{"id":1218,"date":"2019-06-29T12:46:57","date_gmt":"2019-06-29T10:46:57","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/?p=1218"},"modified":"2019-06-23T17:00:31","modified_gmt":"2019-06-23T15:00:31","slug":"jubilaeum-fuenf-jahre-thf-gesetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/2019\/06\/29\/jubilaeum-fuenf-jahre-thf-gesetz\/","title":{"rendered":"Jubil\u00e4um: F\u00fcnf Jahre ThF &#8211; Gesetz"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>5 Jahre, so lange ist nun schon der Volksentscheid zum Tempelhofer Feld (ThF) her. Anl\u00e4sslich dieses Jubil\u00e4ums veranstaltete die B\u00fcrgerinitiative &#8222;100% Tempelhofer Feld&#8220; ein Fest am 25. Mai 2019 auf &#8211; was k\u00f6nnte man anderes erwarten &#8211; dem Tempelhofer Feld. Das lebhafte und ausgelassene Fest bot ein vielf\u00e4ltiges Programm, das von Musikbeitr\u00e4gen und gemeinsamem Tanz bis hin zu Workshops, grillen und einer Radtour reichte. Wir waren mittendrin, um zu verstehen, was die B\u00fcrger damals bewegte, eine von rund <a href=\"https:\/\/www.wahlen-berlin.de\/Abstimmungen\/VE2014_TFeld\/ErgebnisUeberblick.asp?sel1=6053&amp;sel2=0797\">740.000 Stimmen<\/a> gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes abzugeben, und ob sie noch immer mit derselben \u00dcberzeugung hinter ihrer damaligen Entscheidung stehen.<\/p>\n<p>Die Initiative \u201c100% Tempelhofer Feld\u201d <span style=\"font-weight: 400\">engagierte sich f\u00fcr den Erhalt des gesamten 380 Hektar gro\u00dfen Areals, aufgrund seiner <a href=\"https:\/\/www.wahlen-berlin.de\/abstimmungen\/VB2013_TFeld\/Traegerin_und_Wortlaut.pdf\">Leistungs- und Funktionsf\u00e4higkeit im Naturhaushalt, der Eigenart und Sch\u00f6nheit seiner Landschaft, Erholungsfunktion, kulturhistorischen Bedeutung sowie als Ort des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus<\/a>. Ziel war es, das Tempelhofer Feld als innerst\u00e4dtischen Freiraum mit seinen besonderen Eigenschaften und Funktionen dauerhaft zu erhalten, in diesem Sinne weiterzuentwickeln und vor gef\u00e4hrdenden und ver\u00e4ndernden Eingriffen zu sch\u00fctzen. Und was wollen Berlins B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger?<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1223\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2019\/06\/Unknown-1-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2019\/06\/Unknown-1-300x225.jpeg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2019\/06\/Unknown-1-768x576.jpeg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2019\/06\/Unknown-1-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2019\/06\/Unknown-1-1200x900.jpeg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2019\/06\/Unknown-1.jpeg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 85vw, 225px\" \/>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1222\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2019\/06\/Unknown-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2019\/06\/Unknown-300x225.jpeg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2019\/06\/Unknown-768x576.jpeg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2019\/06\/Unknown-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2019\/06\/Unknown-1200x900.jpeg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2019\/06\/Unknown.jpeg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 85vw, 225px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Eine Berlinerin sagt, dass das Feld unbedingt unbebaut bleiben muss, da die Stadt eine gro\u00dfe Freifl\u00e4che dringend n\u00f6tig habe und den B\u00fcrgern so auch etwas Freiraum und Entspannungsm\u00f6glichkeiten in der sonst so erdr\u00fcckenden und dichten Stadt geboten werde. Zudem habe sie die Sorge, dass, wenn erst einmal mit einer (Rand-) Bebauung angefangen werde, weitere Baupl\u00e4ne folgen w\u00fcrden. \u201eIch habe Angst, dass die Randbebauung nur der erste Schritt ist. Danach wird die Gier zu gro\u00df und es wird immer weiter gebaut. Dem Ganzen traue ich einfach nicht.