Hebräische Bibel von Elias Hutter: Ein Zeugnis der sprachdidaktischen Innovation

Ein besonderes Geschenk für den Rara-Bestand

Die hebräische Bibel von Elias Hutter (Derekh ha-Kodesh – Biblia Sacra) aus dem Jahr 1587 wurde in Hamburg gedruckt und gehört zum Rara-Bestand der Campusbibliothek. Das Exemplar ist ein Geschenk von Dr. Marianne Brink, die eine enge Verbindung zur Freien Universität Berlin hat: Sie studierte am John-F.-Kennedy Institut und engagiert sich als Förderin für das Deutschlandstipendium.

Die Übergabe der Bibel v. l. n. r.: H. Younansardaroud, A. Tatai, Dr. M. Brink, S. Smolak, F. Schams

Das Werk ist ein radikaler, einzigartiger Versuch, das Studium des biblischen Hebräischen durch visuelle Morphologie-Analyse zu erleichtern. Hutter, lutherischer Theologe und Hebraist des späten 16. Jahrhunderts, verfolgte damit vor allem religiöse Ziele: Er wollte die biblische „babylonische Sprachverwirrung“ überwinden und allen Menschen den Zugang zur göttlichen Ursprache ermöglichen.

Eine Bibel, die Sprache sichtbar macht

Das Besondere an dieser Bibelausgabe ist ihre innovative Drucktechnik. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bibeln verwendet Hutter ein spezielles Typensystem von Lettern, um die Struktur der hebräischen Wörter „auf den ersten Blick“ verständlich zu machen.

Die Wurzelbuchstaben (literae radicales) sind komplett schwarz gedruckt, während die Flexionsbuchstaben (literae serviles) innen hohl und damit weiß gedruckt werden.

Zudem werden ausgefallene Konsonanten, beispielsweise durch die Assimilation der Wörter, als kleine Buchstaben über dem Wort ergänzt, um die ursprüngliche Wurzel des Wortes sichtbar zu machen. Diese grafische Aufbereitung sollte es Lernenden erlauben, die Morphologie des Hebräischen ohne komplexe Grammatiken zu erfassen.

Auf dem Foto sind die unterschiedlichen Buchstaben in hohler und voller Darstellung zu sehen.

Sprache, Theologie und Bildung

Hutters sah in den Wurzelbuchstaben des Wortes, also den drei Konsonanten, auf die der Wortstamm zurückgeführt werden kann, ein Abbild der Trinität und das Hebräische als die göttliche Ursprache vor der „babylonischen Verwirrung“, wie sie in Genesis 11 geschildert wird.

Seine Methode war somit stark von christlicher Kabbala und der Idee einer Sprachenharmonie geprägt, die Hebräisch, Griechisch, Latein und Deutsch als verwandt darstellte. Diese Vorstellung ist aus heutiger sprachwissenschaftlicher Sicht nicht haltbar.

Obwohl Hutters Ansatz von der modernen Sprachwissenschaft kritisiert wird, insbesondere wegen der willkürlichen Rekonstruktion von Wurzeln, die im biblischen Hebräisch nicht belegt sind, markiert seine Bibelausgabe einen wichtigen Punkt in der Geschichte der Hebraistik und des Buchdrucks.

Sie zeigt, wie tief religiöse Motivationen die sprachwissenschaftlichen Methoden der frühen Neuzeit prägten und wie versucht wurde, durch technische Innovationen im Druck die Bildung des Volkes außerhalb der Universitäten voranzutreiben. Hutter machte es sich zum Ziel, dem Lernenden, insbesondere der Jugend, die mühsame Arbeit der Grammatikanalyse abzunehmen. Man sollte die Struktur der Sprache direkt im Text erkennen können, ohne auf externe Grammatiken zurückgreifen zu müssen.

Ein ungewöhnlicher Gelehrter

Elias Hutter war kein typischer Gelehrter seiner Zeit. Als Theologe, Buchdrucker und Hebraist bewegte er sich in einer Welt, die von konfessionellen Brüchen und dem Wunsch nach Einheit geprägt war. Sein Leben war von einem ständigen Ringen um Anerkennung und Finanzierung gekennzeichnet, von Leipzig über Dresden und Hamburg bis hin zu seinem finanziellen Ruin in Nürnberg.

Für die Bibliothek ist diese Ausgabe daher nicht nur ein Zeugnis der neuzeitlichen Buchdruckkunst, sondern ein Spiegelbild eines Zeitalters, in dem Sprache, Theologie und Kosmologie untrennbar miteinander verwoben waren.

