{"id":30012,"date":"2021-11-04T18:18:36","date_gmt":"2021-11-04T17:18:36","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/?p=30012"},"modified":"2021-11-05T11:08:14","modified_gmt":"2021-11-05T10:08:14","slug":"booker-prize-und-prix-goncourt-fuer-afrikanische-autoren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/2021\/11\/04\/booker-prize-und-prix-goncourt-fuer-afrikanische-autoren\/","title":{"rendered":"Booker Prize und Prix Goncourt f\u00fcr afrikanische Autoren"},"content":{"rendered":"\n<p>Am Mittwoch sind die renommiertesten Literaturpreise aus dem Vereinigten K\u00f6nigreich und Frankreich vergeben worden. Den britischen <a href=\"https:\/\/thebookerprizes.com\/the-booker-library\/prize-years\/2021\">Booker Prize<\/a> erhielt der S\u00fcdafrikaner Damon Galgut f\u00fcr seinen Roman \u00bbThe Promise\u00ab, w\u00e4hrend sein senegalesischer Autorenkollege Mohamed Mbougar Sarr f\u00fcr \u00bbLa plus secr\u00e8te m\u00e9moire des hommes\u00ab (dt. \u201eDie geheimste Erinnerung der Menschen\u201c) mit dem <a href=\"https:\/\/www.academiegoncourt.com\/\">Prix Goncourt<\/a> ausgezeichnet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Prix Goncourt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Den Anfang machten kurz vor 13:00 Uhr die Franzosen. War der letztj\u00e4hrige Sieger Herv\u00e9 Le Tellier (\u00bb<a href=\"https:\/\/fu-berlin.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/49KOBV_FUB\/1v1tp5h\/alma9959670783002883\">L&#8217;anomalie<\/a>\u00ab) aufgrund der Pandemie noch per Videochat verk\u00fcndet worden, traf sich die zehnk\u00f6pfige Jury um Pr\u00e4sident Didier Decoin wieder am altehrw\u00fcrdigen Pariser Versammlungsort \u2013 dem Restaurant Drouant, nahe der Op\u00e9ra Garnier. Mit sechs Stimmen sicherte sich Mohamed Mbougar Sarr mit \u00bb<a href=\"https:\/\/fu-berlin.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/49KOBV_FUB\/1v1tp5h\/alma9959970844102883\">La plus secr\u00e8te m\u00e9moire des hommes<\/a>\u00ab (vormerkbar via Primo) die symbolisch mit 10 Euro dortierte Auszeichnung. Es ist das erste Mal, dass ein senegalesischer Autor triumphiert. Hundert Jahre zuvor hatte mit dem von den Antillen stammenden Ren\u00e9 Maran (\u00bb<a href=\"https:\/\/fu-berlin.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/49KOBV_FUB\/1v1tp5h\/alma9959968959202883\">Batouala<\/a>\u00ab) erstmals ein schwarzer Schriftsteller Frankreichs wichtigsten Literaturpreis erhalten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2021\/11\/Mohamed_Mbougar_Sarr_3nov2021-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-30056\" width=\"250\" height=\"306\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2021\/11\/Mohamed_Mbougar_Sarr_3nov2021-scaled.jpg 2089w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2021\/11\/Mohamed_Mbougar_Sarr_3nov2021-245x300.jpg 245w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2021\/11\/Mohamed_Mbougar_Sarr_3nov2021-1253x1536.jpg 1253w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2021\/11\/Mohamed_Mbougar_Sarr_3nov2021-1671x2048.jpg 1671w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2021\/11\/Mohamed_Mbougar_Sarr_3nov2021-1200x1470.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 85vw, 250px\" \/><figcaption>Mohamed Mbougar Sarr auf dem Weg zur Preisverleihung (Bildquelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Mohamed_Mbougar_Sarr_3nov2021.jpg\">Mylenos, Wikimedia Commons<\/a> \/ <code><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/deed.en\">CC-BY-SA-4.0<\/a><\/code>)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ein Sieg des erst 31-j\u00e4hrigen Sarr war von der Literaturkritik erwartet worden. Sein vierter Roman, gewidmet dem malischen Autor Yambo Ouologuem (1940\u20132017), stellt mit Di\u00e9gane Latyr Faye scheinbar ein Alter Ego in den Mittelpunkt, das in Paris Recherchen zu einem mysteri\u00f6sen Autor namens T. C. Elimane betreibt. Dieser als \u201eschwarzer Rimbaud\u201c betitelte Schriftsteller hatte 1938 mit der Ver\u00f6ffentlichung des Buches \u00bbLe labyrinthe de l\u2019inhumain\u00ab (\u201eDas