{"id":770,"date":"2018-06-23T18:00:30","date_gmt":"2018-06-23T16:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/?p=770"},"modified":"2018-06-24T21:23:35","modified_gmt":"2018-06-24T19:23:35","slug":"reichsbuerger-und-thesenreiter-zwei-medienexperten-im-vergleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/2018\/06\/23\/reichsbuerger-und-thesenreiter-zwei-medienexperten-im-vergleich\/","title":{"rendered":"\u201eReichsb\u00fcrger und Thesenreiter\u201c: Zwei Medienexperten im Vergleich\u00a0\u00a0"},"content":{"rendered":"<p>Lorenz\u00a0Maroldt, Chefredakteur des Tagesspiegels, und Michael Fabricius, Redakteur bei der Welt, haben sich beide bereits ausf\u00fchrlich mit dem Thema BER besch\u00e4ftigt, beide haben davon berichtet und beide waren bei uns f\u00fcr ein Interview zu Besuch.<br \/>\nDoch auch wenn das Thema BER verbindet, scheint es Uneinigkeiten \u00fcber die Darstellung zu geben. W\u00e4hrend Fabricius der Berichterstattung des Tagesspiegels \u201eThesenreiterei\u201c vorwirft, bezeichnet\u00a0Maroldt\u00a0seinen Kollegen von der Welt als \u201eSchwachkopf\u201c, der ihn eher an \u201eeine Art Reichsb\u00fcrger\u201c erinnert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-773 alignleft\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2018\/06\/IMG_3299-300x186.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"186\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2018\/06\/IMG_3299-300x186.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2018\/06\/IMG_3299-768x476.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2018\/06\/IMG_3299-1024x635.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2018\/06\/IMG_3299-1200x744.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/>Bei Einem sind sie sich jedoch auf jeden Fall einig: das Thema BER ist wichtig und obwohl es langsam\u00a0Keiner mehr h\u00f6ren kann, bleibt es notwendig dar\u00fcber zu informieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Humor ist dabei ein h\u00e4ufig genutztes stilistisches Mittel.<\/strong><\/p>\n<p>Laut Marold k\u00f6nne man sich zwar \u201eBER-Witze erz\u00e4hlen [\u2026] bis es dunkel wird\u201c, d\u00fcrfe dabei aber nicht die Ernsthaftigkeit der Sache vergessen.<br \/>\nSo hat der Tagesspiegel eine Art eigenes Ressort aufgebaut, in dem sich vier Mitarbeiter fast hauptberuflich mit dem Flughafen besch\u00e4ftigen um ihre Leser regelm\u00e4\u00dfig auf den neusten Stand zu bringen.<\/p>\n<p>Auch Michael Fabricius hat seinen am\u00fcsanten Artikel\u00a0<em>\u201e<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article171924953\/WELT-Momente-2017-Was-mich-am-Flughafen-Tegel-stoert.html\">Irgendwann war ich nur noch der Typ aus der Einflugschneise\u201c<\/a><\/em>\u00a0\u00a0erst nur widerwillig geschrieben, denn auch er m\u00f6chte vermeiden, dass die Bedeutung der Debatte untersch\u00e4tzt wird.<\/p>\n<p>Auf diesen Artikel h\u00e4tte damals mehr als die H\u00e4lfte der Leser &#8222;pampig&#8220; reagiert und den Text falsch verstanden, doch die Reaktionen der Bev\u00f6lkerung sind nicht die einzige H\u00fcrde f\u00fcr Journalisten.<br \/>\nInteresse und Desinteresse, Neugier und \u00dcberdruss des Publikums wechseln sich beim Thema BER ab.\u00a0Maroldt\u00a0sieht bei diesem wellenf\u00f6rmigen Verlauf bestimmte Ereignisse, wie die neuen Termine, neue Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer oder Absurdit\u00e4ten wie die Notwendigkeit des Austauschens der Bildschirme, als Interesse weckende Schlagzeilen und erkl\u00e4rt, dass auf diese Dinge zwar eingegangen wird, der Tagesspiegel sich aber nicht nur nach der Meinung der Leser richtet. &#8222;Man versteht sich ja als Kontrollinstanz&#8220;, das hei\u00dft Artikel, die etwas anspruchsvoller\u00a0sind,\u00a0werden vielleicht nicht von ganz so Vielen gelesen, weswegen man die Berichterstattung aber nicht einstellen d\u00fcrfe.<\/p>\n<p>Ob\u00a0Massenmedien die \u00f6ffentliche Meinung beeinflussen, oder von ihr\u00a0beeinflusst werden,\u00a0kann uns keiner von beiden eindeutig beantworten, was darauf schlie\u00dfen l\u00e4sst, dass es sich um eine Wechselbeziehung zwischen den Einfl\u00fcssen handelt.