{"id":144,"date":"2017-10-13T16:50:38","date_gmt":"2017-10-13T14:50:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/didaktik_deutsch_grundschule\/?p=144"},"modified":"2017-10-13T16:51:55","modified_gmt":"2017-10-13T14:51:55","slug":"herausforderungen-und-moeglichkeiten-von-bildung-in-der-digitalen-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/didaktik_deutsch_grundschule\/2017\/10\/13\/herausforderungen-und-moeglichkeiten-von-bildung-in-der-digitalen-welt\/","title":{"rendered":"Herausforderungen und M\u00f6glichkeiten von Bildung in der digitalen Welt"},"content":{"rendered":"<div class=\"clearfix\">\n<p><strong>Woran erkenne ich eine zuverl\u00e4ssige Quelle? Wie unterscheide ich Informationen von Werbung? Wann darf ich ein Foto aus dem Netz weiterverbreiten, und wie sch\u00fctze ich meine Daten? Den sicheren Umgang mit dem Internet m\u00fcssen auch Digital Natives lernen. F\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in Berlin und Brandenburg ist die Bildung mit digitalen Medien daher seit diesem Schuljahr fest im Stundenplan verankert. Welchen Beitrag die Schule leisten muss, damit Kinder zu m\u00fcndigen Mediennutzern heranwachsen, war auch Thema einer Tagung in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin Ende September. Petra Anders, Professorin f\u00fcr Grundschulp\u00e4dagogik an der Freien Universit\u00e4t, hat sie inhaltlich mitgestaltet. Im Interview spricht sie mit Annika Middeldorf \u00fcber die Herausforderungen und M\u00f6glichkeiten der digitalen Vermittlung von Bildung.<\/strong><\/p>\n<p><em>Frau Professorin Anders, wie digital sind Berlins Klassenzimmer?<\/em><\/p>\n<p>Was die technische Ausr\u00fcstung betrifft, ist das von Schule zu Schule sehr unterschiedlich. An manchen bekommt jedes Kind einen Tablet-Computer gestellt, an anderen nicht. An allen Schulen aber f\u00e4llt dem Thema Medienbildung und Digitalisierung jetzt ein neues Gewicht zu, denn mit dem neuen Schuljahr ist der neue Rahmenlehrplan f\u00fcr Berlin und Brandenburg in Kraft getreten. Das Basiscurriculum Medienbildung sieht vor, dass in den Klassen 1 bis 10 Kenntnisse \u00fcber alle Medien vermitteln werden \u2013 vom Buch bis zum Smartphone. Das Lernen mit Medien und das Lernen \u00fcber Medien sind verbindliche Bestandteile des Unterrichts.<\/p>\n<p><em>Wie sieht das praktisch aus?<\/em><\/p>\n<p>Es gibt schon viele Lehrerfortbildungen mit Tipps, wie der Unterricht mit digitalen Mitteln gestaltet werden kann \u2013 also f\u00fcr das Lernen mit Medien. Ein Beispiel aus dem Deutschunterricht ist das digitale Geschichtenerz\u00e4hlen: Hier programmieren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler kleine Geschichten mit einer Software, statt sie aufzuschreiben. Die Themen Datensicherheit oder Medienkritikf\u00e4higkeit, also das Lernen \u00fcber Medien, sind allerdings ein enig aus dem Blick geraten. Da fehlt es noch an Sensibilit\u00e4t, auch bei den Lehrkr\u00e4ften. Dabei sind uns die Themen der Medienkompetenz schon lange vertraut. Im Geschichtsunterricht beispielsweise ist die Quellenkritik ganz elementar. Um eine historische Schrift einordnen zu k\u00f6nnen, wurde im Unterricht schon immer auch danach gefragt, wer den Text zu welcher Zeit mit welcher Meinung oder Absicht geschrieben hat. Das gilt es nun auch auf Online-Medien zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p><em>Bei welchen Internetseiten ist denn grunds\u00e4tzlich ein kritischer Blick angebracht?