Labyrinth des Unmenschen\u201c) einen Skandal ausgel\u00f6st und war seitdem aus dem kollektiven Ged\u00e4chtnis verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Parallel reflektiert die Hauptfigur Faye das Wesen der Literatur, u. a. aus dem Exil heraus. <em>La plus secr\u00e8te m\u00e9moire des hommes<\/em> macht es dabei dem Leser nicht ganz einfach. Das Werk besteht aus verschiedenen Textsorten, so aus Erz\u00e4hlung, Arbeitstagebuch, Zeitungsausschnitten, Interviews und Zitaten. In Frankreich wurde das Buch fernab der bekannten Verlagsh\u00e4user in Kooperation mit dem unabh\u00e4ngigen Pariser Verleger Philippe Rey und dem senegalesischen Verlagshaus Jimsaan ver\u00f6ffentlicht. \u00dcbersetzungen von Sarr sind bislang noch nicht auf dem deutschen Buchmarkt erschienen, der Verlag Hanser sicherte sich aber die Rechte f\u00fcr eine hohe sechsstellige Summe an dem preisgekr\u00f6nten Werk.<\/p>\n\n\n\n<p>Sarr setzte sich gegen drei Konkurrenten der finalen \u201etroisi\u00e8me s\u00e9lection\u201c durch. Zum Teil ebenfalls via Primo vormerkbar:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Christine Angot: \u00bb<a href=\"https:\/\/fu-berlin.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/49KOBV_FUB\/1v1tp5h\/alma9959968958102883\">Le Voyage dans l&#8217;Est<\/a>\u00ab (Flammarion)<\/li><li>Sorj Chalandon: \u00bb<a href=\"https:\/\/fu-berlin.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/49KOBV_FUB\/1v1tp5h\/alma9960018209002883\">Enfant de salaud<\/a>\u00ab (Grasset) \u2013 in Erwerbung<\/li><li>Louis-Philippe Dalembert: \u00bb<a href=\"https:\/\/fu-berlin.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/49KOBV_FUB\/1v1tp5h\/alma9959970844302883\">Milwaukee Blues<\/a>\u00ab (\u00c9ditions Sabine Wespieser)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>(Sarrs <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mohamed_Mbougar_Sarr\">Wikipedia-Artikel<\/a> haben wir gestern erg\u00e4nzt. Den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Mohamed_Mbougar_Sarr&amp;type=revision&amp;diff=216936077&amp;oldid=216931428\">gespendeten Text<\/a> haben wir auch f\u00fcr dieses Posting verwendet)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Booker Prize<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich feierlich pr\u00e4sentierte sich die Verleihung des mit 50.000 Pfund (ca. 59.000 Euro) dotierten britischen Booker Prize. Hatte im Vorjahr Douglas Stuart (\u00bb<a href=\"https:\/\/fu-berlin.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/49KOBV_FUB\/icublf\/alma9959647569302883\">Shuggie Bain<\/a>\u00ab) die Auszeichnung per Videochat im heimischen Wohnzimmer zuerkannt bekommen, fieberten nun alle nominierten Autorinnen und Autoren gemeinsam im <em>Radio Theatre<\/em> der BBC dem Moment entgegen, wenn Jurypr\u00e4sidentin Maya Jasanoff das Gewinnercover pr\u00e4sentierten sollte. Die f\u00fcnfk\u00f6pfige Jury hatte eigenen Bekunden zufolge jeden der nominierten Titel auf der finalen Shortlist dreimal gelesen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Damon_Galgut_(2013).png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2021\/11\/Damon_Galgut_2013.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-30057\" width=\"232\" height=\"177\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2021\/11\/Damon_Galgut_2013.png 472w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2021\/11\/Damon_Galgut_2013-300x228.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 232px) 85vw, 232px\" \/><\/a><figcaption>Damon Galgut im Jahr 2013 (Bildquelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Damon_Galgut_(2013).png\">Etonnants Voyageurs \/ Wikimedia Commons via Vimeo<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.en\">CC-BY-SA-3.0)<\/a><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Es setzte sich der favorisierte s\u00fcdafrikanische Schriftsteller und Dramatiker Damon Galgut durch, der bereits 2003 und 2010 auf der Shortlist gestanden hatte. Sein siebter Roman \u00bb<a href=\"https:\/\/fu-berlin.