben dem Verkauf von B\u00fcchern, ausschlie\u00dflich geschrieben von Frauen und nicht bin\u00e4ren, auch Workshops, Events und Debatten rund um das Thema Feminismus organisiert.<\/p>\n<p>Durch mein Romanistikstudium hatte ich mich bereits vermehrt mit feministischer Literatur auseinandergesetzt und hatte den Wunsch in meinem Praktikum mein Wissen in diesem Bereich weitervertiefen zu k\u00f6nnen. Da ich zuvor schon ein halbes Jahr in Lissabon gewohnt hatte und bereits Portugiesisch sprach fiel mir die Recherche f\u00fcr geeignete Praktikumsstellen etwas leichter, dennoch kontaktierte ich dutzende Organisationen und war \u00fcbergl\u00fccklich, als ich die Zusage der Livraria das Insurgentes bekam.<\/p>\n<p>Anders als in Deutschland gibt es in Portugal nicht allzu viel finanzielle Unterst\u00fctzung, seitens der Regierung, f\u00fcr gemeinn\u00fctzige Organisationen, insbesondere wenn es sich um Themen wie Feminismus handelt. Als ich mein Praktikum anfing, befand sich das Projekt gerade in einer Umbruchsphase. Die Organisation hatte zuvor eine gro\u00dfe Finanzierung seitens des Lissabonner Senats erhalten, welche aber nach erneuter Beantragung leider nicht weiter gestattet wurde. Dies beeinflusste in gewisser Weise meinen Beginn in dem Projekt, da Personen, die zuvor angestellt waren, nun nur ehrenamtlich an dem Projekt arbeiten konnten. Da ich die Finanzierung durch Erasmus Plus erhielt und schon vorher wusste, dass ich keine weitere finanzielle Unterst\u00fctzung durch meine Praktikumsstelle erhalten w\u00fcrde, beeinflusste mich dies nur indirekt.<\/p>\n<p>Das Projekt befand sich zu meinem Praktikumsbeginn in einem Reorganisierungsprozess, was f\u00fcr mich zu Beginn etwas chaotisch und \u00fcberfordernd wirkte. Da ich bereits in anderen Vereinen ehrenamtlich t\u00e4tig war, war ich jedoch gewisse Dynamiken im Kulturbereich schon gewohnt und konnte aufgrund dieser Erfahrungen gewisse Methoden und Arbeitsweisen direkt anwenden, was sehr hilfreich war.<br \/>\nDas Team des Projektes bestand zu diesem Zeitpunkt nur aus einem hauptamtlichen und weiteren ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen. Deshalb arbeitete ich besonders zu Beginn eng mit meiner Vorgesetzten zusammen.<\/p>\n<p>Gerade durch die kleine Teamstruktur wurde ich von Anfang an in alle Aufgaben miteingebunden. Was mir sehr gefiel war, dass ich von Anfang an als vollst\u00e4ndiges Mitglied behandelt wurde und in wichtige Entscheidungsprozesse eingebunden wurde. Zur gleichen Zeit bedeutete dies eine hohe Verantwortung, jedoch konnte ich immer offen kommunizieren, falls mich etwas \u00fcberforderte.<\/p>\n<p>Mit etwas Einarbeitung und Zeit lebte ich mich gut in der Organisation ein und verstand mich sehr gut mit meinen Arbeitskolleg*innen. Mir gefiel besonders, dass ich sehr vielf\u00e4ltige Aufgaben hatte. Es reichte von eher b\u00fcrokratischen Aufgaben hinzu praktischen und kreativen Aufgaben wie die Vor- und Nachbereitung von Events oder Workshops. Au\u00dferdem verbesserte ich durch den t\u00e4glichen Gebrauch von Portugiesisch sehr meine Portugiesischkenntnisse. Obwohl ich vorher schon sehr gute Kenntnisse hatte, bekam ich so noch mehr Sicherheit insbesondere im Sprechen der Sprache.<\/p>\n<p>Seit einigen Jahren hegt die Livraria das Insurgentes eine enge Zusammenarbeit mit einem Kollektiv\/Organisation namens \u201eManas\u201c, welches aus einer Gruppe von Frauen und nicht bin\u00e4ren Personen besteht, welche unter anderem Drogenkonsument*innen, Sexarbeiter *innen oder Personen ohne Obdach sind. Eines der Hauptziele der Zusammenarbeit mit diesem Kollektiv ist zum einen die Wiedereingliederung in die Gesellschaft, sowie des Arbeitsmarktes durch Workshops und Angeboten wie die der Ausbildung zu Bibliothekar*in.<\/p>\n<p>Vor meines Praktikumsbeginn wusste ich bereits, dass ich mit Personen zusammenarbeiten werde, die Konsument*innen von Drogen wie Crack oder Heroin sind, jedoch war dies besonders zu Beginn eine neue Herausforderung f\u00fcr mich. Im Laufe der Zeit gew\u00f6hnte ich mich jedoch daran und konnte etwas selbstsicherer damit umgehen, ohne meine eigenen Grenzen zu \u00fcberschreiten. Besonders diese Zusammenarbeit hat mir viel gelehrt und nachblickend gesagt wachsen lassen. Au\u00dferdem erhielt ich verschiedene Einblicke in bestimmte Dynamiken des portugiesischen Kulturbereiches und hatte die M\u00f6glichkeit, an Veranstaltungen wie Universit\u00e4tskonferenzen zum Thema Sexarbeit oder einer Veranstaltung teilzunehmen, bei der unbekannte K\u00fcnstler geehrt wurden, die sich wie die Mitglieder des Manas-Kollektivs in prek\u00e4ren Situationen befinden.