Quelle: Krasemann, Christoph. Die »Biblia Sacra – Derekh ha-Kodesh« des Elias Hutter. De Gruyter, 2021.

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Text von Suawek Smolak

Bibliotheken als vernetzende Mitgestalterinnen der Wissenschaft

Welche Rolle spielt eine Universitätsbibliothek für die Forschung in der Zukunft? Unter anderem dieser Frage widmet sich ein aktuelles Interview mit Thorsten Meyer, seit 2026 Leiter der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, in der Zeitschrift Bibliothek. Information. Technologie.

📸 : Sandra Schönwandt

Im Gespräch mit Reinhard Altenhöner spricht Thorsten Meyer über seinen Wechsel von der ZBW nach Berlin, die Besonderheiten einer dezentral organisierten Universitätsbibliothek und die Entwicklungen, die wissenschaftliche Bibliotheken in den kommenden Jahren prägen werden.

Die Universitätsbibliothek der Freien Universität mit ihren 14 Standorten versteht Meyer dabei als Chance: Die Fachbibliotheken verfügen über eine große Nähe zu ihren jeweiligen Disziplinen, Forschenden und Studierenden. Gleichzeitig brauche es eine gemeinsame strategische Orientierung und ein Verständnis der Universitätsbibliothek als Gesamtsystem.

Von der Informationsversorgung zur Wissenschaftsinfrastruktur

Für Meyer bleibt die Informationsversorgung eine zentrale Aufgabe. Gleichzeitig gewinnen Forschungsservices, Publikationsunterstützung, Forschungsdatenmanagement, Open Science und Kompetenzvermittlung zunehmend an Bedeutung. Bibliotheken vernetzen Forschende, schaffen Zugänge zu Informationen, entwickeln Infrastrukturen und begleiten neue wissenschaftliche Arbeitsweisen.

Damit verändert sich auch das Selbstverständnis wissenschaftlicher Bibliotheken. Meyer beschreibt die Universitätsbibliothek als „vernetzende Mitgestalterin einer offenen und resilienten Wissenschaft“ und betont, dass Bibliotheken inzwischen Infrastrukturpartner der Wissenschaft sind. Gerade an einer Forschungsuniversität wie der Freien Universität sollten sie deshalb auch an strategischen Diskussionen über Wissenschaft und Forschung beteiligt sein.

KI verändert bibliothekarische Arbeit

Auch Künstliche Intelligenz nimmt im Interview breiten Raum ein. Meyer erwartet, dass KI bibliothekarische Arbeit tiefgreifend verändern wird. Automatisierung könne vor allem bei Routinetätigkeiten unterstützen und Freiräume für Aufgaben schaffen, bei denen menschliche Expertise gefragt ist. Als Beispiele nennt er unter anderem die Metadatenproduktion und die Erschließung großer Datenmengen.

Gleichzeitig sieht er eine wichtige Aufgabe der Bibliotheken darin, Studierende und Forschende zu einem verantwortungsvollen Umgang mit KI zu befähigen. Wissenschaftliche Informationskompetenz bleibt damit auch im Zeitalter generativer KI eine zentrale bibliothekarische Kompetenz.

Open Science und gemeinsame Infrastrukturen

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf Open Science. Meyer sieht insbesondere Diamond Open Access, institutionelle Repositorien und gemeinschaftlich getragene Publikationsplattformen als wichtige Zukunftsthemen. Bibliotheken sollten dabei zunehmend selbst zu Mitgestalterinnen wissenschaftlicher Publikationsinfrastrukturen werden.

Auch Kooperationen über die eigene Institution hinaus spielen für ihn eine wichtige Rolle. Mit Blick auf Berlin nennt Meyer gemeinsame Publikationsinfrastrukturen, Forschungsdatenplattformen, digitale Langzeitarchivierung und weitere Formen arbeitsteiliger Zusammenarbeit. Sein Ziel: Berlin stärker als gemeinsamen Informationsraum zu verstehen.

Bibliotheken bleiben auch physische Orte

Bei aller Digitalisierung gewinnt für Meyer zugleich der physische Bibliotheksraum an Bedeutung. Bibliotheken sind längst Lern-, Begegnungs- und Arbeitsorte. Gerade aufgrund der unterschiedlichen räumlichen und fachlichen Voraussetzungen der 14 Standorte müsse die Bibliothek ihre Räume künftig noch bewusster als Teil wissenschaftlicher Infrastruktur verstehen.

