{"id":12752,"date":"2012-10-14T11:11:33","date_gmt":"2012-10-14T10:11:33","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/?p=12752"},"modified":"2017-10-06T08:16:24","modified_gmt":"2017-10-06T07:16:24","slug":"liao-yiwu-mit-friedenspreis-des-deutschen-buchhandels-ausgezeichnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/2012\/10\/14\/liao-yiwu-mit-friedenspreis-des-deutschen-buchhandels-ausgezeichnet\/","title":{"rendered":"Liao Yiwu mit Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/2012\/06\/21\/friedenspreis-des-deutschen-buchhandels-geht-an-liao-yiwu\/yiwu\/\" rel=\"attachment wp-att-11733\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-11733\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2012\/06\/yiwu.jpg\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"95\" align=\"right\" \/><\/a>Zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am Sonntag ist Liao Yiwu mit dem <a href=\"https:\/\/www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de\/\">Friedenspreis des Deutschen Buchhandels<\/a> ausgezeichnet worden. Der chinesische Schriftsteller nahm die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung in der Frankfurter Paulskirche entgegen. Die Laudatio auf ihn hielt die deutsche Journalistin und Schriftstellerin Felicitas von Lovenberg. Liao liefere \u201eeinen ern\u00fcchternden und verst\u00f6renden Blick auf das moderne China\u201c, so von Lovenberg, und lobte sein Werk als \u201eLiteratur-verdichtete Oral History Chinas\u201c. Er schildere Hunger, Schmerz, Angst oder Einsamkeit aus bitterster eigener Erfahrung und m\u00fcsste nichts hinzudichten oder \u00fcbertreiben, so von Lovenberg.<\/p>\n<p><strong>Unendlich gro\u00dfer \u201eM\u00fcllhaufen<\/strong>\u201c<br \/>\nLiao Yiwu selbst erinnerte in seiner Preisrede unter anderem wiederholt an das Tian\u2019anmen-Massaker von 1989, den Bau der chinesischen Mauer sowie Mao Zedongs ber\u00fcchtigte Kulturrevolution mit Millionen Toten. \u201eWir sind keine Dichter mehr, wir sind Zeugen der Geschichte.\u201c, zitierte Liao Yiwu einen Dichter, den er im Jahr 1989 nach dem Massaker getroffen hatte. Seitdem h\u00e4tte die Verelendung zugenommen. Die Menschen w\u00fcrden immer weiter abstumpfen, kontr\u00e4r zum stetigen wirtschaftlichen Aufschwung in China. \u201eMit jedem Todessto\u00df steigen die Bilanzen der Wirtschaft [\u2026] Die Henker triumphieren, weil das ganze Land zu ihrem Sklaven geworden ist.\u201c, so Liao Yiwu \u00fcber das heutige Profitdenken in seiner Heimat. Das chinesische Gro\u00dfreich, \u201edieser unendlich gro\u00dfe M\u00fcllhaufen\u201c m\u00fcsse auseinander brechen, so der Preistr\u00e4ger, der zum Abschluss das Klagelied der betroffenen M\u00fctter des Tian\u2019anmen-Massakers auff\u00fchrte.<\/p>\n<p>Der Sohn eines w\u00e4hrend der chinesischen Kulturrevolution verfolgten Intellektuellen wurde 1958 in der Provinzhauptstadt Sichuan geboren und wuchs unter \u00e4rmlichen Bedingungen auf. Obwohl Liao Yiwu der Universit\u00e4tsbesuch verweigert wurde, gelang dem wortgewandten Dichter in den 1970er-Jahren mit seiner Lyrik der Aufstieg zum Staatsschriftsteller. Aufgrund seines westlichen Schreibstils kritisch von der Regierung be\u00e4ugt, zog er sich den Zorn des Regimes 1990 durch sein episches Gedicht <em>Massaker<\/em> zu. In diesem verurteilte er das im Jahr zuvor begangene Tian\u2019anmen-Massaker.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/aleph-www.ub.fu-berlin.de\/F\/?func=item-global&amp;doc_library=FUB01&amp;doc_number=004477245&amp;year=&amp;volume=&amp;sub_library=UB\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-12755\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2012\/10\/lieder.jpg\" alt=\"\" width=\"146\" height=\"214\" align=\"right\" \/><\/a><strong>Vom Dichter zum Reportageschriftsteller<\/strong><br \/>\nAb den 1990er Jahren wandelte sich Liao Yiwu als politischer H\u00e4ftling zum Reportageschriftsteller und beschrieb in dem sp\u00e4t ver\u00f6ffentlichten Buch<del><em><\/em><\/del> <em>F\u00fcr ein Lied und hundert Lieder<\/em> (2011) die Einzelschicksale von Mith\u00e4ftlingen (<a href=\"https:\/\/aleph-www.ub.fu-berlin.de\/F\/?func=item-global&amp;doc_library=FUB01&amp;doc_number=004477245&amp;year=&amp;volume=&amp;sub_library=UB\">vormerkbar in der Universit\u00e4tsbibliothek<\/a>). Von der Kritik mit Paul Celans Gedicht<em> Todesfuge<\/em> verglichen, hatte er es dreimal neu schreiben m\u00fcssen, da das Manuskript mehrfach durch chinesische Beh\u00f6rden beschlagnahmt worden war. Internationale Bekanntheit erlangte er durch <em>Fr\u00e4ulein Hallo und der Bauernkaiser<\/em> (2008), in dem Liao Yiwu Interviews mit \u201eChinas Gesellschaft von unten\u201c, wie Wanderarbeitern, Kloputzern, Bauern, Prostituierten oder auch politischen Fl\u00fcchtlingen aus seiner Heimatregion sammelte (<a href=\"https:\/\/aleph-www.ub.fu-berlin.de\/F\/?func=item-global&amp;doc_library=FUB01&amp;doc_number=003673205&amp;year=&amp;volume=&amp;sub_library=211\">ausleihbar in der Sozialwissenschaftlichen Bibliothek<\/a>). Im Juli 2011 reiste der prominente Regimekritiker eigenen Angaben zufolge legal aus China aus und lebt seither im deutschen Exil.<\/p>\n<p>Vor der Preisverleihung kritisierte Liao Yiwu in einem Interview mit <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/literatur\/liao-yiwu-kritisiert-nobelpreis-fuer-mo-yan-a-861161.html\">Spiegel Online<\/a> die diesj\u00e4hrige Zuerkennung des Literaturnobelpreises an seinen Landsmann Mo Yan. Er sei \u201efassungslos\u201c \u00fcber die Auszeichnung f\u00fcr den \u201eStaatsdichter\u201c. Liaos Freunde in China w\u00fcrden sich fragen, \u201eob sich der Westen als Verl\u00e4ngerung, als Erweiterung des chinesischen Systems\u201c verstehe. Bereits zuvor hatte der bekannte K\u00fcnstler Ai Weiwei Kritik \u00fcber die Nobelpreisvergabe an Mo Yan ge\u00e4u\u00dfert (vgl. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/literatur\/2012-10\/nobelpreis-yan-ai-weiwei\">Zeit Online<\/a>).<\/p>\n<h6>Bild:<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Liao_Yiwu_2010_Cologne.jpg?uselang=de\"> Elke Wetzig\/Elya (Lizenz: GFDL\/CC-BY-SA-3.0)<\/a><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am Sonntag ist Liao Yiwu mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Der chinesische Schriftsteller nahm die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung in der Frankfurter Paulskirche entgegen. Die Laudatio auf ihn hielt die deutsche Journalistin und Schriftstellerin Felicitas von Lovenberg. 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