{"id":1669,"date":"2025-06-04T12:05:02","date_gmt":"2025-06-04T10:05:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/?p=1669"},"modified":"2025-06-04T12:05:02","modified_gmt":"2025-06-04T10:05:02","slug":"forschungspraktikum-in-sydney","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/2025\/06\/04\/forschungspraktikum-in-sydney\/","title":{"rendered":"Forschungspraktikum in Sydney"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe als \u201eVisiting Junior Research Fellow\u201c drei Monate an einer australischen Universit\u00e4t in einem bioinformatischen Forschungsinstitut gearbeitet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Begonnen hat die ganze Geschichte witzigerweise damit, dass ich dem Berliner Winter entfliehen wollte. Stattdessen die Sommerzeit in Australien genie\u00dfen zu k\u00f6nnen war eine Traumvorstellung f\u00fcr mich. Um es schonmal vorwegzunehmen, am Ende habe ich den Winter und Schnee vermisst (irgendwo hier ist sicher eine philosophische Lektion dar\u00fcber, dass das Gras auf der anderen Seite nicht immer gr\u00fcner ist ;)).<\/p>\n<p>Diese Motivation hat mich aber in ein wildes Abenteuer gest\u00fcrzt, \u00fcber das ich gl\u00fccklicher nicht h\u00e4tte sein k\u00f6nnen. Nach acht stressigen Monaten bestehend aus unz\u00e4hligen Bewerbungen, nachts um drei Uhr aufwachen, um meine Emails zu checken, Finanzpl\u00e4ne aufstellen, Geld ansparen, 50 Seiten Kleingedrucktes von Versicherungen lesen, aber auch ganz viel Vorfreude, ging es dann endlich los!<\/p>\n<p>Bevor ich in Sydney f\u00fcr mein Praktikum angekommen bin, hatte ich die Chance, drei Wochen als Tourist durch Australien zu reisen. Darauf werde ich jetzt nicht weiter eingehen, w\u00fcrde aber jedem, der nach Australien geht und die M\u00f6glichkeit dazu hat, dies ebenfalls empfehlen, die Natur ist unglaublich vielf\u00e4ltig und wirklich wundersch\u00f6n.<\/p>\n<p>In Sydney wurde ich am ersten Tag von meinem Betreuer empfangen, in mein Projekt eingef\u00fchrt und \u00fcber den Campus gef\u00fchrt. Dies war der n\u00e4chste \u201eStarstruck-Moment\u201c f\u00fcr mich, eine Uni mit tats\u00e4chlich vielen modernen und sch\u00f6nen Geb\u00e4uden! Dies l\u00e4sst sich auf eine allgemein andere Universit\u00e4tskultur in Australien zur\u00fcckf\u00fchren. Universit\u00e4ten haben dort verglichen mit Deutschland deutlich mehr mit Prestige zu tun und sie pr\u00e4sentieren sich auch dementsprechend. Das macht Spa\u00df, bis man die Rechnung \u00fcber die verr\u00fcckt hohen (und nicht rechtfertigbaren) Studiengeb\u00fchren bekommt (gl\u00fccklicherweise musste ich als Forscher diese nicht bezahlen, da ich keine Vorlesungen hatte). Im Universit\u00e4tskontext ist mir auch eine deutlich flachere Hierarchie f\u00fcr Studierende aufgefallen. Ich habe mich deutlich mehr wertgesch\u00e4tzt und gesehen gef\u00fchlt, verglichen mit Arbeitsgruppen in Deutschland, in denen ich gearbeitet habe (wobei dies nat\u00fcrlich auch daran liegen k\u00f6nnte, dass ich einen super Betreuer hatte).<\/p>\n<p>Au\u00dferdem besonders ist die offene und freundliche Art eigentlich alle Australier, denen ich begegnet bin. Es war sehr einfach, Anschluss zu finden. Es war allerdings auch nicht alles angenehm und sch\u00f6n. Drei Monate im Ausland ist eine gute Zeit, um \u00fcber eine Kultur und den Alltag in einem Land zu lernen, es ist aber auch zu kurz, um sich richtig einzurichten und damit wohl und zu Hause zu f\u00fchlen. Jeder Tag ist aufs Neue anstrengend, gewohnte Routinen gibt es nicht, alles entdeckt man neu. Man bezahlt f\u00fcr die tolle Erlebnisse auf jeden Fall mit einem Mangel an Komfort.