Seinen Blick auf die Zukunft der Universitätsbibliothek fasst Meyer mit zwei Zielen zusammen: Sie soll eine exzellente Informationsinfrastruktur für Forschung, Studium und Lehre sein und zugleich als vernetzende Partnerin wissenschaftlicher Arbeit wahrgenommen werden.

Das Interview „Wir müssen Bibliotheken als vernetzende Mitgestalterinnen einer offenen Wissenschaft verstehen.“ ist in der aktuellen Ausgabe 4/2026 von Bibliothek. Information. Technologie. erschienen.

Hier geht es zum Interview.

14 Standorte. Ein gemeinsames Logo für alle Bibliotheken der Freien Universität

Mit einem neuen Logo geht die Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin mit ihren 14 Standorten 2026 einen wichtigen Schritt in Richtung einer gemeinsamen Identität.

Wir möchten damit sichtbarer werden und unsere Zugehörigkeit zur Freien Universität auf den ersten Blick erkennbar machen.

Als Universitätsbibliothek vereinen wir 13 Bibliotheken und ein Universitätsarchiv an unterschiedlichen Standorten. Mit einer gemeinsamen Dachmarke schaffen wir einen einheitlichen Auftritt, der Orientierung bietet, die Wiedererkennbarkeit stärkt und unsere Standorte als Teil der Universitätsbibliothek sichtbar macht.

Die Entwicklung des neuen Logos war ein kollaborativer Prozess, an dem das Design-Team der Freien Universität Berlin sowie das Kommunikationsteam und die Direktion der Universitätsbibliothek beteiligt waren. Darüber hinaus sind die Rückmeldungen der Mitarbeitenden aller Standorte in den Entwicklungsprozess eingeflossen und haben das Ergebnis maßgeblich mitgeprägt.

Unser besonderer Dank gilt Frank Beier und Marco Pardemann.

Wir freuen uns darauf, das neue Logo Schritt für Schritt sichtbar werden zu lassen.

Neuer Themenfilm in der Online-Ausstellung „Erlebte Geschichte“

Foto: Inge Kundel-Saro

Namhafte Persönlichkeiten trotz voller Terminkalender für einen Besuch an der Freien Universität Berlin zu gewinnen, erfordert eine besondere Ansprache, die Irma Indorf perfekt beherrschte. So kamen unter anderem Prominente wie Vicco von Bülow, Peter Ustinov oder Hans-Dieter Genscher und bereicherten mit Vorträgen und in Diskussionsrunden das akademische Leben. Besondere Gewohnheiten der Besucher vermerkte und berücksichtigte Irma Indorf aufmerksam. Ehemalige wurden von ihr ebenfalls, je nach Anlass, gerne hinzugezogen und gebührend gewürdigt.

Den neuen Themenfilm über den Umgang mit prominenten Gästen präsentiert die „Erlebte Geschichte“ der Freien Universität Berlin.

Neuer Porträtfilm in der Online-Ausstellung „Erlebte Geschichte“

Quelle: Erlebte Geschichte – Freie Universität Berlin – Fotograf Daniel Goede

Dr. Michael Pohly – Als Forscher und Praktiker im Krisengebiet Afghanistan. Die Online-Ausstellung „Erlebte Geschichte“ der Freien Universität Berlin präsentiert einen neuen Porträtfilm.

Feldforschung kann Wissenschaftler auch in Regionen führen, in denen die Arbeit gefährlich wird – etwa in einem umkämpften Land wie Afghanistan.
Dr. Michael Pohly war dort nicht nur als Ethnologe unterwegs, sondern fand durch seine zweite Qualifikation als Mediziner Zugang zu Menschen und Orten, die für andere unzugänglich geblieben wären. Dass er diesen Weg eingeschlagen hat, verdankt er einem frühen Interesse an Ethnologie und dem Wunsch, konkrete Hilfe zu leisten.

Jüdisches Museum Berlin wird Mitglied der Kooperation Looted Cultural Assets

Mit Beginn des Jahres 2026 trat das Jüdische Museum Berlin der Kooperation Looted Cultural Assets (LCA) bei. Damit wächst das Netzwerk zur gemeinsamen Provenienzforschung zwischen Bibliotheken in Deutschland und Israel im zehnten Jahr ihres Bestehens auf 14 aktive Mitgliedsinstitutionen an. Insgesamt haben sich bislang 19 Einrichtungen mit ihrer wissenschaftlichen Expertise eingebracht.

