{"id":1693,"date":"2025-07-09T07:03:46","date_gmt":"2025-07-09T05:03:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/?p=1693"},"modified":"2025-06-30T11:37:28","modified_gmt":"2025-06-30T09:37:28","slug":"praktikum-bei-einer-ngo-in-mexiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/2025\/07\/09\/praktikum-bei-einer-ngo-in-mexiko\/","title":{"rendered":"Praktikum bei einer NGO in Mexiko"},"content":{"rendered":"<p>Das Projekt \u201eZertifizierte \u00f6kologische Produktion: Eine Br\u00fccke zwischen Tradition und nachhaltiger Landwirtschaft\u201c wurde im mexikanischen Bundesstaat Tlaxcala in Zusammenarbeit mit der Organisation Tijtoca Nemiliztli A.C. (Tijtoca) durchgef\u00fchrt. Der Name Tijtoca Nemiliztli stammt aus der indigenen Sprache N\u00e1huatl, die in Zentralmexiko, unteranderem auch von den Tlaxcalteken gesprochen wurde und wird, und bedeutet: \u201eLasst uns Leben s\u00e4en\u201c. Tijtoca ist eine gemeinn\u00fctzige Nichtregierungsorganisation, die sich der F\u00f6rderung nachhaltiger Landwirtschaft und einer agrar\u00f6kologischen Lebensweise verschrieben hat. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der partizipativen Zertifizierung mexikanischer Kleinb\u00e4uer*innen nach agrar\u00f6kologischen Standards.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>W\u00e4hrend meiner dreimonatigen Mitarbeit bei Tijtoca hatte ich die Gelegenheit, etwa 30 Kleinbetriebe in verschiedenen landwirtschaftlichen Bereichen kennenzulernen, darunter der Anbau von Mais, Getreide, Obstb\u00e4umen und Avocados sowie die Weiterverarbeitung von Kr\u00e4utern, Mais und Milchprodukten. Durch die aktive Mitwirkung an der Entwicklung, Durchf\u00fchrung und Auswertung zweier gro\u00dfer Umfragen konnte ich sowohl die individuellen Bed\u00fcrfnisse der Landwirt*innen \u2013 wie Unterst\u00fctzung bei der Vermarktung ihrer Produkte \u2013 als auch interne organisatorische Themen wie Arbeitsteilung und Finanzierung besser verstehen.<\/p>\n<p>Die Kommerzialisierung der Produkte und die \u00f6ffentliche Pr\u00e4senz von Tijtoca erlebte ich bei Besuchen verschiedener lokaler agrar\u00f6kologischer M\u00e4rkte. Diese Erfahrungen erm\u00f6glichten mir, umfassende Einblicke in die komplexen Prozesse der landwirtschaftlichen Produktion und des Marktgeschehens zu gewinnen. Besonders beeindruckend war f\u00fcr mich das traditionelle Wissen \u00fcber nicht-maschinelle Anbaumethoden, insbesondere im Maisanbau sowie im Umgang mit medizinischen Pflanzen.<\/p>\n<p>Die hohe Wertsch\u00e4tzung, die Tijtoca unter den Landwirt*innen in Tlaxcala genie\u00dft, verdeutlichte mir die Relevanz der Zertifikate und die Bedeutung der Arbeit der Organisation. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie herausfordernd es ist, innerhalb einer ehrenamtlich arbeitenden Organisation mit unterschiedlich stark engagierten Mitgliedern, verschiedenen Kapazit\u00e4ten und Motivationen eine gerechte und sinnvolle Zusammenarbeit sicherzustellen.<\/p>\n<p>Die Projektarbeit hat mir verdeutlicht, wie essenziell es ist, sich auch \u00fcber das ASA-Programm hinaus gesellschaftlich zu engagieren. Allerdings wurde mir ebenfalls bewusst, dass es in vielen Projekten herausfordernd sein kann, einen substanziellen und nachhaltigen Beitrag zu leisten. Diese Erkenntnis best\u00e4rkt mich darin, weiterhin nach M\u00f6glichkeiten zu suchen, durch gezieltes Engagement langfristig positive Ver\u00e4nderungen zu f\u00f6rdern. Wie eben schon erw\u00e4hnt waren unsere Hauptaufgaben die Entwicklung, Durchf\u00fchrung und Auswertung zweier Umfragen. Zus\u00e4tzlich haben wir mit einem anonymen Tool gearbeitet, um ein m\u00f6glichst breites Bild zu