{"id":4178,"date":"2010-02-12T13:12:06","date_gmt":"2010-02-12T12:12:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/?p=4178"},"modified":"2010-02-12T13:20:38","modified_gmt":"2010-02-12T12:20:38","slug":"ein-daumen-fur-fritz-lang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/2010\/02\/12\/ein-daumen-fur-fritz-lang\/","title":{"rendered":"Ein Daumen f\u00fcr Fritz Lang"},"content":{"rendered":"<p>Gestern starteten die <a href=\"https:\/\/www.berlinale.de\/\">60. Filmfestspiele von Berlin<\/a>. W\u00e4hrend in den n\u00e4chsten zehn Tagen neue Produktionen aus Europa, Amerika und Asien um den Goldenen B\u00e4ren wetteifern werden, z\u00e4hlt die heutige Wiederauff\u00fchrung des Films &#8222;Metropolis&#8220; von Fritz Lang (Bild) zu den H\u00f6hepunkten der diesj\u00e4hrigen Berlinale. Wer sich keine Karten f\u00fcr die Galavorstellung im Berliner Friedrichstadtpalast sichern konnte und wem die Temperaturen f\u00fcr die Freiluft\u00fcbertragung am Brandenburger Tor zu eisig sind, der kann es sich heute Abend auch auf der heimischen Couch bequem machen \u2013 <a href=\"https:\/\/www.arte.tv\/de\/film\/stummfilm-auf-arte\/stummfilm\/698168.html\">Arte<\/a> \u00fcbertr\u00e4gt den wahrscheinlich ber\u00fchmtesten deutschen Stummfilm zeitgleich ins deutsche Fernsehen.<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/bibliotheken\/files\/2010\/02\/Lang.jpg\" alt=\"\" align=\"right\" \/><br \/>\nVor 83 Jahren hatten Publikum und Kritiker den Film noch anders aufgenommen. Anfang Januar 1927 hatte &#8222;Metropolis&#8220; im Berliner Ufa-Palast am Zoo mit einer Laufl\u00e4nge von knapp zweieinhalb Stunden seine Premiere gefeiert. Mit Produktionskosten von f\u00fcnf Mio. Reichsmark galt Fritz Langs Regiearbeit als teuerster deutscher Stummfilm der bis dahin gedreht wurde \u2013 310 Drehtage, 36.000 Komparsen und 620.000 Meter Negativfilm waren u. a. f\u00fcr die Fertigstellung n\u00f6tig gewesen.<\/p>\n<p>Die Geschichte um ausgebeutete Arbeiter einer unterirdischen Stadt, die unter der F\u00fchrung einer jungen Frau (gespielt von Brigitte Helm) gegen die Oberschicht rebellieren, wurde jedoch von der Kritik verrissen. <em>\u201eDer Film verabreicht in ungew\u00f6hnlicher Konzentration nahezu jede \u00fcberhaupt m\u00f6gliche Dummheit, Klischee, Plattheit und Kuddelmuddel \u00fcber technischen Fortschritt \u00fcberhaupt, serviert mit einer Sauce von Sentimentalit\u00e4t, die in ihrer Art einzigartig ist\u201c<\/em>, so beispielsweise der Science-Fiction-Pionier H. G. Welles in einer Kritik in der Frankfurter Zeitung (zitiert nach <a href=\"https:\/\/vs13.kobv.de\/V?portal=FUBERLIN&amp;institute=FUBERLIN&amp;func=find-db-1-title&amp;mode=titles&amp;scan_start=spielfilm&amp;search_type=contains&amp;restricted=unrestricted\">Gro\u00dfes TV-Spielfilm-Filmlexikon<\/a>).<\/p>\n<p>Nachdem der Film vier Monate ohne Erfolg in den Berliner Kinos gelaufen war, wurde &#8222;Metropolis&#8220; von 153 auf 118 Minuten gek\u00fcrzt, Teile der Handlung wurden umgearbeitet, aber ebenfalls ohne Erfolg in Deutschland ver\u00f6ffentlicht. Wider Erwarten avancierte der Film jedoch in den folgenden Jahrzehnten zum Meilenstein des Science-Fiction- und expressionistischen Film und wurde 2001 von der UNESCO zum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weltdokumentenerbe_in_Deutschland\">Weltdokumentenerbe<\/a> erkl\u00e4rt. Der Film sei <em>&#8222;ein Psychogramm oder eine Fieberkurve der sp\u00e4ten 20er-Jahre&#8220;<\/em>, so der Filmwissenschaftler Thomas Elsaesser (vgl. film-dienst 11\/2002 via <a href=\"https:\/\/vs13.kobv.de\/V?portal=FUBERLIN&amp;institute=FUBERLIN&amp;func=find-db-1-title&amp;mode=titles&amp;scan_start=munzinger&amp;search_type=contains&amp;restricted=unrestricted\">Munzinger Online<\/a>). Die urspr\u00fcnglichen Originalkopien blieben aber weiterhin verschollen.<\/p>\n<p>Eine davon war 1927 in den Besitz des Argentiniers Adolfo Z. Wilson gelangt, die \u00fcber einen Kritiker und eine Kulturstiftung in den Bestand des Museo del Cine in Buenos Aires wanderte. Da die damalige Nitrokopie im 35-mm-Format leicht entflammbar war, wurde ein Duplikatnegativ auf 16-mm-Film erstellt, das erst 2008 &#8222;wiederentdeckt&#8220; wurde \u2013 ein Filmkritiker hatte sich gegen\u00fcber einem Filmwissenschaftler beschwert, wie anstrengend es bei den zweist\u00fcndigen Vorf\u00fchrungen gewesen sei, den Daumen auf den besch\u00e4digten Filmstreifen zu halten.<\/p>\n<p>Nur ein halbes Jahr blieb den Restauratoren in Deutschland Zeit.  Das Ergebnis kann man heute Abend begutachten, obwohl zur Original-Premierenfassung noch immer ein paar Minuten fehlen. Gleich nach dem Spielfilm informiert auf Arte der Dokumentarfilm &#8222;Die Reise nach Metropolis&#8220; \u00fcber die abenteuerliche Restaurierung. Wer Geschmack an Fritz Langs Regiearbeit gefunden hat, der kann noch bis 25. April die Ausstellung &#8222;The Complete Metropolis&#8220; im <a href=\"https:\/\/www.filmmuseum-berlin.de\/\">Museum f\u00fcr Film und Fernsehen<\/a> besuchen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/sf4.ub.fu-berlin.de\/F\/?func=find-e&amp;request=fritz+lang+metropolis&amp;find_scan_code=FIND_WRD&amp;adjacent=N\">Medien zu &#8222;Metropolis&#8220;<\/a> im Online-Katalog der Freien Universit\u00e4t Berlin<\/p>\n<h6>Danke f\u00fcr das Bild an <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Bundesarchiv Bild 102-08538, Fritz Lang bei Dreharbeiten.jpg\">WikiCommons<\/a>!<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern starteten die 60. Filmfestspiele von Berlin. W\u00e4hrend in den n\u00e4chsten zehn Tagen neue Produktionen aus Europa, Amerika und Asien um den Goldenen B\u00e4ren wetteifern werden, z\u00e4hlt die heutige Wiederauff\u00fchrung des Films &#8222;Metropolis&#8220; von Fritz Lang (Bild) zu den H\u00f6hepunkten der diesj\u00e4hrigen Berlinale. 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