<\/p>\n<p><em><strong>Tipps f\u00fcr andere Praktikant\/inn\/en<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Vorbereitung<\/strong><\/p>\n<p>Je fr\u00fcher man anf\u00e4ngt, desto besser ist es nat\u00fcrlich immer. Aber die Deadlines f\u00fcr beispielsweise einen Direktaustausch sind wirklich verr\u00fcckt, wer wei\u00df denn bitte schon 1,5 Jahre zuvor, dass er\/sie einen Auslandsaufenthalt machen m\u00f6chte. Durch ein selbstorganisiertes Praktikum war der Organisationsaufwand f\u00fcr mich zwar deutlisch h\u00f6her, daf\u00fcr reichten aber auch schon 6-9 Monate Vorlaufszeit. Au\u00dferdem konnte ich den Aufenthalt viel pers\u00f6nlicher nach meinen Wunschvorstellungen gestalten.<\/p>\n<p><strong>Beantragung Visum <\/strong><\/p>\n<p>Muss man online beantragen, ging bei mir echt schnell, was wahrscheinlich am deutschen Reisepass liegt. F\u00fcr bis zu drei Monate ist ein Touristenvisum kostenlos, bei l\u00e4ngerer Bleibe sind es etwa 200\u20ac.<\/p>\n<p><strong>Praktikumssuche<\/strong><\/p>\n<p>Besonders in Australien schwierig, bei Firmen und Startups hatte ich gar kein Gl\u00fcck und die meisten Arbeitsgruppen an Universit\u00e4ten nehmen nur Praktikanten f\u00fcr Forschungsprojekte mit Dauer von sechs Monaten oder mehr (aufgrund eines anderen Universit\u00e4tssystems, welches keine k\u00fcrzeren Praktika vorsieht). Ich habe gesch\u00e4tzt bestimmt \u00fcber 15 Bewerbungen insgesamt geschrieben, vermutlich eher Richtung 20. Ich denke es ist durchaus m\u00f6glich, einen Praktikumsplatz in Australien zu bekommen, aber man muss bereit sein, die Arbeit in die Suche zu investieren. (Es kommt nat\u00fcrlich auch stark auf die Brache an, ich kann in diesem Fall nur f\u00fcr den Biologie\/Chemie\/Pharmazie-Sektor sprechen.)<\/p>\n<p><strong>Wohnungssuche<\/strong><\/p>\n<p>Nochmals sehr schwierig, Sydney hat weltweit mit die h\u00f6chsten Lebenserhaltungskosten. Ich habe die App \u201eFlatmates\u201c genutzt, dort sind viele WG-Zimmer gelistet. Miete wird in Sydney pro Woche bezahlt, planen sollte man mit 1000\u20ac pro Monat, ich lag teilweise etwas dr\u00fcber oder etwas drunter. Das Niedrigste, was ich f\u00fcr ein privates Zimmer in einer WG gesehen habe, war etwa 700\u20ac pro Monat und das war dann meistens recht weit vom Stadtzentrum entfernt. Dies sind aber nur meine Erfahrungen, mit etwas Gl\u00fcck findet man vielleicht auch etwas Billigeres.<\/p>\n<p><strong>Versicherung<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe die Versicherung von DAAD genutzt, dort wurde ein Paket aus allen notwendigen Versicherungen angeboten, f\u00fcr etwa 40\u20ac pro Monat. Gebraucht habe ich die Versicherung gl\u00fccklicherweise nicht.<\/p>\n<p><strong>Telefon-\/Internetanschluss<\/strong><\/p>\n<p>Ich hatte eine Internetflat \u00fcber MobiMatter (eSIM-Anbieter), das hat gut funktioniert. Es gibt verschiedene Netzanbieter in Australien, in meiner Erfahrung war OPTUS am besten.