{"id":797,"date":"2023-05-15T11:22:24","date_gmt":"2023-05-15T09:22:24","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/?p=797"},"modified":"2024-02-22T12:18:12","modified_gmt":"2024-02-22T11:18:12","slug":"praktikum-in-einem-museum-in-paris","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/2023\/05\/15\/praktikum-in-einem-museum-in-paris\/","title":{"rendered":"Praktikum in einem Museum in Paris"},"content":{"rendered":"<p>Meine Praktikumserfahrung bei der Bourse der Commerce \u2013 Pinault Collection in Paris war insgesamt sehr positiv. Zum ersten Mal habe ich die Gelegenheit gehabt, in einem Museum zu arbeiten und die Besonderheiten der T\u00e4tigkeit in einer hochrangigen kulturellen Institution zu entdecken. Da das Museum erst 2021 er\u00f6ffnet wurde, befinden sich mehrere Projekte noch in ihrer Anfangsphase, was f\u00fcr mich noch interessanter war, um genauer nachzuvollziehen, wie die unterschiedlichen Akteur:innen vorgehen und operationelle Vorgehensweisen etablieren. Das war genau der Fall bei der T\u00e4tigkeit, mit der ich beauftragt wurde.<!--more-->Ich habe n\u00e4mlich sechs Monate lang in der Abteilung f\u00fcr Kulturvermittlung innerhalb der Direktion der Besucherdienste des Museums gearbeitet. Hauptziel der T\u00e4tigkeit dieser Abteilung ist es, Aktivit\u00e4ten, Ressourcen und Vermittlungsformate zu entwickeln, die den Zugriff zu der Sammlung und den Museumsausstellungen f\u00fcr alle Besucher:innen f\u00f6rdern soll. In der Abteilung ist nur eine Person fest eingestellt, die Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung, die auch meine Praktikumsbetreuerin war. Meine Aufgabe bestand darin, etwa 20 Projekte mit einigen ausgew\u00e4hlten sozio-kulturellen Partnern in Gang zu setzen, zu entwickeln und zu beaufsichtigen, die dazu beitragen sollen, bestimmten Zielgruppen die Museumserfahrung und die Begegnung mit der zeitgen\u00f6ssischen Kunst zu erlauben, f\u00fcr die das kulturelle Angebot der Stadt aus verschiedenen Gr\u00fcnden ansonsten nicht zug\u00e4nglich ist. Unter den Partnern waren Schulen und Universit\u00e4ten sowie Vereine, derer Arbeit die Inklusion von behinderten oder sozial benachteiligten Menschen in den Mittelpunkt setzt. Zusammen mit den Koordinator:innen dieser Gruppen habe ich die Priorit\u00e4ten und die Objektive unserer gemeinsamen Aktivit\u00e4ten festgelegt und diese auch zeitlich geplant. Ich habe mich dann auch um derer administrative, finanzielle und logistische Aspekte gek\u00fcmmert. Allerdings war meine Arbeit nicht nur b\u00fcrokratisch, sondern auch sehr sozial: Bei den Aktivit\u00e4ten unterschiedlicher Natur (Museumsbesuchen, Workshops, Konferenzen, Bildungssitzungen, Veranstaltungen\u2026) war ich meist auch dabei, um die Teilnehmer:innen pers\u00f6nlich kennenzulernen, mich mit ihnen zu unterhalten, sie wenn n\u00f6tig zu betreuen und ihr Feedback zu sammeln. Dies fand immer in enger Zusammenarbeit mit dem Team statt, das die m\u00fcndliche Vermittlungsarbeit in dem Museum leistet.<br \/>\nAls Assistentin in der Abteilung f\u00fcr Kulturvermittlung habe ich aber auch noch mehr Aufgaben erledigen k\u00f6nnen. Unter anderem habe ich aktiv dazu beigetragen, das Angebot von Museumsbesuchen in franz\u00f6sischer Geb\u00e4rdensprache zu gestalten und zum ersten Mal zu testen, zug\u00e4ngliche Audio-Inhalte zu der neuen Ausstellung vorzubereiten, und ich habe mich auch an eher strategischen Meetings zu der Organisation von gro\u00dfen Veranstaltungen (z.B. der Europ\u00e4ischen Nacht der Museen) im Rahmen der Pariser kulturellen Agenda 2023 beteiligt. Generell wurde