{"id":1142,"date":"2019-06-15T12:00:00","date_gmt":"2019-06-15T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/?p=1142"},"modified":"2019-06-15T22:40:54","modified_gmt":"2019-06-15T20:40:54","slug":"das-tempelhofer-feld-bauland-in-sicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/2019\/06\/15\/das-tempelhofer-feld-bauland-in-sicht\/","title":{"rendered":"Das Tempelhofer Feld \u2013 Bauland in Sicht!?"},"content":{"rendered":"<p>Berlin und seine Flugh\u00e4fen: Ein \u00e4u\u00dferst sensibles Thema. Doch diesmal soll es zur Abwechslung nicht um den pannenbehafteten BER oder den vollkommen \u00fcberlasteten TXL gehen, sondern um den Tempelhofer Flughafen. Seit der Schlie\u00dfung des Flughafens Ende 2008 haben die Berliner B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger \u2013 ganz nach hiesiger Manier \u2013 \u00a0das Tempelhofer Feld f\u00fcr sich eingenommen und nutzen es nun f\u00fcr den typischen Berliner Lifestyle. Das war nicht immer so geplant. Bereits in den 1990er Jahren wurde mit einem ersten Fl\u00e4chennutzungsplan \u00fcberlegt, das Feld f\u00fcr Gewerbe und Wohnungsbau zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>\u00c4u\u00dferst laut und mit <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/tempelhof-volksentscheid-berliner-stimmen-gegen-bebauung-a-971608.html\">deutlicher Mehrheit<\/a> stimmten Berlinerinnen und Berliner vor ziemlich genau f\u00fcnf Jahren gegen eine Bebauung und damit f\u00fcr den Erhalt und Schutz des Feldes mit all seinen wahrgenommenen Funktionen als historisch und \u00f6kologisch bedeutsamer Ort. Das <a href=\"https:\/\/www.thf100.de\/tl_files\/thf100\/download\/gesetz\/THFG_Gesetz-_und_Verordnungsblatt_15-14-s189-s196.pdf\">ThF-Gesetz<\/a> wurde verabschiedet und so geriet auch das Thema Bebauung in Vergessenheit.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Berlin w\u00e4chst unabl\u00e4ssig. <a href=\"https:\/\/www.statistik-berlin-brandenburg.de\/pms\/2018\/18-01-11.pdf\">Jedes Jahr ziehen Sch\u00e4tzungen zufolge etwa 50.000 Menschen in die Hauptstadt<\/a>. Wohnraum wird immer knapper, Mieten immer teurer. Der Immobilienmarkt kocht. Und pl\u00f6tzlich taucht in den Medien ganz leise der Gedanke auf, Teile des Tempelhofer Feldes k\u00f6nnten genutzt werden, um den Berliner Wohnungsmarkt zu entspannen. Nachdem Bebauungspl\u00e4ne im Jahr 2014 so grandios scheiterten, ist es an der Zeit aus vergangenen Fehlern zu lernen. Was m\u00fcsste diesmal anders gemacht werden, um auf mehr R\u00fcckhalt innerhalb der Bev\u00f6lkerung zu sto\u00dfen?<\/p>\n<p>War der Volksentscheid damals tats\u00e4chlich eine Entscheidung gegen Wohnungsbau? Oder vielmehr eine zu erwartende Misstrauenserkl\u00e4rung gegen\u00fcber dem Senat? Hauptproblem war wohl das gro\u00dfe Mysterium um die Zukunft des Feldes. B\u00fcrgerInnen wurden nicht gen\u00fcgend involviert, Ziele waren schwammig formuliert, Pl\u00e4ne wirkten nicht deutlich genug. Das zog sich nicht nur durch die Bebauungspl\u00e4ne, den besagten \u201eMasterplan\u201c, sondern generell durch die gesamte Handhabung der Berliner Verwaltungsorgane mit dem Feld. Sollte das Tempelhofer Feld nun ein Park sein, so wie es die aufgestellten Schilder bekundeten, oder doch Baugel\u00e4nde, wie es die beauftragten Bebauungsstudien vermuten lie\u00dfen? Und dann auch noch das Konzept f\u00fcr die neue Zentrale Landesbibliothek, von dem viele bef\u00fcrchteten, dass es mal wieder ein Fass ohne Boden werden w\u00fcrde, bedingt durch Kostenhochrechnungen und Erfahrungen mit sich verz\u00f6gernden Gro\u00dfprojekten, wie beispielsweise der BER.