Lernen in der Bibliothek – warum wir das Leitungswasser (zurück) auf den Tisch holen sollten

Ein Erfahrungsbericht von Gunnar A. (Studierender, Geographische Wissenschaften)

Es ist Mitte Juli, draußen zeigt das Thermometer weit über dreißig Grad und ich sitze im dritten Stock der Campusbibliothek zwischen einem Haufen zu machender Abgaben. Die wenigen offenen Fenster ändern nichts daran, dass die Luft steht, und nach einer Stunde merke ich, wie mir das Konzentrieren zunehmend schwerfällt. Der Kopf wird schwer, die Zeilen im Skript verschwimmen. Ich greife nach meiner Flasche – leer. Muss ich jetzt wieder bis zur Mensa laufen, um mir Wasser zu holen? Genau in diesem Moment wird mir klar, wie sehr eine einfache Sache fehlt: Ein hoher Wasserhahn oder Trinkbrunnen in der Bibliothek, an dem ich meine Flasche kostenlos auffüllen kann.

Hitze, Konzentration und der unterschätzte Durst

Was ich in dieser Situation am eigenen Leib gespürt habe, ist keine Einbildung. Schon ein leichtes Flüssigkeitsdefizit wirkt sich messbar auf Aufmerksamkeit, Kurzzeitgedächtnis und Reaktionsvermögen aus – Fähigkeiten, die wir beim Lernen und in Prüfungen ständig brauchen. Der Leitfaden „Trinkwasser an Hochschulen“ von a tip: tap verweist in diesem Zusammenhang auf eine Studie der University of Westminster aus dem Jahr 2017, die einen Zusammenhang zwischen ausreichendem Trinken und gesteigerter Konzentrationsfähigkeit sowie Leistungsfähigkeit beschreibt. Gerade in Bibliotheken, wo wir uns über Stunden hinweg auf einen Text oder eine Aufgabe fokussieren müssen, ist das kein Nebenaspekt, sondern eine Grundvoraussetzung. Und mit den zunehmend heißen Sommern, die uns der Klimawandel beschert, wird das Thema jedes Jahr drängender: Wenn die Innenräume sich aufheizen, brauchen wir erst recht einfache, kostenlose Möglichkeiten, um Flüssigkeit nachzufüllen.

Leitungswasser: gesund, günstig, klimafreundlich

Dabei liegt die Lösung buchstäblich in der Wand. Leitungswasser in Deutschland unterliegt einer strengen amtlichen Kontrolle und ist in aller Regel ohne Bedenken trinkbar. Es kommt ohne Verpackung, ohne Transportwege und ohne Pfandflaschen-Logistik aus. Laut a tip: tap ließen sich allein in Deutschland jährlich rund 8 Milliarden Plastikeinwegflaschen und 3 Millionen Tonnen CO₂ einsparen, wenn mehr Menschen konsequent auf Leitungswasser umsteigen würden. Für uns Studierende kommt ein ganz praktischer Punkt dazu: Es ist schlicht kostenlos. Wer wie ich zwischen zwei Vorlesungen kaum Zeit hat, in die Mensa oder zum Kiosk zu laufen, profitiert enorm von einer Zapfstelle direkt im Lesesaal.

Was andere Hochschulen vormachen

Ich habe mich erkundigt, und es gibt bereits eine ganze Reihe überzeugender Beispiele:

Was diese Beispiele verbindet: Es braucht selten eine große Investition, sondern vor allem engagierte Personen – oft aus Nachhaltigkeits-Gruppen, Green Offices oder eben aus der Bibliothek selbst –, die das Thema anstoßen, Zapfstellen sichtbar machen und die Vorteile von Leitungswasser kommunizieren. Auch an unserer eigenen Hochschule gibt es dieses Engagement bereits: Die Liste Campus Grün hat schon vor einigen Jahren mit Flyern auf dem Campus die Forderung „Trinkwasserspender in den Bibliotheken“ erhoben. Wer als Studierende*r Wege sucht, dem Anliegen mehr Nachdruck zu verleihen findet in Campus Grün und im Studierendenparlament, Gehör und Unterstützung. Die Nachhaltigkeitsinitiative „Sustain it!“ als auch die Nachhaltigkeits-Gruppe „GreenFUBib“ der Universitätsbibliothek bringen das Thema Leitungswasser regelmäßig bei Veranstaltungen an der Universität unter die Menschen.