\u201c In unseren Interviews wurde dieser Standpunkt immer wieder deutlich gemacht. Wenn das Tempelhofer Feld erst einmal \u201ekaputt\u201c ist, ist es aus mit der Einzigartigkeit, dem unverstellten Blick in die Ferne und der M\u00f6glichkeit, sich frei entfalten zu k\u00f6nnen. Ein Berliner vergleicht das ThF \u00a0mit New York: \u201eDie Ammis haben den Central Park und wir das ThF \u2013 und so soll es auch bleiben.\u201c <\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1224 alignright\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2019\/06\/THF-Sticker-300x289.jpg\" alt=\"\" width=\"215\" height=\"207\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2019\/06\/THF-Sticker-300x289.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2019\/06\/THF-Sticker.jpg 653w\" sizes=\"auto, (max-width: 215px) 85vw, 215px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><span style=\"font-weight: 400\">Es l\u00e4sst sich beobachten, dass viele der Politik gegen\u00fcber sehr negativ\u00a0gestimmt sind. So merkt ein anderer Berliner an, dass er sich grunds\u00e4tzlich nicht mit Politikern an einen Tisch setze. <\/span><span style=\"font-weight: 400\">\u201eDie sind f\u00fcr mich ein Feindbild. Das Engagement der Parteien beruht vor allem darauf, Stimmen der W\u00e4hler fangen zu wollen.\u201c Dies zeigt, dass die Initiative \u201c100% Tempelhofer Feld\u201d sich selbst losgel\u00f6st von der Politik sieht. Wir begegnen an diesem Tag einigen, die den Politikern kein Vertrauen mehr entgegenbringen k\u00f6nnen und deshalb das Gef\u00fchl haben, selber die Z\u00fcgel in die Hand nehmen zu m\u00fcssen. Die Initiative bietet den Gegnern daher eine Plattform, die f\u00fcr eine starke Einheit steht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Dar\u00fcber hinaus sprachen wir mit einer Abgeordneten von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen Neuk\u00f6lln. Sie wirkte damals mit viel Engagement beim Volksentscheid mit, um die Bebauung des Gel\u00e4ndes zu verhindern und sammelte \u00fcberall Unterschriften. Ihrer Meinung nach gilt das ThF als wichtige Freiluftschneise. Das Feld sorge daf\u00fcr, dass der gesamte Bezirksbereich nicht so hei\u00df sei. Im Gegensatz dazu ist der Alexanderplatz Berlins hei\u00dfester Ort &#8211; bedingt durch die enge Bebauung. Solche Biotope, wie das ThF, mit gr\u00fcnen, unversiegelten Fl\u00e4chen, m\u00fcssen erhalten bleiben. Das ThF ist ein Ort f\u00fcr sozialen Austausch und Freiheit und bietet einen ausgezeichneten Kontrast zum hektischen Stadtleben. Unsere Frage, ob sozialer Wohnungsbau mit niedrigen Mieten auf dem Areal \u00fcberhaupt m\u00f6glich sei, verneint sie. Die aktuellen Baurechte lie\u00dfen keine preiswerten Wohnungen zu. Demnach w\u00e4re die Bebauung mehr als nur eine reine Randbebauung gewesen. Einer erneuten Volksabstimmung steht sie \u00e4u\u00dferst kritisch gegen\u00fcber. Die Bev\u00f6lkerung habe ja bereits entschieden. Sie w\u00fcrde sich dann nicht f\u00fcr \u201evoll genommen\u201c f\u00fchlen, es w\u00e4re regelrecht ein Vertrauensbruch und w\u00fcrde lediglich zu noch mehr Abwendung gegen\u00fcber der Politik f\u00fchren. Das sei sch\u00e4dlich f\u00fcr Politik und Demokratie.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Auch uns kamen noch einige weitere Punkte in den Sinn, die gegen eine (Rand-) Bebauung spr\u00e4chen. All dem \u00fcbergeordnet steht jedoch ein ganz entscheidender Fakt: Das<a href=\"http:\/\/gesetze.berlin.de\/jportal\/portal\/t\/i16\/page\/bsbeprod.psml;jsessionid=2F694A013F085A75F1D7641D6728251C.jp16?pid=Dokumentanzeige&amp;showdoccase=1&amp;js_peid=Trefferliste&amp;fromdoctodoc=yes&amp;doc.id=jlr-ThFGBErahmen&amp;doc.part=X&amp;doc.price=0.0#jlr-ThFGBEpP5\"> ThF-Gesetz. In Paragraph 5 dieses Gesetzes verpflichtet sich das Land Berlin auf die Errichtung von Geb\u00e4uden und Bauwerken zu verzichten<\/a>. Mit einer \u00c4nderung dieses Gesetzes kann in naher Zukunft &#8211; unter Ber\u00fccksichtigung der derzeitigen politischen Lage Berlins &#8211; nicht gerechnet werden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Sollte es doch einmal zu einer Bebauung kommen, so w\u00e4re eine fr\u00fche B\u00fcrgerbeteiligung essentiell. Sobald es Architektenpl\u00e4ne g\u00e4be, m\u00fcssten diese mit den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern geteilt werden und ihnen genau erkl\u00e4rt werden, was gebaut werden soll und welcher Sinn und Zweck dahinter steht. <a