Jüdisches Museum und der Libeskind-Bau
Bildquelle: Marek Śliwecki, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das 2016 unter anderem von der Zentral- und Landesbibliothek Berlin und der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin initiierte Forschungsnetzwerk unterstützt die Provenienzforschung zu Enteignung und Raub von Kulturgütern – vor allem in der NS-Zeit sowie, wenn möglich, auch in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR. Es fördert den fachlichen Austausch, bündelt Forschungsergebnisse und stellt dafür die Datenbank „Looted Cultural Assets“ bereit.

Gleichzeitig werden Forschungsergebnisse zeitnah und transparent für Interessierte aus aller Welt zugänglich gemacht. Aktuell zählt sowohl die Kooperation als auch die Forschungsdatenbank LCA zu den umfassendsten, kontinuierlichsten und erfolgreichsten Projekten in der Provenienzforschung im deutschsprachigen Raum.

Heute beinhaltet die Forschungsdatenbank LCA etwa 48.000 Provenienzhinweise sowie Informationen zu rund 16.500 Personen und Institutionen aus der deutschen Geschichte insbesondere des 20. Jahrhunderts. Sie stellt Forschungsergebnisse aus mehr als 20 aktiven und beendeten wissenschaftlichen Projekten zur Verfügung und sorgt für deren langfristige Zugänglichkeit. Die Arbeit der im Forschungsnetzwerk LCA verbundenen Bibliotheken ermöglicht Nachfahren von Opfern der Shoa und anderer nationalsozialistischer Verbrechen einen niedrigschwelligen Zugriff auf historische Informationen, bietet die Möglichkeit detaillierte Auskünfte über Forschungsergebnisse und -stände zu erfragen und zielt darauf ab, durch die Bündelung von Rückgaben geraubten Kulturguts Restitutionsverfahren zu vereinfachen. Die so verbundenen Provenienzforscher*innen leisten durch ihre Arbeit einen nachhaltigen Beitrag zur Erinnerungskultur in Deutschland und Europa sowie der Aufarbeitung der beiden deutschen Diktaturen.

Die Universitätsbibliothek sieht sich mit ihrem über zehnjährigem Engagement in der Provenienzforschung den Grundwerten der Freien Universität Berlin Veritas, Iustitia und Libertas (Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit) verpflichtet. Die systematische Untersuchung der Buchbestände und die Aufarbeitung deutscher Geschichte durch die Arbeitsstelle Provenienzforschung der Universitätsbibliothek dient nicht allein der Auseinandersetzung historischen Unrechts im Sinne der Washingtoner Erklärung vom 03.12.1998, sondern ist ein Beitrag zur gelebten Demokratie.

Text von Dr. Ringo Narewski

Neuer Themenfilm in der Online-Ausstellung „Erlebte Geschichte“

Quelle: Erlebte Geschichte – Freie Universität Berlin Fotograf: Unbekannt

Tiger auf dem Tisch – die Online-Ausstellung „Erlebte Geschichte“ der Freien Universität Berlin präsentiert einen neuen Themenfilm.

Tiere fressen gerne. Und sie fressen häufig auch Dinge, die nicht zum Fressen gedacht sind. Mit den Folgen kämpfen dann die Mediziner der Kleintierklinik, die das Gefressene aufspüren und entfernen müssen, damit es den Tieren wieder gut gehen kann. Aber auch die medizinische Versorgung alternder Tiere und die Behandlung ansteckender Krankheiten gehören zum Arbeitsbereich der Veterinäre in der Kleintierklinik auf dem Campus Düppel.

Neuer Themenfilm in der Online-Ausstellung „Erlebte Geschichte“

Bildquelle: Michael Fahrig

Wenn ein Kapitel zu Ende geht, bleiben Erinnerungen – und Geschichten.

Der Abschied von der Freien Universität Berlin wird unterschiedlich erinnert und erzählt: mal feierlich und herzlich, mal improvisiert oder pandemiebedingt leise. Zwischen Anerkennung, Wertschätzung und den Herausforderungen des Moments erzählen Menschen aus ganz verschiedenen Bereichen, was es heißt, nach vielen Jahren „Auf Wiedersehen“ zu sagen.

Abschied von der Freien Universität Berlin – die Online-Ausstellung „Erlebte Geschichte“ der Freien Universität Berlin präsentiert einen neuen Themenfilm.

