Strategieskizzen

oder: designed.futures

Hier ein  Überblick über die vorgestellten und diskutierten Poster, die teils abgeschlossene, teils laufende Forschungsprojekte, zum Teil auch Fragestellungen und Konzepte für zukünftige wiss. Arbeiten darstellen. In jedem Fall freuten sich die Darsteller_innen in der Postersession  darüber hinaus über eine anregende bzw. konstruktive Diskussion und weiterführende Gespräche zum thematischen Hintergrund, dem methodischen Vorgehen und den (erwarteten) Ergebnissen.

Impressionen von der Postersession designed.futures @Huddle* Zukunftsforschung 2016
Impressionen von der Postersession designed.futures @Huddle* Zukunftsforschung 2016

(Alphabetische Reihenfolge, der Link führt zum Poster im PDF)

 

Forecasting Company´s Innovation Pathways Based on Its Merger & Acquisition Activities and Technological Context
Elena Aminova

Nearly all investments in high tech industries are coupled with risk and considerable uncertainty. Since M&As are commonly considered as a “quick” way to invest in and source technologies and the resulting technological synergies may have a disruptive impact on the competitive landscape, the problem of the validity and legitimacy of prognoses made on the basis of these deals becomes highly vibrant. This study presents an analytical framework that uses the benefits of both innovation management and futures studies to allow for the grounded forecasting of technology dynamics trigged by M&A activities in the high tech sectors.

 

Gesellschaft im Jahr 2025. Konträre Szenarien für die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland.
Anne Enke, Dennis Mandwurf, Sascha Raddatz, Julian Schreck

Verschiedenste Schlüsselfaktoren und deren Korrelation zueinander beeinflussen die Dynamik einer Gesellschaft in Deutschland. Zwei konträre Zukunftsszenarien für das Jahr 2025 bieten dabei Raum für konstruktive Diskussionen. Im Ergebnis sollten sich daraus perspektivreiche Handlungspunkte für eine gewünschte Zukunft der Gesellschaft in Deutschland ergeben.

Die Verbrechen des NSU & ihre politischen Folgen. Zukunftsgestaltung der Inlandsgeheimdienste im Umgang mit Rechtsextremismus
Chana Dischereit

Was hat eine Anschlags- und Mordserie mit der Zukunft zu tun? Meine Arbeit beschäftigt sich mit der neu entstandenen Debatte um eine veränderte Sicherheitsstruktur der Inlandsgeheimdienste. Die Akteure in dieser Debatte haben unterschiedliche Visionen entwickelt. Um eine Zukunft zu entwickeln muss die Gegenwart und die Vergangenheit mitgedacht werden. Nach vorne schauen, aber nicht hinter oder unter sich, dürfte keine gravierende Veränderung ergeben und macht weitere Skandale in den Reihen der Geheimdienste wahrscheinlich. Das Hinter-sich-lassen von Vergangenheit und Gegenwart und darauf zu bestehen es sei alles in Ordnung, den Kurs-halten und ihn lediglich verbessern, übersieht den Punkt, an dem Veränderung ansetzt. Je stärker an der bisherigen Ideologie festgehalten wird, an den daran geknüpften Wünschen, desto weiter entfernt sich die Realität. Die damit verbundenen Entscheidungen und einhergehenden Wünsche verzerren eine Realität der Gesellschaft und Politik. Zur Überwindung muss ein kritischer Dialog einsetzen.

Postwachstum im Wandel. Perspektiven auf den Status quo und die Wandlungsprozesse der Postwachstumsbewegung in Deutschland – eine qualitative Netzwerkanalyse
Jana Holz

The Master thesis opens perspectives on the status quo and future development of the German degrowth movement. A movement is understood as a network of actors, ideas and occasions that together form and transform it. In order to do so, a qualitative network analysis is carried out within an exploratory and actor-centered research design.
Five actors of the movement that played central roles in organising the 4. International Degrowth Conference 2014 in Leipzig are interviewed.
The anaysis combines qualitative network analysis with grounded theory methodology. It is divided into four dimensions: the ’structures of the status quo networks‘ and the ‚actors of the movement‘ as well as the ‚discursive context‘ in which the ideas of the interviewees are placed in; finally, the ‚perspectives of change‘ opened up to four scenarios of a future degrowth movement: 1. Keep going and grow bigger; 2. Degrowth as a perspective on science between academia and praxis; 3. Degrowth as political transformation – both in an institutional and a resistance way; 4. Awareness and self-transformation as basis for social transformation. These scenarios are discussed on the basis of five spectra of change:
– antagonistic – non-antagonistic understandings of change;
– institutional or individual change as the main focus point;
– global or local issues, actors and points of view;
– decentral or central vision of movement and change;
– praxis or theory in focus.
The paper aims at and hopes to open a range of possibilities and room for self-reflection and self-transition of the German degrowth movement.

