{"id":1907,"date":"2009-07-02T16:20:22","date_gmt":"2009-07-02T15:20:22","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/?p=1907"},"modified":"2009-07-03T08:37:13","modified_gmt":"2009-07-03T07:37:13","slug":"online-enzyklopadie-im-moralischen-zwiespalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/2009\/07\/02\/online-enzyklopadie-im-moralischen-zwiespalt\/","title":{"rendered":"Online-Enzyklop\u00e4die im moralischen Zwiespalt"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2009\/07\/jwales.jpg\" alt=\"\" hspace=\"3\" width=\"110\" height=\"172\" align=\"right\" \/> Auch auf Wikipedia und ihren Gr\u00fcnder Jimmy Wales (Bild) ist nicht immer Verlass &#8211; aus einem sehr zwiesp\u00e4ltigem Grund, wie die Medien in den letzten Tagen zu berichten wissen. Vor wenigen Wochen konnte sich der US-Journalist David Rohde selbstst\u00e4ndig aus seiner Geiselhaft in Afghanistan befreien, nachdem Taliban-K\u00e4mpfer ihn und zwei weitere Begleiter im November 2008 entf\u00fchrt hatten. Daraufhin hatte die New York Times, der Arbeitgeber des zweimaligen Pulitzer-Preistr\u00e4gers, alles daran gesetzt, Rohdes Leben zu retten.<\/p>\n<p>Die Tageszeitung zog zahlreiche Pressedienste ins Vertrauen, nachdem schon ausl\u00e4ndische Agenturen \u00fcber den Entf\u00fchrungsfall berichtet hatten. Daraufhin wurde eine Nachrichtensperre verh\u00e4ngt, die auch auf die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Main_Page\">englischsprachige Wikipedia<\/a> ausgedehnt wurde. <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/David_S._Rohde\">Rohdes Eintrag<\/a> stand seitdem unter der Beobachtung von Administratoren unter der F\u00fchrung von Jimmy Wales. \u00c4nderungen von Autoren, die die Nachricht \u00fcber den Entf\u00fchrungsfall in den Artikel eingebracht hatten, wurden zur\u00fcckgesetzt, der Artikel selbst mehrfach f\u00fcr die Bearbeitung gesperrt.<\/p>\n<p>Die New York Times &#8222;korrigierte&#8220; in den folgenden Monaten ihr Online-Archiv, um ein \u00e4u\u00dferst positives und auf gar keinen Fall islamkritisches Bild des Entf\u00fchrten zu vermitteln. Gleiches erfolgte bei Wikipedia, wo ein mit Rohde befreundeter Journalist die Biografie sch\u00f6nte. Mit dem Ende der Entf\u00fchrung vor anderthalb Wochen ist eine Diskussion in der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Wikipedia:VPP#Censorship_at_David_Rohde\">Community<\/a> und den Medien entstanden \u2013 die &#8222;freie Enzyklop\u00e4die&#8220;, doch nicht ganz so frei?<\/p>\n<p>Mit der Selbstzensur, laut Kritikern, habe Gr\u00fcnder Jimmy Wales gegen die eigenen formulierten Grunds\u00e4tze versto\u00dfen, andere belobigen die Nachrichtensperre als verantwortliches Handeln. Die Wikipedia-Community leidet an diesem Pr\u00e4zedenz-Fall, so Spiegel-Autor <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/0,1518,633181,00.html\">Frank Patalong<\/a>. Rechtfertigt ein Menschenleben die Zensierung von Informationen? W\u00e4re Rohdes Leben durch eine Erg\u00e4nzung des Artikels \u00fcberhaupt in gr\u00f6\u00dferer Gefahr gewesen? In der deutschsprachigen Wikipedia hat sich diese Frage nie gestellt &#8211; erst nach der Enth\u00fcllung der ganzen Geschichte machte sich ein Autor daran, den englischen Artikel <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/David_Stephenson_Rohde\">zu \u00fcbersetzen<\/a>.<\/p>\n<h6>Danke f\u00fcr das Bild an <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Jimbo-wales---fosdem-2005.jpg\">Wikimedia Commons<\/a>!<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch auf Wikipedia und ihren Gr\u00fcnder Jimmy Wales (Bild) ist nicht immer Verlass &#8211; aus einem sehr zwiesp\u00e4ltigem Grund, wie die Medien in den letzten Tagen zu berichten wissen. 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