Wasser als Kulturgut – mehr als nur H₂O

Beim Stöbern im BiblioBlog der Universitätsbibliothek ist mir aufgefallen, dass Wasser dort nicht nur unter dem Aspekt der Versorgung, sondern auch als kulturelles Thema verhandelt wird: Anlässlich des UN-Weltwassergipfels 2023 wurde in einem Beitrag daran erinnert, dass Wasser seit jeher auch literarisch und künstlerisch verarbeitet wird – als Sinnbild für Kreislauf, Wandel und Lebendigkeit. Diese Perspektive gefällt mir, weil sie zeigt, dass eine Bibliothek das Thema Wasser nicht nur technisch (Zapfstelle ja oder nein), sondern auch inhaltlich aufgreifen kann: mit Ausstellungen, Lesungen oder kleinen Themenwochen rund um Wasser als Lebensgrundlage und Kulturgut. So wird aus einer reinen Infrastrukturfrage ein Bildungsangebot, das zum Nachdenken über unseren Umgang mit einer knappen Ressource anregt.

Rechtlich ist der Weg bereits geebnet

Toilettenvorraum in der Campusbibliothek: Hier können zumindest an diesem Hahn größere Flaschen aufgefüllt werden, Piktrogramme machen dies deutlich, doch diese Örtlichkeiten sind eher die Ausnahme

Dass öffentliche Einrichtungen sich stärker um kostenfreien Wasserzugang kümmern sollen, ist inzwischen auch politisch gewollt: Die EU-Trinkwasserrichtlinie verpflichtet Kommunen über § 50 Wasserhaushaltsgesetz dazu, den Zugang zu Trinkwasser im öffentlichen Raum zu verbessern. Ein aktuelles Sachverständigengutachten im Auftrag des Umweltbundesamts zu den Finanzierungsoptionen für öffentliche Trinkwasserbrunnen zeigt außerdem, dass eine kostenlose Abgabe des Wassers rechtlich nicht zwingend aber ausdrücklich wünschenswert ist und verschiedene Finanzierungswege offenstehen. Für Hochschulen bedeutet das: Es gibt keinen triftigen rechtlichen Grund, warum nicht auch in Bibliotheken mehr Trinkwasserspender stehen könnten – im Gegenteil, der politische Rückenwind ist da.

Mein Fazit und Aufruf an alle Studierenden

Für mich ist klar geworden: Ein Trinkwasserspender in der Bibliothek ist kein Luxus, sondern eine kleine, aber wirksame Maßnahme für besseres Lernen, für unsere Gesundheit an heißen Tagen und für weniger Plastikmüll auf dem Campus. Andere Hochschulen zeigen, dass es geht – oft mit überschaubarem Aufwand und viel Eigeninitiative. Deshalb mein Aufruf an euch: Wenn auch ihr in eurer Bibliothek schon einmal vergeblich nach einer Zapfstelle gesucht habt, meldet euch! Sprecht die Bibliotheksleitungen, das Studierendenparlament oder eure Nachhaltigkeits-Arbeitsgruppe an, sammelt Unterschriften oder schreibt einfach eine kurze Mail. Je mehr von uns das Thema sichtbar machen, desto eher wird aus der leeren Wasserflasche in der Bibliothek bald ein volles Glas – kostenlos, klimafreundlich und immer griffbereit.

Fotos: Diana Merten & Janet Wagner

Textbearbeitung: Janet Wagner

Grün statt Grau: Wie die Terrasse der Campusbibliothek neu gedacht wurde

Ein Erlebnisbericht von Tom Luca Czerny

Wer öfter in der Campusbibliothek der Freien Universität Berlin lernt, kennt die Terrasse im Neubau wahrscheinlich eher als Durchgangsort. Grau, unauffällig, kaum jemand hat sich dort wirklich aufgehalten. Dies war der entscheidende Anlass für meine Teilnahme an einem wöchentlichen Seminar, das sich über ein gesamtes Semester hinweg ausschließlich diesem Ort widmete. Ziel war eine Neugestaltung der Terrasse mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Begrünung.

Studierende gestalten die Terrasse – der Kompetenzbereich Nachhaltige Entwicklung

Aus den Angeboten der Wahlpflichtmodule der Allgemeine Berufsvorbereitung (ABV) in Bachelorstudiengängen der Freien Universität gibt es Seminare zu: „Nachhaltigkeit verstehen und gestalten“. Ich studiere Geographie, mit Schwerpunkten unter anderem in Ökologie und Nachhaltigkeit. Insofern lag es nahe, sich für ein Seminar zu entscheiden, das genau diese Themen aufgreift, aber eben nicht nur theoretisch. Was mich konkret angesprochen hat: Die Bibliothek war mir als Lernort schon vertraut, die Terrasse dort aber wirkte ungenutzt. Einen Ort, den man kennt und trotzdem übersieht, praktisch mitzugestalten, fand ich naheliegender als ein weiteres Seminar, in dem Nachhaltigkeit nur diskutiert statt umgesetzt wird. Ob Lehre und Nachhaltigkeit zusammengehören, wurde im Seminar selbst eigentlich nicht groß thematisiert, aber genau darin lag für mich der Punkt: Man hat es einfach gemacht, statt lange darüber zu reden.

