{"id":728,"date":"2022-09-30T14:27:49","date_gmt":"2022-09-30T12:27:49","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/?p=728"},"modified":"2024-02-22T11:54:46","modified_gmt":"2024-02-22T10:54:46","slug":"forschungspraktikum-im-bereich-genetik-in-frankreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/2022\/09\/30\/forschungspraktikum-im-bereich-genetik-in-frankreich\/","title":{"rendered":"Forschungspraktikum im Bereich Genetik in Frankreich"},"content":{"rendered":"<p>Mein Erasmuspraktikum habe ich in der Forschungsgruppe Marseille Medical Genetics an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Medizin der Aix-Marseille Universit\u00e9 verbracht. Die Forschungsgruppe befasst sich mit der Erforschung der fr\u00fchzeitigen Alterung von Zellen aufgrund genetischer Erkrankungen und den daraus folgenden zellul\u00e4ren Ver\u00e4nderungen. Von Anfang Juni bis Mitte September 2022 hatte ich hier die Chance viel Neues zu lernen, mein Franz\u00f6sisch enorm zu verbessern und nat\u00fcrlich auch die Umgebung zu erkunden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Projekt, in dem ich in der Forschungsgruppe mitgearbeitet habe, hat sich mit einer m\u00f6glichen Verbindung zwischen einer vorzeitigen zellul\u00e4ren Seneszenz aufgrund von einer Mutation im Gen ZMPSTE24 und schwerem metabolischen Syndrom besch\u00e4ftigt. Das Gen ZMPSTE24 kodiert eine Zink-Metalloprotease, die n\u00f6tig ist, um Prelamin A in reifes Lamin A umzusetzen. Reifes Lamin A ist neben anderen Laminen f\u00fcr die Form und Steifigkeit des Zellkernes verantwortlich und hat eine wichtige Rolle in der Genexpression. Bei St\u00f6rung der Protease ZMPSTE24 ist somit weniger funktionsf\u00e4higes Lamin A vorhanden und au\u00dferdem kann sich nicht umgesetztes Prelamin A akkumulieren und den Stoffwechsel der Zelle weiter st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Um diesem Sachverhalt nachzugehen habe ich das Arbeiten mit Zellkulturen im Reinraum gelernt. Wir haben Fibroblasten von gesunden Probanden und Patienten mit Missense-Mutationen, die das Gen ZMPSTE24 betreffen, kultiviert. Anschlie\u00dfend haben wir in der Testgruppe an den kultivierten Fibroblasten eine Transfektion mit siRNA durchgef\u00fchrt, die die Expression von Prelamin A vermindert, sodass sich weniger nicht-umgesetztes Prelamin A akkumulieren kann. Die Fibroblasten in der Vergleichsgruppe hingegen wurden nicht behandelt.<\/p>\n<p>Wir haben dann die Proteine Prelamin A und Lamin A aus den Fibroblasten der Test- und Vergleichsgruppe isoliert, um deren Expression, in Abh\u00e4ngigkeit von der Transfektion mit siRNA, mittels Western Blot zu analysieren. Weiterhin haben wir die Fibroblasten der Test- und Vergleichsgruppe auf Objekttr\u00e4gern fixiert und die Proteine Prelamin A und Lamin A mittels Immunofluoreszenz markiert. Bei der anschlie\u00dfenden Mikroskopie konnten wir so weitere Daten zu deren Expression sammeln. Au\u00dferdem bietet die Mikroskopie die M\u00f6glichkeit Anomalien an den Zellkernen in Abh\u00e4ngigkeit von der Transfektion mit siRNA zu untersuchen. Dazu haben wir beim Mikroskopieren Bilder aufgenommen und diese dann mittels Software zur Bildauswertung, ImageJ und Zen Studio, analysiert. Die gesammelten Ergebnisse haben wir mit den in gleicher Weise behandelten gesunden Probandenzellen verglichen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Part meiner Arbeit in der Forschungsgruppe bestand in einer Literatur- und Datenbankrecherche zu einer wichtigen Region im Gen PLIN1. Ich habe wissenschaftliche Artikel zum Thema gelesen und verschiedene bioinformatische Tools benutzt, um neue Daten zu erfassen. Mittels PolyPhen habe ich die Spezies-\u00fcbergreifende Konservierung dieser spezifischen Region kontrolliert. Seltene Missense-Mutation habe ich mittels GnomAD gesucht und deren Splicing- und Pathogenit\u00e4tsvorhersagen in MobiDetails, sowie auch MutationTaster, UMD-Predictor, SIFT \u00fcberpr\u00fcft. Zuletzt konnte ich \u00fcber das Human Genetics Cardiovascular Disease Knowledge Portal in Erfahrung bringen, ob f\u00fcr die Mutationen in dieser wichtigen Position des Gens bereits signifikante Ph\u00e4notypen berichtet wurden. Meine Ergebnisse habe ich in Form eines Berichtes festgehalten.