Kleider machen Leute. Szenarios der Textilindustrie 2036
Nellie Horn

Die Textilindustrie ist eine der wichtigsten Konsumgüterbranchen weltweit mit einem Wert von mehr als USD 766 Milliarden (WTO 2014). Über 60% der globalen Kleidungsproduktion findet in Entwicklungsländern statt und die ILO schätzt, dass bis zu 236 Millionen Menschen weltweit in der Herstellung von Textilien und Kleidung involviert sind.
In politischen Verhandlungen ist es daher nicht überraschend, dass viele verschiedene ökonomische und politische Interessen aufeinander treffen. In diesem Szenario Prozess wurde auf mögliche Zukunftsbilder geachtet, die abhängig von wirtschaftlichen Projektionen sind und welche Implikationen sie für die Umwelt haben könnten. Die vier entwickelten Szenarien dienen als Grundlage für eine Strategieempfehlung für Lobbyisten der Handelsverbände und Textilunternehmen der EU.

Nestflucht – Eine Kinderstudie über das Fremde
Jens Konrad und Benjamin Gugelot

Viele Deutsche reagieren auf den Flüchtlingsstrom mit Angst, manchmal sogar mit Hass auf „die Fremden“. Wer aber hat die Neugierde, sich einem Perspektivwechsel zu stellen? Wir meinen, es bedarf die Augen eines Kindes um fremde Kulturen neu zu entdecken. Deshalb schmeißen wir das Junge aus dem Nest und senden es zum Erkundungsflug in eine fremde Familie. Nestflucht ist eine introperspektive Erlebnisreise im Spannungsfeld zwischen scheinbar inkompatiblen Lebensentwürfen in den Mulitkulturen unserer Zeit. Eine explorative Analyse über Selbstwahrnehmung, Gefühle und Eindrücke erfolgt über die Kreativmethode „Lego Serious Play“, angelehnt an David Gauntlett.

Quantified Self: „Selbsterkenntnis durch Zahlen“. Wie ein Leben in Daten das Menschsein verändert.
Christiane Leifke

Untersuchungsgegenstand dieser Masterarbeit stellen die digitalen Selbstvermessungspraktiken (Quantified-Self) dar, mit denen sich neue Instrumente der Selbstquantifizierung aus gesundheitlichen Gründen als auch als Lifestyle-Angebote etabliert haben. In der offensichtlichen Verzahnung von QS mit IoT (Internet of Things) werden zunehmend sensible Personendaten wie zur Gesundheit in soziale Raum- und Erlebnisstrukturen eingespeist, mit Umgebungsdaten in Zusammenhänge gebracht und in Echtzeit automatisch verwertet. Dies wirft grundlegende Überlegungen zu einer kognitiven Verfasstheit des Menschen auf, dessen (Selbst-) Wahrnehmung und selbstbestimmte Entscheidungsgrundlage im Begriff sind, sich auf algorithmischer Basis und unter bislang ökonomischen Prämissen radikal, aber unscheinbar zu ändern.
In einer qualitativen Audiotagebuch-Studie beschreiben sieben ProbandInnen ihre persönlichen QS-Erlebnisse, die auf Selbstdisziplinierung, Selbstwahrnehmung und Datensensibilität ausgewertet wurden, um Aspekte zum Menschsein im Umgang mit QS-Technologien empirisch aufzuzeigen. Weitere Recherchen erfolgten zum Megatrend IoT und den gesellschaftlichen Veränderungen sowie zu technologischen und wirtschaftlichen Trends und Herausforderungen bis 2025. Dabei stehen Auswertungsabsichten von Big Data durch verschiedene Interessensgruppen im Fokus der Betrachtungen von Chancen und Risiken im Bereich von digitalen Gesundheitsservices. Im Kapitel zur politischen Dimension als Handlungs- und Gestaltungsebene wurden drei normative Leitplanken für die Zukunft aus den Ergebnissen der voherigen Kapitel abgeleitet, die in einem normativen Szenario für 2025 in den Grundpositionen kreativ narrativ vermittelt und zur Diskussion gestellt sind.