Von der Idee zum Hochbeet

Der Einstieg ins Seminar war der Teil, der mir am meisten gebracht hat. Wir haben uns damit beschäftigt, welche regionalen, ökologisch wertvollen Pflanzen für die Beete überhaupt infrage kommen: Was ist für Insekten besonders wertvoll, was verträgt sich mit den Standortbedingungen auf der Terrasse, was spendet Schatten. Das war der Punkt, an dem aus einem vagen Nachhaltigkeitsbegriff etwas Konkretes wurde.

Danach ging es an die eigentliche Gestaltung, hier war der Spielraum
unterschiedlich groß. Einige Elemente standen von vornherein fest, etwa die Pergola mit Sitzgelegenheit und die barrierefreie Tisch-Bank-Kombination. Hintergrund war, dass das Team der Campusbibliothek das Seminar mit einem bereits genehmigten Förderprojekt verknüpft hat. Für die Ausschreibung der „FUturist“-Förderung wurden vorab konkrete Ideen zur Umsetzung formuliert.

Pergola Bau mit allen Studierenden, Mai 2026

Bei den drei Hochbeeten und der übrigen Möblierung, den Sonnenstühlen, konnten wir dagegen eigene Ideen einbringen und ausprobieren.
Was mir weniger gut gefallen hat: Der Gestaltungsrahmen war an mehreren Stellen enger vorgegeben, als ich erwartet hatte. Gerade weil der Einstieg so offen und explorativ war, wollte ich bei der eigentlichen Umsetzung mehr eigene Entscheidungen treffen, als am Ende möglich war. Das schmälert das Ergebnis nicht, aber es war ein Punkt, der mich im Semester phasenweise etwas frustriert hat.

Learned Lessons

Für mich überraschende Erkenntnisse aus dem Semester: Gartenarbeit macht Spaß und auch handwerkliches Arbeiten hat mir mehr Freude bereitet, als ich vorher gedacht hätte. Beides waren keine Bereiche, mit denen ich mich vor dem Seminar aktiv beschäftigt habe. Insofern war der praktische Teil, das tatsächliche Anpacken, für mich fast wichtiger als der inhaltliche Input zu Beginn.

Mein Blick auf Bibliotheken hat sich durch das Projekt konkret verändert, weniger abstrakt als vielmehr im Alltag spürbar. Wenn man in der Pause auf einer begrünten Terrasse sitzt, fast wie in einer Art Garten, fällt es einfach leichter, sich davon auch mental etwas zu lösen. Vorher war die Bibliothek für mich fast ausschließlich ein Ort zum Lernen, ein Zweckort. Jetzt sehe ich sie auch als Aufenthaltsort, an dem man sich gerne aufhält, unabhängig davon, ob man gerade etwas lesen oder schreiben muss oder nicht.

Nachhaltigkeit an der Universität?

Auch mein Blick auf die Freie Universität Berlin hat sich verändert. Ich hätte nicht erwartet, dass Studierende bei einem Nachhaltigkeitsprojekt auf dem Campus so viel Gestaltungsspielraum bekommen, wie wir ihn hatten. Ein Semester lang an einem Ort mitzuarbeiten, den danach alle nutzen können, ist etwas anderes als eine Hausarbeit zu schreiben, die am Ende in der Schublade landet. Partizipation ist an der Universität offenbar keine leere Floskel, zumindest habe ich das in diesem Seminar so erlebt. Und wenn die Universität Studierenden solche Projekte tatsächlich zutraut, sagt das auch etwas über ihr
Verständnis von Nachhaltigkeit aus: nicht nur als Strategiepapier, sondern als etwas, das konkret angepackt wird.

Die Terrasse der Campusbibliothek ist jetzt grüner, mit drei Hochbeeten, Schatten unter der Pergola und Platz zum Sitzen für alle. Ob sie dadurch auch wirklich mehr genutzt wird, zeigt sich erst, wenn die ersten warmen Tage kommen und die Leute anfangen, dort tatsächlich zu sitzen statt nur vorbeizulaufen.

Fertige Pergola, die zukünftig begrünt Schatten spenden soll.

Text von Tom Luca Czerny (Studierender im Sommersemester 2026 an der Freien Universität Berlin)

Fotos: Diana Merten (Team Campusbibliothek)