{"id":594,"date":"2022-03-24T11:12:13","date_gmt":"2022-03-24T10:12:13","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/?p=594"},"modified":"2024-02-22T11:37:22","modified_gmt":"2024-02-22T10:37:22","slug":"praktikum-bei-einer-organisation-fuer-nachhaltige-architektur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/2022\/03\/24\/praktikum-bei-einer-organisation-fuer-nachhaltige-architektur\/","title":{"rendered":"Praktikum bei einer Organisation f\u00fcr Nachhaltige Architektur"},"content":{"rendered":"<p>Kurz vor dem Abschluss meines Studiums in Sozial- und Kulturanthropologie entdeckte ich die Methode des audio-visuellen Arbeitens f\u00fcr mich. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit erlernte ich erste Fertigkeiten in diesem Bereich (Umgang mit Kamera, Schnitt). Die Erfahrung erweckte mein Interesse und ich beschloss meine F\u00e4higkeiten in diesem Bereich zu erweitern. Au\u00dferdem wollte ich meine vorhandenen Portugiesisch-Sprachkenntnisse ausbauen. Also suchte ich nach einem Praktikum in Portugal im Bereich Medienproduktion und fand \u00fcber eine Anzeige im Internet die Organisation.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Von der Praktikumsstelle erfuhr ich durch einen Aufruf auf Facebook. Meine Freundin teilte einen Beitrag, in dem die Organisation die Stelle f\u00fcr eine*einen Praktikant*in im Bereich Medienproduktion ausschrieb. Anfangs war ich noch unsicher, wie gut das Praktikum in einer Architekturorganisation zu meinem Studium der Anthropologie passte, doch nachdem ich mich \u00fcber die Website und den YouTube Kanal weiter \u00fcber die Organisation informierte, gefielen mir besonders die Schwerpunkte der Nachhaltigkeit und sozialen Gerechtigkeit, in denen ich einen interessanten Schnittpunkt zu meinem Studium sah und die M\u00f6glichkeit meine Kenntnisse in einem neuen interdisziplin\u00e4ren Kontext auszubauen. Um weitere Informationen zu den Bewerbungsbedingungen zu erhalten, schrieb ich eine E-Mail, in der ich mich kurz vorstellte und mein Interesse bekundete.\u00a0 Das anschlie\u00dfende Gespr\u00e4ch verlief sehr locker und schnell, da er nicht viel Zeit hatte, er machte aber dennoch einen freundlichen Eindruck. Er erkl\u00e4rte mir die Anforderungen des Praktikums und betonte vor allem, wie wichtig es sei flexibel zu sein, wenn n\u00f6tig sich auch in mehreren Bereichen zu engagieren und auch bereit zu sein sich mal \u201edie H\u00e4nde schmutzig zu machen\u201c, womit er sich auf die praktische Arbeit in der Werkstatt und den Workshops mit den Studierenden bezog. Nachdem ich meine Motivation, Erfahrungen und Interessen schilderte, versicherte Samuel mir sp\u00e4testens am n\u00e4chsten Tag eine R\u00fcckmeldung zu geben. Tats\u00e4chlich erhielt ich noch an demselben Abend die Zusage.<\/p>\n<p>Eine typische Woche begann am Montag um 10:00 Uhr mit einem Meeting des gesamten Teams, in dem alle aktuellen und teilweise zuk\u00fcnftigen Projekte besprochen werden. Drauf folgen kleinere Meetings der verschiedenen Abteilungen (z.B. Studiomeeting, Videoteam-Meeting etc.), in denen konkretere Planungen vorgenommen werden. Zum Mittag kommt das gesamte Team zusammen zum Essen, welches jeden Tag von einem anderen Koch-Team, bestehend aus zwei Mitarbeitenden bzw. Praktikant*innen, zuvor zubereitet wird. Au\u00dferhalb der Meetings und an den restlichen Tagen arbeiten alle in kleinen Gruppen oder individuell an verschiedenen Projekten. Die Arbeitszeiten sind in der Regel von 10:00 bis 18:00 Uhr. Die Woche endet am Freitag mit dem gemeinschaftlichen Aufr\u00e4umen und Putzen der gemeinsam genutzten R\u00e4ume des Hauses. Das gemeinsame Essen und Putzen gilt als wesentlicher Teil des kollegialen Arbeitens und zur St\u00e4rkung des Communitygedankens \u00fcber die Arbeit hinaus.