Hebräische Bibel von Elias Hutter: Ein Zeugnis der sprachdidaktischen Innovation

Ein besonderes Geschenk für den Rara-Bestand

Die hebräische Bibel von Elias Hutter (Derekh ha-Kodesh – Biblia Sacra) aus dem Jahr 1587 wurde in Hamburg gedruckt und gehört zum Rara-Bestand der Campusbibliothek. Das Exemplar ist ein Geschenk von Dr. Marianne Brink, die eine enge Verbindung zur Freien Universität Berlin hat: Sie studierte am John-F.-Kennedy Institut und engagiert sich als Förderin für das Deutschlandstipendium.

Die Übergabe der Bibel v. l. n. r.: H. Younansardaroud, A. Tatai, Dr. M. Brink, S. Smolak, F. Schams

Das Werk ist ein radikaler, einzigartiger Versuch, das Studium des biblischen Hebräischen durch visuelle Morphologie-Analyse zu erleichtern. Hutter, lutherischer Theologe und Hebraist des späten 16. Jahrhunderts, verfolgte damit vor allem religiöse Ziele: Er wollte die biblische „babylonische Sprachverwirrung“ überwinden und allen Menschen den Zugang zur göttlichen Ursprache ermöglichen.

Eine Bibel, die Sprache sichtbar macht

Das Besondere an dieser Bibelausgabe ist ihre innovative Drucktechnik. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bibeln verwendet Hutter ein spezielles Typensystem von Lettern, um die Struktur der hebräischen Wörter „auf den ersten Blick“ verständlich zu machen.

Die Wurzelbuchstaben (literae radicales) sind komplett schwarz gedruckt, während die Flexionsbuchstaben (literae serviles) innen hohl und damit weiß gedruckt werden.

Zudem werden ausgefallene Konsonanten, beispielsweise durch die Assimilation der Wörter, als kleine Buchstaben über dem Wort ergänzt, um die ursprüngliche Wurzel des Wortes sichtbar zu machen. Diese grafische Aufbereitung sollte es Lernenden erlauben, die Morphologie des Hebräischen ohne komplexe Grammatiken zu erfassen.

Auf dem Foto sind die unterschiedlichen Buchstaben in hohler und voller Darstellung zu sehen.

Sprache, Theologie und Bildung

Hutters sah in den Wurzelbuchstaben des Wortes, also den drei Konsonanten, auf die der Wortstamm zurückgeführt werden kann, ein Abbild der Trinität und das Hebräische als die göttliche Ursprache vor der „babylonischen Verwirrung“, wie sie in Genesis 11 geschildert wird.

Seine Methode war somit stark von christlicher Kabbala und der Idee einer Sprachenharmonie geprägt, die Hebräisch, Griechisch, Latein und Deutsch als verwandt darstellte. Diese Vorstellung ist aus heutiger sprachwissenschaftlicher Sicht nicht haltbar.

Obwohl Hutters Ansatz von der modernen Sprachwissenschaft kritisiert wird, insbesondere wegen der willkürlichen Rekonstruktion von Wurzeln, die im biblischen Hebräisch nicht belegt sind, markiert seine Bibelausgabe einen wichtigen Punkt in der Geschichte der Hebraistik und des Buchdrucks.

Sie zeigt, wie tief religiöse Motivationen die sprachwissenschaftlichen Methoden der frühen Neuzeit prägten und wie versucht wurde, durch technische Innovationen im Druck die Bildung des Volkes außerhalb der Universitäten voranzutreiben. Hutter machte es sich zum Ziel, dem Lernenden, insbesondere der Jugend, die mühsame Arbeit der Grammatikanalyse abzunehmen. Man sollte die Struktur der Sprache direkt im Text erkennen können, ohne auf externe Grammatiken zurückgreifen zu müssen.

Ein ungewöhnlicher Gelehrter

Elias Hutter war kein typischer Gelehrter seiner Zeit. Als Theologe, Buchdrucker und Hebraist bewegte er sich in einer Welt, die von konfessionellen Brüchen und dem Wunsch nach Einheit geprägt war. Sein Leben war von einem ständigen Ringen um Anerkennung und Finanzierung gekennzeichnet, von Leipzig über Dresden und Hamburg bis hin zu seinem finanziellen Ruin in Nürnberg.

Für die Bibliothek ist diese Ausgabe daher nicht nur ein Zeugnis der neuzeitlichen Buchdruckkunst, sondern ein Spiegelbild eines Zeitalters, in dem Sprache, Theologie und Kosmologie untrennbar miteinander verwoben waren.

Quelle: Krasemann, Christoph. Die »Biblia Sacra – Derekh ha-Kodesh« des Elias Hutter. De Gruyter, 2021.

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Text von Suawek Smolak

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