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/49KOBV_FUB\/icublf\/alma9959861162102883\">The Promise<\/a>\u00ab (vormerkbar via Primo) entstand nach einer Schaffenspause von fast sieben Jahren. Das knapp 300-seitige Werk folgt dem Niedergang der wei\u00dfen s\u00fcdafrikanischen Bauernfamilie Swart ab Mitte der 1980er-Jahre. Im Mittelpunkt stehen vier Trauerfeiern, die verschiedene Jahrzehnte und Abschnitte in der Geschichte des Landes markieren. Dabei nimmt der Buchtitel Bezug auf die schwarze Bedienstete Salome, die ihr Leben lang f\u00fcr die Familie gearbeitet hat und ein eigenes Haus und eigenes Land versprochen werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Galgut, 1963 in eine Juristenfamilie hineingeboren, wuchs in Pretoria auf, wo auch sein Roman spielt. Pr\u00e4gend f\u00fcr ihn war eine Krebserkrankung im Kindesalter. W\u00e4hrend dieser Zeit habe er sich der Literatur zugewandt und nach seiner Genesung den Drang versp\u00fcrt, selbst Schriftsteller zu werden. Bereits im Alter von 19 Jahren wurde sein erster Roman \u00bbA Sinless Season\u00ab ver\u00f6ffentlicht, der laut <a href=\"http:\/\/www.munzinger.de\/document\/18000000667\">Kritischem Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur<\/a> alle Elemente beinhaltete, die seine sp\u00e4teren Romane pr\u00e4gen sollten: \u201eein abgelegener Schauplatz, eine wild-abweisende Landschaft, selbstbezogene m\u00e4nnliche Hauptfiguren \u2013 Eigenbr\u00f6tler, Au\u00dfenseiter \u2013, physische wie strukturelle Gewalt und eine karge, pr\u00e4zise und unerbittliche Sprache\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Galgut setzte sich gegen f\u00fcnf Konkurrenten auf der Shortlist durch, zum Teil ebenfalls via Primo vormerkbar:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Anuk Arudpragasam (Sri Lanka): \u00bb<a href=\"https:\/\/fu-berlin.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/49KOBV_FUB\/1v1tp5h\/alma9959968550202883\">A Passage North<\/a>\u00ab<\/li><li>Patricia Lockwood (USA): \u00bbNo One Is Talking About This\u00ab<\/li><li>Nadifa Mohamed (Somalia\/UK): \u00bb<a href=\"https:\/\/fu-berlin.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/49KOBV_FUB\/icublf\/alma9959865743202883\">The Fortune Men<\/a>\u00ab<\/li><li>Richard Powers (USA): \u00bbBewilderment\u00ab<\/li><li>Maggie Shipstead (USA): \u00bbGreat Circle\u00ab<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Mittwoch sind die renommiertesten Literaturpreise aus dem Vereinigten K\u00f6nigreich und Frankreich vergeben worden. Den britischen Booker Prize erhielt der S\u00fcdafrikaner Damon Galgut f\u00fcr seinen Roman \u00bbThe Promise\u00ab, w\u00e4hrend sein senegalesischer Autorenkollege Mohamed Mbougar Sarr f\u00fcr \u00bbLa plus secr\u00e8te m\u00e9moire des hommes\u00ab (dt. \u201eDie geheimste Erinnerung der Menschen\u201c) mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde. Prix &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/2021\/11\/04\/booker-prize-und-prix-goncourt-fuer-afrikanische-autoren\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eBooker Prize und Prix Goncourt f\u00fcr afrikanische Autoren\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":293,"featured_media":30042,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[1114,368642,368643,196635],"class_list":["post-30012","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-booker-prize","tag-damon-galgut","tag-mohamed-mbougar-sarr","tag-prix-goncourt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30012","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/wp-json\/wp\/v2\/users\/293"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30012"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30012\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30062,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30012\/revisions\/30062"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/wp-json\/wp\/v2\/media\/30042"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30012"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30012"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30012"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}