<\/p>\n<p>Abgesehen von diesem typischen Wochenalltag war das Jahr, in dem ich mein Praktikum absolvierte, jedoch von vielen Ver\u00e4nderungen gepr\u00e4gt, vor allem ausgel\u00f6st durch die verschiedenen Situationen und Bedingungen, die sich durch die Coronapandemie ergaben und die Orga dazu zwangen, die Arbeitsstrukturen an die jeweiligen Ma\u00dfnahmen anzupassen. Aber auch der Wechsel von Mitarbeitenden und Praktikant*innen verursachte eine insgesamt eher unbest\u00e4ndige Teamkonstellation.<\/p>\n<p>Als mein Praktikum am 01.02.2021 begann, befand sich Portugal im Notzustand und es war ein strenger Lockdown verh\u00e4ngt, daher fanden Meetings und alle T\u00e4tigkeiten, die am Computer erledigt werden konnten, in diesen Wochen im Homeoffice statt. F\u00fcr eine erste kleine Orientierung gab mir eine der Praktikantinnen, am Freitag vor meinem ersten offiziellen Arbeitstag, eine kurze Einf\u00fchrung in die Strukturen und Projekte, ich bekam meine eigene Email Adresse und den Zugang zu Slack, dem Hauptkommunikations-Channel und zum Trello-Board, \u00fcber das alle Projekte, Aufgaben und Ideen festgehalten und organisiert werden und welches zudem als Protokoll des Montagsmeetings dient.<\/p>\n<p>Mein erstes virtuelles Meeting an dem darauffolgenden Montag, dem alle Team Mitglieder per Skype beiwohnten, nahm ich, aufgrund der vielen verschiedenen Projekte und einer Menge an Informationen, als etwas \u00fcberfordernd war. Auf meine Bedenken hin wurde mir jedoch von den anderen Praktikant*innen versichert das dies immer so sei und ich mir keine Gedanken machen solle, mit der Zeit w\u00fcrde ich rein finden und alles etwas besser verstehen. Dennoch f\u00fchlte ich mich leider lange Zeit nicht wirklich vorbereitet oder eingearbeitet, sondern eher etwas in die Arbeit \u201ehineingestolpert\u201c. Tats\u00e4chlich brauchte ich fast einen Monat, bis ich den Meetings vollst\u00e4ndig folgen konnte, verstand, worum es ging und mir eigenst\u00e4ndig Aufgaben suchen konnte. Sicherlich erschwerten aber auch die Umst\u00e4nde des Homeoffice die erste Phase des Ankommens. Nachdem der Lockdown und Beschr\u00e4nkungen in Portugal gelockert wurden, konnte ich endlich meine Teamkolleg*innen auch pers\u00f6nlich kennenlernen. Dies erleichterte den Arbeitsalltag etwas.<\/p>\n<p>Zu Beginn meines Praktikums gab es zwei weitere Praktikant*innen, die f\u00fcr das Produzieren von Medien zust\u00e4ndig waren: ein Architekturstudent, der das Filmen und Bearbeiten von audio-visuellen Medien erst innerhalb des Praktikums entdeckte und lernte und eine Studentin der audio-visuellen Produktion, die dementsprechend das Praktikum bereits mit Vorkenntnissen antrat. Die beiden waren also meine ersten Ansprechpartner*innen und Kolleg*innen, mit denen ich am meisten zusammenarbeitete. Sie gaben mir eine kurze und allgemeine Einf\u00fchrung in