{"id":21493,"date":"2017-09-09T19:11:45","date_gmt":"2017-09-09T18:11:45","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/?p=21493"},"modified":"2017-09-11T11:05:08","modified_gmt":"2017-09-11T10:05:08","slug":"preis-fuer-bibliotheksdokumentation-beim-filmfestival-von-venedig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/2017\/09\/09\/preis-fuer-bibliotheksdokumentation-beim-filmfestival-von-venedig\/","title":{"rendered":"Preis f\u00fcr Bibliotheksdokumentation beim Filmfestival von Venedig"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem wir Ende Juli schon dar\u00fcber <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/2017\/07\/27\/bibliotheksdoku-konkurriert-beim-filmfestival-von-venedig\/\">berichtet hatten<\/a>, dass eine Dokumentarfilm \u00fcber das Bibliothekswesen bei den diesj\u00e4hrigen Filmfestspielen von Venedig gezeigt wird, hat diese am letzten Festivaltag auch einen Preis erhalten. <em>Ex Libris \u2013 The New York Public Library<\/em> des US-Amerikaners Frederick Wiseman gewann den FIPRESCI-Preis der gleichnamigen internationalen Filmkritikervereinigung f\u00fcr den besten Wettbewerbsfilm (vgl. <a href=\"https:\/\/www.fipresci.org\/news\/venice-2017\">fipresci.org<\/a>). Damit stach Wiseman zumindest aus Sicht der Kritiker so bekannte Autorenfilmer und Hollywood-Gr\u00f6\u00dfen wie Alexander Payne (<em>Downsizing<\/em>), Darren Aronofsky (<em>Mother!<\/em>), George Clooney (<em>Suburbicon<\/em>), Guillermo del Toro (<em>The Shape Of Water<\/em>), Abdellatif Kechiche (<em>Mektoub, My Love: Canto Uno<\/em>) oder auch den chinesischen K\u00fcnstler und Menschenrechtler Ai Weiwei (<em>Human Flow<\/em>) aus. Den Goldenen L\u00f6wen der Wettbewerbsjury um Annette Bening erhielt dagegen der Spielfilm <em>The Shape of Water\u00a0<\/em>(vgl. <a href=\"https:\/\/www.labiennale.org\/en\/news\/official-awards-74th-venice-film-festival\">labiennale.org<\/a>)<\/p>\n<figure id=\"attachment_21505\" aria-describedby=\"caption-attachment-21505\" style=\"width: 250px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2017\/09\/NYPL_New_York_City_May_2014_-_027.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-21505\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2017\/09\/NYPL_New_York_City_May_2014_-_027-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2017\/09\/NYPL_New_York_City_May_2014_-_027-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2017\/09\/NYPL_New_York_City_May_2014_-_027.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 85vw, 250px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-21505\" class=\"wp-caption-text\">Steinerner L\u00f6we vor dem Haupteingang der New York Public Library an der Fifth Avenue<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u00dcber drei Stunden lang blickt der Dokumentarfilm auf die New York Public Library und ihre insgesamt 92 Zweigstellen. Bibliotheken werden als ein Ort der Wissensvermittlung dargestellt, in deren Zentrum die Mitarbeiter und Besucher stehen. Ohne direkte Interviews oder Kommentare dokumentiert der Film die innere Struktur der Bibliothek, f\u00e4ngt beispielsweise die Querelen um knappe Bibliotheksetats, die Antizipation digitaler Trends,\u00a0Vortr\u00e4ge \u00fcber das Thema Sklaverei, eine Buchpr\u00e4sentation von Elvis Costello oder Jobkurse mit Krankenhelfern und Feuerwehrm\u00e4nnern ein. Portr\u00e4tiert wird sowohl die Situation an Standorten in Manhattan, als auch in weniger frequentierten Wohngegenden sowie die Situation von Zuwanderern.<\/p>\n<p>Bild: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:NYPL_New_York_City,_May_2014_-_027.jpg\">Another Believer\u00a0\/ CC-BY-SA-4.0<\/a><\/p>\n<p>Bei <em>Ex Libris \u2013 The New York Public Library<\/em> handelt es sich um die 42. Regiarbeit von Frederick Wiseman (vgl. <a href=\"https:\/\/www.zipporah.com\/films\/46\">Profil mit Trailer bei zipporah.com<\/a>). Die Dreharbeiten fanden \u00fcber mehrere Wochen im Jahr 2015 statt (vgl. <a href=\"https:\/\/www.tiff.net\/tiff\/ex-libris---the-new-york-public-library\/\">tiff.net<\/a>). Der Filmmemacher gab an, von den vielen verschiedenen Dienstleistungen \u00fcberrascht gewesen zu sein, die Bibliotheken heute anbieten: \u201eBibliotheken von heute sind Gemeindezentren mit Schulprogrammen f\u00fcr Kinder und Kurse f\u00fcr Erwachsenenbildung in Sprachen, Staatsb\u00fcrgerschaft, Wirtschaft und Computerprogrammierung geworden. Unabh\u00e4ngig von der aktuellen amerikanischen Politikszene bleibt die Bibliothek ein Ideal der Inklusion, Demokratie und Meinungsfreiheit.