{"id":119,"date":"2020-06-30T19:24:13","date_gmt":"2020-06-30T17:24:13","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/?p=119"},"modified":"2021-03-12T11:20:51","modified_gmt":"2021-03-12T10:20:51","slug":"gender-diversitaet-vs-frauenfoerderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/2020\/06\/30\/gender-diversitaet-vs-frauenfoerderung\/","title":{"rendered":"Gender Diversit\u00e4t vs. Frauenf\u00f6rderung?"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p><strong>Widerspricht das Ziel der Gender Diversit\u00e4t nicht dem Anliegen der Frauenf\u00f6rderung?<\/strong> Lange Zeit haben wir daf\u00fcr gek\u00e4mpft, Frauen in Sprache und Bild sichtbar zu machen. Inzwischen stellt sich vor dem Hintergrund der Vielzahl von Geschlechtsidentit\u00e4ten die Frage, ob es nicht eher darum gehen sollte, das Geschlecht <em><strong>nicht<\/strong> <\/em>zu erw\u00e4hnen, also quasi unsichtbar zu machen, um Gleichstellung umzusetzen. Nicht allen reicht der &#8222;Umweg&#8220; \u00fcber ein drittes Geschlecht. <em>Wie k\u00f6nnen wir dann Frauen f\u00f6rdern? Ist das \u00fcberhaupt noch ein zeitgem\u00e4\u00dfes Ziel?<\/em><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst l\u00e4sst sich festhalten, dass wir als Gesellschaft trotz entsprechender Bem\u00fchungen &#8211; seit Jahrzehnten! &#8211; der Gleichstellung der Frauen schon etwas n\u00e4her gekommen sind, das Ziel aber nach wie vor noch lange nicht erreicht haben; Frauen werden weiterhin in vielen Bereich benachteiligt. <em>Frauenf\u00f6rderung bleibt demzufolge weiterhin ein wichtiges Ziel &#8211;<\/em> bis wir die Gleichstellung von Frauen erreicht haben. Dies ist ein weiterhin wichtiges Teilziel der Gleichstellung <em>aller<\/em> Geschlechter. Beibt die Frage nach der gendergerechten und -sensiblen Sprache.<em><br><\/em><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst mal l\u00e4sst sich zeigen, dass sich die gew\u00e4hlte Art des Sichtbarmachens von Geschlechtern sehr wohl darauf auswirkt, was Lesende und H\u00f6rende sich vorstellen (hierzu etwa Heise, 2000; Stahlberg &amp; Sczesny, 2001):<\/p>\n<ul>\n<li><em>Die Studenten\/Studierende.<\/em> Generische Maskulina&nbsp; und neutrale Begriffe&nbsp; werden mehrheitlich mit M\u00e4nnern assoziiert.<\/li>\n<li><em>Studentinnen und Studenten.<\/em> Beim Splitten werden Frauen und M\u00e4nner etwa zu je 50% assoziiert. Menschen, die sich beiden Gruppen nicht zugeh\u00f6rig f\u00fchlen, werden ignoriert.<\/li>\n<li><em>StudentInnen.<\/em> Beim gro\u00dfen I werden Frauen zu mehr als 50% mitgedacht.<\/li>\n<li><em>Student_innen\/Student*innen.<\/em> Hier wird an Frauen, Diverse und M\u00e4nner gedacht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dann ist doch alles klar, k\u00f6nnten wir denken. Dem ist aber wohl nicht so. Weder die als Gendergap bezeichnete Schreibweise mit Unterstrich noch das sog. Gendersternchen sind unumstritten. Und obwohl der Rat f\u00fcr deutsche Rechtschreibung das Anliegen einer geschlechtergerechten Sprache ausdr\u00fccklich anerkennt, mochte er sich noch keiner Schreibweise anschlie\u00dfen, sondern will abwarten, welche Schreibweise sich letztendlich durchsetzt (<a href=\"https:\/\/www.rechtschreibrat.com\/DOX\/rfdr_PM_2018-11-16_Geschlechtergerechte_Schreibung.pdf\">PM 2018<\/a>). Dies hat konkrete Konsequenzen f\u00fcr Texte, die etwa die Freie Universit\u00e4t ver\u00f6ffentlicht. In Studien- und Pr\u00fcfungsordnungen der FU werden neutrale Begriffe wie <em>Studierende<\/em> verwendet, aber da, wo das schwierig ist, wird auf das Splitting zur\u00fcckgegriffen (z.B.<em> Absolventinnen und Absolventen<\/em>), was einen Teil der Studierendenschaft nicht ber\u00fccksichtigt und damit eine Diskriminierung durch Ignorieren darstellt (auch wenn das nicht die Absicht ist).<\/p>\n<p>Aktuell wird die \u00fcberarbeitete Studien- und Pr\u00fcfungsordnung des neuen polyvalenten Bachelorstudiengangs in der Psychologie diskutiert (wegen des neuen Gesetzes zur Ausbildung in psychologischer Psychotherapie). <em>Ob es hier gelingt, sich insgesamt auf geschlechterneutrale Formulierungen zu einigen und damit Vorbildfunktion zu \u00fcbernehmen, wissen wir am 16. Juli 2020.<\/em><\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Heise, Elke (2000). Sind Frauen mitgemeint? Eine empirische Untersuchung zum Verst\u00e4ndnis des generischen Maskulinums und seiner Alternativen. <em>Sprache und Kognition &#8212; Zeitschrift f\u00fcr Sprach- und Kognitionspsychologie und ihre Grenzgebiete, 19<\/em>(1\/2), 3 &#8211; 13.<\/p>\n\n\n\n<p>Stahlberg, Dagmar &amp; Sczesny, Sabine (2001). Effekte des generischen Maskulinums und alternativer Sprachformen auf den gedanklichen Einbezug von Frauen. <em>Psychologische Rundschau, 52<\/em>(3), 131 &#8211; 140.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Widerspricht das Ziel der Gender Diversit\u00e4t nicht dem Anliegen der Frauenf\u00f6rderung? 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