die Aufgaben des Medienteams, wie z.B. das Einrichten bzw. Aufbauen des Filmstudios und die Produktion der Onlinekurse. Leider gab es wenig Zeit, um mich in detailliertere Arbeitsprozesse einzuarbeiten, denn ich arbeitete mit ihnen nur die ersten ein bis zwei Monate zusammen, danach war ihr Praktikum vorbei und ich war die einzige Praktikantin mit dem Fokus auf Medienproduktion. Es gab immer mal wieder andere Praktikant*innen und Mitarbeiter*innen, die an einzelnen Videoprojekten beteiligt waren und halfen, aber ein tats\u00e4chliches Video- bzw. Medienteam kam nicht zustande, da zu viele andere Projekte anstanden und keiner die Kenntnisse, Zeit oder den Fokus auf der Medienproduktion hatte. Also arbeitete ich oftmals allein und musste mir auch den Gro\u00dfteil des Wissens selbst aneignen.<\/p>\n<p>Zu den Hauptaufgaben geh\u00f6rte das Produzieren, Filmen und Schneiden der criti.co Kurse und das generelle Begleiten des Alltags und Geschehens mit der Kamera und das sp\u00e4tere Bearbeiten der Fotos und des Videomaterials mit Hilfe von Photoshop, DxO PhotoLab und Premiere Pro f\u00fcr die verschiedenen sozialen Netzwerke.<\/p>\n<p>In der ersten H\u00e4lfte meines Praktikums fanden zwei praktische Postgraduierten-Workshops statt, diese Zeiten waren die intensivsten. Da wir sowohl an den Workshop Projekten teilnahmen, also auf der Baustelle arbeiteten, als auch zeitgleich die Prozesse medial festhalten und f\u00fcr die sozialen Netzwerke aufbereiten mussten. Einer dieser Kurse war \u00fcber \u201eRammed-Earth\u201c (eine Methode zum Bauen von Fundamenten, B\u00f6den und W\u00e4nden, durch das Stampfen und Pressen des Lehmgemischs). Im Rahmen dieses Kurses kam ein Dozent aus \u00d6sterreich nach Porto, um den Workshop anzuleiten. Dieser Workshop sollte viele Projekte unter einen Hut bringen: Den praktischen Teil des Postgraduierten Programmes und damit die Renovierung der Critical-Concrete Co-Lateral K\u00fcche mit einem Rammed-Earth Boden und einer Rammed-Earth Wand, au\u00dferdem wollten wir die Gelegenheit nutzen den praktischen Workshop direkt filmisch zu begleiten, um daraus wiederum einen criti.co Onlinekurs kreieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dies stellte sich als eines der herausforderndsten Aufgaben meines Praktikums heraus. In der Regel kommen die Dozierenden der Onlinekurse mit einem vorbereiten Skript, um dieses dann vor der Kamera zu lesen, in der Postproduktion f\u00fcgen wir von den Lehrenden bereitgestelltes Bildmaterial hinzu. F\u00fcr diesen Kurs gab es jedoch kein Skript, nur eine grobe \u00dcbersicht der wichtigen Themen, die der Kurs umfassen sollte. Zu diesem Zeitpunkt waren wir zu zweit im Videoteam (Ma. und ich, also beide auch noch recht unerfahren). Vor jedem Workshoptag hatten wir eine Stunde mit dem Dozenten, um die Themen vor der Kamera abzuarbeiten. Danach filmten wir den gesamten praktischen Prozess. Wir mussten genau aufpassen, was im praktischen Workshopteil passiert und welche Informationen die Studierenden erhalten, um diese dann f\u00fcr den Onlinekurs zu rekapitulieren. Wir mussten also nicht nur filmen, sondern auch die Regie f\u00fchren und im Nachhinein die gro\u00dfe Menge an Filmmaterial sortieren und schneiden.