<\/p>\n<p>Die Arbeit war insgesamt sehr abwechslungsreich. Zum Beispiel habe ich mit Hilfe der Seite Servier Medical Art Grafiken zu einer Revue erstellt oder konnte der Verteidigung einer Doktorarbeit beiwohnen, bei der meine Mentorin im Gremium sa\u00df.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem habe ich in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Pharmazie einen Einblick in Projekte in der analytischen Chemie erhalten. Eines dieser Projekte stammt aus dem Bereich der Umweltanalytik in Hinblick auf Kontaminationen des Meeres mit Pestiziden und anderen chemischen Produkten. Hier habe ich viel zur Aufbereitung von Meeresbodenproben und Proben tierischen Ursprungs, deren Analyse mittels Gaschromatographie und Auswertung der erhalten Daten erfahren. Bei einem studentischen Projekt zur Stabilit\u00e4tsstudie eines Arzneimittels habe ich bei der Vorbereitung der Proben, deren Analyse mittels HPLC und Interpretation mitgeholfen. Nat\u00fcrlich geh\u00f6rten zu meinem Praktikum auch die Teilnahme an w\u00f6chentlichen Meetings der Arbeitsgruppe zur Diskussion der gefundenen Ergebnisse sowie Meetings zu den einzelnen Projekten.<\/p>\n<p>Am Ende meines Praktikums hatte ich weiterhin die Chance die Arbeit im Genetik-Labor des Kinder-Krankenhauses kennenzulernen. Hier habe ich alles zur DNA-Extraktion von Patientenproben, deren Amplifikation mittels PCR und anschlie\u00dfender Sanger- oder Next Generation Sequenzierung gelernt. Au\u00dferdem war ich an der abschlie\u00dfenden Bewertung von bei Patienten gefundenen Mutationen mittels der bioinformatischen Tools Globin Gene Server, ClinVar, GnomAD, MobiDetails und UMD-Predictor beteiligt.<\/p>\n<p>In meiner Zeit bei Marseille Medical Genetics habe ich mich fachlich und pers\u00f6nlich enorm weiterentwickelt und viele lehrreiche Erfahrungen gesammelt. Besonders zu sch\u00e4tzen gelernt habe ich auch das freundliche Arbeitsklima. Ich wurde sehr gut ins Team aufgenommen und konnte immer Fragen stellen. Durch die Chance in so vielen unterschiedlichen Bereichen Einblick zu erhalten und mitzuarbeiten hatte ich einen starken Wissenszuwachs im Bereich der Genetik. Ich habe sowohl Arbeitstechniken der Zellkultur sowie auch die Analyse und Erfassung von Daten \u00fcber Mutationen und Gene mittels bioinformatischer Tools gelernt.<\/p>\n<p>Zudem konnte ich meine Sprachkenntnisse enorm verbessern, da die Arbeitssprache im Labor und in allen Meetings generell Franz\u00f6sisch war. Meine Freizeit habe ich genutzt, um Marseille und die Umgebung zu erkunden und an zahlreichen kulturellen Events teilzunehmen.<\/p>\n<p>Insgesamt hat mich der Auslandsaufenthalt hier in Marseille in meinem Vorhaben best\u00e4rkt, nach meinem Abschluss in die Forschung zu gehen. Im Herbst werde ich in einer Krankenhausapotheke beginnen eine Diplomarbeit zu schreiben, wobei mir die in Marseille gewonnen Erfahrungen und Fertigkeiten eine gro\u00dfe Hilfe sein werden. Ich hatte einen sehr interessanten und erlebnisreichen Sommer und kann abschlie\u00dfend nur jedem ein ERASMUS Praktikum empfehlen.<\/p>\n<p><strong>Tipps f\u00fcr andere Praktikant:innen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Praktikumssuche<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe in allen St\u00e4dten, die mich interessiert haben, auf Universit\u00e4ts- und Institutswebsites nach interessanten Forschungsgruppen gesucht. Diese habe ich dann mit einem kurzen Text, Lebenslauf und einem Empfehlungsschreiben angeschrieben. Mein Tipp ist hier, nicht z\u00f6gerlich zu sein und erst einmal allen Stellen eine Nachricht zu schreiben, die interessant aussehen. Gebt nicht auf und sucht euch immer neue Stellen, wenn ihr keine Antwort erhalten! \u2013 Bei mir hat es auch sehr lang gedauert bis ich eine positive R\u00fcckmeldung erhalten habe.