<\/p>\n<p>Auf unsere Frage, ob und inwiefern die Politik die Medien beeintr\u00e4chtigen, streiten beide jeglichen Einfluss auf ihre Berichterstattung ab.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Politiker seien lediglich Informanten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Quellen generell\u00a0sind\u00a0laut\u00a0Maroldt\u00a0mit Vorsicht zu genie\u00dfen, da sie h\u00e4ufig mit ihren Aussagen ein bestimmtes Ziel verfolgen w\u00fcrden und so leicht Unwahrheiten in die Welt gesetzt werden k\u00f6nnten. So h\u00e4tten auch Flughafenchefs bereits absichtlich falsche Informationen weitergegeben, um eben solche Informanten der Medien in den eigenen Reihen aufzusp\u00fcren. Unter diesen Umst\u00e4nden k\u00f6nnen wir verstehen, warum Lorenz\u00a0Maroldt\u00a0uns die Namen seiner Quellen nicht verraten wollte, auch wenn es uns nat\u00fcrlich brennend interessiert h\u00e4tte woher der Tagesspiegelreporter sein\u00a0umfangreiches Wissen \u00fcber den BER bezieht.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu der regelrechten Spezialisierung der lokalen Journalisten,\u00a0besch\u00e4ftigten sich die internationalen Medien nicht ernsthaft mit dem Thema, schreiben ab oder nur \u00fcber das, was bereits abgehakt ist.\u00a0Innerhalb Deutschlands existiere eine Bereitschaft auch mit H\u00e4me zu berichten, besonders in der S\u00fcddeutschen Zeitung\u00a0und der FAZ. Besonders in Berlin ginge es insgesamt\u00a0zynischer und humorvoller zu, auch um einen Kontrapunkt gegen die komplizierten Zahlen, Daten und Geschichten zu\u00a0setzen.\u00a0In\u00a0der\u00a0internationalen\u00a0Berichterstattung dominiere laut Fabricius\u00a0schlichtweg\u00a0der absolute Unglaube, dass die Deutschen es nicht hinkriegen, das Gro\u00dfprojekt abzuschlie\u00dfen und die Aussage: &#8222;Sie kommen aus der Stadt mit dem Flughafen&#8220; h\u00f6rt Marold auch in Rio.\u00a0Das\u00a0scheinbar nie enden wollende Projekt\u00a0steht\u00a0f\u00fcr viele im klaren Gegensatz zu der sonst so\u00a0typischen Effizienz und P\u00fcnktlichkeit der\u00a0Deutschen.\u00a0(https:\/\/www.nytimes.com\/2014\/04\/10\/world\/europe\/berlins-over-budget-behind-schedule-airport-becomes-an-attraction.html)<\/p>\n<p>Ein\u00a0weiterer\u00a0interessanter Aspekt,\u00a0auf den vor allem Michael Fabricius in seinem Interview eingeht,\u00a0ist die zunehmende Bedeutung\u00a0der\u00a0sozialen Medien\u00a0und ihr Einfluss auf die Berichterstattung.\u00a0&#8222;Clickbaiting&#8220;, sowie bewusste Emotionalisierung und Individualisierung von Texten, durch welche Reporter immer mehr Teil des Geschehens werden, indem sie aus ihrer\u00a0pers\u00f6nlichen Sicht berichten und &#8222;am besten noch ein Selfie machen&#8220;, seien dabei Onlinestrategien die dem Welt Reporter pers\u00f6nlich eher weniger zusagen.<\/p>\n<p><strong>Die Sachlichkeit des tats\u00e4chlichen Inhaltes ginge dabei h\u00e4ufig verloren.<\/strong><\/p>\n<p>Transparenz\u00a0sei\u00a0in Bezug auf den Flughafen eine richtige und vielleicht auch notwendige Strategie, um die allgemeine Einstellung gegen\u00fcber dem Flughafen etwas positiver zu stimmen.\u00a0So h\u00e4tte, Michael Fabricius Meinung nach, ein Hintergrundgespr\u00e4ch im Winter, in dem der Flughafenchef L\u00fctke Daldrup der Presse 3 Stunden \u00fcber den Flughafen berichtete, eine Art Wendepunkt in der Berichterstattung dargestellt. Die Journalisten h\u00e4tten dadurch ein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr bekommen, was wirklich passiert ist, warum es passiert ist und was wirklich\u00a0sinnvoll w\u00e4re dar\u00fcber zu schreiben\u00a0und w\u00e4ren danach etwas nachsichtiger mit dem BER gewesen.<\/p>\n<p>Lorenz\u00a0Maroldt\u00a0geht in seinem Interview hingegen vor allem auf die gescheiterte Er\u00f6ffnung 2012 ein. Er hat sogar seine Einladung dabei, denn &#8222;man wei\u00df ja nicht, vielleicht wird er ja \u00fcberraschend er\u00f6ffnet&#8220;.