Neuer Themenfilm in der Online-Ausstellung „Erlebte Geschichte“

Quelle: Erlebte Geschichte – Freie Universität Berlin Fotograf: Unbekannt

Langweilig wird es nie in der Kleintierklinik der Freien Universität – während der Alltag wie in einer humanmedizinischen Klinik abläuft, stellen das fehlende Sprachvermögen der Patienten und die die Sorge der Besitzer um ihr geliebtes Haustier das Personal immer wieder vor neue Herausforderungen.

Hund und Katz und auch mal ein Seeadler – die Online-Ausstellung „Erlebte Geschichte“ der Freien Universität Berlin präsentiert einen neuen Themenfilm.


Das „Außenministerium“ der Freien Universität Berlin und sein „Minister“: Horst W. Hartwich

Horst W. Hartwichs Nachlass und der Altaktenbestand des Akademischen Außenamtes sind fertig erschlossen.

Hartwich, Horst W.

Gründung der Außenkommission und frühe Aufgaben (1949)

Die Außenkommission der Freien Universität Berlin wird im Jahr 1949 für die Erfüllung aller Aufgaben rund um die Außenbeziehungen der Universität ins Leben gerufen. Laut Beschluss des Akademischen Senats vom 10. Januar 1949 soll in seine Zuständigkeit nicht nur die Durchführung von Gastvorlesungen und -vorträgen ausländischer und westdeutscher Gäste, sondern auch die Initiierung und Betreuung des Studierendenaustausches sowie die Veranstaltungsorganisation mit Bezug zu auswärtigen Verbindungen fallen.

Internationale Ausrichtung der jungen Universität

Direkt nach ihrer Gründung und nicht zuletzt durch die von Beginn an enge ideelle Verbindung zu den USA, die sich anfänglich vor allem in der großzügigen finanziellen Förderung der Freien Universität durch die amerikanische Ford Foundation widerspiegelt, orientiert sich die junge Universität nach außen und beginnt, zahlreiche internationale Beziehungen zu knüpfen und zu pflegen – eine Aufgabe, die schnell über die ursprünglich vorgesehenen Tätigkeitsfelder der Außenkommission hinauswächst.

Vom Ehrenamt zur Verwaltungsstruktur: Das Akademische Außenamt

1958 wird parallel zur Außenkommission das Akademische Außenamt gegründet, um dem über die Jahre sich ausdifferenzierenden und wachsenden Tätigkeitsfeld mit entsprechender Infrastruktur innerhalb der Universitätsverwaltung gerecht werden zu können.

Horst W. Hartwich und vier Jahrzehnte Außenbeziehungen

Untrennbar verknüpft mit dem Auf- und Ausbau der Außenkommission bzw. des Akademischen Außenamtes ist sein langjähriger Geschäftsführer bzw. Leiter Horst W. Hartwich, der im Juli 1949 – damals noch Medizinstudent der Gründergeneration und Außenreferent des Allgemeinen Studentenausschusses der Freien Universität – als Sekretär in zunächst studentischer Anstellung die Arbeit rund um die Außenangelegenheiten der Freien Universität aufnimmt. Bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1994 und über einige interne Umstrukturierungen und Umbenennungen der Abteilung hinweg hat Horst W. Hartwich die Leitung des Akademischen Außenamtes inne, prägt damit die Außenbeziehungen der Freien Universität über mehr als vier Jahrzehnte ohne Unterbrechungen und trägt maßgeblich zu ihrem Aufbau und nachhaltigen Bestehen bei.

Kontinuität über die Pensionierung hinaus

Kaum verwunderlich, dass kurz vor seiner planmäßigen Pensionierung im Jahr 1989 zahlreiche Vertreter der Fachbereiche und des Lehrkörpers den Präsidenten Prof. Dr. Dieter Heckelmann ihr Bedauern über das Ausscheiden von Horst W. Hartwich ausdrücken und um Prüfung von Möglichkeiten einer Weiterbeschäftigung über die offizielle Altersgrenze hinaus bitten. Tatsächlich übernimmt Horst W. Hartwich die kommissarische Leitung des Akademischen Außenamtes noch für einige Jahre bis 1994. Noch über seine endgültige Pensionierung hinaus engagiert er sich zudem als Leiter des Deutsch-Amerikanischen Informationsbüros auf dem Feld der internationalen Beziehungspflege und bleibt der Freien Universität als Geschäftsführer der Ernst-Reuter-Gesellschaft verbunden.