erlangen. Diese Aufgaben wurden auf unsere sozialwissenschaftlichen Erfahrungen abgestimmt. Die erste Umfrage untersuchte die Zufriedenheit der Landwirt*innen mit dem Zertifizierungsprozess von Tijtoca. Die zweite Umfrage war organisationsintern und befasste sich mit der Arbeitszufriedenheit und m\u00f6glichen Verbesserungen innerhalb der Organisation. Die Interviews mit den Landwirt*innen boten uns wertvolle Einblicke. Viele Teilnehmende empfanden es als positiv, ihre Meinung \u00e4u\u00dfern zu k\u00f6nnen. F\u00fcr sie ist die Landwirtschaft oft mehr als nur ein Beruf, vielmehr eine Lebensform, eng verkn\u00fcpft mit ihrer pers\u00f6nlichen Geschichte. Gleichzeitig merkten wir, dass es schwierig sein kann, komplexe Meinungen durch standardisierte Skalen abzubilden.<\/p>\n<p>Wir konnten durch die Interviews relevante Faktoren f\u00fcr die Landwirt*innen identifizieren, wie den Wunsch nach mehr Schulungen, besserer Vernetzung und konkretere Unterst\u00fctzung bei der Vermarktung ihrer Produkte.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus konnten wir feststellen, dass eine Reihe von Landwirt*innen bereit w\u00e4re, f\u00fcr den derzeit kostenlosen Service von Tijtoca zu bezahlen. Dies traf insbesondere auf jene zu, die sich nicht prim\u00e4r mit agra\u00f6kologischer Kultivierung befassen. Basierend auf diesen Daten haben wir ein spendenbasiertes Modell vorgeschlagen, mit dem Tijtoca unabh\u00e4ngiger von externen Finanzierungsquellen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die interne Befragung gew\u00e4hrte uns tiefere Einblicke in die Organisationsarbeit und die Herausforderungen einer rein ehrenamtlichen Struktur. Finanzierungsfragen, hierarchische Strukturen und die Arbeitsteilung angesichts unterschiedlicher Kapazit\u00e4ten stellen gro\u00dfe Aufgaben f\u00fcr Tijtoca dar. Die Organisation befindet sich derzeit im Umbruch und muss interne Differenzen \u00fcberwinden. Wir hoffen, dass wir mit unserer Arbeit einen hilfreichen Beitrag dazu leisten konnten.<\/p>\n<p>Insgesamt war die Zusammenarbeit mit Tijtoca und das Wohnen in Tlaxcala eine unfassbar wertvolle und erweiternde Erfahrung f\u00fcr mich. Ich habe das Gef\u00fchl, dass ich sehr viel lernen und wachsen durfte.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em><strong>Tipps f\u00fcr andere Praktikant:innen\u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Beantragung Visum<\/strong><\/p>\n<p>In Mexiko war kein Visum notwendig, da keine entgeltliche Arbeit stattfand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Praktikumssuche<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin auf das Praktikum mithilfe des ASA-Programms gesto\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wohnungssuche<\/strong><\/p>\n<p>Die Suche aus der Ferne gestaltete sich als herausfordernd. F\u00fcr die erste Woche hatten wir daher ein Airbnb gebucht. Im Anschluss konnte mithilfe von Kontakten der Organisation eine Wohnung gefunden werden. Es sei jedoch angemerkt, dass der Wohnungsmarkt in Tlaxcala nicht angespannt ist, was die Suche erleichterte. Facebook war auch sehr hilfreich!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Versicherung<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Walter f\u00fcr Gesundheit! Super Service und haben auch eine Notfallapp.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Projekt \u201eZertifizierte \u00f6kologische Produktion: Eine Br\u00fccke zwischen Tradition und nachhaltiger Landwirtschaft\u201c wurde im mexikanischen Bundesstaat Tlaxcala in Zusammenarbeit mit der Organisation Tijtoca Nemiliztli A.C. (Tijtoca) durchgef\u00fchrt. 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