{"id":624,"date":"2021-05-02T22:34:56","date_gmt":"2021-05-02T20:34:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/?p=624"},"modified":"2021-05-05T14:20:09","modified_gmt":"2021-05-05T12:20:09","slug":"kinder-corona-karriereknick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dezfba-erz-psy\/2021\/05\/02\/kinder-corona-karriereknick\/","title":{"rendered":"Kinder, Corona, Karriereknick?"},"content":{"rendered":"\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Am 26. April 2021 um 10 h versammelten sich zahlreiche Frauen und wenige M\u00e4nner der FU vor dem Bildschirm, eingeladen vom Team Zentrale Frauenbeauftragte und Vizepr\u00e4sidentin Prof. <em>Dr. Verena Blechinger-Talcott<\/em>, zu einer Podiumsdiskussion zum Spagat zwischen Studium, Beruf, Home-Schooling und Kitas im Notbetrieb. FU-Pr\u00e4sident Prof. Dr. G\u00fcnther Ziegler und Vertreterinnen aller Statusgruppen (<a href=\"https:\/\/www.ewi-psy.fu-berlin.de\/einrichtungen\/verwaltung\/frauenbeauftragte\/news\/Kinder---Corona---Karriereknick.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Teilnehmende<\/a>) diskutierten mit Prof. Dr. Jutta Allmendinger, Pr\u00e4sidentin des Wissenschaftszentrums Berlin f\u00fcr Sozialforschung.<\/h6>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Eine Zusammenfassung.<\/h5>\n\n\n\n<p>Ziel der Veranstaltung war es, \u00fcber die Auswirkungen der aktuellen Lebensbedingungen auf die Chancengleichheit in der Wissenschaft zu informieren und gleichzeitig ganz konkrete Ma\u00dfnahmen zu diskutieren, die die FU ergreifen kann, um die Studien- und Arbeitsbedingungen f\u00fcr Hochschulangeh\u00f6rige mit Familienaufgaben in der Pandemie zu verbessern.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Aufschlag machte Prof. Dr. Jutta Allmendinger (Pr\u00e4sidentin des Wissenschaftszentrums Berlin f\u00fcr Sozialforschung) mit einem konzisen Kurzreferat, in dem sie die heutige Situation von Wissenschaftlerinnen mit der Situation im Jahr 2019 verglich und dann eine ganze Liste an konkreten Vorschl\u00e4gen lieferte, die anschlie\u00dfend von den \u00fcbrigen Teilnehmenden noch erg\u00e4nzt wurden. <\/p>\n\n\n\n<p>Zur aktuellen Situation ist Folgendes zu konstatieren:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><em>Cooling out<\/em>: War es auch 2019 noch zu beobachten, dass Frauen weit h\u00e4ufiger als M\u00e4nner nicht nur nach der Promotion, sondern auch nach der Einstellung als Professorinnen &#8222;aufgaben&#8220; (und die Wissenschaft verlassen haben), so ist aktuell angesichts der massiven \u00dcberbelastung und Ersch\u00f6pfung vieler Wissenschaftlerinnen mit zu betreuenden Kindern eine Verst\u00e4rkung dieser Tendenz zu bef\u00fcrchten.  Dies wird verst\u00e4rkt &#8230;<br>(a) durch eine Re-Traditionalisierung (verst\u00e4rkt \u00fcberproportional hohe \u00dcbernahme an Familienaufgaben durch Frauen), <br>(b) durch die vergleichsweise Mehrbelastung mit Gremienarbeit von Frauen in der Wissenschaft allgemein,<br>(c) durch die Tendenz von Frauen, mehr Zeit in die Lehre zu stecken (dies gilt nun erst recht bei der Online-Lehre),<br>(d) durch die verst\u00e4rkte \u00dcbernahme von Transfert\u00e4tigkeiten durch Frauen (\u00d6ffentlichkeitsarbeit) .<br><em>Diese Feststellungen von wissenschaftlicher Seite wurden durch die autobiografischen Berichte der Diskussionsteilnehmerinnen plastisch best\u00e4tigt, die u.a. ihre konkrete Situation als Wissenschaftlerinnen bzw. Studierende mit Kindern schilderten. Sie machten deutlich, dass sie sich &#8211; nach Jahren des anstrengenden, aber erfolgreichen Jonglierens mit Familien- und<\/em> <em>Berufsaufgaben &#8211; zum ersten Mal fragen: &#8222;Warum das alles?&#8220;<\/em><\/li><li>W\u00e4hrend das Coronajahr f\u00fcr Wissenschaftler*innen ohne Kinder oder Care-Verpflichtungen z.T. mit einer enormen Produktivit\u00e4tssteigerung einherging (gemessen in Einreichungen und erfolgreichen Publikationen), berichten Eltern in dieser Gruppe von massiven Einbr\u00fcchen, wie Prof. Dr. Allmendinger erl\u00e4uterte.