{"id":223,"date":"2020-05-28T09:44:36","date_gmt":"2020-05-28T07:44:36","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/?p=223"},"modified":"2021-03-12T11:21:45","modified_gmt":"2021-03-12T10:21:45","slug":"balance-akt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/2020\/05\/28\/balance-akt\/","title":{"rendered":"Balance-Akt"},"content":{"rendered":"<p>In der \u00d6ffentlichkeit wie in der Fachliteratur wird h\u00e4ufig von <em>Work-Life-Balance<\/em> gesprochen, was jedoch inhaltlich aus mehreren Gr\u00fcnden problematisch ist: Der Begriff suggeriert, dass Arbeit nicht wirklich zum &#8222;Leben&#8220; dazugeh\u00f6re und dass privat nicht gearbeitet werde; Familienarbeit wie Haushalt, Pflege von Angeh\u00f6rigen und Kindererziehung, ehrenamtliche T\u00e4tigkeiten u.\u00e4. werden hier ignoriert, obwohl zu vermuten ist, dass sich diese Aspekte auf das Erleben einer Balance auswirken. Demgegen\u00fcber kann festgehalten werden, dass in beiden Bereichen Anforderungen und Verpflichtungen sowie Interessen und Bed\u00fcrfnisse eine wichtige Rolle spielen und sich auf das Erleben einer Balance auswirken k\u00f6nnen (zsfd. hierzu auch Blahopoulou, 2012). Daher bevorzuge ich den Begriff der Life-Balance.<\/p>\n<p>Life-Balance umfasst noch weitere Facetten; sie kann sich n\u00e4mlich auf sehr unterschiedliche Dinge beziehen: auf tats\u00e4chlich verbrachte Zeit, auf psychische und k\u00f6rperliche Anforderungen und Beanspruchungen, auf die Erreichung von pers\u00f6nlichen Zielen und und und \u2026 Bei einer gest\u00f6rten Life-Balance wird oft vermutet, dass sich das Berufsleben negativ auf das Privatleben auswirkt (manchmal auch umgekehrt). Diese gegenseitige Beeinflussung wird fachlich auch gern mit <em>Spillover<\/em> betitelt und sie kann \u2013 das wird h\u00e4ufig vergessen \u2013 nat\u00fcrlich auch positiv sein: So kann eine Person z.B. von ihren im Privatleben erworbenen Organisationskompetenzen auch beruflich profitieren.<\/p>\n<p>Eine Vielzahl von Rollen und Funktionen wird oft mit einer (\u00dcber-)Belastung assoziiert, obwohl ebenfalls argumentiert wird, dass Menschen von vielf\u00e4ltigen Rollen profitieren und Ressourcen aufbauen k\u00f6nnen. Die Frage ist m.E. weniger, welche der beiden Hypothesen zutrifft, als vielmehr, unter welchen Bedingungen die eine und wann die andere gilt.<\/p>\n<p><em>Grenzg\u00e4nger*innen<\/em><\/p>\n<p>Susan Campbell Clark (2000) hat dazu eine Theorie \u00fcber die Grenzen zwischen Arbeit und Familie formuliert und Erwerbst\u00e4tige als Grenzg\u00e4nger*innen bezeichnet. Sie hat z.B. Hypothesen dazu aufgestellt, unter welchen Bedingungen z.B. sehr <em>starke Grenzen <\/em>zwischen Arbeit und Privatleben sinnvoll und hilfreich sind f\u00fcr eine gelungene Life-Balance und wann nicht. Die St\u00e4rke der Grenzen wird der Theorie zufolge durch ihre Durchl\u00e4ssigkeit<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> und Flexibilit\u00e4t\/Starrheit bestimmt und soll eine zentrale Rolle f\u00fcr die Life-Balance spielen. Clark vermutet, dass starke Grenzen sich dann positiv auswirken, wenn Arbeits- und Privatleben sich in vielen Dimensionen unterscheiden; bei gro\u00dfen \u00c4hnlichkeiten hingegen sollen schwache Grenzen positiv erlebt werden. Wenn Grenzen nur in eine Richtung durchl\u00e4ssig sind, aber nicht in die andere<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, dann ist eine st\u00e4rkere Identifikation mit dem besonders stark \u201egesch\u00fctzten\u201c Bereich hilfreich, um eine positivere Life-Balance zu erleben. (Im unten genannten Beispiel w\u00e4re es also vorteilhaft f\u00fcr die betroffene Person, sich besonders mit ihrem Beruf zu identifizieren.) Ob eine Trennung von Arbeit und Privatleben zu empfehlen ist, h\u00e4ngt demnach von den Umst\u00e4nden ab. Dabei ist der Einfluss der betreffenden Person auf die Festlegung der Grenzen ebenfalls relevant: Je mehr die Grenzen selbst beeinflussbar sind, desto positiver f\u00e4llt die Life-Balance aus.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-232 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/files\/2020\/05\/HomeOffice-300x229.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"229\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/files\/2020\/05\/HomeOffice-300x229.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/files\/2020\/05\/HomeOffice-768x586.