<\/p>\n<p>Abgesehen davon, hatte ich die M\u00f6glichkeit viele weitere, spannende Projekte zu begleiten: Ich habe Onlinekurse \u00fcber ethnographisches Arbeiten in der Architektur oder Aktivismus und urbane Anthropologie gefilmt und geschnitten, f\u00fcr das YouTube-Video \u201eWomen in Construction\u201c habe ich mehrere Frauen, die im Bereich Bau besch\u00e4ftigt sind, interviewt; und habe mehrere Gestaltungsprozesse und Workshops zum Participatory Design mit der Kamera begleitet. Besonders gefiel mir die Arbeit mit der Nachbarschaft, da ich hier am meisten Kenntnisse einbringen konnte, sowohl sprachlich als auch ethnographisch. Durch die Pandemie waren diese Veranstaltungen leider nur sehr begrenzt m\u00f6glich, dennoch konnten wir zwei Repair-Cafe Events veranstalten. Dort kamen verschiedene Partner*innen zusammen und halfen Gegenst\u00e4nde, wie Fahrr\u00e4der, Kleider oder elektronische Ger\u00e4te zu reparieren. Meine Portugiesisch Sprachkenntnisse halfen mir mit den Besucher*innen in Kontakt zu treten und konnte Methoden des ethnographischen Filmens anwenden, um eine kleine Dokumentation \u00fcber die Nachbarschaft und dieses Event zu machen.<\/p>\n<p>Insgesamt sehe ich viel Potential der Organisation spannende Praktika anzubieten. F\u00fcr mich war es besonders interessant zu sehen, wie die Disziplinen Anthropologie und Architektur zusammen funktionieren und sich erg\u00e4nzen k\u00f6nnen, um Fragen der Nachhaltigkeit und sozialen Gerechtigkeit von verschiedenen Perspektiven aus zu beantworten. Leider war ich jedoch mit der Betreuung teils etwas unzufrieden. Ich habe mich oft mit den Aufgaben allein und teilweise auch \u00fcberfordert gef\u00fchlt. Die Anforderungen und Erwartungen professionelle Ergebnisse vorzulegen, erzeugten einen hohen Druck und ich h\u00e4tte mir manchmal mehr Unterst\u00fctzung und Raum f\u00fcr Fragen gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p>So habe ich zwar die Umst\u00e4nde als Herausforderung angenommen und sicherlich viel dazu gelernt, insbesondere Probleme eigenst\u00e4ndig zu bew\u00e4ltigen und neue L\u00f6sungswege zu finden, auch habe ich mich viel ausprobiert, im Bezug auf Kamera- und Schnitttechnik und viel an \u00dcbung gewonnen, dennoch fehlte mir manchmal eine professionelle Inspiration und Anleitung und konstruktives Feedback, um meine F\u00e4higkeiten und Kenntnisse besser zu erweitern.<\/p>\n<p>Die Ursache f\u00fcr den Mangel an Betreuung sehe ich viel auch in den Einschr\u00e4nkungen durch die Pandemie, aber auch in der Knappheit der Mitarbeitenden und der enormen Vielzahl an gleichzeitig stattfindenden Projekten, die zur Folge haben, dass weniger Zeit bleibt f\u00fcr individuelle Gespr\u00e4che und Mentoring. So gehe ich nun aus dem Praktikum heraus, mit vielen Erkenntnissen und einiger \u00dcbung mehr, aber leider auch immer noch mit gewissen Unsicherheiten, wie ich diese f\u00fcr meine berufliche Laufbahn nutzen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz vor dem Abschluss meines Studiums in Sozial- und Kulturanthropologie entdeckte ich die Methode des audio-visuellen Arbeitens f\u00fcr mich. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit erlernte ich erste Fertigkeiten in diesem Bereich (Umgang mit Kamera, Schnitt). Die Erfahrung erweckte mein Interesse und ich beschloss meine F\u00e4higkeiten in diesem Bereich zu erweitern. 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