{"id":851,"date":"2023-06-19T12:49:32","date_gmt":"2023-06-19T10:49:32","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/?p=851"},"modified":"2024-02-22T12:29:39","modified_gmt":"2024-02-22T11:29:39","slug":"praktikum-bei-einem-radiosender-in-frankreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/2023\/06\/19\/praktikum-bei-einem-radiosender-in-frankreich\/","title":{"rendered":"Praktikum bei einem Radiosender in Frankreich"},"content":{"rendered":"<p>Euradio ist ein kollektiver Radiosender, der in Nantes von Laurence Aubron gegr\u00fcndet wurde. Mittlerweile gibt es Antennen in Toulouse, Rennes, Stra\u00dfburg, Br\u00fcssel, Bordeaux, Lyon, Paris, Lille und ihre Radiosendungen sind auch online verf\u00fcgbar. Sie machen informative Podcasts zu verschiedensten Themen, aber vor allem in Bezug auf europ\u00e4ische Aktualit\u00e4t und Kultur sowie Gesellschaft. Die Journalist:innen f\u00fcllen freie Stellen im Programm mit ihren Reportagen zu verschiedensten Themen. Zus\u00e4tzlich sind sie auch f\u00fcr eigene Sendungen verantwortlich, die w\u00f6chentlich oder monatlich ausgestrahlt werden.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nIn der Redaktion in Nantes sind normalerweise ein:e Journalist:in, ein:e Tontechniker:in und eine Person f\u00fcr die administrativen Angelegenheiten fest angestellt. Der Rest der Redaktion besteht aus Personen aus ganz Europa, die entweder einen europ\u00e4ischen Freiwilligendienst ablegen, franz\u00f6sische Freiwilligen und Praktikant:Innen unterschiedlichster Herkunft, so wie ich. Die Journalist:innen arbeiten unabh\u00e4ngig voneinander an verschiedensten, selbst ausgew\u00e4hlten Themen. Diese m\u00fcssen aktuell sein und der lokal-europ\u00e4ischen Reaktionslinie entsprechen. Diese Themen oder \u201esujets\u201c werden anschlie\u00dfend von den Journalist:innen unabh\u00e4ngig<br \/>\nausgearbeitet. Dieselben werden in der Form von Reportagen in 3-, 5-, oder 10-min\u00fctigem Format in der Sendung von Euradio ausgestrahlt und auf der Website ver\u00f6ffentlicht. Daf\u00fcr werden Interviews mit von den Journalist:innen ausgew\u00e4hlten Akteurinnen oder mit B\u00fcrger:innen oder Passant:innen durchgef\u00fchrt. Entweder werden diese Personen in das Studio<br \/>\neingeladen, oder sie werden an gew\u00fcnschten Orten aufgesucht. Zus\u00e4tzlich werden Interviews durchgef\u00fchrt. Diese werden entweder simultan in der Radiosendung live durchgef\u00fchrt oder aufgenommen und anschlie\u00dfend im Nachhinein ver\u00f6ffentlicht oder weiterverarbeitet. Zudem werden am Radiosender verschiedene w\u00f6chentliche Sendungen zu verschiedensten<br \/>\nThemen ausgestrahlt. Beispielsweise gibt es jede Woche Podcasts zu einem oder einer K\u00fcnstler:in, dem \u201eArtiste europ\u00e9en\u00b7ne de la semaine\u201c, in dem ihr Musikstil, ihr Werdegang und die Geschichte der K\u00fcnstler vorgestellt werden.<\/p>\n<p>Meine Aufgaben in der Redaktion waren einerseits das Vorschlagen und Ausarbeiten von Themen im Einklang mit der lokal-europ\u00e4ischen Reaktionslinie. Au\u00dferdem war ich damit beauftragt, lokale und europ\u00e4ische Informationsquellen und Ressourcen zu identifizieren. Zus\u00e4tzlich z\u00e4hlten zu meinen Aufgaben als Journalistin in der Redaktion in Nantes die<br \/>\nSynthese, Priorisierung und Problematisierung von Informationen. Dazu suchte ich unter anderem auf den Mailinglisten des Radiosenders nach Pressekonferenzen oder anderen Informationsquellen oder Themen. Zudem suchte ich auch in den Ressourcen meiner franz\u00f6sischen Universit\u00e4t und der Freien Universit\u00e4t Berlin nach Informationen sowie lokalen Nachrichten, die ich eventuell in einem Betrag behandeln w\u00fcrde. Zus\u00e4tzlich geh\u00f6rten dazu eine intensive Recherche und das Kontaktieren von franz\u00f6sischen und internationalen Wissenschaftler:innen per Email oder telefonisch. Auch fiel unter meinem Zust\u00e4ndigkeitsbereich