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/files\/2020\/05\/HomeOffice-1024x781.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/files\/2020\/05\/HomeOffice-1200x915.jpg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/files\/2020\/05\/HomeOffice.jpg 1528w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Aktuell wird auch im akademischen Arbeitskontext besonders sp\u00fcrbar, dass \u201ezu Hause arbeiten\u201c oftmals mit sehr schwachen, durchl\u00e4ssigen Grenzen einhergeht. Gerade diejenigen, die aktuell keinen eigenen, ungeteilten oder aber keinen ruhigen Raum zum Arbeiten haben, wissen die sonst selbstverst\u00e4ndlichen Grenzen zum B\u00fcro oder zur Ruhe der Bibliothek in der Uni ganz neu zu sch\u00e4tzen (siehe auch <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/facts-des-monats\/\">Facts des Monats<\/a> Mai). Es wird auch deutlich, dass \u201ezu Hause arbeiten\u201c die ganze Vielfalt von Arbeit umfasst: Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung, Betreuung von erkrankten oder pflegebed\u00fcrftigen Menschen, Haushalt, \u2026<\/p>\n<p>Klar ist, dass Life-Balance immer wieder neu gefunden werden muss, erst recht in dieser Zeit. <em>Wie es Ihnen aktuell damit ergeht und wie Sie die letzten Wochen erlebt haben, interessiert uns ganz besonders und wir laden Sie ein, uns gern dazu ein kurzes Statement, ein Foto oder kurzes Video zu schicken <\/em>(schreiben Sie uns: <a href=\"mailto:frauenbeauftragte@ewi-psy.fu-berlin.de\">Frauenbeauftragte EwiPsy<\/a>)<em>.<\/em> Wenn Sie das zus\u00e4tzlich erlauben, machen wir Ihren Beitrag auch gern anderen Angeh\u00f6rigen des Fachbereichs zug\u00e4nglich!<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Blahopoulou, J. (2012). <em>Work-Life-Balance-Ma\u00dfnahmen: Luxus oder Notwendigkeit? Organisationale Unterst\u00fctzung und ihre Auswirkungen<\/em>. M\u00fcnchen: Hampp.<\/p>\n<p>Clark, S.C. (2000). Work\/family border theory: A new theory of family\/work balance. <em>Human Relations, 53<\/em>(6), 747-770.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Unter einer durchl\u00e4ssigen Grenze versteht sie, dass Elemente des jeweils anderen Bereichs pr\u00e4sent sind (z.B. Familienfotos auf der Arbeit, Anrufe von der Arbeit nach Hause usw.).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <em>Beispiel<\/em>: Wenn das Privatleben auf der Arbeit in keiner Weise pr\u00e4sent ist und die Arbeitszeiten nicht an private Bed\u00fcrfnisse angepasst werden (k\u00f6nnen), die betreffende Person jedoch zu Hause stets beruflich zu erreichen sein muss, spr\u00e4che man davon, dass die Grenze der Arbeit sehr stark\/undurchl\u00e4ssig und die des Privatlebens eher schwach\/durchl\u00e4ssig w\u00e4re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der \u00d6ffentlichkeit wie in der Fachliteratur wird h\u00e4ufig von Work-Life-Balance gesprochen, was jedoch inhaltlich aus mehreren Gr\u00fcnden problematisch ist: Der Begriff suggeriert, dass Arbeit nicht wirklich zum &#8222;Leben&#8220; dazugeh\u00f6re und dass privat nicht gearbeitet werde; Familienarbeit wie Haushalt, Pflege von Angeh\u00f6rigen und Kindererziehung, ehrenamtliche T\u00e4tigkeiten u.\u00e4. werden hier ignoriert, obwohl zu vermuten ist, dass &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/2020\/05\/28\/balance-akt\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eBalance-Akt\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":220,"featured_media":226,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9,10098,303045],"tags":[314934,314939],"class_list":["post-223","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-sprache","category-wort-des-monats","tag-home-office","tag-life-balance"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/223","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/wp-json\/wp\/v2\/users\/220"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=223"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/223\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":513,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/223\/revisions\/513"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/wp-json\/wp\/v2\/media\/226"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=223"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=223"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=223"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}