{"id":969,"date":"2023-10-24T13:11:52","date_gmt":"2023-10-24T11:11:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/?p=969"},"modified":"2024-02-22T12:40:38","modified_gmt":"2024-02-22T11:40:38","slug":"praktikum-im-krankenhaus-in-bologna","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/auslandspraktikum\/2023\/10\/24\/praktikum-im-krankenhaus-in-bologna\/","title":{"rendered":"Praktikum im Krankenhaus in Bologna"},"content":{"rendered":"<p>Bologna ist eine wahnsinnig junge Stadt, ganz besonders f\u00fcr italienische Verh\u00e4ltnisse. Das merkt man sofort nach der Ankunft. Ich hatte das Gl\u00fcck ein g\u00fcnstiges Zimmer in der Altstadt zu finden und ganz egal zu welcher Uhr- oder Jahreszeit man das Haus verl\u00e4sst, in den Stra\u00dfen ist echt immer etwas los und der Studierendenanteil ist enorm. Auch deswegen gilt Bologna als politisch sehr links, erneut besonders f\u00fcr italienische Standards. Man ist in Mode und Lebensstil sehr frei und l\u00e4sst sich von Konventionen nichts vorschreiben, auch das hat mich sofort angesprochen.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Ich musste eine Woche vor Praktikumsbeginn in Bologna sein und im Nachhinein bin ich sehr froh dar\u00fcber. Vieles versteht sich denke ich von selbst: wundersch\u00f6ne Stadt mit einer vergleichsweise sehr gro\u00dfen Altstadt (weil wohl mal die drittgr\u00f6\u00dfte Stadt der Welt) mit unz\u00e4hligen Sehensw\u00fcrdigkeiten, toller Architektur und fantastischem Essen. Vor allem wenn es auch mal Fleisch sein darf, das ist auf jeden Fall ein gro\u00dfer Unterschied zu Berlin. Aber mittlerweile findet man auch als Vegetarier gro\u00dfartige und einfallsreiche Gerichte, besonders wenn man abseits von touristischen osterie ein wenig die Seitenstra\u00dfen erkundet. Beim Essen gehen sind die Preise vergleichbar mit Berlin, vielleicht etwas g\u00fcnstiger. Superm\u00e4rkte hingegen kosten ausnahmslos mehr als in der Heimat, das Wohnen ist leider in beiden St\u00e4dten mittlerweile sehr teuer, viele Studierende r\u00fccken deswegen in Doppelzimmern zusammen, ein Gedanke, mit dem ich mich wohl nie anfreunden werde k\u00f6nnen. Das Praktikum war gut organisiert, sowohl von der dortigen Universit\u00e4t als auch des deutlich wichtigeren Krankenhauses. Ich war sofort Teil der einheimischen Gruppe von Praktikantinnen und Praktikanten, davon gab es vor allem in den ersten Monaten (M\u00e4rz, April) jede Menge. Italienische Praktika sind aber grunds\u00e4tzlich deutlich anders aufgebaut und ausnahmslos viel k\u00fcrzer. Die l\u00e4ngsten Praktika im letzten Studienjahr gehen da gerade einmal vier Wochen. Auch deshalb und bestimmt auch durch die insgesamt gro\u00dfe Anzahl an Praktikantinnen und Praktikanten wird sich nicht wirklich bem\u00fcht, diese richtig einzuarbeiten, man hat keine selbstst\u00e4ndigen Aufgaben und wird die meiste Zeit angehalten, einfach beim normalen Krankenhausablauf zuzuschauen. Dabei wurde ich stets sehr freundlich behandelt, Fragen wurden stets geduldig beantwortet, aber teilweise f\u00fchlt man sich dann doch etwas eingeschr\u00e4nkt in seinem Lernzuwachs durch die fehlende Praxis. Ein Praktikum in der Allgemeinchirurgie kommt mit dem Vorteil, dass man t\u00e4glich w\u00e4hlen kann, auf welchen Bereich man gehen will. Zur Auswahl standen Bettenstation (mit Verbandswechsel als praktischem Highlight, bei dem man auch mal Hand anlegen und nach einiger Zeit auch Drainagen und N\u00e4hte entfernen durfte), Ambulanz, medizinische Aufnahme mit detailliertem Anamnesegespr\u00e4ch, Endoskopie mit einem sehr herzlichen leitenden Professor und die OP-S\u00e4le. Auch in den oft ber\u00fcchtigten OPs war der Umgang mit mir stets ausgesprochen freundlich und hilfsbereit, angep\u00f6belt wurde ich in den 16 Wochen kein einziges Mal. Im OP gilt erneut: kein Mensch ben\u00f6tigt dich dort, aber du bist immer eingeladen, dir das anzukucken, dass dich am meisten interessiert. Das chirurgische OP-Team bestand meist aus Operateurin oder Operateur und 3 Assistenz\u00e4rztinnen oder -\u00e4rzten in verschiedenen Jahren der Facharztausbildung. Dabei hat meist der oder die J\u00fcngste schon kaum etwas zu tun, weshalb man sich als Studierende oder Studierender eigentlich nur steril macht und an den Tisch geht, wenn man die Leute etwas kennengelernt hat und selbst nachfragt. In den Formalien war das Praktikum recht frei, Start war grunds\u00e4tzlich um 8:30 Uhr und oft war man um 13 Uhr auch schon wieder fertig, Mittagessen musste man bei Bedarf selbst bezahlen oder man wurde von den \u00c4rztinnen und \u00c4rzten eingeladen. Je nach Pr\u00e4ferenz und OP konnte man aber auch am Nachmittag bleiben