<\/em><\/p>\n<p>Ein gutes Beispiel ist die Bildersuche \u00fcber Google, wenn im Unterricht das Thema Recherche auf dem Stundenplan steht. Oft sind die Sucherergebnisse Bilder, die der Realit\u00e4t nicht gerecht werden, sondern einen vermeintlichen Mainstream abbilden. So sind die Darstellungen von M\u00e4nnern und Frauen in der Wort- und Bildersuche mit vielen Klischees oder Vorurteilen belegt. Dazu kommt, dass Inhalte aus dem Internet bereits anhand der eigenen Daten personalisierte Inhalte sind. Das kennen wir, wenn wir Werbung zugespielt bekommen. Es kommt also auf denjenigen an, der sucht, welche Ergebnisse er oder sie bekommt. Nicht nur die Suchergebnisse, sondern das Zustandekommen dieser Ergebnisse sollten Lehrkr\u00e4fte dann auch im Unterricht thematisieren. F\u00fcr Kinder und Jugendliche ist die Selbstdarstellung im Netz ein unverzichtbares Thema \u2013 hier k\u00f6nnen Lehrkr\u00e4fte sehr gut an die Lebenswelt ihrer Sch\u00fcler ankn\u00fcpfen und mit ihnen \u00fcber die Funktionsweise von Medien lernen.<\/p>\n<p><em>Ende September fand eine Tagung der Berliner Senatsverwaltung f\u00fcr Bildung, Jugend und Familie, der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Freien Universit\u00e4t zur Medienbildung im Klassenzimmer statt. Was wurde dort au\u00dferdem diskutiert?<\/em><\/p>\n<p>Die Tagung hat deutlich gezeigt, dass wir in Berlin-Brandenburg am Anfang einer wichtigen Entwicklung stehen. Es geht darum, die durch Rahmenlehrpl\u00e4ne vorgegebene Richtung gemeinsam auszugestalten und dabei die Urteilskompetenz nicht aus den Augen zu verlieren. Uns haben die Lehrkr\u00e4fte auf der Tagung deutlich signalisiert: Sie wollen nicht nur umsetzen, sondern brauchen mehr Reflexionsraum. Dazu geh\u00f6ren auch Kulturen des Teilens und der gegenseitige Austausch \u00fcber neue Wege im Digitalen. Eine zentrale Frage auf der Panel-Diskussion war, inwiefern sich die Schule von au\u00dfen Nachhilfe holen muss: M\u00fcssen Projekte von au\u00dferschulischen Digitalwerkst\u00e4tten auch in Schulen einen Platz finden, oder sollten Lehrkr\u00e4fte vielmehr selbst Experten im Digitalen werden? Zu einem solchen Expertentum geh\u00f6rt auch, dass Lehrkr\u00e4fte Kontrolle abgeben, neue Lernkulturen initiieren und mit Sch\u00fclern neue digitale Ph\u00e4nomene gemeinsam entdecken beziehungsweise sich durch medienkompetente Sch\u00fcler, den sogenannten Medienscouts, helfen lassen.<\/p>\n<p><em>Was sind die n\u00e4chsten Schritte in Richtung digitales Klassenzimmer?<\/em><\/p>\n<p>Die Tagung verstand sich als Auftaktveranstaltung der Reihe \u201eDiskurs. Medien. Bildung\u201c. Sie hat Lehrkr\u00e4fte f\u00fcr die wichtige Dimension der M\u00fcndigkeit in der digitalen Welt sensibilisiert. Nun gilt es, unterrichtspraktische Workshops in dieser Reihe folgen zu lassen, damit Lehrkr\u00e4fte ihr vorhandenes R\u00fcstzeug \u2013 die Ausbildung der Urteilsf\u00e4higkeit \u2013 am Beispiel des Digitalen anwenden und erweitern k\u00f6nnen. Ob das Klassenzimmer selbst digital wird oder das Digitale als Reflexionsraum dient, bleibt eine spannende Frage.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"box-article-author\">Von Annika Middeldorf<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-berlin.de\/presse\/publikationen\/tsp\/2017\/tsp-oktober-2017\/surfendes-klassenzimmer\/index.html\">https:\/\/www.fu-berlin.de\/presse\/publikationen\/tsp\/2017\/tsp-oktober-2017\/surfendes-klassenzimmer\/index.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Woran erkenne ich eine zuverl\u00e4ssige Quelle? Wie unterscheide ich Informationen von Werbung? Wann darf ich ein Foto aus dem Netz weiterverbreiten, und wie sch\u00fctze ich meine Daten? Den sicheren Umgang mit dem Internet m\u00fcssen auch Digital Natives lernen. 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