ZDF startet „Das blaue Sofa“

Dem aufmerksamen Buchmesse-Beobachter dürfte das „Blaue Sofa“ ein Begriff sein – seit 1999 nehmen jährlich Autoren und Kritiker in Leipzig oder Frankfurt darauf Platz, loben oder tadeln neu erschienene Literatur. Ein passender Titel also für die neue Literatursendung, die das ZDF am 16. September um 23:00 Uhr präsentiert.

Sechsmal im Jahr, alle zwei Monate, wird der frühere „aspekte“-Chef Wolfgang Herles für eine halbe Stunde mit dem klobigen Möbelstück zu einem Schriftsteller unterwegs sein – entweder am Ort ihres Wirkens oder einen Roman-Schauplatz. Sein Hauptaugenmerk legt der Kulturjournalist laut eigenen Angaben auf Literatur, „die gut erzählt, gut lesbar ist“ und uns klüger macht und verspricht nicht nur „simple Unterhaltungsliteratur“. Der erste Gast auf Herles‘ Sofa ist noch nicht bekannt.

Bleibt zu hoffen, dass Wolfgang Herles mehr Erfolg mit dem Freitagabend beschieden ist, als seinen Vorgängern und besprochene Literatur wenigstens ein kleines bisschen mit Krimis und Comedy konkurrieren kann. Amelie Fried und Ijoma Mangold hatten auf dem gleichen Programmplatz „Die Vorleser“ vorgestellt, bis die Sendung aufgrund mangelnder Einschaltquoten im Dezember 2010 abgesetzt wurde. Auch deren Vorgängerin Elke Heidenreich hatte Probleme, die Zuschauer zu erreichen, nachdem ihre Sendung „Lesen!“ von Dienstag- auf Freitagabend verlegt worden war.

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Auszeichnungen für Roth und Delius

Mit dem Man Booker International Prize und dem Georg-Büchner-Preis sind heute zwei der wichtigsten Auszeichnungen der Literaturszene vergeben worden.

Erstgenannter Preis wurde Philip Roth zuteil. Der Amerikaner hat sich in den vergangenen sechs Jahrzehnten einen Namen durch zahlreiche Romane, Erzählungen und Essays gemacht hat, in denen er dem jüdischen Leben in den USA, dem „Amerikanischen Idyll“ und der Ideologie der „Political Correctness“ nachgeht. 1998 erhielt er für den Roman American Pastoral den Pulitzer-Preis zugesprochen, der den Zusammenbruch einer amerikanischen Vorzeigefamilie behandelt. „Seine (Roths) Vorstellungsgabe hat nicht nur unsere Vorstellung von jüdischer Identität neu geformt, sie hat auch die Dichtung neu belebt, und nicht nur die amerikanische Dichtung.“, so die Preisjury. Roth zählt damit zu den höchstdekorierten zeitgenössischen US-Autoren. Nur der Nobelpreis fehlt in seiner Sammlung, für den er seit Jahren gehandelt wird. Ob es wohl 2011 damit klappt?

Der Georg-Büchner-Preis wird jährlich von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen und geht an Autoren, die sich durch ihre Arbeit um die deutschsprachige Literatur verdient gemacht haben. Nachdem im letzten Jahr Reinhard Jirgl geehrt wurde, geht die Auszeichnung 2011 an Friedrich Christian Delius. Der Pfarrerssohn veröffentlichte bereits als 19-Jähriger erste Gedichte und studierte in Berlin Literaturwissenschaft an der FU und TU. Bekanntheit erlange der 68er-Vertreter durch seine bissigen literarischen Dokumentationen (Wir Unternehmer, 1965; Unsere Siemens-Welt, 1972). In seinen zeitgenössischen Romanen nahm sich Delius unter anderem den Studentenunruhen, dem Deutschen Herbst 1977 (Ein Held der inneren Sicherheit, 1981; Mogadischu Fensterplatz, 1987) und der Wiedervereinigung (Die Birnen von Ribbeck, 1991) an. Weitere von der Kritik gelobte Werke sind (semi-)autobiografischen Ursprungs (Amerikahaus und Der Tanz um die Frauen, 1997; Mein Jahr als Mörder; 2004). Delius bisher letzter Roman, Die Frau, für die ich den Computer erfand (2009), erzählt von Konrad Zuse und den Beginn des digitalen Zeitalters.

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Buchtipp: Bücher rund um Bewerbungsstrategien

Jeden trifft es früher oder später einmal … es muss eine Bewerbung verfasst und ein Bewerbungsgespräch durchgestanden werden.

Damit beides gelingt, kann sich die/der BewerberIn natürlich vorab ein paar Tipps in entsprechender Fachliteratur holen. Spezialisten dafür sind die Autoren Püttjer und Schnierda.

Aktuell gibt es ein super Angebot entsprechender Karriere-Ratgeber beider Autoren aus dem Campus-Verlag als E-Books.
Für die FU freigeschaltet sind die Titel mit dem grünen Ampelsymbol (vgl. Zugangsberechtigungen).