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Was hilft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Allgemeine Ma\u00dfnahmen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Dem Wissenschaftszeitgesetz zufolge k\u00f6nnen befristete Qualifizierungsstellen bis zu 12 Monate zus\u00e4tzlich verl\u00e4ngert werden. Im 2. Berliner Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie f\u00fcr den Hochschulbereich wurden die Qualifizierungsstellen im wissenschaftlichen Mittelbau &#8222;vergessen&#8220;; die FU k\u00f6nnte das Wissenschaftszeitgesetz (da Gesetz auf Bundesebene) jedoch dennoch auch auf diese Stellen anwenden.<\/li><li>Ein Konzept f\u00fcr Abschluss- und \u00dcbergangsstipendien k\u00f6nnte entwickelt werden, um diejenigen unterst\u00fctzen zu k\u00f6nnen, die aktuell keinen Arbeitsvertrag haben, aber  finanzielle Unterst\u00fctzung brauchen, um ihre Abschlussarbeiten oder Promotionen zuendezubringen.<\/li><li>Mehr- oder Entlastungsprozesse im Coronazeitfenster sollten im k\u00fcnftigen Berufungsgeschehen ber\u00fccksichtigt werden. (Diese Ma\u00dfnahme wurde kontrovers diskutiert; einerseits wurde f\u00fcr mehr Offenheit pl\u00e4diert; andererseits wurde davor gewarnt, dass Elternzeiten nach wie vor letztlich nachteilig ausgelegt w\u00fcrden.)<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Konkrete Sofortma\u00dfnahmen<\/strong> <strong>f\u00fcr Betroffene<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Befristete Arbeitsvertr\u00e4ge sollten verl\u00e4ngert werden.<br>Hier wurde zudem darauf hingewiesen, dass gerade in den Situationen (Drittmittel), in denen aktuell keine solche Finanzierung gew\u00e4hrt wird, dringender Handlungsbedarf (<em>&#8222;jetzt!&#8220;) <\/em>besteht.<\/li><li>Deputatsreduktionen (ggf. kompensiert durch Lehrauftr\u00e4ge), um die Belastung zu reduzieren und Zeit f\u00fcr Qualifikationst\u00e4tigkeiten zu schaffen<\/li><li>Voucher\/Zusch\u00fcsse f\u00fcr &#8222;ungest\u00f6rte R\u00e4ume&#8220; (etwa in Hotels)<\/li><li>Zusch\u00fcsse f\u00fcr haushaltsnahe Leistungen <br>(Putzen, Kochen, Nachhilfe, Kinderbetreuung)<\/li><li>zus\u00e4tzliches Personal, d.h. studierende Hilfskr\u00e4fte (Unterst\u00fctzung  bei der Lehre und bei Forschungsaufgaben) sowie weitere Stellen f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit (Wissenschaftstransfer)<\/li><li>ggf. pr\u00e4ferierter Laborzugang<\/li><li>Anpassung von Beratungsangeboten (Offline-Formate, Live-Beratungszeiten auch sp\u00e4t abends)<\/li><li>flexible Lehrangebote (Kombination von synchronen und asynchronen Konzepten)<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><em>Was die FU aus diesen Vorschl\u00e4gen macht, wird sich zeigen; neben den Gleichstellungsmitteln bilden sicherlich auch die aktuellen Verhandlungen zu den Zielvereinbarungen einen guten Ausgangspunkt, diese Vorschl\u00e4ge zu realisieren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Umdenken &#8211; auch nach der Pandemie<\/h4>\n\n\n\n<p>Es wurde zudem deutlich, dass ein umfassendes Umdenken nach der Pandemie erforderlich ist und dass das vergangene Jahr ganz sicher nicht einfach <em>ad acta<\/em> gelegt werden kann, sondern dass einerseits mit vielf\u00e4ltigen Nachwirkungen zu rechnen ist. So zeigt etwa der Umstand, dass Mitarbeitende aktuell zunehmend von einer grundlegenden Ersch\u00f6pfung und \u00dcberlastung berichten, auch diejenigen, die sich bisher als psychisch stabil und sehr belastbar erwiesen haben. Andererseits sollten die <em>Lessons learned <\/em>unbedingt in diese Zeit <em>&#8222;danach&#8220;<\/em> mitgenommen werden. Wir brauchen ein Umdenken und Nachdenken dar\u00fcber, wie wir diese Benachteiligungen (auch unabh\u00e4ngig von Corona) ber\u00fccksichtigen k\u00f6nnen und ob Schnelligkeit ernsthaft ein belastbares G\u00fctekriterium ist. <strong>Wissenschaftler*innen und Studierende mit Kindern wollen beides: Zeit f\u00fcr Kinder und Zeit f\u00fcr ihre berufliche Entwicklung \u2013 sie k\u00f6nnen aber eben nicht hexen und sind doch ein Plus f\u00fcr die FU<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 26. 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