<\/p>\n<p><strong>Wohnungssuche<\/strong><\/p>\n<p>Da ich meinen Aufenthalt \u00fcber den Sommer absolviert habe, wo in Frankreich \u00fcberwiegend vorlesungsfreie Zeit ist, waren die Studentenwohnheime nicht ge\u00f6ffnet. Auf Airbnb sind die Mieten viel zu teuer gewesen, weswegen ich mir dann \u00fcber Studapart eine WG gesucht habe. Dies ist eine franz\u00f6sische Website die WGs und Appartements f\u00fcr Studenten und Auszubildende vermittelt. So wei\u00df man, auch wenn man seine Mitbewohner vor dem Einzug nicht unbedingt kennen lernt, dass man ungef\u00e4hr auf derselben Wellenl\u00e4nge ist. Hilfreich ist auch, dass diese Website gegen einen Aufpreis die B\u00fcrgschaft f\u00fcr einen \u00fcbernimmt, da die meisten Vermieter in Frankreich nur franz\u00f6sische B\u00fcrgen akzeptieren. Zuerst habe ich vor allem versucht ein kleines Apartment f\u00fcr mich allein zu finden, da ich die Idee mit Leuten zusammenzuwohnen, die ich nicht kenne, sehr abschreckend gefunden habe, was dann wegen Verf\u00fcgbarkeit und Preis doch nicht geklappt hat. Letztendlich bin ich aber mit meiner WG viel zufriedener, da ich \u00fcber meine Mitbewohner tolle Menschen kennengelernt und viele Erlebnisse und Ausfl\u00fcge erst so zu Stande gekommen sind.<\/p>\n<p><strong>Versicherung<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe die sehr praktische DAAD Kombiversicherung abgeschlossen, die mit einem Vertrag Auslandskrankenversicherung inklusive R\u00fcckf\u00fchrung nach Deutschland sowie Haftpflicht- und Unfallversicherung im Praktikum abdeckt. Genau diese Versicherungen wurden auch von meiner Praktikumsstelle gefordert.<\/p>\n<p><strong>Sonstiges<\/strong><\/p>\n<p>Um bereits ins Franz\u00f6sisch reinzukommen, habe ich vor meinem Aufenthalt versucht manche B\u00fccher, Serien und Filme auf Franz\u00f6sisch zu konsumieren. Au\u00dferdem habe ich ein paar Lektionen in Duolingo und dem OLS-Onlinekurs von Erasmus absolviert.<\/p>\n<p><strong>Telefon-\/Internetanschluss<\/strong><\/p>\n<p>Wegen des EU-Roamings konnte ich meinen deutschen Handy-Tarif problemlos weiter nutzen. In den meisten WGs in Marseille und so auch in meiner ist das WLAN gl\u00fccklicherweise bereits vorhanden und mit den Mietkosten abgedeckt.<\/p>\n<p><strong>Bank\/Kontoer\u00f6ffnung<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr meinen kurzen Aufenthalt brauchte ich gl\u00fccklicherweise keinen franz\u00f6sischen Bank-Account anlegen. Alle Zahlungen und \u00dcberweisungen haben ohne Geb\u00fchren sehr gut mit meinem Konto bei der ING funktioniert.<\/p>\n<p><strong>Ausgehm\u00f6glichkeiten<\/strong><\/p>\n<p>Was ich an Marseille lieben gelernt habe, sind vielen kleinen gratis Konzerte, Veranstaltungen und Musikgruppen die \u00fcberall in der Stadt spielen. Das bunte Treiben auf den Stra\u00dfen von Marseille beginnt, wenn es anf\u00e4ngt dunkel zu werden und dauert bis tief in die Nacht an. Man hat das Gef\u00fchl, dass die Stadt erst abends richtig aufwacht, was nat\u00fcrlich der brennende Sonne tags\u00fcber geschuldet ist. Wenn man also abends im Zentrum spazieren geht, wird man mit ziemlicher Sicherheit mindestens eine Band oder Stra\u00dfenmusikerIn finden. Hinzu kommen unz\u00e4hlige Festivals und Konzerte, die von den unterschiedlichen Bezirken in der Stadt organisiert werden. Diese finden meist in sch\u00f6nem Ambiente in Parks statt und erm\u00f6glichen, gratis professionelle Musiker aus verschiedensten Musikstilen von Jazz \u00fcber Klassik bis zu Sizilianischen Ges\u00e4ngen zu erleben. Ansonsten sind am Cours Julien und Rund um den Vieux Port zahlreiche Bars und Clubs zu finden. Daten an denen die ganze Stadt auf den Beinen ist, sind nat\u00fcrlich das F\u00eate de la Musique am 21.06. und die F\u00eate nationale am 14.07., die &#8211; egal an welchem Wochentag das Datum liegt &#8211; \u00fcberschw\u00e4nglich gefeiert werden<\/p>\n<p><strong>Sonstiges<\/strong><\/p>\n<p>Da die Stadt direkt am Wasser liegt, kann man auch nach der Arbeit noch zu einem der zahlreichen Stadtstr\u00e4nde fahren, um Baden zu gehen oder einfach nur die Aussicht zu genie\u00dfen. Der direkt neben der Stadt gelegene Parc national des Calanques ist sehr gut mit den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und bietet die einmalige M\u00f6glichkeit mit Meerblick zu wandern und dabei Badepausen in den wundersch\u00f6nen Buchten mit ihrem t\u00fcrkisblauen, unglaublich klaren Wasser zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Erasmuspraktikum habe ich in der Forschungsgruppe Marseille Medical Genetics an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Medizin der Aix-Marseille Universit\u00e9 verbracht. Die Forschungsgruppe befasst sich mit der Erforschung der fr\u00fchzeitigen Alterung von Zellen aufgrund genetischer Erkrankungen und den daraus folgenden zellul\u00e4ren Ver\u00e4nderungen. 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