{"id":1088,"date":"2018-07-12T18:00:54","date_gmt":"2018-07-12T16:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/?p=1088"},"modified":"2018-07-09T14:34:22","modified_gmt":"2018-07-09T12:34:22","slug":"pannenprojekt-ber-doch-warum-eigentlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/2018\/07\/12\/pannenprojekt-ber-doch-warum-eigentlich\/","title":{"rendered":"\u201ePannenprojekt BER\u201d &#8211; Doch warum eigentlich?"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen des Moduls \u201eProjektmanagement\u201c haben wir uns in den letzten Wochen mit dem Projekt Gro\u00dfstadtflughafen BER besch\u00e4ftigt. Unsere Arbeit orientierte sich dabei an dem \u00fcbergeordneten Ziel, Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Einfluss von Stakeholdern zu entwickeln und anschlie\u00dfend zu beurteilen, wie diese beispielsweise den Verlauf von Projekten pr\u00e4gen k\u00f6nnen. Wir haben uns dabei auf die Interessengruppe der politischen Parteien B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen und der Piratenpartei Deutschland spezifiziert.<\/p>\n<p>Hierzu haben wir zu Beginn Arbeitshypothesen aufgestellt und diese im Folgenden durch intensive Recherche und Befragungen von Experten untersucht, um den Wahrheitsgehalt zu best\u00e4tigen oder sie zu verwerfen. Der Frage, welche Gr\u00fcnde aus ihrer Sicht f\u00fcr das Scheitern des Projekts ma\u00dfgeblich waren, sind wir im Interview mit Harald Moritz (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen) und Martin Delius (ehemaliger Politiker der Piratenpartei Deutschland, heute Mitglied der Partei Die Linke) n\u00e4her auf den Grund gegangen. Kosten- und Termin\u00fcberschreitungen, die Ignoranz von Anforderungs\u00e4nderungen, die Deklarierung als eigenes Prestigeprojekt seitens einiger Politiker&#8230; &#8211; die Liste, der dabei zur Sprache gekommenen Problemen und Fehler, lie\u00dfe sich unendlich fortf\u00fchren.<!--more--><\/p>\n<p>Die f\u00fcr uns zu Beginn ausschlaggebende Vermutung f\u00fcr den nicht planm\u00e4\u00dfigen Fortlauf des Projekts, bezog sich vor allem auf <strong>fehlende Kompetenz<\/strong> und <strong>Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung<\/strong> der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg. Dies wurde sowohl von Harald Moritz, als auch durch die \u00c4u\u00dferungen von Martin Delius best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>\u201eSie gehen immer diesen risikobehafteten Weg.\u201c &#8211; Harald Moritz betonte, dass langfristige Fortschritte eine Ver\u00e4nderung der organisationalen Struktur und einen verantwortungsbewussten Umgang mit Risiko erfordern. Auch Delius stellte fest, dass es sich hierbei um \u201cnicht verantwortliches Projektmanagement\u201d handelt, denn man habe schlichtweg \u201ckeinen \u00dcberblick \u00fcber das Projekt\u201d.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Weiterhin besch\u00e4ftigten wir uns mit dem Untersuchungsausschuss zur Kl\u00e4rung der Kosten- und Termin\u00fcberschreitungen beim Bau des BER. Hier vermuteten wir Anfangs, dass dieser aufgrund <strong>mangelnder Weisungsbefugnis<\/strong> langfristig gesehen <strong>ohne Ergebnis<\/strong> blieb.<\/p>\n<p>Im Laufe der Gespr\u00e4che stellte sich allerdings heraus, dass wir von den Aufgaben und der Perspektive des Untersuchungsausschusses andere Vorstellungen hatten, als die, die tats\u00e4chlich zutreffend sind. Es ist demnach nicht die Aufgabe eines Untersuchungsausschusses, Fehler baulich-technischer Art zu l\u00f6sen. Tats\u00e4chlich versucht man ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die genauen Vorg\u00e4nge und Prozesse zu schaffen.