die Erstellung von Berichten vor Ort (in Nantes) und in anderen Regionen, beispielsweise in Bretagne. Ich habe unter anderem Reportagen zum Thema Veganismus in Deutschland und in Frankreich realisiert. Auch konnte ich andere lokale Akteure in Nantes beispielsweise zur Praxis des Skatens in Europa interviewen. \u00dcberdies habe ich Reportagen zu aktuellen Kunstausstellungen und kulturellen Veranstaltungen in Nantes ausgearbeitet. Dadurch lerne ich nicht nur die Stadt Nantes sehr gut kennen, sondern konnte auch mit regionalen und internationalen (kultur-) politischen Akteuren zusammenarbeiten. Dazu geh\u00f6rte das Durchf\u00fchren von Interviews mit lokalen und europ\u00e4ischen Pers\u00f6nlichkeiten live im Radio oder online. Da die Podcasts anschlie\u00dfend auf der Website ver\u00f6ffentlicht werden konnten, schrieb ich Artikel in franz\u00f6sischer Sprache f\u00fcr die Website des Radios und wirkte in diesem Rahmen auch an verschiedenen \u00dcbersetzungsarbeiten mit. Da ich die Podcasts selbst ver\u00f6ffentlichte, konnte ich nun auch kommunikationswissenschaftliche F\u00e4higkeiten im Bereich Internetpr\u00e4senz eines lokalen Radiosenders erwerben. Zudem bekamen wir als Praktikant:innen in diesem Rahmen eine kurze Einf\u00fchrung in die legalen Bestimmungen im Bereich Medienrecht und Datenverarbeitung, was sehr hilfreich und lehrreich war.<\/p>\n<p>In Bezug auf meinen weiteren Studienverlauf hat mein Praktikum es mir den Wunsch gegeben, mich weiterzubilden und eventuell einen Studienfachwechsel vorzunehmen. Mir ist n\u00e4mlich aufgefallen, dass einige meiner Kolleg:innen ein politikwissenschaftliches Studium abgeschlossen hatten und dieses ihnen sehr viele F\u00e4higkeiten gegeben hatte, die diesem Beruf von Nutzen sind. Ich konnte mich zwar durch meine interkulturellen sowie meine Sprachf\u00e4higkeiten gut integrieren. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass mich politische Themen umso mehr interessierten und dass mir aber leider die n\u00f6tigen F\u00e4higkeiten\/Kompetenzen fehlten, um diese aufschlussreich zu entschl\u00fcsseln. Die Studienf\u00e4cher, die in meinem Studium vorgesehen waren, stellten sich als hilfreich, aber unter Umst\u00e4nden unzul\u00e4nglich, heraus, was die F\u00e4higkeiten und das Wissen anbelangt, die n\u00f6tig sind, um als Journalistin politische Themen behandeln zu k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich bilde ich mich unaufh\u00f6rlich weiter, aber dennoch keimte immer mehr der Wunsch in mir auf, Seminare im politikwissenschaftlichen Bereich zu belegen oder gar Studienfach zu wechseln, um meinen Wissensdurst in dieser Richtung zu stillen. Dies stellte mich vor einigen Herausforderungen, denn mir fehlte manches Wissen und manche F\u00e4higkeiten. Also arbeitete ich einige Wochen lang unter einem gewissen Stress, was anspruchsvoll war. Durch mein Praktikum konnte ich einen Einblick in den Alltag als Journalistin oder<br \/>\nPodcasterin erlangen. Ich sah, dass der Alltag durch stressig, aber sehr divers und abwechslungsreich ist. Das Praktikum war auf jeden Fall \u00e4u\u00dferst intensiv und anspruchsvoll. Mein Praktikum hat mir definitiv neue Perspektiven er\u00f6ffnet, da ich noch keine Erfahrung im Radiojournalismus hatte und diese Laufbahn noch nie direkt f\u00fcr mich in Betracht gezogen hatte. Jetzt habe ich einen realen Einblick in das Leben als Journalistin erhalten und kann mir diesen Beruf auch sehr gut vorstellen. Die praktischen Erfahrungen, die ich Praktikum machen konnte,<br \/>\nwie zum Beispiel das F\u00fchren von Interviews mit einem tragbaren Aufnahmeger\u00e4t in unterschiedlichen Kontexten und Umgebungen haben mir wertvolle F\u00e4higkeiten gegeben. Sie haben es mir zudem erm\u00f6glicht, ein reales Bild von den Arbeitsbedingungen als Journalistin zu bekommen. Zudem hat mir der Kontakt zu meinen Kolleginnen sehr viele aufschlussreiche Informationen