oder auch nur f\u00fcr den Nachmittag ins Krankenhaus kommen, sich einen Tag freizunehmen war nie ein Problem, das Praktikum wird viel mehr als Angebot als Pflicht gesehen. Trotz der beschr\u00e4nkten Hilfe, die man dem \u00e4rztlichen Team sein kann, sind die eigentlich f\u00fcr die kleinsten Gesten schon sehr dankbar gewesen und man wird als Teil des Teams wertgesch\u00e4tzt. Auch bei der Sprache geben sich die Italienerinnen und Italiener mit wenig zufrieden und man wird oft f\u00fcr die einfachsten Floskeln schon \u00fcberschw\u00e4nglich gelobt, andererseits ist der Klinikalltag ausschlie\u00dflich in der prim\u00e4ren Landessprache und vor allem wenn nicht direkt zu einem gesprochen wird, ist ein hohes Sprachniveau meiner Meinung nach essenziell, um den \u00dcberblick nicht zu verlieren. Das verst\u00e4rkt sich durch den Fakt, dass das Uniklinikum in Bologna im Fr\u00fchjahr 2023 Masken noch sehr viel ernster genommen hat als alle deutschen H\u00e4user, die ich zu \u00e4hnlicher Zeit gesehen habe. Mein Italienisch war zu Beginn des Praktikums auf B2 w\u00fcrde ich sch\u00e4tzen, das hat auf jeden Fall ausgereicht, aber auf jeden Fall versteht man damit noch nicht jedes Gemurmel unter Masken oder jede ironische Bemerkung am OP-Tisch. Ich hatte tolle Monate in Bologna (\u201cla dotta, la rossa e la grassa\u201d \u2013 was soviel bedeutet wie: \u201edie Gebildete (viele F\u00e4cher mit unz\u00e4hligen Studierenden an der \u00e4ltesten Universit\u00e4t der Welt), die Rote (wegen der roten D\u00e4cher und H\u00e4user) und die Fette (was auf die Reichhaltigkeit der regionalen K\u00fcche anspielt)\u201c. Ich habe massenhaft neue Leute kennengelernt, sowohl Internationals als auch Einheimische bzw. Italienerinnen und Italiener aus allen Regionen des Landes. Nicht nur in Bologna, sondern auch in den St\u00e4dten ringsherum die dank toller und vor allem sehr preiswerter Zuganbindungen einfach zu erreichen sind, gibt es jede Menge zu entdecken und zu sehen. Die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt waren f\u00fcr mich wahrscheinlich wirklich das Highlight, was in Anbetracht der zahlreichen weiteren Vorz\u00fcge dieser Stadt echt eines hei\u00dfen will. Es tut mir leid wegen des Klischees, aber f\u00fcr mich war Bologna tats\u00e4chlich la dolce vita.<\/p>\n<p><strong>Tipps f\u00fcr andere Praktikant:innen<\/strong><\/p>\n<p><em>Vorbereitung<\/em><br \/>\nGutes Italienisch ist essenziell, um im schnellen Krankenhausalltag auch mitzukommen, mindestens B2 meiner Meinung nach<\/p>\n<p><em>Praktikumssuche<\/em><br \/>\nEmail direkt an den zust\u00e4ndigen Primario und anschlie\u00dfend Abstimmung mit dem Erasmus-B\u00fcro der Universit\u00e0 di Bologna<\/p>\n<p><em>Wohnungssuche<\/em><br \/>\nIn Bologna schwierig und oft sehr kurzfristig, meistens noch \u00fcber Facebook<\/p>\n<p><em>Sonstiges<\/em><br \/>\nAnreise sehr gut mittels Zug m\u00f6glich, vielen Dank f\u00fcr das Erasmus-Programm f\u00fcr den zus\u00e4tzlichen Ansporn durch die Unterst\u00fctzung von green travelling \u2013 gute Idee!<\/p>\n<p><strong>Alltag\/Freizeit<\/strong><\/p>\n<p><em>Ausgehm\u00f6glichkeiten<\/em><br \/>\nKlassisches italienisches Studentenleben, abends ist man einfach drau\u00dfen in den Stra\u00dfen und zahlreichen Bars der Altstadt, wundersch\u00f6ne Stimmung, billiger Aperol Spritz und bei Bedarf auch noch schnell eine Pizza. Die meisten richtigen Clubs befinden sich au\u00dferhalb der Stadt und sind ohne Auto leider nur schwer zu erreichen, wenn man eine Mitfahrgelegenheit findet, w\u00fcrde ich es auf jeden Fall empfehlen, ansonsten verpasst man nichts Essenzielles. Ausnahme ist das Casser\u00f2, ein queer-freundlicher Club an der Grenze der Altstadt, sehr beliebt, sch\u00f6ne location, meist Popmusik, sollte man meiner Meinung nach schon mal gesehen haben. Nachteil bei allen Clubs in Bologna: Man braucht meistens eine sogenannte tessera, also eine Mitgliedskarte, die kostenpflichtig und dann meist ein Jahr g\u00fcltig ist. Hat man die einmal, ist der Eintritt meist sehr g\u00fcnstig, nur f\u00fcr kurze Zeitr\u00e4ume lohnt sich das dann oft nur bedingt.<\/p>\n<p><em>Sonstiges<\/em><br \/>\nTolles Essen, tolle Parks und G\u00e4rten (besonders zu empfehlen i giardini e le serre, aber auch Ziele etwas au\u00dferhalb der Stadt in den ersten Ausl\u00e4ufern der Dolomiten sind immer einen Ausflug wert, beispielsweise villa spada, i trecento scalini oder San Luca<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bologna ist eine wahnsinnig junge Stadt, ganz besonders f\u00fcr italienische Verh\u00e4ltnisse. Das merkt man sofort nach der Ankunft. 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