\u201c, so Wiseman (vgl. <a href=\"https:\/\/www.labiennale.org\/en\/cinema\/2017\/program-cinema-2017\/frederick-wiseman-ex-libris-new-york-public-library-0\">labiennale.org<\/a>). Bei der Vorstellung seines Films in Venedig gab er an, dass die Bibliothek ein \u201eGegengift\u201c zum darwinistischen Gesellschaftsbild des US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump sei (vgl. <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/filmfestspiele-in-venedig-buh-rufe-fuer-aronofskys-mother\/20286614.html\">tagesspiegel.de<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Lob der internationalen Filmkritik<\/strong><\/p>\n<p>Nach ihrer Premiere erhielt die Dokumentation im anglo-amerikanischen Raum ausnahmslos lobende Kritiken. Auf der Website <em><a href=\"https:\/\/www.rottentomatoes.com\/m\/ex_libris_new_york_public_library\/\">Rotten Tomatoes<\/a><\/em>, die Kritiken auswertet, h\u00e4lt der Film derzeit eine Bewertung von 100 Prozent mit einer Durchschnittswertung von 8,5 von 10 Punkten und konnte alle gelisteten Kritiker \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Auch im deutschsprachigen Raum erhielt der Dokumentarfilm \u00fcberwiegend positive Kritiken:<\/p>\n<p>Michael Pekler (<a href=\"https:\/\/derstandard.at\/2000063590480\/Filmfestival-Venedig-Genaue-Blicke-auf-einen-Ort-der-Wissensvermittlung\">Der Standard<\/a>) z\u00e4hlte den Dokumentarfilm zu den \u201eH\u00f6hepunkten des Festivals\u201c. Wiseman zeige die Bibliothek \u201enicht als Ort der Aufbewahrung von B\u00fcchern, sondern als einen der Wissensvermittlung, in dessen Zentrum die Mitarbeiter und Besucher stehen\u201c. Der Filmemacher verzichte wie immer auf Interviews und Kommentar und vertraue \u201eseiner scharfsinnigen Beobachtung und einer ausgefeilten Montage\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_21367\" aria-describedby=\"caption-attachment-21367\" style=\"width: 240px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2017\/07\/Frederick-Wiseman.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-21367 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2017\/07\/Frederick-Wiseman-240x300.jpg\" alt=\"Frederick Wiseman im Jahr 2005 (Bild: Charles Haynes \/ CC-BY-SA-2.0)\" width=\"240\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2017\/07\/Frederick-Wiseman-240x300.jpg 240w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2017\/07\/Frederick-Wiseman.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 85vw, 240px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-21367\" class=\"wp-caption-text\">Frederick Wiseman im Jahr 2005<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bild: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Frederick_Wiseman.jpg\">Charles Haynes \/ CC-BY-SA-2.0<\/a><\/p>\n<p>Tim Caspar Boehme (<a href=\"https:\/\/www.taz.de\/!5444333\/\">die tageszeitung<\/a>) relativierte die Laufzeit von dreieinhalb Stunden, die man dem Film kaum anmerke. Wie Pekler merkte er an, dass sich Bibliotheken \u201ein erster Linie als Orte verstehen, an denen Leute mit Bildung erm\u00e4chtigt werden sollen, heute vor allem \u00fcber das Internet\u201c, und nicht nur als \u201eLagerh\u00e4user f\u00fcr B\u00fccher\u201c. Wiseman wechsle \u201edabei unmerklich zwischen n\u00fcchtern abgefilmten Veranstaltungen und atmosph\u00e4rischen Einstellungen, ohne seinen Gegenstand zweckfrei f\u00fcr sch\u00f6ne Motive auszuschlachten\u201c, so Boehme.<\/p>\n<p>Laut Andreas Borcholte (<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/kino\/mother-mit-jennifer-lawrence-gequaele-von-ganz-oben-a-1166230.html\">Spiegel Online<\/a>) beweise der Regisseur trotz seines hohen Alters \u201enoch ein Gesp\u00fcr f\u00fcr den aktuellen politischen Zeitgeist\u201c, indem der Film \u201evor allem die Belange der afroamerikanischen Gemeinde New Yorks\u201c betone. Wiseman \u201espektakul\u00e4r n\u00fcchterner Showcase\u201c sei im Wettbewerb von Venedig \u201edas wohltuend rationale Gegenst\u00fcck\u201c zur \u201eMother!-Hysterie\u201c seines Landsmanns Darren Aronofsky.<\/p>\n<p>Etwas kritischer sah Susanne Ostwald (<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/74-internationales-filmfestival-venedig-polizisten-pfarrer-und-ein-amphibienmann-die-highlights-im-wettbewerb-ld.1314590.\">Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/a>) den Film. Sie bemerkte reiche Eindr\u00fccke, <em>Ex Libris<\/em> summiere sich jedoch \u201ezu einer etwas distanzlosen Werbeaktion im Dienst der guten Sache\u201c.<\/p>\n<p>Mit dem Fair Play Cinema Award gewann Wiseman einen weiteren Preis, noch vor Ai Weiweis Dokumentarfilm <em>Human Flow<\/em> (vgl. <a href=\"https:\/\/www.labiennale.org\/en\/news\/collateral-awards-74th-venice-film-festival\">labiennale.org<\/a>).<\/p>\n<h6>Der Autor spendete diesen Text gleichzeitig der freien Online-Enzyklop\u00e4die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Ex_Libris_%E2%80%93_The_New_York_Public_Library&amp;action=history\">Wikipedia<\/a><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem wir Ende Juli schon dar\u00fcber berichtet hatten, dass eine Dokumentarfilm \u00fcber das Bibliothekswesen bei den diesj\u00e4hrigen Filmfestspielen von Venedig gezeigt wird, hat diese am letzten Festivaltag auch einen Preis erhalten. 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