mir eine relativ gro\u00dfe Freiheit zugestanden, sodass ich mich allm\u00e4hlich zugetraut habe, die Initiative zu ergreifen, um m\u00f6glichst viel von der Museumsarbeit zu lernen. Insgesamt habe ich dann mehr oder weniger mit allen Abteilungen zu tun gehabt (Marketing, Kommunikation, Kuratorium, Ausstellungsorganisation, Veranstaltungsdienste, Ticketing, Sicherheitsdienste und Geb\u00e4udemanagement\u2026), was f\u00fcr mich wertvoll war. Vor der Er\u00f6ffnung der neuen Ausstellung Avant l\u2019orage durfte ich sogar K\u00fcnstler:innen treffen, die Interviews \u00fcber ihre ausgestellten Kunstwerke gegeben haben.<br \/>\nIn dieser Hinsicht ist dann meine T\u00e4tigkeit bei der Bourse de Commerce \u2013 Pinault Collection sehr spannend und intellektuell bereichernd gewesen. Au\u00dferdem bestand regelm\u00e4\u00dfig auch die Gelegenheit, in der Arbeitszeit andere Ausstellungen der Nachbarinstitutionen kostenlos zu besuchen, weil man davon ausgegangen ist, dass die Qualit\u00e4t der Kulturarbeit auch von der Inspiration und von dem Austausch dieser Art abh\u00e4ngt. Das fand ich sinnvoll und richtig, und ich war immer sehr dankbar daf\u00fcr.<br \/>\nSehr wichtig ist f\u00fcr mich auch, dass dieses Praktikum mein berufliches Interesse an der Kulturvermittlung best\u00e4tigt hat. F\u00fcr meinen weiteren Laufbahn habe ich dann vor, mich des Potentials der kulturellen Erfahrung zugunsten zu engagieren, die individuelle Emanzipation sowie eine positive und nachhaltige Gesellschaftsentwicklung auszul\u00f6sen und\/oder zu f\u00f6rdern. Ausgehend von den sehr positiven Beziehungen, die sich mit den sozio-kulturellen Museumspartnern entwickelt haben, bin ich mittlerweile sehr motiviert, mich weiterzubilden und zu spezialisieren, um auf die spezifischen Bed\u00fcrfnisse solcher Zielgruppen genauer eingehen zu k\u00f6nnen. Diese Arbeit w\u00fcrde ich gerne in einer kulturellen Institution \u2013 am liebsten einem Museum \u2013 oder in einem Verein leisten, wo sich dann f\u00fcr solche T\u00e4tigkeit sehr klare Parallelen mit der Sozialarbeit ziehen lassen. In der Zukunft w\u00fcrde ich mich gerne auch an einem \u00e4hnlichen Projekt in einer Weltregion beteiligen, wo der Zugang zu der kulturellen Erfahrung f\u00fcr die meisten noch sehr beschr\u00e4nkt ist. In der Tatsache nehmen Projekte der internationalen Zusammenarbeit kulturelle Komponenten heutzutage zunehmend auf.<br \/>\nDer einzige Aspekt, der weniger positiv f\u00fcr mich war, hat mit der privaten Natur des Museums zu tun, das einem Milliard\u00e4ren, Fran\u00e7ois Pinault, geh\u00f6rt und deswegen im Grunde genommen wie ein normales, kapitalistisches Unternehmen funktioniert. Manchmal wird dann neben der erstrebten, hohen Qualit\u00e4t der Arbeit, auch ein gro\u00dfer Wert auf die Quantit\u00e4t (Anzahl der Besucher:innen und der verkauften Tickets, z.B.) gelegt. Die erste Konsequenz davon war ein sehr intensiver Arbeitsrhythmus f\u00fcr alle, Praktikant:innen inklusive, um die festgelegten Ziele zu erreichen. Das hat der generellen Stimmung der Mitarbeiter:innen sichtbar geschadet, die st\u00e4ndig unter gro\u00dfem Druck standen. Das fand ich besonders problematisch f\u00fcr Praktikant:innen, denen allerlei Einstellungsm\u00f6glichkeit verweigert wird. Nicht nur ist f\u00fcr sie dann die Intensit\u00e4t der Arbeit \u00fcbertrieben, sondern das Praktikum erf\u00fcllt auch nicht seine Funktion, den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu beschleunigen. Diese Arbeitslage hat sich nat\u00fcrlich auch auf die Qualit\u00e4t meiner Betreuung ausgewirkt, die wegen des Zeitmangels oft nicht ausreichend war. Ich habe leider das Gef\u00fchl gehabt, dass \u00fcberhaupt kein Interesse in meinem Team bestand, mich als Professional zu bilden, sondern dass meine Arbeit blo\u00df dazu gedient hat, die Arbeitsmenge der Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung zu reduzieren. Das fand ich sehr Schade.