{"id":29853,"date":"2021-10-07T13:05:17","date_gmt":"2021-10-07T12:05:17","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/?p=29853"},"modified":"2021-10-07T18:47:34","modified_gmt":"2021-10-07T17:47:34","slug":"literaturnobelpreis-2021-geht-an-abdulrazak-gurnah","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/2021\/10\/07\/literaturnobelpreis-2021-geht-an-abdulrazak-gurnah\/","title":{"rendered":"Literaturnobelpreis 2021 geht an Abdulrazak Gurnah"},"content":{"rendered":"\n<p>Nachdem im letzten Jahr die US-amerikanische Dichterin Louise Gl\u00fcck siegreich war, hat die <a href=\"https:\/\/www.nobelprize.org\/prizes\/literature\/2021\/gurnah\/facts\/\">Schwedische Akademie<\/a> am Donnerstag in Stockholm erneut einen \u00dcberraschungskandidaten gek\u00fcrt. Der Literaturnobelpreis des Jahres 2021 geht an den aus Tansania stammenden und in Gro\u00dfbritannien lebenden Schriftsteller Abdulrazak Gurnah \u201ef\u00fcr sein kompromissloses und mitf\u00fchlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Fl\u00fcchtlingsschicksals in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten\u201c. Themen in seinen bisher zehn auf Englisch ver\u00f6ffentlichten Romanen sind das Exil, die Entfremdung und M\u00e4nnlichkeit. Obwohl Gurnahs Geschichten nicht explizit autobiografisch gef\u00e4rbt sind, sind sie inspiriert von seinem Leben als Emigrant im Vereinigten K\u00f6nigreich.<\/p>\n\n\n\n<p>Gurnah wurde 1948 auf Sansibar geboren, das damals noch unter britischer Kolonialherrschaft stand. Der Sohn kenianischer und jemenitischer Eltern wurde von der muslimischen Kultur, den lokalen m\u00fcndlichen \u00dcberlieferungen und dem Unterricht nach dem britischen Schulsystem gepr\u00e4gt. Im Jahr 1968 \u00fcbersiedelten Gurnah und sein Bruder durch ein Touristen-Visum nach Gro\u00dfbritannien, nachdem in seiner Heimat jahrelang eine gewaltsame Revolution geherrscht hatte. Im Vereinigten K\u00f6nigreich traf Gurnah wiederum auf gro\u00dfe Vorurteile gegen\u00fcber afrikanischen und muslimischen Einwanderern. Er studierte dort an der London University, die er 1976 mit einem Bachelor-Abschluss in der Fachrichtung P\u00e4dagogik verlie\u00df. Anf\u00e4nglich hatte er Schwierigkeiten, eine Arbeitsstelle als Lehrer zu finden. Schlie\u00dflich war er in Kent erfolgreich, wo er parallel Literaturwissenschaft an der dortigen Hochschule studierte. Nach einem Universit\u00e4tsposten in Nigeria (1980\u20131982), kehrte Gurnah nach England zur\u00fcck, schloss seine Doktorarbeit ab und lehrte an der University of Kent, wo er als Professor f\u00fcr postkoloniale Literatur t\u00e4tig war. Seit 2006 ist er Mitglied der britischen Royal Society of Literature.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1987 ver\u00f6ffentlichte Gurnah mit <em>Memory of Departure<\/em> seinen ersten Roman, der in Ostafrika angesiedelt ist. Die folgenden Werke <em>Pilgrim\u2019s Way<\/em> (1988, dt.: <em>Schwarz auf wei\u00df<\/em>) und <em>Dottie<\/em> (1990) hatten Rassismus gegen\u00fcber dem Immigranten-Milieu zum Thema. Bis ins Jahr 2020 hat Gurnah neben zahlreichen Kurzgeschichten sieben weitere Romane ver\u00f6ffentlicht, zuletzt <em>Afterlives <\/em>(2020). Sein Roman <em><a href=\"https:\/\/fu-berlin.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/49KOBV_FUB\/1v1tp5h\/alma990005689640402883\">Paradise<\/a><\/em> (dt. <em>Das verlorene Paradies<\/em>), der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutsch-Ostafrika spielt und von einem Kindersklaven erz\u00e4hlt wird,  gelangte 1994 auf die Shortlist des renommierten britischen Booker Prize. Parallel wirkte Gurnah bei der Zeitschrift <em>Wasafiri <\/em>sowie als Herausgeber einiger B\u00e4nde der <em>Essays on African Writing<\/em> und des<em> <a href=\"https:\/\/fu-berlin.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/49KOBV_FUB\/1v1tp5h\/alma9959695949702883\">Cambridge Companion to Salman Rushdie<\/a><\/em> (2007) mit. Wiederholt ver\u00f6ffentlichte er auch Artikel \u00fcber postkoloniale Autoren und Buchrezensionen in angesehenen Medien wie <em>Guardian<\/em> oder <em>Times Literary Supplement<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><a href=\"https:\/\/fu-berlin.primo.exlibrisgroup.com\/discovery\/search?query=any,contains,Abdulrazak%20Gurnah&amp;tab=FUB_CDI&amp;search_scope=FUB_CDI&amp;vid=49KOBV_FUB:FUB&amp;offset=0\">Weitere Literatur von\/\u00fcber Abdulrazak Gurnah im Bibliotheksportal Primo<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Preis\u00fcbergabe an die Nobel-Laureaten erfolgt allj\u00e4hrlich am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels. Eines eint Vorjahressiegerin Gl\u00fcck und Gurnah \u2013 auch die B\u00fccher des Literaturnobelpreistr\u00e4gers von 2021 sind bei Bekanntgabe im deutschen Buchhandel vergriffen. Noch &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quellen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Text: Jenny Ludwig:<em> <a href=\"http:\/\/link.gale.com\/apps\/doc\/H1144010000\/LitRC?u=fub&amp;sid=bookmark-LitRC&amp;xid=949cee6b\">Abdulrazak Gurnah<\/a><\/em>. In: <em>Contemporary Literary Criticism<\/em>, hrgs. von Lawrence J. Trudeau, Vol. 368, Gale, 2015.  (Zugriff am  7. Oktober 2021 via <em>Gale Literature Resource Center<\/em>)<\/li><li>Bild: <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/37446735@N07\">PalFest<\/a> via <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:AbulrazakGurnahHebronPanel.jpg\">Wikimedia Commons<\/a> (Lizenz CC-BY-2.0)<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem im letzten Jahr die US-amerikanische Dichterin Louise Gl\u00fcck siegreich war, hat die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm erneut einen \u00dcberraschungskandidaten gek\u00fcrt. 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