Multiple Streams Model in Futures Research – Perspective and Prospective in Policy Planning
Dennis Mandwurf

In Anbetracht des Methodenstreits in der kontemporären Futurologie ergänzt das aus der Politologie entliehene und entsprechend  erweiterte Multiple-Streams-Modell das Repertoire der Futures Research um eine nachvollziehbare Forschungsheuristik politischer Entscheidungsprozesse unter den Bedingungen von Kontingenz und Ambiguität.

[Zukunftsethik] Ethische Verantwortung von Zukunftsforschung – ein Ansatz
Jakob Michelmann

Der Debatte um Verantwortung für zukunftsgerichtetes Handeln mit Langzeitfolgen müssen sich Zukunftsforscher bei der Erzeugung von Zukunftsbildern genauso stellen wie die in der Technikethik viel diskutierten Erfinder oder Entdecker von Technik, so die vorliegende These. Während die Zukunftsforscher von der Kontingenz ihrer Aussagen wissen (sollten), ist dies von Adressaten und Multiplikatoren schwer zu verlangen. Aber gerade in beschleunigenden Gesellschaften mangelt es an Zeit, Kreativität und vielleicht Wille, Alternativen für eine Überzahl an kommunizierten Zukunftsbildern in unterschiedlichsten Einsatzfeldern zu entwerfen und zu verfolgen. „Die“ Zukunft wird von den ersten Zukunftsbildern bzgl. einer Forschungsfrage oder Problematik aus dem Formlosen vergegenständlicht, besetzt und „kolonialisiert“ (Alva Myrdal).
Weitere Forschung findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern referenziert implizit oder explizit die vorangegangene. Ohne gesellschaftliche Intervention manifestieren sich aus Orientierungspunkten dominante (Denk-)Pfade im Sinne einer selbst-erfüllenden Prophezeiung (für, ähnlich dem, oder entgegen dem gravitationsstärksten Zukunftsbild).
Doch inwieweit kann ein Zukunftsforscher für die Folgen der Rezeption und Anschlussaktionen in Verantwortung gezogen werden?

Ein Synergie-Modell und seine Funktionsweise: »Zukunftsforschung und Forschung durch Design: Ein Synergie-Modell und seine Funktionsweise«
Stefanie Ollenburg

In der normativen Zukunftsforschung wird die Frage »Wie wollen wir leben?« gestellt. Zielsetzung sind wünschbare Zukünfte und Visionen zu ergründen, um daraus Handlungsoptionen für die Gestaltung abzuleiten. Es werden oftmals partizipative Methoden eingesetzt, damit Wissenschaftler/innen gemeinsam mit Betroffenen effektive Ergebnisse erzielen.
Im Designbereich werden Artefakte für spätere Anwendungen entworfen und gestaltet. Artefakte werden hier als alles vom Menschen geschaffene verstanden – eingeschlossen Ideen oder Konzepte. Das Entwerfen und Gestalten dieser ist ein Prozess, der nach Prof. Dr. W. Jonas in die Analyse (A), die Projektion (P) und die Synthese (S) eingeteilt werden kann.
Somit beschäftigen sich beide Bereiche mit Zukunft und dessen Gestaltung mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten. Denn in der normativen Zukunftsforschung werden hauptsächlich Projektionen von Zukünften generiert; im Designbereich werden dagegen in der Synthese Ansätze für die Umsetzung von Artefakten geschaffen. Das Synergie-Modell aus normativer Zukunftsforschung und dem Designprozess fasst beide Ansätze zusammen. Auf Basis des generischen Designprozesses nach Jonas und einer Struktur von »Forschung durch Design« ergibt sich eine Vorlage für einen Forschungsprozess, der Zukunftsgestaltung voranbringen könnte.