href=\"https:\/\/research.vu.nl\/en\/publications\/rebalancing-the-disturbance-schock-absorbing-platforms-in-urban-m\">Am besten w\u00e4re es wohl, wenn sie sogar schon in Planungsschritte involviert w\u00fcrden<\/a>. Eine weitere M\u00f6glichkeit wird darin gesehen, mit \u201eMinischritten\u201c die soziale Infrastruktur zu erweitern (und sozialen Wohnungsbau). Schulen, Kinderg\u00e4rten usw. seien von N\u00f6ten, denn bisher ist das ThF infrastrukturell unerschlossen. \u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Jedoch g\u00e4be es alternativ viele andere Fl\u00e4chen in Berlin zu bebauen. Hier w\u00e4ren zum Beispiel Berlins Kleingartenkolonien zu nennen. Das seien Leute, die die Fl\u00e4che nur f\u00fcr sich privat haben und diese k\u00f6nne man f\u00fcr alle als Bauboden nutzen, merkt ein Berliner auf dem ThF an. Eng verwandt mit diesem Gedanken ist auch das derzeit viel diskutierte Thema \u00a0der <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/2019\/06\/22\/enteignung-inwiefern-eine-loesung-fuer-die-entspannung-des-berliner-mietmarktes\/#more-1165\">Enteignung von Immobiliengesellschaften<\/a>, von dem viele der Feiernden an diesem Tag \u00fcberzeugt sind. Und <\/span><span style=\"font-weight: 400\">weshalb werden nicht zuerst die zahlreichen leerstehende R\u00e4ume und Freifl\u00e4chen genutzt, die infrastrukturell bereits gut<\/span> <span style=\"font-weight: 400\">erschlossen sind? <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Sanierung von verfallenen und maroden Geb\u00e4uden oder deren Abriss mit anschlie\u00dfendem Neubau versiegelt keine weiteren Fl\u00e4chen und k\u00f6nnte gleichzeitig zu einem attraktiveren Stadtbild beitragen. Auch der Berliner Rand sollte st\u00e4rker einbezogen und dort die BVG-Anbindung ausgebaut werden, schlagen zwei junge Wahlberliner vor. \u00a0Am Beispiel von <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/2019\/06\/08\/schoene-neue-immobilienwelt\/#more-1148\">Lidl und Aldi<\/a> sehen wir, dass Flachbauten, die eine gro\u00dfe Fl\u00e4che einnehmen aufgestockt werden k\u00f6nnen und auch sollten. Folglich gibt es zahlreiche M\u00f6glichkeiten mehr Wohnraum zu schaffen, ohne weitere Fl\u00e4chen \u201czubetonieren\u201d zu m\u00fcssen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Wenn eine Bebauung des Feldes f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre und vielleicht sogar Jahrzehnte erst einmal erfolgreich abgewendet zu sein scheint, so fragen wir uns: Was passiert mit dem Tempelhofer Feld? Und nicht nur uns geht es so. Viele Berlinerinnen und Berliner, mit denen wir ins Gespr\u00e4ch kamen, hatten \u00e4hnliche Gedanken wie wir. Wenn auch nicht als Bauland, birgt das ThF trotz alledem enorm viel Potential. Das Areal k\u00f6nnte sehr viel an Sch\u00f6nheit gewinnen, wenn landschaftsarchitektonisch in das Feld investiert werden w\u00fcrde. Die scheinbar \u201cunendliche Weite\u201d des ThF hat zwar etwas nahezu atemberaubendes, aber gleichzeitig schwingt immer ein gewisser Charakter von Ein\u00f6de mit. \u00dcber eine Bepflanzung mit B\u00e4umen und anderem Gr\u00fcn w\u00fcrden sich viele Berlinerinnen und Berlin sicherlich freuen und die Lebensqualit\u00e4t, die man auf dem Feld sp\u00fcrt, k\u00f6nnte durch solch kleine \u00e4sthetische Ma\u00dfnahmen noch weiter gesteigert werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Schlussendlich bleibt festzuhalten, dass immer eine unterschwellige Angst vor einer Bebauung bestehen bleiben wird, da die zunehmende Wohnungsnot, die sich gewiss in Zukunft noch weiter versch\u00e4rfen wird, zu immer drastischeren Ma\u00dfnahmen zwingt. Sollte es doch einmal zu einer Bebauung des ThF kommen, ist man sich einig. Die Investoren werden sich nicht zur\u00fcckhalten und direkt versuchen, alles zu bebauen \u2013 ganz im Sinne von: Geld ist Macht.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 5 Jahre, so lange ist nun schon der Volksentscheid zum Tempelhofer Feld (ThF) her. Anl\u00e4sslich dieses Jubil\u00e4ums veranstaltete die B\u00fcrgerinitiative &#8222;100% Tempelhofer Feld&#8220; ein Fest am 25. Mai 2019 auf &#8211; was k\u00f6nnte man anderes erwarten &#8211; dem Tempelhofer Feld. 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