{"id":803,"date":"2023-05-15T11:33:40","date_gmt":"2023-05-15T09:33:40","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/?p=803"},"modified":"2024-02-22T12:21:09","modified_gmt":"2024-02-22T11:21:09","slug":"praktikum-in-einem-forschungsinstitut-in-spanien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/2023\/05\/15\/praktikum-in-einem-forschungsinstitut-in-spanien\/","title":{"rendered":"Praktikum in einem Forschungsinstitut in Spanien"},"content":{"rendered":"<p>Meinem Praktikum im Cavanilles Institut in Valencia zum Thema Grundwasser\u00f6kologie habe ich viele neue Eindr\u00fccke aber auch Fertigkeiten zu verdanken.<!--more--><\/p>\n<p>Ich lernte Grundwasserproben nahe des Flusses Turia zu sammeln und diese im Labor mit dem Binokular zu analysieren. Zu Beginn wurden mir w\u00e4hrend der Probennahme die \u00fcblichen Arbeitsschritte zur Verwendung der Bou-Rouche-Pumpe erkl\u00e4rt, sowie eine Anleitung f\u00fcr die Messung von Umweltparametern mit der YSI-Multisonde und dem Filtern und Sammeln der Proben gegeben. W\u00e4hrend der w\u00f6chentlichen Probennahme wurde ich ebenfalls in die Auswahl der spezifischen Beprobungsstandorte miteinbezogen und lernte die Umwelteinfl\u00fcsse und -gegebenheiten auszuwerten, die in die Entscheidung zum jeweiligen Beproben mit einbezogen werden sollten. Nachdem jeweils der Standort im Naturpark am Rande des Flusses Turia gew\u00e4hlt wurde, wurde ein Metallrohr in die Erde geh\u00e4mmert, mit dem anschlie\u00dfend die manuelle Pumpe verbunden wurde. Dann konnte ich abwechselnd mit anderen MitarbeiterInnen aus dem Labor Wasser aus der Erde pumpen und in einem Gef\u00e4\u00df sammeln. Das gepumpte Wasservolumen wurde dokumentiert, wonach das Wasser in zwei verschiedenen Gr\u00f6\u00dfenstufen gefiltert wurde, 250 und 100 \u00b5m, um die enthaltenen Lebensgemeinschaften nach Gr\u00f6\u00dfe aufzutrennen. Diese verschiedenen Proben wurden dann aus dem Filter in ein Probengef\u00e4\u00df gesp\u00fclt und zur weiteren Verarbeitung ins Labor gebracht. W\u00e4hrend des Pumpens wurden bereits Umweltparameter im Flusswasser und anschlie\u00dfend auch im gepumpten Grundwasser gemessen. Dieser Vorgang diente dem Vergleich der Messstellen und der \u00dcberpr\u00fcfung, ob das Grundwasser dem Flusswasser sehr \u00e4hnlich schien und der Beprobungsort m\u00f6glicherweise zu nah am Flussbett gew\u00e4hlt wurde, wo das Grundwasser noch stark vom Flusswasser beeinflusst w\u00e4re. Die Probennahme war immer eine sehr sch\u00f6ne Erfahrung f\u00fcr mich da es in einem Naturreservat um den Fluss au\u00dferhalb der Stadt Valencia gelegen war und ich dadurch auch die umliegende Landschaft, Flora und Fauna kennenlernen konnte. Ich lernte auch verschiedene Techniken kennen um die Proben im Labor anschlie\u00dfend weiter zu prozessieren. Zuerst wurden die durch Filtern gesammelten Sedimentproben, welche die Grundwasserorganismen enthalten sollten, erneut gesp\u00fclt, um \u00dcberst\u00e4nde an Lehm zu entfernen, welche die Identifikation der verschiedenen Taxa am Binokular durch Sichtbehinderung erschwert h\u00e4tten. Dann konnte ich jeweils geringe Mengen an Sediment auf verschiedene Petrischalen aufteilen, um diese einzeln unter dem Binokular betrachten zu k\u00f6nnen. Mithilfe von Plastik-Pasteurpipetten, Nadeln und Pinzetten sammelte ich Organismen in weiteren Petrischalen. Mit der Zeit entwickelte ich selbst eine gewisse Sicherheit in der Bestimmung der verschiedenen