gegeben, da alle eine verschiedene professionelle Laufbahn haben und auch unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Ich habe heute ein sehr viel realistisches Bild von<br \/>\nder Arbeit als Journalistin, es ist mit sehr viel Stress verbunden. Dennoch habe ich die Arbeitsbedingungen sehr genossen. Wir Praktikant:innen waren sehr frei in unserer Themenwahl und hatten dadurch auch relativ flexible Arbeitszeiten. Diese Flexibilit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit w\u00fcrde ich gerne in meinem sp\u00e4teren Beruf bewahren k\u00f6nnen. Ein negativer Aspekt des Praktikums war die Betreuungssituation. Unsere Betreuungsperson verlie\u00df n\u00e4mlich ihren Posten und so waren wir Praktikant:innen auf die Hilfe unserer Kollegen oder uns selbst angewiesen. Dies war einerseits sehr lehrreich und ich habe auch gro\u00dfe Fortschritte gemacht, was meine Autonomie im Arbeitsfeld angeht. Dennoch habe ich den Eindruck, dass ich sehr viel mehr Fortschritte h\u00e4tte machen k\u00f6nnen, h\u00e4tten wir eine designierte Person gehabt, an die wir uns bei Fragen direkt h\u00e4tten wenden k\u00f6nnen. W\u00e4hrend des Praktikums konnte ich dennoch enge Kontakte zu meinen Kolleg:innen kn\u00fcpfen, die auch noch bestehen. Da das ganze Team vergleichsweise gleichen Alters war, hatten wir auch sehr pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che und konnten uns auf einer Ebene miteinander austauschen.<br \/>\nAuch zwischen unserer Chefin, Laurence Aubron und anderen Mitarbeiter:innen gab es nur einen kleinen Unterschied und sie gab sich auch sehr M\u00fche uns Praktikant:innen zu unterst\u00fctzen und ein angenehmes positives Arbeitsumfeld zu schaffen. Dieses ist mir sehr positiv in Erinnerung geblieben.<\/p>\n<p>Insgesamt habe ich sehr viel gelernt. Ich habe an Unabh\u00e4ngigkeit im professionellen Bereich gewonnen. Meine Sprachkenntnisse haben sich signifikant verbessert, ich habe gelernt Interviews zu f\u00fchren, diese zu bearbeiten, mit einem Bearbeitungsprogramm umzugehen, ein Aufnahmeger\u00e4t zu bedienen sowie Aufnahmeapplikationen wie Cleanfeed zu benutzen. Zudem lernte ich, eigene Texte f\u00fcr das Radio zu schreiben und diese in einer Kabine einzusprechen und aufzunehmen. Au\u00dferdem bekam ich eine Einf\u00fchrung in die technischen Feinheiten, dies ich hinter der Arbeit am Radio verstecken. Zudem konnte ich eine andere Kultur und eine neue Stadt in Frankreich kennenlernen. Ich habe zwar schon in Paris und Stra\u00dfburg gelebt, aber noch nie im Westen des Landes. Es war \u00e4u\u00dferst lehrreich in einer geschichtstr\u00e4chtigen Stadt zu sein und auch an regionalpolitischen Auseinandersetzungen teilhaben zu k\u00f6nnen. Allgemein konnte ich dadurch, insbesondere auch durch meine Wohngemeinschaft mit einer Person in Nantes, mein Kulturwissen stark ausbauen und erweitern.<\/p>\n<p>Dennoch muss ich hier anmerken, dass sich die Wohnungssuche f\u00fcr meine Kommilitonin als sehr schwierig herausgestellt hat. Vielleicht w\u00e4re es irgendwann m\u00f6glich, vonseiten der Universit\u00e4t eventuell Hilfestellungen in diese Richtung anzubieten. Ich danke vor allem meinen Kolleg:innen f\u00fcr die Geduld, die sie vor allem am Anfang mit mir hatten und welche mich im Laufe meines Praktikums immer unterst\u00fctzt haben. Diese haben ma\u00dfgeblich zu dem ausgesprochen angenehmen, fr\u00f6hlichen und inklusiven Arbeitsumfeld beigetragen. Zus\u00e4tzlich m\u00f6chte ich mich noch bei Laurence Aubron bedanken, die es mir als Direktorin von Euradio trotz mangelnder Erfahrung im journalistischen Bereich erm\u00f6glicht hat, wertvolle Erfahrungen zu sammeln und in einer internationalen, europ\u00e4ischen Radioredaktion t\u00e4tig zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Euradio ist ein kollektiver Radiosender, der in Nantes von Laurence Aubron gegr\u00fcndet wurde. 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