Der Aktenbestand des Akademischen Außenamtes

Der Bestand Akademisches Außenamt, dem die Akten der Außenkommission aufgrund der häufig nicht eindeutig abgrenzbaren Provenienzen zugeordnet wurden, gibt Einblicke in die Zusammenarbeit der Freien Universität mit der Ford Foundation und in diesem Zusammenhang insbesondere in die Verwendung der amerikanischen Spendengelder für den Auf- und Ausbau der Universität, so u. a. für den Bau des Henry-Ford-Baus und der Universitätsbibliothek in der Garystraße und die Weiterentwicklung der Fakultäten und Institute auf dem Gebiet von Forschung und Lehre.

Aufgabenbeschreibung ca. 1960

Internationale Studierende, Austausch und Partnerschaften

Darüber hinaus finden sich Unterlagen zum Studium ausländischer Studierender an der Freien Universität und zur Gründung eines Studienkollegs für die Vermittlung von deutschen Sprachkenntnissen und Vorbereitung der Aufnahme eines regulären Studiums an der Universität. Ein großer Teil der Akten dokumentiert die Etablierung und Pflege der zahlreichen internationalen Kontakte der Freien Universität zu ausländischen Universitäten in Form von Partnerschaften und akademischem Austausch sowohl auf der Ebene des Lehrkörpers als auch der Studierenden auf nahezu allen Kontinenten.

Internationale Netzwerke und herausragende Partnerschaften

So ist neben dem Kontakt zu zahlreichen anderen renommierten Universitäten die Verbindung zur Columbia University – erste offizielle ausländische Partneruniversität der Freien Universität – und zu ihren Vertretern, wie beispielweise dem Politikwissenschaftler Franz L. Neumann, im Bestand umfassend dokumentiert.

Gastdozierende, Kooperationen und Stipendienprogramme

Dementsprechend finden sich weitere Unterlagen zur Gewinnung von prominenten Gastdozierenden- und professor*innen für die Freie Universität durch das Akademische Außenamt bzw. die Außenkommission, bspw. zum Mitbegründer des Leo Baeck Institute Prof. Adolf Leschnitzer, der zunächst als Gastprofessor und später Honorarprofessor zwischen 1955 und 1972 Judaistik und Jüdische Geistesgeschichte an der Freien Universität lehrte. Aber auch Kooperationen und Kontakte mit Organisationen im Inland, v. a. mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und der Fulbright-Kommission, hier insbesondere auf dem Feld der Begabtenförderung und Stipendienvergabe, lassen sich anhand der Akten detailliert nachvollziehen.

Repräsentation und akademische Festkultur

Nicht zuletzt gibt der Bestand des Akademischen Außenamtes Einblicke in die Planung und Durchführung zahlreicher Festveranstaltungen an der Freien Universität wie die Besuche des US-amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy und seines Bruders Robert, Empfänge für wichtige – nicht nur ausländische – Vertreter*innen aus Politik und Wissenschaft und Feiern anlässlich der Verleihung von Ehrendoktor- und Ehrenbürgerwürden. Diese und viele weitere feierliche Anlässe sind in der Fotosammlung des Universitätsarchivs umfangreich dokumentiert.

Erschließung, Nutzung und Forschungspotenzial des Bestandes

Nicht nur das gesamte Berufsleben von Horst W. Hartwich, sondern zahlreiche spannende Aspekte der Entwicklung der Freien Universität hin zu einer international bestens vernetzten Universität spiegeln sich im Aktenbestand des Akademischen Außenamtes wider. Die Erschließung des Altaktenbestandes bis 1970, des kleinen beruflichen Nachlasses von Horst W. Hartwich sowie des korrespondierenden Protokollbestandes der Außenkommission konnte in diesem Jahr im Universitätsarchiv finalisiert werden.

Zugang und Kontakt zum Universitätsarchiv

Schon vor Abschluss der Verzeichnungsarbeiten erfreute sich der Bestand Akademisches Außenamt eines regen Interesses durch Archivnutzende. Durch die inzwischen vollständige Veröffentlichung aller Erschließungsinformationen in der Online-Findhilfe des Universitätsarchivs ist aufgrund der größeren Sichtbarkeit eine weiterhin hohe Nutzungsfrequenz zu erwarten.

Inhaltliche Anfragen nimmt das Team des Universitätsarchivs gerne unter der E-Mail-Adresse archiv@fu-berlin.de entgegen.

Text von: Judith Kraus | Universitätsarchiv