Taxa und konnte gr\u00f6\u00dftenteils selbstst\u00e4ndig arbeiten. Nach dem allgemeinen Sammeln der Taxa, welche Gr\u00f6\u00dftenteils Gruppen von Crustacea darstellten, jedoch auch Wassermilben und in selteneren F\u00e4llen Insekten oder Mollusken, wurden diese nach spezifischeren Taxa neu sortiert, gez\u00e4hlt und in separate Tubes aufgeteilt. Diese waren letztendlich Amphipoda, Acari, Isopoda, Bathynellacea, Ostracoda, Cyclopoida, Harpacticoida und Hexapoda. Die dokumentierten Verteilungen innerhalb der gesammelten Grundwassergemeinschaften wurden in einer Tabelle festgehalten und nach Gr\u00f6\u00dfenklasse mit den gemessenen Umweltparametern in Relation gesetzt. Eine Auswertung der Daten nahm ich selbst\u00e4ndig mithilfe von Excel und RStudio vor. Zuerst vereinheitlichte ich das gefilterte Wasservolumen, um Vergleichbarkeit zwischen den verschiedenen Gemeinschaften zu schaffen. Dann visualisierte ich die Entwicklung der gemessenen Umweltparameter Temperatur, elektrische Leitf\u00e4higkeit, pH-Wert und Sauerstoffkonzentration \u00fcber die dokumentierte Beprobunsgperiode zwischen Anfang Januar und Ende M\u00e4rz. Es war sichtbar, dass zu manchen Zeitpunkten, wenn die Beprobungsstelle sehr nah am Fluss gew\u00e4hlt wurde, die Parameter sich tats\u00e4chlich st\u00e4rker \u00e4hnelten als bei gr\u00f6\u00dferer Entfernung zum Fluss. Dies erzielte einen Lerneffekt f\u00fcr die Zukunft, wonach bei dem Ziel ausschlie\u00dflich unbeeinflusstes Grundwasser zu sammeln st\u00e4rker darauf geachtet werden m\u00fcsse, weit genug entfernt vom Fluss Proben zu sammeln. Dann stellte ich auch die Entwicklung der Grundwassergemeinschaften \u00fcber den Beprobungszeitraum in den verschiedenen Gr\u00f6\u00dfenklassen dar. Derselbe Effekt, der in den Umweltparametern sichtbar war konnte auch in den Gemeinschaften erkannt werden, da sich deren Komposition und Abundanz auch mit der N\u00e4he oder Entfernung zum Fluss \u00e4nderte. Jedoch ist auch ein Effekt der ver\u00e4nderten saisonalen Umweltbedingungen wahrscheinlich, da beispielsweise mit steigender Temperatur zwischen Januar und M\u00e4rz auch die Verteilungen von verschiedenen Taxa beeinflusst werden kann. F\u00fcr den genauen Effekt davon k\u00f6nnte korrigiert werden, wenn in Zukunft ein einziger bestimmter Ort beprobt werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Neben der regul\u00e4ren Arbeit an diesen Proben wurde ich ebenfalls in die Dokumentation von themenbezogener Literatur eingef\u00fchrt. Ich lernte ebenfalls Techniken kennen Proben von gr\u00f6\u00dferen Crustacea fotographisch festzuhalten, sowie DNA-Extraktionen an ihnen vorzubereiten, auf die weitere molekulare Analysen wie z.B. eine Sequenzierung folgen k\u00f6nnten.<br \/>\nDa die Sprache in der Arbeitsgruppe Englisch ist konnte ich auch meine Kenntnisse in dieser Sprache erweitern und festigen, sowie sogar meine Spanischkenntnisse etwas vertiefen.<\/p>\n<p>Im Allgemeinen f\u00fchlte ich mich in der Arbeitsgruppe gr\u00f6\u00dftenteils sehr willkommen und gut aufgehoben. Mir wurden viel Vertrauen und Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr meine Arbeit entgegengebracht, wof\u00fcr ich sehr dankbar bin.