<\/p>\n<p>Harald Moritz erl\u00e4uterte, dass der Untersuchungsausschuss \u201cviele Dinge ans Licht brachte\u201d. Auch Martin Delius, welcher derzeit Vorsitzender des Untersuchungsausschusses war, st\u00fctzte sich darauf, dass dieser seine Hauptaufgabe &#8211; die Aufdeckung von Informationen &#8211; durchaus erf\u00fcllt hat. Mit anderen Worten: unsere Hypothese hat sich aufgrund fehlerhafter Grundannahmen nicht best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Letztendlich sch\u00fcrten die<strong> st\u00e4ndigen Personalwechsel <\/strong>und<strong> Anforderungs\u00e4nderungen <\/strong>w\u00e4hrend des Bauprozesses, das Problem der Termin- und Kosten\u00fcberschreitung &#8211; soweit unsere Hypothese. Diese konnte wiederum durch die Statements unserer beiden Experten belegt werden. Es herrschte demnach Verantwortungslosigkeit auf allen Ebenen, oder wie Harald Moritz es schilderte: \u201cJeder schiebt sich den schwarzen Peter zu\u201d. Martin Delius ist dar\u00fcber hinaus der Meinung, dass die logische Konsequenz ein Baustopp gewesen w\u00e4re, welcher die \u00dcberpr\u00fcfung und Analyse des ganzen Projekts nach sich gezogen h\u00e4tte, um dieses im Hinblick auf den weiteren Verlauf zu hinterfragen. \u201cParalleles Planen und Bauen\u201d [&#8230;], der gr\u00f6\u00dfte Unsinn, den ich je geh\u00f6rt habe\u201d, \u00e4u\u00dfert sich Delius. Scheint so, also w\u00e4re das doch nicht die erfolgversprechendste Strategie, um den Flughafen so fr\u00fch wie m\u00f6glich zu er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend k\u00f6nnen wir also festhalten, dass auch politische Parteien in gewisser Weise die Rolle von Stakeholdern einnehmen und damit Einfluss auf Gro\u00dfprojekte wie den BER haben. Dabei bezieht sich dieser jedoch eher auf eine informative und aufkl\u00e4rende Ebene, wie in diesem Fall beispielsweise durch den Untersuchungsausschuss.<\/p>\n<p>F\u00fcr mehr Informationen zu unseren weiteren \u00dcberlegungen sowie den Interviews, schaut gerne bei unseren vorherigen Blog-Beitr\u00e4gen vorbei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<details>\n<summary> <b>\u201eErfolgsgeschichte BER\u201c \u2013 oder auch: warum der Hauptstadtflughafen immer noch nicht fertiggestellt ist<\/b> <\/summary>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/2018\/06\/05\/erfolgsgeschichte-ber-oder-auch-warum-der-hauptstadtflughafen-immer-noch-nicht-fertiggestellt-ist\/\">https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/2018\/06\/05\/erfolgsgeschichte-ber-oder-auch-warum-der-hauptstadtflughafen-immer-noch-nicht-fertiggestellt-ist\/<\/a><\/p>\n<\/details>\n<details>\n<summary><b>Wer ein Problem benennt, wird selber zum Problem \u2013 oder auch: warum der schwarze Peter immer noch niemandem erfolgreich zugeschoben werden konnte<\/b> <\/summary>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/2018\/06\/19\/wer-ein-problem-benennt-wird-selber-zum-problem-oder-auch-warum-der-schwarze-peter-immer-noch-niemanden-erfolgreich-zugeschoben-werden-konnte\/\">https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/2018\/06\/19\/wer-ein-problem-benennt-wird-selber-zum-problem-oder-auch-warum-der-schwarze-peter-immer-noch-niemanden-erfolgreich-zugeschoben-werden-konnte\/<\/a><\/p>\n<\/details>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen des Moduls \u201eProjektmanagement\u201c haben wir uns in den letzten Wochen mit dem Projekt Gro\u00dfstadtflughafen BER besch\u00e4ftigt. 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