<br \/>\nAlles in allem w\u00fcrde ich dieses Praktikum absolut empfehlen, um die Berufe der Kulturvermittlung in einer sehr jungen und dynamischen Kultureinrichtung zu erkunden, die sehr schnell ihren Weg in der Pariser, franz\u00f6sischen und internationalen Museumswelt, \u00fcber die relativ kleine Babbel der zeitgen\u00f6ssischen Kunst hinaus, mit Sicherheit und Erfolg bahnt. Einem:r k\u00fcnftigen Praktikant:in empfehle aber generell auch, die Austauschgelegenheit w\u00e4hrend des Bewerbungsgespr\u00e4ch zu nutzen, um die Bedingungen der Stelle und die eventuellen Entwicklungsperspektiven nach Praktikumsende ausf\u00fchrlich zu besprechen.<\/p>\n<p><strong><em>Tipps f\u00fcr andere Praktikant:innen<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Vorbereitung<\/em><br \/>\nIch musste mich vor Praktikumsbeginn nicht besonders vorbereiten. Ich habe nur die normalen administrativen F\u00f6rmlichkeiten erledigt.<\/p>\n<p><em>Beantragung Visum<\/em><\/p>\n<p>Als Europ\u00e4erin musste ich kein Visum beantragen, um nach Frankreich einzureisen und dort zu wohnen.<\/p>\n<p><em>Praktikumssuche<\/em><br \/>\nF\u00fcr die Praktikumssuche in dem Kulturbereich ist die Online-Plattform Profilculture die beste. Da werden praktisch alle ausgeschriebenen Arbeitsstellen dieses Sektors gepostet.<\/p>\n<p><em>Wohnungssuche<\/em><br \/>\nDie Wohnungssuche in Paris ist besonders anstrengend und man soll auch auf betr\u00fcgende Anzeigen gut aufpassen. Internetplattformen wie Le Bon Coin oder La Carte des Colocs sind nicht schlecht, aber die pers\u00f6nlichen Kontakte funktionieren am besten. Manchmal ist eine Instagram-Story, die von Freund:innen dann wieder gepostet wird, viel effektiver als eine traditionelle Suche nach interessanten Anzeigen.<\/p>\n<p><em>Versicherung<\/em><br \/>\nIch habe keinen besonderen Versicherungsvertrag abgeschlossen. Bei der Arbeit war nat\u00fcrlich die zivilrechtliche Haftpflicht des Unternehmens g\u00fcltig.<\/p>\n<p><strong>Formalit\u00e4ten vor Ort<\/strong><\/p>\n<p><em>Telefon-\/Internetanschluss<\/em><br \/>\nAls Europ\u00e4erin durfte ich in Frankreich meine eigene Telefonnummer behalten und f\u00fcr Anrufe sowie f\u00fcr Internet-Dienste weiter benutzen. Internetanschluss hatte ich in meiner WG und bei der Arbeit (WLAN).<\/p>\n<p><em>Bank\/Kontoer\u00f6ffnung<\/em><br \/>\nAls Europ\u00e4erin durfte ich in Frankreich mein Bankkonto weiter benutzen. Ich habe kein neues Konto er\u00f6ffnet und meine Praktikumsverg\u00fctung wurde dann reibungslos an mein italienisches Konto \u00fcberwiesen.<\/p>\n<p><strong>Alltag\/Freizeit<\/strong><\/p>\n<p><em>Ausgehm\u00f6glichkeiten<\/em><br \/>\nParis ist eine tolle Stadt und es fehlt absolut nicht an Ausgehm\u00f6glichkeiten! F\u00fcr junge Leute mit weniger als 26 Jahren sind gro\u00dfe Erm\u00e4\u00dfigungen verf\u00fcgbar (vor allem in der Kultur)!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Praktikumserfahrung bei der Bourse der Commerce \u2013 Pinault Collection in Paris war insgesamt sehr positiv. Zum ersten Mal habe ich die Gelegenheit gehabt, in einem Museum zu arbeiten und die Besonderheiten der T\u00e4tigkeit in einer hochrangigen kulturellen Institution zu entdecken. 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