Die Titel sind zurzeit noch nicht im FU-Katalog oder im Bibliotheksportal geladen. Das wird im April geschehen, wenn die zurzeit laufende Datenmigration abgeschlossen ist.

Neu im Buchregal: Sozialgeschichte der Familie (M. Mitterauer)

Wie heißt es doch so schön (wird jedem Berufsanfänger ins Stammbuch geschrieben): „Der Bibliothekar, der liest, ist verloren.“ (Gilt natürlich auch in der weiblichen Form!). Um nicht verloren zu gehen, beende ich eiligst die zwischenzeitliche Lektüre (beim „Verschlagworten“ — „eilt sehr Geschäftsgang“) von

Mitterauer, Michael :
Sozialgeschichte der Familie : Kulturvergleich und Entwicklungsperspektiven / Michael Mitterauer. – 1. Aufl. – Wien : Braumüller, 2009. – 155 S. . – ISBN: 978-3-7003-1717-3. – (Basistexte – Wirtschafts- und Sozialgeschichte ; 1)
Signatur: 88/2010/ 20901

Es handelt sich um einen spannenden Kulturvergleich, der die besonderen Entwicklungslinien der Familienstrukturen in Europa („Western family“, Klein- bzw. Kernfamilien, vergleichsweise spätes Heiratsalter …) im Unterschied zu anderen Kulturkreisen herausarbeitet. Der Autor, Michael Mitterauer, ist ein international renommierter österreichischer Wirtschafts- und Sozialhistoriker.

Tendenz: vormerken! Der Band ist allerdings bereits vorbestellt … 😉

Buchtipp: Ästhetik des Bösen von Peter-André Alt

Vor einigen Tagen hat Prof. Dr. Peter-André Alt, FU-Professor und derzeitiger Präsident der Freien Universität Berlin den 2. Platz des NDR-Sachbuchpreises gewonnen.

„Die Ästhetik des Bösen“ lautet der Titel seines neuesten Buches, das in mehreren FU-Bibliotheken vorhanden, ist.

Ästhetik des Bösen / Peter-André Alt.
München : Beck, 2010. – 714 S. . – Ill.
ISBN: 978-3-406-60503-1
Preis 34 Euro

Das Böse ist für die Literatur seit der Romantik ein Objekt der offenen Anziehung und lustvoll inszenierten Sympathie. Peter-André Alt erschließt in seinem Werk die Geheimnisse einer unmoralischen Literatur, die das Böse als ästhetisches Phänomen jenseits aller Werte sichtbar werden lässt. Erzählt wird auf diese Weise eine andere Geschichte des Schönen, von der Nachtseite der europäischen Moderne (aus: Kurzbeschreibung des Beck-Verlages).

Empfohlen sei hier auch ein Interview in der Welt vom 14.10.2010 oder eine Rezension von Jan Ehlert auf NDR-Kultur ebenfalls vom 14.10.2010 und die Rezension in Glanz & Elend von Peter V. Brinkemper.

Die FAZ bezeichnet das Buch übrigens als das überraschendste Buch dieses Bücherherbstes.

Buchtipp: Wie man ein Buch liest

Ich denke, es wird wieder einmal Zeit für einen Buchtipp. „Wie man ein Buch liest“ heißt der Titel eines von Mortimer J. Adler und Charles van Doren geschiebenen Buches. Hier wird erklärt, was man schon ahnte – lesen ist nicht gleich lesen.
Zu unterschiedlich ist der Lesestoff: Belletristik, wissenschaftliche oder populärwissenschaftliche, philosophische oder naturwissenschaftliche Texte, journalistische Texte in der Tagespresse, jeder Text benötigt eine eigene Betrachtungsweise.

Als „Schlüsselwerk zur Kultur“ bezeichnet das Magazin New Yorker das Buch. Nicht allein die Menge des Gelesenen ist entscheidend. Wichtig ist auch, die eigene Lektüre effektiv zu gestalten. Die vorgestellten Techniken eines aktiven Lesens können hier helfen, die Lesequalität zu erhöhen. Denn: „Gutes Lesen ist eine komplexe Tätigkeit, ebenso wie gutes Schreiben. Es besteht aus zahlreichen unverzichtbaren Einzelschritten. Je mehr ein Leser davon beherrscht, desto besser kann er lesen“ (M. J. Adler).

„Wie man ein Buch liest“ wurde übrigens Anfang der 40er Jahre geschrieben und entwickelte sich schnell zu einem Leitfaden für Lesetechniken. Das Buch kann in überarbeiteten Fassung in der UB ausgeliehen werden

Im Anhang finden sich übrigens die besten Bücher im Überblick. Sinnvoll, denn nach der Frage Wie? stellt sich ja automatisch die Frage Was?

Buchtipp: Das grosse Buch der deutschen Fussballstadien

Fussball ist zurzeit ja in allen Medien – und jetzt auch in Biblioblog! Allerdings mit einem Buchtipp, der nur indirekt zur WM in Südafrika passt.