<\/p>\n<p><strong>Bank\/Kontoer\u00f6ffnung<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe kein Konto in Australien er\u00f6ffnet, \u00dcberweisungen habe ich mit Wise get\u00e4tigt und eigentlich alles andere mit Visa bezahlt (bei der DKB ist es recht einfach eine Debitkarte zu bekommen, mit der man ohne zus\u00e4tzliche Kosten in ausl\u00e4ndischen W\u00e4hrungen bezahlen kann, die Karte ist fantastisch).<\/p>\n<p><strong>Sonstiges<\/strong><\/p>\n<p>Neben der Miete sollte man auch mit anderen h\u00f6heren Kosten rechnen, Lebensmittel sind etwa 30% teurer als in Deutschland, die Preise f\u00fcr ein Gym beginnen beispielsweise bei etwa 45\u20ac pro Monat (wird auch pro Woche berechnet, 25 AUD ist das billigste, was ich gefunden habe) und die Bahn hat mich pro Monat etwa 100\u20ac gekostet. (Die Bahn in Sydney ist super, aber es gibt kein Monatsticket, man zahlt pro Fahrt. In allen gr\u00f6\u00dferen australischen St\u00e4dten gibt es eine eigene Bahnkarte, auf die Geld geladen und mit der f\u00fcr die Fahrt bezahlt werden kann, was als Tourist super nervig ist. In Sydney kann man aber auch per Kreditkarte bezahlen.) Wenn man nicht unbedingt nach Sydney m\u00f6chte, w\u00fcrde ich eine andere Stadt vorziehen, da die Mieten dort nicht ganz so verr\u00fcckt sind. Melbourne hat mir beispielsweise auch sehr gut gefallen. Sydney hat tolle Str\u00e4nde, aber das Wetter ist ziemlich \u00fcberbewertet, es regnet echt h\u00e4ufig.<\/p>\n<p>In dem Tipps-Teil war ich deutlich negativer\/strenger als im Bericht, dass aber nur, weil ich nicht m\u00f6chte, dass jemand mit falschen Vorstellungen in ein Praktikum in Australien geht oder schlecht vorbereitet ist. Ich hatte eine fantastische Zeit und all die Arbeit hat sich abermals gelohnt. Ich konnte unz\u00e4hlige gro\u00dfartige Erinnerungen sammeln und denke, dass ich durch den ganzen Prozess auch pers\u00f6nlich viel gewachsen bin. Australien ist echt teuer (besonders Sydney) aber auch unglaublich sch\u00f6n! Wer zeitlich und finanziell zus\u00e4tzliche Kapazit\u00e4ten hat, dem w\u00fcrde ich auf jeden Fall auch etwas Tourismus in Australien empfehlen, die Natur ist wirklich wundersch\u00f6n. Das Great Barrier Reef, Uluru und die 12 Apostel an der Great Ocean Road haben mir am besten gefallen (but then again, Reisen in Australien ist sehr teuer\u2026).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe als \u201eVisiting Junior Research Fellow\u201c drei Monate an einer australischen Universit\u00e4t in einem bioinformatischen Forschungsinstitut gearbeitet.<\/p>\n","protected":false},"author":3982,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9,486392],"tags":[10097,57568,1109,315,316,522906],"class_list":["post-1669","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-praktikum-weltweit","tag-australien","tag-biochemie","tag-biologie","tag-chemie","tag-pharmazie","tag-sydney"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1669","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3982"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1669"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1669\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1671,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1669\/revisions\/1671"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1669"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1669"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1669"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}