Implizite Leitbilder im öffentlichen Diskurs um außereuropäische Migration Deutschland. Eine Leitbildanalyse von Medientexten aus dem Herbst/Winter 2015/2016
Lisanne Raderschall

Im Zuge der stark steigenden Anzahl an Migrationen nach Deutschland werden immer wieder Stimmen laut, die ein manifestes Leitbild für Deutschland als Einwanderungsland fordern. Das Fehlen eines ausdrücklich verbalisierten Leitbildes bedeutet jedoch nicht, dass keine Leitbilder vorhanden sind. Im Gegenteil: Die rege mediale Diskussion lässt vermuten, dass darin mentale, implizite Leitbilder mitschwingen. Auf diese Annahme aufbauend, war es Ziel der zugrundeliegenden Arbeit diese impliziten Leitbilder zu identifizieren und gleichzeitig die, in Leitbildern enthaltenen, Erzählungen über Zukunft zu analysieren, um inhaltliche, sprachliche und argumentative Strukturen erkennbar zu machen. So wird ein Blick für neue Lösungen geöffnet und es wird eine Grundlage für die Erarbeitung eines manifesten Leitbildes geschaffen.
Das Poster veranschaulicht die Resultate der Leitbildanalyse des Mediendiskurses aus dem Herbst/ Winter 2015/16 und erläutert die drei identifizierten Leitbilder: „Geordnetes Deutschland“, „Miteinander bunt“ und „Chancen begreifen“, welche Ansätze zur Diskussion bieten.

Applying Cultural Anthropology to Futures Studies: An Empirical Study of Culture and Cultural Change Using Ethnographic Methods
Gabriela Rios Landa

Although ordinary people are at the receiving end of the endeavors futures researchers undertake, people’s ways of thinking and behaving play merely a minor role in the conception and production of alternative futures. The research depicted in this poster calls for a greater inclusion of the voice of ordinary people in the construction of the future. Therefore, the central question of this work is: How can the deep understanding of people’s culture and cultural change –obtained through cultural anthropology– enrich the task of futures studies? To address this matter, relevant literature was revised and an ethnographic pilot study was conducted. The results demonstrate the multiple contributions of cultural anthropology to the futures field and suggest that the anthropological study of culture and cultural change could become a cornerstone of futures thinking, since it is by apprehending the world through the eyes of ordinary people that researchers and decision-makers can better grasp the requirements of the present and the future.

Kontrafaktische Konditionale. Das Problem der irrealen Bedingungssätze im Zusammenhang mit der Szenariotechnik in der Zukunftsforschung
Matthias Sonk

Die Szenariotechnik ist in den letzten Jahren eine häufig verwendete Methode im Rahmen der Zukunftsforschung. Die geschichtliche Herleitung wurde schon geleistet, die erkenntnistheoretische Grundlage und Herleitung vor dem Hintergrund der Philosophie des Geistes ist aber ebenfalls interessant und ist bis heute nicht systematisch angegangen worden. Die Zielsetzung besteht in der Betrachtung der Wahrheitsbedingungen von kontrafaktischen Konditionalen, um die daraus abzuleitenden Vor-und Nachteile hinsichtlich der Nutzung der Szenariotechnik für die Zukunftsforschung offenzulegen. Dazu müssen kontrafaktische Konditionale bzw. irreale Bedingungssätze betrachtet werden und Probleme bezüglich Induktion, Generalisierung und dem idiomatischen Sprachgebrauch untersucht werden.

Twitter Data Analysis—a Valuable Contribution to Strategic Foresight? A case study of the EU research project “FRESHER”
André Uhl

This poster is the visualisation of an article in which the value of Twitter data analysis for a strategic foresight exercise is discussed. The article offers an overview of Twitter’s basic functionalities, previous Twitter research and related studies on using Twitter in foresight projects to date. Based on this knowledge the case of the EU research project “Foresight and Modelling for European Health Policy and Regulations“ (FRESHER) is used to conduct a Twitter data analysis in three steps: an analysis of web-links to get insights into the content spread via Twitter, a social network analysis to define central actors in a Twitter debate, and a hashtag-analysis to find out which topics are discussed and to support the identification of drivers of noncommunicable diseases. The article shows the benefit a Twitter data analysis  provides for the FRESHER project and reveals implications for future research in this field.

Transhumanismus
Sook-Young Son, Sina Winzler, Philipp Kürten und Werther Gonzales Léon

Eine Auseinandersetzung mit dem Transhumanismus als philosophische und aktuelle Entwicklungen mitgestaltende Denkrichtung, die die Grenzen menschlicher Möglichkeiten durch den Einsatz technologischer Verfahren erweitern will, wird in den kommenden Jahrzehnten wichtig bleiben.
Unser Plakat soll einen Überblick über die Thematik geben und beschäftigt sich mit dem humanistischen Ursprung und der Idee des Übermenschen, gibt Ausblick auf gegenwärtige Beispiele und zeigt Gefahren und Risiken des Transhumanismus auf.