\u00a0 In seinem <a href=\"https:\/\/checkpoint.tagesspiegel.de\/\">&#8222;Checkpoint&#8220;<\/a>\u00a0z\u00e4hlt er seither die Tage seit der Nichter\u00f6ffnung. Es w\u00e4re wichtig gewesen mit dem Flughafen zu zeigen,\u00a0dass\u00a0wir mehr sind als die Party Hauptstadt in der &#8222;alles nicht so drauf ankommt&#8220;, sondern\u00a0eine Stadt\u00a0\u00a0in der man super gerne lebt und auch leben kann, die aber trotzdem\u00a0wirtschaftlichen Fortschritt erreicht, erkl\u00e4rt er uns. Au\u00dferdem w\u00fcrde der Flughafen ben\u00f6tigt werden, da Tegel ja bekanntlich ein &#8222;Schrotthaufen&#8220; sei und die zunehmende Passagierzahlen kaum noch zu handhaben seien. Trotzdem m\u00fcsse Tegel wohl auch mit Er\u00f6ffnung des BER l\u00e4nger aufbleiben als urspr\u00fcnglich gedacht, da die Kapazit\u00e4ten des BER nicht ausreichen w\u00fcrden. Sollte Tegel jedoch dauerhaft offen bleiben, m\u00fcsse eine Menge Geld investiert werden.<\/p>\n<p><strong>Tegel also ein Schrotthaufen und das Projekt BER ein Auto.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-776 alignright\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2018\/06\/IMG_3275-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2018\/06\/IMG_3275-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2018\/06\/IMG_3275-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2018\/06\/IMG_3275-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/files\/2018\/06\/IMG_3275-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/>&#8222;Ein uraltes Auto, an dem immer wieder irgendeine neue Werkstatt irgendwas rumbastelt und keiner versteht mehr warum welche Leitungen mit irgendwelchen anderen verkabelt sind&#8220;.\u00a0Maroldt\u00a0ist wenig optimistisch, was den geplanten Er\u00f6ffnungstermin angeht. W\u00e4hrend Fabricius darauf vertraut, dass L\u00fctke Daldrup bis 2020 er\u00f6ffnet, rechnet er mit weiteren Verschiebungen oder es wird &#8222;ultraknapp&#8220;, 2 Monate Pufferzeit seien zu wenig. Ob der Termin nun eingehalten wird oder nicht sei erstmal dahingestellt. Sicher ist, dass das Thema uns noch eine Weile begleiten wird. Auch nach der Er\u00f6ffnung, denn dann werden die Erweiterungsarbeiten beginnen und wir werden sehen, ob die Beteiligten aus den bisherigen Fehlern gelernt haben.<\/p>\n<p>Immerhin gehen ja beide der von uns befragten Experten von der Fertigstellung des BER aus und die Hoffnung stirbt bekanntlich ja zuletzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lorenz\u00a0Maroldt, Chefredakteur des Tagesspiegels, und Michael Fabricius, Redakteur bei der Welt, haben sich beide bereits ausf\u00fchrlich mit dem Thema BER besch\u00e4ftigt, beide haben davon berichtet und beide waren bei uns f\u00fcr ein Interview zu Besuch. Doch auch wenn das Thema BER verbindet, scheint es Uneinigkeiten \u00fcber die Darstellung zu geben. W\u00e4hrend Fabricius der Berichterstattung des &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/2018\/06\/23\/reichsbuerger-und-thesenreiter-zwei-medienexperten-im-vergleich\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e\u201eReichsb\u00fcrger und Thesenreiter\u201c: Zwei Medienexperten im Vergleich\u00a0\u00a0\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3328,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[221909,221757],"tags":[222370,222940,223243,542,223499,230265,234306],"class_list":["post-770","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bundesweite-medien","category-lokale-medien","tag-ber","tag-berlin-brandenburg-flughafen","tag-hauptstadt","tag-medien","tag-pannenflughafen","tag-standort-ber","tag-verzoegerung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/770","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3328"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=770"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/770\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":843,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/770\/revisions\/843"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=770"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=770"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/ber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=770"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}