Bereits in der 3. Auflage von 2010 ist gerade Werner Skrentnys »Großes Buch der deutschen Fußballstadien« erschienen. Ein Buch, das vermutlich in keiner Fanbibliothek fehlen sollte.

Alle wichtigen Stadien, auch die neu gebauten sind natürlich berücksichtigt, wie etwa die Allianz-Arena in München oder das Zentralstadion in Leipzig. Neu sind auch die vielen farbigen Abbildungen. Geblieben ist der Anspruch, die rund 350 Stadien nicht nur in ihrer Architektur und sportlichen Bedeutung zu würdigen. Wie urteilte Peter Eitner im Südwestdeutschen Rundfunk? »So ein Buch habe ich seit Jahren gesucht. Es ist ein großartiges und unterhaltsames Stück Gesellschaftskunde. Vor allem der Mythos, der an alten Stadien hängt, ist wunderbar eingefangen. Höchstes Lob.« (aus: Rezension bei Amazon.de)

Ehrlich gesagt, finde auch ich, die ich mich nicht als fussballverrückt bezeichnen würde, das Buch spannend zu lesen, weil viel Interessantes und Kurioses rund um die Stadien erzählt wird.

Das Buch kann in der UB ausgeliehen werden: Signatur 14/2010/15019 (Offenes Magazin).

Präsidenten-Lektüre

Pünktlich zur heutigen Wahl des Bundespräsidenten (erster Urnengang ab 12:15 Uhr) hat sich das Feuilleton der FAZ die Lieblingsbücher der beiden aussichtsreichen Kandidaten Christian Wulff (vorgeschlagen von der CDU/CSU und FDP) und Joachim Gauck (Kandidat der SPD und der Grünen) genauer angesehen. Getreu dem Motto „Wenn wir die Lieblingsbücher der Kandidaten kennen, dann wissen wir, mit welchen fremden Köpfen sie am liebsten denken.“, blickt Hubert Spiegel mit leichtem Schmunzeln auf Werke von Antoine de Saint-Exupéry, Hemingway und Bohumil Hrabal.

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Autorenwettstreit am Wörthersee

Es wird wieder gelesen am Wörthersee – gestern starteten in Klagenfurt zum 34. Mal die Tage der deutschsprachigen Literatur, in deren Verlauf der renommierte Ingeborg-Bachmann-Preis vergeben wird. Bis Samstag treten 14 eher unbekannte Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Wettstreit gegeneinander an. Das Besondere dabei: die bisher unveröffentlichten Prosatexte werden direkt nach der Autorenlesung (bis zu 30 min lang) von den sieben Jurymitgliedern öffentlich vor Publikum diskutiert. Ebenso erfolgt die Ermittlung des Preisträgers in einer offenen Abstimmung. Der Lesemarathon wird wie jedes Jahr live vom ORF 3sat im Fernsehen ausgestrahlt, allerdings für Berufstätige zu eher ungünstigen Zeiten (doch es gibt Alternativen!). Bereits am 27. Juni ist die Preisverleihung.

Zur diesjährigen Jury, die die Wettbewerbsteilnehmer auch vorschlägt, zählen der deutsche Journalist und Literaturkritiker Hubert Winkels, der deutsche Schriftsteller Burkhard Spinnen, der österreichische Journalist Paul Jandl und der Schweizer Autor Alain Claude Sulzer.

Autoren im Wettbewerb:

  • Volker H. Altwasser (Deutschland)
  • Thomas Ballhausen (Österreich)
  • Dorothee Elmiger (Schweiz)
  • Christian Fries (Deutschland)
  • Sabrina Janesch (Deutschland)
  • Josef Kleindienst (Österreich)
  • Christopher Kloeble (Deutschland)
  • Daniel Mezger (Schweiz)
  • Verena Rossbacher (Österreich)
  • Max Scharnigg (Deutschland)
  • Iris Schmidt (Deutschland)
  • Aleks Scholz (Deutschland)
  • Peter Wawerzinek (Deutschland)
  • Judith Zander (Deutschland)

Die bisher vorgetragenen Texte lassen sich zeitnah auf der offiziellen Website nachlesen. Im letzten Jahr hatte der deutsche Autor Jens Petersen mit seinem Romanauszug Bis dass der Tod die Nase vorn.

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Literatur in Europa

Von der Liebeserklärung zum Buch (Umberto Eco), über die Lust am Übersetzen (Holger Fock) bis hin zum schönen Schein der Marktwirtschaft (Hubert Winkels) haben 33 Autoren aus 18 Ländern über die Literatur in Europa sinniert. Jetzt nachzulesen im Kulturreport Fortschritt Europa (3/2010), der vom Institut für Auslandsbeziehungen gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung herausgegeben wurde. Die PDF-Version lädt zum kostenfreien Download in fünf Sprachen ein.

(Gesehen bei boersenblatt.net)