<\/p>\n<p><em><strong>Tipps f\u00fcr andere Praktikant:innen<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Vorbereitung<\/em><br \/>\n&#8211; Spanisch-Kurse, wenn m\u00f6glich sogar Catalan oder Valenzianisch (sehr hilfreich im Alltag, da bspw. viele Schilder im \u00f6ffentlichen Verkehr auf Valenzianisch geschrieben sind)<\/p>\n<p><em>Beantragung Visum<\/em><\/p>\n<p>&#8211; f\u00fcr den Zeitraum nicht notwendig f\u00fcr mich als deutsche Staatsb\u00fcrgerin<\/p>\n<p><em>Praktikumssuche<\/em><br \/>\n&#8211; Institute und Gruppen nach eigenen Interessen suchen und mit m\u00f6glichst konkreten Vorstellungen (Zeitraum oder Interessen etc.) anfragen<\/p>\n<p><em>Wohnungssuche<\/em><br \/>\n&#8211; h\u00e4ufig l\u00e4sst sich \u00fcber Kontakte der Mitarbeitenden in der Gruppe leichter etwas finden<br \/>\n&#8211; in meinem Fall jedoch die Website spotahome, die viele R\u00e4ume zur kurzen oder mittelfristigen Miete anbietet<br \/>\n&#8211; habe damit gemischte Erfahrungen gemacht<\/p>\n<p><em>Versicherung<\/em><br \/>\n&#8211; europ\u00e4ische Krankenversicherung ist angemessen f\u00fcr Spanien, die normale gesetzliche oder private Versicherung aus Deutschland reicht meiner Information nach also<br \/>\n&#8211; private Haftpflicht immer ratsam, meine \u00fcber Getsafe war sehr g\u00fcnstig und einfach innerhalb eines Tages zu buchen; bieten auch andere Versicherungen an<br \/>\n&#8211; Unfallversicherung speziell f\u00fcr Praktika mit Laborarbeit oder externer Probennahme sehr, sehr ratsam<\/p>\n<p><strong>Formalit\u00e4ten vor Ort<\/strong><\/p>\n<p><em>Telefon-\/Internetanschluss<\/em><br \/>\n&#8211; WLAN war bereits in Miete inkludiert, daher keine Erfahrung<br \/>\n&#8211; europ\u00e4ische Anbieter wie z.B. Vodafone funktionieren ausgezeichnet<br \/>\n&#8211; konnte mit meiner heimischen Simkarte alles allt\u00e4gliche machen und musste keine Extrakosten zahlen<\/p>\n<p><strong>Alltag\/Freizeit<\/strong><\/p>\n<p><em>Ausgehm\u00f6glichkeiten<\/em><br \/>\n&#8211; gro\u00dfe Empfehlung: Festinar \u2013 Bar\/ Restaurant in Canyamelar\/ Cabanyal, sehr gute Preise, sehr freundliches, linkes Umfeld, viele vegane und vegetarische Angebote<br \/>\n&#8211; ansonsten: Benimaclet \u2013 sehr studentischer Stadtteil, aber auch im Allgemeinen viele Bars mit bezahlbaren Preisen \u00fcberall im Rest der Stadt<br \/>\n&#8211; \u00d6PNV funktioniert sehr gut au\u00dfer am sp\u00e4teren Abend, momentan gibt es noch das kostenlose Ticket \u201eJOVE 30\u201c f\u00fcr Menschen unter 30 Jahren bis mindestens Juni 2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meinem Praktikum im Cavanilles Institut in Valencia zum Thema Grundwasser\u00f6kologie habe ich viele neue Eindr\u00fccke aber auch Fertigkeiten zu verdanken.<\/p>\n","protected":false},"author":3982,"featured_media":804,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[486393],"tags":[1109,309092,1762],"class_list":["post-803","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-praktikum-europa","tag-biologie","tag-forschungspraktikum","tag-spanien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/803","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3982"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=803"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/803\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":806,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/803\/revisions\/806"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/804"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=803"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=803"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=803"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}