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend gesagt kann ich sagen, dass ich definitiv durch einige H\u00f6hen und Tiefen gegangen bin, jedoch durch die tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung meiner Arbeitskolleg*innen nie allein auf mich gestellt war. Ich habe viel neues gelernt und das Praktikum hat mir neue Perspektiven gezeigt, insbesondere auf soziokulturelle Ebene in Portugal. Zum anderen habe ich neue Motivation gewonnen mich weiter in diesem Bereich weiterzubilden. Alles in Allem bin ich sehr dankbar diese Erfahrung gemacht zu haben und kann nur jedem ans Herz legen ein Praktikum im Rahmen der Erasmus F\u00f6rderung zu machen, da man so nicht nur professionelle Erfahrungen gewinnen kann, sondern dar\u00fcber hinaus die M\u00f6glichkeit hat ein neues Land und neue Kultur kennenzulernen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Tipps f\u00fcr andere Praktikant:innen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vorbereitung<\/strong><\/p>\n<p>Am besten alle Unterlagen vor dem Aufenthalt im Ausland schon abgeschickt haben, da die Post im Ausland sehr teuer oder unzuverl\u00e4ssig sein kann<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Beantragung Visum<\/strong><\/p>\n<p>Da ich mein Praktikum innerhalb Europas gemacht habe, musste ich kein Visum beantragen<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Praktikumssuche<\/strong><\/p>\n<p>Da ich schon vorher in Lissabon gewesen bin, hatte ich schon einige Kontakte. Dar\u00fcber Hinaus habe ich viel im Internet und auf sozialen Netzwerken recherchiert und ungef\u00e4hr 20 Organisationen kontaktiert.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wohnungssuche<\/strong><\/p>\n<p>Definitiv viel Zeit daf\u00fcr einplanen. Ich hatte gro\u00dfe Schwierigkeiten eine WG zu finden. F\u00fcr Portugal empfehle ich auf Facebook und Idealista zu suchen oder versuchen in Whatsappgruppen wie Eramus Lisbon nachzufragen. Es gibt viele Betr\u00fcger auf allen m\u00f6glichen Plattformen, deshalb w\u00fcrde ich nie vorher Geld \u00fcberweisen, bevor man die Wohnung nicht pers\u00f6nlich gesehen hat. Leider bekommt man oft keinen Vertrag vom Vermieter\/in und in vielen Wohnungen werden Besuche nie gestattet oder nur wenn man pro Tag mehr bezahlt. Bei solchen Vereinbarungen w\u00fcrde ich sehr vorsichtig sein, insbesondere wenn es keinen Vertrag gibt.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Versicherung<\/strong><\/p>\n<p>Ich hatte bevor meinem Auslandsaufenthalt schon eine Auslandsversicherung<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>Formalit\u00e4ten vor Ort<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Telefon-\/Internetanschluss<\/strong><\/p>\n<p>Internetanschluss war in meiner WG schon vorhanden. F\u00fcr mein Handy habe ich meinen deutschen Vertrag weiterbehalten.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bank\/Kontoer\u00f6ffnung<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe weiter meine Deutsche Bankkarte benutzt. Ich glaube es lohnt sich nur wenn man l\u00e4nger als 6 Monate in Portugal hat und den Wohnsitz hier offiziell anmelden kann.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Alltag\/Freizeit<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Ausgehm\u00f6glichkeiten<\/strong><\/p>\n<p>In Lissabon gibt es sehr viele kulturelle Organisationen die neben Konzerten, K\u00fcfas (K\u00fcche f\u00fcr Alle) und verschiedenen Workshops, sich mit politischen Zust\u00e4nden wie der H\u00e4userkriese auseinandersetzen. Diese Orte sind eine gute M\u00f6glichkeit neue Menschen kennenzulernen, insbesondere Portugies*innen<\/p>\n<p><strong>Beispiele: Zona Franca, Disgra\u00e7a, Sirigaita, Renovar a Mouraria, Busparagem, Emaus, Desterro<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sport: <\/strong>Es gibt verschiedene Sportvereine in welchem man zu einem geringen Preis verschiedene Sportm\u00f6glichkeiten wahrnehmen kann. Ich bin h\u00e4ufig zu \u201eGrupo deportivo da Mouraria\u201c zum Acroyoga gegangen<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sonstiges<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn Lissabon eine sehr internationale Stadt ist und man sich gut auf Englisch verst\u00e4ndigen kann, ist es immer gut gesehen, wenn man zumindest ein bisschen Portugiesisch kann. \u00a0Je nachdem in welchem Bereich man ein Praktikum finden m\u00f6chte, kann es schwierig werden einen Platz zu bekommen, wenn man kein Portugiesisch spricht. Zumindest trifft dies auf den Kulturbereich hier zu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine 6 Monate bei der Livraria das Insurgentes waren definitiv herausfordernd, nervenaufreibend aber zur gleichen Zeit sehr bereichernd und eine gro\u00dfartige Erfahrung.<\/p>\n","protected":false},"author":3982,"featured_media":1342,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9,486393],"tags":[339553,12055,2146],"class_list":["post-1341","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-praktikum-europa","tag-lissabon","tag-portugal","tag-romanistik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1341","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3982"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1341"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1341\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1343,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1341\/revisions\/1343"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1342"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}