<\/p>\n<p>Diese Unsicherheit trug sicherlich in hohem Ma\u00dfe zu dem schlussendlichen Ausgang des Volksentscheids bei. Lektion Nummer eins lautet somit: Das Volk MUSS eingebunden werden. Als eine der wichtigsten Stakeholdergruppen ist der Erfolg dieses Projekts abh\u00e4ngig von der Partizipation der B\u00fcrger. <a href=\"https:\/\/research.vu.nl\/en\/publications\/rebalancing-the-disturbance-schock-absorbing-platforms-in-urban-m\">Mithilfe verschiedener Plattformen kann durch Transparenz und Teilhabe gr\u00f6\u00dfere Akzeptanz geschaffen werden<\/a>.\u00a0Bei der letzten Planung wurde dies eindeutig vers\u00e4umt.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst gilt es zu kl\u00e4ren, wie man die Potentiale, die das Tempelhofer Feld bietet, optimal aussch\u00f6pfen kann. Eine Komplettbebauung k\u00e4me wohl kaum in Frage. F\u00fcr Berlin, insbesondere die Innenstadt, ist diese gro\u00dfe unbebaute Fl\u00e4che allein rein \u00f6kologisch betrachtet von unsch\u00e4tzbarem Wert. Und wie steht es um die Nutzung bestehender Geb\u00e4ude? Der denkmalgesch\u00fctzte Flughafenkomplex ist eher f\u00fcr Gewerbe geeignet, das Wohnungsproblem w\u00e4re damit in keiner Weise entsch\u00e4rft. Eine Randbebauung, wie sie vor einigen Jahren bereits geplant war, scheint somit noch der beste Kompromiss zu sein; Wohnbauten hinter Gewerbe. In einem Gespr\u00e4ch mit einem Experten, der involvierten Wohnungsbaugesellschaften beratend zur Seite stand, fiel zudem der Vorschlag, man k\u00f6nne die Oderstra\u00dfe als Wohngebiet nutzen. Pl\u00e4ne dazu gab es bereits einmal, mit dem Volksentscheid mussten diese jedoch wieder verworfen werden.<\/p>\n<p>Randbebauung also. Aber was bedeutet das? W\u00fcrde man den ganzen Prozess wieder aufrollen, B\u00fcrger befragen, St\u00e4dteplaner und Architekten mit Entw\u00fcrfen beauftragen, alle Stakeholder an einen Tisch setzen und gemeinsam eine L\u00f6sung erarbeiten, die wertstiftend f\u00fcr das Gemeinwohl scheint; wann k\u00f6nnten wir dann fr\u00fchestens mit bezugsfertigen Wohnungen rechnen? In zehn Jahren. Definitiv keine schnelle M\u00f6glichkeit der Entsch\u00e4rfung.<\/p>\n<p>Und dennoch, Berlin wird weiterhin wachsen und Menschen aus aller Welt in ihren Bann ziehen. Bezahlbarer Wohnraum in der Stadt wird auch in zehn Jahren dringend ben\u00f6tigt werden. Das Tempelhofer Feld k\u00f6nnte eines von vielen Projekten sein, das zur Entsch\u00e4rfung der Wohnungsnot beitr\u00e4gt. Notwendig w\u00e4re daf\u00fcr jedoch, abgesehen von einem \u00fcberzeugenden Konzept, eine Gesetzes\u00e4nderung, denn das ThF-Gesetz verbietet jegliche Form der Bebauung. Genau diese Gesetzes\u00e4nderung scheint, zumindest in dieser Legislaturperiode, eine un\u00fcberwindbare H\u00fcrde zu sein.<\/p>\n<p>Unser Fazit: Wir sehen durchaus Hoffnung, dass es einmal zu Wohnraum auf dem Tempelhofer Feld kommen kann. Daf\u00fcr w\u00e4ren allerdings gro\u00dfe Schritte notwendig, mit denen in n\u00e4chster Zeit nicht zu rechnen ist. Sollte es doch noch einmal zu der M\u00f6glichkeit kommen, Teile des Feldes zu bebauen, so wird der Erfolg wieder ganz ma\u00dfgeblich vom Willen der Bev\u00f6lkerung abh\u00e4ngen, so dass gilt: Das Volk muss \u00fcberzeugt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Bildquelle:\u00a0https:\/\/unsplash.com\/photos\/cOUKgY3QRb0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin und seine Flugh\u00e4fen: Ein \u00e4u\u00dferst sensibles Thema. Doch diesmal soll es zur Abwechslung nicht um den pannenbehafteten BER oder den vollkommen \u00fcberlasteten TXL gehen, sondern um den Tempelhofer Flughafen. 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